Nachdem ich letzten Herbst mal probehalber draussen gezeltet habe (es hatte ca. 5 Grad plus) war eine Grenze für mich weggefallen, die mich immer skeptisch gemacht hatte: Zelten im Frühling und im Herbst. Meinen Schlafsack hatte ich schon im Hinblick darauf angeschafft, aber es jahrelang nicht geschafft. Entweder ich war völlig überarbeitet oder krank, und ich traute mich nie, so was zu tun und dann vielleicht noch mal mehr krank zu werden.
Dieses Jahr bin ich sehr immunstark, und habe auch mal zwei Tage frei, an denen ich mich nicht von irgendeinem Schichtmarathon erholen muss, und damit klappt es nun endlich, juhu!
Mein Problem ist allerdings, dass ich gerne in der Natur übernachten würde, und die meisten Campingplätze sehr auf Dauercampleute eingestellt sind, viele andere kleine Plätze auf Mobile eingestellt sind und ich nur sehr wenige Biwakplätze kenne. Und wild zelten, ja ist in Brandenburg eigentlich erlaubt, allerdings sind überall Naturschutzgebiete und es gibt z.T. nur sehr kleine Inseln, die nicht geschützt sind. Und da wirds dann möglicherweise auch nicht so gut sein, weiss man vorher nicht so.
Deshalb hatte ich die Idee, eine kollektive Landwirtschaft zu fragen, ob ich bei ihnen irgendwo auf einer Wiese zelten darf. Das haben sie mir auch erlaubt. Also ging es von Berlin bis fast nach Müncheberg. Ich wählte die Strecke über den Müggelsee und Erkner, obwohl ich sie ehrlich gesagt unschön finde. D.h. ab Erkner finde ich die Strecke unschön. An stark befahrenen Strassen befindet sich der Radweg seitlich, manchmal sind die Beläge schlecht, und eben dauernd der Verkehrslärm.
Ich machte Pause am Mollensee, dazu bin ich von der Strasse aus zu Fuß zum See runter gegangen.
Im Gebüsch sprangen ein paar grössere Tiere vor mir weg, ich weiss nicht, ob es Rehe waren, nachher sah ich da noch ein niedliches Wildschwein aus der Nähe. :)

Bild: Mittagspause. Ein Behälter für Essen aus Metall, Vollkornbrot, Aufstrich und Gurkenscheiben sind da und mein Opinel Taschenmesser

Bild: Das Ufer des Mollensee. Braune Schilfhalme, Bäume noch ohne grüne Blätter, ein ruhiger Wasserspiegel

Bild: Mollensee im trüben Märzwetter. Am Anderen Ufer sind ein paar Häuser
Auf dem Schild war eine "Schutzhütte" angegeben, darunter wird in dieser Region eine Überdachte Bank mit Tisch verstanden. Okeh.

Bild: Ein Weg schlängelt sich durch ein Wäldchen, wegen der frühen Jahreszeit sind die Bäume kahl. Auf dem Boden liegt Laub vom letzten Jahr.
Ich war sehr froh, als ich bei Kagel von der Hauptroute abwich. Auf einmal wurde es ganz ruhig. Ich hörte meinen Ledersattel knarzen, und die Vögel waren viel zu hören. Ansonsten mal ganz selten ein Auto, das hier entlang fuhr. Radfahrende sah ich recht wenige, unter der Woche und mit bedecktem Himmel.
Die Route führte mich dann über teils sandige Waldwege (brava! was habe ich mir dabei gedacht?) und dann kam ich wieder auf einen guten, asphaltierten Weg, der als Radweg ausgeschildert war. Ich wusste, ich muss davon wieder runter, aber als der Weg, den ich wohl hätte nehmen sollen, in Sicht kam, redete ich mir ein, dass ich noch länger dem asphaltierten Weg folgen müsse. Dadurch verfuhr ich mich geringfügig nach Jänickendorf, wo über eine etwas bessere Strasse nach Schönfelde kam: ziemlich breit, und geschottert oder mit festgefahrenem Sand, und sehr vielen Schlaglöchern. Ich fuhr deshalb langsam und Slalom, aber es ging.
An der Strasse kam ich an einem Bio-Hof mit schnuckligen Highland-Rindern vorbei. Die sehen so urig aus, und ihre Hörner erst. Danach sah ich auf dem Feld eine Anlage, mit der irgenwelche flüssigen Dinge aufgebracht werden können. Beeindruckend, wie lang diese Teile sind. Die Anlage war mit einer fest im Boden verlegten Zuleitung verbunden. Das müssen ganz schöne Mengen sein, die da versprüht werden, dass sich so was lohnt.

Bild: an einem Haufen Heu versammeln sich zottlige Highland Rinder mit langen Hörnern, weiter hinten ist ein Teich.

Bild: ein weites Feld mit Wald im Hintergrund, eine Berieselungsanlage, die ca. 100 meter lang ist.
Nach Schönfelde musste ich durch den Wald navigieren, die "Strasse" bestand aus diesem furchtbaren Katzenkopfsteinpflaster, die Furchen daneben waren nur so mittelgut befahrbar. Sobald ich konnte, wich ich auf einen Waldweg aus. Das ging besser, dafür war ich aber leider von der geplanten Strecke abgewichen und fuhr mehr so nach Orientierungssinn. Der ist ja ok, aber wenn du genau einen Punkt treffen willst.. Ich verlangte meinem alten Smartphone ein paar Minuten Google Maps GPS Gedöns ab, und dann konnte ich auch schon den richtigen Weg bestimmen, der mich direkt zum Landprojekt führte.

Ein Waldweg mit erdigem Boden, auf beiden Seiten sind Stapel mit 2m langen frisch gesägten Baumstämmen.
Die Leute sind super nett und wussten auch Bescheid, dass ich komme, und ich durfte mein Zelt auf einer großen Wiese oder am Waldrand bei der Wiese aufbauen und wurde noch zum Abendessen eingeladen. Das war sehr lecker und ich musste meinen Kocher gar nicht auspacken. Die dadurch gewonnene Zeit nutzte ich, um einen Spaziergang am Wald entlang zu machen, und zurück über die Pferdeweide. Es gab Kartoffeln, Gulasch und Salat, und dazu hausgemachten Apfelsaft. Sehr lecker. Ich hatte ein kleines Schlafdefizit, und deshalb zog es mich schnell ins Zelt.

Bild: ein wasserdichter Ortlieb Packbeutel, ein verpacktes Nordisk Telemark 2 LW Zelt.

Bild: Eine Wiese im Abendlicht, zwei Pferde weiden darauf.
Ich mag das kleine Telemark Zelt sehr, aber für zwei wäre es zu klein. Letzten Herbst habe ich mir einen Footprint aus Baumarktplane dafür geschneidert, und ihn jetzt zum ersten Mal ausprobiert: er passt perfekt, und die eine Bogenstange rastet genau in die zwei Ösen ein, die ich dafür eingesetzt habe. Super. Der Boden des Zeltes ist schon sehr dünn, wohl, um Gewicht zu sparen.
Ich hängte meine Zeltlaterne auf und las noch ein bischen, aber wurde doch ganz schön fix müde. kurz vor neun schlief ich schon ein. Ich wachte gegen 22 Uhr auf, und stellte fest, dass der Hund, der Nachbarn, der schon den ganzen Abend gebellt hatte, immer noch bellte. Diesmal klappte das mit dem Ausblenden nicht so gut, und ich war froh, dass ich Ohropax dabei hatte. Ich wachte in der Nacht 2-3 mal auf und musste auch mal raus, aber insgesamt habe ich ganz gut geschlafen. Und lang. Ich wachte um kurz nach 6 auf, und räkelte mich bis kurz vor 7 im Schlafsack, weil ich unmotiviert war, in der Kälte aufzustehen.

Bild: Sonnenaufgang am Zelt, das Fahrrad steht auch dabei.
Aber irgendwann musste ich ja doch hoch. Vor dem Zelt kochte ich mir Kaffee und sass im Zelteingang mit dem Heißgetränk, es war sehr gemütlich. Die Leute vom Hof fingen mit dem Arbeiten an, ließen die Pferde auf die Wiese, und der Trecker drehte die ersten Runden.

Bild: Das Zelt und die Wiese im Hintergrund

Bild: Zelt mit offenem Eingang, Schlafsack und Luftmatratze
Ich packte dann in Ruhe ein, hängte das tau- und kondenswasser-nasse Zelt in einen Baum und ging in die Küche, um noch etwas mit den Leuten zu reden, und als ich wiederkam, war das Zelt schon trocken. In der Nacht war eine nicht ganz so dichte Wasserflasche, die ich meist im Flaschenhalter am Fahrrad habe, im Zelt ausgelaufen. Ein bischen. Es stand eine Lache Wasser neben dem Schlafsack, bäh..
Ich habe mit meinem Outdoorhandtuch nachts schnell alles aufgesaugt und das Handtuch dann ins Vorzelt geworfen. Morgens habe ich es aufgehängt, und es war wirklich auch in kürzester Zeit trocken! Ich stehe sehr auf dieses Handtuch.
Beim sich abtrocknen ist es vom Gefühl her gewöhnungsbedürftig, aber es funktioniert einfach sehr gut.
Der Rückweg sollte über die Märkische Schweiz gehen, dazu fuhr ich nach Müncheberg rein und von dort Richtung Waldsieversdorf. Der Radweg dort hin ist wirklich nett, er geht von Dahmsdorf ab durch den Wald. In Müncheberg hatte ich mir beim Netto Brötchen geholt. Als ich im Wald war, schien sogar ein wenig die Sonne und ich machte Pause mit Waldfrühstück.

Bild: ein asphaltierter Weg zwischen Dahmsdorf und Waldsieversdorf im Wald

Bild: Das bepackte Fahrrad auf einem Waldweg mit etwas Sonnenschein

Bild: Das Fahrrad lehnt an einem Baum, auf dem Waldboden liegt eine Regenjacke, der Proviantbeutel und Frühstückskram
Als ich da saß, erwischte ich eine Zecke, die über meine Hand kroch. Die frühe Jahreszeit schreckt manche Spinnentiere offenbar nicht ab. Natürlich kribbelte es dann überall, dieses Phantomkribbeln das man hat, wenn man sich fragt, ob..?
Die Strecke von Waldsieversdorf zurück nach Berlin war ich schon zweimal gefahren, allerdings noch nicht zu dieser Jahreszeit. Die noch braunen Wälder, aber die schon wärmeren Temperaturen und die Vogelstimmen bildeten eine nette Kulisse. Leider hatte ich den ganzen Rückweg Gegenwind. Allerdings hat es nicht, wie angekündigt, geregnet, und das ist ganz schön was wert!

altersschwache Scheune in Liebenberg

Bild: Ruheforst. Bäume und das Fahrrad stehen auf einem Abhang, dahinter ist ein See.
"Ruheforst". ich weiss nicht, was der Name soll. Der Wald lag neben einer stark befahrenen Strasse in der nähe von Strausberg und war nicht wirklich ruhig.

Bild: Grünland mit großen Pappeln, auf denen eine Menge Misteln wachsen.
es grünt so grün der Reifenberg

Bild: ein Haufen alter Auto- und Traktorenreifen, die Moos angesetzt haben, hinter Altlandsberg

Bild: Das Fahrrad in einer Allee mit grossen, unbelaubten Bäumen zwischen frisch bestellten grünen Feldern

Bild: Ein sandiger Weg mit einer kahlen Hecke
Als ich hinter Altlandsberg auf dem ZR1 fuhr, nahm ich doch nicht die Abzweigung nach Hönow, sondern wollte nach Ahrensfelde und auf dem Wuhletal-Wanderweg bis Hellersdorf fahren, und dann über die Allee der Kosmonauten. Ausgeschildert war es nach dem "Knotenpunktsystem Barnim". Das war ja schön und gut, aber wenn zwischen den Knotenpunkten die Wege schlecht ausgeschildert sind.. ich verfuhr mich nach Blumberg, zum falschen Knotenpunkt, und dann kam ich statt in Ahrensfelde in Mehrow raus. Das war aber okay, denn am Knotenpunkt in Eiche war ich fast schon auf dem von mir angepeilten Wuhletal-Wanderweg.
Der Rest der Tour war unspektakulär. Ich war dann aber doch ganz froh, die 75km Gegenwind hinter mir zu haben.
Das ging mir ganz schön auf die Knie. Die machen mir gerade etwas mehr Probleme als gewohnt und ich frage mich, ob es einfach das älter werden ist, das meine doch ziemlich deutliche Arthrose bemerkbarer werden lässt. Möglicherweise muss ich einfach das Tempo und das Pensum runter fahren. Aber Radtouren machen werde ich weiterhin, so.
Fazit: Gut, dass ich mich aufgerafft habe! Draußen sein 2017! Yay!
PS: Ich habe mich entschlossen, die Bildbeschreibung ausser im Alternativtext zu den Bildern noch zusätzlich darunter zu setzen. Ich entschuldige mich bei allen, die die Bildbeschreibung jetzt doppelt haben.