Update am 24.9.2013: Link zu Cat aktuaisiert!
Der Titel lässt's erahnen, ich war bei Cat und Kascha.
Dort hat Catherine geschrieben, dass in ihr angesichts der "neuen Häuslichkeit" in der weiblichen Blogosphäre oft etwas an Unbehagen aufsteigt.
Ich habe dort jetzt nicht kommentiert, denn da sind schon 111 Kommentare und ich bin von der Zahl schlicht überfordert, ich bin von sehr beliebten und oft gelesenen Blogs eh überfordert, hahaha. Aber wenn ich kommentiert hätte, hätte ich mich für den Artikel bedankt. Denn mir geht's oft ganz ähnlich. Ich würde oft auch gerne hören, was die handarbeitende Masse denn ansonsten so denkt, neben der Handarbeit ;-) und ich ärgere mich öfter auch mal, dass ich hier zu wenig einfliessen lasse, was ich sonst so denke.
Mit dem Podcast hat sich das gebessert. Da gehts um Landwirtschaftspolitik, Antirassismus und auch mal um Feminismus und so weiter. Da bin ich zufrieden damit. Ich habe mich z.b. auch drüber gefreut, dass d
ie FibrePiratess in ihrem Podcast auch über Gender-Veranstaltungen geredet hat und über ihren Selbstbehauptungsworkshop.
Wollen wir also mehr Brüche in der glatten Häuslichkeit? Oder doch lieber nicht? Mit einer Freundin habe ich mal im Chat die Nacht durchdiskutiert, ob es nicht sogar gefährlich und unverschämt ist, wenn man ein tolles mega-öko-kreativ-Parenting-Strick-Koch-Näh etc Blog führt, wo die Welt stets in Ordnung ist und wo alle stets harmonisch und megakreativ zusammen wirken und leben. Weil man da dann auch eine Messlatte hinlegt für andere Frauen, besonders wenn dann noch Verantwortung für Kinder mit ins Spiel kommt.
(Randbemerkung: Hier läuft die ganze Zeit ne Maus im Zimmer rum. Seit die Katze ihre Vorliebe für Mäuse entdeckt hat, fängt sie sich welche und lässt sie in der Wohnung frei - waaaaaaah.. die Katze hält sich quasi Mäuse zum Spielen in unserer Wohnung! Und sie tötet sie auch nicht. Sie behandelt diese Mäuse sogar ganz schön pfleglich. Wenn sie sie erwischt, trägt sie sie im Maul rum wie ein kleines Kätzchen und dann setzt sie sie wieder aus und lässt sie weglaufen. Wenn sie keine Lust mehr hat, legt sich die Katze schlafen. Und dann knistert und knabbert es nachts die ganze Zeit in den Ecken... RAAAH.....)
Na gut, wo war ich stehengeblieben.. also, mir gehts ähnlich, dass ich da ein Dilemma sehe, einerseits mag ich einfach diesen Craftcontent, mit schön Stricken, Spinnen, Nähen und dem ganzen Kram. Ich lese auch gerne diese bildschön fotografierten Heile-Welt-Blogs von manchen Crafterinnen. Andererseits finde ich es auch schade, dass die "andere Seiten" so unsichtbar werden. Ich würde nicht so weit gehen, es als eine gefährliche Messlattenhängerei zu bezeichnen... aber es ist einfach eine verkürzte Darstellung von dem, was viele Frauen machen, und es bedient halt leider oft Klischees. Also schon ein "Ja" von mir zu mehr Brüchen im Weiblichkeitskonstrukt.
Heisst das jetzt, dass in Craftblogs mehr darüber drin stehen sollte, dass man manches nicht hinkriegt, was man für Probleme hat und was alles blöd ist? Ich denke nicht. Ich mache das auch nicht, einfach, weil ich nicht in aller Öffentlichkeit über meine Problemchen und kleinen Verzweiflungen reden möchte. Etwas Anderes ist es, wenn sie nützlich sein können um zu einem Thema was konstruktives beizutragen, z.b. indem man mal über die Krankheit Depression was schreibt. Aber zu persönlich dabei zu werden, habe ich auch keine Lust.
Nein, ich muss nicht meine persönlichen Probleme in aller Öffentlichkeit auswalzen, aber Brüche im Bild der häuslichen Craftbloggerei können ja auch anders veranstaltet werden. Durch Meinungsmache und Polit-Themen zum Beispiel, oder wenn sowas traditionell häusliches wie Handarbeit auf einmal in Form von Guerilla-Knitting öffentlich wird. Oder manchmal sind auch die gebloggten Dinge in Craftblogs auch überhaupt nicht niedlich-deko-tütelig, sondern an sich unkonventionell und subversiv. Schon die Strickmuster in der
Knitty sind oft unkonventionell gewesen, bei
the Anticraft gehts allerdings noch heisser her.
(Ich habe echt geschafft, die Maus rauszuschmeissen, juhuu! Sie war in einem Korb mit Percussionschnickschnack und hat da drin gerödelt und einen total nervenden Radau gemacht. Ich habe schnell den Korb vor die Tür getragen, sie war auch echt noch drin, und dann hüpfte sie raus und die Treppen runter. Endlich Ruhe! Wieso sieht diese Katze nicht ein, dass sie ihre Mäuse zum Spielen nicht in der Wohnung halten kann... )
Eine Kommentatorin hat bei Cat geschrieben: Diese Frauen haben alle ein Leben, einen Job, und anderes zu tun - aber sie machen es sich und uns im Internet schön und das wäre doch toll.
Ja, das ist schon toll wenn es jemand einem schön macht. Das ist nicht zu unterschätzen.
Letzten Endes könnte man sogar sagen, dass Häuslichkeit der eigentliche Sinn des Lebens ist, und dass doch diese ganze irre Rackerei der Menschheit nur dazu dient, ein trautes Heim zu schaffen in dem man glücklich mit seinen Lieben leben kann. Oder wozu sonst alles? Geht man nicht arbeiten für sich und sein Zuhause? Also heisst das doch im Umkehrschluss: Häuslichkeit ist das Wichtigste und Primärste im Leben überhaupt, und irgendeine sehr verzerrende gesellschaftliche Konvention hat irgendwann festgeschrieben, dass Nebensachen wie irgendwelche Leistungen erringen und zur Lohnarbeit zu gehen spannender und wichtiger sind. Naja, zumal Lohnarbeit und "externe Bereiche" so auch nicht schon immer existiert haben.
Aber bevor das nun ins völlig philosophisch-Schwafelnde abdriftet: Ich finde meinen Sinn schon auch in einem schönen Zuhause, harmonischen Beziehungen und in möglichst selbstbestimmten Gemeinschaften und Gesellschaften, wo Entfaltung und einfach ein schönes Leben möglich ist. Friede, Freude, Eierkuchen. Das macht vielleicht das Craft- und Homedeko-bloggen so attraktiv. Weil ich da konkrete Resultate sehe von Dingen, die ich selbst machen kann, gerade in einer kapitallistischen Konsumkultur ist das ja auch was wert.
Aber es reicht nicht ganz, denn da stand auch: "in möglichst selbstbestimmten Gemeinschaften". Zuhause, das ist für mich auch, dass die Community, zu der man sich zugehörig fühlt, kein Jammertal volller Ungerechtigkeiten und Schreckensherrschaft ist. Und das ist leider nur bedingt gegeben. Also, im Argen liegt jedenfalls genug.
Und da passt es für mich schon sehr gut, wenn man sich das heimelige Kuschelzuhause als konsumverweigerndes DIY-Reich zusammenbastelt, aber auch seine Meinung sagt, politisch aktiv ist oder was in dem grösseren Zusammenhang in dem man sich bewegt, bewegt.
Das wäre für mich die beste Mischung: Craftblogging, aber auch etwas Politblogging, und auch ein wenig Aktivismusblogging.