WERNER & HERTZ G.m.b.H., D-6500 Mainz
Imprägnierspray für Leder und Textilien sowie dessen
Verwendung
Beschreibung
Technischer Hintergrund
Moderne Schuhe haben einen hohen Standard im Hinblick auf Tragekomfort und Paßform. Beim größten Teil der heute erhältlichen
Schuhe entfällt das früher übliche "Eingehen",
d.h. das langsame Anpassen der relativ harten Leder an die individuelle Fußform mit all seinen lästigen Beschwerden.
Drückende Schuhe, schmerzende Füße beim Tragen neuer Schuhe gehören weitgehend der Vergangenheit an.
Erreicht wurde dieser Fortschritt u.a. durch Verarbeitung weicher, flexibler und dehnfähiger Glattledersorten, die
schnell anpassungsfähig sind und kaum Druck- und Scheuerstellen am Fuß verursachen. Dieser Vorteil ging jedoch zu
Lasten einer anderen wichtigen Ledereigenschaft, der Wasserfestigkeit. Durch Einarbeitung von weichmachenden Substanzen,
wie emulgierte Fette (Fettlicker), in die Leder wurde die Hydrophobierung zum Teil bedeutend verschlechtert.
Um den Erfordernissen beim täglichen Gebrauch dieses so zugerichteten Schuhwerks Rechnung zu tragen, ist es
dringend geboten, diese Schuhe vor dem ersten Gebrauch und auch zwischendurch während des Tragens zusätzlich zu imprägnieren.
Die Behandlung mit üblichen Pflegemitteln bleibt unberührt.
Sinngemäß gilt das für Schuhe ausgeführte auch für Lederbekleidung.
Weiterhin ist es notwendig, auch faseroffene Leder, sogenannte Rauhleder (auch Wildleder, Veloursleder, Nubukleder
genannt), wirksam zu imprägnieren, deren Wasserfestigkeit für den allgemeinen Gebrauch nicht ausreicht.
Lederimprägniermittel des Stands der Technik
Als Imprägnierungsmittel stehen dem Endverbraucher ausschließlich Sprühartikel (Aerosole) zur Verfügung, mittels
der sich Imprägniersubstanzen und Pflegemittel sparsam, gleichmäßig und mühelos auf die Oberfläche der Lederartikel
aufbringen lassen. Diese Applikation ist allen anderen angebotenen Darreichungsformen überlegen (z.B. Aufbringen
von Imprägniersubstanzen in gelöster, flüssiger Form über Pumpenversprühung, direkter Verteilung der Flüssigkeit
aus einer Flasche über einen Dispenser aus Schwamm-FiIz oder anderem Material). In der Aerosoldose ist das
Treibmittel bzw. die Treibmittelmischung für das Ausbringen und das feine Zerstäuben des eigentlichen Wirkstoffes
verantwortlich. Dieser Wirkstoff besteht aus Hydrophobiermitteln,
wie Siliconen, Fluorcarbonharzen, Metallseifen, bestimmten Komplexverbindungen, Wachsen - einzeln oder in
Mischungen - die in Lösemitteln, wie Testbenzin, chlorierten Kohlenwasserstoffen, Alkoholen, Estern, Ketonen, Aromaten,
gelöst oder fein dispergiert sind. Als Treibmittel werden verflüssigte, mit Wasser nicht mischbare Gase, wie
Fluorchlorkohlenwasserstoffe (FKW), Propan, Butane, eingesetzt. Ferner werden auch komprimierte Gase,
wie Kohlendioxid, Distickoxid, verwendet. Wirkstoff-
und Treibmittelphase sollen eine homogene Mischung ergeben. Keines der bekannten Imprägniermittel basiert auf
wäßrigen oder z.B. wäßrig/alkoholischen Lösungsmittelsystemen;
sondern sie enthalten rein organische Lösemittel. Abgefüllt werden die Inhaltsstoffe in druckfesten Weißblechoder
Aluminiumdosen, die mit handelsüblichen Ventilen und Sprühköpfen versehen sind.
Diese so hergestellten Imprägniermittel erfüllen ihren Zweck, Leder und Textilien zu hydrophobieren, sehr gut.
Dem unbeschränkten Einsatz obengenannter Aerosolprodukte stellt sich nun aber ihre in den letzten Jahren aufgetretene
unerwünschte physiologische Wirkung entgegen. In mehreren Veröffentlichungen wurden diese Imprägniersprays
auf der Basis bekannter Wirkstoff/Treibmittel-Kombinationen für das Auftreten von Vergiftungen im Bereich des
Atemtraktes verantwortlich gemacht. Es wurde über hochgradigen Hustenreiz, Atemnot und Lungenödeme berichtet.
Diese toxischen Erscheinungen traten hauptsächlich bei der Verwendung von Imprägniersprays in geschlossenen,
meist unbelüfteten kleinen Räumen auf. Aus diesem Grund
werden deshalb auf allen in der Bundesrepublik Deutschland erhältlichen Imprägniersprays in Abstimmung der Behörden
mit der Imprägnierspray herstellenden Industrie Warnhinweise auf die Etiketten gedruckt. Auch wurden Imprägniersprays
von einzelnen Herstellern in Übereinkunft mit den zuständigen Behörden vom Markt zurückgenommen.
Erfindungsgegenstand
Es stellte sich die Aufgabe, Aerosol-Imprägniermittel für den Endverbraucher mit vergleichbarer Hydrophobierleistung
ohne nachteilige physiologische Nebenwirkungen zu konzipieren.
Die Lösung dieses Problems gestaltete sich deshalb so schwierig, da nach gegenwärtigem Wissensstand nicht bekannt
ist, welcher der oben beschriebenen Rohstoffe bzw. welche Rohstoffkombination für das Auftreten der Gesund-
heitsbeeinträchtigungen verantwortlich zu machen sind.
Überraschenderweise wurde nun gefunden, daß an sich bekannte Hydrophobierstoffe auf Basis perfluorierter Carbonharze
(Fluorcarbonharze), die mit Wasser allein oder mit Wasser/Alkohol-Mischungen verdünnbar sind, als Aerosol mit
Treibmitteln, wie z.B. Dimethylether (DME), abgefüllt und versprüht werden können. Sie sind zur hydrophobierenden
Ausrüstung wasserempfindlicher Leder geeignet, ohne daß beim Einatmen der Sprühnebel physiologische Schädigungen
der Atemwege entstehen. Gesundheitsbeeinträchtigungen sind mit der erfindungsgemäßen Zusammensetzung nicht zu be- .
fürchten, wie inhalationstoxikologische Untersuchungen erbracht haben.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist nun ein Imprägnierspray für Leder und Textilien, enthaltend
(A) einen aus Fluorcarbonharzen, Lösungsmittel (LA) sowie gegebenenfalls Hilfsstoffen bestehenden Wirkstoff und
(B) ein oder mehrere Treibmittel,
das dadurch gekennzeichnet ist, daß (B) ein mit V/asser misch- oder emulgierbares Treibmittel ist und das Lösungsmittel
(LA) Wasser und/oder ein mit Wasser mischbares Lösemittel (LW) ist.
Bei einem erfindungsgemäß vorhandenen, mit Wasser mischbaren Treibmittel (B) handelt es sich bevorzugt um ein verflüssigtes
Treibmittel, wie z.B. Dimethylether (DME). Ist dieses Treibmittel (DME) in Kombination mit einem Lösungsmittelsystem
(LA) aus Wasser und/oder einem mit Wasser mischbaren Alkohol, insbesondere Äthanol oder Isopropanol, vorhanden,
dann bildet sich in dem Imprägnierspray ein binäres bzw. ternäres System aus DME, Wasser und/oder Alkohol
aus, das innerhalb der bekannten Mengenbereiche in Form einer einheitlichen Phase
vorliegt. Im Falle einer Kombination von DME mit Wasser und/oder Alkohol (z.B. Äthanol oder Isopropanol) ist daher
das Mengenverhältnis dieser Stoffe bevorzugt derart, daß die bekannte Mischungslücke zwischen DME und Wasser
(vgl. Seite Ί8 des Prospekts der Aerofako B.V., Holland, "DME Pure, NEW AEROSOL PROPELLANT", September 1983) vermieden
wird.
Als Treibmittel (B) kann auch ein verflüssigtes (mit Wasser nicht mischbares aber) emulgierbares Treibmittel, wie
z.B. Propan, Butan oder Difluordichlormethan, vorliegen.
Als Treibmittel (B) können aber auch komprimierte, mit Wasser mischbare Treibmittel vorhanden sein, wie z.B. Kohlendioxid;
als weitere Beispiele komprimierter Treibmittel sind Stickstoff und Distickoxid zu nennen.
Die in dem Wirkstoff (A) vorhandenen Pluorcarbonharze sind
die üblichen, wie sie von mehreren Firmen zur hydrophobierenden Ausrüstung von Leder und Textilien angeboten werden.
Insbesondere sind solche hydrophobxerenden Pluorcarbonharze
zu nennen, die mit Wasser und/oder Alkoholen verdünnbar sind, insbesondere solche, die mit Wasser und/oder
Alkoholen Lösungen oder über längere Zeit stabile Emulsionen bzw.
Dispersionen bilden. Dabei versteht man auf diesem Gebiet unter "längere Zeit stabil" im allgemeinen übliche Standzeiten
dieser Produkte, von z.B. bis zu 3 Jahren.
Im Zusammenhang mit solchen bekannten hydrophobierenden Perfluorverbindungen sind zu nennen langkettige Perfluorcarbonsäuren,
Perfluoralkansulfonsäuren, Perfluoralkansulfonsäurefluoride bzw. davon abgeleitete Polymerisate
auf der Basis fluorhaltiger (Meth)-acrylsäureester, ferner Produkte auf Basis fluoraliphatischer Verbindungen
mit salzbildenden Aminogruppen (vgl. z.B. DE-AS 11 96 183, DE-AS 10 72 612 sowie EP-A-102 690). Als Vertreter von
im Handel befindlichen Produkten (meistens als Dispersionen) sind zu nennen, wobei in Klammern jeweils der Feststoff
gehalt in Gewichtsprozent angegeben ist: PC 208 (ca. 30 %); FC 214 (20 %); FC 228 (27 %); FC 229 (20 %);
FC 390 (10 %); FC 453 (20 %); FC 461 (30 %) ; Foraperle
C 305 (25 %); Foraperle P 300 (17 %); Foraperle T 140
(30 %); Foraperle T 145 (25 %); Foraperle T 355 (30 %);
Foraperle T 344 (3I %); Foraperle II90 (28 %);Foraperle T430;
Xeroderm DH 471763 (100 %); Nuva F (ca. 20 %); Nuva
FH (ca. 25 %). Besonders bevorzugt unter diesen Produkten
sind FC 228 sowie Foraperle P 300 und C 305.
Das erfindungsgemäß vorhandene Lösungs- oder Verdünnungs-Mittel
(LA) ist ausgewählt aus der Gruppe: Wasser, bevorzugt deionisiertes Wasser; einem mit Wasser misch-
baren Lösemittel (LV); und Mischungen von Wasser mit' (LW). '
Als Lösemittel (LW), allein oder in Mischung mit Wasser, haben sich mit Wasser mischbare Alkohole, insbesondere ein-
oder mehrwertige aliphatische Alkohole, bewährt; bevorzugt handelt es sich dabei um C.-Cg-Alkohole, wie z.B. Ethanol,
n-Fropanol, Isopropanol, Butanol; ferner Glykole, wie z.B.
Ethylenglykol, aber auch mit Wasser mischbare Ketone sind
als Lösemittel (LW) geeignet, wie z.B. Aceton.
Bevorzugt ist es beim Anmeldungsgegenstand, wenn die resultierende
verdünnte Lösung von Fluorcarbonharz im Lösungsmittel (LA), d.h. der Wirkstoff (A), mit dem Treibmittel (B),
z.B. Dirnethylether, klar oder fein dispers in druckfesten Behältern
mischbar ist. Hier hat sich als besonders geeignet ein Lösungsmittel (LA), bestehend aus der Kombination von
Wasser/Alkohol, erwiesen. Aber auch Alkohol allein (z.B. in
Kombination mit den Treibmitteln DME, Propan oder Butan) oder Wasser allein haben sich als Lösungsmittel (LA) bewährt (vgl.
auch obige Ausführungen für die Vermeidung der bekannten Mischungslücke von DME/Wasser).
In dem Wirkstoff (A) können außer dem Fluorcarbonharz und dem
Lösungsmittel (LA) gegebenenfalls noch die bei derartigen
Sprays üblichen Hilfsstoffe vorhanden sein. Einer dieser fakultativen
Hilfsstoffe sind übliche Korrosionsschutzmittel (Korrosionsinhibitoren) für Weißblech- und Aluminiumdosen.
Nur beispielsweise sind zu nennen: Natriumbenzoat; Dinatriumhydrogenphosphät;
Vircopet 20, 30 und 40; Deriphat C, Rewo B 3010; Sarcosyl NL 97; Dehyquart SP.
Bezüglich der im Wirkstoff (A) gegebenenfalls vorhandenen
Hilfsstoffe sind außerdem noch Riechstoffe der auf diesem Gebiet
üblichen Art zu nennen, wie wasser-, lösemittel- und treibmittel-, insbesondere DME-beständige Parfümöle.
Als weitere gegebenenfalls vorhandene Hilfsstoffe sind noch übliche Antischaummittel zu erwähnen.
Die Mengen der Komponenten des wie oben beschriebenen
Wirkstoffs (A) können in weiten Bereichen variieren. Vorteilhaft besitzt jedoch der Wirkstoff (A) (Wirkstoffrezeptur)
folgende Zusammensetzung, wobei die Menge der Komponenten jeweils in Gewichtsprozent, bezogen auf die
Wirkstoffrezeptur, angegeben ist:
PluorcarbonharzÖFeststoff) 0,1 bis 1,5%, bevorzugt 0,2 bis 1,0 %
Lösemittel (LW) 6 bis 98 %, bevorzugt 12 bis 98% Wasser 0 bis 98 %, bevorzugt ο bis 65 %
gegebenenfalls Korrosionsinhibitor 0 bis 0,5 %, bevorzugt 0,1 bis 0,4 %
gegebenenfalls Parfüm 0 bis 0,5 %, bevorzugt 0 bis 0,3 %
Die Menge des Wirkstoffs (A) im erfindungsgemäßen Imprägnierspray kann je nach seiner Art und der Art des vorhandenen
Treibmittels variieren. Im allgemeinen liegen 35 "bis 65 Gew.-% an Wirkstoff (A) (bezogen auf die fertige Abfüllrezeptur)
vor. Besonders bewährt hat sich eine Wirkstoffmenge von40 bis 60 Gew.-%. Die Menge des erfindungsgemäßen
Treibmittels (B) kann ebenfalls variieren. Sie liegt gewöhnlich bei 30 bis. 70 Gew.-%, bevorzugt 35 bis 55 Gew.-% verflüssigtem
Treibmittel und bei 0 bis 7 Gew.-%, bevorzugt 0 bis 5 Gew.-% komprimiertem Treibmittel.
Die Anwendung des erfindungsgemäßen Imprägniersprays erfolgt
in gleicher Weise wie bei den bekannten Aerosol-Imprägniermitteln auf die zu behandelnden Oberflächen von
Leder, z.B. Schuhen, Lederbekleidung, Ledermöbeln usw., oder von Textilien, z.B. Bekleidung, Zelten, Planen,
Schirmen etc. Auch zur Imprägnierung vorgesehene Papierflächen lassen sich erfindungsgemäß behandeln.
Ein Vergleich des erfindungsgemäßen Imprägniersprays hin-
sichtlich Toxikologie mit bekannten Produkten ergab überraschend vorteilhafte Resultate. Die toxikologischen
Prüfungen wurden gemäß der im OECD-Protokoll 403 "beschriebenen Methode durchgeführt. Diese tierexperimentelle
Untersuchung gestattet es, akute inhalationstoxikologische
Daten zu erhalten, die sich im LC 50-Wert an Ratten bei
vierstündiger Exposition ausdrücken (LC-letale Inhalationskonzentration).
Während bei den herkömmlichen Imprägniersprays LC 50-Werte zwischen ca. 0,7 und 12 g/nr
ermittelt wurden, zeigte die erfindungsgemäße Zusammensetzung keinerlei akut toxische Wirkung bei den
Versuchstieren, selbst bei sehr hohen Konzentrationen (bis 44 g/nr). Bei dieser Exposition wurde keine Mortalität
festgestellt; LC 50-Werte konnten nicht ermittelt werden.
Die folgenden Beispiele erläutern die Erfindung, ohne
ihre Anwendung zu beschränken.
In den folgenden Beispielen stellen die genannten Zahlenangaben jeweils Gewichtsprozent, bezogen auf die Wirkstoffrezeptur
bzw. auf die Abfüllrezeptur, dar.
Beispiele
1. Wirkstoffrezepturen I II III
(Wirkstoff (A) )
Foraperle P 300 2,9 - -
FC 228 _ 1,85 -
Foraperle C 305 N Äthanol, vergällt Isopropanol Wasser dest.
Na-benzoat B 3010
Parfüm
| — |
— |
2,0 |
| 6,6 |
- |
92,7 |
| - |
35,00 |
- |
| - |
62,95 |
5,0 |
| - |
0,20 |
0,3 |
| 0,3 |
- |
- |
| 0,2 |
— |
|
2. Abfüllrezepturen
Wirkstoff I 60,0
Wirkstoff II - 50,0
Wirkstoff III - - 60,0
Propan/Butan 2,7 bar 40,0
ME - 50,0 35,0
Kohlendioxid - - 5»0