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Verfahren zur Herstellung von 6-Fluorsteroiden Gegenstand der Erfindung
ist ein Verfahren zur Herstellung von 6-Fluor-llß,17a-dioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion
(1-Dehydro-21-desoxy-6-fluorhydrocortison) und 6-Fluor-17a-oxy-1,4-pregnadien-3,11,20-trion
(1-Dehydro-21-desoxy-6-fluorcortison).
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Die erfindungsgemäß herstellbaren neuen Verbindungen besitzen starke
glucocorticoide und entzündungswidrige Wirkung. Sie eignen sich daher zur Behandlung
von arthritischen Erkrankungen und Entzündungserscheinungen, die durch bakterielle
Infektionen oder allergische Reaktionen der Haut oder Schleimhäute verursacht werden.
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren Verbindungen bewirken außerdem
die Ausscheidung von Salz und Wasser, was sich als besonders wertvoll bei der Behandlung
von chronischen, kongestiven Herzleiden, Leber-Cirrhose, Nierenerkrankungen, Eldampsie
und Prä-eklampsie erweist. Das 1-Dehydro-21-desoxy-6a-fluorhydrocortison besitzt
z. B. die siebenfache glucocorticoide und etwa die achtfache entzündungswidrige
Wirkung von Kendalls Verbindung F.
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Die erfindungsgemäßen Verbindungen können nach folgendem Reaktionsschema
hergestellt werden
in dem R einen organischen Rest, insbesondere einen Kohlenwasserstoffrest mit bis
zu 10 Kohlenstoffatomen, z. B. den Äthyl-, Phenyl-, Tolyl- oder Naphthylrest und
vorzugsweise den Methylrest bedeutet. R' bedeutet
H, O H oder Ketosauerstoff,
und der Fluorsubstituent in 6-Stellung kann sowohl a- wie ß-ständig sein.
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Die Steroidverbindungen können in den üblichen Dosierungsformen verabreicht
werden, z. B. in Form von Pillen, Tabletten, Kapseln, Sirupen oder Elixieren bei
oraler Anwendung oder in Form flüssiger Präparate, wie sie für natürliche und synthetische
Corticosteroidhormone üblich sind bei parenteraler Applikation. Für die örtliche
Anwendung werden sie zweckmäßig in die Form von Salben, Cremes, Lotionen u. dgl.
gebracht. Bei der Herstellung der genannten Präparate können die Wirkung der Steroidverbindungen
ergänzende oder verstärkende Antibiotika, ferner Germicide oder andere erwünschte
Stoffe zugesetzt werden.
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Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird 6-Fluor-l-dehydro-hydrocortison
oder 6-Fluor-l-dehydrocortison nach bekannten Methoden zweckmäßig in einem Lösungsmittel
mit einem organischen Sulfonylhalogenid behandelt. Dabei sollte eine dem verwendeten
Sulfonylhalogenid entsprechende Menge Aminbase, wie Pyridin, zugegen sein, um den
entstehenden Halogenwasserstoff zu binden. Die Umsetzung mit dem Sulfonylhalogenid
wird je nach dem verwendeten Lösungsmittel zwischen 10 und 60°C durchgeführt. Die
Reaktionszeit beträgt gewöhnlich 30 Minuten bis 8 Stunden. Darauf wird das gebildete
6-Fluor-11ß,17a,21-trioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion-21-sulfonat auf übliche Weise
gewonnen.
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Zur Herstellung des 21-Jodids wird das 21-Sulfonat in an sich bekannter
Weise vorzugsweise mit einem Überschuß an Natrium-, Kalium- oder Lithiumjodid in
einem chemisch gebundenen Sauerstoff enthaltenden Lösungsmittel, z. B. einem Alkanon,
wie Aceton, 3 bis 30 Minuten unter Rückfluß erhitzt. Das so hergestellte 6-Fluor-11
ß,17a-dioxy-21-j od-1,4-pregnadien-3,20-dion kann durch Abdampfen des Lösungsmittels
isoliert und direkt oder nach vorheriger Umkristallisation weiterverarbeitet werden.
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Das 6-Fluor-21-jod-llß,17a-dioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion wird darauf
in bekannter Weise mit einem Reduktionsmittel, wie Natrium- oder Kaliumthiosulfat,
-bisulfit oder -sulfit, oder Zink in Essigsäure umgesetzt. Das Produkt, 6-Fluor-11ß,17a-dioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion,
kann wieder in üblicher Weise, z. B. durch Filtrieren oder Extrahieren mit einem
organischen, mit Wasser nicht mischbaren Lösungsmittel, isoliert und gegebenenfalls
durch Umkristallisation oder auf chromatographischem Wege gereinigt werden.
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Falls der verwendete Ausgangsstoff eine 11ß-ständige Hydroxylgruppe
enthielt, so kann diese in üblicher Weise, z. B. mit Chromtrioxyd in Essigsäure
oder mit einem Halogenamid oder -imid, wie N-Bromacetamid, N-Chlorsuccinimid oder
N-Bromsuccinimid in Pyridin, Dioxan oder einem anderen Lösungsmittel, oxydiert werden.
Nach Beendigung der Oxydation wird das überschüssige Oxydationsmittel zerstört.
Darauf wird das 6-Fluor-17a-oxy-1,4-pregnadien-3,11,20-trion z. B. durch Extraktion
mit Wasser nicht mischbarer Lösungsmittel isoliert und durch Umkristallisation oder
chromatographisch gereinigt.
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In den einzelnen Verfahrensstufen kann auch jeweils das entsprechende
6ß-Fluor-Epimere verwendet werden, das durch übliche Behandlung in einem organischen
Lösungsmittel mit einer wasserfreien Mineralsäure, wie Salzsäure, bei
O' C oder etwas darunter, in das 6a-Epimere übergeht. Das nachstehende Beispiel
erläutert das erfindungsgemäße Verfahren.
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Beispiel 6a-Fluor-11ß,17a-dioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion (IV) 300
mg 6a-Fluor-llß,17a,21-trioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion wurden in 3 ccm Pyridin gelöst
und auf 0 bis 5°C gekühlt. Dann wurde 0,1 ccm Methansulfonylchlorid zugesetzt, die
Lösung auf 0 bis 5'C gehalten und darauf in eine Lösung von 3 ccm konzentrierter
Salzsäure in 50 ccm Wasser gegossen, worauf kristallines 6a-Fluor-1 lß,17a,21-trioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion-21-methansulfonat
ausfiel. Ausbeute: 310 mg mit einem Schmelzpunkt von 200 bis 202°C (unter Zersetzung).
Infrarotabsorptionen in Mineralöl: 3570, 3370 cm-' (OH); 1727 cm-' (20-Keton)
; 1665 cm-' (konjugiertes Keton) ; 1623, 1601 cm-' (41,4) ; 1360, 1342, 1172 cm-'
(O S 02).
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Ein Gemisch aus 100 mg 6a-Fluor-11ß,17a,21-trioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion-21-methansulfonat
und 100 mg Natriumjodid in 5 ccm Aceton wurde 15 Minuten unter Rückfluß erhitzt.
Das Lösungsmittel wurde im Vakuum abdestilliert und das rohe 6a-Fluor-21-jod-11ß,17a-dioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion
(III) ohne vorherige Isolierung in 2 ccm Essigsäure gelöst. Nach 15 Minuten wurde
so viel wäßriges Natriumthiosulfat zugesetzt, daß die Jodfarbe verschwand. Die Reaktionslösung
wurde sodann in verdünnte Kaliumcarbonatlösung gegossen und das abgeschiedene rohe
Produkt abfiltriert. Es wog 65 mg. Mehrere Umkristallisationen aus Äthylacetat ergaben
17 mg 6a-Fluor-11ß,17a-dioxy-1,4-pregnadien-3,20-dion mit einem Schmelzpunkt von
271 bis 274°C. Infrarot-Maxima in Mineralöl bei 3390 cm-' (011) ; 1705 cm-' (Keton)
; 1652 cm-' (konjugiertes Keton) ;1613,1597 cm-' (11 1,4 ) .
| Analyse für C21 H27 F O4: |
| Berechnet . . . . . . . . . . C 69,59, H 7,51, F 5,24; |
| gefunden . . . . . . . . . . . C 70,07, H 7,71, F 4,29. |
Die erhaltene Verbindung kann anschließend in bekannter Weise zum 11-Ketoderivat
oxydiert werden.