'Abseilvorrichtung zur Ermöglichung der Rettung von Menschen aus hohen Gebäuden, Türmen od. dgl."
Die Erfindung richtet sich auf eine Abseilvorrichtung zur Ermöglichung der Rettung von Menschen aus hohen Gebäuden, Türmen od. dgl., mit einem vom betroffenen Menschen anzulegenden Traggurt, Tragweste od. dgl., der im Anspruch 1 angegebenen Gattung, wie sie z.B. in der GB-2 316 382-A oder in anderer Bauform in der US-4 301 892-A beschrieben ist .
Bei der Katastrophe im World Trade Center in New York vom 11.09.2001, verursacht durch einen Terroranschlag, wurde einmal mehr deutlich, daß Personen, die sich in den oberen Stockwerken von Gebäuden befinden, keine Chance zur Rettung haben. Da in einem Brandfalle, wie auch in anderen Katastrophenfällen, die Möglichkeit, sich mit dem Aufzug oder über die Treppen zu retten, gar nicht oder nur unzureichend gegeben ist, bleibt der einzige Weg der Rettung durch die Fenster nach außen.
Es gibt neben den oben angegebenen Möglichkeiten weitere Ansätze zur Rettung von Menschen außerhalb von Gebäuden, z.B. Feuerleitern, die aber nur bis zu einer bestimmten Gebäudehöhe Sinn machen oder, wie beispielsweise in der DE- 36 40 057-Al beschrieben, vor der Fassade angebrachte Endlosseile, in die sich Menschen einklinken können, um dann nach unten zu gleiten. Andere Abseilvorrichtungen, bei denen in der Regel diese Vorrichtungen bedienende Personen notwendig sind, zeigen die DE-30 28 586-C2, DE-31 42 146- Al, DE-40 19 558-A1, US-4 493 396 oder CH-4 99 988 mit im wesentlichen Bremseinrichtungen an Seilen, wie auch die DE- 195 11 117-A1. Diese Seil- und Windentechnologie hat erhebliche Nachteile, da sie im wesentlichen nicht immer oder nur an einigen Stellen von Gebäuden verfügbar ist, und, wie oben schon erwähnt, häufig Bedienungspersonal benötigt, um Fehlfunktionen und damit schwere Unfälle der benutzenden
Personen zu vermeiden.
Andere Systeme sind Rettungsmöglichkeiten über Dach, z.B. in der Bergrettung, im Brücken- oder Hochbau oder bei der Bergung von Menschen durch Hubschrauber, an denen sich elektrisch betriebene Seilwinden befinden, mit deren Hilfe der zu Bergende an einem Seil in die Höhe gezogen wird, eine in der Regel noch viel aufwendigere Methode als die oben beschriebenen .
Hier setzt die Erfindung an, deren Aufgabe darin besteht, eine Lösung zu schaffen, die zum einen einfach zu bedienen und zum anderen jederzeit den betreffenden Personen zur Verfügung gestellt und von diesen leicht gehandhabt werden kann, wobei die benutzende Person im wesentlichen beide Hände frei bewegen kann bei stabiler Abseilage .
Mit einer Abseilvorrichtung der eingangs bezeichneten Art wird diese Aufgabe gemäß der Erfindung dadurch gelöst, daß die das Seilreservoir bildende Seiltrommel in der Trageposition im Rücken der benutzenden Person vorgesehen ist mit einer Seilführungseinrichtung zur Leitung des Seiles an eine Freigabestellung im Brustbereich der benutzenden Person.
Durch die erfindungsgemäße Gestaltung der Abseilvorrichtung ist es möglich, diese Vorrichtung z.B. in ausreichender Stückzahl auf jeder Hochhausetage bereitzuhalten in einer ähnlichen Art und Weise, wie dies etwa bei Rettungseinrichtungen auf Schiffen geschieht, d.h. im Bedarfsf lle kann von jeder Person eine entsprechende Tragweste oder ein Traggurt angelegt werden und die Abseilvorrichtung benutzt werden, da sie ihr Seilreservoir stets automatisch zur Verfügung hält.
Dabei ist es zweckmäßig ist, die beim Abseilen stark beanspruchte Stelle der Freigabe des Seiles in die Nähe des Brustbeines der benutzenden Person zu verlegen. Dies kann einmal durch einen Brustrucksack erfolgen, eine andere Möglichkeit besteht aber auch darin, aus einem auf den Rücken aufzuschnallenden Reservoir etwa durch eine rohrför ige Führungseinrichtung die Seilabgabestelle von der Rückenseite durch die Beine der benutzenden Person hin in den Bereich des Brustbeines zu lenken, wie dies die Erfindung ebenfalls vorsieht.
Diese Gestaltung hat auch den großen Vorteil, daß keine sichtversperrenden oder behindernden Einrichtungsteile sich vor der Person befinden, was das Herausklettern aus Fenstern oder das Übersteigen von Brüstungen stark erleichtert.
Aufgrund der modernen Materialien können derartige, lediglich der Rettung von einer Person dienende Tragseile sehr dünn gehalten werden, d.h. ein entsprechendes Reservoir, was auch die Möglichkeit des Abseilens von sehr hohen Gebäuden möglich macht, ist vergleichsweise leicht und klein und damit einfach zu handhaben.
Eine Ausgestaltung der Erfindung besteht darin, daß am Ende der Seilführungseinrichtung eine Bremseinrichtung vorgesehen ist.
Weitere Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den Unteransprüchen. Eine Gestaltungsmöglichkeit besteht beispielsweise darin, daß das Seilreservoir am Traggurt als bremsbare Seiltrommel ausgebildet ist, eine andere Möglichkeit besteht darin, daß das Seilreservoir auf einer Trommel vorgesehen ist und davon unabhängig eine Seilbremseinrichtung.
Die Seiltrommel mit integrierter oder getrennter Bremseinrichtung kann als Brust- oder Rückenrucksack ausgebildet sein mit der von der benutzenden Person betätigbaren Bremseinrichtung.
Die Bremseinrichtung kann als hebelbetätigbare Scheibenbremse ausgebildet sein, als Schlauchbremse od. dgl., wie dies die Erfindung ebenfalls vorsieht. Dabei kann eine Schlauchbremse auf einer Seiltrommelachse vorgesehen sein, wobei ein mit einem Fluid gefüllter Schlauch von Quetschelementen an einem Drehkreuz od. dgl. auf der Seiltrommel beaufschlagt ist und der Durchfluß im Schlauchsystem durch das Handhabungselement seitens der benutzenden Person erleichterbar oder erschwerbar ist. Eine Flüssigkeitsbremse als solche ist z.B. in der US-2 358 825 beschrieben.
Weitere Merkmale, Einzelheiten und Vorteile der Erfindung ergeben sich aufgrund der nachfolgenden Beschreibung sowie anhand der Zeichnung. Die zeigt in
Fig. 1 eine vereinfachte Darstellung einer Person mit einem Ausführungsbeispiel der erfindungsgemäßen Abseilvorrichtung,
Fig. 2 eine Seitenaufsicht auf die erfindungsgemäße Abseilvorrichtung, teilweise aufgebrochen,
Fig. 3 einen Schnitt gemäß Linie III-III in Fig. 2,
Fig. 4 und 5 die vereinfachte Personendarstellung mit einem weiteren Ausführungsbeispiel der Erfindung in Vorderansicht und Rückansicht,
Fig. 6 ein Bremselement für eine Schlauchbremse,
Fig. 7 in gleicher Darstellung mit angedeuteter menschlicher Hand,
Fig. 8 eine Seitenansicht ohne Abdeckung etwa gemäß Pfeil VIII in Fig. 9 auf die Bremseinrichtung nach dem zweiten Ausführungsbei- spiel der Erfindung,
Fig. 9 einen Schnitt etwa gemäß Linie IX-IX in Fig. 8,
Fig. 10 eine Seitenansicht etwa Pfeil X in Fig. 9 der Bremseinrichtung ohne Abdeckung sowie in den
Fig. 11 und 12 Quer- und Längsschnitt durch eine abgewandelte Seilbremse.
Im in Fig. 1 dargestellten Beispiel wird die allgemein mit 1 bezeichnete Abseilvorrichtung an einem Traggeschirr 2 von einer Person 3 getragen. Dabei ist dargestellt, daß ein Stück des zum Abseilen notwendigen Seiles, mit 4 bezeichnet, aus der Vorrichtung 1 ausgezogen ist, der Befesti- gungs- und Sicherungshaken ist angedeutet und trägt das Bezugszeichen 5.
Gleichzeitig zeigt Fig. 1 einen von der Person betätigbaren Bremshebel 6, mit dem das Seil 4 wenigstens auf einer Trommelachse 7a aufgewickelt ist, freigegeben oder abgebremst werden kann.
In Fig. 2 ist in Seitenansicht das Seilreservoir allgemein mit 8 bezeichnet dargestellt, dies besteht aus einer Trommel auf der Achse 7 und das darum gewickelte Seil 4. Die eine Seitenwange 9 der Seiltrommel weist eine solche Größe
auf, daß bei voll aufgewickeltem Seil noch ein Rand 9a vorhanden ist, der von Bremsbacken 10 der Bremseinrichtung 6 gegriffen werden kann, wobei die Bremsbacken 10 in einem Lagerkörper 11 untergebracht sind und über den Handhebel 6 betätigbar sind, in der Weise, daß sie sich an den Bremskranz 9a der Seilscheibe anlegen können oder diesen freigeben können, je nachdem, in welcher Richtung der Griff 6a der Handhabung betätigt wird.
Es versteht sich von selbst, daß das Seil 4 über entsprechende Umlenkeinrichtungen, nur angedeutet und allgemein mit 12 bezeichnet, so geführt ist, daß es störungsfrei aus dem Seilreservoir ausgezogen werden kann.
An dieser Stelle sei bemerkt, daß aufgrund heute möglicher Materialien selbst bei einem Reservoir mit sehr großen Seillängen die Abseilvorrichtung 1 insgesamt kompakter gestaltet werden kann, aus Darstellungsgründen wurde die in den Figuren wiedergegebene Größe gewählt .
In den Fig. 4 und 5 ist ein abgewandeltes Ausführungsbei- spiel der Erfindung wiedergegeben, wobei die ansonsten gleichen Teile die gleichen Bezugszeichen tragen wie die in den Fig. 1 bis 3.
Hier ist das Seilreservoir bzw. die Seiltrommel 7 auf dem Rücken der benutzenden Person am Traggurt 2 untergebracht, wobei das Seil 4 über ein Hohlrohr 13 vom Rücken der benutzenden Person beispielsweise durch den Schritt der Person hin zu der auf der Brustseite befindlichen Bremseinrichtung, allgemein mit 14 bezeichnet, geführt ist. Die weiter oben näher beschriebene Bremseinrichtung 14 wird über eine in der Hand zu tragende Steuereinrichtung, in Fig. 4 allgemein mit 15 bezeichnet und in den Fig. 6 und 7 näher dargestellt, betätigt.
Die in den Fig. 4 und 5 wiedergegebene Ausführungsform hat u.a. den Vorteil, daß die in der Regel größer auszuführende Seiltrommel 7 sich nicht im Brustbereich der benutzenden Person befindet, so daß diese leichter etwa aus einem Fenster aussteigen oder eine Brüstung übersteigen kann. Dabei wird gleichzeitig durch die Umleitung des Seiles vom Rücken auf die Brustseite der benutzenden Person erreicht, daß der für das Gleichgewicht wesentliche Anlenkpunkt, von dem aus die Kräfte in den Traggurt 2 eingeleitet werden, sich etwa in der Nähe des Schwerpunktes der Person befinden.
Die Bremseinrichtung 14 ist in den Fig. 8 bis 10 näher dargestellt, sie ist als Schlauchbremse gestaltet. In einem trommeiförmigen Gehäuse 15 ist auf einer gemeinsamen Achse 16 eine vom Seil 4 ein paar Mal umschlungene Seilscheibe 17 vorgesehen und. auf der dem zentrischen Lager 18 gegenüberliegenden Seite ein drehfest verbundenes Drehkreuz 19. Das Seil 4 läuft in die Bremseinrichtung 15 ein, umschlingt ein paar Mal die Seiltrommel 17 und verläßt es oben wieder etwa in der in Fig. 4 dargestellten Art.
Um die Drehgeschwindigkeit der Seiltrommel 17 und damit die Geschwindigkeit des Auszuges des Seiles und wiederum damit die Sinkgeschwindigkeit der an dem Seil hängenden Person zu steuern, rollt sich das Drehkreuz 19 mit Quetschrädern 20 an einem im Inneren des Gehäuses 15 entsprechend positionierten, mit Flüssigkeit gefüllten Schlauch 21 ab, derart, daß in Umkehrung einer entsprechenden Schlauchpumpe hier vor den Quetschrädern 20 das Fluid umgewälzt wird, dreht sich z.B. in Fig. 10 das Drehkreuz in Richtung nach rechts gemäß Pfeil 22, wird das Fluid, welches sich im Inneren des Schlauches 21 befindet, in Richtung auf den Austrittsbereich 21a gequetscht, in einem geschlossenen Kreislauf dann über den Einlauf 21b wieder in das System eingesogen. Die Bremstätigkeit kann dabei durch ein Regelventil des Handhabungselementes 15 gesteuert werden, wie es in den Fig. 6
und 7 dargestellt ist.
Über das Regelventil, in Fig. 6 angedeutet und mit 22 bezeichnet, kann der Durchfluß durch das Schlauchsystem 21 gesteuert werden. Dazu sind scherenähnliche .Handhabungsgriffe 23 und 24 vorgesehen, die gegeneinander bewegbar sind und mit der mit 26 bezeichneten Drossel zusammenwirken, um den Flüssigkeitsdurchfluß und damit die Sinkgeschwindigkeit zu steuern.
In Fig. 10 ist noch eine Sicherheitseinrichtung am Drehkreuz 19 dargestellt. Hier sind fliehkraftbeaufschlagte Bremsbacken 27 vorgesehen, die über Federn 28 außer Eingriff gehalten werden. Wird das Seil 4 zu schnell ausgezogen und damit das Drehkreuz 19 zu hoch beschleunigt, legen sich die Bremsbacken 27 am Inneren des Gehäuses 15 an und bremsen damit die Seilauszugsgeschwindigkeit.
In den Fig. 11 und 12 ist ein abgewandeltes Ausführungsbei- spiel der Seilbremse dargestellt, wobei, soweit wie möglich, die Bezugszeichen aus den vorangegangenen Figuren bei gleichen Bauelementen übernommen wurden.
Die hier dargestellte Bremsvorrichtung, allgemein mit 14' bezeichnet, weist ein trommeiförmiges Gehäuse 15 auf, bei dem auf einem mit 16 ' bezeichneten achsenartigen Körper das Seil 4 mit mehrfachen Umschlingungen aufgewickelt ist, wobei das Seilstück 4 das Gehäuse 15 oben und unten in der dargestellten Weise verläßt. Einstückig mit dem Achskörper 16' ist ein Scheibenkörper 28 angeformt, der die Flieh- kraftbremsbacken 27 trägt, die im Falle einer hohen Rotationsbeschleunigung sich mit ihren Bremsbelägen auch innen am Gehäuse 15 bremsend anlegen. Eine über einen nicht näher dargestellten Bowdenzug mittels eines Hebels 29 und eines Exzenters 30 betätigbare Trommelbremse ist im Inneren dieser Konstruktion untergebracht, wie sich aus den Figuren
ergibt , wobei sich dann innen die über den Bowdenzug gespannten Bremsbeläge 31 an einem topfförmigen Rand 32 des Achskörpers 16 ' anlegen . Erkennbar besteht diese Bremse nur aus sehr wenigen einzelnen Elementen, sie ist leicht herzustellen bei hoher Funktionalität .
Natürlich sind die beschriebenen Ausführungsbeispiele der Erfindung noch in vielfacher Hinsicht abzuändern, ohne den Grundgedanken zu verlassen . So kann beispielsweise die Seilführung beim Ausführungsbeispiel nach den Fig . 4 und 5 seitlich am Körper der benutzenden Person vorbei vorgenommen werden, statt der Scheibenbremsen ( Fig . 3 ) bzw. Schlauchbremsen ( Fig. 9 ) können auch andere Bremseinrichtungen vorgesehen sein, so können auch automatische oder über Fernsteuerungen betätigbare Bremseinrichtungen eingebaut sein, insbesondere dann, wenn die Gefahr besteht , daß die abzuseilende Person ohnmächtig wird und damit den Abseilvorgang nicht mehr fortführen kann u . dgl . mehr .