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Die Erfindung betrifft ein automatisches Sicherungs- und
Abseilgerät mit
- - einem an einem Festpunkt bzw. Widerlager anschlagbaren,
von einem Sicherungsseil durchsetzten Gehäuse,
- - einem im Gehäuse angeordneten bzw. als Gehäuseteil
ausgebildeten ersten Seilführungselement sowie
- - einem damit zusammenwirkenden beweglichen zweiten
Seilführungselement, welches bei mit höherer Geschwindigkeit
erfolgendem Durchlauf des Sicherungsseiles durch das
Gehäuse durch Seilreibung in eine das Sicherungsseil
zwischen den beiden Seilführungselementen einklemmende
bremswirksame Lage mitschleppbar ist und durch Seilzug in
dieser Lage gehalten wird, und
- - einem am Gehäuse angeordneten Dosierhebel zur Steuerung
der Bremswirkung des zweiten Seilführungselementes.
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Derartige Sicherungs- und Abseilgeräte sind auf dem Markt
erhältlich und dienen unter anderem zur Vorstiegssicherung
einer Person, als Seilkürzer sowie zum kontrollierten
Abseilen einer im Seil hängenden Person.
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Bei der Vorstiegssicherung ist eine an einer Wand oder einem
Bauwerk aufsteigende Person mit einem Sicherungsseil
verbunden, welches das Gehäuse des in diesem Falle an einem
Festpunkt oder Widerlager angeschlagenen Sicherungs- und
Abseilgerätes durchläuft. Im Verlaufe des Aufstieges wird das
Sicherungsseil von der aufsteigenden Person in an der Wand
bzw. am Bauwerk anzubringende bzw. angebrachte Karabinerösen
eingehängt, derart, daß oberhalb der jeweils letzten
Karabineröse nur eine vergleichsweise kurze Länge des
Sicherungsseiles verbleibt. Sollte nun die aufsteigende Person in das
Sicherungsseil fallen, wird das Sicherungsseil mit
entsprechend große Geschwindigkeit mitgezogen. Dies hat zur Folge,
daß die bei der langsamen Aufstiegsgeschwindigkeit der
Person vergleichsweise geringe Reibung des Sicherungsseiles an
den Seilführungselementen des Sicherungs- und Abseilgerätes
schlagartig erhöht wird und das Sicherungsseil das
bewegliche Seilführungselement in die bremswirksame Lage
mitschleppt und nachfolgend aufgrund des Gewichtes der in das
Sicherungsseil gefallenen Person in der bremswirksamen Lage
hält. Damit wird ein weiterer bzw. tieferer Fall der
gesicherten Person verhindert.
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Bei Verwendung als Seilkürzer ist eine an einer
absturzgefährdeten Position arbeitende Person über ein Gurtgeschirr
mit dem Gehäuse des Sicherungs- und Abseilgeräts verbunden,
welches über das das Gehäuse durchsetzende Sicherungsseil an
einem Festpunkt bzw. Widerlager angeschlagen ist. Sollte die
gesicherte Person nunmehr stürzen, wird das zweite
Seilführungselement wiederum durch Seilreibung bremswirksam und
nachfolgend aufgrund der durch das Gewicht der gestürzten
Person verursachten Seilspannung in bremswirksamer Lage
gehalten.
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Um die jeweils in das Seil gestürzte Person zu befreien,
kann der Bremsdosierhebel des Sicherungs- und Abseilgerätes
betätigt werden, um die Bremswirkung des zweiten
Seilführungselementes zu vermindern. Auf diese Weise kann die in
das Seil gestürzte Person kontrolliert abwärts sinken, bis
ein sicherer Standplatz oder eine für Rettungshelfer gut
zugängliche Lage erreicht ist.
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Bei den auf dem Markt erhältlichen Sicherungs- und
Abseilgeräten ist der Dosierhebel mit dem beweglichen zweiten
Seilführungselement zwangsgekoppelt, und zwar derart, daß der
Dosierhebel eine am Gehäuse anliegende erste Endlage, in der
das zweite Seilführungselement bremsunwirksam ist, und eine
der bremswirksamen Lage des zweiten Seilführungselementes
zugeordnete gehäuseferne zweite Endlage aufweist.
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Aufgrund dieser Konstruktion sind äußerst gefährliche
Fehlbedienungen denkbar. Sollte ein Helfer das Sicherungs- und
Abseilgerät nach einem Sturz der gesicherten Person in das
Sicherungsseil ausschließlich am Dosierhebel ergreifen, kann
das Gehäuse eine Relativbewegung zum Dosierhebel und damit
zum beweglichen zweiten Seilführungselement ausführen, so
daß dessen Bremswirkung aufgehoben wird und die am
Sicherungsseil hängende Person abstürzt. Ähnlich gefährlich ist
es, wenn der Helfer beim Versuch, die gestürzte Person
abzuseilen, den Dosierhebel in die gehäuseseitige Endlage bewegt
oder gar Gehäuse und Dosierhebel in einer Weise umfaßt, daß
der Dosierhebel in die gehäuseseitige Endlage gestellt und
in dieser Lage gehalten wird. Auch in diesem Falle fällt die
stürzende Person oder die am Sicherungsseil hängende Person
unkontrolliert ab.
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Aufgabe der Erfindung ist es, ein Sicherungs- und
Abseilgerät mit deutlich erhöhter Sicherheit zu schaffen.
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Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß dadurch gelöst, daß der
Dosierhebel zwischen einer vom beweglichen zweiten
Seilführungselement entkoppelten ersten Endlage und einer das
Sicherungsseil bremsenden bzw. arretierenden zweiten Endlage
eine Zwischenlage durchläuft, in der der Dosierhebel das
zweite Seilführungselement von der bremswirksamen Lage
abrückt bzw. in schwach bremswirksamer Lage hält.
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Die Erfindung beruht auf dem allgemeinen Gedanken, eine
Abbremsung bzw. Arretierung des Sicherungsseiles im bzw. am
Gehäuse der Sicherungs- und Abseilvorrichtung in beiden
Endlagen des Dosierhebels zu ermöglichen, und zwar derart, daß
lediglich in einer Zwischenlage des Dosierhebels keine bzw.
nur eine abgeschwächte Bremswirkung aufzutreten vermag.
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Dieser allgemeine Gedanke wird in konstruktiv besonders
einfacher Weise verwirklicht, indem das bewegliche
Seilführungselement in der einen Endlage des Dosierhebels voll
bremswirksam werden bzw. bleiben kann und der Dosierhebel
bei Annäherung an seine andere Endlage selbst direkt oder
indirekt bremswirksam wird.
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Damit ist eine sichere Abbremsung bzw. Arretierung des
Sicherungsseiles unabhängig davon gewährleistet, ob ein Helfer
den Dosierhebel in die eine oder andere Endlage stellt bzw.
in der einen oder anderen Endlage hält.
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Des weiteren kann das Sicherungsseil innerhalb des Gehäuses
ohne weiteres derart geführt sein, daß das Gehäuse bei
belastetem Sicherungsseil relativ zum Dosierhebel in die der
bremswirksamen zweiten Endlage des Dosierhebels
entsprechende Lage zu schwenken sucht, wenn ein Helfer versuchen
sollte, das Sicherungs- und Abseilgerät am Dosierhebel
festzuhalten.
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Außerdem ist bei dem erfindungsgemäßen Gerät vorteilhaft,
daß die Bremswirkung beim Abseilen gut kontrollierbar ist,
weil ein Helfer bei zu hoher Abseilgeschwindigkeit praktisch
intuitiv den Dosierhebel in irgendeiner Richtung relativ zum
Gehäuse bewegen und damit entweder das bewegliche zweite
Seilführungselement unter Erhöhung seiner Bremswirkung
freigeben oder die Bremswirkung des Dosierhebels erhöhen wird.
Selbst Panikreaktionen des Helfers bleiben so ungefährlich.
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Im übrigen wird hinsichtlich bevorzugter Merkmale der
Erfindung auf die Ansprüche sowie die nachfolgende Erläuterung
der Zeichnung verwiesen, anhand der eine besonders
bevorzugte Ausführungsform der Erfindung näher beschrieben wird.
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Dabei zeigt
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Fig. 1 eine Ansicht des Gehäuses der Sicherungs- und
Abseilvorrichtung bei aufgeschwenkter Abdeckschale,
ohne eingelegtes Sicherungsseil,
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Fig. 2 eine Ansicht des Gerätes beim Gebrauch,
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Fig. 3 eine Ansicht des Gerätes bei abgenommener
Abdeckschale, wobei das bewegliche Seilführungselement
seine bremswirksame Lage einnimmt und das
eingelegte Sicherungsseil arretiert,
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Fig. 4 eine der Fig. 3 entsprechende Ansicht bei zur
Abschwächung der Bremswirkung betätigtem Dosierhebel,
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Fig. 5 eine der Fig. 4 entsprechende Ansicht, jedoch mit
montierter und geschlossener Abdeckschale und
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Fig. 6 eine der Fig. 4 entsprechende Ansicht, wobei jedoch
der Dosierhebel seine bremswirksame Endlage hat.
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Das erfindungsgemäße Sicherungs- und Abseilgerät besitzt ein
aus einer Strukturschale 1 sowie einer Abdeckschale 2bestehendes Gehäuse, wobei die Abdeckschale 2 an einem Ende der
Strukturschale 1 gemäß Fig. 1 aufschwenkbar angeordnet ist.
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An der Strukturschale 1 ist eine zentrale Hohlachse 3
angeformt, deren Zentralöffnung im geschlossenen Zustand der
Abdeckschale 2 mit einer darin angeordneten Öffnung 4 fluchtet
und dementsprechend ein das Gehäuse in Querrichtung
durchsetzendes Loch bildet. Dieses kann gemäß Fig. 2 zur Aufnahme
einer Karabineröse 5 genutzt werden, um das Sicherungs- und
Abseilgerät beim Gebrauch an einem Festpunkt bzw. Widerlager
anzuschlagen.
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Bei geöffnetem Gehäuse kann ein Sicherungsseil 6 eingelegt
werden, wobei der Seilabschnitt 6' mit der zu sichernden
Person verbunden ist bzw. wird.
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Zur Seilführung sind an der Strukturschale 1 verschiedene
Seilführungselemente angeordnet, die nachfolgend erläutert
werden.
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Am in den Figuren unteren Ende der Strukturschale 1 ist ein
Nockenteil 7 um eine zur Hohlachse 3 parallele Achse drehbar
angeordnet. Dieses Nockenteil 7 besitzt einen zu seiner
Drehachse konzentrischen kreisbogenförmigen
Außenumfangsabschnitt 7' sowie eine daran in den Figuren nach links
anschließende Nase 7". Das Nockenteil 7 ist drehfest mit
einem auf der Außenseite der Strukturschale 1 angeordneten
Dosierhebel 8 sowie einer auf der Innenseite der
Strukturschale 1 angeordneten Kurvenscheibe 9 verbunden, deren Zweck
weiter unten erläutert wird.
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Auf der Hohlachse 3 ist ein exzenterförmiges bewegliches
Seilführungselement 10 drehgelagert, welches in seiner in
Fig. 1 dargestellten Lage mittels einer an ihm federnd
angeordneten Rastkugel an einer Rastausnehmung auf der
Innenseite der Strukturschale 1 verrastet ist.
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Der Außenumfang des Seilführungselementes 10 bildet im
wesentlichen einen halbkreisförmigen Bogen, welcher sich
exzentrisch zur Hohlachse 3 erstreckt und an einem der Nase
7" des Nockenteiles 7 gegenüberliegenden Bereich dem
Außenumfang der Hohlachse 3 eng benachbart ist. Im übrigen weist
der Außenumfang des Seilführungselementes 10 von der
Hohlachse 3 einen größeren radialen Abstand auf.
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Des weiteren besitzt der Außenumfang des
Seilführungselementes 10 einen der Schwenkachse des Nockenteiles 7 bzw. des
Dosierhebels 8 benachbarten nasenartigen Abschnitt 10'.
Das eingelegte Sicherungsseil 6 umschlingt den Außenumfang
des Seilführungselementes 10 im wesentlichen halbkreisförmig
und ist im übrigen um den Abschnitt 7' des Nockenteiles 7
sowie den Außenumfang eines die Lagerachse der Abdeckschale
2 aufnehmenden Auges 11 an der Strukturschale 1
herumgeführt.
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Die dargestellte Anordnung funktioniert wie folgt:
Wenn das Seilführungselement 10 die Rastlage der Fig. 1
einnimmt und der Dosierhebel 8 sowie das Nockenteil 7 die in
den Fig. 1 und 2 dargestellten gehäuseseitigen Endlagen
haben, läßt sich das Sicherungsseil 6 mit langsamer
Bewegungsgeschwindigkeit durch das Gehäuse durchschieben bzw. ziehen,
wie in Fig. 2 angedeutet ist. Auf diese Weise kann sich die
mit dem Seilabschnitt 6' verbundene und damit gesicherte
Person vom Sicherungs- und Abseilgerät entfernen.
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Sollte die gesicherte Person ins Sicherungsseil 6 stürzen,
wird der Seilabschnitt 6' stärker gespannt und sucht das
Sicherungsseil 6 durch das Sicherungs- und Abseilgerät
hindurchzuziehen. Die dabei auftretende vergrößerte Seilreibung
bewirkt, daß das Seilführungselement 10 im Uhrzeigersinn
gedreht wird, d. h. das Sicherungsseil 6 schleppt das
Seilführungselement 10 in eine Lage mit, in der das Sicherungsseil
6 gemäß Fig. 3 zwischen dem nasenartigen Abschnitt 10' des
Seilführungselementes 10 und dem gegenüberliegenden
Abschnitt 7' des Nockenteiles 7 stark bremsend eingeklemmt und
schnell arretiert wird. Dementsprechend ist ein
weitergehender Sturz der gesicherten Person ausgeschlossen.
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Wenn nun die in den Abschnitt 6' des Sicherungsseiles 6
gestürzte Person abgeseilt werden soll, wird der Dosierhebel 8
aus seiner an der Strukturschale 1 anliegenden Endlage (in
den Figuren im Uhrzeigersinn) weggeschwenkt. Bei dieser
Schwenkbewegung kommt die mit dem Dosierhebel 8 drehfest
verbundene Kurvenscheibe 9 in Kontakt mit dem
Seilführungselement 10, und zwar an einem Anschlagbereich, der in
Achsansicht der Hohlachse 3 dem nasenförmigen Abschnitt 10'
benachbart ist, so daß bei hinreichender Schwenkung des
Dosierhebels 8 der nasenförmige Abschnitt 10' des
Seilführungselementes 10 vom kreisbogenförmigen Abschnitt 7' des
Nockenteiles 7 etwas abgerückt und die auf das
Sicherungsseil 6 ausgeübte Klemmkraft dosiert vermindert wird. Damit
kann die in das Seil gestürzte Person unter Ausnutzung ihres
Gewichtes langsam und kontrolliert abgesenkt werden, wobei
die Sinkgeschwindigkeit bzw. die die Sinkgeschwindigkeit
bestimmende Bremskraft durch Verstellung des Dosierhebels 8
steuerbar ist. Eine für das gesteuerte Abseilen typische
Lage des Dosierhebels 8 ist in den Fig. 4 und 5 dargestellt.
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Eine ungewollte und äußerst gefährliche vollständige
Freigabe des Sicherungsseiles 6 beim Abseilen ist erfindungsgemäß
ausgeschlossen. Sollte nämlich der Dosierhebel 8 über die in
den Fig. 4 und 5 dargestellt Lage hinaus in seine
gehäuseferne Endlage, die in Fig. 6 dargestellt ist, bewegt werden,
wird das Sicherungsseil 6 zwischen der Nase 7" des
Nockenteiles 7 und einem Außenumfangsabschnitt des
Seilführungselementes 10 nahe der Hohlachse 3 stark bremsend
eingeklemmt. Im Ergebnis wird das Sicherungsseil wiederum im
Sicherungs- und Abseilgerät arretiert, so daß die gesicherte
Person nicht abstürzen kann.
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Sollte der Dosierhebel beim Abseilen versehentlich
losgelassen werden, kann ebenfalls keinerlei Gefahrzustand
eintreten. Denn aufgrund der Seilreibung werden das Nockenteil 7und damit der Dosierhebel 8 in der Zeichnung entgegen dem
Uhrzeigersinn geschwenkt. Gleichzeitig wird das
Seilführungselement 10 im Uhrzeigersinn mitgeschleppt, so daß das
Sicherungsseil erneut zwischen dem nasenförmigen Abschnitt
10' des Seilführungselementes und dem bogenförmigen
Umfangsabschnitt 7' des Nockenteiles 7 arretierend eingeklemmt
wird.
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Falls das Sicherungs- und Abseilgerät als Seilkürzer
verwendet werden soll, werden das Gehäuse 1, 2 über die in Fig. 2
erkennbare Karabineröse 5 od. dgl. mit dem Gurtgeschirr der
zu sichernden Person verbunden und der Abschnitt 6' des
Sicherungsseiles 6 an einem Festpunkt angeschlagen. Sollte die
gesicherte Person nun ins Seil stürzen, kann wie sich durch
Betätigung des Dosierhebels 8 selbst kontrolliert absenken.