DE1768143C - Verfahren zur Herstellung von Herzgly kosiddenvaten und Arzneimittel - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von Herzgly kosiddenvaten und ArzneimittelInfo
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Description
Herzglykoside, die sich vom Genin k-Strophanthidin bzw. Strophanthidol ableiten, z. B. Convallatoxin,
Convallatoxol, k-Strcphanthin, Cymaiin, Cymarol, Helveticosid und Helveticosol, haben auf Grund
ihrer besonderen Wirksamkeit und Wirkungseigenschäften eine besondere Bedeutung für die Herztherapie.
Die Anwendung bleibt aber im wesentlichen auf die Injektion beschränkt, da diese Glykoside nur
zu einem geringen Teil aus dem Magen-Darm-Kanal resorbiert werden. Die Resorptionsquoten z. B. von
Helveticosid und Cymarin liegen bei 0 bzw. 20 bis 30%. Deshalb haben diese Verbindungen bei enceraler
Applikation eine therapeutisch ungenügende Wirksamkeit. '5
Es wurden zahlreiche Versuche unternommen, um besser resorbierbare Herzglykoside vom Strophanthidintyp
zu finden oder durch chemische Veränderungen der Moleküle, z.B. durch Acylierung von
Hydroxylgruppen, die resorptiven Eigenschaften zu verbessern. Bis jetzt ist aber noch kein Glykosidderivat
vom Strophanthidintyp bekanntgeworden, das den gesuchten therapeutischen Eigenschaften
gerecht geworden wäre (vgl. Arzneimittelforschung, Bd. 13 [1963], S. 142 bis 149, und niederländische
Offenlegungsschrift 6 702 085.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren zur
Herstellung einer neuen Klasse von Herzglykosidderivaten zu schaffen, die aus dem Magen-Darm-Kanal
sehr gut resorbierbar sind und nur geringe Nebenwirkungen zeigen.
Gegenstand der Erfindung ist ein Verfahren zur Herstellung von Herzglykosidderivaten dei allgemeinen
Formel I.
CH3
R1 O /CH*\ [
\ / XCH CH-Ο—1
H O
CH O
CH3
(D
OH
In der allgemeinen Formel I bedeutet R die Aldehydgruppe (CHO; Genin = Strophanthidin) oder die
Methylolgruppe (CH2OH; Genin = Strophanthidol). Der Zuckerrest leitet sich von der Digitoxose ab.
R1 bedeutet ein Wasserstoffatom oder einen gesättigten
oder olefinisch ungesättigten, unverzweigten oder verzweigten Alkylrest mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen
oder einen Phenylalkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen im Alkylrest. der im aliphatischen Teil
auch olefinisch ungesättigt oder verzweigt sein kann, oder einen Phenylrest, der gegebenenfalls durch einen
bis drei Alkyl- oder Alkoxyreste mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen oder eine Mcthylendioxygruppe substituiert
ist.
Es ist ersichtlich, daß es sich bei den neuen Herzglykosidderivaten
der allgemeinen Formel I urn cyclische Acetale handelt, wobei sich der Rest
R1-C-H
40 von einem Aldehyd der nachstehend angegebenen allgemeinen Formel IV
R1-CHO (IV)
ableitet, in der R1 die obige Bedeutung hat.
Die in den Beispielen genannten Namen der Herzglykosidderivate der Erfindung wurden aus Gründen
der Übersichtlichkeit gewählt; sie stehen nicht im Einklang mit der lUPAC-Nomenklatur.
Das erfindungsgemäße Verfahren ist dadurch gekennzeichnet,
daß man Helveticosid, d. h. Strophanthidindigitoxosid. der Forme! II
(M)
ntii einem Überschuß eines Acetals der allgemeinen
Formel III
R1 OR2
/ \
H OR,
H OR,
(HD
in der R1 die obige Bedeutung hat und R2 ein Alkyl- ίο
rest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen ist. in Gegenwart eines Kationenaustauschers in der Säureform
(H+-Form) sowie gegebenenfalls in Gegenwart eines inerten Lösungsmittels bei Temperaturen von 15 bis
9O0C umsetzt und gegebenenfalls das erhaltene eye-Msche
Acetal der allgemeinen Formel I, in der R die Formylgruppe ist, in an sich bekannter Weise zum
entsprechenden Helveticosolderivat (R = CH2OH)
leduziert.
Als Acetale werden vorzugsweise die Methyl- oder Äthylacetale verwendet.
Beispiele für aliphatische, gesättigte oder olefinisch ungesättigte, unverzweigte oder verzweigte Aldehyde,
die in Form ihrer Acetale verwendet werden, sind Formaldehyd, Acetaldehyd, Propionaldehyd, Butyruldehyd,
n-Valeraldehyd, Capronaldehyd, Oenanthaldehyd, Caprylaldehyd, Pelargonaldehyd, Caprinaldehyd,
Isobutyraldehyd, Isovaleraldehyd, Pivaialdehyd, 2-Methyl-n-valeraldehyd, 2-Äthylbutyraldehyd,
3,3,5-Trimethylhexanal, 2-Äthylcapronaldehyd und
Crotonaldehyd.
Beispiele Tür aromatische Aldehyde sind Benzaldehyd,
o-, m- und p-Tolylaldehyd, Mesitylaldehyd,
Cuminaldehyd, 2-, 3- oder 4-Methoxybenzaldehyd, Piperonal. Dimethoxybenzaldehyde, z. B. Veratrumaldehyd
und Trimethoxybenzaldehyd.
Beispiele für durch einen Phenylrsst substituierte aliphatische, gesättigte oder olefinisch ungesättigte,
gegebenenfalls in der Kette oder im Benzolring substituierte Aldehyde, sind Phenylacetaldehyd, Zimtaldehyd,
Hydrozimtaldehyd, a-Methylphenylacetaldehyd,
p-Methylphenylacetaldehyd, fi-n-Amylzimtaldehyd
und /i-(4-Isopropylphenyl)-«-melhylpropionaldehyd.
Als Kondensa'ionsmittel für die Umsetzung der
Acetals der allgemeinen Formel III mit Helveticosid wird ein Kationenaustauscher in der H +-Form verwendet,
der im Temperaturbereich der Umsetzung und unter den Reaktionsbedingungen beständig ist.
Organische Austauscher sind bevorzugt. Nach überführung in die H +-Form durch Behandlung mit einer
anorganischen starken Säure wird der Austauscher mit organischen Lösungsmitteln wasserfrei gewaschen
und getrocknet. Nach beendeter Umsetzung wird das Reaktionsgemisch vom Austauscher abgesaugt. Man
vermeidet auf diese Weise eine zusätzliche Neutralisation des Reaktionsgemisches, die unter Umständen
zu nicht kontrollierbaren Nebenreaktionen führen kann.
Das Verfahren mit einem Acetal der allgemeinen Formel III unter Verwendung eines Kationenaustauscliers
in der H+-Form ist wegen der größeren Anwendungsbreite, der kürzeren Reaktionszeiten, der
größeren Ausbeuten und der geringeren Bildung von Nebenprodukten technisch vorteilhafter als das in &5
der Offenlegungsschrift 1 568 216 vorgeschlagene Verfahren.
Has Acetal wird im Überschuß verwendet und dient gegebenenfalls gleichzeitig als Lösungsmitlei
für das Helveticosid. Ist das Helveticosid im verwendeten Acetal schwer löslich, so kann man zusätzlich
ein unter den Reaktionsbedingungen inertes Lösungsmittel, z. B. einen niederen aliphatischen Alkohol,
Dioxan, Tetrahydrofuran oder einen Halogenkohlenwasserstoff,
wie Chloroform oder Tetrachlorkohlenstoff, zugeben. Ähnliches gilt Tür den Fall, daß das
Acetal selbst in festem Zustand vorliegt.
Zur Vermeidung der hydrolytischen Spaltung zwischen Genin und Zuckerrest muß die Umsetzung
in weitgehend wasserfreiem Medium durchgeführt werden.
Das Verfahren der Erfindung wird bei Temperaturen von 15 bis 900C, vorzugsweise bei etwa 40 bis
75°C, durchgefiihrt. In diesem Temperaturbereich werden die NebenreaktioT.on auf ein Mindestmaß
beschränkt. Im bevorzugten Temperaturbereich liegen die Reaktionszeiten zwischen etwa 2 und 6 Stunden.
Den Fortgang der Umsetzung verfolgt man am besten an Hand einer dünnschichtchromatographischen Analyse.
Sobald im DünnschichUhromatogramm kein Helveticosid mehr nachweisbar ist, wird mit der Aufarbeitung
des Reaktionsgemisches begonnen.
Bei empfindlichen, leicht oxydablen Acetalen wird das Verfahren der Erfindung vorzugsweise in einer
Inertgas-Atmosphäre, z. B. unter Stickstoff, durchgeführt.
Die Aufarbeitung des Reaktionsproduktes erfolgt nach dem Abfiltrieren des Kationenaustauschers.
überschüssiges Acetal wird unter vermindertem Druck oder im Hochvakuum bei niedriger Temperatur
abdestilliert, um eine Zersetzung des Helveticosidderivats zu vermeiden. Liegen die Destillationstemperaturen jedoch so hoch, daß tine Zersetzung
die Folge wäre, so gibt man das Reaktionsgemisch in überschüssigen, niedrigsiedenden Petroläther, wobei
das Reaktionsprodukt ausfällt. In analoger Weise erhält man durch Anreiben des Destillationsrückstandes
mit Äther, Benzin oder Petroläther oder durch Fällen des in mit aliphatischen Kohlenwasserstoffen
mischbaren Lösungsmitteln, wie Chloroform, gelösten Destillationsrückstandes mit Petroläther die
kristallinen Helveticosidderivate. Man kann das Reaktionsprodukt auch mit Petroläther verdünnt an
Kieselgel chromatographisch vom nicht umgesetzten Acetal abtrennen und schließlich das Herzglykosidderivat
eluieren. Aus den so erhaltenen cyclischen Acetalen des Helveticosids der allgemeinen Formel I,
in der R die Formylgruppe bedeutet, kann man die entsprechenden Helveticosolderivate (R = CH2OH)
durch Reduktion herstellen. Man löst dab cyclische Acetal in einem mit Wasser mischbaren Lösungsmittel,
versetzt c'ie Lösung mit Wasser und tropfenweise mit einer Lösung von Natriumborhydrid in Wasser und
dem gleichen organischen Lösungsmittel. Den Fortgang der Reduktion verfolgt man durch Dünnschichtchromatographie.
Als wassermischbare Lösungsmittel eignen sich besonders Dioxan und Tetrahydrofuran,
Nach Beendigung der Reduktion dampft man Lösungsmittel und Wasser unter vermindertem Druck
ab und gewinnt analog zu der oben beschriebener Arbeitsweise die Helveticosolverbindungen.
Aus der allgemeinen präparativen organischer Chemie ist die im Verfahren der Erfindung angewandte
Methode als Umacetalisierung bekannt. Si( wird speziell zur Acetalisierung empfindlicher Car
bony'verbindungen benutzt.
Aus der Zuckerchemie ist die Herstellung von Isopropylidenverbindungen und Benzylidenverbindungen
aus Aceton und Zucker bzw. Benzaldehyd und Zucker in Gegenwart von Säuren bekannt. Bei
der direkten Umsetzung von Herzglykosiden mit Aldehyden oder Ketonen in Gegenwart von Säuren
erhält man jedoch auch verschiedene Nebenprodukte. Dies ist bei der bekannten Instabilität von Acetalen
und Ketalen in Gegenwart von WasserstofTionen auch durchaus zu erwarten. Von C. Mannich
und G. S i e w e r t, Ber. dtsch. ehem. Ges. 75 (1942),
S. 737, wird die Reaktion von Herzglykosiden mit Aceton und Mineralsäuren am Beispiel des g-Strophanthins
zur Abspaltung des Zuckerrestes benutzt.
Das erfindungsgemäße Verfahren liefert in hoher Ausbeute einheitliche Produkte. Das Gelingen der
Umacetalisierung beim Herzglykosid Helveticosid ist überraschend, weil neben den 1,2-ständigen Hydroxylgruppen
im Digitoxoserest des Moleküls noch verschiedene andere reaktionsfähige Gruppen vorliegen,
die unter den Reaktionsbedingungen entweder bevorzugt oder parallel reagieren könnten. So könnte
in umgekehrter Weise, also in Analogie zur üblichen Anwendung der Umacetalisierung, die Aldehydgruppe
in der 10-Stellung des Steoridgerüstes durch die
Alkoholkomoonente des jeweiligen Acetals acetalisiert werden. Ferner könnte in gewisser Analogie
zur genannten Mannich-Siewert-Spaltung gemäß den Bedingungen eine Umacetalisierung des Zuckers unter
Spaltung in Genin und Zuckeracetal bzw. Ketal stattfinden. Das im Verfahren der Erfindung eingesetzte
Helveticosid kann z. B. nach dem Verfahren der deutschen Patentschrift 1 082 007 oder der deutschen
Auslegeschrift 1 221 764 gewonnen werden. Die Acetale werden nach an sich bekannten Methoden
aus den entsprechenden Aldehyden, z. B. durch Umsetzung mit Alkoholen oder Orthoameisensäureestern,
hergestellt.
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren Herzglykosidderivate zeigen im Gegensatz
zu den Ausgangsverbindungen, die nur bei intravenöser Applikation eine dem Strophanthin vergleichbare
Wirkung zeigen, überrachenderweise eine hohe enterale Resorptionsquote, so daß sie oral zur Therapie
der Herzinsuffizienz eingesetzt werden können. Die pharmakologische Prüfung der neuen Verbindungen
der Erfindung erfolgte in bekannter Weise an Katzen durch Bestimmung der tödliche!) Dosis bei intravenöser
Infusion.
Die enteralen Resorptionsquoten wurden avis dem
Verhältnis der Letaldosen bei intraduodenaler Infusion zu den Letaldosen bei intravenöser Infusion
errechnet bzw. durch intravenöse Auftitration nach intraduodenaler Vorgabe bestimmt. Tabelle I zeigt
an einigen Beispielen die hohe Wirksamkeit und hohe Resorptionsquote der erfindungsgemäß herstellbaren
Verbindungen.
Resorptionsquoten von Aldehydderivaten
des Helveticosids und Helveticosols bei Katzen
des Helveticosids und Helveticosols bei Katzen
Verbindung
Zimtaldehyd-helveticosid
Zimtaldehyd-helveticosol
Crotonaldehyd-helveticosid
Zimtaldehyd-helveticosol
Crotonaldehyd-helveticosid
k-Strophanthin·^
Helveticosid
Resorptionsquote
60
68
i. v. Wirkdosi«
DL111, (mg kg)
DL111, (mg kg)
0,63
1,83
0.36
0.128
0,09
| Verbindung | Resorp tionsquote % |
i. v. Wirkdosis DLICO (mg'Tcg) |
| Benzaldehyd-helveticosid Benzaldehvd-helveticosol |
81 60 |
1,18 2.07 |
Die nach dem erfindungsgemäßen Verfahren herstellbaren Verbindungen können Tür die orale Darreichungsform
z. B. als Tabletten, Pillen, Kapseln oder Dragees, verwendet werden. Die oralen Präparate
können auch mit einem magensaftbeständigen Überzug versehen sein.
Injektionspräparate, die ein erfindungsgemäß herstellbares Herzglykosidderivat enthalten, werden ebenfalls
in üblicher Weise hergestellt. Die Substanzen werden mit Hilfe von biologisch verträglichen Lösungsvermittlern
in eine wäßrige Lösung gebracht und durch basische Stoffe auf einen neutralen bis
schwach alkalischen pH-Wert eingestellt. Die Lö-
*5 sungen werden in Ampullen abgefüllt und in bekannter
Weise durch Erhitzen sterilisiert.
Die F i g. 1 gibt die dünnschichtchromatographischen Analysen der gemäß Beispiel 1 hergestellten
Produkte und weiterer Produkte wieder. Die Untersuchungen wurden auf Kieselgelplatten durchgeführt.
Als Fließmittel diente ein Gemisch von Petroläther und Äthylacetat (30:70). Die Chromatogramme wurden
mit Vanillin-Phosphorsäure-Reagenz bei 1200C
im Trockenschrank entwickelt. Einige Chromatogramme zeigen geringfügige Verunreinigungen, z. B.
Helveticosid und Strophanthidin, auf deren Beseitigung
jedoch verzichtet wurde, da ihr geringer Anteil ohne Einfluß auf die medizinische Verwendung ist.
In F i g. 2 sind beispielhaft einige IR-Absorptionssprektren
der erfindungsgemäß hergestellten Herzglykosidderivate in Kaliumbromid wiedergegeben.
Die Beispiele erläutern das erfindungsgemäße Verfahren. Die optischen Drehwerte wurden an einer
Lösung von 1 g der Verbindung in 100 ml Chloroform bestimmt.
Beispiel 1
a) Benzaldehyd-helveticosid
a) Benzaldehyd-helveticosid
1,5 g Helveticosid werden in 20 ml Benzaldehyddiäthylacetal gelöst und mit 1,5 g eines Kationenaustauschers in der H^-Form (beispielsweise dem
unter dem Handelsnamen Lewatit S 100 bekannten Ionenaustauscher) versetzt. Unter Rühren erwärmt
man auf 550C und verfolgt den Reaktionsablauf dünnschichtchromatographisch. Nach etwa 4stündiger
Reaktionszeit ist kein Helveticosid mehr nachweisbar. Man saugt den Ionenaustauscher ab und
destilliert aus dem Filtrat im Wasserstrahlvakuum im Rotationsverdampfer das Lösungsmittel ab. Der
Rückstand wird mit Petroläther digeriert. Ausbeute 950 mg Benzaldehyd-helveticosid vom F. 202 bis
2100C, [a]?+ 250C.
IR-Banden: Aromatische Banden bei 3030, 3050,
695 und 755 cm"1. Lacton-Carbonylbande bei 1740
und 1775 cm"1. Aldehyd-Carbonylbande bei
1719 cirT'X.C-Doppelbindungsbandebei 1618Cm"1.
/^x 207 πΐμ (in CH3GH).
f 14 ΓΊ ·
Berechnet ... C 68.2. H 8.5%;
geiupden C 69.2, H 8.5%.
geiupden C 69.2, H 8.5%.
LD100 (Katze, intravenös)'. 1,44 η ι g/kg,
b) Benzaldehyd-helveticosol
b) Benzaldehyd-helveticosol
1.5 g Benzaldehyd-helveticosid werden in 20 ml 80%igem wäßrigem Dioxan gelöst und tropfenweise
innerhalb einer Stunde mit einer Lösung von 0,35 g Natriumborhydrid in 20 ml 75%igem Dioxan versetzt.
Das Reaktionsgemisch wird 1 Stunde gerührt, danach läßt sich kein Benzaldehyd-helveticosid mehr
nachweisen. Die Lösung wird mit verdünnter Schwefelsäure auf pH 7 eingestellt, und Dioxan wird unter
vermindertem Druck im Rotationsverdampfer abgedampft. Die wäßrige Phase wird mehrmals in
Chloroform extrahiert. Die vereinigten Chloroformextrakte werden mit wasserfreiem Natriumsulfat getrocknet
und eingedampft. Ausbeute 750 mg Benzaldehyd-helveticosol; F. 167 bis 174°C; [α]?+ 11°.
Im IR-Spektrum ist die Aldehydgruppe nicht mehr nachweisbar. Neben der verstärkten Hydroxylbande
im 1SOO-Cm"'-Bereich bleiben die Lacton-Carbonylbanden
und die Doppelbindungsbande erhalten.
In gleicher Weise, wie im Beispiel 1 a beschrieben, wurden die in der Tabelle II aufgeführten Helveticosidderivate
durch Umsetzung von Helveticosid mit den entsprechenden Acetalen in Ausbeuten zwischen
46 und 80% der Theorie, bezogen auf eingesetztes Helveticosid, hergestellt.
Durch Reduktion der erhaltenen Helveticosidderivate mit Natriumborhydrid gemäß Beispiel Ib
werden die entsprechenden Helveticosolderivate erhalten.
| 1J 1 |
Helveticosid- bzw. | F.. C | 135 | Γα]'.' |
| Ho'-picl | Helveticosolderivat | *- J | ||
| 2 | p-Methylbenz- | 127 bis | + 26 | |
| aldehyd-helveti- | 133 | |||
| cosid | ||||
| 3 a | Zimtaldehyd- | 129 bis | 163 | + 20 |
| helveticosid | ||||
| ?b | Zimtaldehyd- | 157 bis | 171 | + 12 |
| helveticosol | ||||
| 4 | Acetaldehyd- | 168 bis | 104 | |
| helveticosid | ||||
| Butyraldehyd- | 102 bis | 180 | ||
| helveticosid | ||||
| 6 | Caprylaldehyd- | 172 bis | 112 | + 26 |
| helveticosid | ||||
| 7 | Crotonaldehyd- | 109 bis | 108 | |
| helveticosid | ||||
| 8a | Anisaldehyd- | 103 bis | 149 | + 26 |
| helveticosid | ||||
| 8b | Anisaldehyd- | 141 bis | 159 | + 15 |
| helveticosol | ||||
| 9a | Propionaldehyd- | 157 bis | 110 | |
| helveticosid | ||||
| 9b | Propionaldehyd- | 108 bis | ||
| helveticosol | ||||
In der deutschen Offenlegungsschrift 1568 216
wird ein Verfahren zur Herstellung cyclischer Äther von Cardenolid-Digitoxosiden, unter anderem cyclischen Äthern von Helveticosid und Helveticosol.
vorgeschlagen, bei dem Helveticosid oder Helveticosol mit niedrigmolekularen aliphatischen, gegebenenfalls
ungesättigten Aldehyden oder deren reaktiven Derivaten, z. B. den niederen Dialkylketalen, umgesetzt
werden. Gemäß der Definition in der allgemeinen
ίο Formel haben die Reste R1 und R2 zusammen bis zu
6 C-Atome. Für diese Acetalisierungsreaktion werden als Katalysatoren z. B. frisch geschmolzenes Zinkchlorid,
wasserfreies Kupfersulfat, wasserfreies Calciumsulfat oder ohosphorylierte Cellulosepräparate
vorgeschlagen. Es wird ausgeführt, daß die verwendeten Katalysatoren nicht so stark sauer sein dürfen,
daß sie die Digitoxoside spalten.
Kationenaustauscher enthalten Carboxyl- und bzw. oder Sulfonsäuregruppen, die einen erheblich stärkeren
Dissoziationsgrad zeigen, als beispielsweise die in der Offenlegungsschrift genannte phosphorylierte Cellulose.
Dies läßt sich durch Vergleich der Veresterungsgeschwindigkeit von Essigsäure und Äthanol
(Molverhältnis etwa 2:1) in Gegenwart gleicher Grammengen und in Gegenwart gleicher Äquivalentmengen
(bezogen auf die H+ -Kapazität) zeigen. Die
bei der Veresterung verbrauchte Essigsäure wurde nach bekannten Methoden ti-trimetrisch bestimmt.
Die H+-Kapazität der Ionenaustauscher wurde nach der Vorschrift in Helfferich, Ionenaustauscher,
Bd. 1, S. 81 bis 83, für den getrockneten Ionenaustauscher bestimmt.
Kationenaustauscher Lewatit®S 100:
Kapazität: 5,9 mäg./g.
Kationenaustauscher Lewatit®S 100:
Kapazität: 5,9 mäg./g.
Kationenaustauscher MN 300 GP*):
Kapazität: 0,62mäg./g.
Ansatz: 75 ml Eisessig, 25 ml Äthanol, Rückfluß.
Ansatz: 75 ml Eisessig, 25 ml Äthanol, Rückfluß.
*) Phosphoryliertes Cellu'osepräparat von Macherey und
Nagel.
40
40
| f (Zeitl | 5g S 100 | 0O Veresterung 5 g MN 300 GP |
30 g MN 300GP | |
| 45 | 60' | 62% | 26% | 43% |
| 120' | 70% | 33% | 54% | |
| 50 | 240' | 81% | 50% | 57% |
Abgesehen davon, daß der Einsatz so großer Katalysatormengen wie 30 g MN 300 GP auf einen
Reaktionsansatz von 100 ml wirtschaftlich ungünstig ist, war trotz gleicher Äquivalente die Reaktionsgeschwindigkeit
erheblich geringer. Mit dem Ionenaustauscher Lewatit®S 100 war nach etwa 4 Stunden
schon die theoretisch maximale Ausbeute erreicht und die Reaktion beendet. Die Ausbeute von 57%
nach 4 Stunden mit dem Austauscher MN 300-GP entsprach dem Veresteningsgrad mit Lewatit®S 100
nach 45 Minuten.
Vergleichsweise wurden die Reaktionen zwischen Helveticosid und Caprylaldehyddiäthylacetal in Gegenwart
von Lewatit®S 100, MN 300 GP und wasserfreiem CuSO4 durchgeführt und dünnschichtchromatographisch
verfolgt.
Ansatz: 1 g HelveticosiJ, 20 ml Caprylaldehyddiiithylacetal,
10 ml wasserfreies Äthanol und 1 g Lewatit®S 100 bzw. 5,8 g MN 300 GP !»zw. 2 g wasserfreies CuSO4.
Dabei zeigt sich, daß die Reaktion unter den Bedingungen des erfindungsgemäßen Verfahrens nach
Stunden nahezu abgeschlossen war, in Gegenwart des Katalysators MN 300 GP war die Reaktion
auch nach 10 Stunden dünnschichtchromatographisch nicht nachweisbar, neben Helveticosid lag
jedoch auch Strophanthidin vor, im Reaktionsansatz mit Kupfersulfat lagen nach 10 Stunden etwa die
gleichen Umsetzungsverhältnisse vor, wie im Ansatz mit Lewatit®S 100 nach 4 Stunden.
Die vergleichenden Versuche zeigen,
10
1. daß entgegen dem Postulat der Offenlegungsschrift I 568 216 stark saure Kationenaustauscher
als Katalysatoren bei der Herstellung von cyclischen Äthern des Helveticosids mit Vorteil
eingesetzt werden können.
2. daß die genannte Umsetzung in Gegenwart der stark sauren Kationenaustauscher erheblich günstiger
sowohl in chemischer, technischer und wirtschaftlicher Hinsicht verläuft,
3. daß unter den Bedingungen des erfindungsgemäßen Verfahrens auch Stoffe umgesetzt werden
können, die nicht oder nur mit geringen Ausbeuten die Umsetzung eingehen. Dies trifft insbesondere
für langkettige oder aromatisch substituierte Aldehyde zu.
Claims (2)
- Patentansprüche: 1. Verfahren zur Herstellung von Herzglykosidderivaten der allgemeinen Formel IR1 O /CHz\
\ / XCH CH-Oc I I/ \ CH 0
H 0/\CH/CH3in der R die Formyl-(CHO)- oder Methylol-(CH2OH)-Gruppe und R1 ein Wasserstoffatom oder einen gesättigten oder olefinisch ungesättigten unverzweigten oder verzweigten Alkylrest mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen oder einen Phenylalkylrest mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen im Alkylrest, der im aliphatischen Teil auch olefinisch unge-(Dsättigt oder verzweigt sein kann, oder einen Phenylrest, der gegebenenfalls durch einen bis drei Alkyl- oder Alkoxyreste mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen oder eine Methyltndioxygruppe substituiert ist, bedeutet, dadurch gekennzeichnet, daß man Helveticosid der Formel II(H)OHmit einem Überschuß eines Acetals der allgemeinen Formel IIIR1 OR2(III)60OR,in der Ri die obige Bedeutung hat und R2 ein Alkylrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen ist, in Gegenwart eines Kationenaustauschers in der Säureform (H +-Form) sowie gegebenenfalls in Gegenwart eines inerten Lösungsmittels bei Temperaturen von 15 bis 90° C umsetzt und gegebenenfalls das erhaltene cyclische Acetal der allgemeinen Formel I, in der R die Formylgruppe ist, in an sich bekannter Weise zum entsprechenden Helveticosolderivat (R = CH2OH) reduziert. - 2. Arzneimittel, enthaltend ein gemäß Arspruch 1 hergestelltes Herzglykosidderivat neben üblichen, phannakologisch verträglichen Trägerstoffen und Hilfsstoffen.Hierzu 1 Blatt Zeichnungen
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