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In Abwesenheit von Wasser lagerfähige Polysiloxanmassen Gegenstand
der Erfindung sind Organopolysiloxane, die als einzige kondensierbare Gruppen siliciumgebundene
Alkoxyäthoxyreste enthalten, die im Gemisch mit einem bei Raumtemperatur wirksamen
Kondensationskatalysator flüssig und in Abwesenheit von Feuchtigkeit beständig sind,
jedoch in Gegenwart von Luftfeuchtigkeit bei Raumtemperatur zu Feststoffen härtbar
sind.
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Bei Raumtemperatur härtende Formmassen sind sehr wertvoll ; sie werden
vor allem für Überzüge, z. B. als Lacke für Holz, Elastomere dagegen sowohl für
Überzüge als auch zum Abdichten verwendet.
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Die ersten bei Raumtemperatur härtenden Massen bestanden aus zwei
oder mehreren beständigen Komponenten, die nach dem Mischen spontan zu dem gewünschten
Feststoff härteten. Derartige Massen sind als Einkomponentensysteme nicht marktfähig,
da sie infolge der spontanen Umsetzung zu unverarbeitbaren Feststoffen härten.
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Es ist bekannt, daß bestimmte nüssige Organopolysiloxane, die als
einzig wirksame Gruppen siliciumgebundene Acyloxy-Reste enthalten, in Abwesenheit
von Feuchtigkeit beständig sind, jedoch in Gegenwart von Feuchtigkeit-je nach Struktur
und Zusammensetzung des Organopolysiloxans-zu Harzen oder elastomeren Feststoffen
härten. Die Härtung dieser Einkomponentenmassen ist aber mit der Abspaltung von
Carbonsäure, im Falle der handelsüblichen Produkte im allgemeinen Essigsäure, verbunden.
Es gibt jedoch Anwendungsgebiete, bei denen die Gegenwart von Carbonsäure unerwünscht
und schädlich ist.
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Die Entdeckung einer neuen Klasse von Organopolysiloxanzwischenprodukten
machte die Herstellung neuer, bei Raumtemperatur härtender Einkomponentenmassen
unter Verwendung eines Katalysators möglich. Die Eigenschaften des gehärteten Endproduktes
können je nach der Zusammensetzung und Beschaffenheit des verwendeten Polysiloxans
sehr verschieden sein. Außerdem können die Zwischenprodukte während der Bereitung
der gewünschten bei Raumtemperatur härtenden Formmassen in situ hergestellt werden.
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Es wurden nun unter Ausschluß von Wasser lagerfähige, in Gegenwart
von Wasser zu Elastomeren härtende Formmassen gefunden, die Organopolysiloxane,
Amine, phosphorsaure oder carbonsaure Salze basischer Aminoverbindungen, carbonsaure
Salze quartärer Ammoniumhydroxyde und/oder carbonsaure Salze von Metallen, die in
der elektrochemischen Spannungsreihe der Metalle zwischen Blei und einschließlich
Mangan eingeordnet sind, sowie gegebenenfalls Füllstoffe und andere übliche Zusätze
enthalten, dadurch gekennzeichnet, daß man Organopolysiloxane verwendet, bestehend
aus mindestens 2 Einheiten der allgemeinen Formel
und mindestens 7 Einheiten der allgemeinen Formel RdSiO4-d 2 worin R und R'einwertige,
gegebenenfalls halogenierte Kohlenwasserstoffreste sind, a = 2 oder 3, b = 0 oder
1, die Summe von a und b in den jeweiligen Einheiten nicht größer als 3, c = I bis
3 und d = 0 bis 2 ist und Z einen zweiwertigen, von aliphatischen ungesättigten
Gruppen freien Kohlenwasserstoffrest mit 2 bis einschließlich 18 Kohlenstoffatomen
bedeutet, sowie durchschnittlich 1,3 bis 2,0 R-Gruppen je Siliciumatom vorliegen.
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Die Reste R und R'können einwertige, gegebenenfalls halogenierte
Kohlenwasserstoffreste sein, z. B.
beliebige Alkylreste, wie Methyl-,
Äthyl-, Isopropyl-, tert.-Butyl-, 2-Äthylhexyl-, Dodecyl-, I-Isobutyl-3,5-dimethylhexyl-,
Octadecyl-oder Myricylreste, beliebige Alkenylreste, wie Vinyl-, Allyl-, Decenyl-oder
Hexadienylreste, beliebige Cycloalkylreste, wie Cyclopentyl-oder Cyclohexylreste,
beliebige Cycloalkenylreste, wie Cyclopentenyl-, Cyclohexenyl-oder Cyclo-2, 4-hexadienylreste,
beliebige Arylreste, wie Phenyl-, Naphthyl-oder Xenylreste, beliebige Aralkylreste,
wie Benzyl-, Phenyläthyl-oder Xylylreste, oder beliebige Alkarylreste, wie Toluyl-oder
Dimethylphenylreste. Die einwertigen Kohlenwasserstoffreste können halogeniert sein,
wie z. B. Chlormethyl-, 3,3,3-Trifluorpropyl-, 3,3,4,4,5,5,5-Heptafluorpentyl-,
Perchlorphenyl-, 3,4-Dibromcyclohexyl-, a, a. a-Trifluortolyl-, 2,4-Dibrombenzyl-,
Difluormonochlorvinyl-, a,-Trifluor-a-Chlorcyclobutyl-oder 2-Jodcyclopenten-3-ylreste.
Vorzugsweise ist R ein Methyl-, Vinyl-, Phenyl-oder 3,3,3-Trifluorpropylrest und
R'ein einwertiger aliphatischer Kohlenwasserstoffrest.
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In den erfindungsgemäß verwendeten Zwischenprodukten können die reaktionsfähigen
Alkoxyäthoxygruppen [R' (OCH2CH20]-z. B. folgende Struktur besitzen : CH3CH2CH2CH20CH2CH20-,
CH3CH2CH2CH2 (0CH2CH2) 20, CH2 = CHCH20CH2CH20-, CH3CH20CH2CH20-, CH3CH2 (OCH2CHz)
O-, CH3CH2 (OCH2CH2) 30, CH3OCH2CH2O, C6H50CH2CH20, CICH2CH20CH2CH20-oder CF30CH2CH20.
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Vorzugsweise ist R'jedoch ein einwertiger aliphatischer Kohlenwasserstoffrest
mit weniger als 5 Kohlenstoffatomen.
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Die Organopolysiloxane können verschiedenartige Struktur besitzen,
wie z. B.
oder
worin R und R'die oben angegebene Bedeutung haben und gleich oder verschieden sein
können.
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Die Werte w, x, y und z sind ganze Zahlen, so daß sich im Durchschnitt
ein Verhältnis von 1, 3 bis 2, 0 R-Gruppen je Si-Atom ergibt.
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Die erfindungsgemäß verwendeten Polysiloxane können am besten durch
Umsetzung von SiH-Gruppen enthaltenden Siloxanen mit Silanen der allgemeinen Formel
hergestellt worden sein, worin R"ein einwertiger, aliphatischer oder cycloaliphatischer,
C=C-Gruppen enthaltender Kohlenwasserstoffrest ist. Am besten wird in Gegenwart
eines Pt-Katalysators, wie
Chlorplatinsäure, Platin auf Holzkohle oder Platin auf
Tonerde, gearbeitet. Die Reaktion tritt bei Temperaturen zwischen 30 und 150°C durch
Anlagerung von SiH-Gruppen an C = C-Doppelbindungen ein. Dadurch entsteht in bekannter
Weise der zweiwertige Rest Z.
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Andererseits können die SiR"-Gruppen enthaltenden Polysiloxane mit
Silanen der Formel
unter den oben angegebenen Bedingungen umgesetzt worden sein.
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Die als Ausgangsstoffe verwendeten Silane und Siloxane können nach
üblichen Verfahren hergestellt worden sein.
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Z kann jeder beliebige zweiwertige, von ungesättigten aliphatischen
Bindungen freie Kohlenwasserstoffrest sein, z. B.
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Die beschriebenen Polysiloxane werden als Einkomponentensysteme,
die bei Raumtemperatur zu Elastomeren härten und als Überzugs-, Abdichtungs-und
elektrische Isoliermassen geeignet sind, verwendet. Zur Herstellung von elastomeren
Produkten werden Polysiloxane der Konfiguration
bevorzugt.
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Eine Härtung der Polysiloxane wird dadurch bewirkt, daß man sie mit
einem Kondensationskatalysator mischt und anschließend der Feuchtigkeit aussetzt.
Als Katalysatoren werden solche Verbindungen verwendet, welche die Kondensation
von siliciumgebundenen Hydroxylgruppen oder die Reaktion siliciumgebundener-O (CH2CH20)
R'-Gruppen mit Wasser fördern. Geeignet sind z. B. bestimmte organische Amine, phosphorsaure
oder carbonsaure Salze beliebiger basischer Aminoverbindungen, carbonsaure Salze
beliebiger quarternärer Ammoniumhydroxyde oder carbonsaure Salze von Metallen, die
in der elektrochemischen Spannungsreihe der Metalle zwischen Blei und einschließlich
Magnesium stehen.
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Die als Katalysatoren ftir die bei Raumtemperatur härtenden Formmassen
verwendeten organischen Amine sollen in verdünnter, wäßriger Lösung bei 25°C eine
Dissoziationskonstante von 10-7 und kleiner besitzen. Derartige Aminoverbindungen
sind
primäre, sekundäre, tertiäre Amine oder beliebige Gemische derselben, wie z.
B. sec-Butylamin, Diäthylbenzylamin, Diäthylamin, Diisoamylamin, Diisobutylamin,
Dimethylamin, Dimethylaminomethylphenol, Dimethylbenzylamin, Dipropylamin, Äthylamin,
Äthylendiamin, Hydrazin, Isoamylamin, Isobutylamin, Isopropylamin, Menthandiamin,
Methylamin, Methyldiäthylamin, tert.-Octylamin, tert.-Nonylamin, Piperidin, n-Propylamin,
tert.-Octadecylamin, Chinin, Tetramethylendiamin, Tetramethylguanidin, Triäthylamin,
Triisobutylamin, Trimethylamin, Trimethylendiamin, Tripropylamin, L-Arginin, L-Lysin,
Aconitin, Benzylamin, Cinchonidin, Codein, Coniin, Emetin, Äthanolamin, o-Methoxybenzylamin,
m-Methoxybenzylamin, p-Methoxybenzylamin, N, N-Methoxybenzylamin, o-Methylbenzylamin,
m-Methylbenzylamin, p-Methylbenzylamin, N, N-Methylbenzylamin, Morphin, Nikotin,
p-Aminobenzoesäurediäthylaminoäthylester, £-Phenylamylamin, b-Phenylbutylamin, ß-Phenyläthylamin,
-Phenyläthylmethylamin, y-Phenylpropylamin, N, N-Isopropylbenzylamin, Physostigmin,
Piperazin, Chinidin, Solamin, Spartein, Thebain, tert.-Butyl-2, 4-dinitrophenylamin,
tert.-Butyl-2-hydroxy-5-nitrobenzylamin, tert.-Butyl-4-isonitrosoamylamin, tert.-Octylamylamin,
tert.-Octyl-2-(ß-butoxyäthoxy)-äthylamin, 2,4, 6-tris- (Dimethylamino)-phenol oder
Veratrin. Geeignet sind auch Kondensationsprodukte aliphatischer Aldehyde mit aliphatischen
primären Aminen ; beispielsweise von Formaldehyd und Methylamin, Acetaldehyd und
Allylamin, Crotonaldehyd und Äthylamin, Isobutyraldehyd und Äthylamin, Acrolein
und Butylamin, a, ß-Dimethylacrolein und Amylamin, Butyraldehyd und Butylamin, Acrolein
und Allylamin oder Formaldehyd und Heptylamin.
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Vorzugsweise werden die Aminokohlenwasserstoffe verwendet, d. h. Kohlenwasserstoffe,
die als einzige funktionelle Gruppe Aminostickstoffatome enthalten. Weiterhin ist
es zweckmäßig, daß die eingesetzten Aminoverbindungen bei Raumtemperatur verhältnismäßig
schwer flüchtig sind.
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Brauchbare Kondensationskatalysatoren sind auch Disiloxane der Formel
O [Si (CH3) 2 (CH2) nNH2] 2 gemäß der USA.-Patentschrift 2 557 803 oder Silane der
Formeln [C6H5 (CH3) 2Si (CH2) 2CHNH [ (CH3) sSi (CH2).] 2CHNH2 gemäß der USA.-Patentschrift
2 662 909. Als Kondensationskatalysatoren können auch Reaktionsprodukte einer basischen
Verbindung, wie z. B.
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Ammoniak oder organische Amine (einschließlich der silylorganischen
Amine) mit Phosphor-oder Carbonsäuren, verwendet werden.
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Die Aminoverbindungen können insbesondere Ammoniak, primäre, sekundäre
oder tertiäre Amine sein, die eine oder mehrere Aminogruppen, sowie kohlenstoffgebundene
Siliciumatome und andere funktionelle organische Gruppen, jedoch keine aktiven Wasserstoffatome,
enthalten. Die etwa vorhandenen aktiven Wasserstoffatome sollen an den Stickstoff
gebunden sein. Als » aktive Wasserstoffatome « werden solche bezeichnet, die mit
Methylmagnesiumjodid bei Raumtemperatur Methan bilden.
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Andere aktive Wasserstoffatome beeinträchtigen die Salzbildung.
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Aus den folgenden Beispielen ist zu ersehen, daß die Aminoverbindung
verschiedene, nicht störende funktionelle Gruppen enthalten kann.
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Der Ausdruck » basische Aminoverbindung « umfaßt Verbindungen, die
mindestens ein Stickstoffatom enthalten, an das nicht mehr als 3 Kohlenstoffatome
gebunden sind, wovon keines zu einer C = O-, C = S-oder C = P-Gruppe gehört.
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Beispiele für Amine, die sich zur Herstellung von erfindungsgemäß
verwendbaren Salzen eignen, sind : o-Aminoacetanilid, Iminodiacetonitril, m-Aminoacetophenon,
Allylamin, N-Methylallylamin, Amylamin, N, N-Dimethylamylamin, Anilin, p-Bromanilin,
2,6-Dinitroanilin, m-Fluoranilin, symm.-bisy-Aminopropyltetramethyldisiloxan, y-
(N-Aminoäthylamino)-propyldiphenylmethylsilan, o-Jodanilin, o-Nitroanilin, 2,3,4,5-Tetrachloranilin,
o-Anisidin, 9-Anthrylamin, 4,4'-Diaminoazobenzol, Anthranilonitril, Benzylamin,
p-Methoxybenzylamin, Decylamin, Diallylamin, Dicyclohexylamin, Diäthylentriamin,
Difurfurylamin, Di-m-tolylamin, ß-Äthoxyäthylamin, Tetrahydrofurfurylamin, Histamin,
Benzylhydrazin, p-Bromphenylhydrazin, 1-Methyl-I-phenylhydrazin, 4,4'-Diaminohydrazobenzol,
P3-Leucanilin (= p, p', p"-Triaminophenylmethan), Methylamin, Morpholin, 5-Nitronaphthylamin,
1,2-Dimethyl-4-pentenylamin, N, N-Diäthyl-p-phenylendiamin, Piperazin, Piperidin,
2-Aminopyridin, 6-Nitro-o-toluidin, 2-Amino-p-tolunitril, 9-Phenanthrylamin oder
Tribenzylamin.
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Wie in den basischen Aminoverbindungen das aktive Wasserstoffatom
an Stickstoffatome gebunden ist, so müssen in den Säuren die jeweiligen aktiven
Wasserstoffatome einen Teil der Säuregruppen,
darstellen.
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Die verwendeten Salze sollen mit den Organopolysiloxanen verträglich
sein. In einem gegebenen Gemisch hängt dies im allgemeinen von der Gesamtzahl der
Kohlenstoff-und Siliciumatome und ihrer Anordnung in dem verwendeten Salz ab. So
ist das n-Hexylaminsalz der Octansäure mit einem bestimmten Gemisch verträglich,
während das Din-hexylaminsalz der Bernsteinsäure dies nicht ist.
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Das Di-Eicosylaminsalz der Bernsteinsäure ist mit diesem Gemisch jedoch
verwendbar. In ähnlicher Weise ist das Mono-2-äthylhexylaminsalz der Phenylphosphorsäure
mit einem bestimmten Polysiloxangemisch verträglich, während das mono-Eicosylaminsalz
der unsubstituierten Phosphorsäure zur Erzielung einer Wirksamkeit bei dem gleichen
Polysiloxan eingesetzt werden muß. Für jedes Polysiloxan können geeignete Salze
auf Grund ihrer jeweiligen Verträglichkeit ausgewählt werden. Vorzugsweise werden
jedoch carbonsaure Salze von Monocarbonsäuren mit mindestens 6 Kohlenstoffatomen
verwendet.
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Folgende Monocarbonsäuren können beispielsweise zur Herstellung der
Aminsalze verwendet worden sein : Abietinsäure, Essigsäure, Cyanessigsäure, Phenoxyessigsäure,
Acrylsäure, -Benzoyiacrytsäure, Angelicasäure, Anissäure, N-Acetylanthranilsäure,
Arachinsäure, Atropasäure, Benzoesäure, o-Brombenzoesäure, p-Cyanbenzoesäure, 2,6-Dichlorbenzoesäure
2,5-Dinitrobenzoesäure, m-Fluorbenzoesäure, Brassidinsäure, dl-Campholsäure, Caprinsäure,
Zimtsäure,
Cyclohexancarbonsäure, Cyclopropancarbonsäure, Ameisensäure, 3-Furancarbonsäure,
Trimethylsilylessigsäure, 5-Nitro-2-furonsäure, 10-Undecensäure, Isobuttersäure,
Laurinsäure, Laevulinsäure, Lignocerinsäure, Linolsäure, Ölsäure, Stearinsäure,
Tetrahydrobrenzschleimsäure, 3-Äthylpentansäure oder 2,4-Xylolsäure.
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Gegebenenfalls können auch Polycarbonsäuren zur Herstellung der Aminsalze
verwendet worden sein. Beispiele ftir solche Säuren sind : Adipinsäure, Acelainsäure,
o-Carboxymethoxybenzoesäure, I-Camphersäure, 1,2-Cyclobutandicarbonsäure, symm.
bisß-Carboxyäthyltetramethyldisiloxan, 1,2,3,4,5,6-Cyclohexanhexacarbonsäure, 1,3-Cyclopentandicarbonsäure,
Diphensäure, Äthylmalonsäure, Pimelinsäure, Sebacinsäure, Bernsteinsäure oder l-Decen-l,
10-dicarbonsäure. Um eine Verträglichkeit mit dem Organopolysiloxan zu erreichen,
muß ein Aminsalz einer Polycarbonsäure mehr Kohlenstoffatome enthalten als ein Aminsalz
einer Monocarbonsäure. Zum Beispiel ist das n-Hexylamin-2-äthylhexoat mit einem
bestimmten Polysiloxangemisch besser verträglich und daher wirksamer als das bis-Eicosylaminsalz
der Bernsteinsäure, das mehr als dreimal soviel Kohlenstoffatome enthält. Die Verträglichkeit
kann im allgemeinen durch die Verwendung von silylorganischen Aminsalzen dieser
Säuren erhöht werden. Das Problem der Verträglichkeit besteht auch bei den Aminsalzen
von Phosphorsäuren. Diese können aus Phosphorsäure oder beliebigen sauren Estern
der Phosphorsäure, wie Phosphorsäuren, die mit einwertigen Kohlenwasserstoffresten
verestert sind, wie z. B. Phenylphosphor-, Monooctadecylphosphor-oder Diäthylphosphorsäuren,
hergestellt sein. Zur Erzielung einer guten Verträglichkeit und Reaktionsfähigkeit
mit dem Polysiloxan sollte das organische Aminsalz einer Phosphorsäure vorzugsweise
mindestens etwa 18 Kohlenstoffatome enthalten. Bei silylorganischen Aminsalzen sind
nicht so viele Kohlenstoffatome erforderlich, um eine gute von den Löslichkeitseigenschaften
des Polysiloxans abhängige Verträglichkeit zu erreichen.
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Die Aminsalze sind durch Umsetzung von Ammoniak, einem organischen
Amin bzw. einer Aminoorganosiliciumverbindung mit einer Phosphor-oder Carbonsäure
hergestellt. Die Reaktionsteilnehmer werden entweder als solche oder in einem üblichen
Lösungsmittel möglichst unter Ausschluß von Wasser miteinander gemischt.
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Die Aminsalze können neutral, sauer oder basisch sein. Neutrale Salze
sind solche, die keine nichtumgesetzten Amino-oder Säuregruppen mehr enthalten.
wie z. B.
oder
Solche formelmäßig neutralen Salze reagieren je nach dem Verhältnis von Basizität
und Azidität der zu ihrer Herstellung verwendeten Amine und Säuren häufig sauer
oder basisch. Diese Azidität bzw. Basizität kann durch Zusatz eines Überschusses
des jeweiligen Amins bzw. der jeweiligen Säure ausgeglichen werden. Saure Salze
sind solche, in denen nicntumgesetzte Säurereste vorliegen, wie z. B.
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Basische Salze sind solche, die nichtumgesetzte Aminogruppen enthalten,
wie z. B.
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Weitere Beispiele für Kondensationskatalysatoren sind : Di-2-äthylhexylaminacetat,
Triphenylsilpropylaminformiat, Trimethylsiloxydimethylsilhexylaminhexoat, 4,4'-Diaminobenzophenonbutyrat,
4,4'-Diaminodiphenylätherdecanoat, Tri-n-butylaminacrylat, 3,4-Dichloranilincapronat,
Anilinoctanylat, Didodecylamin-o-chlorphenoxyacetat, Athylamin-3-äthoxypropionat,
Diäthylentriaminmonooleat, Diisopropylaminpalmitat, Trimethylaminstearat, Benzylhydrazinhexoat,
2,5-Dimethylpiperazinoctoat, Di-(octadecylamin)-sebacat, Äthylendiamindihexoat,
Tetraäthylenpentamindiphosphat, 1,2-Aminopropanphenylphosphat oder Ammoniumstearat
sowie beliebige andere Salze aus den obengenannten Aminen und Säuren. Diese Beispiele
sind keineswegs erschöpfend, sie zeigen nur einige Aminsalze, die erfindungsgemäß
verwendet werden können.
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Ebenso können als Kondensationskatalysatoren carbonsaure Salze von
quartemären Ammoniumhydroxyden, wie Tetramethylammonium-2-äthylhexoat, Benzyltrimethylammoniumacetat
oder Phenyltrimethylammonium-2-äthylhexoat, verwendet werden.
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Schließlich seien als Beispiele für Kondensationskatalysatoren die
carbonsauren Salze von Metallen der elektrochemischen Spannungsreihe von Blei bis
einschließlich Magnesium genannt. Zu diesen Metallen gehören Blei, Zinn, Nickel,
Kobalt, Eisen, Cadmium, Chrom, Zink oder Magnesium. Der Ausdruck » carbonsaure Salze
« umfaßt auch die Salze, welche Kohlenwasserstoffreste an das Metall gebunden enthalten,
wie beispielsweise Dibutylzinndiacetat.
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Beispiele für erfindungsgemäß verwendbare Salze sind die Naphthenare
der obengenannten Metalle, wie Blei-, Kobalt-oder Zinknaphthenat, Salze von Fettsäuren,
wie Eisen-2-äthylhexoat, Blei-2-äthylhexoat, Dibutylzinndilaurat oder Chromoctoat,
Salze von aromatischen Carbonsäuren, wie Dibutylzinndibenzoat, Salze von Polycarbonsäuren,
wie Dibutyl-
zinnadipat oder Bleisebacat, oder Salze von Oxysäuren, wie Dibutylzinndilactat.
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Wegen der besseren Verträglichkeit mit Organopolysiloxanen wird auch
zur Herstellung der Metallsalze die Verwendung von Carbonsäuren, die mehr als 6
Kohlenstoffatome enthalten, bevorzugt.
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I) ie Kondensationskatalysatoren müssen also mit dem verwendeten
Polysiloxan gut verträglich, oder mindestens darin dispergierbar sein. Vorzugsweise
werden mindestens 0,01 Gewichtsteile des Katalysators auf 100 Teile des Polysiloxans
eingesetzt. Gewöhnlich bringt die Verwendung von mehr als 10 Gewichtsteilen des
Katalysators auf 100 Teile des Polysiloxans keine Vorteile mehr. Die höchste Wirksamkeit
wird mit 0,1 bis 5 Gewichtsteilen der obengenannten Katalysatoren auf 100 Teile
Polysiloxan erzielt. Diese Mengenbereiche können jedoch bei Verwendung anderer erfindungsgemäßer
Katalysatoren, welche die Kondensation der siliciumgebundenen Hydroxylgruppen mit
siliciumgebundenen Alkoxygruppen bei Raumtemperatur fördern, verschieden sein.
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Die katalytische Wirksamkeit der einzelnen Verbindungen kann leicht
bestimmt werden, indem man 100 Gewichtsteile eines Hydroxyendblockierten Diorganopolysiloxans
mit einer Viskosität von etwa 10 000 cSt bei 25°C mit etwa 5 Gewichtsteilen eines
Kieselsäureesters, z. B. Äthylpolysilikat, und etwa 2 Gewichtsteilen der zu prüfenden
Verbindung innig mischt und dieses Gemisch mindestens 24 Stunden stehenläßt. Erfolgt
eine Gelbildung, so kann die untersuchte Verbindung als Katalysator für die erfindungsgemäßen
Formmassen eingesetzt werden.
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Mischt man beliebige polyfunktionelle Organopolysiloxane gemäß der
Erfindung mit einem geeigneten Kondensationskatalysator und hält die Mischung, z.
B. in einer wasserdichten Verpackung, trocken, so ist diese beständig und verändert
sich nicht. Wird das Gemisch jedoch der Luftfeuchtigkeit ausgesetzt, so nimmt die
Viskosität allmählich zut die Mischung geliert und härtet schließlich.
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Pigmente, Zusätze zur Verbesserung der Hitzebeständigkeit, Füllstoffe,
Parfumes, Weichmacher und andere inerte Zusätze können mit den erfindungsgemäßen
Formmassen verarbeitet werden.
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Beispiel I a) Herstellung des zu verwendenden Polysiloxans 60 g eines
Polysiloxans der allgemeinen Formel
mit einer Viskosität von 4800 cP, 200 ccm Xylol und 2,24 g C2H3Si (OCH2CH20CH3)
3 wurden mit 2 Tropfen einer Lösung aus Chlorplatinsäure in Dimethylphthalat, die
1 °/o Platin enthält, versetzt und 24 Stunden am Rückfluß gekocht. Das Lösungsmittel
wurde entfernt und ein fliissiges Polysiloxan der Formel
erhalten.
| Polysiloxan Silan Verbindung |
| (clH3, 2 (CIH3) 2 | (f H3) 2 Y H3 Y H3 (tH3) 2 j (fH3) 2 |
| HSi Si aoooSiH CH2 = CHCH2Si [O (CH2CH20) 2C2Hs] 2 [C2Hs (OCHsCH2)
s0] 2si (cH2) 3si OSi swo (CH2) X |
| CHs |
| -Si[0 (CH2CH20) 2C2Ha] 2 |
| CH3 (CH3) 2 (CH3) 2CH3 (CH3) 2 (CH3) 2 |
| si f si loSiH 1 CH2=CH < Si [O (CH2CHs0) 3C4Hg] 3 Si i Si
loSiCH2CH2 < Si [o (CH2CH2o) 3C4H] 3 1 |
| (chez |
| (i Ha (i Haa |
| ost r "132 (cl3) 2 |
| Si-OSi soSiH<-Si (OCH2CH20CH3) 3 Si'OSi 2oOSiS-Si (OCHBCH20CH3)
3 |
| % / |
| I BHS I BH5 I 8H5 I 8H5 |
| Si tOSi J H CH2 = CH (CleHa2) Si (OCH2CH20CH3) 3 Si OSi (C1sHas)
Si (OCH2CH20CH3) 3 |
| CH3 CHn oo 2 CH3 CH3 oo ~ 2 |
| i F ; ; [F3 i Fa i Fs |
| tH) tH2 tH2 fH2 |
| T CH2CHs CH2 CH2 CH3 |
| ISi O ISi H CH2 = CCHsSi (OCH2CH20CH2CF3X3 Si OSi CHsCHCH2Si
(OCH2CH20CH2CF3) 3 |
| CH : ; CH3 40 2 CH3 CH3 40 2 |
| Polysiloxan! an Verbindung |
| (CHs) 2 (QH5) 2 CsH5 (CHs) 2 I 8H5 I BH5 (I H3) 2 (I 2H52 I
2H5 |
| HSi Si sOSiOSiH CH2==CHSi (OCH2CHsOCHs) 2 (CHsOCH2CH20) 2Si
(CHs) 2Si OSi sOSi-1 |
| (CHa) 2 C6H5 Jn ~ |
| I I |
| -OSi (CH2) 2Si (OCH2CH20CH3) 2 |
| ci cl |
| ( (CHa) z |
| (i H3) a |
| Si O i i H CHs = CHSiOCHzCH20--S-J Si O i i (CHz) aSiOCHaCHzO-S-J |
| s s |
| CHa o 2 CHs 2 |
| , CHs/SO 2 CHs/SO 2 |
| fl8H37 flsH37) (tH3) 2l fl8H37 fl8H370 fl8H37] (tH3) |
| Si OSi OSiHCH2==CHSi (OCH2CHaOCH3) 2 Si OSi OSiCH2CH2Si (OCHsCH20CH3)
2 |
| CHaCH io s CH3 CHa io |
| Br Br |
| bu ber |
| Si OSi OSiH CH2 = CH2Si (OCHzCHsO-O--J Si OSi OSiCH2CHzSi OCHzCHsO-O-- |
| CH3 CH3 15 CH3 2 CH3 C"3 1, ; CH3 2 |
b) Erfindungsgemäße Umsetzung Eine Probe dieser Flüssigkeit wurde
mit I Tropfen Di-n-hexylamin als Katalysator versetzt. In Abwesenheit von'Feuchtigkeit
war das Material beständig, härtete jedoch an der Luftfeuchtigkeit zu einem kautschukartigen
Gel.
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Beispiel 2 Wird das Di-n-hexylamin gemäß Beispiel I durch die folgenden
Verbindungen ersetzt, so erhält man Gemische, die sich genau so verhalten, wie jenes
von Beispiel 1 : Bleinaphthenat, Kobaltoctoat, Dibutylzinndibenzoat, Dibutylzinndilaurat,
n-Hexylamin, Athylendiamin, N-Methylbutylamin, Benzylamin, Piperazin, das Kondensationsprodukt
aus Formaldehyd und Methylamin, n-Hexylaminoctoat, Di-2-äthylhexylaminacetat, Triphenylsilpropylaminformiat,
Trimethylaminstearat, Athylendiamindihexoat, Ammoniumstearat, 1,2-Aminopropanphenylphosphat,
Eicosylaminphosphat, Benzyltrimethylammoniumacetat, Tetramethylammoniumacetat oder
Tetrapropyltitanat.
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Beispiel 3 a) Gemäß der Tabelle wurden die Silane mit den genannten
Polysiloxanen bei 125 ° C in Gegenwart des Katalysators gemäß Beispiel I zu den
in Spalte 3 genannten Verbindungen umgesetzt.
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Gemäß der vorstehenden Tabelle b) Werden die obengenannten Verbindungen
mit Dibutylzinnlaurat vermischt und der Feuchtigkeit ausgesetzt, so härten sie bei
Raumtemperatur. Bei Ausschluß von Feuchtigkeit sind die Mischungen der jeweiligen
Komponenten mit dem Katalysator beständig.