-
Nähmaschine zum Nähen elastischer Materialien Das Hauptpatent 1132
780 betrifft eine Nähmaschine mit Kräuseleinrichtung, die einen an seiner Unterseite
zwei quer zur Nährichtung verlaufende, einen Kräuselhohlraum bildende Querstege
aufweisenden Kräuseldrückerfuß und einen einteiligen Stoffschieber aufweist. Dieser
Stoffschieber hat eine nahezu waagerecht verlaufende längere vordere Vorschubfläche
und eine nach hinten abfallende, schräge oder gekrümmte, kürzere hintere Vorschubfläche,
wobei die vordere Vorschubfläche mit der nahezu waagerecht verlaufenden Grundfläche
des vorderen Querstegs des Drückerfußes und die hintere Vorschubfläche mit der entsprechend
schrägen oder gekrümmten Grundfläche des hinteren Querstegs des Drückerfußes zusammenarbeitet.
Es handelt sich hierbei also um eine Nähmaschine mit einer Stoffdrücker-Stoffschieber-Kombination,
deren Teile so beschaffen sind, daß durch deren Zusammenwirken eine unterschiedliche
Vorschublänge im Bereich des vor dem Nadeleinstich und des hinter demselben liegenden
Teiles des Stoffdrückerfußes erzielt wird, und zwar ist die Vorschublänge im vorderen
Teil größer als im hinteren, um die gewünschte Kräuselwirkung zu. erzielen.
-
Der Erfindung liegt die Erkenntnis zugrunde, daß man diesen Grundgedanken
auch in umgekehrter Art und Weise wie bei der zum Kräuseln dienenden Nähmaschine
nach dem Hauptpatent für bestimmte Zwecke sehr vorteilhaft verwenden kann, und zwar
für das Nähen elastischer Materialien, z. B. von elastischen Stoffen (z. B. Lastex),
Strickwaren, Wirkwaren, Gummi usw.
-
Bisher hat man beim Nähen elastischer Materialien entweder mit einer
Hand das in die Nähmaschine hineinlaufende Material zurückhalten und dadurch dehnen
müssen, oder das Material wurde kurz vor dem Stoffdrückerfuß durch eine von oben
auf ihm aufliegende Blattfeder gegen die Stichplatte gedrückt und dadurch etwas
gebremst. Praktisch läßt sich aber eine derartige Einrichtung nur zum Dehnen von
bandförnügem Nähgut, d. h. also Nähgut recht geringer Breite, gebrauchen. Hinzu
kommt aber, daß die Bremsung des Nähgutes durch die bei der bekannten Nähmaschine
vorgesehene Blattfeder und damit die Spannung desselben in sehr starkem Maße von
der Beschaffenheit, insbesondere der Glätte, aber auch von der Dicke des Nähgutes
abhängt. Damit ergibt sich bei verschiedenen Nähgütern eine ganz unterschiedliche
Straffung.
-
Zweck der Erfindung ist, ausgehend von dem Grundgedanken nach dem
Hauptpatent, eine Nähmaschine zum Nähen elastischer Materialien zu schaffen, die
bei einfachster Konstruktion ein gleichmäßiges Nähen beliebiger elastischer Stoffe
gestattet.
-
Hierzu erhält erfindungsgemäß der Gelenk-Stoffdrückerfuß lediglich
einen in Vorschubrichtung gesehen vor der Stichbildestelle liegenden Quersteg, und
es wird der in üblicher Weise eine durchgehende, in einer Ebene liegende Vorschubfläche
aufweisende Stoffschieber in bezug auf den Stoffdrückerfuß so angeordnet, daß der
Quersteg des Stoffdrückerfußes nur während des ersten Teiles der Bewegung des Stoffschiebers
auf diesem, während des Restes dieser Bewegung aber auf der Stichplatte aufliegt,
wobei er das zu nähende Material festhält. Hinter der Stichbildestelle kann der
Stoffdrückerfuß in üblicher Weise eine glatte Sohle erhalten. Zum Nähen elastischer
Materialien kann in Verbindung mit diesem Gelenk-Stoffdrückerfuß also ein ganz normaler
Stoffschieber verwendet werden, so daß bei Umstellung der Nähmaschine auf derartige
Arbeiten nur der Stoffdrückerfuß allein ausgewechselt werden muß. Die Erfindung
ist auf alle Arten von Nähmaschinen verwendbar, ohne daß diese irgendeiner Umstellung
oder Änderung bedürften, und zwar nicht nur für alle Arten von Haushaltsnähmaschinen,
sondern auch für Spezialmaschinen mit Nadeltransport sowie für Zweinadelmaschinen,
wo die Verwendung eines Differential-Stoffschiebers, mit dem man eine gewisse Straffung
des zu nähenden Stoffes bewirken könnte, konstruktiv praktisch unmöglich ist.
-
Durch diese einfache Maßnahme kann man den zu nähenden elastischen
Stoff während des Nähvorganges in beliebigem Maße anspannen, so daß später das fertiggestellte
Kleidungsstück oder sonstige Erzeugnis beliebig gedehnt werden kann, ohne daß dabei
die Nähte reißen. Bisher war es auf Normalmaschinen
zu diesem Zweck
erforderlich, den zu nähenden Stoff während des Nähens straff zu spannen, was aber
nicht immer mit genügender Gleichmäßigkeit gelingt und den Nähvorgang im übrigen
beträchtlich erschwert, weil ein häufiges Nachgreifen unter Stillsetzen der Maschine
erforderlich ist.
-
Ein Straffen des Stoffes während des Nähens ist zwar auch mit den
bekannten Spezialnähmaschinen mit Differential-Vorschub möglich, jedoch benötigen
diese zwei getrennt angetriebene Stoffschieber und sind daher recht aufwendig. Auch
ist die hierbei erzielbare Dehnung des Stoffes für viele Stoffarten viel zu gering.
-
Selbstverständlich ist es auch möglich, mit der erfindungsgemäßen
Nähmaschine zwei Lagen elastischer Stoffe aufeinanderzusteppen. Genausogut ist es
auch möglich, eine elastische Stoffbahn auf eine unelastische Stoffbahn aufzunähen,
und zwar liegt dann die elastische Stoffbahn beim Nähen unten, die unelastische
darüber.
-
Zum Nähen stärker spannender Stoffe kann es unter Umständen erforderlich
sein, die Anpreßkraft zwischen dem Quersteg des Stoffdrückerfußes und dem Stoffschieber
bzw. der Stichplatte zu vergrößern. Hierzu kann man zwischen die Sohle und den Schaft
des Stoffdrückerfußes eine Feder einschalten, durch die dessen vorderer Teil nach
unten gedrückt wird. Zur Anpassung an unterschiedliche Stoffarten kann die Vorspannung
dieser Feder auf beliebige, bekannte Weise einstellbar gemacht werden.
-
Aus dem gleichen Grunde empfiehlt es sich, für stärker spannende Stoffe
am vorderen, mit dem Stoffschieber nicht in Berührung kommenden Teil des Querstegs
in an sich bekannter Weise feine Zacken zum Festhalten des Nähgutes auf der Stichplatte
vorzusehen.
-
Das Maß der Straffung des Stoffes beim Nähen kann wiederum in einfachster
Weise durch Veränderung der Stichlänge verändert werden; bei großer Stichlänge ist
die Straffung entsprechend größer als bei klein eingestellter Stichlänge. Beispielsweise
steht bei auf das Größtmaß eingestellter Stichlänge zwischen dem Quersteg des Stoffdrückerfußes
und dem Stoffschieber ein Vorschub in der Größenordnung von etwa 2 mm zur Verfügung,
zwischen dem hinter dem Nadeleinstich liegenden Teil des Stoffdrückerfußes und dem
Stoffschieber dagegen der volle, vom Stoffschieber zurückgelegte Vorschubweg. In
weiterer Ausbildung der Erfindung ist es aber auch möglich, die Straffung unabhängig
von der eingestellten Stichlänge noch dadurch zu verändern, daß der Quersteg des
Stoffdrückerfußes in Nährichtung verstellbar an diesem befestigt wird. Je weiter
man den Quersteg in Nährichtung nach hinten einstellt, um so geringer wird die Straffung
des Stoffes beim Nähen, und umgekehrt. Die in dieser Weise verstellbare Befestigung
des Querstegs am Stoffdrückerfuß kann in einfachster Weise mittels einer in einem
Langloch sitzenden Klemmschraube erfolgen.
-
In der Zeichnung ist ein Ausführungsbeispiel der Erfindung dargestellt,
und zwar zeigt die Zeichnung einen Schnitt durch den vorderen Teil des Stoffdrückers
und eine Seitenansicht des hinteren Teiles desselben sowie des Stoffschiebers. In
F i g. 1 ist der Stoffschieber zu Beginn seiner Vorschubbewegung, in F i g. 2 zu
Ende der Vorschubbewegung gezeigt. Der insgesamt mit 1 bezeichnete Gelenk-Stoffdrückerfuß
besitzt in seinem hinteren, in Nährichtung hinter der Stichbildestelle 2 liegenden
Teil eine übliche, glatte Sohle 3. Am vorderen Teil der Sohle 3 ist ein Quersteg
4 befestigt, und zwar mittels einer in einem Langloch 5 sitzenden Klemmschraube
6 in Längsrichtung einstellbar. Das Gelenk des Stoffdrückerfußes ist mit 7 bezeichnet.
Der vordere Teil der Sohle 3 wird durch eine zwischen den Schaft und die Sohle eingeschaltete
Zugfeder 8 nach unten gegen den Stoffschieber 9 (F i g. 1) und im weiteren Verlauf
der Stoffschieberbewegung gegen die Stichplatte 10 (F i g. 2) gedrückt.
-
Wie F i g. 1 zeigt, liegt die zu nähende, aus elastischem Werkstoff
bestehende Stoffbahn 11 zu Beginn der Stoffschieberbewegung glatt und ungespannt.
Sie wird nun während des ersten Teils der Vorschubbewegung, während derer der Quersteg
4 auf dem Stoffschieber 9 aufliegt, ungespannt um den gewünschten Stichabstand (bei
ungespanntem Stoff) nach hinten transportiert. Nach diesem Abschnitt der Stoffschieberbewegung
gleitet der Quersteg 4 vom vorderen Ende des Stoffschiebers 9 ab nach unten bis
auf die Stichplatte 10. Diese Wirkung beruht darauf, daß der Stoffschieber in der
Hauptsache hinter dem Gelenkpunkt 7 auf die Sohle 3 drückt, und außerdem auf der
zusätzlichen Wirkung der Zugfeder B. Während des sich anschließenden Teils der Stoffschieberbewegung
bis zu deren in F i g. 2 dargestellten Ende wird der Stoff 11 vorn zwischen dem
Quersteg 4 und der Stichplatte 10 festgehalten, hinten aber zwischen der Sohle 3
und dem Stoffschieber nach hinten gezogen, d. h. also gespannt, so daß das Einstechen
der Nadel oder Nadeln bei gespanntem Stoff erfolgt. Anschließend bewegt sich der
Stoffschieber in üblicher Weise etwas nach unten und nach vorn, wo er wieder angehoben
wird. Ein neuer Arbeitszyklus beginnt nun.