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Die
Erfindung betrifft Fe(-II)-Katalysatorsysteme mit einer stabilisierenden
Nitrosylgruppe und drei Liganden, deren Herstellungsverfahren und
Verwendung.
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Die
Spezifität organischer Moleküle ist durch die
definierte, dreidimensionale Anordnung unterschiedlicher Atombindungen
relativ zueinander gegeben. Die spezifische Anordnung erzwingt einen
Bedarf an chemischen Methoden, welche die Synthese derartiger Moleküle
unter Vermeidung unnötiger Abfallprodukte gewährleistet.
Die Produkte dieser Synthesen finden Anwendung in unterschiedlichen
Bereichen, wie z. B. den Materialwissenschaften, der Pharmazie etc.
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In
der synthetischen organischen Chemie wurden deshalb verschiedene
Methoden entwickelt, die den Aufbau chiraler Strukturen ermöglichen.
Hierzu gehören z. B. die Kreuzkupplungen, die C-C-, C-N-
und C-O-Bindungsknüpfung, die Cycloaddition, die allylische
Substitution und die Metathese.
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Bisher
werden als Katalysatoren in der Regel die späten Übergangsmetalle,
wie z. B. Palladium oder Nickel, eingesetzt. Diese sind zwar sehr
selektiv und effizient, werden jedoch aufgrund der hohen Toxizität
und des Kostenfaktors nur im großen Maßstab verwendet.
Auch kommen Molybdän- und neuerdings auch Iridium-Katalysatoren
für die chemische Synthese zum Einsatz.
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Des
Weiteren zeichnen sich die aus dem Stand der Technik bekannten Katalysatoren
aus Edelmetallen durch ihren hohen Preis sowie ihre Empfindlichkeit
gegenüber Sauerstoff und Wasser aus. Reaktionen in Gegenwart
dieser Katalysatoren müssen in der Regel unter striktem
Ausschluss von Sauerstoff und Wasser durchgeführt werden,
was gerade aus industrieller Sicht mit einem zusätzlichen
apparativen Aufwand verbunden ist. Die verwendeten Übergangsmetalle
sind zudem toxisch, was aus ökonomischer und ökologischer Sicht
besonders problematisch ist. Aufbereitung und Entsorgung toxischer
Katalysatoren bedeuten zusätzliche Kosten durch notwendige
Sicherheitsmaßnahmen und Aufreinigungsschritte.
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Neben
der Wahl des geeigneten Übergangsmetalls spielen auch die
sterischen und elektronischen Eigenschaften des eingesetzten Liganden
eine entscheidende Rolle in der Katalyse. So können Liganden
aufgrund ihrer strukturellen Merkmale die Reaktionsgeschwindigkeit,
Regioselektivität und Stereoselektivität beeinflussen.
Beispielsweise werden organische Phosphine, z. B. Mono- oder Diphosphine,
gerne als Liganden eingesetzt. Tertiäre Phosphine als Übergangsmetall-Liganden
sind aus dem Stand der Technik aufgrund zahlreicher spezifischer
Eigenschaften bekannt. Sie zeichnen sich durch die Fähigkeit
zur Stabilisierung niedriger Oxidationsstufen des Metallzentrums
aus und sind neben dem Zentralatom maßgeblich für
die spezifische katalytische Wirksamkeit verantwortlich. In Übergangsmetall-Phosphin-Komplexen
liegen die Metallzentren meistens in diskreter molekularer Form
vor. Diese Verbindungen sind oft in einem weiten Bereich in organischen
Lösungsmitteln löslich.
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Alternativ
dazu werden neuerdings N-heterocyclische Carben-Liganden verwendet,
insbesondere für Ruthenium-Katalysatorkomplexe in der Olefinmetathese.
N-heterocyclische Carbene können nahezu mit jedem Übergangsmetall
Bindungen eingehen, welche auf Metallzentren stabilisierend und
aktivierend wirken.
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Im
Gegensatz zu den oben aufgeführten Edelmetallen oder giftigen Übergangsmetallen
sind Eisensalze kostengünstig und toxikologisch unbedenklich.
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Bekannt
ist die Verwendung von Eisenkatalysatoren für Kreuzkupplungen
nach Kochi. Diese Methode wurde in der Folgezeit von Fürstner
weiter ausgebaut und beinhaltet die Verwendung untoxischer Fe-Salze
anstelle teurer und toxischer Übergangsmetallkatalysatoren
auf Ni- oder Pd-Basis. (A. Fürstner, R. Martin,
Chem. Lett. 2005, 34, 624 und darin zitierte Referenzen).
Leider ist jedoch die Anwendungbreite beschränkt durch
die in-situ-Generierung des aktiven Fe(-II)-Katalysators. Bislang
konnte noch kein befriedigend stabiler Fe(-II)-Vorkatalysator entdeckt
werden.
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Aus
dem Stand der Technik ist ein potenzieller Katalysator bekannt,
welcher für die allylische Alkylierung eingesetzt werden
kann. Bereits 1979 veröffentlichte Roustan die Synthese
eines Fe-Komplexes, der die allylische Alkylierung katalysiert.
(J. L. Roustan, J. Y. Merour, F. Houlihan, Tetrahedron Lett.
1979, 3721). Dieses System wurde später (erschienen
im Jahre 1987) von Zhou durch Verwendung des formalen Fe(-II)-Komplexes
[Bu4N][Fe(CO)3(NO)]
weiterentwickelt ((a) Y. Xu, B. Zhou, J. Org. Chem. 1987,
52, 974; (b) B. Zhou, Y. Xu, J. Org. Chem. 1988,
53, 4421). Beide Katalysesysteme zeichnen sich durch eine
hohe Katalysatorladung aus. Die allylische Alkylierung erfolgt hierbei
wahrscheinlich nicht unter Ausbildung einer π-Allyl-Metall-Spezies.
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Aufgrund
der schlechten Reproduzierbarkeit der Ergebnisse sowie der mangelhaften
Beschreibung der Darstellung des aktiven Katalysators wurde dieser
Fe(-II)-Komplex nicht weiter entwickelt. Des Weiteren wird die Reaktion
unter giftiger CO-Atmosphäre durchgeführt. Die
Handhabung mit Kohlenmonoxid ist ebenfalls nicht von Vorteil.
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Die
Entwicklung ungiftiger, preisgünstiger Katalysatorsysteme,
die sich durch ein hohes Maß an Regioselektivität
in der Metallkatalyse auszeichnen, ist daher von großem
synthetischem Interesse.
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Es
ist wünschenswert, ein Metallkatalysatorsystem mit einem
Fe(-II)-Komplex bereitzustellen, welches für verschiedene
organische Synthesemethoden auch im Hinblick auf eine großtechnische
Verwendung eingesetzt werden kann.
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Zur
Lösung der Aufgabe schlägt die Erfindung ausgehend
von einem Fe(-II)-Katalysatorsystem der eingangs genannten Art vor,
dass das Fe(-II)-Katalysatorsystem mindestens einen heteroatomstabilisierten
Liganden der Gruppe 4 oder Gruppe 5 aufweist.
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Unter
einem heteroatomstabilisierten Liganden der Gruppe 4 oder Gruppe
5 wird ein Ligand verstanden, dessen Bindungsatom ein Mitglied der
Gruppe 4 bzw. 5 ist, das durch Heteroatome stabilisiert wird.
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Aus
der Patentanmeldung
DE 10
2005 040 752.8 ist ein Eisen-Katalysatorkomplex bekannt,
welcher als Ligand ein Phosphin enthält. Überraschend
konnte festgestellt werden, dass durch Austausch des Phosphins mit
dem o. g. heteroatomstabilisierten Liganden die Stabilität
des Katalysatorsystems erhöht wird.
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Das
erfindungsgemäße Fe(-II)-Katalysatorsystem weist
folgende allgemeine Strukturformel auf:
wobei
L
1,
L
2 = Neutralliganden und
L
3 =
heteroatomstabilisierter Ligand der Gruppe 4 oder Gruppe 5 umfasst.
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Neutralliganden
sind Moleküle oder Atome, die keine eigenständige
Ladung (positiv oder negativ) besitzen.
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Die
Stabilisierung des erfindungsgemäßen Fe(-II)-Katalysatorsystems
wird u. a. durch die stabilisierende Nitrosylgruppe herbeigeführt.
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Besonders
bevorzugt hat der heteroatomstabilisierte Ligand der Gruppe 4 oder
Gruppe 5 folgende Strukturformel:
wobei
A = Atom der Hauptgruppe
4 oder Hauptgruppe 5
Y, X = N, O, S, P
R
1,
R
2 = gleiche oder verschiedene, gesättigte
oder ungesättigte, geradkettige, verzweigte oder zyklische,
unsubstituierte oder substituierte Kohlenwasserstoffreste umfasst.
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Durch
den starken Elektronenschub am X und/oder Y kann der Elektronenmangel
am Metallzentrum stabilisiert werden.
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Besonders
bevorzugt sind für A die Elemente C, Si, und Ge, insbesondere
N-heterocyclische Carbene, N-heterocyclische Silylene und N-heterocyclische
Germylene mit den Strukturformeln:
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Sie
können lineare oder cyclische Strukturen aufweisen, dargestellt
durch die gestrichelte Linie.
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Zum
Einsatz kommen besonders bevorzugt Fe(-II)-Katalysatorsysteme der
Strukturformeln:
1 = Fe(-II)-Carbenkatalysatorkomplex
2
= Fe(-II)-Silylenkatalysatorkomplex
3 = Fe(-II)-Germylenkatalysatorkomplex
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Des
weiteren betrifft die Erfindung das Herstellungsverfahren des erfindungsgemäßen
Fe(-II)-Katalysatorsystems.
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Als
Katalysator-Precursor wird ein Eisen-Katalysatorkomplex des Typs
[Kation][Fe(CO)3(NO)], vorzugsweise des
Typs [R4N][Fe(CO)3(NO)],
besonders bevorzugt der Metallkomplex [Bu4N][Fe(CO)3(NO)] nach Zhou, verwendet. Dieser ist lange
lagerfähig und leicht einsetzbar. Beliebige Kationen können
eingesetzt werden.
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Die
Herstellung des Eisen-Katalysatorkomplexes nach Xu und Zhou
aus J. Org. Chem. 1987, 52, 974, gelingt nur in sehr schlechten
Ausbeuten. Die verbesserte Vorschrift von Otusji aus Bull.
Chem. Soc. Jpn. 1991, 64, 2965, ausgehend von Fe(CO)5, liefert höhere Ausbeuten. Jedoch
ist die Aktivität des Eisen-Komplexes nicht zufrieden stellend.
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Abweichend
von der Literaturvorschrift, durch die der Eisen-Katalysatorkomplex,
nur in Form eines katalytisch inaktiven öligen Rohproduktes
erhältlich ist, wird deshalb eine Umkristallisation aus
Methanol und Wasser angeschlossen. Dieses verbesserte Verfahren
zur Darstellung eines katalytisch aktiven Eisen-Katalysatorkomplexes
wird im Beispiel näher erläutert. Unter Nutzung
dieses optimierten Verfahrens wird der Eisen-Katalysator-Komplex
in Form eines gelben Feststoffes erhalten, der die für
die Reaktion notwendige Aktivität und Reinheit von mindestens
80% besitzt. Der Eisen-Katalysatorkomplex ist luft- und wasserstabil;
er kann in großen Mengen dargestellt und über
längere Zeit ohne Aktivitätsverlust gelagert werden.
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Das
erfindungsgemäße Fe(-II)-Katalysatorsystem wird
aus dem Eisen-Katalysatorkomplex und ebenfalls in situ generierten
freien Liganden hergestellt. Dabei umfaßt das erfindungsgemäße
Herstellungsverfahren im Wesentlichen zwei Arbeitsschritte:
- a) Deprotonierung des Liganden mittels einer
Base,
- b) Zusammenfügung des deprotonierten Liganden mit dem
Eisen-Katalysatorkomplex, daran anschließend wird
- c) das Substrat für die chemische Synthese, beispielsweise
für die allylische Substitution, hinzugefügt.
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Für
die Herstellung des erfindungsgemäßen Fe(-II)-Katalysatorsystems
ist es besonders wichtig, dass zwischen den Arbeitsschritten eine
Abkühlung auf Raumtemperatur gewährleistet wird.
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Vorzugsweise
wird für Schritt a) ein Liganden-Salz verwendet, welches
ein schwach koordiniertes Anion beinhaltet. Dieses muss zudem leicht
löslich in organischen Lösungsmitteln sein. Bevorzugt
wird das PF6-Salz eingesetzt.
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Ein
weiterer, oft unterschätzter Punkt ist die Wahl des Lösungsmittels.
Es wurde z. B. festgestellt, dass durch den erfindungsgemäßen
Fe(-II)-Katalysatorsystem in den allylischen Substitutionen auf
N,N-Dimethylformamid verzichtet werden kann. Zum Einsatz kommen
erfindungsgemäß unbedenklichere und kostengünstige
Lösungsmittel, wie z. B. Methyl-tert-butylether. Es ist
ebenso möglich, Dichlormethan oder THF einzusetzen.
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Darüber
hinaus ist für die allylische Substitution ein Überschuss
des Nucleophils nicht mehr erforderlich, was gerade die Anwendung
der Reaktion im größeren (industriellen) Maßstab
erleichtern wird.
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Es
konnte des weiteren festgestellt werden, dass durch Zugabe der Liganden
ein sich in situ bildendes π-Allyl-Eisen-Intermediat, das
aus dem Stand der Technik bekannt und als katalytisch inaktiv charakterisiert wurde,
zur Katalyse befähigt ist. Die π-Allyl-Eisen-Intermediate
haben die allgemeine Strukturformel,:
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Wobei
R1-R4 = gleiche
oder verschiedene, gesättigte oder ungesättigte,
geradkettige, verzweigte oder zyklische, unsubstituierte oder substituierte
Kohlenwasserstoffreste aufweisen.
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Besonders
bevorzugt mit R1-R4 =
H.
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Alternativ
ist es daher vorstellbar, direkt das π-Allyl-Eisen-Intermediat
als Katalysator einzusetzen, welches nach herkömmlichen
Verfahren hergestellt wird. Auf folgende Literaturstellen wird hingewiesen:
(a) S. Nakanishi, K. Okamoto, H. Yamaguchi, T. Takata, Synthesis
1998, 1735; (b) Yamaguchi, S. Nakanishi, T. Takata,
J. Organomet. Chem. 1998, 554, 167; (c) Eberhardt,
G. Mattern, Chem. Ber. 1988, 121, 1531.
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Das
erfindungsgemäße Verfahren kann deshalb derart
modifiziert werden, dass
- b') der Eisen-Katalysatorkomplex
zunächst mit Allylchlorid oder Allylbromid zu einem π-Allyl-Eisen-Intermediat
umgesetzt wird, welches dann im Schritt b) mit dem Liganden zusammengefügt
wird.
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Es
wurde festgestellt, dass die Anwendungsbreite des erfindungsgemäßen
Fe(-II)-Katalysatorsystems z. B. in der allylischen Substitution
signifikant erweitert wurde.
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Üblicherweise
werden allylische Alkylierungen z. B. in Gegenwart von Palladium-,
Molybdän- und Iridium-Katalysatoren durchgeführt.
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Durch
die Verwendung der oben dargestellten Liganden konnte erstmalig
ein π-Allyl-Mechanismus in der Eisen-katalysierten allylischen
Substitution beobachtet werden, wobei der Ligand durch die Substituenten R1, R2 = Aryl, insbesondere
2,4,6-Trimethylphenyl-Rest, A = Kohlenstoff und X, Y = Stickstoff
gekennzeichnet ist. Der symmetrische und dynamische Charakter der π-Allyl-Eisen-Komplexe
stellt eine wichtige Grundlage für die Entwicklung einer
asymmetrischen Eisen-katalysierten, allylischen Substitution nach
dem Prinzip der DYKAT (dynamic kinetic asymmetric transformation)
dar, da die Regioselektivität der allylischen Substitution ausschließlich
durch die Eigenschaften des Liganden, des Metalls und der Substituenten
im Allylfragment bestimmt werden.
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Im
Gegensatz dazu bewirkt ein Wechsel der Substituenten am Heteroatom
X, Y des Liganden zum t-Butyl-Substituenten in der allylischen Substitution
eine regio- und stereoselektive ipso-Substitution, wie sie zuvor
nur in Gegenwart von PPh3 in Dimethylformamid
beobachtet worden ist. Eigenschaften des Metalls oder der Substituenten
im Allylfragment spielen hier keine Rolle.
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Somit
konnte festgestellt werden, dass aufgrund der sterischen Konformationen
der Substituenten die Selektivität der chemischen Reaktion
beeinflußt werden kann.
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Vorzugsweise
werden für den π-Allyl-Mechanismus daher Substituenten
mit planarer Topologie verwandt. Zum Durchlaufen des σ-Allyl-Mechanismus
werden dagegen bevorzugt Liganden mit tetraedrischer Topologie verwendet.
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Mit
den heteroatomstabilisierten Liganden werden (bislang) neue, katalytisch
hochaktive Fe(-II)-Katalysatorsysteme in situ generiert, die das
Potential haben, die wesentlich teureren und empfindlicheren, isoelektronischen
Palladium(0)-Komplexe auf lange Sicht zu ersetzen.
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Durch
den Austausch der Liganden sowie durch den Wechsel der Substituenten
kann das erfindungsgemäße Fe(-II)-Katalysatorsystem
in der organischen Chemie universell eingesetzt werden, wie z. B.
in Kreuzkupplungsreaktionen, symmetrischen und asymmetrischen allylischen
Substitutionen, Cyclisierungen oder auch in Olefinmetathesen.
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Beispielsweise
ist die Verwendung des erfindungsgemäßen Fe(-II)-Katalysatorsystems
in der Darstellung neuartiger Olefinmetathesekatalysatoren möglich.
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Dabei
kommen z. B. zwei Katalysatorsynthesen in Frage:
- – eine
direkte Addition des erfindungsgemäßen Fe(-II)-Katalysatorsystems
vorzugsweise mit einer Azo-Verbindung unter Verwendung eines N-heterocyclischen
Carbenligands, unter formalem Erhalt der Oxidationsstufe zu Eisen(-II)-Carbenverbindungen. Ähnliche
Reaktionen sind aus der Darstellung von Ruthenium-Carbenkomplexen
bekannt (P. Schwab, R. H. Grubbs, J. W. Ziller, J. Am. Chem.
Soc. 1996, 118, 100 und US 2004/0097745 A9 ). Auf deren Inhalte wird
ausdrücklich Bezug genommen.
- – ein oxidativer Weg, in dem das erfindungsgemäße
Fe(-II)-Katalysatorsystem mit geminalen Dihalogeniden unter doppelter oxidativer
Insertion direkt zu einer dem Grubbs-Metathese-Katalysator isoelektronischen
Eisen(+II)-Katalysatorspezies umgesetzt wird. Derartige Carbenbildungsreaktionen
sind aus der metallorganischen Chemie des Rutheniums bekannt (T.
R. Belderrain, R. H. Grubbs, Organometallics 1997, 16, 4001).
Auf deren Inhalte wird ausdrücklich Bezug genommen.
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Nachstehend
werden anhand von Beispielen das erfindungsgemäße
Fe(-II)-Katalysatorsystem und dessen Herstellungsverfahren näher
erläutert:
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1 allgemeine
Darstellung des π-Allyl-Mechanismus und des σ-Allyl-Mechanismus
der mit einem erfindungsgemäßen Fe(-II)-Katalysatorsystem
katalysierten allylischen Substitution;
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2 Ligandeneinfluss
in der allylischen Alkylierung;
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3 Regioselektivität
mittels Liganden in der allylischen Alkylierung;
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3 Anwendungsbeispiele;
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4 Synthesewege
zur Darstellung von Fe-Metathese-Katalysatorsystemen.
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1 beschreibt
einen allgemeinen Mechanismus einer allylischen Substitution unter
Verwendung eines erfindungsgemäßen Fe(-II)-Katalysatorsystems.
Durch Auswahl eines geeigneten Liganden am Fe(-II)-Katalysatorsystem
kann die Regio- und Stereoselektivität beeinflußt
werden. Bei der Verwendung eines 2,4,6-Trimethylphenyl-substitutierten
NHC-Liganden wird ein π-Allyl-Mechanismus durchlaufen (Weg
A). Bei dem t-Butyl-substituierten NHC-Ligand kommt es zu dem σ-Allyl-Mechanismus
(Weg B).
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2 stellt
eine Reaktionsgleichung dar. In der aufgeführten Tabelle
werden zahlreiche Liganden aufgelistet. Dabei zeigen die mit Alkyl-Resten
substituierten Liganden (Eintrag 1–3) eine bevorzugte ipso-Substitution,
während die arylsubstituierten Liganden (insbesondere Eintrag
4 und 7) den π-Allyl-Mechanismus favorisieren.
- [a]Alle Reaktionen wurden im 1-mmol-Maßstab
in Gegenwart von 2,5 Mol% Liganden und 1 Äquivalent des
Nucleophils in 1 ml (abs.) MTBE durchgeführt und nach 5
h gestoppt; [b]Bestimmt via GC-Integration.
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3 stellt
einer Reaktionsgleichung dar, wobei als Ligand 9 oder 10 verwendet
wird. Es konnte festgestellt werden, dass der Mesitylsubstituierte
Ligand 10 unabhängig von der Struktur des Carbonats 14
oder 15 die Bildung von 17 bevorzugt.
- [a]Alle
Reaktionen wurden im 1-mmol-Maßstab in Gegenwart von 2,5
Mol% Liganden und 1 Äquivalent des Nucleophils in 1 ml
(abs.) MTBE durchgeführt und nach 5 h gestoppt; [b]Bestimmt via GC-Integration; [c]isolierte Ausbeute.
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4 beschreibt
einen Einsatz des erfindungsgemäßen Fe(-II)-Katalysatorsystems
in der Kreuzkupplung. Auch bei der Cyclisierung spielt die Wahl
der Substituenten am heteroatomstabilisierten Ligand eine entscheidende
Rolle dabei, ob die Reaktion dem π-Allyl-Mechanismus oder
dem σ-Allyl-Mechanismus folgt. Dadurch sind z. B. Ringe
unterschiedlicher Größe darstellbar.
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5 beschreibt
zwei Synthesewege zur Darstellung von Fe-Metathese-Katalysatorsystemen.
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Weg
A zeigt eine direkte Addition des erfindungsgemäßen
Fe(-II)-Katalysatorsystems mit einer Azoverbindung unter formalem
Erhalt der Oxidationsstufe zu Eisen(-II)-Carbenverbindungen. Als
Ligand wird vorzugsweise ein N-heterocyclischer Carbenligand verwendet.
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Weg
B zeigt einen oxidativen Weg, in dem das erfindungsgemäße
Fe(-II)-Katalysatorsystem mit geminalen Dihalogeniden unter doppelter oxidativer
Insertion direkt zu einer dem Grubbs-Metathese-Katalysator isoelektronischen
Eisen(+II)-Katalysatorspezies umgesetzt wird.
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Beispiel 1: Allylische Substitution nach
dem π-Allyl-Mechanismus
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Herstellung von 2-(3',3'-Dimethyl-allyl)-malonsäuredimethylester
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In
einem 10-ml-Schlenkrohr werden unter Argon SIMES*PF6 10
(22.6 mg, 0.025 mmol) in trockenem Methyl-tert-butylether (1 ml)
bei Raumtemperatur suspendiert [SIMES = saturated imidazolydine
mesitylene]. Man versetzt mit einer Kalium-tert-butoxid-Lösung
(25 μl, 0.025 mmol, 1 M in Tetrahydrofuran) und erwärmt das
Gemisch für 1 h auf 60°C. Nach dem Abkühlen
auf Raumtemperatur wird der Eisen-Katalysatorkomplex (10.2 mg, 0.025
mmol, 2.5 Mol%) zugegeben und die resultierende Mischung wiederum
für 1 h auf 60°C erwärmt.
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Nach
dem erneuten Abkühlen werden in dieser Reihenfolge Malonsäurediisobutylester
(216 mg, 1 mmol) und das Allylcarbonat (186 mg, 1 mmol) zugegeben.
Anschließend wird das Gemisch im verschlossenen Schlenkrohr
für 6 h auf 80°C erwärmt. Nach dem Abkühlen
auf Raumtemperatur wird mit Diethylether (20 ml) verdünnt,
anschließend nacheinander mit Wasser (10 ml), 2 N NaOH-Lösung
(10 ml) und Wasser (10 ml) gewaschen. Die Trocknung der vereinigten
organischen Phasen erfolgt über einem 1:1-Gemisch von Na2SO4 und Aktivkohle
(ca. 5 g). Nach Filtration und Einengen erhält man eine
schwach-gelbe Flüssigkeit, die säulenchromatographisch
gereinigt wird.
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Durch
dieses Verfahren ist eine wichtige Grundlage für die Entwicklung
einer asymmetrischen Eisen-katalysierten, allylischen Substitution
nach dem Prinzip von DYKAT (dynamic kinetic asymmetric transformation)
gelegt.
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Beispiel 2: Allylische Substitution nach
dem σ-Allyl-Mechanismus
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Herstellung von 2-(3',3'-Dimethyl-allyl)-malonsäuredimethylester
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In
einem 10-ml-Schlenkrohr werden unter Argon BUSI*PF6 9
(16.4 mg, 0.05 mmol) in trockenem Methyl-tert-butylether (1 ml)
bei Raumtemperatur suspendiert [BUSI = tert. butyl saturated imidazolydine].
Man versetzt mit einer n-Buthyllithium-Lösung (31 μl,
0.05 mmol, 1.6 M in Hexan) und rührt das Gemisch für
1 h bei Raumtemperatur. Anschließend wird der Eisen-Katalysatorkomplex
(20.4 mg, 0.05 mmol, 5 Mol%) zugegeben und die resultierende Mischung
für 2 h auf 60°C erwärmt.
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Nach
dem erneuten Abkühlen werden in dieser Reihenfolge Malonsäurediisobutylester
(216 mg, 1 mmol) und das Allylcarbonat (186 mg, 1 mmol) zugegeben.
Anschließend wird das Gemisch im verschlossenen Schlenkrohr
für 12 h auf 80°C erwärmt. Nach dem Abkühlen
auf Raumtemperatur wird mit Diethylether (20 ml) verdünnt,
anschließend nacheinander mit Wasser (10 ml), 2 N NaOH-Lösung
(10 ml) und Wasser (10 ml) gewaschen. Die Trocknung der vereinigten
organischen Phasen erfolgt über einem 1:1-Gemisch von Na2SO4 und Aktivkohle
(ca. 5 g). Nach Filtration und Einengen erhält man eine
schwach-gelbe Flüssigkeit, die säulenchromatographisch
gereinigt wird.
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Aufgrund
des Wechsels der Substituenten am heteroatomstabilisierten Liganden
zum t-Butyl-Derivat (BUSI*PF6) findet in
diesem Verfahren eine regio- und stereoselektive ipso-Substitution
statt, wie sie zuvor nur in Gegenwart von PPh3 in
Dimethylformamid beobachtet worden ist. (Lit: B. Plietker,
Angew. Chem. 2006, 118, 1497).
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ZITATE ENTHALTEN IN DER BESCHREIBUNG
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Diese Liste
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erzeugt und ist ausschließlich zur besseren Information
des Lesers aufgenommen. Die Liste ist nicht Bestandteil der deutschen
Patent- bzw. Gebrauchsmusteranmeldung. Das DPMA übernimmt
keinerlei Haftung für etwaige Fehler oder Auslassungen.
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Zitierte Patentliteratur
-
- - DE 102005040752 [0016]
- - US 2004/0097745 A9 [0048]
-
Zitierte Nicht-Patentliteratur
-
- - A. Fürstner,
R. Martin, Chem. Lett. 2005, 34, 624 [0009]
- - J. L. Roustan, J. Y. Merour, F. Houlihan, Tetrahedron Lett.
1979, 3721 [0010]
- - Y. Xu, B. Zhou, J. Org. Chem. 1987, 52, 974 [0010]
- - B. Zhou, Y. Xu, J. Org. Chem. 1988, 53, 4421 [0010]
- - Xu und Zhou aus J. Org. Chem. 1987, 52, 974 [0027]
- - Otusji aus Bull. Chem. Soc. Jpn. 1991, 64, 2965 [0027]
- - S. Nakanishi, K. Okamoto, H. Yamaguchi, T. Takata, Synthesis
1998, 1735 [0037]
- - Yamaguchi, S. Nakanishi, T. Takata, J. Organomet. Chem. 1998,
554, 167 [0037]
- - Eberhardt, G. Mattern, Chem. Ber. 1988, 121, 1531 [0037]
- - P. Schwab, R. H. Grubbs, J. W. Ziller, J. Am. Chem. Soc. 1996,
118, 100 [0048]
- - T. R. Belderrain, R. H. Grubbs, Organometallics 1997, 16,
4001 [0048]
- - B. Plietker, Angew. Chem. 2006, 118, 1497 [0067]