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DE1092655B - Verfahren zur Herstellung von Pfropfpolymeren - Google Patents

Verfahren zur Herstellung von Pfropfpolymeren

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Publication number
DE1092655B
DE1092655B DEB53722A DEB0053722A DE1092655B DE 1092655 B DE1092655 B DE 1092655B DE B53722 A DEB53722 A DE B53722A DE B0053722 A DEB0053722 A DE B0053722A DE 1092655 B DE1092655 B DE 1092655B
Authority
DE
Germany
Prior art keywords
parts
groups
azo
polymer
primary polymer
Prior art date
Legal status (The legal status is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the status listed.)
Pending
Application number
DEB53722A
Other languages
English (en)
Inventor
Dr Bruno Vollmert
Dr Herbert Bolte
Current Assignee (The listed assignees may be inaccurate. Google has not performed a legal analysis and makes no representation or warranty as to the accuracy of the list.)
BASF SE
Original Assignee
BASF SE
Priority date (The priority date is an assumption and is not a legal conclusion. Google has not performed a legal analysis and makes no representation as to the accuracy of the date listed.)
Filing date
Publication date
Application filed by BASF SE filed Critical BASF SE
Priority to DEB53722A priority Critical patent/DE1092655B/de
Publication of DE1092655B publication Critical patent/DE1092655B/de
Pending legal-status Critical Current

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Classifications

    • CCHEMISTRY; METALLURGY
    • C08ORGANIC MACROMOLECULAR COMPOUNDS; THEIR PREPARATION OR CHEMICAL WORKING-UP; COMPOSITIONS BASED THEREON
    • C08FMACROMOLECULAR COMPOUNDS OBTAINED BY REACTIONS ONLY INVOLVING CARBON-TO-CARBON UNSATURATED BONDS
    • C08F291/00Macromolecular compounds obtained by polymerising monomers on to macromolecular compounds according to more than one of the groups C08F251/00 - C08F289/00

Landscapes

  • Chemical & Material Sciences (AREA)
  • Health & Medical Sciences (AREA)
  • Chemical Kinetics & Catalysis (AREA)
  • Medicinal Chemistry (AREA)
  • Polymers & Plastics (AREA)
  • Organic Chemistry (AREA)
  • Graft Or Block Polymers (AREA)

Description

  • Verfahren zur Herstellung von Pfropfpolymeren Pfropfpolymerisate kann man in bekannter Weise herstellen, indem man in einem vorgebildeten Polymerisat (Primärpolymerisat) aktive Stellen erzeugt, die zum Ausgangspunkt für eine weitere Polymerisation werden, wenn man das aktive Primärpolymerisat mit den aufzupfropfenden Monomeren in Kontakt bringt. Die aktiven Stellen kann man z. B. durch Bestrahlen mit energiereichen Strahlen, wie Radium-Strahlen, Röntgenstrahlen oder Co60-Strahlen, erzeugen. Durch die Strahlung werden Radikale oder leicht Radikale bildende Gruppen, z. B. peroxydische Gruppen, in dem Primärpolymerisat erzeugt, die die Pfropfpolymerisation initiieren.
  • Es sind auch Verfahren bekannt, bei denen peroxydische Gruppen auf andere Weise in die Kette des Primärpolymerisatmoleküls eingeführt werden, z. B. durch Reaktion des Primärpolymerisats mit Luft oder Sauerstoff, gegebenenfalls bei erhöhter Temperatur und unter Druck. Man kann diesen Vorgang beschleunigen, indem man als Primärpolymerisat Polymerisate oder Mischpolymerisate von Monomeren nimmt, die besonders leicht mit Sauerstoff unter Peroxydbildung reagieren, z. B. von p-Isopropylstyrol oder p-Isopropyl-a-methylstyrol, oder indem man durch Friedel-Crafts-Reaktion Isopropylgruppen in ein Polystyrol einführt.
  • Es wurde nun gefunden, daß man besonders vorteilhaft Pfropfpolymerisate mit wertvollen Eigenschaften herstellen kann, wenn man ein zur Ester- oder Amidbildung befähigte Gruppen enthaltendes Polymerisat mit einer bei Erwärmen oder Belichten Radikale bildenden Azoverbindung oder mit einer durch Oxydation leicht in eine Azogruppe überführbaren Hydrazoverbindung, die die korrespondierenden, zur Ester- oder Amidbildung befähigten Gruppen besitzt, unter Ausbildung von Ester-oder Amidbindungen umsetzt, das so modifizierte Polymerisat gegebenenfalls nach Oxydation der Hydrazogruppen zu Azogruppen mit einem polymerisierbaren Monomeren mischt und die Mischung polymerisiert.
  • Von den bekannten Verfahren zur Herstellung von Pfropfpolymerisaten, z.B. mit Hilfe von Peroxyd- oder Hydroperoxydgruppen, unterscheidet sich das neue Verfahren vorteilhaft dadurch, daß bei der Einführung der Azogruppen in das Primärpolymerisat keine unerwünschten Veränderungen, wie Kettenabbau oder Verfärbungen, auftreten.
  • Zur Ester- oder Amidbildung befähigte Gruppen, im folgenden als funktionelle Gruppen bezeichnet, sind z.B.
  • Carbonsäureanhydrid-, Carbonsäurechlorid-, Isocyanat-, Hydroxyl-, Amino-, Epoxy- oder Iminogruppen. Unter den korrespondierenden funktionellen Gruppen sind solche zu verstehen, die mit einer im Polymerisat enthaltenen funktionellen Gruppe jeweils unter Ester- oder Amidbildung zu reagieren vermögen. Sind z.B. im Primärpolymerisat Carbonsäuregruppen eingebaut, so können die korrespondierenden funktionellen Gruppen z. B.
  • Hydroxyl-, Amino-, Epoxy- oder Isocyanatgruppen sein.
  • Oder sind die im Primärpolymerisat befindlichen Gruppen Hydroxylgruppen, so können die korrespondierenden funktionellen Gruppen z.B. Carbonsäure-, Carbonsäureanhydrid-, Carbonsäurechlorid- oder Isocyanatgruppen sein (auch die Urethangruppe ist im Sinne der Erfindung eine Estergruppe).
  • Als Primärpolymerisat sind Polymerisate von Vinyl-und Vinylidenverbindungen geeignet, also z. B. Polymerisate von Styrol und seinen Substitutionsprodukten, von Acrylsäureestern, Acrylsäurenitril, Methacrylsäureestern, a-Chloracrylsäureestern, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid, Vinylestern, Vinyläthern, Vinylpyrrolidon, Isobutylen, Butadien oder Isopren oder auch Mischpolymerisate dieser Verbindungen untereinander oder mit Fumarsäureestern, Maleinsäureestern, VinyIcarbazol oder anderen polymerisierbaren ungesättigten Verbindungen.
  • Zur Esterbildung befähigte Gruppen enthaltende Polymerisate lassen sich in bekannter Weise leicht herstellen, z. B. durch Mischpolymerisation der genannten Vinyl-oder Vinylidenverbindungen mit Monomeren, die solche Gruppen enthalten, also z.B. mit Acrylsäure, Maleinsäureanhydrid, Acrylsäurechlorid, Acrylsäuremonoglykolestern, Epoxyacrylsäureestern oder -methacrylsäureestern (z.B. Glycidylmethacrylat) oder Glykolmonovinyläthern. Aber auch durch Umsetzung an bereits fertigen Polymerisaten lassen sich solche Polymerisate herstellen, z. B. Hydroxylgruppen enthaltende Polymere durch Verseifen von Polyvinylestern oder Polyvinylestermischpolymerisaten, oder Carboxylgruppen enthaltende Polymerisate durch Verseifen von Polyacrylsäureestern oder von Mischpolymerisaten der Fumar- oder Maleinsäureester.
  • Polymere, die zur Amidbildung befähigte funktionelle Gruppen enthalten, lassen sich z. B. durch Mischpolymerisation von Aminoalkylacrylsäureestern, Isocyanatoalkylacrylsäureestern oder Isocyanatostyrol herstellen.
  • Zur Ester- oder Amidbildung befähigte, bei Erwärmen oder Belichten Radikale bildende Azoverbindungen sind z.B. Azocarbonsäurederivate, wie z. B. a,a' -Azobis- [a- methyl-y- carboxybutyronitril], a,a'-Azobis - fa - äthyl - y - carboxybutyronitril], a,a' - Azobis-[a,y,y - tri-methyl-y-carboxybutyronitril] oder R = aliphatischer Rest, n = 1 bis 4, z. B. 2-(2'-Hydroxyäthylazo) -2,4-dimethyl-valeronitril oder 2- (2'- Hydroxyäthylazo)-2-äthyl-butyronitril, die sich z. B. nach den Verfahren der USA.-Patentsclrriften 2 520 338 und 2 778 818 herstellen lassen.
  • Oft ist es vorteilhaft, statt der funktionelle Gruppen besitzenden Azoverbindung zunächst eine entsprechende Hydrazoverbindung mit dem funktionelle Gruppen tragenden Polymerisat umzusetzen und dann das so erhaltene Polymere mit Hydrazogruppen mit Chlor oder Brom oder anderen geeigneten Oxydationsmitteln zu behandeln, wobei die Hydrazogruppen leicht zu Azogruppen oxydiert werden. Eine entsprechende Hydrazoverbindung, die nach Thiele und Heuser, Ann., 290, S. 1 (1896), besonders leicht zugänglich ist, ist z.B.
  • Hydrazoisobuttersäure: Die Umsetzung des Primärpolymerisates mit diesen oder ähnlichen Azoverbindungen bzw. Hydrazoverbin- dungen kann in bekannter Weise vorgenommen werden.
  • Im einzelnen richten sich die Reaktionsbedingungen nach den im Primärpolymerisat enthaltenen Gruppen. Sind im Primärpolymerisat z. B. Carbonsäurechloridgruppen, so erfolgt die Reaktion mit einer Hydroxylgruppen enthaltenden Azoverbindung bereits bei Raumtemperatur.
  • Dasselbe gilt, wenn sich im Primärpolymerisat Isocyanatgruppen befinden und in der Azoverbindung Carboxyl-oder Hydroxylgruppen. Aber auch mit einem Hydroxylgruppen enthaltenden Primärpolymerisat und einer Carboxylgruppen enthaltenden Azoverbindung erzielt man bei Zusatz geeigneter katalytisch oder wasserabspaltend wirkender Verbindungen, wie z. B. Carbodiimiden, bereits bei 20 bis 30"C einen fast quantitativen Umsatz. Zweckmäßig führt man diese Reaktionen in einem geeigneten Lösungsmittel durch, in dem das Primärpolymerisat löslich ist. Verwendet man Azo- oder Hydrazoverbindungen mit mehr als einer zur Ester- oder Amidbildung befähigten Gruppe, so tritt im Laufe der Reaktion Vernetzung ein, und es entsteht ein Gel. Hat man die Veresterungs- oder Amidierungsreaktion mit Hydrazoverbindungen ausgeführt, so müssen die Hydrazogruppen, bevor eine Pfropfpolymerisation möglich ist, erst noch in die entsprechenden Azogruppen übergeführt werden. Diese Oxydation läßt sich mit Chlor oder Brom leicht in bekannter Weise ausführen, indem man zu der Gellösung der Hydrazogruppen enthaltenden Polymeren bei 5 bis 20"C eine verdünnte alkoholische Bromlösung so lange zutropfen läßt, bis keine Entfärbung mehr erfolgt. Als Lösungsmittel für das Polymere verwendet man in diesem Falle zweckmäßig Essigester oder andere gegen Brom bei tiefer Temperatur indifferente Lösungsmittel.
  • Im allgemeinen ist es vorteilhaft, das auf diese Weise mit Azogruppen längs der Kette versehene Primärpolymerisat mit einem geeigneten Fällungsmittel, wie Methanol, Wasser, Methanol-Wasser-Gemischen oder Kohlenwasserstoffen, auszufällen, zu waschen und gegebenenfalls zu trocknen.
  • Die Menge der Azogruppen, die in das Primärpolymerisat eingebaut werden, kann weitgehend variiert werden.
  • Sie richtet sich ganz danach, welche Struktur das Pfropfpolymerisat besitzen soll. Im Extremfalle kann z.B. auf jedes Primärpolymerisat-Makromolekül eine Seitenkette aufgepfropft werden.
  • Im anderen Extremfalle kann jede Monomer-Einheit des Primärpolymerisates mit einer Seitenkette versehen werden.
  • Im ersten Falle benötigt man pro Polymer-Molekül des Primärpolymerisates eine funktionelle Gruppe und dementsprechend im Durchschnitt 1 Mol der die korrespondierende Gruppe tragenden Azo- bzw. Hydrazoverbindung.
  • Im zweiten Falle benötigt man pro Monomer-Einheit des Primärpolymerisat-Moleküls eine funktionelle Gruppe.
  • Zwischen diesen beiden extremen Möglichkeiten gibt es beliebig viele Varianten, bei denen durchschnittlich auf jede zweite, dritte, zehnte, hundertste usw. Monomer-Einheit des Primärpolymerisats 1 Mol der Azoverbindung bzw. Hydrazoverbindung kommt. Es ist nicht erforderlich, daß an jede dieser durch Ester oder Amidbindungen an die Primärkette angehängten Azogruppen bei der anschließenden Pfropfung eine Seitenkette anwächst. Ein Teil der Azogruppen kann auch durch Rekombination zur Verbindung zweier Primärpolymerisat-Moleküle führen oder kann unzersetzt bleiben und erst später, wenn kein Monomeres mehr zur Verfügung steht, zersetzt werden, z. B. bei der Verarbeitung zu Formkörpern.
  • Praktisch kann man die Konzentration der Azogruppen längs der Kette regulieren 1. durch die Konzentration der in die Molekülkette des Primärpolymerisates wie beschrieben eingeführten funktionellen Gruppen, also z. B. durch das Verhältnis Acrylsäurebutylester zu Glykolmonoacrylat, wenn das Primärpolymerisat ein Hydroxylgruppen enthaltender Polyacrylsäurebutylester ist, 2. durch die mit dem funktionelle Gruppen enthaltenden Primärpolymerisat umgesetzte Menge der Azo- bzw.
  • Hydrazoverbindung, die die korrespondierenden funktionellen Gruppen trägt. Die Azo- bzw. Hydrazoverbindung kann genau im stöchiometrischen Verhältnis eingesetzt werden, es kann aber auch ein Über-oder Unterschuß gegenüber den im Primärpolymerisat vorliegenden Gruppen angewendet werden.
  • Von besonderem Interesse sind solche Pfropfpolymerisate, bei denen das im Primärpolymerisat vorliegende Verhältnis Mole Monomerreste ohne funktionelle Gruppen Mole Monomerreste mit funktionellen Gruppen zwischen 100:1 und 1:1, vorzugsweise zwischen 25:1 und 3:1, liegt, und bei denen die Azoverbindung in einer Menge mit dem Primärpolymerisat umgesetzt wird, die ungefähr dem stöchiometrischen Verhältnis entspricht.
  • Jedoch kann in besonderen Fällen auch ein größerer Überschuß oder Unterschuß der Azoverbindung zweckmäßig sein, ein Unterschuß z.B. dann, wenn man das Fällen und Waschen des Primärpolymerisats vermeiden will.
  • Zur Herstellung der Pfropfpolymerisate wird das Azogruppen enthaltende Primärpolymerisat in einem geeigneten Monomeren gelöst. Die Lösung wird in bekannter Weise polymerisiert, z.B. durch Erwärmen auf 40 bis 1000 C, vorzugsweise auf 50 bis 800 C, oder durch Belichtung mit UV-Strahlen bei 0 bis 60"C, vorzugsweise 10 bis 40"C, wobei die Azogruppen unter Stickstoffabspaltung in Radikale zerfallen, die dann die Polymerisation des Monomeren an die Kette des Primärpolymerisats auslösen.
  • Als Pfropfmonomere sind Vinyl- oder Vinylidenverbindungen geeignet, beispielsweise Styrol oder dessen Substitutionsprodukte, Acryl- oder Methacrylsäurenitril, Acryl- oder Methacrylsäureester oder Vinylcarbazol, Vinylhalogenide, Vinyllactame, wie Vinylpyrrolidon oder auch Butadien, Isopren, sowie Mischungen dieser Verbindungen untereinander oderlund mit anderen polymeri- sierbaren Verbindungen, z. B. mit Vinyläthern, Isobutylen oder mit Malein- oder Fumarsäureestern.
  • Die Art der zum Aufpfropfen verwendeten Monomeren richtet sich nach dem späteren Verwendungszweck der Pfropfpolymerisate. So kann man z. B. auf wasserunlösliche Primärpolymerisate, die vorwiegend aus Styrol oder Acrylsäureestern aufgebaut sind, Monomere aufpfropfen, die, allein polymerisiert, wasserlösliche Polymerisate liefern, wie z.B. Vinylpyrrolidon, oder umgekehrt. Von besonderer Bedeutung ist die Verwendung von harten und spröden Primärpolymerisaten, z.B. von mit azogruppenhaltigen Verbindungen modifiziertem Polymethacrylsäuremethylester, Polystyrol oder Polyvinylchlorid und von solchen Pfropfmonomeren, die weichere oder kautschukelastische Polymerisate liefern, wie Acrylsäuremethyl-, -äthyl- oder -äthylhexylester, Butadien oder Isopren. Noch wichtiger ist der umgekehrte Fall, nämlich die Verwendung von kautschukelastischen, vorzugsweise gesättigten kautschukelastischen Primärpolymerisaten, wie mit azogruppenhaltigen Verbindungen modifizierte Polyacrylsäureester, und die Aufpfropfung von Monomeren, die harte Homopolymerisate bilden, wie Styrol, Vinylchlorid, Methacrylsäuremethylester oder a-Chloracrylsäuremethylester. Man erhält auf diese Weise mechanisch besonders hochwertige transparente Pfropfpolymerisate. Die Menge des kautschukelastischen, Azogruppen enthaltenden Primärpolymerisats beträgt in diesem Fall zweckmäßig 5 bis 500/0, vorzugsweise 10 bis 300/o, des gesamten Pfropfpolymerisates. Die Menge der funktionellen Gruppen im Primärpolymerisat und die Menge der Azoverbindung wählt man zweckmäßig so, daß auf jeweils 2 bis 50, vorzugsweise 4 bis 20 Monomerreste des Primärpolymerisats eine Azogruppe entfällt.
  • Ganz allgemein kann man (bei festgelegter Konzentration der Azogruppen) durch das Mengenverhältnis von Primärpolymerisat zu Pfropfmonomeren die Länge der aufzupfropfenden Seitenketten beeinflussen. Nimmt man viel Primärpolymerisat und wenig Monomeres, z.B. im Verhältnis 80 : 20, so erhält man ein Pfropfpolymerisat mit relativ kurzen Seitenketten. Im umgekehrten Falle, also beispielsweise bei einem Verhältnis Primärpolymerisat 20 Monomeres - 80 arhält man (bei gleicher Azogruppenkonzentration) vergleichsweise viel längere Seitenketten.
  • Wenn das Primärpolymerisat vernetzt ist, z.B. durch Verwendung von Azoverbindungen, die mehr als eine funktionelle Gruppe enthalten, so ist das Primärpolymerisat in den Monomeren nicht löslich, sondern nur quellbar.
  • In diesem Falle gestaltet sich die Pfropfpolymerisation besonders einfach, da man die gequollene Gallerte in vielen Fällen leicht zerkrümeln und die Gallertkrümel in Wasser suspendieren kann. Die Polymerisation verläuft dann wie eine Suspensionspolymerisation, ohne daß es notwendig wäre, ein Schutzkolloid zuzusetzen. Die Polymerisationstemperatur beträgt dabei zweckmäßig 10 bis 120"C, vorzugsweise 50 bis 80"C. Je nach Art der verwendeten Azoverbindung und je nach der Temperatur kann die Polymerisation 5 bis 60 Stunden dauern.
  • Die erfindungsgemäß hergestellten Pfropfpolymerisate lassen sich in verschiedener Weise technisch verwerten, z. B. zur Herstellung von Kunststoffgebrauchsgegenständen durch Verarbeitung im Spritzgußverfahren, im Vakuum-Tiefziehverfahren, in Strangpressen oder Extrudern. Sie können auch als Emulgatoren, Schutzkolloide, Verdickungsmittel oder abriebfeste Kautschuke verwendet werden.
  • Die in den Beispielen genannten Teile sind Gewichtsteile.
  • Beispiel 1 90 Teile Acrylsäurebutylester und 10 Teile Butandiolmonoacrylsäureester werden in 100 Teilen Aceton nach Zusatz von 0,1 Teil Azodiisobuttersäurenitril 1 Stunde bei 60"C unter Stickstoff polymerisiert. Zu der viskosen Lösung werden in der genannten Reihenfolge 500 Teile Aceton, 10 Teile a,a'-Azo-bis-[a-methyl-y-carboxybutyronitril], 10 Teile Diisopropylcarbodiimid und 2,5 Teile Pyridin gegeben. Die Temperatur der Lösung wird auf 400 C gehalten. Nach 3 Stunden wird das entstandene Gel mit Wasser und Methanol in einem Kneter gewaschen und anschließend im Vakuum bei 35° C getrocknet. 20 Teile des erhaltenen kautschukartigen Produktes werden mit 80 Teilen Styrol gemischt. Das Styrol wird vollständig aufgesaugt, und es entsteht eine krümelige Gallerte. Diese wird zerkrümelt, in 300 Teilen Wasser suspendiert und unter Rühren unter Stickstoffatmosphäre 24 Stunden auf 70"C erhitzt. Man erhält ein hartes, zähes, transparentes Pfropfpolymerisat. Mischungen von Polyacrylsäurebutylester und Polystyrol sowie polymerisierte Lösungen von Acrylsäurebutylester ohne Azogruppen in Styrol sind dagegen undurchsichtig weiß und haben nur eine geringe mechanische Festigkeit.
  • Beispiel 2 90 Teile Acrylsäureäthylhexylester und 10 Teile Butandiolmonoacrylsäureester werden in 100 Teilen Essigsäuremethylester gelöst und nach Zugabe von 0,1 Teil Azodiisobuttersäurenitril und 0,02 Teilen Dodecylmerkaptan unter Stickstoff polymerisiert. Die Lösung wird mit 100 Teilen Tetrahydrofuran verdünnt und mit einer Lösung von 9,5 Teilen Hydrazoisobuttersäure in 50 Teilen Wasser 10 Teilen Diisopropylcarbodiimid und 2 Teilen Pyridin vermischt. Nach 12stündigem Stehen bei 25"C wird die entstandene gelartige Mischung bei 20° C in einem Knetwerk langsam mit einer Lösung von 7,4 g Brom in 100 Teilen Methanol versetzt. Das Polymerisat wird dann durch Zusatz von 2000 Teilen Methanol ausgefällt und wiederholt in der gleichen Menge Methanol gewaschen, bis kein Bromid in der Waschflüssigkeit mehr nachweisbar ist. Es wird dann mit 1000 Teilen Methanol zu einer feinen Suspension verrührt. Nach Zugabe von 112 Teilen Acrylsäurenitril, 288 Teilen Styrol und 2 Teilen Polyvinylpyrrolidon (k-Wert 80 nach Fikentscher) wird die Mischung 16 Stunden unter Stickstoff auf 700 C erhitzt. Im Laufe der Polymerisation fällt das Pfropfpolymerisat körnig aus. Es wird abfiltriert und getrocknet und läßt sich nach den für Thermoplaste üblichen Methoden zu transparenten Formkörpern mit hoher Schlag- und Kerbschlagzähigkeit verarbeiten.
  • Beispiel 3 Wie im Beispiel 1 beschrieben, wird ein Mischpolymerisat aus Acrylsäurebutylester und Butandiolmonoacrylsäureester hergestellt und mit a,a'-Azo-bis-[a-methyl-y-carboxybutyronitril] umgesetzt. 20 Teile des erhaltenen kautschukartigen Produktes werden mit 80 Teilen Methacrylsäurenitril vermischt, in Wasser suspendiert und 24 Stunden bei 700 C polymerisiert.
  • Man erhält ein gelbgefärbtes, klar transparentes Pfropfpolymerisat. Eine Mischung von Polyacrylsäurebutylester und Polymethacrylsäurenitril ist dagegen undurchsichtig weiß.
  • Beispiel 4 80 Teile Acrylsäurebutylester und 20 Teile Acrylsäure werden in 100 Teilen Aceton nach Zusatz von 0,1 Teilen Azodiisobuttersäurenitril mischpolymerisiert. Zu der Lösung werden in der nachfolgenden Reihenfolge 20 Teile 2-(2'-Hydroxyäthyl-azo)-2,4-dimethylvaleronitril, 20 Teile Diisopropylcarbodiimid und 5 Teile Pyridin gegeben und die Temperatur auf 400 C gehalten. Nach 3 Stunden wird das erhaltene Produkt mit Wasser und Methanol im Kneter gewaschen und anschließend getrocknet.
  • 20 Teile des erhaltenen Produktes werden in einem Rührautoklav mit 80 Teilen Vinylchlorid und 100 Teilen Butyrolacton gemischt und 48 Stunden auf 35° C gehalten. Man erhält ein fast transparentes Pfropfpolymerisat, das sich nach Zusatz von 1 Teil Dibutylzinnlaurat als Stabilisator zu einem Fell verwalzen läßt.
  • Beispiel 5 10 Teile eines Mischpolymerisates von Isobutylen und Äthylenglykolmonovinyläther im Verhältnis 95: 5, in der üblichen Weise durch Tieftemperaturpolymerisation mit Bortrifluorid in flüssigem Äthylen hergestellt, werden in 40 Teilen Cyclohexan gelöst und mit 0,8 Teilen a,a'-Azo-bis-[a-methyl-y-carboxybutyronitrilg, 1 Teil Diisopropylcarbodiimid und 0,2 Teilen Pyridin versetzt und 3 Stunden bei 400 C gehalten. Die entstandene Gallerte wird wiederholt mit Methanol in einem Kneter gewaschen und im Vakuum getrocknet. Das so erhaltene Polymerisat wird mit 90 Teilen einer Mischung aus 50 Teilen Cyclohexylacrylsäureester und 50 Teilen Acrylsäurenitril und 100 Teilen Butyrolacton innig vermischt und 24 Stunden unter Stickstoff bei 55° C gehalten.
  • Nach Abdestillieren des Lösungsmittels im Vakuum erhält man ein leichtgelbgefärbtes, transparentes Pfropfpolymerisat.
  • Beispiel 6 60 Teile Butadien, 30 Teile Fumarsäuredibutylester, 10 Teile Butandiolmonoacrylsäureester, 200 Teile völlig entsalztes Wasser, 1 Teil des Natriumsalzes des Phthalsäuremonooleylesters, 0,2 Teile Kaliumpersulfat und 0,2 Teile Natriumtripolyphosphat werden in einem Rührautoklav 36 Stunden bei 45° C unter Stickstoff polymerisiert. Die Polymerisatdispersion wird durch Eingießen in Methanol gefällt und wiederholt mit Methanol gewaschen. Das Polymerisat wird im Vakuum bei 500 C getrocknet, in 200 Teilen Benzol gelöst und mit 10 Teilen a,a'-Azo-bis-la-methyl-y-carboxybutyroni , 10 Teilen Diisopropylcarbodiimid und 2 Teilen Pyridin vermischt. Nach 3stündigem Stehen bei 40° C wird das gallertartige Reaktionsprodukt in einem Kneter gründlich mit Methanol gewaschen und getrocknet. 25 Teile des so erhaltenen, Azogruppen enthaltenden Polymerisats werden mit 75 Teilen Methacrylsäuremethylester und 100 Teilen Benzol gemischt und bei 60° C unter Stickstoff 24 Stunden polymerisiert. Es entsteht ein klar transparentes, hartes und zähes Pfropfpolymerisat.
  • Beispiel 7 90 Teile Methacrylsäuremethylester und 10 Teile Isocyanatoäthylmethacrylsäureester werden in 100 Teilen Aceton unter Zusatz von 0,1 Teil Azodiisobuttersäurenitril und 0,05 Teilen Dodecylmerkaptan unter Stickstoff 6 Stunden bei etwa 600 C polymerisiert. Die Lösung wird mit 7 Teilen a,a'-Azo-bis-7a-methyl-y-carboxybutyronitril] und 1 Teil Pyridin vermischt. Nach 48stündigem Stehen bei 25° C wird die viskose Gellösung in einem Knetwerk wiederholt mit Methanol gewaschen.
  • Das erhaltene harte Polymerisat wird im Vakuum bei 35° C getrocknet. 40 Teile davon werden mit 60 Teilen Styrol innig gemischt. Es entsteht ein krümeliges Gel, das in 300 Teilen Wasser suspendiert und bei 60° C unter Stickstoff polymerisiert wird. Man erhält ein transparentes, hartes Pfropfpolymerisat.
  • Beispiel 8 60 Teile Vinylidenchlorid, 25 Teile Acrylsäurebutylester und 15 Teile Isocyanatoäthylmethacrylsäureester werden in einer Mischung aus gleichen Teilen Methyläthylketon und Essigsäuremethylester unter Zusatz von 0,1 Teil Azodiisobuttersäurenitril unter Stickstoff polymerisiert. Die Lösung wird mit 13,6 Teilen a,a'-Azobis-[a-methyl-y-carboxybutyronitril] und 1 Teil Pyridin vermischt. Nach 48stündigem Stehen bei 25° C wird die zähviskose Gellösung in einem Knetwerk wiederholt mit Methanol gewaschen. Das erhaltene Polymerisat wird im Vakuum bei 300 C getrocknet. 20 Teile davon werden mit 80 Teilen einer Mischung aus 65 Teilen Methacrylsäuremethylester und 35 Teilen Acrylsäurenitril und mit 100 Teilen y-Butyrolacton vermischt. Die Mischung wird unter Stickstoff 24 Stunden bei 55" C polymerisiert.
  • Das entstandene Pfropfpolymerisat wird nach Zusatz von 1 Teil Dibutylzinnlaurat als Stabilisator im Vakuum von Butyrolacton befreit und 5 Minuten bei 1400 C auf einem Walzwerk behandelt. Es kann zu transparenten Platten verpreßt werden.
  • Beispiel 9 85 Teile Acrylsäureäthylhexylester und 15 Teile Acrylsäure werden in 100 Teilen Aceton nach Zusatz von 0,1 Teil Azodiisobuttersäurenitril und 0,05 Teilen Dodecylmerkaptan unter Stickstoff 6 Stunden bei etwa 600 C polymerisiert. Die viskose Lösung wird mit 15 Teilen a,a'-Azo-bis-[a-methyl-y-carboxybutyronitril], 16 Teilen Diisopropylcarbodiimid und 1 Teil Pyridin vermischt und 12 Stunden bei 25° C gehalten. Die gelartige Mischung wird in 2000 Teile Methanol eingetragen und mit Methanol sorgfältig gewaschen und anschließend im Vakuum bei 300 C getrocknet. 75 Teile des so hergestellten kautschukelastischen Polymeren werden mit 25 Teilen einer aus gleichen Teilen Methacrylsäuremethylester und Acrylsäurenitril bestehenden Mischung in einem Knetwerk homogen vermischt und bei 700 C unter Stickstoff polymerisiert. Man erhält ein leicht vernetztes zähes kautschukartiges Pfropfpolymerisat, das durch Einarbeiten von Diisocyanaten noch stärker vernetzt werden kann.

Claims (1)

  1. PATENTANSPRUCH Verfahren zur Herstellung von Pfropfpolymeren, dadurch gekennzeichnet, daß man ein zur Ester-oder Amidbildung befähigte Gruppen enthaltendes Primärpolymerisat mit einer bei Erwärmen oder Belichten Radikale bildenden Azoverbindung oder mit einer durch Oxydation leicht in eine Azoverbindung überführbaren Hydrazoverbindung, die die korrespondierenden, zur Ester- oder Amidbildung befähigten Gruppen enthält, unter Ausbildung von Ester- oder Amidbindungen in bekannter Weise umsetzt und das so modifizierte Primärpolymerisat, gegebenenfalls nach Oxydation der Hydrazogruppen zu Azogruppen, mit einem polymerisierbaren Monomeren mischt und die Mischung polymerisiert.
DEB53722A 1959-06-24 1959-06-24 Verfahren zur Herstellung von Pfropfpolymeren Pending DE1092655B (de)

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Cited By (2)

* Cited by examiner, † Cited by third party
Publication number Priority date Publication date Assignee Title
US3442826A (en) * 1964-03-09 1969-05-06 Union Oil Co Method of preparing polypeptide graft copolymers
US3511894A (en) * 1966-09-10 1970-05-12 Roehm & Haas Gmbh Graft polymers and preparation thereof

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