DE1130177B - Verfahren zur Herstellung von phosphorhaltigen Polymerisaten - Google Patents
Verfahren zur Herstellung von phosphorhaltigen PolymerisatenInfo
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Description
Verfahren zur Herstellung von Halbestern der Vinylphosphonsäure wurden bereits vorgeschlagen.
Es ist bekannt, Vinylphosphonsäuredihalogenide zu polymerisieren, wobei unter weitgehendem Ausschluß
von Feuchtigkeit gearbeitet werden muß. Dabei werden Polyvinylphosphonsäuredihalogenide
erhalten.
Es wurde nun gefunden, daß man phosphorhaltige Polymerisate durch Polymerisation von Vinylphosphonverbindungen,
gegebenenfalls zusammen mit ungesättigten organischen Verbindungen, unter an sich bekannten Bedingungen erhalten kann, wenn
man erfindungsgemäß als Vinylphosphonverbindungen einen oder mehrere Vinylphosphonsäurehalbester
bzw. deren Salze verwendet.
Man gelangt hierbei zu neuartigen Produkten mit besonders wertvollen Eigenschaften. Die Vinylphosphonsäurehalbester
können ganz oder teilweise in Form ihrer Salze verwendet werden.
Als Salze kommen insbesondere solche Verbindüngen in Betracht, die durch Ersatz des sauren
Wasserstoffatoms der Vinylphosphonsäurehalbester durch Elemente der I. und II. Gruppe des Periodischen
Systems entstehen. Es kommen aber auch andere Salze, wie etwa die Ammoniumsalze, in Betracht.
Als Halbester der Vinylphosphonsäure kommen für das erfindungsgemäße Verfahren alle Verbindungen
in Frage, bei denen eines der beiden sauren Wasserstoffatome der Vinylphosphonsäure durch
einen gesättigten oder ungesättigten Alkylrest, der gegebenenfalls durch Sauerstoff- bzw. Schwefelatome
unterbrochen sein kann, oder durch einen cycloaliphatischen oder araliphatischen Rest ersetzt
ist. Die genannten Reste können gegebenenfalls auch substituiert sein, insbesondere durch Halogen
und/oder Hydroxylgruppen.
Beispielsweise seien Halbester der Vinylphosphonsäure mit folgenden Alkoholen genannt: Methanol,
Äthanol, Äthylenchlorhydrin, Äthyl-jS-oxyäthylsulfid,
Äthylenglykolmonometnyläther, 2,3-Dichlorpropanol-1,
Allylalkohol, Butanol, 2-Äthylhexanol, Benzylalkohol,
Cyclohexylalkohol, Stearylalkohol, Äthylenglykol, Triäthylenglykol, Polyäthylenglykol.
Die Herstellung der Polymerisate der Vinylphosphonsäurehalbester bzw. deren Mischpolymerisate
mit anderen, polymerisationsfähigen Komponenten kann nach an sich bekannten Methoden in
Substanz, in Lösung, in Emulsion oder in Suspension vorgenommen werden.
Die Polymerisation wird zweckmäßigerweise durch Erwärmen und/oder unter UV-Bestrahlung und/oder
durch Zusatz radikalbildender Katalysatoren bei Verfahren zur Herstellung
von phosphorhaltigen Polymerisaten
von phosphorhaltigen Polymerisaten
Anmelder:
Farbwerke Hoechst Aktiengesellschaft
vormals Meister Lucius & Brüning,
Frankfurt/M., Brüningstr. 45
Dr. Fritz Rochlitz, Frankfurt/M.-Höchst,
und Dr. Herbert Vilcsek, Hofheim (Taunus),
sind als Erfinder genannt worden
Normaldruck, im Vakuum oder unter Überdruck durchgeführt, wobei es vorteilhaft ist, in einer
inerten Gasatmosphäre, beispielsweise unter Stickstoff, zu arbeiten.
Die Polymerisationstemperatur kann hierbei zwischen etwa —20 uiid +250° C liegen. In den meisten
Fällen wird man jedoch einen Temperaturbereich zwischen +20 und 150° C wählen. Die Katalysatoren
werden im allgemeinen in Mengen von etwa 0,01 bis 6 Gewichtsprozent, vorzugsweise 0,1 bis 4%, bezogen
auf das Monomere bzw. Monomerengemisch, angewandt.
Als Katalysatoren werden Perverbindungen bevorzugt, wie Benzoylperoxyd, Lauroylperoxyd, Ditert.-butylperoxyd,
Caproylperoxyd, Methyläthylketonperoxyd, Kaliumpersulfat, Wasserstoffperoxyd, Percarbonate, Carosche Säure. Daneben sind auch
noch andere, in Radikale zerfallende Verbindungen, wie Azodiisobutyronitril, Sulfinsäuren oder Sulfonamine,
wirksam. Insbesondere für die Polymerisation bei tieferen Temperaturen haben sich Redoxkatalysatorsysteme
bewährt, wie Persulfat-bisulfit oder Wasserstoffperoxyd-Na-Formaldehyd-sulfoxylat.
Weiterhin können zusätzlich Schwermetallverbindungen in jeweils geeigneter, löslicher Form als
Katalysatoren eingesetzt werden, wie Kupferacetylacetonat oder Eisenoleat.
Als Mischpolymerisationskomponenten kommen praktisch alle ungesättigten Verbindungen mit einer
oder mehreren polymerisationsfähigen Doppelbindungen in Frage, z. B. Styrol, Divinylbenzol, Vinylchlorid,
Vinylidenchlorid, Vinylester, Acrylsäure und
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3 4
Methacrylsäure, sowie deren Ester, Amide und acetat, Acrylsäure, Acrylnitril mit entsprechenden
Nitrile, a-Cyanacrylester, Maleinsäureester, Malein- Mengen an Vinylphosphonsäurehalbestern, insbe-
säureanhydrid oder ungesättigte Kohlenwasserstoffe, sondere solchen mit niedrigen Alkylresten, wie dem
wie Äthylen, Propylen, Butadien, Chlorbutadien. Äthylrest, können beispielsweise zum Flammfest-
Die Mischpolymerisation kann auch mit mehreren 5 machen und zur Veredlung von Textilien, als Ver-
polymerisationsfähigen Verbindungen durchgeführt dickungsmittel und als Korrosionsverhütungsmittel
werden, wobei ebenfalls neuartige Produkte mit eingesetzt werden.
besonderen Eigenschaften entstehen. So lassen sich Mischpolymerisate von Acrylnitril und von Vinyl-
die Vinylphosphonsäurehalbester beispielsweise mit chlorid mit entsprechenden Mengen an Vinylphos-
Vinylacetat und Maleinsäurediestern mischpolymeri- io phonsäurehalbestern ergeben nach dem Verspinnen
sieren. Kunstfasern mit hervorragender Anfärbbarkeit.
Die Polymerisate der Vinylphosphonsäurehalb- Polyvinylphosphonsäurehalbester mit längeren
ester sowie deren Mischpolymerisationsprodukte mit Alkylresten, z. B. dem Oktyl- oder dem Dodecylrest,
anderen aktive Doppelbindungen tragenden Ver- sowie Mischpolymerisate mit beispielsweise Styrol
bindungen stellen feste Massen dar, die je nach dem i5 oder Acrylnitril besitzen eine gewisse Benzinlöslich-
Alkylrest des Vinylphosphonsäurehalbesters, der keit und können als Zusatzmittel zu Treibstoffen,
Mischpolymerisationskomponenten und dem Mi- als Schmiermittelzusatz oder Korrosionsschutzmittel
schungsverhältnis wasserlöslich bis wasserschwer- verwendet werden,
löslich sind. Bei Verwendung von Vinylphosphon- . . , . .
säurehalbestern mit niedrigen Alkylresten, z. B. dem 20 ei spie
Äthylrest, lassen sich bei entsprechendem Mengen- In einer' 250-cm3-Pulverflasche werden 100 Ge-
verhältnis Produkte herstellen, die in Wasser bei wichtsteile Vinylphösphonsäuremonoäthylester unter
einem pH-Wert oberhalb 8 löslich sind, beim Ansäuern Zusatz von 1 Gewichtsteil Benzoylperoxyd 3 Stunden
aber ausgefällt werden. Es ist ferner möglich, Misch- in einem Wasserbad von 80° C erwärmt. Man
polymerisate mit Vinylphosphonsäurehalbestern mit 25 erhält eine feste, leicht gelblichgefärbte, in Wasser
höheren Alkylresten, etwa Oktyl-, herzustellen, die gut lösliche Masse,
in Wasser oberhalb pn 8 Emulsionen ergeben, die _ . . T „
beim Ansäuern brechen. Beispiel I
Die erfindungsgemäß hergestellten Polymerisate 100 Gewichtsteile Vinylphosphonsäuremonooctyl-
und Mischpolymerisate stellen selbst wertvolle Pro- 30 ester werden in 100 Gewichtsteilen Benzol gelöst
dukte auf dem Kunststoff-, Textil- und Lacksektor und unter Zusatz von 1 Gewichtsteil Benzoylperoxyd
dar und können fernerhin als Zwischenprodukte zur 5 Stunden unter Rückfluß erhitzt. Nach dem AbHerstellung
von Kunststoffen, zur Papierbeschich- destillieren des Benzols hinterbleibt eine nicht mehr
tung und als Emulgier- und Netzmittel dienen. Der fließende, leicht gelbgefärbte Masse, die sich gut in
Anwendungsbereich dieser neuen Polymerisations- 35 Benzin, Trichlorethylen und anderen organischen
und Mischpolymerisationsprodukte ist insofern be- Lösungsmitteln löst,
sonders mannigfaltig, als die Produkte sowohl saure R . . . _
Gruppen, als auch Estergruppen, als auch Phosphor ei spie
enthalten. 86 Gewichtsteile Vinylacetat und 136 Gewichts-Auf Grund des Phosphorgehalts können schwer 40 teile Vinylphosphonsäuremonobutylester werden
entflammbare Kunststoffe hergestellt werden, z. B. unter Zusatz von 2,2 Gewichtsteilen Methyläthyldurch
Mischpolymerisation von Methacrylsäure- ketonperoxyd in einer Pulverflasche 2 Stunden unter
methylester oder Styrol mit beispielsweise Vinyl- einer Stickstoffatmosphäre auf 60° C erhitzt. Es
phosphonsäuremonooctylester. entsteht dabei eine feste, unbrennbare Masse, die
Bei der Emulsionspolymerisation von Vinylacetat 45 in organischen Lösungsmitteln gut löslich ist.
mit Vinylphosphonsäurehalbestern werden niedrig
viskose, äußerst feinteilige, stabile Kunststoffdisper- Beispiel 4
sionen erhalten, die zu klaren, naßwischfesten Filmen In einen 500-cm3-Vierhalskolben, versehen mit
auftrocknen. Diese Dispersionen haben den Vorteil, Rührwerk, Rückflußkühler, Einleitungsrohr und
bis —18° C kältestabil und ferner mit den üblichen 50 Thermometer, werden 180 Gewichtsteile Vinylacetat,
Pigmenten gut verträglich zu sein. Es genügt bereits 20 Gewichtsteile Vinylphosphonsäuremonoäthylester,
ein Anteil von 1 bis 4% an Vinylphosphonsäurehalb- 200 Gewichtsteile Isopropanol und 2 Gewichtsteile
estern, um Dispersionen mit hervorragenden Eigen- Benzoylperoxyd eingefüllt und 5 Stunden auf 70 bis
schäften, die eine große Verwendungsbreite sichern, 75° C erhitzt. Nach dem Abkühlen fällt man das
herzustellen. Durch gleichzeitige Mischpolymeri- 55 Mischpolymerisat mit Petroläther aus und trocknet
sation mit Maleinsäuredialkylestern, etwa Malein- 6 Stunden im Vakuumtrockenschrank bei 90° C.
säuredibutylester, können die Eigenschaften der Es entsteht eine harte, farblose Masse, die in orga-
Kunststoffdispersionen noch insofern verbessert wer- nischen Lösungsmitteln gut löslich ist und wasser-
den, als die aufgetrockneten Filme eine verringerte lösliche Alkalisalze bildet.
Wasseraufnahme zeigen und innerlich weichge- 60 „ . . , ,
macht sind. Beispiel 5
Mischpolymerisate von Vinylacetat mit größeren Eine Lösung von 60 Gewichtsteilen Vinylacetat,
Mengen als etwa 8 % Vinylphosphonsäuremonoalkyl- 60 Gewichtsteilen Vinylphosphonsäuremonoäthyl-
estern, beispielsweise -monoäthylester, lassen sich ester und 1,2 Gewichtsteilen Benzoylperoxyd in
mit Erfolg auf dem Textilsektor einsetzen, beispiels- 65 200 Gewichtsteilen Benzol werden 4V2 Stunden auf
weise als Appreturmittel oder als Schlichtemittel, 70 bis 80° C erhitzt. Es fällt ein weißes Pulver aus,
Wasserlösliche Mischpolymerisate, wie sie bei- das abfiltriert und im Vakuum bei 70° C getrocknet
spielsweise durch Mischpolymerisation von Vinyl- wird. Das Produkt ist sehr leicht wasserlöslich.
85 Gewichtsteile Vinylacetat werden mit 15 Gewichtsteilen
Vinylphosphonsäuremonooctylester, gelöst in 200 Gewichtsteilen Benzol, unter Zusatz von
1 Teil Benzoylperoxyd 5 Stunden auf 70 bis 80° C erhitzt. Nach dem Abkühlen fällt man das Mischpolymerisat
mit Petroläther vollständig aus, dekantiert ab und trocknet im Vakuumtrockenschrank bei
70° C. Man erhält eine farblose Masse, deren Alkalisalze in Wasser emulgierbar sind. Solche
Emulsionen ergeben auf eine Glasplatte aufgestrichen klare, transparente Filme.
54 Gewichtsteile Vinylchlorid und 6 Gewichtsteile Vinylphosphonsäuremonooctylester werden in Gegenwart
von 0,6 Gewichtsteilen Azodiisobutyronitril im Bombenrohr 8 Stunden auf 50° C erhitzt. Es
entsteht eine weiße Masse, die in Tetrahydrofuran gelöst, mit Methanol wieder ausfällt und bei 70° C
im Vaku'imtrockenschrank 6 Stunden getrocknet wird. Das Produkt enthält 1% Phosphor eingebaut.
In eine Pulverflasche werden 85 Gewichtsteile Methacrylsäuremethylester, 15 Gewichtsteile Vinylphosphonsäuremonoäthylester
und 1 Gewichtsteil Benzoylperoxyd eingefüllt und 5 Stunden unter einer Stickstoffatmosphäre auf 70 bis 80° C erhitzt.
Nach einer Nachbehandlung bei 100° C erhält man ein schwer entflammbares Mischpolymerisat.
Eine Lösung von 136 Gewichtsteilen Vinylphosphonsäuremonoäthylester,
53 Gewichtsteilen Acrylnitril und 1,8 Gewichtsteilen Benzoylperoxyd in 200 Gewichtsteilen Isopropanol wird 5 Stunden bei
70 bis 80°C gehalten. Nach dem Abkühlen auf Zimmertemperatur fällt man das gebildete Mischpolymerisat
durch Zugabe von Petroläther aus. Das Produkt ist nach dem Trocknen im Vakuumtrockenschrank
bei 80° C leicht gelb gefärbt und wasserlöslich.
50 Gewichtsteile Vinylphosphonsäuremonoäthylester, 50 Gewichtsteile Acrylsäure, 1 Gewichtsteil
Benzoylperoxyd und 150 Gewichtsteile Isopropanol werden 5 Stunden in einem Wasserbad von 70 bis
80° C erwärmt. Man erhält nach dem Ausfällen mit Petroläther und Trocknen im Vakuumtrockenschrank
bei 80° C eine weiße, pulverförmige Masse, die leicht wasserlöslich ist.
Claims (4)
1. Verfahren zur Herstellung von phosphorhaltigen Polymerisaten durch Polymerisation von
Vinylphosphonverbindungen, gegebenenfalls zusammen mit ungesättigten organischen Verbindungen,
unter an sich bekannten Bedingungen, dadurch gekennzeichnet, daß man als Vinylphosphonverbindung
einen oder mehrere Vinylphosphonsäurehalbester bzw. deren Salze verwendet.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Polymerisation durch
Erwärmen und/oder mit Hilfe von radikalbildenden Katalysatoren und/oder UV-Bestrahlung
durchführt.
3. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man Halbester aus Vinylphosphonsäure
und gesättigten oder ungesättigten, gegebenenfalls substituierten aliphatischen Alkoholen,
deren Kohlenstoffkette gegebenenfalls durch Sauerstoff bzw. Schwefelatome unterbrochen
ist, verwendet.
4. Weitere Ausbildung des Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man
die Vinylphosphonverbindungen zusammen mit einem Vinylester, Acryl- und Methacrylsäure,
mit deren Estern, Amiden oder Nitrilen, Maleinsäureester, Styrol, Vinylchlorid, Vinylidenchlorid
oder ungesättigten Kohlenwasserstoffen polymerisiert.
In Betracht gezogene Druckschriften:
Deutsche Auslegeschrift Nr. 1 032 537.
Deutsche Auslegeschrift Nr. 1 032 537.
© 209 601/474 5.62
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1961
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