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Verfahren zum Schleifen und Entstauben von Leder und Schleifmaschine
zur Ausübung des Verfahrens Das Schleifen und Entstauben von Leder in größeren Bahnen,
das zu seiner Bearbeitung über eine Auflagewalze in die Maschine eingeführt und
nach erfolgter Bearbeitung von Hand wieder an die Ausgangsstelle zurückgezogen werden
muß, mußte bisher in zwei getrennten Arbeitsgängen auf getrennten Schleif- und Bürstmaschinen
vorgenommen werden. Zwar wird der Flugstaub in der Schleifmaschine von der dort
vorhandenen Absaugvorrichtung abgesaugt, jedoch ist der von dieser erzeugte Unterdruck
nicht in der Lage, den nach dem Schleifen auf der Lederoberfläche haftenden Feinstaub
zu erfassen, so daß das nachfolgende Bürsten in einem besonderen Arbeitsgange auf
einer besonderen Bürstmaschine bisher unvermeidlich war. Die in den Schleifmaschinen
selbst vorgesehenen Bürstwalzen dienen in der Hauptsache nur zum Abbürsten der Schleifscheibe
und als Gegenstütze für die von der Auflagewalze herunterhängende Lederbahn, um
zu verhindern, daß diese von dem Saugluftstrom angezogen wird. Diese Bürsten sind
in ihrer Wirkung sehr schwach, und sie befinden sich, außerdem unterhalb der Schleifwalze,
also in beträchtlicher Entfernung von der herabhängenden Lederbahn, mit der sie
normalerweise nicht in Berührung kommen.
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Die Erfindung hat sich nun die Aufgabe gestellt, beide Arbeitsgänge,
nämlich Schleifen und Entstauben, in einer Maschine und in einem Arbeitsgange zu
vereinigen, womit eine beträchtliche Vereinfachung und Zeitersparnis sowie eine
bessere Ausnutzung der Schleifmaschine erzielt wird. Bei kleineren, in der Schuhfabrikation
verwendeten Schleifmaschinen ist es bei durchlaufenden kleinen Werkstücken bekannt,
hinter der Schleifwalze eine Bürstwalze anzubringen, die den an den geschliffenen
Lederstücken
haftenden Staub sofort entfernt. Abgesehen davon, daß dieses gleichzeitige Schleifen
und Bürsten nur bei starken und verhältnismäßig sehr kleinen Lederstücken, wie beispielsweise
Sohlen oder Absatzflecke, möglich ist, sind diese Maschinen auch auf die Bearbeitung
von durchlaufenden Werkstücken beschränkt. Selbst wenn ein Zurückziehen der Werkstücke
möglich wäre, so müßten diese die Schleifscheibe nochmals. passieren und würden
dabei wiederum mit Staub behaftet. Bei Schleifmaschinen der für die Erfindung in
Betracht kommenden Art hingegen, in denen die in größeren Bahnen eingeführten Werkstücke
nach dem jedesmaligen Schleifvorgang wieder zurückgezogen werden müssen, war eine
derartige Arbeitsweise bisher nicht möglich. Die Erfindung schafft nunmehr Abhilfe,
indem sie die- Entstaubung im gleichen Arbeitsgange in einer Weise ermöglicht, die
sowohl ein nochmaliges Schleifen beim Zurückziehen des Werkstückes als auch eine
besondere Belastung des Arbeiters hierbei vermeidet.
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Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren wird das Entstauben nach dem
Schleifen während des Zurückführens der Lederbahn, was gewöhnlich von Handgeschiieht,
ausgeübt. Man kann hierbei d en an der Lederbahn haftenden Staub mittels Saugluft
entfernen oder durch die Einwirkung von Gebläseluft lösen, damit er von der Saugluft
der ,Maschine erfaßt und mitgenommen werden kann. Es hat sich gezeigt, daß das neue
Verfahren in höchst einfacher Weise durchgeführt werden kann, indem man nämlich
beim Zurückziehen des geschliffenen Leders dieses derart nahe an der umlaufenden
Schleifwalze vorbeilaufen läßt, daß die soeben geschliffene Oberfläche des Leders
in den Bereich des durch die hohe Geschwindigkeit der Schleifwalze mitgerissenen
Luftstromes gelangt. Dieser mit ebenfalls hoher Geschwindigkeit um die Schleifscheibe
kreisende Luftstrom genügt, um den an der Lederoberfläche haftenden Staub in den
Saugluftstrom des Ventilators zu blasen, von dem er nunmehr als Flugstaub einwandfrei
abgeführt werden kann.
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Da sich das Zurückziehen .des Leders in einer bestimmten Entfernung
von der Schleifwalze gefühlsmäßig nicht einwandfrei durchführen läßt, sieht die
Erfindung weiterhin die Möglichkeit vor, die Führungs- bzw. Auflagewalze beim Zurückziehen
des Werkstückes in eine Lage zu bringen, in der das Leder nur in ganz leichte Berührung
mit der Schleifscheibe gelangt, oder je nach der Lederart bzw. der Schleifarbeit
in unmittelbarer Nähe derselben, aber noch im Bereiche der umkreisenden Luft daran
vorbeigeführt wird.
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Weitere Möglichkeiten bestehen in der Anordnung von Bürstwalzen oder
Luftdüsen vor oder hinter der Schleifscheibe, Zweckmäßig in einer solchen Weise,
daß beim Einlaufen der Lederbahn die Bürste nicht zur Wirkung gelangt, sondern erst
beim Zurückziehen. Bei Anordnung der Bürstwalze vor der Schleifscheibe wird sie
beim Einführen der Lederbahn angehoben. Beim Zurück-Ziehen wird sie -gesenkt, während
gleichzeitig die Schleifwalze außer Wirkung gesetzt wird. Durch diese Wechselwirkung,
de überdies auch bei hinter der Schleifscheibe liegender Bürstwalze möglich ist,
wird erreicht, daß sich immer nur eine der beiden Walzen im Betrieb befindet, was
die Bedienung der Maschine besonders beim Zurückziehen des Werkstückes wesentlich
erleichtert. Eine Maschine der vorstehenden Art ist sowohl für dünne als auch für
starke Leder derselben Art geeignet, wie sie bisher auf der Maschine geschliffen
wurde.
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In der Zeichnung sind mehrere Ausführungsbeispiele der Erfindung schematisch
dargestellt.
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Fig. i zeigt eine Anordnung der Auflagewalze, in der beim Öffnen gleichzeitig
die herabhängende Lederbahn bis dicht an den Umfang der Schleifscheibe angehoben
wird; Fig. 2 zeigt eine Anordnung, in der die Auflagewalze durch einen zweiten Fußhebel
in die Entstaubungslage bewegt wird; Fig. 3 veranschaulicht die Anordnung einer
Bürstwalze hinter .der Schleifscheibe mit wechselweise wirkenden Andruckrollen für
die Schleifscheibe und die Bürstwalze; Fig. q. zeigt eine der Fig. 3 ähnliche Anordnung
mit vor der Schleifscheibe vorgesehenen Vorschubwalzen, von denen die obere abhebbar
ist; Fig. 5 stellt die Anordnung einer Druckluftdüse nebst einem diese umgebenden
Absaugkanal dar; Fig. 6 veranschaulicht die Anordnung einer abhebbaren Bürstwalze
vor der Schleifscheibe.
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Bei der in Fig. i dargestellten Einrichtung findet die Entstaubung
der von der Schleifscheibe i bearbeiteten Lederbahn L durch den von dieser Scheibe
mit herumgerissenen Luftstrom statt. Dieser bewegt sich in der Richtung der am Umfang
der Schleifscheibe eingezeichneten kleinen Pfeile. Während der Bearbeitung wird
das Leder über die Auflagewalze 2 in die Maschine eingeführt, wobei diese die durch
die punktierten Linien angedeutete Stellung einnimmt, in der das Leder im Punkt
a unter Arbeitsdruck gegen die Schleifscheibe gedrückt wird. Beim Zurückziehen der
Lederbahn wird bei weiterlaufender Schleifscheibe i die Auflagewalze 2 in die stark
ausgezogene Stellung bewegt, so daß sie der Arbeiter ohne Schwierigkeit aus der
Maschine herauszuziehen vermag. Das Verschwenken der Auflagewalze erfolgt durch
den Fußhebel 3 über das Gestänge q. in üblicher Weise. Gleichzeitig mit dem Gestänge
q. für die Auflagewalze wird von dem Fußhebel ein zweites einstellbares Gestänge
5 bewegt, das einen um den Drehpunkt der Walze :2 schwingbaren Anheber 6 aus seiner
punktierten Ruhelage b so zum Ausschlag bringt, daß er ihn von unten gegen die unbearbeitete
Seite des Leders ausschwingt und dieses dadurch in die Stellung c derart dicht vor
die Schleifwalze bringt, daß der von dieser mitgerissene Luftstrom auf die geschliffene
Lederbahn zur Wirkung gelangt. Der Entstaubungsvorgang spielt sich dabei in der
Weise ab, daß der mitgerissene Luftstrom den Schleifstaub von der Lederbahn in den
Saugluftstrom der Maschine bläst. Um das Gefühlsmäßige in der Bedienung des Fußhebels
auszuschalten,
bewegt sich dieser zwischen zwei Anschlägen 7. Mit
8 ist die übliche Bürstwalze für die Schleifscheibe und zur Abweisung .des von der
Auflagewalze herabhängenden Leders L bezeichnet.
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In der Einrichtung nach Fig. 2 sind drei Stellungen für die Auflagewalze
2 vorgesehen, wobei die Maschine von zwei Fußhebeln io und i i bedient wird. Bei
der in vollen Linien gezeichneten Lage der Walze 2 wird das Leider mit seiner Oberfläche
durch den von der Schleifscheibe i erzeugten Luftstrom geführt und dadurch entstaubt.
Die punktierte Lage 2a entspricht der vollen Öffnung der Maschine, bei welcher das
Leder eingeführt wird. Während des Betriebes liegt die Walze 2 bzw. das Leder im
Punkt 26 an der Schleifscheibe i an. Das Ausschwingen der Walze geschieht in folgender
Weise: Die beiden Fußhebel io und ii sind jeder für sich um den gemeinsamen Drehpunkt
9 ausschwingbar. Fußhebel io entspricht dem üblichen Ein- und Auslösehebel der Maschine.
Er ist mit einem Hebelarm 12 versehen, der sich in einer Gabel der Stange 13 verschiebt.
Diese ist in einem exzentrischen Drehpunkt gelagert, der in der schematischen Zeichnung
der Fig. 2 durch die um den Punkt 14 schwingbare Kurbel 15 dargestellt ist, an deren
Ende im Punkt 16 die Stange 13 gelagert ist. In der voll geöffneten Lage 211 der
Walze 2 nimmt der Fußnebel io und das Gestänge 12, 13 die punktierte Lage ioa, 16a
ein, in der das Leder in die Maschine eingeführt wird. Zu dem nunmehr während des
Einlaufens des Leders erfolgenden Schleifen wird der Fußhebel io aus der Stellung
ioa in die voll ausgezogene Lage durchgetreten, wodurch die Auflagewalze mit der
Stange 13 um den Punkt 16a nach links ausschwingt, bis das über die Walze 2 eingeführte
Leder mit der Schleifscheibe im Punkt 2b in Arbeitsberührung gelangt. Der Drehpunkt
für die Stange 13 liegt also in den beiden Endlagen 2a und 2b der Auflagewalze bei
1611 fest.
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Soll .nun das in der Lage 2b geschliffene Leder beim Zurückziehen
aus der Maschine entstaubt werden, so wird der sich beim Schleifen in der punktiert
gezeichneten Ruhelage i ia befindliche Fußhebel i i in die voll ausgezogene Lage
bewegt. Dadurch wird der Kurbelarm 15 durch das Gestänge 17 um seine Welle 14 aus
der bisherigen Lage 1611 in die voll ausgezogene Lage 16 geschwenkt, in welcher
die Auflagewalze 2 die in vollen Linien dargestellte Entstaubungslage einnimmt.
Nach seiner Freigabe wird der Fußhebel i i durch die Feder 18 wieder in seine durch
den Anschlag i9 begrenzte unwirksame Lage iia gezogen, in der auch der Kurbelarm
15 in seine Lage i6a zurückkehrt. Die Rückführung des Fußhebels io erfolgt durch
das an seinem äußeren Arm vorgesehene Gewicht. Beide Hebel nehmen dann wieder ihre
Ruhelage ioa bzw. i ia ein.
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In dem Ausführungbeispiel der Fig. 3 wird zur Entstaubung des geschliffenen
Leders L eine rotierende Bürstwalze verwendet, die vom Bedienungsplatz der Maschine
aus gesehen hinter der Schleifscheibe i gelagert ist und wie diese mit hoher Geschwindigkeit
angetrieben wird. Die Lederbahn wird über den Tisch 2i in die Maschine eingeführt.
In dem Tisch befinden sich unterhalb der Schleifscheibe i und der Bürstwalze 20
zwei Schlitze 22 bzw. 23, in denen je eine Andruckrolle 24 bzw. 25 gelagert ist.
Die Andruckrolle 24 dient zum Anpressen des Leders an die Schleifscheibe i und die
Andruckrolle 25 zum Andrücken der geschliffenen Lederbahn gegen die Bürstwalze 20.
Durch ein vom Fußhebel der Maschine scherenartig bewegtes Gestänge 26 wird beim
Einführen des Leders die Andruckrolle 14 und beim Zurückziehen die Andruckrolle
25 in Arbeitslage gebracht. Es wird also die jeweils nicht benötigte Walze i bzw.
20 während des Betriebes der anderen ausgeschaltet.
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Dieselbe Einrichtung ist in Fig. 4 dargestellt, in der jedoch vor
der Schleifwalze i noch zwei angetriebene Führungswalzen 27 und 28 vorgesehen sind,
durch welche eine wesentliche Erleichterung beim Zurückziehen des Leders während
des Bürstens erzielt wird. Beim Schleifen wird die obere Führungswalze 27 durch
das von -dem Fußhebel 29 gesteuerte Gestänge 3o abgehoben, um die Sicht auf das
Werkstück nicht zu behindern; im übrigen dreht sich die Walze auch in der zur Schleifscheibe
entgegengesetzten Richtung. Gleichzeitig mit dem Anheben dieser Walze wird die bereits
in der Beschreibung der Fig. 3 erwähnte Andruckrolle 24 angehoben, um das Leder
gegen die Schleifscheibe i zu drücken. Beim Zurückziehen des geschliffenen Leders
bewegen sich die Walzen unter Vermittlung des Gestänges 26, 30 in umgekehrter
Richtung, so daß 'das Leder durch die Andruckrolle 25 gegen die Bürstwalze 20 gedrückt
und- dadurch das Zurückziehen .des Leders durch die Führungswalzen 27, 28 maschinell
unterstützt wird. Die Walzen 25 und 27 nehmen dabei ihre punktiert gezeichneten-Lagen
ein.
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Bei der in Fig. 5 dargestellten Ausführungsform befindet sich hinter
der Schleifscheibe eine Luftdüse 35, die mit einer Druckleitung in Verbindung steht.
Der auf dem Leder L haftende Feinstaub wird durch einen kräftigen Luftstrahl gelockert
und heruntergeblasen, wodurch er in den Saugstrom des Unterdruckrohres 36 gelangt
und zusammen mit dem von der Schleifscheibe i erzeugten Flugstaub abgesaugt wird.
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Anstatt die Entstaubungsvorrichtungen hinter der Schleifwalze anzuordnen,
können sie auch vor dieser gelagert werden. Eine derartige Ausführung der Maschine
ist in Fig. 6 schematisch dargestellt. Hier liegt die Bürstwalze 20 vom Bedienungsstand
aus gesehen vor der Schleifscheibe i. Damit sie beim Schleifen .die Sicht nicht
stört, ist sie in einem Schwenkhebel 4o gelagert, durch den sie, wie die Führungsrolle
27 in Fig. 4, über das Gestänge 30 auf und ab bewegt werden kann, und zwar wiederum
im Arbeitstakt mit der durch das Gestänge 26 bewegten Andruckrolle 25.
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Die in .den Zeichnungen dargestellten Ausführungsbeispiele erschöpfen
den Erfindungsgedanken keineswegs. So kann zum Beispiel an .Stelle der Druckdüse
35 in Fig. 5 eine Saugdüse verwendet werden, die ein schärferes Absaugen des auf
dem Leder haftenden Staubes herbeiführt, als es die
große Öffnung-
des Staubsammlerrohres ermöglicht. Auch ist die Art des Ausschwenkens der verschiedenen
Walzen nicht an die dargestellten Beispiele gebunden, sondern kann in irgendeiner
anderen beliebigen Weise erfolgen.