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Verfahren und Einrichtung zum gleichzeitigen Schleifen beider Flächen
eines ununterbrochen in waagerechter Ebene fortbewegten Glasbandes Die 1?rfindung
bezieht sich auf das gleichzeitige Schleifen beider Seiten van Flachglas und insbesondere
auf das fortlaufende Schleifen eines Glasbandes, das in waagerechter Lage zwischen
Paaren von übereinstimmend angeordneten, um senkrechte Achsen sich drehenden Schleifscheiben
fortbewegt wird, wobei das Band an den Schleifstellen von den unteren Scheiben getragen
wird.
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13ei derartigen Einrichtungen weist jede Schleifscheibe gewöhnlich
eine ringförmige Schleiffläche auf, welche eine mittlere Öffnung der Scheibe umgibt
und ihrerseits von einem durchgehenden Zargenkranz umgeben ist. Der Durchmesser
der genannten Öffnung beträgt gewöhnlich etwa die Hälfte des Außendurchmessers der
Schleifscheibe an der Zarge. Die Schleiffläche wird von den Arbeitsflächen einer
Anzahl von zentrischen Ringen aus -rechteckigen Eisen gebildet, die wie Inseln voneinander
und von der in der gleichen Ebene liegenden durchgehenden Zarge durch etwa konzentrische
Kanäle getrennt sind, die von geraden Kanälen durchschnitten werden, die sich von
der mittleren Öffnung nach außen zur Zarge hin erstrecken. Vorr dem Punkt aus, an
dem die geraden Kanäle von der mittleren öffnung ausgehen, sind die Kanäle zum Radius
der Schleifscheibe geneigt.
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Die gewöhnlich aus einer Mischung von Sand und Wasser bestehende Schleifflüssigkeit
wird unter hvdrostatischem Druck der mittleren Öffnung jeder Schleifscheibe zugeführt
und fließt von dieser aus bei sich drehender Scheibe durch die Kanäle und
über
die :Arbeitsflächen der.Eisen und gelangt so zu dem Glas, wo sie eine Schicht zwischen
der Glasfläche und den Arbeitsflächen der Schleifeisen bildet und schließlich zwischen
;den Kanten des Glasbandes und der Zarge der `Schleifscheibe nach außen gelangt.
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Bei jeder unteren Schleifscheibe wird die Schleif-' tlüssigkeit aufwärts
durch die betreffende Werkzeugwelle in den Hohlraum eingeführt, der in dem üblichen
Werkzeugkopf und der Schleifscheibe gebildet ist. Der hydrostatische Druck auf das
Schleifmittel muß dabei derart sein, daß der Hohlraum und die Kanäle gefüllt bleiben,
während die Flüssigkeit sich beim 1?mlauf der Scheibe zur Zarge hin verteilt, so
daß zwischen den Arbeitsflächpri der :Eisen und der l'nterseite des Glases gegen
den Druck, der von vier zugehörigen oberen Scheibe auf das Glasausgeübt wird, der
nötige Film von Schleifflüssigkeit unterhalten wird.
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Der hydrostatische Druck muß jedoch in solchen Grenzen gehalten werden,
daß in. dem mittleren l-lohlraum kein übermäßiger Druck entsteht, der zum Anheben
des Glases führen körrnte-uiid'dädUrtli verhindern würde, daß der Druck zwischen
dein Glas und der Schleiffläche die zum Schleifen notwendige Stärke besitzt. Als
Folge des beschränkten hydrostatischen Druckes ist auch die Geschwindigkeit, mit
der die Schleifflüssigkeit in der Werkzeugwelle nach oben fließt, beschränkt: Der
auf die Schleifflüssigkeit am unteren Ende der Welle wirkende hydrostatische Druck
wird so eingestellt, daß sich in der Welle und durch die \,'erteilungskanäle ein
normales Fließen und in dem mittleren Hohlraten ein angemessen begrenzter Druck
ergibt. Auf diese Weise werden unter normalen Arbeitsbedingungen der mittlere Hohlraum
und die Kanäle mit Schleifflüssigkeit gefüllt gehalten.
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Das Glasband kann durch ein anschließend an eine Glasschmelzwanne
vorgesehenes Walzwerk in einer mit Bezug auf die Schleifeinrichtung vorher festgelegten
Lage gebildet werden, ist jedochvon veränderlicher Breite, die von verschiedenen
Faktoren abhängig ist, wie z. B. von der Höhe und Temperatur des Glases in dem Wannenofen,
die nicht genau konstant gehalten werden können. Das Glasband hält seine vorbestimmte
Lage über eine gewisse Entfernung in deri Kühlofen hinein bei. Hier kann es jedoch
durch kleine Unterschiede in den Kühlgeschwind@igkeiten ari beiden Seiten sich seitwärts
ausbiegen. Äußerst kleine seitliche Ausbiegungen an einer Stelle des Kühlofens,
die sich beispielsweise auf der halben oder zwei Drittel Länge des Ofens befindet,
genügt, um die Lage des Bandes in. der Schleif- und Poliereinrichtung, also an einer
um ioo m oder mehr entfernten Stelle, um mehrere Zentimeter zu verschieben und das
Band so in eine unrichtige Lage zu den Werkzeugen zu bringen.
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Bei den Schleifscheiben bekannter Ausführung wird der Widerstand gegen
das Fließen des Schleifmittels nach außen fast ausschließlich von der Zarge der
Schleifscheibe ausgeübt. Um die gewünschte Massenbewegung des Schleifmittels zu
erhalten, ist die Anordnung so getroffen, daß ein Glasband:Mrmaler Breite den üblichen
durchgehenden Randkanal, der die äußeren Schleifeisen von den Scheibenzargen trennt,
nicht ganz abdeckt und dadurch ein Ausgleich zwischen dem Abfluß und dein Zufluß
der Schleifflüssigkeit bewirkt wird. Vergrößert sich jedoch der freigelegte Teil
des Randkanals dadurch, daß die Bandbreite kleiner ist oder das Band sich seitlich
verschoben hat, so verringert sich der Widerstand gegen die Schleifmittelbewegung
an der Zarge und führt zu einem übermäßigen Abfluß von Flüssigkeit von den Scheiben.
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Dieses führt zu einer anormal hohen Fließgeschwindigkeit der Schleifflüssigkeit
aus der mittleren Öffnung, die gegebenenfalls höhor wird als die Fließgeschwindigkeit
der Flüssigkeit durch die Werkzeugwelle zu dem mittleren Hohlraum. Infolgedessen
tritt ein teilweises Entleeren des mittleren Hohlraumes und die plötzliche Bildung
eines Wirbels ein; wodurch sich ein Fallen des Luftdruckes in dem Hohlraum entsprechend
dem Absinken des Wasserspiegels in der Mitte ergibt.
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Als Folge des Fallens des Luftdruckes bzw. Unterdruckes in dem mittleren
Hohlraum wird das Glas nach unten gesaugt und leicht durchgebogen, so daß der Druck
zwischen dein Glas und den Kanten der Schleiffläche am Umfang der mittleren Öffnun@g
anormal steigt. Die eiserne Schleiffläche kommt dann an diesen Kanten ohne zwischenliegendenSchleifflügsigkeitsfilm
mit dem Glas in Berührung, so daß die Schleifeisen unmittelbar scharf auf das Glas
einwirken und es zerkratzen oder ein starkes Erhitzen bewirken, wodurch sich Brüche
und/ oder Verringerungen der Glasgüte durch sog. Eisenstreifen ergeben und auch
ein übermäßiger Verschleiß der inneren Schleifeisen hervorgerufen wird, der schließlich
zu einer Konizität in der Schleiffläche führt, die ein Auswechseln der Schleifscheibe
erforderlich macht.
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Um bei eintretendem übermäßigem Abfluß von Schleifflüssigkeit von
den Schleifscheiben den Ausgleich zwischen dem Abfluß und dem Zufluß wieder herzustellen,
ist es wegen der großen Flächenabmessung der Schleifscheiben gänzlich unmöglich,
den hydrostatischen Druck auf die Schleifflüssigkeit für irgendeine bestimmte untere
Schleifscheibe zu 'ändern, weil jede Erhöhung des Flüssigkeitsdruckes unter dem
Glas, der auf eine so große Fläche wirkt, das Glasband von der betreffenden Schleifscheibe
und seiner Schleiffläche abheben würde, wodurch der Druck auf die obere Schleifscheibe
erhöht und der Druck auf die untere Schleifscheibe verringert würde und sich dadurch
zwischen der letzteren und dem Glas eine Lage Schleifflüssigkeit von solcher Dicke
bilden könnte, daß ein wirksames Schleifen unmöglich würde.
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Die' Erfindung hat den Zweck, das Eintreten einer Saugwirkung auf
das Glasband im Falle der Entstehung eines Wirbels und einem damit verbundenen Luftunterdruck
in dem mittleren Hohlraum lies unteren Schleifwerkzeuges zu vermeiden.
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Zu diesem Zweck wird der mittlere Hohlraute jedes die Unterseite des
Glasbandes bearbeitenden
\\Werkzeuges st:iiidig derart belüftet,
(laß jeder durch einen Wirbel hervorgerutene 1_uftunterdruck sofort aufgehoben und
eire Saugwirkung auf das Glas uniniiglich gemacht wird.
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1?rtin(lungsgeni:iß erhält jedes untere Schleifwerkzeug eine lieliifttitlgsleitttng,
die von einem in der Nähe der Werkzeugachse im olleren Teil des mittleren 1-Iohlratinies
liegenden Punkt aus durch eine \-\'aiici des Ilohlraunnes zu einem von der Werkzeugachse
entfernt liegenden funkt ins Freie führt. Dabei wi r(i die (Öff nung ani olleren
Ende der Ileliiftuiigsleitung zweckmäßig kleiner gehalten als der L.eitttngscltterschilitt.
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In der Zeichnung ist der Erfindungsgegenstand an einem Ausführtingsheispiel
erläutert, und zwar -neigt die Zeichnung die Belüftungsanordnung bei einem zum Bearbeiten
der Unterseite des Glasbandes dienenden Schleifwerkzeug mit einer Schleifscheibe.
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Iiei diesem Werkzeug ist die Schleiffläche der Schleifscheibe voll
einer Anzahl längerer und kürzerer Schleifcisell 12 und 13 gebildet,
die in der Drehrichtung der Scheibe nach außen und vorwärts fortlaufend gebogen
und von einem schmalen Zargenkranz 14 umgeben sind, wobei die Schleifeisen durch
Verteilungskanäle 15 für die Schleifflüssigkeit voneinander getrennt sind, die mit
ihren äußeren Enden in nebeneinander längs der Zarge liegende kurze IZan(lkan:ile
16 münden, die die kürzeren Schleifeisen 13 von der Zarge trennen.
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Die mit der mittleren Öffnung 17 versehene Schleifscheibe ist mittels
eines hohlen Gußringes 21 auf dem Flansch iy des Werkzeuges 20 montiert. Innerhalb
des Gul.lringes )bildet das Werkzeug mit der Schleifscheibe einen mittleren Hohlraum
17Q, denn die Schleifflüssigkeit von unten durch die Werkzeugwelle zugeführt wird.
Die mittlere Öffnung 17 der Schleifscheibe bildet die Mündung des Hohlraumes 17°.
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Um zu vermeiden, dali sich in <lein Hohlraum unter den bereits
geschilderten Umständen oder bei einem Bruch des Glasbandes ein Wirbel bildet, ist
der \'Verkzeugflansch i< durchbohrt und mit Gewinden 23 zur Aufnahme von kurzen
Rohrelf 24 und 25 versehen, von denen (las letztere außerhalb des Schutzmantels
26 des Werkzeuges mit der Außenluft in Verbindung steht. Das Rohr 24 ist durch ein
leicht aufwärts geneigtes Röhr 27 mit einem Knie 28 verbunden, an welches (las Rohrendstück
29 angeschlossen ist. Das Knie 28 kann in einer auf (lein Werkzeugflansch i9 sitzenden
Stütze 30 gehalten sein.
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Das lZohrendstück 29 ist nahe der Scheibenmitte angeordnet, wo es
von der bei der Drehung des Werkzeuges auftretendenZentrifugalkraft praktisch unbeeinflußt
bleibt. Die Mündung 31 des Rohrendstückes 29 befindet sich zweckmäßig nahe der Oberfläche
der Schleifscheibe, weil sich dort derLuftraum des etwa auftretenden Wirbels zu
bilden beginnt. Mit Rücksicht auf diese Lage des l#ohrendstiickes 29 besteht dieses
vorzugsweise aus einem biegsamen Rohr, beispielsweise aus einem Gummischlauch, so
daß, weim es bei eintretendem Verschleiß der Schleifscheibe mit dem Glas in Berührung
kommt, dieses nicht beschädigt wird.
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Wie aus der Zeichnung ersichtlich ist, verläuft die aus den Teilen
23 bis 29 bestehende Belüftungsleitung vom oberen Ende 29 aus bis zu dem durch den
Flansch i9 gehenden unteren Endteil so, daß die Leitung an keiner Stelle nach oben
oder nach innen geht, d. h. sie verläuft stetig abwärts und auswärts.
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Zufolge dieser Anordnung und Ausbildung der Belüftungsleitung kann
diese nicht durch Sand verstopft werden, und es bleibt immer ein freier Durchgang
durch sie. Um in dieser Beziehung noch eine größere Sicherheit zu erhalten, wird
die obere Öffnung 31 kleiner als der übrige Querschnitt der Leitung gemacht. Infolgedessen
bleibt in der Leitung stets ein freier Durchgang für die Luft zum mittleren Hohlraum,
zumal die auftretende Zentrifugalkraft stets das Bestreben hat, die Belüftungsleitung
zu entleeren.
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Nach einer Ausführungsform kann die Öffnung 3 i des Rohrendstückes
29 durch eine gelochte Platte abgedeckt werden, deren Loch gleichachsig mit dem
Rohrendstück liegt. Dabei wird das Loch der Abdeckplatte wesentlich kleiner gehalten
als die Querschnittsfläche der Leitung. Versuche haben gezeigt, daß ein Loch von
etwa einem Viertel der Querschnittsfläche der Leitung die Aufrechterhaltung eines
Luftdurchgangs durch die Leitung zum Hohlraum 17 völlig gewährleistet. Dabei kann
die Belüftungsleitung auf ihrer ganzen Länge im Verhältnis zur Größe des Einlasses
am oberen Ende soweit gehalten werden, daß sie nie volläuft, so daß, während Sand
und Wasser durelh die Leitung nach außen fließen, bei Entstehung eines Wirbels im
mittleren Hdhlraum immer Luft durch die Leitung in der entgegengesetzten Richtung
in den Hohlraum gelangen kann.
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Die Erfindung läßt sich auf alle Arten von Schleifplatten anwenden,
auf solche, die aus konzentrischen Ringen inselförmiger Schleifenmarken bestehen,
und auf irgendeine Ausführung von Schleifplatten, bei denen Kanäle das Schleifmittel
von einem mittleren Hohlraum zum Rand der Scheibe führen.