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Widerstandsfeinregler
In der elektrischen Meß- und Regeltechnik ist
es häufig erforderlich, den Widerstand eines Stromkreises um minimale Beträge seines
Nennwertes zu änderll. 1 Handelt es sich beispielsweise um die Kompensierung eines
Stromes am internationalen Normalelement, dessen Spannung auf sechs Stellen definiert
ist, so muß auch der Widerstand des Stromkreises auf sechs Stellen einstellbar sein.
Bei hochohmigen Kreisen vun beispielsweise mehr als 10 000 Ohm bereitet dieses Erfordernis
keine besonderen Schwierigkeiten; man kann sich zur Regelung des Widerstandes der
bekannten Kurbelwiderstandssätze 1 bedienen. deren kleinste Dekade mit Einheiten
von 0,01 Ohm ausführbar ist und einem Millionstel von 10 000 Ohm entsprechen würde.
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Wesentlich anders liegen jedoch die Verhältnisse l)ei niederohmigen
Kreisen. Soll z. B. ein Gesamtwiderstand von nur loo Ohm um I Millionstel seines
Nennwertes verändert erden, so würde dies eine Stufe von nur 10-4 Ohm bedeuten.
Es liegt auf der Hand, daß sich eine derart niederohmige Regelung weder mit den
üblichen Kurbelnoch mit Schiebewiderständen ausführen läßt, zumal allleill der Übergangswiderstand
der Schleiü federn bereits in der Größenordnung von 10-3Ohm liegt.
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Man gelangt zwar zu einer äußerst niederohmigen Regelung auch mittels
Kurbelwiderständen, wenn man diese parallel zu einem festen Widerstand, also in
Nebenschluß legt, in welchem Fall man den Einseiten des Kurbelsatzes Widerstandswerte
solchen Betrages geben kann, daß die Ubergangswiderstände der Kurbelkontakte keine
Rolle mehr spieden. Derartige Nebenselilußwiderstandssätze sind aber verhältnismäßig
kostspielig,
zumal ihre Einheiten, soll sich der resultierende Widerstand
aus ihnen und dem parallel liegenden Zweig mit jeder Kurbelvenstellung linear ändern,
einer hyperbolischen Abstufung bedürfen. Auch wäre fiir jede Dekade eine besondere
Kurbel dieser Art erforderlich.
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Mit dem Widerstandsfeinregler gemäß der Erfindung kann mit einem
weitaus kleineren Aufwand an Kosten und Platzbedarf eine übergangskontaktfreie urud
überdies vollkommen stetige Regelung über mindestens 2 Dekaden = 100 Einheiten bei
großer Empfindlichkeit dadurch erreicht werden, daß man einen Wismutürper, beispielsweise
einen Wismutdraht, einem veränderbaren Magnetfeld aussetzt und seine hierbei auftretende
Widerstandsänderung, sei es unmittelba roder über ßilsstromkreise mittelbar, auf
den zu regelnden Stromkreis einwirken läßt. Die Erfindung beruht also auf der bekannten
Tatsache, daß sich der Ohmsche Widerstand reinen Wismuts im magnetischen Feld um
etwa 5% je 1000 Gauß ändert. Handelt es sich z. B. tlarum, den Wilderstand eines
Stromkreises von 100 Ohm um 1 bis 100 Millionstel seines Nennwertes, d. h. um 1
bis 100 Zehntausendstel Ohm, beliebig zu verändern, so braucht man nur in den Stromkreis
einen Wismutdraht von 0,2 Ohm zu legen, der sich in einem magnertischen Feld von
beispielsweise 5000 Gauß befindet, und die Feldstärke um 1000 Gauß zu verringern,
in welchem Fall der Widerstand des Wismutdrahtes um 5%, d. h. um 0,01 Ohm, abnimmt,
was 100 Millionsteln des Gesamtwiderstandes von 100 Ohm entspricht.
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Bei je 10 Gauß Felidänderung erheilt man also eine Widerstandsänderung
von 10-6 des gesamten Stromkreises.
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Da Wismut, wie alle reinen Metalle, einen sehr hohen Widerstandstemperaturkoeffizienten
besitzt, ist es ratsam, den Widerstandsanteil der Wismutstrecke nicht größer als
unbedingt nötig zu halten, wei dadurch einaml der Temperatureinfluß entsprechend
klein wird und zum anderen die Möglichkeit besteht, einen Regler so kleiner Bauart
zu schaffen, daß er für den selbsttätigen Antrieb durch ein Drehspulsystem geeignet
ist. Selbst lei einer Strombelastung von o, l Ampere ist beispielsweise für einen
Widerstand von 0,2 Ohm nur eine Draht von etwa 14 cm Länge bei einem Durchmesser
von 1.5 mm erforderlich, der sich spulenförmig auf kleinsten Raum wickeln und nach
Art einer Drehspule zwischen den Pol, schuhen eines Magneten bewegen läßt. Bemißt
man die Änderung der Feldstärke auf 2000 Gauß, so kommt man sogar mit der halben
Drahtlänge von etwa 7.5 cm aus.
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Die Möglichkeiten, die Einwirkung des magnetischen Feldes auf den
Wismutkörper zu veränern sowise die Anwendungen diese Prinzips sind derart mannigfach,
daß sie nicht erschöpfend beschrielen werden können. So kann man beispielsweise
den Wismutkörper in unveränderlicher Lage halten und den Magneten verstellen. Man
kann aber auch beide in unveränderlicher Lage belassen und den Magneten entweder
mit einem magnetischen Nebenschluß versehen oder desen Feld elektromagnetisch erzeugen
und steuern. Oftmals wird es jedoch ratsam-sein, den Wismutkörper gegenüber einem
feststehenden Feld zu bewegen, insbesondere wenn es, wie in vielen Fällen automatischer
Regelung, auf kleinste Regelleistung ankommt.
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Von besonderer Bedeutung ist die Erfindung für die Herstellung und
den Gebrauch sog. Normalwiderstände. Solche Widerstände bestehen bekanntlich aus
Manganindrähten oder -blechen, deren Abgleich auf den Sollwert durch Änderung ihrer
Dimensionen bewirkt wird. Es hat sich gezeigt, daß es mit dieser Methode praktisch
unmöglich ist, an den Sollwert bis zu einer Genauigkeit von 10-6 heranzukommen und
daß selbst eine Justierung auf nur 10-5 des Nennbetrages eine überaus schwierige
und lagwierige Arbeit erfordert. Die Beglaubigung solcher Winderstandsnormale seitens
der hierfür zuständigen Prüfämter liefert daher regelmäßig krumme 6stellige Zahlenwerte,
mit denen man beim Gebrauch solcher Normale ständig zu rechnen genötigt ist. Selbst
wenn es aber gelänge, einen solchen Widerstand bis auf I0 seines Sollwertes abzugleichen,
so erleidet er doch erfahrungsgemäß durch Alterungserschéinungen, mechanische, atmosphärische
oder thermische Einflüsse im Laufe der Zeit Veränderungen seines Wertes, deren Beseitigung
namentlich dann besondere Schwierigkeiten bereitet, wenn sie sich in einer Vergrößerung
des Widerstandes ausgewirkt halten. Führt man hingegen gemäß der Erfindung eine
kleien Teilstrecke, z. B. eine Tausendstel des Nennwertes, solcher Widerstände aus
Wismut aus, die man im Felde eines kräftigen Dauermagneten anordnet, so kann man
durch Veränderung eines magnetischen Nebenschlusses, beispielsweise mittels einer
feingängigen und durch einen außerhalb des Gehäuses befindlichen Rändelknopf antreibbaren
Spindel, in einfacher Weise eine Justierung selbst auf Bruchteile eines Millionstels
vornehmen, indem man den Widerstand, der hierbei sogar in Petroleum etngetaucht
bleiben kann, unter Strom im Kreise des Galvanometers beläßt und während des Abgleiches
lediglich die Spindel bzw. den magnetischen Nebenschluß so lange verstellt, bis
der Galvanometerausschlag verschwindet. In gleich bequemer Weise kann Inan jederzeit
verfahren. wenn sich nach einiger Zeit der Widerstand verändert haben sollte, so
daß er ohne mechanischen Eingriff immer und mit beliebbiger Genauigkeit auf den
gewünschten Wert justiert werden kann.
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In der Zeichnung sind nur einige wenige Ausführungsbeispiele der
Erfindung in schematischer Weise dargestellt.
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In Fig. 1 sind mit N und S die Pole eines kräftigen Dauermageneten
bzeichnet. Die Polflächen sind in bzug auf die Magnetachse nicht symmetrisch. Zwischen
ihnen befindet siche eine beispielsweise rahmenfürmig gewickelte Spule Sp aus Wismutdraht
mit einer drehbar gelagerten Achse A. Zweckmäßigerweise ist zur Verringerung des
Luft spaltes L innerhalb der Spule Sp ein Eisenkern K vorgesehen. Wird nun die Spule
Sp mittels der Achse A im Sinne des eingezeichneten Pfeiles
um etwa
()O @ gedreht, so wird <1er Luftspalt infolge der unsymmetrischen Ausbildung
der Polflächen zunehmend und stetig vergrößert, wodurch das auf die Spule wirkende
Magnetfeld nach Maßgabe des Drehwinkels verringert und der Ohmsche Widerstand der
Spule um etwa 5°/o je 1000 Gauß Feldänderung vermindert wird. Die Zuleitungen der
Spule können in der bei elektrischen Meßinstrumenten übliche Art als Spiralfedern
ausgebildet sein, wobei es jedoch im allgemeinen unerwünscht sein wird. daß si&,
<tem System eine Richtkraft erlciheii. Um unerwünschte Richtkräfte zu kompensieren,
kann die Lagerreibung der Achse A entsprechend groß sein. Fine Zuleitung durch Schleifringe
wird sich im allgemeinen nicht empfehlen, da sie mit Übergangswiderstüden verbunden
ist, derell Größenordnung mit dem Zweck der Erfindung nicht in Einklang steht.
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Bei dem in Fig. 2 dargestellten Ausführungsbeispiel sind die beiden
festgelagerten Magnetpole N, S in Draufsicht gezeichnet. Ihre Polflächen verlaufen
parallel zueinander. In dem zwischen ihnen befindlichen engen Luftspalt ist in unter
äderbarer Lage ein ianggestreckter oder hügelförmig zusammengebogener oder auch
spulenförmig gewickelter Wismutdraht Sp angeordnet.
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Auf einem feststehenden Block R ist eine feingängige Spindel F drehbar
gelagert, deren eines Ende mit einem Kändelknopf R versehen ist, während das andere
Ende mit einem schlittenförmig geführten Eisenkern F derart gekuppelt ist, daß die
Spindel bei ihrer Drehung den Kern senkrecht zur Magnetachse auf den Magnetflächen
verschiebt, ohne ihn an der Drehung teilnehmen zu lassen.
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Je nach Stellung des Kernes F in bezug auf die Magnetpole N, S wird
also zu diesen ein das Feld im Luftspal verändernder $magnetischer Nebenschluß mit
<1er Wirkung gelegt, daß sich der Ohmsche Widerstand der in dem Luftspalt befind~
lichen Wismutstrecke Sp entsprecllend verändert.
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Es liegt auf der hand, daß sich auf diese Weise eine äußerst feinstufige
Justierung dieses Wisderstandes erzielen läßt, wenn man die Ganghöhe der Spindel
klein genug bemißt. Haben die Magnetpole N, S beispielsweise eine Breite von 20
mm und wählt man für die Spindel eine Ganghöhe von 0,5 mm, so sind 40 Umdrehungen
der Spindel erforderlich, um das Feld von seinem Höchstwert auf die geringste Stärke
zu bringen. Selbst bei euter nur groben. beispielsweise logrädigen Teilung einer
Skala würder sich also 36 X 40 = 1440 Skalenstriche für Will gesamten Regelbereich
ergeben.
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Eine weit weniger empfindliche, jeldoch in vielen Fällen ausreichende
Regelung erhält man, wenn man auf den in Fig. 2 dargestellten magetischen Nebenschluß
verzichtet und statt dessen durch einen Spindelantrieb oder in sonstiger Weise den
Abstand der Magnetpole N. S. bzw. den Luftspalt zwischen ihnen und damit das auf
die Wismutstrecks Sp einwirkende Magnetféld verändert.
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Sowohl die iii Fig. i als auch tlie in Fig. 2 dargestellte Ausfübrungsform
der Erfindung sind dazu gceignet, feinstufige Widerstandskurbeln zu ersetzen und
beispielsweise die letzten Dekaden eines Kurbelwiderstandes, einer Meßbrücke, eines
Kompensators oder einer ähnlichen Meßeinrichtung zu bilden, wobei bei dem Ausführungsbeispiel
nach Fig. I die Achse A mit einer dem Rändelknopf R in Fig. 2 entsprechenden Handhabe
versehen sein und eine ihre jeweilige Winkellage hinreichend sichernde Reibung.
gegebenenfalls eine Rastenvorrichtung, aufweisen kann.
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Während das in Fig. 2 dargestellte Ausführungslieis1>iel der Erfindung
liesonders zur Justierung von Normal widerständen geeignet ist, wobei zweckmäßigerweise
die Anordnung innerhalb des Gehauses untergebracht wird und nur der in seiner Stellung,
z. B. mittefs Federrasten, plombierbare Rändelknopf sich außerhalb des Gehäuses
befindet, ist die Ausführungsform nach Fig. 1 zur automatisehen Regelung des Widerstandes
von Stromkreisen besonders verwenbar. Kuppellt man beispielsweise die Achse A der
Wismutspule Sp mit einem richtkraftfreien Antrieb, wie etwa mit einem Drehspulsystem,
dessen Erregung nach Maßgabe der im Stromkreis auftretenden Wi.derstandsänderugen
erfolgt, so wird diese Änderung bei Drehung der Spule Sp im inhomogenen Feld N,
S selbsttätig kompensiert, wodurch das System wieder in Ruhe kommt, bis es infolge
einer weiteren Widerstandsänderung im Kreise neuerdings einen lmpuls nach der einen
oder anderen Richtung erhält. Einen nach diesem Prinzip arbeitenden Regler von besonders
gedrungener Bauart zeigt Fig. 3, gemäß welcher ein Magnetsystem zur Anwendung gelangt,
bei dem die beiden Polschuhe N, S des Magneten ringförmig ineinanderliegend ausgebildet
sind. Die beiden Magnetringe sind jedoch nur auf der einen (linken) Hälft ihres
Umfanges konzentrische. so daß sie einen Luftspalt L1 konstanter Länge zwischen
sich belassen, während die einander zugekehrten Flächen der anderen Ringhälften
so geformt sind, daß sich. der zwischen ihnen befindliche Luftspalt L2 stetig verändert.
Der innere Magnetring S wird von zwei Spulen D und Sp umschlossen, deren Ebenen
etwa um I800 gegeneinander versetzt sind und welche starr mit der gemeinsamen Drehachse
A gekuppelt sind. Die Spule D entspricht der Drehspule eines üblichen Drehspulinstrumentes,
dessen in der Zeichnung nicht dargestellte Stromzuführungsbänder ihr jedoch keine
Richtkraft verleihen, so daß das System seine von ihm einmal eingenommene Lage nicht
ohne äußeren Impuls verändert. Die Spule Sp hingegen besteht gemäß der Erfindung
aus Wismutdraht und entspricht in ihrer Wirkung den gleichbezeichneten Spulen der
Fig. 1 und 2. Erhält nun die Spule D durch einen Regelimpuos einen Stromfluß, so
wird sie unter Mitnahme der mit ihr gekuppelten Wismutspule Sp bei einem bestimmten
Wicklungssinn der Spule D und bei einer bestimmten Richtung des Stromflusses z.
B. in Richtung des eingezeichneten Pfeiles eine Drehbewegung ausführen. durch welche
die Spule Sp einem sich stetig verändernden. gemäß dem Ausführungs-1 ei spiel der
Zeichnung sich abschwächenden
Magnetfeld infolge der zunehmenden
Vergrößerung des Luftspaltes L2 ausgesetzt wird und damit eine Widerstandsabnahme
erfährt, durch der der Antriebsspule D erteilte Impuls verschwindet und das System
zur Ruhe kommt, bis es durch einen neuerlichen Impuls nach der einen oder anderen
Richtung abermals die veränderte Gleichgewichtslage einzunehmen bestrebt ist.
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Um zu vermeiden, daß das Dreh system kraft seiner Trägheit über die
Gleichgewichtslage hinausschwingt und sodann um diese hin und her pendelt, kann
es mit irgendeiner in der Meßinstrumententechnik gebräuchlichen oder auch mit einer
sonstigen Dämpfung versehen sein. In vielen Fällen kann die stromdurchflossene Spule
Sp bei richtiger Polung des Stromflusses selbst die Dämpfung bewirken. Desgleichen
ist es zweckmäßig, das System beiderseits mit Anschlägen zu versehen, um zu vermeiden,
daß die Spulen in die neutrale Zone der Magnetpole (Fig. I) gelangen, wodurch das
System indifferent werden würde, oder daß sie, diese Zone überschreitend, nach Art
eines Motorankers in fortlaufende Drehung geraten (Fig. 3).
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Obwohl der Wismutkörper vorstehend stets als Spule bezeichnet ist,
kann er hinsichtlich seiner Form den jeweiligen Verhältnissen weitläufig angepaßt
sein und beispielsweise auch aus einem Stück Draht, einem vollen oder ringförmigen,
gegebenenfalls zylinderförmigen Blech bestehen, wie dies namentlich dann zweckmäßig
sein kann, wenn er einen nur sehr kleinen Widerstand aufweisen soll.
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Häufig wird die Gestalt der Wismutstrecke auch weitgehend durch die
Forderung bedingt sein, die an sich sehr hohe Thermokraft des Wismuts möglichst
zu unterdrücken. In solchen Fällen wird man sie auf kleinsten Raum zu verteilen
trachten und auch ihre Anschlüsse an entsprechende Punkte legen.
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Will man bei Verwendung einer spulenförmigen oder rahmenartigen Wicklung
das in ihr infolge des Stromflusses auftretende Drehmoment im magnetischen Feld
vermeiden, so wird man die Spule hz. den Rahmen bifilar wickeln. Es ist aber sogar
denkbar, dieses Drehmoment selbst als mechanische Antriebsgräße für den Regelvorgang
zu verwenden. Naiidtelt es sich beispielsweise darum, eine in einer Kompensationsschaltung
auftretende Spannungsdifferenz selbsttätig zu kompensieren, so braucht man gemäß
Fig. 4 nur ein richtkraftloses, z. B. spitzengelagertes Galvanometer G zu verwenden,
dessen Spule Sp gemäß der Erfindung entweder ganz oder wenigstens teilweise aus
Wismut besteht und im inhomogenen Feld eines Dauermagneten N, S gelagert ist. Die
beispielsweise von dem Thermoelement Th erzeugte Spannung wirkt auf den Widerstand
W. Dieser Spannung entgegengeschaltet ist die Spannungsquelle E, die mit dem Galvanometer
G gemäß der Erfindung in Reihe liegt. Solange die Spannung des Thermoelementes glcich
der entgegenwirkenden Spannung von E ist, befindet sich das Galvanometer in Ruhe.
Sobald sich jedoch beispielsweise die Spannung von Tlc ändert, entsteht im Kreise
der Spannungsquelle E ein Stromfluß, kraft dessen die richtkraftlose Wismutspule
des Galvanometers G in Drehung versetzt wird, wodurch sich lder Widerstand des Kreises
selbsttätig ändert, bis der Gleichgewichtszustand wiederhergestellt ist und die
richtkraftlose Spule im inhomogenen Feld zur Ruhe kommt. Will man die Spannung des
Thermoelementes Th auf diese Weise auch messen, so braucht man das Galvanometer
in bekannter Weise nur mit einem Zeiger oder mit einem Spiegel zu versehen und die
jeweilige Winkelstellung auf einer Skala abzulesen.
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Infolge der Inhomogenität des Feldes wird die Skala allerdings der
Thermospannung im allgemeinen nicht proportional sein, doch ist es denkbar, durch
zusätzliche und in der Meßinstrumententechnik bekannte Mittel diesem Mangel an Linearität
weitgehend abzuhelfen. In vielen Fällen kann aber die Unproportionalität des Aus,
schlages bzw. eine mehr oder weniger weitgehende und gegebenenfalls sogar noch künstlich
gesteigerte Unterdrückung des Nullpunktes erwünscht sein, wie denn überhaupt durch
Formgebung des Luftspaltes, des einen magnetischen Xchenschluß bewirkenden Eisenschlittens,
des Wismutkörpers selbst u. dgl. Mittel die Charakteristik der erzielten Widerstandsänderung
oder einer zu dieser in Beziehung stehenden Größe dem jeweiligen Verwendungszweck
der Erfindung beliebig angepaßt werden kann. Soll z. B. zur Erzielung einer noch
feinstufigeren Regelung oder aus sonstigen Gründen die Wismutstrecke im Nebenschluß
zu einem festen Wider, stand liegen und soll der resultierende Widerstand eine lineare
Funktion der der Wismutstrecke erteilen Bewegungsgrüße, z. R. ihres Dreh winkels,
sein, so muß sich ihr Widerstand und somit auch die Feldstärke hyperbolisch verändern.
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Für manche Zecke kann es auch von Vorteil sein, die Veränderung des
Feldes in bezug auf die Magnetachse symmetrisch zu verteilen, wie es beispielsweise
Fig. 5 für den Fall einer drehbar gelagerten Wismutspule Sp-cranschaulicht. Hier
liegt der kleinste Luftspalt bzw. die größte Feld stärke in der Feldachse, zu deren
leiden Seiten sich der Luftspalt symmetrisch vergrößert. In anderen Fällen kann
gerade die umgekehrte Feldverteilung erforderlich oder von Nutzen sein, bei welcher
das Minimum der Feldstärke in der Magnetachse, das Maximum hingegen zu deren beiden
Seiten auftritt. Derartige symmetrisch verteilte Feldänderungen können namentlich
in selbst tätigen und durch Umkehrrelais gesteuerten Regelanlagen Anwendung finden.
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Wenngleich es durch die Schaffung hochwertiger Magnetstähle möglich
geworden ist, Dauermagneten großer Feldstärke zu erzeugen und demgemäß die Feidveränderung,
welcher der Wismutkörper gemäß der Erfindung unterworfen wird. sich über mehrere
tausend Gauß erstrecken kann, so daß die Widerstandslnderung einen Betrag von beispielsweise
200/0 ZU erreichen vermag, ist es doch in einigen Fällen zweckmäßig, sie durch veränderbare
Fremlderregung mittels eines Elektromagneten zu bewirken, wodurch nicht nur sehr
starke Felder und Feldveränderungen bequem erzeugt werden können,
sondern
uberdies alle 1 beweglichen Teile vermieden und der gesamte Regelovrgang in den
Bereich clcktromagneti seher Wechselwi rkungen zwischen ruhenden Körpern verwiesen
wird. Auch kann man bei Anwendung tlier Fremderregung in einem System etwa gemäß
Fig. 1 in einfacher Weise den Regelbereich dieser Anordnung in weiten Grenzen und
stetig verändern.
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Ist es erwünscht, eine extrem große Veränderung des Widerstandes
der Wismutstrecke, z. B. dessen Verdoppelung. zu erzielen, um einen sehr weiten
Regelbereich zu erhalten, so kann man diese Strecke in dem sehr engen Luftspalt
eines permanenten oder fremderregten Topfmagneten der bei Lautsprecherll iil>lichen
Art unterbringen, indem man die Wismutstrecke etwa als dünnen Blechzylinder ausblidet.
der mittels entsprechend feingängiger Spindel, gegebenenfalls unter Anwendung eines
Untersetzungsgetriebes und hunter Drehung um seine Achse iii in axialer Richtung
verstellbar ist und somit einerseits mit seiner ganzen Länge in das Magnetfeld eintauchen
oder andererseits aus dessen l-ereich völlig herausgezogen und auf diese Weise Feldänderungen
von mehr als 20 000 Gauß unterworden werden kann. Statt eines geschlossenen Blechzylinders
kann man auch einen Draht, einen Drahtkäfig oder Blechstreifen aus Wismut auf einem
derart gesteuerten zylindrischen Träger aus isolierendem Material befestigen bzw.
in ihn einlassen.
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Allein aus diesen wenigen Ausführungs- und Anwendungsbeispielen ist
ersichtlich, daß die Erfindung einen breiten Raum innerhalb der Regel-und Meßtechnik
auszufüllen vermag und daß es weder nötig hoch möglich ist, alle denkbaren Varianten
und Kombinationen erschöpfend zu beschreilxii. Obwohl sie in erster Linie für die
Feinregelung unter Verwendung kleiner Ströme berufen ist, kann sie doch auch oftmals
fiir Regelvorgänge mit größeren 5 Strombelastungen von Vorteil sein.
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Sie scheint in ihrer Anwendung nach dieser Richtung lediglich durch
den außeror'lentlich hohen Ohmschen Widerstand des Wismuts in Verbindung mit seinem
gleich falls extrem hohen Widerstandstemperaturkoeffizienten begrenzt, welche zur
Veritteidutig unzulässiger Erwärmung bzw. von zusätzellen uitd unerwünschten Veränderungen
cles Widerstandes infolge von Erwärmung bei gegebener Strombelastung ungewöhnlich
hohe Leiterquerschnitte erfordern, was in wirtschaftlicher Hinsicht namentlich dann
ins Gewicht fällt, wenn zur Erzielung der besten Wirkung reinstes, auf elektrolytischem
Wege niedergeschlagenes Wismut verwendet wird. Je feinstufiger aber die Regelung
erfolgen soll und je kleiner insbesondere die zu regelnde Größe als solche ist,
um so mehr treten die Vorteile der I, rfin lunlg in Erscheinung.