-
Verfahren zur Darstellung von mono- und disubstituierten Carbaniinsäureestern
Es ist bekannt, Carbaminsäureester aus Alkoholen oder Phenolen darzustellen, indem
man zuerst die Hydroxylverbindungen durch Phosgen in Gegenwart von Basen in die
Chlorameisensäureester überführt, diese durch Waschen, Destillieren usw. reinigt
(Patentschriften 118 536, 118 537 und 251 8o5) und durch Ammoniak in Carbaminsäureester
NTH2. COOR verwandelt (Patentschriften 12o 863 und 448 69q.; Chemisches Zentralblatt
1921, I, S. 403; 1923, 1I, S. 1125; 1927, I, S.3070). `Weiter ist ein Verfahren
bekannt, um die Chlorameisensäureester von aliphatischen Alkoholen durch Alkylaminlösungen
in die Alkylester der Alkylcarbaminsäuren R # N H - C O O R' üb erzuführen (B eilstein
.4. Aufl., Bd. 4, S. 64). Auch hat man Verbindungen R3 N Cl - C O 0R' aus Trimethyl-
bzw. Triäthylamin und Allryl- oder Arylchlorameisensäureestern erhalten und durch
Erhitzen derselben Chlormethyl bzw. Chloräthyl abgespalten unter Bildung von Estern
der Dialkylcarbaminsäuren (Patentschrift 255 942). Die Dialkylcarbaminsäureester
von Phenolen sind ferner aus den Harnstoffchloriden R2 N C O Cl und Phenolaten dargestellt
worden, ebenso aus den Phenylcarbonaten und Dialkylaminen. Ein Verfahren zur Gewinnung
von p-Butylphenyldimethylcarbaminsäureester durch Einwirkung von Dimethylamin auf
p-Butylphenylchlorameisensäureester ist Gegenstand der Patentschrift 296 889. Unter
den basisch substituierten Arylestern der Carbaminsäure ist das 4-Aminophenylcarbamat
N H2 COOCE H4 N H, nach der Patentschrift 318803 durch Reduktion des Nitrophenylcarbamats
oder beim Erhitzen von 4-Acetaminophenol mit Guajacolurethan erhältlich. Ferner
sind Nitropheny lester der Dialkylcarbaminsäuren, die aus Nitrophenolkalium und
disubstituierten Harnstoffchloriden RR' N C O C1 gewonnen ,-erden können, durch
Reduktion in Verbindungen vom TypusRR'NCOOCEH,NH2 verwandelt worden (Berichte der
Deutschen Chem. Gesellschaft 24 [1891], S.2111; Chemisches Zentralblatt 19o5, II,
S. 321).
-
Bis jetzt hat man noch nicht versucht, die leicht zugänglichen Chlorameisensäureester
der mit tertiären basischen Gruppen substituierten Phenole durch Mono- oder Dialkylamine
in Derivate der entsprechenden Phenylester der Alkylcarbaminsäuren überzuführen.
S t e d m a n (Biochem. Journal 1926, S.719) hat Verbindungen vom Typus R.NC6H4
# O - CO - NHR oder
durch Einwirkung von Methyl-, Äthyl- oder Phenylisocyanatauf die Phenoleerhalten.
Diese Methode kann, abgesehen von ihrerKastspieligkeit, nicht zur Darstellung der
Ester der Dialkylcarbaminsäuren RZ N - C, H, OCONR.-oder R.N # C,H4 #
0 # CONR'R" verwendet
werden. Zwar gelang es S t e d m an,
durch Einwirkung von Phosgen auf m-DimethylaminGphenol und nachherige Behandlung
des Produktes mit Ammoniakgas die Verbindung (CH3)2NC"H,O - CO - NH2 zu erhalten,
aber mit den o- und p-Isomeren hatte er keinen Erfolg. Es war daher nicht vorauszusehen,
daß man aus den leicht zersetzlichen Chlorameisensäureestern der Alkylaminophenole
(Berichte der Deutschen Chem. Gesellschaft 29 [r896], S. 502) durch Mono-bzw.
Dialkylamine zu den Mono- bzw. Dialkylca.rbaminsäureestern gelangen würde, da man
die Bildung von basischen Diphenylcarbonaten erwarten konnte.
-
Aus der durch die Patentschriften i2o 863 und 296 889 bekannten Bildung
von Urethanen aus Chlorameisensäureestern von Alkoholen bzw. Phenolen bei Behandlung
ihrer Lösung in Benzol mit wässerigem Ammoniak oder aliphatischen Aminen konnte
nicht auf einen Erfolg des vorliegenden Verfahrens geschlossen werden. Bei den Verfahren
der eben erwähnten Patentschriften handelt es sich um eine Reaktion zwischen Ammoniak
bzw. Dimethylamin und stabilen, destillierbaren Chlorameisensäureestern der Alkohole
bzw. Phenole. Nach dem vorliegenden Verfahren werden auf basisch substituierte Pheüylurethane,
welche leicht zersetzliche Verbindungen darstellen, mono- und disubstituierte. -
Amine einwirken gelassen. Wie sich diese leicht zersetzlichen Chlorameisensäureester
gegenüber diesen Aminen verhalten würden, war nicht vorauszusehen.
-
Die nach dem vorliegenden Verfahren erhaltenen mono- und disubstituierten
Carbaminsäureester stellen Zwischenprodukte für die Gewinnung wertvoller Verbindungen
dar. Sie können auch als solche infolge ihrer eserinartigen Wirkung pharmazeutische
Verwendung finden.
-
Beispiel i Soo Teile einer etwa io°fgen benzolischen Lösung des Chlorameisensäureesters
des m-Dimethylaminophenols (hergestellt nach den Angaben in den Berichten der Deutschen
Chemischen Gesellschaft29 [i896], S. 5o6), welche vom abgeschiedenen Dimethylaminophenolchlorhydrat
durch Abgießen oder Filtrieren getrennt worden sind, werden allmählich in ioo Teile
einer 33 °/oigen Äthylaminlösung unter ständigem Rühren und Kühlen eingetragen.
Nach Beendigung der Umsetzung rührt man noch etwa eine Stunde, trennt die untere
alkalische Schicht von der benzolischen Lösung ab, wäscht die letztere nacheinander
mit Wasser, verdünnter Natronlauge und wieder mit Wasser, trocknet mit Natriumsulfat
und destilliert das Benzol ab. Der rasch erstarrende Rückstand wird durch Umkristillisieren
aus Alkohol und Benzol gereinigt. Der erhaltene äthylcarbaminsaure m-Dimethylaminophenylester
CZH,NH - COOC"H,N(CH3)2 besitzt die von S t e d m a n (Biochem. Journal [i926],
20, S.724) festgestellten Eigenschaften. Der Schmelzpunkt wurde bei 99 bis ioo°
gefunden. Die Ausbeute beträgt etwa 4o °/o.
-
Beispiel e Verwendet man im Beispiel i statt Äthylamin Dimethylamin
und reinigt das ölige Reaktionsprodukt durch Vakuumdestillation, so erhält man den
dimethylcarbaminsauren m - Dimethylaminophenylester (C H3)2 N - COOC,H#, N(CH3)2,
welcher bei 2o mm einen Siedepunkt von i95° aufweist. Die neue Verbindung ist auch
bei o° flüssig. Das jodmethylat schmilzt bei i67°. Die Ausbeute beträgt etwa 6o
°/o.
-
Beispiel 3 Zu ioo Teilen einer 16 °/oigen benzolischen Phosgenlösung
setzt man unter Rühren und Kühlen Zoo Teile einer 2o °/oigen Lösung von p-Dimethylaminophenol
in Benzol zu. Nachdem die Lösung einige Zeit stehengelassen worden ist, filtriert
man vom abgeschiedenen Chlorhydrat ab, gießt sie allmählich unter guter Kühlung
in ioo Teile 2o o/oiger alkoholischerMethylaminlösung und reinigt dasReaktionsprodukt
wie in Beispiel i angegeben. Man erhältdenvon Stedman (1.c.S.72i)beschriebenen methylcarbaminsauren
p-DimethyTaminophenylester CHBNH# COOC6H4N(CH3)2 vom Schmelzpunkt 13i°. Die Ausbeute
beträgt etwa 45 °/o.
-
Beispiel q.
-
In eine Lösung von 8o Teilen Phosgen in 25o Teilen Anisol läßt man
unter Rühren bei - i o bis o ° C eine Lösung von i 7o Teilen m-Dimethylaminophenol
in 5oo Teilen. Anisol während 2i/2 Stunden einfließen. Nach eintägigem Stehen gießt
man die Anisollösung des m - Dimethylaminophenylchlorcarbonats vom ausgeschiedenen
m-Dimethylaminophenolhydrochlorid ab. und fügt sie einem gut gerührten Gemisch von
116 Teilen Methyiaminphlorhydrat und 69 Teilen Natriumhydroxyd in 25o Teilen Wasser
während 2 Stunden zu, wobei darauf geachtet wird, daß die Temperatur der Reaktionsflüssigkeit
nicht über i5° steigt. Nach vierstündigem Rühren hebt man die Anisolschicht ab,
wäscht sie mit Wasser, dann mit etwas verdünnter Natronlauge zwecks Entfernung des
unveränderten Phenols und destilliert das Lösungsmittel im Vakuum auf dem Dampfbad
ab. Der Rückstand wird nach dem Abkühlen fest. Man
kristallisiert
ihn aus Alkohol um und erhält in einer Ausbeute von 6o °1o das von S tedman beschriebene,
bei 87' schmelzende m-Dimethylaminophenylmethylurethan (CHg)ZN -
C, H, - O - CONHCH, Beispiel s Eine Lösung von 5o Teilen m-Dimethylaminophenol
in 15o-Teilen trockenem Äther wird langsam in ioo Teilen einer a5°/oigen ätherischen
Phosgenlösung unterhalb o° unter Rühren eingetragen. Nach 15 Stunden gießt man die
Ätherlösung des m-Dimethylaminophenylchlorcarbonats langsam in 8o Teile 33°/oiger
Monoäthylaminlösung unter Rühren ,ein und trennt nach weiteren 3 Stunden die wässerige
Schicht von der Ätherlösung ab, wäscht letztere mit Wasser, verdünnter Natronlauge
und nochmals mit Wasser und erhält nach Entfernung des Lösungsmittels das m-Dimethylaminophenyläthylurethan,
(CH3)zN - C, H, - O - CONHCZH, Es wird aus Benzolpetroläther umkristallisiert
und schmilzt dann bei i5o°. Die Ausbeute beträgt etwa ¢o °/o.