DE4334628C2 - Verfahren zum Schutz von metallischen Werkstoffen gegen Korrosion durch Passivierung - Google Patents
Verfahren zum Schutz von metallischen Werkstoffen gegen Korrosion durch PassivierungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Schutz von metallischen
Werkstoffen gegen Korrosion durch Passivierung.
Die Passivierung von Metallen, insbesondere von Aluminium, ist
bekannt. Aluminium wird, wenn auch in unzureichendem Maße, durch
Reaktion mit Luftsauerstoff passiviert. Im großtechnischen
Maßstab wird zu seiner Passivierung die elektrolytische Oxidation
angewendet (Eloxal-Verfahren), bei der der Stromverbrauch und die
Anwendung giftiger Chemikalien jedoch aus ökologischen Gründen
nachteilig sind.
Die elektrolytische Passivierung von Eisen und Stahl ist bisher
praktisch nicht möglich bzw. nur unzureichend realisierbar. Der
Korrosionsschutz von Stahl ist nach wie vor ein enormes ökologi
sches und durch die Zerstörung von Tragkonstruktionen, Maschinen
und Bauwerken außerdem ein großes wirtschaftliches Problem. Nach
wie vor muß man Stahl durch Lacke im wesentlichen passiv
schützen, d. h. den Zutritt von Wasser und Sauerstoff sowie von
Salzen verhindern. In gewisser Hinsicht gelingt ein "aktiver"
Schutz durch Verzinken, wobei das Eisen als Kathode wirkt und
somit kathodisch geschützt wird; ein kathodischer Schutz findet
ebenfalls durch den Einsatz von Opfer-Anoden statt.
Beobachtungen
über eine Korrosionsschutz-Wirkung von intrinsisch leitfähigen
Polymeren, hier v.a. von Polyanilin, sind in früheren Jahren
mehrfach gemacht worden. So berichtete A. McDiarmid auf einer
Konferenz (ICSM 1986, Kyoto) im Rahmen eines Vortrages über die
elektrochemische Abscheidung von Polyanilin unter anodischem
Potential auf Stahl und über die Beobachtung, daß die elek
trochemisch beschichtete Stahlplatte gegen Korrosion widerstands
fähiger war als eine unbeschichtete Stahlplatte. Die Nachteile
dieser Verfahrensweise sind darin zu sehen, daß
- a) eine elektrochemische Beschichtung mit Polyanilin in kommerziellem Maßstab praktisch undurchführbar ist, und
- b) nicht geklärt werden konnte, ob der Passivierungsvorgang durch die anodische Abscheidung von Polyanilin oder durch eine Reaktion zwischen dem Polyanilin und der Stahlplatte erfolgte.
In der WO 89/02155 sind erstmalig polyanilinhaltige Lack-
Dispersionen vorgeschlagen worden, mit denen ein Passivierungs-
und Korrosionsschutz-Effekt erzielt werden kann. Das beschriebene
Verfahren und die vorgeschlagenen Formulierungen haben sich
jedoch in der Praxis nicht durchsetzen können, da
- a) der Korrosionsschutz-Effekt nicht reproduzierbar war,
- b) die Lack-Formulierungen den Anforderungen der Lack- und Beschichtungs-Industrie, z. B. hinsichtlich Streichverhalten, Lackhaftung, Porenbildung, Wasser- und Sauerstoff-Migra tionswerten, nicht gerecht werden konnten.
Unter anderem angeregt durch die Beobachtungen von A. McDiarmid
führten die Los Alamos Laboratorien im Auftrag der N.A.S.A.
ebenfalls Korrosionsuntersuchungen mit Polyanilin-beschichteten
Stählen durch. Diese Arbeitsgruppe beschichtete Stahlplatten mit
neutralem und nicht-leitfähigem Polyanilin aus Lösung, führte
anschließend eine "Dotierung" mit verschiedenen "Dotierungs"-
Mitteln durch und beschichtete diese Composite-Struktur mit
Korrosionsschutz-Lack. Eine Zusammenfassung der Ergebnisse der
Arbeiten findet man im Projekt-Report LA-UR-92-360 der Los Alamos
National Laboratories (K. Thompson et al., 1991). Mit diesem
Verfahren konnten die Los Alamos Laboratorien zwar einen gewissen
Korrosionsschutz-Effekt feststellen, erreichten aber nicht das
Ziel, in der korrosiven Atmosphäre startender Booster bei
Raumfähren-Starts die Stahlkonstruktion zuverlässig gegen HCl zu
schützen. Insbesondere die Reproduzierbarkeit des Korrosions
schutz-Effektes ließ stark zu wünschen übrig; überdies konnten
keine quantitativen Angaben über die Verschiebung des Korrosions
potentials gemacht werden. So argumentieren die Autoren u. a., daß
die Wirkung des Korrosionsschutzes von der chemischen Natur des
Dotierungsmittels abhinge. Insgesamt erlaubt das Verfahren keine
kommerzielle Durchführung, da der Korrosionsschutz-Effekt nicht
reproduzierbar und quantitativ darstellbar ist.
1991 hat eine Arbeitsgruppe der Firmen Zipperling & Co (Ahrens
burg, Deutschland), Americhem Inc. (Akron, Ohio, USA) und Allied
Signal (Morristown, New Jersey, USA) verschiedene Formulierungen
für Korrosionsschutz-Lacke entwickelt, die zur Patentanmeldung
PCT US 93/00543 führten. Die Erfinder konnten darauf hinweisen,
daß in einem systematisch angelegten Salzsprühtest nach ASTM B-
117 die verschiedenen polyanilinhaltigen Lack-Formulierungen eine
Verminderung der Korrosionsgeschwindigkeit bewirkten. Allerdings
standen bisher der praktischen Anwendung der dort vorgeschlagenen
Lack-Formulierungen mehrere Nachteile gegenüber:
- a) die hohen Produktionskosten aufgrund der erforderlichen langen Dispersionszeit des Polyanilins in der Lack-Formulie rung,
- b) eine schlechte Reproduzierbarkeit der Korrosionsschutz- Ergebnisse bei der Übertragung aus dem Labor-Maßstab in größere, praktische Versuchs-Maßstäbe,
- c) bei deutlich gestiegenen Lack- und Beschichtungskosten aus Sicht von Korrosionsschutz-Praktikern nur geringfügige Korrosionsschutz-Vorteile,
- d) die zum Teil sehr geringe Lackhaftung und somit eine Verstärkung des Korrosionsangriffs durch Unterwanderung bei den meisten polyanilinhaltigen Formulierungen.
Der Erfindung liegt daher die Aufgabe zugrunde, den in ver
schiedenen, voneinander unabhängigen Laboruntersuchungen
beobachten Korrosionsschutz-Effekt durch eine präzise angebbares
Verfahren eindeutig und ausnahmslos reproduzierbar zu gestalten,
den Korrosionsschutz-Effekt steuerbar zu machen und die Korro
sionsgeschwindigkeit gegenüber konventionellen Korrosionsschutz-
Systemen um mindestens 50% zu senken.
Es hat sich gezeigt, daß dieses Ziel erreicht werden kann, wenn
die Beschichtung und Passivierung in voneinander getrennten und
eindeutig definierten Schritten durchgeführt wird.
Zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird zunächst
in Verfahrensschritt 1 ein intrinsisch leitfähiges Polymer in
neutraler oder in dotierter, insbesondere protonierter, Form auf
das gereinigte metallische Substrat, wie z. B. Stahl, Kupfer oder
Aluminium, aufgebracht.
Als intrinsisch leitfähige Polymere werden insbesondere solche
eingesetzt, die ein Redoxpotential von -300 bis +1800 mV,
gemessen gegen Normal-Wasserstoff-Elektrode, haben. Vorzugsweise
wird als intrinsisch leitfähiges Polymer Polyanilin
eingesetzt.
Bei der Beschichtung kann man z. B. so vorgehen, daß man eine
Dispersion von Polyanilin in organischen Lösungsmitteln oder
Wasser entsprechend DE-PS 38 34 526 herstellt und zur Anwendung
bringt. Praktische Versuche haben gezeigt, daß in Verbindung mit
den weiteren folgenden Verfahrensschritten eine Beschichtung von
mindestens 30 nm Dicke vorteilhaft ist. Hierzu führt man die
Beschichtung mit der reinen Polyanilin-Dispersion mehrfach
hintereinander aus oder läßt die Dispersion so lange auf das
metallische Substrat einwirken, bis eine Schichtdicke von
mindestens 30 nm aufgebaut ist. In praktischer Hinsicht geht man
vorzugsweise so vor, daß das metallische Substrat kurz in die
polyanilinhaltige Dispersion eingetaucht wird, wobei sich die
Beschichtung ausbildet, und anschließend trocknet. Daraufhin
führt man einen weiteren Beschichtung- und Trocknungsvorgang
durch. Diese Prozedur wird vorzugsweise mindestens 2-3 mal
wiederholt. Es zeigt sich, daß mehr als 5 bis 10 Beschichtungs
vorgänge in Kombination mit den folgenden Verfahrensschritten zu
keiner weiteren Verbesserung des Korrosionsschutz-Effektes mehr
führen.
Zur weiteren Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens wird
in Verfahrensschritt 2 das mit dem Polymer beschichtete metalli
sche Substrat für einen Zeitraum von mindestens 30 Sekunden und
bis zum Stillstand der Passivierungsreaktion, d. h. bis zum
Erreichen einer konstanten Zellspannung in einer Korrosions
potentialmeßzelle gemäß DIN 50918, Ziffer 3.3.1.4, mit sauer
stoffhaltigem Wasser in Kontakt gebracht.
Anstelle einer Messung des Potentials der Probe in der normge
rechten Meßzelle kann auch einfach das Potential des beschichte
ten Metallteils gegen eine Referenzelektrode gemessen bzw. sein
Verlauf während der Passivierungsreaktion verfolgt werden.
Hierbei wird selbstverständlich von außen keine Spannung
angelegt. Man kann auf eine Potentialmessung verzichten, wenn man
den zeitlichen Verlauf der Passivierung kennt, sollte aber
gegebenenfalls zur Vermeidung unerwünschter Polarisation, die die
Passivierung hemmen könnte, erden oder andere Maßnahmen zur
Ableitung treffen.
Es hat sich gezeigt, daß die Beschichtung eines Metalls, wie
Eisen, Stahl, Kupfer, Aluminium oder anderer metallischer
Werkstoffe einschließlich Legierungen (Verfahrensschritt 1) mit
dem intrinsisch leitfähigen Polymer alleine nicht ausreicht als
Korrosionsschutz. Diese Beschichtung stellt jedoch überraschen
derweise eine Voraussetzung für solch einen Schutz dar, da nur
mit ihrer Hilfe das beschichtete Metallsubstrat bei ausreichend
langem Kontakt mit sauerstoffhaltigem Wasser in zufriedens
tellender Weise passiviert wird.
Dieses unerwartete Ergebnis stellt somit zugleich eine Erklärung
für die mangelhafte Reproduzierbarkeit der früher angegebenen
Verfahren dar: In allen diesen Verfahren war die Gegenwart von
sauerstoffhaltigem Wasser durch die Wahl der Versuchsbedingungen
im Prinzip behindert oder verhindert worden oder zumindest nicht
kontrolliert worden. Korrosionsschutzerfolge wurden daher nur
dann erhalten, wenn zufällig eine ausreichende Menge sauerstoff
haltigen Wassers an der Grenzfläche zwischen Metall und leitfähi
gem Polymer zur Verfügung stand.
Weitere Untersuchungen haben ergeben, daß besonders gute
Ergebnisse mit Wasser einer Leitfähigkeit von vorzugsweise
mindestens 20 µS erhalten werden. Es wird daher vorzugsweise
salzhaltiges Wasser mit z. B. 0,1M NaCl eingesetzt. Die auf den
metallischen Werkstoff aufgebrachte Schicht sollte daher eine
ausreichende Wasseraufnahmefähigkeit aufweisen. Diese liegt
vorzugsweise bei mindestens 1% und vorzugsweise nicht mehr als
ungefähr 15%, um eine durch Quellung bewirkte Ablösung der
Schicht zu verhindern.
Daß die erfindungsgemäße Verfahrensweise, sauerstoffhaltiges
Wasser, vorzugsweise salz- und sauerstoffhaltiges leitfähiges
Wasser, zur Anwendung zu bringen, zum Erfolg führt, ist auch
deshalb überraschend, als sowohl Sauerstoff als auch NaCl
Bestandteile sind, die gewöhnlich die Korrosion von Metallen
beschleunigen.
Die Dauer der Passivierungsreaktion ist stoffabhängig und beträgt
von einigen Minuten bis zu mehreren Stunden, nämlich bis die
Zellspannung in einer Korrosionspotential-Meßzelle nach DIN
50918, Ziffer 3.3.1.4, konstant ist (bzw. bis ein Gleichgewichts
potential in einer großtechnischen Meßanordnung erreicht ist).
Die Geschwindigkeit der Passivierung kann überraschenderweise
durch Gegenwart geeigneter Oxidationsmittel im wäßrigen Elek
trolyten sowie durch erhöhte Temperatur gesteigert werden. So
erfolgt die Einstellung des Gleichgewichtspotentials beispiels
weise in der Gegenwart von Fe(III)-Ionen innerhalb weniger
Minuten, während sie in einem lediglich sauerstoffhaltigen
Elektrolyten zumeist mehr als 1/2 Stunde bis mehrere Stunden
erfordert. Als Oxidationsmittel kommen neben Fe(III)-Ionen auch
andere Stoffe in Betracht, wie z. B. Ammoniumperoxodisulfat,
Kaliumpermanganat und/oder Wasserstoffperoxid.
Für besonders anspruchsvolle Korrosionsschutz-Aufgaben, wie z. B.
den "schweren Korrosionsschutz" oder die Passivierung gegen saure
Kondensate in Abluft-Anlagen von Kraftwerken und Heizungsanlagen,
reicht die durch den Verfahrensschritt 2 erzielte spontane
Passivierung unter Umständen nicht aus.
Durch einen weiteren Verfahrensschritt 3 kann der Passivie
rungseffekt jedoch verstärkt werden. Dieser in seiner Wirkung
überraschende Verfahrensschritt ist eine kathodische Nachpassi
vierung, bei der das mit dem Polymer beschichtete und anschlie
ßend in wäßrigen Medien passivierte Metall auf ein Potential
gebracht wird, welches mindestens 0,05 V und maximal 0,5 V
negativer als sein Gleichgewichtspotential gegenüber der Normal-
Wasserstoff-Elektrode ist (gemessen in einer Potentialmeßzelle
nach DIN 50918, Ziffer 3.3.1.4). Wenn diese Potentiallage länger
als 30 Sekunden eingehalten wird, wird die Korrosionsgeschwindig
keit nochmals signifikant reduziert und das Korrosionsschutz-
Potential zu deutlich positiveren Potentialen hin verschoben.
Dabei ist es wichtig, stromlos oder mit nur minimaler Stromdichte
(2 mA/cm²) zu arbeiten.
Dieser Verfahrensschritt ist insofern in seiner Wirkung über
raschend, als das gängige Erklärungsmodell für die Wirkung von
leitfähigen Polymeren als Korrosionsschutz auf Metall-Oberflächen
darin besteht, daß das Eisen gegenüber dem Polyanilin als Anode
wirkt (Polyanilin ist das edlere Metall). Daß eine Potentialver
schiebung des beschichteten Eisens in kathodischer Richtung eine
Verstärkung der angeblich anodischen Passivierung bewirkt, ist
deshalb überraschend und heute noch nicht verständlich.
Beide Verfahrensschritte, die Passivierung in Gegenwart von
sauerstoffhaltigem Wasser sowie die kathodische Nachpassivierung,
laufen daher offenbar nach komplizierten und heute noch nicht
verstandenen Reaktionsmechanismen ab. Auch die Zusammensetzung
der Passivierungsschicht, in der nach sorgfältiger Reinigung nur
Spuren von Polyanilin bzw. den Elektrolyt-Salzen des wäßrigen
Reaktionsmediums gefunden werden konnten, ist unklar. Möglicher
weise handelt es sich um eine unbekannte Modifikation eines
Eisenoxides.
Es ist somit offen, ob das erfindungsgemäße Verfahren tatsächlich
zu einer klassischen Passivierung führt, die sich gerade durch
die Bildung von oxidische Deckschichten auf dem zu schützenden
Metallsubstrat auszeichnet. Aus diesen Gründen ist der in der
Beschreibung und den Ansprüchen verwendete Begriff Passivierung
auch allgemein als Behandlung aufzufassen, die zum Schutz des
Metallsubstrats gegenüber Korrosion führt.
In einem weiteren Verfahrensschritt 4, der für den Erfolg der
Passivierung nicht, jedoch für eine gegebenenfalls erforderliche
Schutzlackierung in manchen Fällen aus Haftungsgründen ratsam
ist, wird die Polymer-Beschichtung entfernt. Dies sollte so
geschehen, daß die gebildete Passivierungsschicht nicht verletzt
wird. Besonders einfach läßt sich die Beschichtung entfernen,
wenn sie eine hohe Schichtdicke aufweist und zudem noch der
kathodischen Nachpassivierung gemäß Verfahrensschritt 3 unter
zogen wurde. In diesem Fall reichen weiche Bürsten aus, die
Polymer-Beschichtung zu entfernen. Dabei erkennt man die aufgrund
der durchgeführten Passivierung gegenüber dem unbehandelten
metallisch glänzenden Substrat veränderte Farbe. Die Metallober
fläche ist nunmehr im Falle des Stahls und des Aluminiums matt
und gräulich, wobei sich zumeist Flecken mit dunkler Färbung von
Bereichen mit hellerer, grauer Mattierung abheben.
Wenn man aus praktischen Gründen die Polymer-Beschichtung auf dem
metallischen Werkstoff belassen möchte, z. B. um eine dauerhafte
Aufrechterhaltung der Passivierungsreaktion durch selbständige
Nachpassivierung zu ermöglichen, wählt man eine niedrige
Schichtdicke bzw. geringe Beschichtungszahl in Verfahrensschritt
1, jedoch mehr als nur 1 Beschichtungszyklus bzw. mehr als 30 nm
Schichtdicke. Bei niedrigerer Beschichtungsstärke hat die nach
Verfahrensschritt 2 und gegebenenfalls auch Verfahrensschritt 3
durchgeführte Passivierung nur wenig bis keinen Einfluß auf die
Haftung eines gegebenenfalls erwünschten konventionellen Schutz
anstrichs.
Je nach Bedarf kann in einem abschließenden Verfahrensschritt 5
das metallische Werkstück nach Trocknung mit einem konventionel
len Korrosionsschutzlack beschichtet werden. Dessen Art bestimmt
sich nach praktischen Erfordernissen und dem späterem Einsatz
zweck des metallischen Werkstückes. Hierbei ist lediglich zu
beachten, daß im Falle der Entfernung der Polymer-Beschichtung
gemäß Verfahrensschritt 4 der Schutzanstrich schnell aufgebracht
werden sollte, um eine nachteilige Veränderung der Passivie
rungsschicht - ersichtlich an einer farblichen Veränderung, z. B.
bei Stahl von einem geringfügigen Grünstich der grauen Mattierung
zu einem bräunlichen Ton - zu verhindern. Hierzu hat man jedoch
mehrere Minuten Zeit, so daß der weiteren konventionellen
Schutzlackierung keine praktischen Hindernisse entgegenstehen.
Schließlich kann eine verbesserte Lackhaftung und überraschender
weise auch eine weitere Verschiebung der Stromdichte-/Potential
kurve zu noch positiveren Potentialen erzielt werden, wenn vor
der erfindungsgemäß durchgeführten Passivierung einer Stahlprobe
eine Phosphatierung durchgeführt wird. Phosphatierungen werden
gewöhnlich entweder nur naßchemisch oder zusätzlich galvanisch
vorgenommen, um eine verbesserte Haftung organischer Lacke auf
den zu beschichteten Metallen und damit einen verbesserten Korro
sionsschutz zu bewirken. Im allgemeinen wird der Phosphatierung
kein eigenständiger Korrosionsschutzeffekt zugeschrieben.
Überraschenderweise hat die Durchführung der Passivierung auf
einer phosphatierten Stahlprobe jedoch nicht nur erwartungsgemäß
eine verbesserte Lackhaftung erbracht, sondern auch eine
nochmalige deutliche Verschiebung des Korrosionspotentials. Ob
dies elektrochemische Ursachen hat oder lediglich darauf
zurückzuführen ist, daß die Probe beim Phosphatieren poröser wird
und somit eine höhere Oberfläche für die Passivierungsreaktion
zur Verfügung steht, konnte noch nicht geklärt werden.
Die Erfindung wird nachstehend anhand von Beispielen erläutert.
Die Korrosionsuntersuchungen wurden für alle Beispiele ent
sprechend DIN 50918, Ziffer 3.3.1.4. durchgeführt. Die metalli
schen Werkstücke wurden entsprechend den Vorschriften der DIN am
Platz der Meßelektrode M positioniert.
Alle Werkstücke wurden vor der Messung sowie vor den nachfolgen
den Behandlungen wie folgt vorbehandelt:
- - Entgraten und Begradigen der Plättchenkanten mit einer Feile
- - Trockenschleifen mit Schmirgelleinen mit 50er und 100er Körnung
- - Nachschleifen mit Schmirgelleinen 100er und 200er Körnung
- - dreimaliges Entfetten mit Ethylacetat (1 + 2 mit Pinsel, 3 mit Ultraschall).
Unbeschichtete Proben von (a) Stahl ST 37, (b) Kupfer und (c)
Aluminium wurden als Vergleich kathodisch und anodisch durch
fahren. Dadurch ergeben sich die Potential-/Stromkurven ent
sprechend der Bild 1, 2 und 3.
Die selbständige Passivierung des Aluminiums war daran erkennbar,
daß sich das ursprüngliche Potential innerhalb weniger Sekunden
zu positiven Potentialen hin verschob und erst danach eine
anodische Meßstrecke durchfahren werden konnte.
Entsprechend den Vorschriften der DE-PS 38 34 526.9 wurden die
vorbehandelten metallischen Werkstücke mit einer Dispersion von
Polyanilin in organischen Lösungsmitteln beschichtet und
anschließend getrocknet. Eine Vorwärmung der Proben auf 100°C vor
dem Kontaktieren mit der PAni-Dispersion hat sich dabei bewährt.
Die Beschichtung wurde mindestens zweimal durchgeführt. Wenn
nicht anders erwähnt, sind in den nachfolgenden Beispielen
Werkstücke mit 20 Beschichtungszyklen verwendet worden.
Stahlproben (Stahlsorte ST 37) wurden entsprechend Beispiel 2
beschichtet und in 1 molarer wäßriger NaCl-Lösung (80 mS/cm)
eingetaucht. Dabei stellte sich ein Potential von 300 mV ein. Im
Verlaufe von etwa 30 bis 60 Minuten stellte sich zunächst
schnell, dann immer langsamer ein Gleichgewichtspotential von 620
mV ein. Sicherheitshalber wurde in diesem und in den nachfolgen
den Versuchen die Einstellung des Gleichgewichtspotentials über
einen Zeitraum von 16 Stunden abgewartet, um exakt reproduzier
bare Versuchsbedingungen zu gewährleisten.
Bei Aufnahme der Strom-/Potentialkurve unmittelbar nach Durch
führung der Beschichtung konnte praktisch keine Verschiebung oder
Veränderung der Kurve entsprechend Bild 1 (oder 2 bzw. 3) be
obachtet werden.
Wenn die Messung jedoch nach Einstellung des Gleichgewicht
spotentials durchgeführt wurde, so erhielt man zu edleren
Potentialen hin verschobene Kurven, aus denen ersichtlich war,
daß bei vergleichbaren Potentialen ein um mindestens 50%
verringerter Korrosionsstrom floß (siehe Bild 4).
Eine entsprechend Beispiel 2 beschichtete Stahlprobe wurde nach
der Passivierung gemäß Beispiel 3 bei einem Potential von -0,55
V kathodisch polarisiert. Es floß ein Strom von weniger als 1
mA/cm². Die Verschiebung der Potential-/Stromkurve zeigt Bild 5.
Bei einem Vergleichsversuch wurde die kathodische Nachpassivie
rung bei noch niedrigerem Potential durchgeführt, so daß ein
Strom von mehr als 2 mA/cm² fließen konnte. Das führte dazu, daß
die Strom-/Potential-Kurve wieder zu negativeren Potentialen
zurück verschoben wurde, was mit einem erleichterten Korrosions
angriff gleichbedeutend ist (Bild 6).
In analoger Weise beschichtete und passivierte Kupferproben
ergaben die in Bild 7 dargestellte Strom-/Potential-Kurve.
In analoger Weise beschichtete und passivierte Aluminiumproben
ergaben die in Bild 8 dargestellte Strom-/Potential-Kurve.
Die nach Beispiel 3 passivierten Proben wurden vorsichtig von
Polyanilin befreit. Hierzu diente eine weiche Bürste. Im Unter
schied zu den nicht in Wasser eingetauchten Stellen des metalli
schen Werkstückes waren die mit Wasser in Kontakt gekommenen
Bereiche der Probe nicht mehr metallisch glänzend, sondern
gräulich matt mit einem leicht grünlichen Schimmer. Es zeigten
sich dunklere Flecken auf einer insgesamt hellgrauen matten
Oberfläche.
Bild 9 zeigt den anodischen Teil einer Messung für ein vom
Polyanilin befreites, mit Gleichgewichtspotentialeinstellung
passiviertes Werkstück. Bei Verwendung eines entsprechend
Beispiel 4 kathodisch nachpassivierten Werkstückes konnte bei
größeren Beschichtungszahlen das Polyanilin besonders leicht
entfernt werden. Die graue Färbung war deutlicher, das Werkstück
war matter und es waren zahlreichere und größere dunkle Flecken
auf hellerem Hintergrund festzustellen.
Die Werkstücke wurden vor der Messung und nach der Entfernung der
Polyanilinschicht mittels Röntgenfluoreszenz auf etwaige
Einschlüsse untersucht. Es waren jedoch kein Schwefel, der durch
Reaktion mit dem verwendeten schwefelhaltigen Polyanilin hätte
auftreten können, und auch kein Chlor, das durch Einlagerung von
Chlorid aus dem wäßrigen Medium hätte herrühren können, nachzu
weisen.
Gemäß den Beispielen 3 und 4 behandelte Stahl-Werkstücke sowie
solche, die für Vergleichszwecke unbehandelt blieben, wurden mit
einem konventionellen Korrosionsschutz-Lack (PVC-Lack) beschich
tet und in einem Salz-Sprüh-Test getestet. Die unbehandelten
Werkstücke waren bereits nach wenigen Tagen deutlich korrodiert,
während bei den behandelten Werkstücken selbst nach 10 Tagen
Lagerdauer keine Korrosion zu beobachten war.
Stahl-Werkstücke wurden gemäß Beispiel 1 beschichtet und gemäß
Beispiel 3 passiviert, wobei jedoch eine Beschichtung mit
neutralem Polyanilin aus Lösung bzw. Dispersion aufgebracht
wurde. Die in Bild 10 dargestellte, entsprechende Strom/Potenti
alkurve war ebenfalls zu positiven Potentialen hin verschoben und
belegte, daß auch mit neutralem Polymer eine korrosionsschützende
Wirkung erzielt werden kann.
Ein Stahl-Werkstück ST 37 wurde gemäß Beispiel 1 vorbehandelt und
nach der beschriebenen Reinigung mit Phosphorsäure H₃PO₄ gebeizt.
Nach dem Spülen wurde entsprechend DIN 50942 aus einer Lösung aus
Zinkdihydrogenphosphat (Zn(H₂PO₄)₂) Zinkphosphat mit einer
Schichtdicke von ca. 20 µm galvanisch abgeschieden. Die an
schließend gespülte und getrocknete Probe wurde danach gemäß
Beispiel 2 beschichtet und gemäß Beispiel 3 passiviert.
Die Stromdichte-Potentialmessung ergab die im Bild 11 dargestell
te Kurve.
Claims (15)
1. Verfahren zum Schutz von metallischen Werkstoffen gegen
Korrosion durch Passivierung, dadurch gekennzeichnet, daß
man
- a) eine Schicht eines intrinsisch leitfähigen Polymeren, das ein Redox-Potential gegen Normal-Wasserstoff-Elektrode von -300 bis +1800 mV aufweist, auf den metallischen Werkstoff aufbringt, und
- b) den beschichteten metallischen Werkstoff in Kontakt mit sauerstoffhaltigem Wasser für einen Zeitraum von minde stens 30 Sekunden und bis zum Erreichen des Gleichge wichtspotentials bringt.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man
- c) eine Nachpassivierung vornimmt, indem der metallische Werkstoff auf ein um 50 bis 500 mV niedriger als das Gleichgewichtspotential liegendes Potential für eine Dauer von mindestens 1,5 Minuten gebracht wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, dadurch gekennzeichnet,
daß man
- d) die Schicht des intrinsisch leitfähigen Polymeren entfernt.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekenn
zeichnet, daß man
- e) den metallischen Werkstoff mit einem konventionellen Korrosionsschutz-Lack versieht.
5. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 4, dadurch gekenn
zeichnet, daß als leitfähiges Polymer Polyanilin verwendet
wird.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekenn
zeichnet, daß das intrinsisch leitfähige Polymer in neutra
ler Form eingesetzt wird.
7. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 6, dadurch gekenn
zeichnet, daß das leitfähige Polymer aus einer Dispersion
und in einer Schichtdicke von mindestens 30 nm aufgebracht
wird.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekenn
zeichnet, daß die nach Verfahrensschritt a) aufgebrachte
leitfähige Schicht eine Wasseraufnahmefähigkeit von minde
stens 1% und maximal 15%, bezogen auf das Trockengewicht
der aufgebrachten Beschichtung, aufweist.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekenn
zeichnet, daß das sauerstoffhaltige Wasser eine Leitfähig
keit von mindestens 20 µS aufweist.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 2 bis 9, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Nachpassivierung in Verfahrensschritt c)
bei einer Zellspannung ausgeführt wird, die um 0,05 bis
0,5 V negativer (gegen Normal-Wasserstoff-Elektrode) ist als
das Gleichgewichtspotential des mit dem leitfähigen Polymer
beschichteten metallischen Werkstoffs, wobei stromlos oder
mit weniger als 2 mA/cm² gearbeitet wird.
11. Verfahren nach einem der Ansprüche 3 bis 10, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Entfernung der Polymerschicht in Ver
fahrensschritt d) mit weichen Bürsten oder unter Ultraschall
und anschließender schonender mechanischer Behandlung
durchgeführt wird.
12. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 11, dadurch gekenn
zeichnet, daß die Korrosionsgeschwindigkeit, gemessen in
mA/cm²in einer Korrosionspotential-Meßzelle nach DIN 50918,
um 50 bis 99,9% gesenkt wird.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 12, dadurch
gekennzeichnet, daß der metallische Werkstoff vor der
Durchführung von Verfahrensschritt a) phosphatiert wird.
14. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 13, dadurch gekenn
zeichnet, daß das sauerstoffhaltige Wasser ein Oxidations
mittel oder Gemisch von Oxidationsmitteln enthält.
15. Verfahren nach Anspruch 14, dadurch gekennzeichnet, daß als
Oxidationsmittel Fe(III)-Ionen, Ammoniumperoxodisulfat,
Kaliumpermanganat und/oder Wasserstoffperoxid eingesetzt wird.
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