DE3124719C2 - 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-dion, entsprechendes Zwischenprodukt und pharmazeutische Zubereitungen, die diese Verbindungen enthalten - Google Patents
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Description
Die Erfindung betrifft 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-
dion, das als irreversibler Inhibitor von Aromatase-Enzymen
wirksam ist, sowie ein Verfahren zur Herstellung dieses
Steroids und seine Verwendung.
Für das Auftreten sekundärer Geschlechtseigenschaften von
Männern oder Frauen sind in erster Linie divergierende
Geschlechtshormone verantwortlich, die durch die Gonaden
und zu einem geringeren Ausmaß durch die Nebennieren synthetisiert
werden. Diese Steroide werden durch eine Anzahl von
Enzymen reguliert. Das Enzym-Aromatase ist das geschwindigkeits
begrenzende Enzym bei der Umwandlung von Androgenen (männliche
Hormone) in Östrogene (weibliche Hormone). Die nicht
reversible Umwandlung von Androgenen in Östrogene umfaßt die
Oxidation und Eliminierung der Methylgruppe von dem Kohlenstoffatom
C10 in Form von Ameisensäure. Die 1β- und 2β-Wasserstoffatome
von den Kohlenstoffatomen C1 und C2 werden ebenfalls
unter Bildung des aromatischen A-Ringes der Östrogene entfernt.
Die Androgene, Testosteron und Androstendion oder die
Östrogene, Östradiol und Östron können durch die 17β-
Hydroxy-steroid-dehydrogenase wie folgt ineinander umgewandelt
werden:
Die Regulierung der Umwandlung von Androgen in Östrogen
oder die Hemmung dieser Umwandlung kann therapeutisch ausgenutzt
werden bei der Regulierung klinischer Zustände, die
durch die Gegenwart von Östrogenen potenziert werden.
Es gibt wesentliche klinische Anzeichen dafür, daß viele
Tumorarten mit einer erhöhten Östrogenbildung verbunden
sind. Bei Patienten mit Brustkrebs wird üblicherweise die
Entfernung eines Eierstockes, der Nebenniere und/oder der
Hypophyse vorgenommen, um die Menge an Östrogen zu verringern.
Zu den nichtchirurgischen Verfahren gehören Behandlungen
mit großen Mengen an Steroiden, Antiöstrogenen und Inhibitoren
enzymatischer Steroidreaktionen. Eine Behandlung mit Anti
östrogenen führt bei etwa einem Drittel der Patienten zu
objektiven Tumor-Rückbildungen. Eine Entfernung der Nebenniere
bewirkt eine Rückbildung von Brustkrebs bei Frauen
nach den Wechseljahren, die hormonabhängige Tumoren aufweisen,
voraussichtlich als Ergebnis der Verringerung an dem zur
Verfügung stehenden Östrogen, das von Andostendion abgeleitet
ist, dessen Quelle in erster Linie in den Nebennieren sitzt.
Es wurde gezeigt, daß das Wchstum verschiedener Arten
(lines) von Brustkrebszellen von Östrogen abhängig ist und
durch Verbindungen gehemmt werden kann, die der Wirkung
von Östrogen entgegenwirken.
Unter Verwendung von Enzympräparaten aus Protoplasmakörnchen
aus menschlicher Placenta wurden Inhibitoren der Ölstrogen-
Biosynthese identifiziert. Aromatase-Inhibitoren, wie 4-
Hydroxy- und 4-Acetoxy-androsten-3,17-dion, Aminoglutethimid
und Testololacton, sind fähig, die Aromatisierung von Androgenen
zu Östrogenen zu blockieren, und können wirksam verhindern,
daß die biologisch aktiven Östrogene die endokrinen Tumoren
erreichen, oder sie können die Östrogen-Biosynthese in solchen
Tumoren, die zur endogenen Östrogensynthese fähig sind,
verringern und dadurch Remissionen von metastatischem Brustkrebs
bewirken.
Gebärmutterkrebs wurde mit der Gegenwart von übermäßigen
Mengen an endogenem oder exogenem Östrogen in Verbindung
gebracht. Gonaden- und trophoblastische Tumoren verursachen
somatische Hyperöstrogenisierung, was zu unterschiedlichen
Graden der Feminisierung bei Männern führt. Bei Frauen hängen
die Symptome vom Alter der Patienten ab und können von
frühreifer Pseudopubertät über Anomalitäten der Menses zu
Blutungen nach den Wechseljahren führen. Aromatase-Inhibitoren
können bei der erhaltenden Behandlung von Patienten mit
solchen Tumoren als Zusatztherapie eingesetzt werden, da
sie das somatische Auftreten von erhöhter Östrogen-Biosynthese
verringern. Aromatase-Inhibitoren wurden zur Behandlung
von Hyperöstrogenämie bei Zuständen, wie Gynäkomastie,
verabreicht und führten zu klinischen Verbesserungen.
Es wurde vermutet, daß eine Hyperöstrogenämie einem Myokard
infarkt vorangeht. Daher kann eine Verringerung der peripheren
Aromatisierung von Androgenen durch Verabreichung
von Aromatase-Inhibitoren zur Behandlung von Individuen
mit einem hohen potentiellen Risiko für Myokardinfarkte
brauchbar sein.
Aromatase-Inhibitoren haben sich als wirksam bei der Behandlung
von Unfruchtbarkeit bei Männern und bei der Verhinderung
einer Östrogenbildung, die für den Follikelsprung bei Frauen
erforderlich ist, erwiesen. Da für die Einpflanzung befruchteter
Einer in vielen Arten eine Östogensynthese erforderlich
ist, liegt in der Verabreichung von Aromatase-Inhibitoren
nach dem Koitus die Möglichkeit, die Fruchtbarkeit, insbesondere
in Haustieren und Wild, zu regulieren. Insbesondere
könnte sowohl bei männlichen als auch bei weiblichen Nagetieren
während kontrollierter Paarungsprogramme unter Anwendung
von Aromatase-Inhibitoren eine Unterdrückung der Fortpflanzung
bewirkt werden.
In THL, 23 (1979), S. 2105-2108, wird die Herstellung von
10-(1-Hydroxy-2-propinyl)-östr-4-en-3,17-dion beschrieben.
Ferner wird offenbart, daß die Verbindung möglicherweise
bei der Behandlung östrogen-abhängiger Tumore eingesetzt
werden könnte. Definitive Aussagen hierzu werden jedoch
nicht getroffen.
Aufgabe vorliegender Erfindung ist die Bereitstellung neuer
Steroide der obengenannten Reihe, die wirksam als Aromatase-
Inhibitoren eingesetzt werden können.
Diese Aufgabe wird erfindungsgemäß gelöst durch die Bereit
stellung von 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-dion der
Formel
Die Erfindung umfaßt weiterhin ein neues Zwischenprodukt, das
für die Herstellung der erfindungsgemäßen Verbindung brauchbar
ist und die folgende Formel aufweist:
Die Erfindung umfaßt auch Verfahren zur Herstellung und
Anwendung der erfindungsgemäßen Verbindungen.
Die erfindungsgemäßen Steroidverbindungen weisen alle eine
ungewöhnliche 10-Allenylgruppe als Substituenten auf. (Die
Ausdrücke "Allenyl", "Propadienyl" und "1,2-Propadienyl"
werden hier austauschbar verwendet.)
Die erfindungsgemäßen Verbindungen sind optisch aktiv und
besitzen an den Ringverbindungen die gleiche Stereochemie
wie die natürliche Androstanreihe. So haben die 10-Allenylgruppe,
das axiale Wasserstoffatom am Kohlenstoffatom C8
und die Alkylsubstituenten am Kohlenstoffatom C13 die
β-Konfiguration. In den Verbindungen der Formeln I und II
sind die Ringverbindungen B/C und C/D in trans-Konfiguration,
und in den Verbindungen der Formel II ist auch die Ring
verbindung A/B in trans-Konfiguration. Es wird zwar angenommen,
daß die Verbindungen mit der Konfiguration der natürlichen
Steroide die wirksamen Inhibitoren sind, die Erfindung
umfaßt jedoch auch Gemische dieser Verbindungen mit ihren
optischen Antipoden.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen der Formeln I und II
können aus bekannten Steroid-Vorstufen, und zwar sowohl aus
natürlichen Quellen erhaltene Steroide als auch aus synthetischen
oder halbsynthetischen Steroiden, synthetisiert werden.
Die folgenden Synthesen erläutern die Herstellung von Ver
bindungen der Östradionreihe. Analoge Reaktionen können mit
den 18-Methyl-, 6-Alkyl-, 7-Alkyl- und/oder 16-Alkylreihen
durchgeführt werden.
In jedem Schema, bei dem die Zwischenverbindungen in den
Ringen C und D oder in den Ringen A, B und C keine Veränderungen
erfahren, wird für die Formeln die übliche vereinfachte
Darstellung angewendet, wobei davon auszugehen ist, daß
der weggelassene Teil unverändert bestehen bleibt.
Nachstehend werden zwei verschiedene Verfahren zur Einführung
einer 10-(1,2-Propadienyl)-gruppe erläutert. Das Ausgangs
material ist in jedem Fall das bekannte Diketal, das durch
Ketalisierung von 19-Acetoxy-androst-4-en-3,17-dion mit
Ethylenglykol, wobei die Doppelbindung in bekannter Weise
in die 5,6-Stellung wandert, anschließende Hydrolyse des
Acetats und Oxidation des 19-alkohols zu einem Aldehyd erhalten
wird.
Das bekannte Aldehyd-diketal 1 wird weiter nach Schema 1
umgesetzt.
Das Aldehyd-diketal 1 wird 1 bis 10 Stunden bei 25 bis
45°C mit einem acetylenischen Grignard-Reagens in Ether
oder Tetrahydrofuran (THF) behandelt. Das Reaktionsgemisch
wird auf übliche Weise aufgearbeitet und der acetylenische
Alkohol 2 wird nach dem Verfahren von Covey u. a., Tet. Let.
2105 (1979), erhalten. Der Alkohol wird durch Umsetzung mit
Methansulfonylchlorid in Pyridin bei -20 bis 0°C für die
Dauer von 12 bis 48 Stunden in den Methansulfonatester
(Mesylat) umgewandelt. Das Mesylat 3 wird 12 bis 48 Stunden
bei -70 bis -20°C nach dem Verfahren von Stork u. a.,
J. Am. Chem. Soc., Bd. 101 (1979), S. 7107, mit einem Hydrid
reduktionsmittel behandelt, um das Propadien 4 zu bilden.
Durch Entketalisierung mit p-Toluolsulfonsäure in Aceton
bei etwa 25°C für die Dauer von 1 bis 24 Stunden oder mit
HCl in wäßrigem Alkohol unter gleichzeitiger Konjugation
der Doppelbindung wird das 10-(1,2-Propadienyl)-4-en-3,17-dion 5
erhalten.
Vorzugsweise wird der acetylenische Alkohol 2 nach dem folgenden
Schema 2 in das Propadien umgewandelt.
Der acetylenische Alkohol 2 wird mit Essigsäureanhydrid in
Pyridin bei 25°C für die Dauer von 4 bis 20 Stunden in das
Acetat 6 umgewandelt. Durch Behandlung mit einem Lithium-
alkinylalkylkupfer oder Lithium-dimethylkupfer bei -70°C für die
Dauer von 0,1 bis 4 Stunden nach dem Verfahren von Baret u. a.,
Tetrahedron, Bd. 35 (1979), S. 2931, wird das Propadien 4
erhalten, das anschließend nach dem Verfahren von Schema 1
entketalisiert wird.
Das 10-Allenyldiketon 5 kann durch Reduktion mit Natrium
borhydrid in Ethanol bei 0°C für die Dauer von 1 Stunde
nach dem Verfahren von Norymberski u. a., J. Chem. Soc.,
3426 (1955), in den 17β-Alkohol 26 umgewandelt werden. Der
Alkohol kann mit einem niederen Alkanoylchlorid in Pyridin
bei 0 bis 25°C für die Dauer von 1 bis 24 Stunden verestert
werden.
Entweder das 10-allenyldiketon 5 oder der entsprechende
17-Alkohol 26 kann nach dem folgenden Schema 3 hydriert
werden:
Das Diketon 5 oder der entsprechende 17-Alkohol 26 wird
2 Stunden nach dem Verfahren von Burn u. a., J. Chem. Soc.
1232 (1962) in Dioxan am Rückfluß mit Dichlordicyanochinon
umgesetzt, um unter Bildung der Verbindung 9 eine 1,2-Doppel
bindung einzuführen. Die Doppelbindung an dieser Stelle
kann auch nach dem Verfahren von Bernstein u. a., J. Am. Chem. Soc.,
Bd. 82 (1960), S. 1235, durch Behandlung von Verbindung 5 mit
Selendioxid in t-Butylalkohol am Rückfluß für die Dauer von
20 Stunden eingeführt werden.
Eine 6,7-Doppelbindung kann nach dem Verfahren von
Agnello u. a., J. Am. Chem. Soc., Bd. 82 (1960), S. 4293, durch Um
setzung von Verbindung 5 oder dem entsprechenden 17-Alkohol 26
mit Chloranil in t-Butylalkohol am Rückfluß für die Dauer
von 3 Stunden unter Bildung der Verbindung 10 eingeführt werden.
Eine 1,2-Doppelbindung und eine 6,7-Doppelbindung können
gleichzeitig nach dem Verfahren von Agnello u. a., vergleiche oben,
durch Umsetzung der Verbindung 5 oder des entsprechenden
17-Alkohols 26 mit Chloranil in sek.-Amylalkohol am Rückfluß
für die Dauer von 3 Stunden unter Bildung der Verbindung 11
eingeführt werden.
Das gesättigte System des Ringes A mit der 5α-Konfiguration
kann nach dem Schema 4 erhalten werden. Typischerweise wird
durch Reduktion des 17β-Hydroxy-4-en-3-ons 26 mit Lithium
in flüssigem Ammoniak nach dem Verfahren von Stork u. a.,
J. Am. Chem. Soc., Bd. 86 (1964), S. 1761, die 4,5-Doppelbindung
unter Bildung der Verbindung 12 reduziert. Eine Reoxidation
des 17-Alkohols in diesem und in jedem der anderen entsprechenden
Alkohole kann durch übliche Oxidation mit Chromsäure
in Aceton bei etwa 25°C nach dem Verfahren von Jones
erreicht werden.
Die 5α-Reihen können auch durch Umwandlung des von Hauser u. a.,
Helv. Chim. Acta, Bd. 47 (1964), S. 1961, hergestellten Acetats
des bekannten 19-Hydroxy-5α-androstan-3,17-dions oder
von dessen analog hergestellten 18-Methyl-, 6-Alkyl- und/oder
16-Alkyl-analoga in ein Bisketal, Hydrolyse des Acetats
und Oxidation zu dem 19-Aldehyd, sowie Umwandlung in die
10-Allenylverbindung nach einem der Verfahren der Schemata
1 und 2 erhalten werden.
Entweder der 17-Alkohol 26 oder dessen reduziertes 5α-Analogon
12 kann nach dem Schema am Kohlenstoffatom 16 alkyliert
werden.
Am Beispiel des durch Borhydrid-Reduktion der Verbindung 5
erhaltenen 17β-Alkohols 26 als Erläuterung der Reaktion wird
das Enon mit Ethylenglykol und p-Toluolsulfonsäure in Benzol
am Rückfluß mit einer Wasserfalle unter Bildung des Hydroxyketals
20 ketalisiert. Durch Oxidation des 17-Alkohols mit
einem Komplex aus Chromtrioxid/Pyridin in Dichlormethan nach
dem Verfahren von Ratcliffe u. a., J. Org. Chem., Bd. 35
(1970), S. 4000, wird das 17-Keton 21 regeneriert, das
z. B. durch Umsetzung mit Methylchlorformiat und Kalium-t-
butoxid und anschließend mit einem niederen Alkylhalogenid
unter Bildung des alkylierten Ketoesters 22 am Kohlenstoffatom
16 monoalkyliert werden kann. Eine alkalische Hydrolyse,
anschließendes Ansäuern und Erwärmen führt zur Decarboxylierung
und Entketalisierung unter Bildung des alkylierten Ketons 23.
Das Verfahren gemäß Schema 4 kann auch eingesetzt werden, um
die 18-Methyllanaloga am Kohlenstoffatom 16 zu alkylieren.
Die 18-Methylreihe kann aus der bekannten, nach dem Verfahren
von Paddely u. a., J. Org. Chem., Bd. 31 (1966), S. 1026, hergestellten
Vorstufe 29 hergestellt werden. Das Hydroxyenon 29 wird
in die 10-Allenylreihe gemäß Schema 5 umgewandelt.
Das bekannte Hydroxyenon 29 wird mit Isopropenylacetat
in das Enoldiacetat 30 umgewandelt. Durch Reduktion mit
Natriumborhydrid nach dem Verfahren von Dauben u. a.,
J. Am. Chem. Soc., Bd. 73 (1951), S. 4463, wird das Endiol 31
erhalten, das durch übliche Behandlung mit Essigsäureanhydrid
und Pyridin in sein Diacetat 32 umgewandelt wird.
Das Diacetat 32 wird in Analogie zu der bekannten Verbindung
mit einer Methylgruppe am Kohlenstoffatom C13 nach dem Verfahren
von Bowers u. a., J. Am. Chem. Soc., Bd. 84 (1962), S. 3204,
weiter verarbeitet.
Das Diacetat 32 wird mit N-Bromsuccinimid in das Bromhydrin 33
umgewandelt. Eine Behandlung mit Bleitetraacetat ergibt den
cyclischen Ether 34, der durch Hydrolyse des Acetats und
Oxidation in das Keton 35 umgewandelt wird. Durch Behandlung
mit metallischem Zink wird eine reduktive Öffnung des Ethers
und eine Konjugation der Enon-Doppelbindung unter Bildung des
19-Hydroxy-4-en-3-ons 36 bewirkt. Der 19-Alkohol 36 kann zu
dem Aldehyd oxidiert und weiter nach den Verfahren der vor
stehenden Reaktionsschemata umgewandelt werden.
Die vorstehenden Synthesen stellen eine mögliche Erläuterung
der Herstellung der erfindungsgemäßen Verbindungen dar, wobei
jedoch auch viele andere übliche Reaktionen eingesetzt werden
können, um diese Verbindungen herzustellen oder ineinander
umzuwandeln. Diese üblichen Reaktionen und Reaktionsbedingungen
können z. B. in Fieser u. a., "Steroids" (Reinhold, New York
1959); Djerassi, Ed., "Steroid Reactions" (Holden-Day, San
Francisco, 1963); Kirk u,. a., "Steroid Reaction Mechanisms"
(Elsevier, Amsterdam u. a., 1968); Carruthers, "Some Modern
Methods of Organic Synthesis" (Cambridge U. Press, Cambridge,
1971); und Harrison u. a., "Compendium of Organic Synthetic
Methods" (Wiley-Interscience, New York u. a., 1971) nachgelesen
werden.
Die erfindungsgemäße Verbindung hat eine hohe Affinität
für Aromatase-Enzyme. Darüber hinaus binden sich die als
Aromatase-Inhibitoren wirksamen erfindungsgemäßen Verbindungen
an das Enzym in einer Weise, die von der Zeit abhängig ist,
wodurch das Enzym nach und nach inaktiviert wird. Daher sind
diese Inhibitoren wirksam in der Behandlung von Zuständen,
von denen bereits bekannt ist, daß sie auf Aromatase-Inhibitoren
reagieren, wobei sie jedoch wegen der Irreversibilität ihrer
Hemmwirkung eine verlängerte Wirkung aufweisen.
Die Aromatase-Hemmwirkung der erfindungsgemäßen Verbindungen
kann unter Anwendung eines radioenzymatischen Versuches getestet
werden. Dazu wird ein aus menschlicher Placenta isoliertes
Aromataseenzym-Präparat aus der Protoplasmakörnchenfraktion
eingesetzt. Um die Geschwindigkeit der Enzymreaktion
im Verlauf von in vitro Inkubationen zu messen, wird eine
stereospezifische Eliminierung von 1β- und 2β-Tritium
markierungen aus Androgensubstraten, wie Testosteron oder
Androstendion, und das anschließende Auftreten von tritiiertem
Wasser angewendet.
Die Aromatase-Inhibitoren werden durch Messen ihrer konkurrierenden
Hemmung der Umwandlung von ³H-Testosteron in Östrogene
auf ihre Enzym-Affinität bewertet. Das 1β,2β-³H-Testosteron
(spezifische Aktivität 40 bis 60 Ci/mMol) wird in einer
Testpufferlösung zu einer Testkonzentration von etwa 1,7·10-9
Mol mit etwa 200 000 Zerfallsvorgängen pro Minute in 100 µl
gelöst. Die Testpufferlösung enthält 100 mMol KCl,
10 mMol KH₂PO₄, 10 mMol Dithiothreit und 1 mMol Ethylendiamin
tetraessigsäure und hat einen pH-Wert von 8,0. Die Hemmverbindungen
(etwa 10 mg) werden in Ethanol und/oder Dimethylsulfoxid
gelöst und mit Testpufferlösung verdünnt, um Testkonzentrationen
von 10-4 Mol bis 10-9 Mol zu erhalten.
100 µl an mit Tritium markiertem Testosteron und 100 µl Enzym-
Inhibitor werden in ein 35 ml fassendes Zentrifugenrohr gegeben,
das 600 µl eines Nikotinamid-adenindinukleotid-
phosphat (NADPH) bildenden Systems enthält. Die Aromatase
erfordert Nikotinamid-adenindinukleotidphosphat als Cofaktor,
und deshalb wird ein diesen Cofaktor bildendes System zugesetzt,
welches 0,5 mMol Nikotinamid-adenindinukleotidphosphat (NADP⁺),
2,5 mMol Glucose-6-phosphat und 1,0 Einheit/ml an Glucose-6-
phosphat-dehydrogenase in Testpufferlösung enthält. Die Enzym
reaktion wird durch den Zusatz von 700 µl des Aromatase
präparates, gewöhnlich 50 µg Protoplasmakörnchenprotein pro
ml Testpufferlösung, in Gang gesetzt. Diese Präparate werden
unter Anwendung eines Mischers (vortex mixer) gemischt
und 30 Minuten bei 37°C in einer Gasphase aus 95% O₂ und 5%
CO₂ in einem Schüttelinkubator nach Dubinoff inkubiert.
Die enzymatische Reaktion wird durch den Zusatz von 10 ml
CHCl₃ beendet. Nach einem weiteren Mischen für die Dauer von
20 Sekunden werden die wäßrig-organischen Emulsionen dispergiert,
und dann wird nach dem Zentrifugieren bei 600×g für die Dauer
von 10 Minuten eine Phasentrennung bewirkt. Doppelte Proben von
500 µl der oberen wäßrigen Phase jeder Inkubationsprobe werden
zu 10×75 mm Kulturröhrchen gegeben. Diese Röhrchen werden
mit 500 µl einer kalten, 0,25%igen Suspension von mit Dextran
überzogener Kohle versetzt, gemischt, 15 Minuten bei 4°C
inkubiert und dann bei 2600×g in einer gekühlten Zentrifuge
(4°C) zentrifugiert. Die überstehende Fraktion wird in ein
Scintillationsgefäß mit einem Fassungsvermögen von 20 ml dekantiert,
und 15 ml eines wäßrigen Scintillationsgemisches (scintillation
cocktail) werden zugesetzt. Die Radioaktivität von ³H₂O, das
aus während der enzymatischen Reaktion freigesetzten 1- und
2-Tritiumatomen entstanden ist, wird durch Zählen in einem
Flüssigkeits-Scintillationszähler für die Dauer von 10 Minuten
bestimmt. Dieses Testverfahren wurde nach den Verfahren von
Reed u. a., J. Biol. Chem., Bd. 251 (1976), S. 1625, und von
Thompson u. a., J. Biol. Chem., Bd. 249 (1974), S. 5364 und
5374, angepaßt.
Die enzymatische Wirksamkeit steht im Zusammenhang mit dem Prozent
satz an Tritium, das aus dem ³H-Testosteron freigesetzt wurde
und als ³H₂O erscheint. Die Wirksamkeit jeder Inhibitorkonzen
tration wird als Prozentsatz der Trägerkontrolle berechnet, die
willkürlich als 100% gesetzt wird. Die molare Konzentration jedes
Inhibitors, die die Enzymwirksamkeit um 50% verringert, wird
als 50%ige Hemmkonzentration, IC₅₀, bezeichnet. Diese Werte
für eine erfindungsgemäße Verbindung, nämlich 10-(1,2-Propa
dienyl)-östr-4-en-3,17-dion, als Inhibitor und für die Bezugs
verbindungen Aminoglutethimid, Androsta-1,4-6-trien-3,17-dion
und 1-Dehydrotestololacton, werden in Tabelle I gezeigt.
Die 10-Allenylverbindung hat eine größere Enzymaffinität als
andere bekannte Inhibitoren, die bereits entweder als Anti
fertilitätsmittel bei Nagetieren oder zur Blockierung der
peripheren Aromatisierung in Patienten mit Brustkrebs eingesetzt
wurden.
| Tabelle I | |
| Konkurrierende Hemmung von Aromatase-Inhibitoren | |
| Inhibitorverbindung | |
| IC₅₀ | |
| 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-dion | |
| 7,5×10-8 | |
| α-(p-Aminophenyl)-α-ethylglutarimid (Aminoglutethimid) | 1,0×10-6 |
| Androsta-1,4,6-trien-3,17-dion | 1,0×10-7 |
| 1,2,3,4,4a,4b,7,9,10,10a-Decahydro-2-hydroxy-2,4b-dimethyl-7-oxo-1-p-henanthren-propionsäure-O-lacton (1-Dehydrotestololacton) | 2,5×10-6 |
Die erfindungsgemäße Verbindung, die eine gute Hemmung,
IC₅₀ 10-7 M, zeigte, wurde auf eine zeitabhängige Hemmung
untersucht. In diesem Test wurde der Inhibitor mit dem Enzym
vorinkubiert, bevor die Enzymwirksamkeit in Gegenwart hoher
Substratmengen getestet wurde. Ein zeitabhängiger Abfall der
Enzymwirksamkeit zeigt eine irreversible Bindung des Inhibitors
an das Enzym an.
In dem zeitabhängigen Test werden solche Mengen des Enzym-
Inhibitors in 100 µl der vorstehend beschriebenen Testpufferlösung
die Testkonzentrationen ergeben, die etwa 1mal und
10mal dem IC₅₀-Wert entsprechen, in Zentrifugenröhrchen mit
einem Fassungsvermögen von 35 ml gegeben, die bereits 600 µl
des vorstehend beschriebenen Nikotinamid-adenindinukleotid
phosphat bildenden Systems enthalten. Die Vorinkubation wird
durch Zusatz von 700 µl Aromatase-Präparat, gewöhnlich 500
bis 800 µg Protoplasmakörnchenprotein pro ml Testpufferlösung,
eingeleitet. Diese Präparate werden unter Anwendung eines
Mischers (vortex mixer) gemischt und für die Dauer von 0, 10,
20 oder 40 Minuten bei 25°C inkubiert. Anschließend werden
100 µl 1β,2β-³H-Testosteron in Testpufferlösung zugesetzt,
so daß eine Testkonzentration des Substrats (4,5×10-7 Mol),
die mindestens 10mal die Km von Testosteron (0,045 µMol)
darstellt, bereitgestellt wird. Nach dem Mischen wird die
Inkubation des Enzyms noch 10 Minuten fortgesetzt, bevor sie
durch Zusatz von Chloroform beendet wird. Die Menge der
Radioaktivität in der wäßrigen Fraktion wird durch Scintillations
verfahren bestimmt. Die enzymatische Wirksamkeit wird aus dem
Prozentsatz von ³H-Testosteron, das in ³H₂O umgewandelt wurde,
berechnet. Die Enzymwirksamkeit für jede Inhibitorkonzentration
bei jeder Vorinkubationsdauer wird als Prozentsatz der Träger
kontrolle bei "0" Minuten, die willkürlich als 100% festgesetzt
wird, berechnet. Daher wird die prozentuale Enzymhemmung aus
gedrückt als Prozentsatz des Wertes für 100% Enzymwirksamkeit.
Verbindungen, die eine zeitabhängige Hemmung zeigen, werden dann
getestet, um die Hemmkonstante Ki zu bestimmen, die die
scheinbare Dissoziationskonstante des Komplexes aus Enzym
und Inhibitor darstellt. Diese Bestimmung erfordert Messungen
bei Anfangsgeschwindigkeiten der Enzymreaktion. Die Enzym
wirksamkeit wird nach unterschiedlichen Vorinkubationszeiten
bei verschiedenen Inhibitor-Konzentrationen bestimmt, wenn sie
bei einer Substratkonzentration von mindestens 10× der Km
von Testosteron getestet werden. Die Halbwertszeit (t1/2)
des Enzyms bei diesen verschiedenen Inhibitorkonzentrationen
([In]) wird verwendet, um die Ki durch die lineare Regressions
gleichung der Halbwertszeit gegen 1/[In] zu bestimmen. Die
Ki ist äquivalent der Inhibitorkonzentration, wenn die Halb
wertszeit gleich 0 ist. Die Ergebnisse der zeitabhängigen Versuche
sind in Tabelle II zusammengestellt.
Tabelle II zeigt die prozentuale Hemmung nach unterschiedlichen
Vorinkubationsdauern vor der Zugabe des markierten Substrates
für unterschiedliche Konzentrationen an 10-(1,2-Propadienyl)-
östren-dion und Bezugsverbindungen. Die Allenylverbindung zeigt
eine bedeutende zeitabhängige Hemmung der Aromatase bei sehr
geringen Konzentrationen, d. h. 0,01 bis 0,05 µMol. Bezogen auf
diese Wirksamkeiten hat das 10-(1,2-Propadienyl)-östren-dion
eine überlegene Wirksamkeit gegenüber bekannten therapeutischen
Mitteln, die bei der Therapie von Brustkrebs eingesetzt werden
und ebenfalls die Aromatase hemmen.
Die Ki für das 10-(1,2-Propadienyl)-östren-dion beträgt
1,4×10-8 Mol. Diese Daten zeigen, daß dieser Inhibitor
irreversibel an das Enzym mit einer 3× größeren Affinität für
den Enzymsitz als derjenigen des natürlichen Substrats Testosteron
gebunden ist, welches eine Enzymaffinität (Km) von
4,48×10-8 Mol aufweist. Die Enzymaffinität der 10-Allenyl
verbindung übersteigt die Enzymaffinität von Androsta-1,4,6-
trien-3,17-dion um einen Faktor von 8,1, von 1-Dehydrotestololacton
um einen Faktor von 58,1 und von Aminoglutethimid um
einen Faktor von 1491,2.
Diese Daten zeigen ferner, daß das 10-(1,2-Propadienyl)-
östr-4-en-3,17-dion bekannten Aromatase-Inhibitoren überlegen
ist.
Die erfindungsgemäße Verbindung ist als Aromatase-Inhibitor
therapeutisch anwendbar zur Behandlung jedes normalen oder
pathologischen Zustandes, der durch Östrogenbildung vermittelt
wird und verantwortlich für die Hemmung der Östrogenbildung
ist. Derartige Zustände umfassen diejenigen, die vorstehend
bereits beschrieben wurden und von denen gezeigt wurde, daß
sie auf Aromatase-Inhibitoren reagieren, sind jedoch darauf
nicht begrenzt. Die erfindungsgemäße Verbindung kann auch
als irreversibler Inhibitor für Aromatase-Enzyme bei allen
Anwendungen, wo hohe Wirksamkeit und Spezifität erfordert
werden, verwendet werden.
Im allgemeinen kann die Verbindung der Formel I
analog bekannten Aromatase-Inhibitoren, wie z. B.
Androsta-1,4,6-trien-3,17-dion, Testololacton oder Amino
glutethimid, verabreicht werden. Sie kann oral oder
parenteral in fester oder flüssiger Form und gegebenenfalls
in Gegenwart eines pharmazeutisch verträglichen Trägers ver
abreicht werden. Feste Einheitsdosierungsformen, z. B. Kapseln,
Pillen, Tabletten u. dgl., sind geeignet. Einzelne feste
Dosierungseinheiten können neben den wirksamen Bestandteilen
einen pharmazeutisch verträglichen Träger, z. B. Stärke, Zucker,
Sorbit, Gelatine, Gleitmittel, Kieselsäure, Talkum u. dgl.,
enthalten. Flüssige Dosierungsformen zur oralen Verabreichung
oder sterile Injektionslösungen sind zur Anwendung des Verfahrens
geeignet. Wenn es sich als klinisch brauchbar erweist,
kann mehr als eine Verabreichungsform angewendet werden.
Eine orale Verabreichung der erfindungsgemäßen Verbindungen,
z. B. zur Behandlung von Brustkrebs, durch Kapseln oder Tabletten,
wird vorteilhaft mit einzelnen Dosierungseinheiten vorgenommen,
die 1,0 bis 250 mg, vorzugsweise 10 bis 50 mg des Aromatase-
Inhibitors enthalten. Eine tägliche Dosierung von 50 bis 1000 mg,
vorzugsweise von 10 bis 150 mg, wird empfohlen.
Die Verbindung der Formel I kann auch als flüssige
Suspension oder Lösung unter Verwendung einer sterilen
Flüssigkeit, wie z. B. Öl, Wasser, ein Alkohol oder Gemische
daraus, mit oder ohne Zusatz eines pharmazeutisch geeigneten
oberflächenaktiven Mittels, Suspendiermittels oder Emulgiermittels
zur oralen oder parenteralen Verabreichung verabreicht
werden.
Eine Suspension oder Lösung zur intramuskulären Injektion
enthält vorteilhaft 10 bis 200 mg Aromatase-Inhibitor pro ml
der Suspension oder Lösung. Eine Lösung zur intravenösen
Injektion enthält vorteilhaft 0,1 bis 10 mg pro ml. Wirksame
Aromatase hemmende Dosierungen liegen bei 10 bis 200 mg täglich
i. m. und bei 10 bis 100 mg täglich i. v.
Die wirksame Verbindung kann auch mit Hilfe eines Systems der
ununterbrochenen Freisetzung verabreicht werden, bei dem die
Verbindung der Formel I nach und nach mit einer
kontrollierten, gleichförmigen Geschwindigkeit aus einem inerten
oder bioerodierbaren Träger durch Diffusion, Osmose oder Zerfall
des Trägers während der Behandlungsdauer freigesetzt wird.
Abgabesysteme mit kontrollierter Freisetzung der Wirkstoffe
können in Form eines auf die Haut oder auf die Mund-, sublinguale
oder intranasale Schleimhaut aufzubringenden Pflasters, Lappens
oder Verbandes, eines in den Blindsack des Auges einzusetzenden
Augeneinsatzes oder einer nach und nach erodierenden Tablette
oder Kapsel oder einer oral zu verabreichenden Vorratsform
für den Magen-Darm-Trakt vorliegen. Eine Verabreichung mit
Hilfe derartiger Abgabesysteme mit ununterbrochener Freisetzung
ermöglicht, daß die Körpergewebe konstant für eine verlängerte
Dauer einer therapeutisch wirksamen Dosis einer Verbindung der
Formel I ausgesetzt sind. Die Einheitsdosis der
mit Hilfe eines Systems mit ununterbrochener Freisetzung verab
reichten Verbindung entspricht etwa der Menge einer wirksamen
täglichen Dosierung multipliziert mit der Höchstzahl der Tage,
an denen der Träger auf oder in dem Körper des Patienten
verbleiben soll. Der Träger für die ununterbrochene Freisetzung
kann in Form einer festen oder porösen Einbettungsmasse oder
eines festen oder porösen Vorratsbehälters vorliegen und aus
einem oder mehreren natürlichen oder synthetischen Polymeren,
einschließlich modifizierter oder nicht modifizierter Cellulose,
Stärke, Gelatine, Collagen, Kautschuk, Polyolefine, Polyamide,
Polyacrylate, Polyalkohole, Polyether, Polyester, Polyurethane,
Polysulfone, Polysiloxane und Polyimide sowie Gemische, Schicht
stoffe und Mischpolymerisate daraus gebildet werden. Die Ver
bindung der Formel I kann in den Träger mit ununterbrochener
Freisetzung in reiner Form eingearbeitet werden oder
kann in jedem geeigneten flüssigen oder festen Träger einschließ
lich der Polymeren, aus denen der Träger mit ununterbrochener
Freisetzung gebildet wurde, gelöst werden.
Beispiele für geeignete Dosierungsformen sind nachstehend
angegeben, wenn auch die Erfindung in keiner Weise durch die
gewählten Beispiele beschränkt ist, da diese Verabreichungsweisen
allgemein bekannt sind.
Es wird angenommen, daß der Fachmann in der Lage ist, die vor
liegende Erfindung in ihrem vollen Ausmaß aufgrund der vorliegenden
Beschreibung auszunutzen. Die folgenden bevorzugten
speziellen Ausführungsformen stellen daher lediglich Erläuterungen
dar. In den folgenden Beispielen beziehen sich alle Temperatur
angaben unkorrigiert auf °C, und alle Teile und Prozentsätze
beziehen sich auf das Gewicht, wenn nichts anderes angegeben
ist.
1,8 g (4,4 mMol) 3,17-Bis-(ethylendioxy)-19-ethinylandrost-5-
en-19-ol (Verbindung 2, erhältlich gemäß Covey u. a., Tet. Let.
2105 [1979]) in 20 ml Pyridin wurden auf 0°C gekühlt und dann
mit 700 mg (6 mMol) Methansulfonylchlorid behandelt. Das Gemisch
wurde 48 Stunden bei -20°C gehalten, anschließend mit Ether
verdünnt und nacheinander mit 1N HCl, gesättigter NaHCO₃-
Lösung und Kochsalzlösung gewaschen und dann getrocknet und
konzentriert.
Das erhaltene rohe Mesylat 3 wurde in 50 ml Toluol gelöst und
auf -70°C gekühlt, anschließend mit 2 ml einer 70%igen Lösung
von Natrium-bis-(methoxyethoxy)-aluminiumhydrid in Benzol be
handelt und 12 Stunden bei -20°C stehengelassen. Anschließend
wurde sorgfältig Wasser zugesetzt und das Gemisch mit Ether
extrahiert. Die Etherlösung wurde mit 1N HCl und anschließend
mit wäßriger NaHCO₃-Lösung gewaschen, dann getrocknet und
konzentriert, wobei ein Rückstand erhalten wurde, der durch
Chromatographie über Silicagel in Ethylacetat/Hexan gereinigt
wurde, wobei das Allen 4 erhalten wurde.
Das Allen 4 wurde in 30 ml Aceton gelöst und mit 50 mg p-Toluol
sufonsäure versetzt, worauf die Lösung über Nacht bei Raum
temperatur gerührt und anschließend konzentriert wurde. Der Rück
stand wurde in Ether aufgenommen, mit wäßriger NaHCO₃-Lösung
gewaschen, getrocknet, konzentriert und über Silicagel
chromatographiert. Das als Produkt erhaltene Diketon wurde
weiter durch Umkristallisation aus Hexan gereinigt, wobei das
Produkt 5 als farblose Kristalle mit einem Schmelzpunkt von
104 bis 105°C erhalten wurde.
3,3 g (8 mMol) Propargylalkohol 2 wurden 16 Stunden bei 25°C
mit 10 ml Pyridin und 10 ml Essigsäureanhydrid behandelt.
Anschließend wurden die Lösungsmittel unter vermindertem Druck
entfernt und der Rückstand wurde in Ether gelöst, nacheinander
mit 1N HCl und mit wäßriger NaHCO₃-Lösung gewaschen, über MgSO₄
getrocknet und konzentriert. Der Rückstand wurde gut unter
Vakuum getrocknet, wobei das rohe Acetat 6 erhalten wurde.
33 ml einer 2,1M-Lösung von n-Butyllithium (70 mMol) wurden
zu einer Aufschlämmung von 9,2 g (70 mMol) 1-Pentinyl-kupfer
in 150 ml Ether gegeben, die bei -40°C gehalten und mechanisch
gerührt wurde. Das Gemisch wurde 1 Stunde bei -40°C gehalten,
dann auf -70°C gekühlt und schließlich mit dem rohen Acetat 6
in 20 ml Ether versetzt. Nach 6 Minuten bei -70°C wurden zunächst
2 ml Methanol und dann eine wäßrige Ammoniumchloridlösung zugesetzt.
Das Gemisch wurde mit Ether verdünnt und durch Kieselgur
(Celite) filtriert, worauf die Etherphase mit 1N HCl und
anschließend wäßriger NaHCO₃-Lösung gewaschen, getrocknet und
konzentriert wurde. Der Rückstand wurde über Silicagel unter
Verwendung von 25% Ethylacetat/Hexan schnell chromatographiert
und aus Dichlormethan/Pentan umkristallisiert, um das Allenyl-
bis-ketal 4 mit einem Schmelzpunkt von 113 bis 114°C zu erhalten.
Nachstehend ist eine beispielhafte Tablettenformulierung
angegeben, die für die Zusammensetzung eines erfindungsgemäßen
Aromatase-Inhibitors geeignet ist und sich zur Anwendung bei der
Behandlung von durch Östrogen vermittelten Zuständen eignet.
Die Mengenverhältnisse sind für eine Verabreichung an einen
Patienten mit einem Gewicht von etwa 80 kg, der die Tabletten
3× täglich nehmen soll, vorgesehen.
| (a) 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-dion|10 g | |
| (b) Weizenstärke | 50 g |
| (c) Lactose | 150 g |
| (d) Magnesiumstearat | 8 g |
Ein durch Mischen der Lactose mit einem Teil der Stärke
und einer aus dem Rest der Stärke hergestellten granulierten
Stärkepaste erhaltenes Granulat wird getrocknet, gesiebt
und mit den wirksamen Bestandteilen (a) und (b) und dem
Magnesiumstearat gemischt. Das Gemisch wird zu 1000 Tabletten
mit einem Gewicht von jeweils 218 mg verpreßt.
Nachstehend sind Beispiele für intramuskulär injizierbare
Zusammensetzungen angegeben, die zur Anwendung der erfindungs
gemäßen Verbindungen geeignet sind.
| A. Öl | ||
| 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-dion | 10 mg | |
| butyliertes Hydroxyanisol | 0,01 % Gew./Vol. | |
| butyliertes Hydroxytoluol | 0,01% Gew./Vol. | |
| Erdnußöl oder Sesamöl auf | 1,0 ml | |
| B. Suspension @ | 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-dion | 10 mg |
| Natrium-carboxymethylcellulose | 0,5% Gew./Vol. | |
| Natriumbisulfit | 0,02% Gew./Vol. | |
| Wasser zur Injektion auf | 1,0 ml |
die vorstehenden Beispiele können mit gleichem Erfolg durch
Ersatz der in den vorstehenden Beispielen angegebenen
Bedingungen durch die allgemein oder speziell vorgeschriebenen
Reaktionsmittel und/oder Anwendungsbedingungen wiederholt
werden.
Claims (3)
1. 10-(1,2-Propadienyl)-östr-4-en-3,17-dion der Formel I
2. 10-(1,2-Propadienyl)steroid-Zwischenprodukt der Formel
II
3. Pharmazeutische Zusammensetzung, enthaltend die Verbindung
gemäß Anspruch 1 zusammen mit üblichen pharmazeutisch
verträglichen Hilfs- und Trägerstoffen.
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