DE2556110C3 - 2-(3-Alkylamino-2-hydroxypropoxy)-3cyanpyridine, ihre Herstellung und pharmazeutische Verwendung - Google Patents
2-(3-Alkylamino-2-hydroxypropoxy)-3cyanpyridine, ihre Herstellung und pharmazeutische VerwendungInfo
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Description
Die Erfindung betrifft den durch die Patentansprüche gekennzeichneten Gegenstand.
Die Hypertonie beim Menschen und bei anderen Warmblütern kann mit verschiedenen Arzneistoffen
behandelt werden. Eine derartige Wirkstoffklasse stellen die sogenannten »/ϊ-adrenergischen Blocker«
oder »jS-Blocker« dar. Diese Substanzen besitzen nun
zwar antihypertonische vVirksamkeit, diese setzt jedoch im allgemeinen nur allmählich ein. Eine generelle
Erläuterung der Struktur und Wirkungsweise von jJ-Blockern findet sich in »Clinical Pharmacology und
Therapeutics«, 10 (1969), S. 292, 306. Cyansubstituierte carbocyclische und heterocyclische Aryl-j9-Blocker sind
in der BE-PS 7 07 050 und in der Nl.-PS 69 07 700 beschrieben. Cyansubstituierte Heteroaryl-/9-Blocker
sind auch aus der DT-PS 24 06 930 bekannt.
Eine weitere Klasse von Antihypertonika bilden die
Vasodilatatoren. Diese verursachen jedoch im allgemei
nen eine unerwünschte Tachykardie.
Nunmehr wurden 2-(3-Alkylamino-2-hydroxypropoxy)-3-cyanpyridine
gefunden, welche Vasodilatatoren mit rasch einsetzender und langzeitig anhaltender
antihypertonischer Wirkung, jedoch herabgesetzter Tendenz zur Verursachung unerwünschter Tachykardie,
und gleichzeitig 0-adrenergische Blocker darstellen.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen umfassen alle optisch isomeren Formen, d. h. Mischungen der
Enantiomeren (z. B. Racemate) ebenso wie die einzelnen Enantiomeren. Letztere werden üblicherweise
gemäß der durch sie bewirkten optischen Drehung mit den Symbolen ( + ) und (-), (L) und (D), (1) und (d) oder
Kombinationen davon bezeichnet. Die Symbole (S) bzw. (R) stehen für »Sinister« bzw. »Rectus« und zeigen die
absolute räumliche Konfiguration des Enantiomeren an. Bevorzugt ist 2-(3-tert.-Butylamino-2-hydroxypropoxy)-3-cyanpyridin,
besonders dessen (S)-Isomeres.
Die erfindungsgemäßen Pyridine werden nach an sich bekannter Weise dadurch hergestellt, daß man ein
2-Halogen-3-cyanpyridin der allgemeinen Formel Il mit einem geeignet substituierten Oxazolidin der allgemeinen
Formel III umsetzt und das so erhaltene Reaktionsprodukt hydrolysiert. Das Verfahren wird
durch die nachstehenden Reaktionsgleichungen veranschaulicht:
mit einem Oxazolidin der allgemeinen Formel
MO H:C -ι- ;
O N R
Il
in der M ein Alkalimetallatom, R entweder eine Isopropyl- oder tcrl.-Butylgruppe und Ri ein
Wasserstoffatom, einen Phenylrest oder einen Alkylrest mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen bedeuten,
umsetzt und das so erhaltene Reaktionsprodukt hydrolysiert.
3. Arzneimittel, gekennzeichnet durch einen Gehalt an einer Verbindung nach Anspruch 1 und
üblichen Träger- und/oder Hilfsstoffen.
CN
Cl
MO C\U
(U)
O N R
11
(III)
CN
O CH,
(IV)
CN
O NR
Il R1
; Hydrolyse
OH
O CII, CII (II, N R
wobei R entweder eine tert.-Butyl- oder Isopropylgruppe, M ein Alkalimclallatoni und Ri ein Wasserstoffatom,
einen Phenylrest oder einen Alkylrest mil I bis 6 Kohlenstoffatomen bedeutet. Das Verfahren zur Herstellung
der Oxazolidine, bei denen M ein Wasserstoffatom darstellt, ist in den US-PS 37 18 647 und 36 57 237
beschrieben. Die Alkalisalze des Oxazolidins werden in herkömmlicher Weise durch Umsetzung des entsprechenden
Hydroxymethyloxazolidins mit einer geeigneten Menge einer Base, wie von Kaliumhydroxid,
Natriumhydroxid oder Natriumrnethylat, hergestellt.
Man kann die erfindungsger ιße Umsetzung jedoch
auch unter insitu-Bildung des Oxa/.olidin-Alkalisalzes
der allgemeinen Formel III durchführen, indem man ein
Oxazolidin der allgemeinen Formel V
ΙΙΟ-Η,Ο-
N-R
r,
in Gegenwart einer starken Base, wie eines Alkalialkoxids (z. B. Kalium-tert.-butylat), eines Hydroxids (z. B.
NaOH) oder von Natriumhydrid, mit dem Pyridinderivat der allgemeinen Formel 11 zur Umsetzung bringt.
Die Umsetzung kann bei Temperaturen von etwa 0 bis 1000C durchgeführt werden. Bevorzugt wird der
Temperaturbereich von etwa 10 bis etwa 50°C. Die Umsetzung wird im allgemeinen in Gegenwart eines
Lösungsmittels vorgenommen. Man kann jedes beliebige geeignete Lösungsmittel verwenden. Beispiele für
brauchbare Lösungsmittel sind Dimethylformamid, Dimethylsulfoxid, Hexamethylphosphoramid und Alkanole
mit 1 bis 6 Kohlenstoffatomen. Die Hydrolyse wird mit Hilfe herkömmlicher saurer Hydrolysemittel und
nach bekannten Methoden, beispielsweise durch Behandlung mit einer Lösung einer beliebigen starken
Mineralsäure, wie Salz- oder Schwefelsäure, durchgeführt.
Die Umsetzung erfolgt gewöhnlich bei Atmosphärendruck; man kann jedoch nach Bedarf auch bei höheren
Drücken arbeiten.
Wenn man vom racemischen Oxazolidin (allgemeine Formel II! oder V) ausgeht, erhält man als Produkt ein
Racemat. Dieses kann nach herkömmlichen Antipodeniuifspaltungsmethoden
in seine einzelnen Enantiomeren getrennt werden.
W eiin man dagegen ein einzelnes optisches Isomer
des Oxazolidins der allgemeinen Formel IV oder V verwendet, wird das Produkt direkt in Form eines
einzelnen Enantiomeren erhalten. Bei Verwendung des S-Isomeren des Oxazolidins erhält man als Produkt
somit das S-Isomere. Auf diese Weise wird ein zweckmäßiges Verfahren zur direkten Herstellung der
einzelnen Isomeren der erfindiingsgemäßen Verbindungen
geschaffen.
Zu den erfindungsgemäßen Verbindungen gehören auch die pharmakologisch verträglichen Salze. Bei
diesen handelt es sich um Salze mit organischen oder anorganischen Säuren. Zur Herstellung dieser Salze
wird die freie Base — im allgemeinen in Gegenwart eines geeigneten Lösungsmittels — mit der passenden
Menge einer geeigneten Säure umgesetzt. Beispiele für verwendbare organische Säuren sind Carbonsäuren, wie
Malein-, Essig-, Wein-, Propion-, Fumar-, Isäthion-, Bernstein-, Pamoa- oder Oxalsäure, für brauchbare
anorganische Säuren die Halogenwasserstoffsäuren, wie Salz-, Bromwasserstoff- oder Jodwasserstoffsälire,
Schwefelsäure und Phosphorsäure.
Die erfindungsgemäßen Verbindungen weisen eine zweifache Wirkung auf. Sie stellen 1. Vasodilataloren
mit rasch einsetzender und lange anhaltender antihypertonischer Wirkung sowie herabgesetzter Tendenz zur
Verursachung unerwünschter Tachykardie und 2. /J-adrenergische !Hocker dar. Die antihypertonischc
Wirksamkeit ist vermutlich auf eine periphere Gefäßerweiterung zurückzuführen, welche über einen nicht
direkt mit der /J-adrenergischen Blockierung zusammenhängenden
Mechanismus abläuft. Somit erbringen die erfindungsgemäßen Verbindungen (a) eiiK-n Vorteil
gegenüber den herkömmlichen Vasodilatatoren, deren Verabreichung normalerweise zu einer unerwünschten
Tachykardie führt, sowie (b) einen Vorteil gegenüber den gewöhnlichen 0-adrenergischen Blockern, da sie
; eine sofortige und ausgeprägte antihypertonische Wirkung entfalten.
Diese rasch einsetzende antihypertonische Aktivität wird dadurch bestimmt, daß man eine erfindungsgemäße
Verbindung oral spontanhypertonischen Ratten
ίο (SH-Ratten) verabreicht und die Wirkung auf den
Blutdruck mißt. Es wurde z. B. gefunden, daß (S)-2-(3-tert.-Butylamino-2-hydroxypropoxy)-3-cyanpyridin-hy-
drochlorid den Blutdruck der SH-Ratten rasch senkt.
Zur Bestimmung der /J-adrenergischen Blockwirkung
mißt man an Tieren die Befähigung einer Verbindung, durch j3-adrenergische Stimulierungseffekte (z. B. Erhöhung
der Herzfrequenz, Hypotonie und Bronchodilatation) induziertes Isoproterenol zu blockieren. (S)-2-(3-tert.-Butylamino-2-hydroxypropoxy)-3-cyanpyridin-hy-
drochlorid verhält sich nach intravenöser Verabreichung als ß-adrenergischer Blocker.
Die Fähigkeit der erfindungsgemäßen Verbindungen, den Blutdruck bei SH-Ratten rasch und für längere Zeit
zu verringern, deutet darauf hin, daß sie sich und ihre
_>■) Salze für die Behandlung von Hypertonie in der
Humanmedizin eignen. Analog ergibt sich aus der beobachteten ß-adrenergischen Blockwirkung deren
Verwendbarkeit als 0-adrenergische Blocker in der
Humanmedizin.
id Das folgende Beispiel erläutert die Herstellung von
(S)-2-(3-tert.-Butylamino-2-hydroxypropoxy)-3-cyanpyridin-hydrochlorid.
Alle Teil- und Prozentangaben beziehen sich auf das Gewicht, sofern nichts anderes
angegeben ist.
π In eine Lösung von 7 g(0,03 Mo!)(S)-2-Phenyl-3-tert.-butyl-5-hydroxymethyloxazolidin
in 35 ml N1N-Dimethylformamid (DMF) werden 0,03 Mol Natriumhydrid
(1,3 g in 57prozentige Mineralöldispersion) eingetragen. Man erhitzt das Gemisch 5 Minuten am Dampfbad und
in rührt es danach 15 Minuten bei Raumtemperatur. Dann
fügt man 4,1 g (0,03 Mol) 2-Chlor-3-cyanpyridin in 20 ml DMF hinzu und rührt den Ansatz 4 Stunden bei
Raumtemperatur. Danach setzt man Wasser zu, wobei sich ein öl abscheidet. Dieses wird dreimal mit jeweils
4·-, 25 ml Chloroform extrahiert. Der Chloroformextrakt
wird über Natriumsulfat getrocknet und bei vermindertem Druck (20 mm) am Dampfbad eingeengt; dabei
erhält man (S)-2-Phenyl-3-tert.-butyl-5-(3-cyan-2-pyridyloxymethyl)-oxazolidin in Form eines Öls. Man
w suspendiert das öl in 5C ml 1 n-Hcl, erhitzt die
Suspension 5 Minuten am Dampfbad und rührt sie hierauf 15 Minuten bei Raumtemperatur. Die dabei
erhaltene Lösung wird zweimal mit jeweils 25 ml Diäthyläther extrahiert. Man macht die extrahierte
,-, wäßrige Schicht mit gesättigter wäßriger Natriumcarbonatlösung
alkalisch, extrahiert die erhaltene wäßrige Lösung dreimal mit jeweils 25 ml Äthylacetat und
trocknet den Äthylacetatextrakt über Natriumsulfat. Die wasserfreie Äthylacetatlösung wird dann bei
Oo vermindertem Druck (20 mm) am Dampfbad /u einem
Öl eingeengt. Das Öl wird an Aluminiumoxid Chromatographien. Die chromatographischen Fraktionen werden
zu einem öl eingedampft, welches man in Diäthyläther löst. Dann versetzt man die Ätherlösung so
f,5 lange mit äthanolischer Salzsäure (gesättigte Lösung),
bis die Feststoffabscheidung im wesentlichen beendet ist. Die abgetrennte halbfeste Substanz wird aus
Isopropanol/Äther (erhalten durch Versetzen von
Isopropanol mit Äther bis zum Trübungspunkt)
umkristallisiert. Dabei erhält man 1 g (S)-2-(3-tert.-Butylamino^-hydroxypropoxyJ-S-cyanpyridin-nydrochloridvomFp.
161 bis 163° C.
Während gemäß Beispiel 1 das S-lsomere des Pyridinsalzes erhalten wird, geht ir.an bei der Herstellung
des Racemats von einem racemischen (S/R) Oxazolidinderivat aus. Das R-Isomere erhält man bei
Verwendung des R-Oxazolidinderi vats.
Aus dem so erhaltenen Salz erhält man die freie Base
nach einer beliebigen herkömmlichen Methode, beispielsweise durch Umsetzung des gelösten Salzes mit
einer Base (wie NaOH) und Extraktion der freien Base aus der Lösung
Man stellt (S)-2-(3-lsopropylamino-2-hydroxyprop- ι oxy)-3-cyanpyridin-hydrochlorid analog dem Beispiel
her, indem man anstelle von N-tert.-Butyloxazolidin das
entsprechende N-Isopropyloxazolidin einsetzt.
Der Schmelzpunkt der freien Base Leträgt 127 bis 128 C; der des Hydroehlorids der (R,S)-I-orm
168 C. .
Versuchsbericht
Verbindung
krlorderliche Dosis /ur Hr/ielung der gleichen
Verminderung des Blutdrucks" ι
I.I)
f-rfindungsgemäße
Verbindung des Beispiels
Hydralazin
) Gegeben als llvdrochlorid. ~) Bestimm! durch orale Gabe
Ratten. 1I Oral: Maus.
316
122
an spontan hypcrtonen
Claims (2)
1. 2(3-Alkylamino-2-hydroxy propoxy)-3-cyanpyridine
der allgemeinen Formel I
CN
OH
O CH1-CM CH1-NR
in der R eine Isopropyl- oder tert.-Butylgruppe bedeutet, sowie deren pharmakologisch verträgliche
Salze.
2. Verfahren zur Herstellung der Verbindungen gemäß Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß
man in an sich bekannter Weise ein 2-Halogen-3-cyanpyridin der allgemeinen Formel II
(M)
Cl
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