DE19856227A1 - Verfahren zur langzeitstabilen Aktivierung von Fluorpolymeroberflächen, Fluorpolymer und Fluorpolymer-Materialverbund - Google Patents
Verfahren zur langzeitstabilen Aktivierung von Fluorpolymeroberflächen, Fluorpolymer und Fluorpolymer-MaterialverbundInfo
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Abstract
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur langzeitstabilen Aktivierung von Fluorpolymeroberflächen, das damit hergestellte Fluorpolymer sowie darüber hergestellte Fluorpolymer-Materialverbunde. Das Verfahren ist dadurch gekennzeichnet, daß man die Oberfläche zuerst mittels plasmaaktivierter Reaktivgase chemisch und/oder physikalisch modifiziert und sie anschließend mit Hilfe von plasmaaktivierten Prozeßgasen mit einem Plasmapolymer beschichtet, wobei durch die Beschichtung die Aktivierung eingefroren wird. Bevorzugtes Anwendungsgebiet ist das haftfeste Verbinden von Polytetrafluorethylen (PTFE) mit anderen Materialien.
Description
Die Erfindung betrifft die Oberflächenbehandlung von Fluorpolymeren für die Herstellung
haftfester Materialverbindungen, mit diesem Verfahren behandelte Fluorpolymere, und
mit den behandelten Fluorpolymeren hergestellte Fluorpolymer-Materialverbunde. Bevor
zugtes Anwendungsgebiet ist das haftfeste Verbinden von Polytetrafluorethylen (PTFE)
mit anderen Materialien.
Wegen ihrer niedrigen Oberflächenenergie sind Fluorpolymere wie beispielsweise Poly
tetrafluorethylen (PTFE), bekannt unter dem Markennamen Teflon, ohne eine Vorbe
handlung ihrer Oberfläche nicht mit anderen Materialien haftfest zu verbinden.
Zur Sicherstellung haftfester Fluorpolymer-Materialverbunde, dh. haftfester Verbindun
gen von Fluorpolymeren mit anderen Materialien, ist es bekannt, die Oberfläche des Flu
orpolymers vor der Herstellung des Materialverbundes durch einen Ätzprozeß vorzube
handeln. Für die Vorbehandlung werden flüssige natriumhaltigen Ätzlösungen, z. B. Na
triumnaphthalenid in Tetrahydrofuren, eingesetzt. Diese Ätzlösungen sind jedoch wegen
ihrer leichten Brennbarkeit und hohen Toxizität äußerst problematisch in ihrer Anwen
dung und in der Entsorgung.
Weiterhin ist es bekannt, die Oberfläche von Fluorpolymeren mittels eines Plasmas an
zuätzen (D. J. LaCombe, "Selective Plasma Etching of FEP Fluorcarbon Films for Intercon
nections in Hybrid Circuits", in Insulation/Circuits, 12/1978, 66-88; J. A. Voorthuyzen, P.
Bergveld, "Micromachining of Electret Materials, Advantages and Possibilities", IEEE,
1988, 582-586). Bei diesen Verfahren wird die Fluorpolymeroberfläche mit sauerstoff-
bzw. edelgashaltigen Ätzgasen aufgerauht. Die. Haftfestigkeitsverbesserung als Folge
dieser erhöhten Oberflächenrauhigkeit ist jedoch für viele Anwendungen nicht ausrei
chend.
Es ist bekannt (T. Hirotsu et. al.: "Surface modification of some flurine polymer films by
glow discharge", J. Adhesion, 1980. Vol. 11, Seiten 57-67), daß die Benetzbarkeit von
plasmaktivierten Fluorpolymeroberflächen gegenüber Wasser nicht langzeitstabil ist.
Durch in den Fluorpolymeren ablaufende Vorgänge, wie zum Beispiel Vernetzung, Ver
drehen von Polymerketten, Abspalten von Polymerketten etc., aber auch durch äußere
Einflüsse, nimmt die Aktivierung rasch ab. Die Abnahme der Benetzbarkeit erfolgt auf
einer Zeitskala von Minuten und erschwert damit die haftfeste Verbindung mit Fluorpo
lymeren erheblich. Dies ist insbesondere im industriellen Einsatz von Nachteil, da dort
eine gleichbleibende Qualität sichergestellt sein muß.
Inagaki et. al. (N. Inagaki, S. Tasaka, H. Kawai, "Improved Adhesion of polytetrafluo
rethyfene by NH3-plasma treatment, J. Adhesion Sci. Technol. Vol. 3, No. 8, 637-649,
1989) berichten über die Oberflächenaktivierung von PTFE im Ammoniak-Plasma. Diese
erhöhte die Oberflächenenergie gegenüber Wasser von ca. σ = 12 mJ/m2 auf σ = 62-63
mJ/m2. Unter optimierten Bedingungen konnte die T-Schälfestigkeit von Nitril-Kautschuk
von ca. 100 N/m auf 8 kN/m gesteigert werden. Allerdings hängen nach Inagaki et. al.
die Ergebnisse der zeitabhängigen Haftfestigkeitsverbesserung stark von den Prozeßbe
dingungen wie zum Beispiel der Behandlungstemperatur, der Behandlungszeit, und
eventuell vorhandenen Kontaminationen ab. Zudem kann keine eindeutige Korrelation
hergestellt werden zwischen T-Schälfestigkeit, Oberflächenenergie, der Behand
lungstemperatur und der Oberflächenmodifizierung. Da insbesondere die chemische
Oberflächenmodifizierung je nach chemischer Zusammensetzung des Fluorpolymers un
terschiedlich ausfällt, lassen sich nach dem Stand der Technik keine reproduzierbaren
Ergebnisse mit einer Oberflächenaktivierung von PTFE im Ammoniak-Plasma erzielen.
Hinzu kommt, daß für die meisten Anwendungen höhere Haft- bzw. Schälfestigkeiten
erforderlich sind.
Die genannten Ätzverfahren zur haftfesten Verbindung von Fluorpolymeren mit anderen
Materialien weisen damit zusammenfassend den Nachteil auf, daß sie entweder stark
umweltbelastend sind, oder aber (bei Plasmaverfahren) die Haftfestigkeit auf wenig re
produzierbare Weise in nicht ausreichendem Maße gesteigert wird. Da andererseits Flu
orpolymere wie zum Beispiel Teflon® von großer wirtschaftlicher Bedeutung sind, be
steht das Erfordernis eines kostengünstigen reproduzierbaren Verfahrens, mit dem Fluor
polymere haftfest mit anderen Materialien verbunden werden können.
Der Erfindung liegt die Aufgabe zugrunde, die oben genannten Probleme nach dem
Stand der Technik weitestgehend zu vermeiden. Die verfahrensseitige Aufgabe wird
durch die im Kennzeichen des Anspruchs 1 aufgeführten Merkmale gelöst. Vorteilhafte
Ausgestaltungen für die Durchführung des Verfahrens sind in den Unteransprüchen an
gegeben.
Erfindungsgemäß wurde erkannt, daß sich die oben genannten Nachteile nach dem
Stand der Technik durch eine Behandlung von Fluorpolymeren in einem Zweistufenpro
zeß beseitigen lassen, bei dem im ersten Prozeßschritt die Fluorpolymeroberfläche in ei
ner Plasmaentladung aktiviert wird, und dann mit einem dünnen Plasmapolymer be
schichtet wird. Die Plasmapolymerschicht konserviert die Aktivierung dauerhaft, so daß
nachfolgend haftfeste Materialverbunde mit konstant hoher Haftfestigkeit bereitgestellt
werden können.
Die im ersten Prozeß vorgenommene Oberflächenaktivierung erfolgt in einer Atmosphäre
aus plasmaaktivierten Reaktivgasen, die auf die Oberfläche einwirken und sie dadurch
chemisch und/oder physikalisch modifizieren, ohne daß eine Schicht aufgetragen wird.
Bei der chemischen Modifizierung werden in erster Linie funktionelle Gruppen (Carbonyl,
Carboxyl-, Hydroxyl-, Ether-, Alkyl-, Amino-, Imino-, Nitrilgruppen) in die an der Oberflä
che des Fluorpolymers liegenden Polymerketten eingebaut.
Bei der physikalischen Modifizierung wird zum einen durch Beaufschlagung von Teilchen
auf die Fluorpolymeroberfläche ein mechanischer Abtrag und/oder eine Aufrauhung der
obersten Atom- bzw. Moleküllagen erzielt. Diese Teilchen können chemisch neutrale
plasmaaktivierte Edelgase sein. Bei der physikalischen Modifizierung können Fehlstellen
bzw. Radikale in den Polymerketten entstehen. Darüberhinaus kann zusätzlich eine
Aufrauhung der Fluorpolymeroberfläche im Mikromaßstab erzielt werden.
Durch die chemische und/oder physikalische Modifizierung der Fluorpolymeroberfläche
wird eine hochaktive Oberfläche geschaffen, wobei es nicht zu einer auftragenden
Schichtbildung kommt. Zwar werden in diesem ersten Prozeßschritt auch Atome oder
Kettenfragmente aus der Plasmaphase in die Oberfläche eingebaut, aber ebenso solche
aus der Oberflächenschicht entfernt (z. B. Fluoratome). Netto ist der Massenzuwachs des
Fluorpolymers etwa Null. Eine nicht auftragende Schichtbildung kann durch geeignete
Prozeßführung, z. B. geeignet gewählte plasmaaktivierte Prozeßgase, effektiv sicherge
stellt werden. Geeignete Prozeßgase für diesen Prozeßschritt sind unter anderem Was
serstoff, Sauerstoff, Stickstoff, Ammoniak, Distickstoffoxid, Kohlendioxid, Kohlenmon
oxid und/oder Wasserdampf.
Die hochaktive Oberfläche ermöglicht eine haftfeste Verbindung mit der im zweiten Pro
zeßschritt abzuscheidenden Plasmapolymerschicht.
Der zweite Prozeßschritt, die Beschichtung mit einem Plasmapolymer, erfolgt in einer
Atmosphäre aus plasmaaktivierten Reaktivgasen, die zur auftragenden Schichtbildung
fähige Spezies bilden. Die auftragende Schichtbildung in diesem Prozeßschritt soll so ver
standen werden, daß die aufzubringende Schicht ausschließlich aus solchem Material
besteht, das über die Gasphase dem Plasmaprozeß zugeführt wird. Dabei sind keine Be
standteile des Grundmaterials in der erzeugten Oberflächenschicht enthalten. Der Mas
senzuwachs an der Oberfläche ist dann deutlich größer Null, und die Dicke der auf der
Oberfläche des Fluorpolymers aufgetragenen Plasmapolymerschicht beträgt mindestens
1 nm und maximal 10 µm. Die bevorzugte Schichtdicke liegt im Bereich von 10 nm bis
500 nm. Insbesondere bei Schichtdicken kleiner 100 nm kann es vorkommen, daß die Ober
fläche nicht vollständig von dem Plasmapolymer bedeckt ist, so daß auch plasmache
misch modifizierte Oberflächenbereiche auftreten. Dennoch ist bei solchen teilbeschichte
ten Oberflächen der haftvermittelnde Effekt zu beobachten.
Die chemische Zusammensetzung des Plasmapolymers wird in erster Linie bestimmt
durch die Reaktivgase, die für die Plasmapolymerisation eingesetzt werden. Geeignete
Reaktivgase für die Beschichtung sind Kohlenwasserstoffe als Monomere wie zum Bei
spiel Methan, Ethan und/oder Ethin. Es eignen sich auch organische Säuren, Ether
und/oder Alkohole als Monomere, oder siliciumhaltige Kohlenwasserstoffe als Monomere
wie zum Beispiel Tetramethylsilan, Hexamethyldisiloxan, Hexamethyldisilazan, Tetrame
thylorthosilicat und/oder Tetraethylorthosilicat.
Je nach Größe der für eine haftfeste Materialverbindung optimalen Oberflächenenergie
der beschichteten Fluorpolymeroberfläche können im zweiten Prozeßschritt auch Plas
mapolymere abgeschieden werden, die als Mehrlagenschichtsystem ausgebildet sind.
Außerdem können auch Gradientenschichten eingesetzt werden, bei denen sich die
Schichtzusammensetzung kontinuierlich mit der Schichtdicke ändert. Dabei wird die
Haftschicht des Plasmapolymers zur plasmachemisch modifizierten Fluorpolymeroberflä
che auf die Art der plasmachemischen Modifizierung abgestimmt. Die Deckschicht des
Plasmapolymers wird so eingestellt, daß sich eine optimale Haftfestigkeit des weiteren
Materialverbundes ergibt.
Durch das erfindungsgemäße Verfahren wird das Problem der zeitlichen Abnahme der
Oberflächenaktivität von Fluorpolymeren dadurch besonders effizient gelöst, daß die
Plasmapolymerschicht zeitlich dann aufgetragen wird, wenn die Oberfläche möglichst
aktiv ist, und daß dann die Oberflächenaktivität durch die Plasmapolymerschicht einge
froren bzw. konserviert wird. Das erfindungsgemäße Verfahren stellt zum einen eine an
die Fluorpolymeroberfläche gut haftende Plasmapolymerschicht zur Verfügung, zum an
deren eine hochaktive Plasmapolymeroberfläche gegenüber dritten Materialien. Die
Plasmapolymeroberfläche ist insbesondere langzeitstabil, d. h. sie verliert ihre haftvermit
telnde Oberfläche auch innerhalb von Monaten nicht. Die haftvermittelnde Oberfläche
ermöglicht eine gute Haftung gegenüber dritten Materialien, zum Beispiel gegenüber
eines nachfolgend aufgebrachten metallischen Überzuges im Rahmen einer Metallisie
rung.
Vorteilhafterweise wird die Plasmapolymerschicht beim erfindungsgemäßen Verfahren
zeitlich dann aufgetragen, wenn die Oberfläche möglichst aktiv. Hierzu ist es wegen der
auftretenden Alterungseffekte günstig, den zweiten Prozeßschritt zeitlich rasch im Ver
gleich zu derjenigen Zeit auszuführen, innerhalb derer die Aktivierung typischerweise
abklingt. Die Haftfestigkeit ist optimal, wenn die beiden Prozeßschritte zeitlich unmittel
bar nacheinander ausgeführt werden, was auf einfache Weise dadurch realisiert werden
kann, daß zwischen den beiden Prozeßschritten die Prozeßgase umgestellt werden um
eine auftragende Beschichtung zu starten. Weiterhin ist es zur Vermeidung äußerer Ein
flüsse wie zum Beispiel Reaktionen der Oberfläche mit der Umgebungsluft nach Belüften
des Reaktors bzw. mit Restgasen aus dem Reaktor günstig, die beiden Prozeßschritte
räumlich nahe beieinander auszuführen. Eine einfache Realisierung besteht darin, die
beiden Prozesse in der gleichen Plasmaanlage durchzuführen.
Die für die beiden Prozeßschritte geeigneten Verfahren sind zum Beispiel Niederdruck
plasmaverfahren (engl.: Low Pressure Plasma, LP-Plasma) oder bei Atmosphärendruck
betriebene Plasmaverfahren (engl.: Atmospheric Pressur e Plasma, AP-Plasma). Als LP-
Plasmaverfahren können die bekannten Verfahren mit elektrischer Plasmaanregung ein
gesetzt werden. Die Plasmaanregung erfolgt hier durch elektromagnetische Wechselfel
der, z. B. durch gepulsten Gleichstrom (DC), Mittelfrequenz (MF), durch Hoch- oder Ra
diofrequenzen (HF, RF), durch Mikrowellen (MW) oder durch Elektron-Cyclotron-
Resonanz (ECR). Der Druckbereich dieser Verfahren liegt allgemein zwischen 0,001 und
100 mbar. Für Drücke größer als 0,1 mbar ist insbesondere das Hohlkathodenverfahren
anwendbar. Für Drücke kleiner als 1 mbar sind insbesondere Verfahren anwendbar, wie
(R. A.Haefer, Oberflächen- und Dünnschichttechnologie, Teil I, Springer-Verlag 1987, S.
162 ff) beschrieben sind.
Als AP-Plasmaverfahren können sowohl kalte als auch heiße AP-Plasmaverfahren einge
setzt werden. Unter kalten AP-Plasmaverfahren sind insbesondere die klassische Coro
naentladung und die dielektrische Barrierenentladung zu nennen, die sowohl mit inho
mogenem Plasma (Filamentbetrieb), als auch mit homogenem Plasma betrieben werden
kann. Ein heißes AP-Plasmaverfahren ist die Bogenentladung.
Das erfindungsgemäße Verfahren rüstet Fluorpolymere über die Plasmapolymerschicht
mit einer haftvermittelnden, langzeitstabilen Oberfläche aus, wodurch haftfeste Material
verbunde mit dritten Materialien realisieren lassen, zum Beispiel
- - bei der Metallisierung von Fluorpolymeren,
- - bei der Verklebung verschiedener Materialien (Metalle, Keramiken, Polymere, Ver bundwerkstoffe) unter Verwendung wasserlöslicher bzw. lösungsmittelbasierter Klebstoffe mit Fluorpolymeren,
- - beim Laminieren von Folien, Vliesen und dergleichen mit Fluorpolymeren,
- - beim Vulkanisieren von Elastomeren auf Fluorpolymere.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann grundsätzlich bei allen Fluorpolymeren mit Vorteil
eingesetzt werden, z. B. bei Polytetrafluorethylen (PTFE), Polyvinylidenefluorid (PVDF),
Tetrafluorethylen-Ethylen Copolymer (TFE-ET Copolymer) und Polychlortrifluorethylen
(PCTFE).
Ohne Einschränkung des allgemeinen Erfindungsgedankens soll die Erfindung anhand
eines Ausführungsbeispieles erläutert werden.
Auf ein unbehandelte PTFE-Substrat wird zur Bestimmung der Haftfestigkeit ein Metall
ste npel (Durchmesser 3 mm) mit einem 2-Komponentenkleber (UHU plus Endfest) auf
geklebt und eine Stunde bei 100°C ausgehärtet. Danach wurde die Haftfestigkeit im
Stirnabzugversuch zu 2,3 N/mm2 bestimmt.
Um eine bessere Haftfestigkeit zu erzielen wird in einem Vorversuch 1 ein ebenes PTFE-
Testsubstrat zunächst nur aktiviert (1. Prozeßschritt). Die Aktivierung erfolgt plasmache
misch in einem LP-Plasma (13,56 MHz) in einem Gasgemisch aus 10 sccm (sccm = Stan
dardkubikcentimeter pro Minute) Ammoniak und 5 sccm Argon. Es wird ein Reaktor mit
Parallelplattenanordnung eingesetzt, der Elektrodendurchmesser beträgt 25 cm und der
Elektrodenabstand beträgt 6 cm. Der Prozeßdruck wird auf 5 Pa geregelt bei einem Rest
gasdruck von kleiner 0,001 Pa. Die Substrattemperatur wird auf 200°C eingestellt. Die
Plasmaleistung wird auf 160 W gereglt, die Self-Bias-Spannung beträgt dann 227 V. Die
Behandlungszeit beträgt 5 min. Nach der Behandlung wird der Reaktor auf kleiner als
0,002 Pa evakuiert und anschließend mit Stickstoff geflutet. Die Probe wird an Luft ca. 1
Stunde gelagert, bevor der Metallstempel aufgeklebt wird. Die Haftfestigkeit wird im
Stirnabzugversuch zu 9,4 N/mm2 bestimmt.
In einem zweiten Vorversuch wird ein ebenes PTFE-Substrat in der gleichen LP-
Plasmaanlage wie im ersten Vorversuch nur mit einem Plasmapolymer beschichtet. Als
Reaktivgas wird ein Gasgemisch aus 8 sccm Hexamethyldisiloxan und 24 sccm Argon
verwendet. Der Prozeßdruck beträgt 5 Pa bei einem Restgasdruck von kleiner 0,001 Pa.
Die Substrattemperatur wird auf 200°C eingestellt. Die Plasmaleistung wird auf 160 W
gereglt, die Self-Bias-Spannung beträgt dann 253 V. Die Beschichtungszeit beträgt
2 Minuten. Nach der Beschichtung wird der Reaktor auf kleiner als 0,002 Pa evakuiert und
anschließend mit Stickstoff geflutet. Die Probe wird an Luft ca. 1 Stunde gelagert, bevor
der Metallstempel aufgeklebt wird. Die Haftfestigkeit wird im Stirnabzugversuch zu 3,7 N/mm2
bestimmt.
Das erfindungsgemäße Verfahren wird bei einem ebenen PTFE-Substrat angewendet.
Wie im Vorversuch 1 beschrieben wird das Substrat zunächst aktiviert (1. Prozeßschritt)
und anschließend in einem 2. Prozeßschritt entsprechend Vorversuch 2 in der gleichen
LP-Plasmaanlage wie bei den Vorversuchen 1 bzw. 2 behandelt. Nach einer Aktivierungs
zeit von 5 Minuten in einem Gasgemisch aus 10 sccm (sccm = Standardkubikcentimeter
pro Minute) Ammoniak und 5 sccm Argon (1. Prozeßschritt) werden die Prozeßgase di
rekt umgestellt auf 8 sccm Hexamethyldisiloxan und 24 sccm Argon, ohne daß die Entla
dung gestoppt wird (2. Prozeßschritt). Die Beschichtung erfolgt ansonsten wie in Vorver
such 2 beschrieben. Nach diesen beiden Prozeßschritten wird der Reaktor auf kleiner als
0,002 Pa evakuiert und anschließend mit Stickstoff geflutet. Die Probe wird an Luft ca.
1 Stunde gelagert, bevor der Metallstempel aufgeklebt wird. Die Haftfestigkeit wird im
Stirnabzugversuch zu 20,7 N/mmt bestimmt. Sie ist damit deutlich größer, als es rechne
risch nach den beiden einzelnen Prozeßschritten (Vorversuch 1 und 2) zu erwarten war.
Dies unterstreicht den synergetischen Effekt des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Claims (18)
1. Verfahren zur langzeitstabilen Aktivierung von Fluorpolymeroberflächen, dadurch
gekennzeichnet, daß man die Oberfläche zuerst mittels plasmaaktivierter Reaktiv
gase chemisch und/oder physikalisch modifiziert, und sie anschließend mit Hilfe von
plasmaaktivierten Prozeßgasen mit einem Plasmapolymer beschichtet, wobei durch
die Beschichtung die Aktivierung eingefroren wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man die Oberfläche
chemisch durch Beaufschlagung mit plasmaaktivierten Reaktivgasen wie Wasser
stoff, Sauerstoff, Stickstoff, Ammoniak, Distickstoffoxid, Kohlendioxid, Kohlenmon
oxid und/oder Wasserdampf modifiziert.
3. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 2, dadurch gekennzeichnet, daß man
die Oberfläche physikalisch durch Beaufschlagung mit chemisch neutralen plasmaak
tivierten Edelgasen modifiziert.
4. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 3, dadurch gekennzeichnet, daß dem
Plasma für die Beschichtung Kohlenwasserstoffe als Monomere zugeführt werden.
5. Verfahren nach Anspruch 4, dadurch gekennzeichnet, daß als Kohlenwasserstoffe
Methan, Ethan, Ethen und/oder Ethin zugeführt werden.
6. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 5, dadurch gekennzeichnet, daß dem
Plasma für die Beschichtung siliciumhaltige Kohlenwasserstoffe als Monomere zuge
führt werden.
7. Verfahren nach Anspruch 6, dadurch gekennzeichnet, daß dem Plasma Tetrame
thylsilan, Hexamethyldisiloxan, Hexamethyldisilazan, Tetramethylorthosilicat und/oder
Tetraethylorthosilicat zugeführt werden.
8. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 7, dadurch gekennzeichnet, daß dem
Plasma für die Beschichtung organische Säuren, Ether und/oder Alkohole als Mono
mere zugeführt werden.
9. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 8, dadurch gekennzeichnet, daß Plas
mapofymerschichten mit einer Dicke von mindestens 1 nm bis maximal 10 µm, und
bevorzugt zwischen 1 nm bis maximal 500 nm abgeschieden werden.
10. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß man
sowohl die Oberflächenmodifizierung als auch die Beschichtung mittels eines Nie
derdruckplasmaprozesses vornimmt.
11. Verfahren nach Anspruch 10, dadurch gekennzeichnet, daß man sowohl die
Oberflächenmodifizierung als auch die Beschichtung mittels elektrischer Plasmaanre
gung erfolgt.
12. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Plas
maanregung durch elektromagnetische Wechselfelder wie gepulstem Gleichstrom,
Mittelfrequenzen, Hochfrequenzen, Radiofrequenzen, Mikrowellen oder mittels Elek
tron-Cyclotron-Resonanz erfolgt.
13. Verfahren nach einem der Ansprüche 10 bis 12, dadurch gekennzeichnet, daß die
die elektrische Plasmaanregung bei Drücken zwischen 0,001 und 100 mbar betrie
ben wird.
14. Verfahren nach Anspruch 11, dadurch gekennzeichnet, daß die elektrische Plas
maanregung bei Drücken größer 0,1 mbar mit dem Hohlkathodenverfahren erfolgt.
15. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 9, dadurch gekennzeichnet, daß man
sowohl die Oberflächenmodifizierung als auch die Beschichtung mittels eines Atmo
sphärendruckplasmaprozesses vornimmt.
16. Verfahren nach Anspruch 15, dadurch gekennzeichnet, daß man sowohl die
Oberflächenmodifizierung als auch die Beschichtung mittels Coronaentladung, der
filamentierten dielektrischen Entladung, der homogenen dielektrischen Entladung,
und/oder der Bogenentladung durchführt.
17. Fluorpolymer, dadurch gekennzeichnet, daß es ganz oder teilweise mit einem Ver
fahren nach einem der vorstehenden Ansprüche beschichtet ist.
18. Fluorpolymer-Materialverbund, bestehend aus einem Fluorpolymer und einem daran
haftenden weiteren Material, dadurch gekennzeichnet, daß die Fluorpolymerober
fläche vor dem haftfesten Verbinden ganz oder teilweise mit einem Verfahren nach
einem der Ansprüche 1 bis 14 beschichtet wurde.
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