DE19849932A1 - Gasdetektion nach dem Prinzip einer Messung von Austrittsarbeiten - Google Patents
Gasdetektion nach dem Prinzip einer Messung von AustrittsarbeitenInfo
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Abstract
Gassensor nach dem Prinzip einer Messung von Austrittsarbeiten, aufweisend DOLLAR A - mindestens eine gassensitive Schicht, deren elektrische Leitfähigkeit bei einer Adsorption und Desorption mindestens eines Gases veränderbar ist, DOLLAR A - ein Mittel zur Herstellung eines mindestens einen Teil der gassensitiven Schicht durchstrahlenden elektrischen Feldes, DOLLAR A wobei eine Desorptionszeit eines Gases aus der gassensitiven Schicht mittels des elektrischen Feldes einstellbar ist.
Description
Die Erfindung betrifft eine Vorrichtung und ein Verfahren zur
Detektion mindestens eines Gases, dessen Meßmethode auf einer
Bestimmung von Austrittsarbeiten an einer gassensitiven
Schicht besteht.
Bei einem Gassensor nach dem Prinzip einer Messung einer Aus
trittsarbeit erfolgt die Gasdetektion durch eine Messung der
Änderung der (elektrischen) Eigenschaften geeigneter gassen
sitiver Materialien als Folge der Adsorption und Desorption
von Gasmolekülen an ihrer Oberfläche.
Gemäß der physikalischen Theorie der Gas-Adsorption (siehe
beispielsweise W. Göpel, M. Henzler, Oberflächenphysik des
Festkörpers, Teubner, Stuttgart 1994) liegen Ad- und Desorp
tionsprozessen eine elektronische bzw. elektrostatische Wech
selwirkung der Gasmoleküle mit der Oberfläche des Adsorbens
zugrunde. Die Schnelligkeit der Prozesse, d. h. sowohl die An
sprechzeit bei der Adsorption (= reziproke Adsorptionswahr
scheinlichkeit) als auch die Abklingzeit bei der Desorption
(= reziproke Desorptionswahrscheinlichkeit) ist stark von der
Temperatur abhängig. Dieser Sachverhalt kommt theoretisch in
einer Proportionalität der jeweiligen Wahrscheinlichkeiten
zum Faktor exp(-E/kT) zum Ausdruck, wobei bekannterweise der
Quotient E/kT die jeweilige Aktivierungsenergie zur thermi
schen Energie ins Verhältnis setzt. Die Ad-/Desorptionszeiten
sind also umso kürzer, je höher die Temperatur bzw. je nied
riger die jeweilige Aktivierungsenergie ist. Dabei gilt im
allgemeinen, daß bei einer gegebenen Temperatur T die Adsorp
tionszeit kürzer ist als die Desorptionszeit. Die absolute
Größe der jeweiligen Aktivierungsenergien ergibt sich materi
al- und gasspezifisch aus dem elektronischen bzw. elektri
schen Zustand des Systems Adsorbens/Adsorbat. Vom physikali
schen Standpunkt sind die Aktivierungsenergien bei Adsorption
und bei Desorption unabhängige Kenngrößen des Systems. Bishe
rige Lösungen des Problems setzen an der Abhängigkeit der Ad-
/Desorptionszeit entweder von der Temperatur oder über die
jeweiligen Aktivierungsenergien an dem gassensitiven Material
an.
Durch ein Aufheizen des gassensitiven Materials auf typi
scherweise mehrere 100°C gelingt es, die Ad-/Desorptionszeit
auf unter 1 Minute zu verkürzen. Nachteiligerweise ist diese
Möglichkeit bei einem Dauerbetrieb unvereinbar mit der Vorga
be eines geringen Energieverbrauchs, wie sie beispielsweise
bei einem tragbaren Gassensorsystem verlangt wird. Darüber
hinaus begrenzt eine hohe Betriebstemperatur die Auswahl mög
licher gassensitiver Materialien, beispielsweise ist die gro
ße Klasse organischer Materialien nicht einsetzbar. Letzteres
Problem kann auch nicht dadurch überwunden werden, daß die
gassensitive Schicht statt im Dauerbetrieb im Pulsbetrieb be
heizt wird. Selbst bei einer Verwendung von Materialien, die
im Dauerbetrieb temperaturstabil sind, treten im Pulsbetrieb
im allgemeinen thermomechanische Eigenspannungen auf, die ei
nen Betrieb eines solchen Gassensors beeinträchtigen oder so
gar unmöglich machen.
Eine weitere Möglichkeit bietet die Entwicklung von Materia
lien bzw. Schichtsystemen, bei denen die jeweiligen Materia
lien auf das jeweilige zu messende System abgestimmt sind.
Ein Ziel dieser Materialauswahl ist es, die Aktivierungsener
gien des Adsorbens/Adsorbatkomplexes zu erniedrigen. Aller
dings ist bei dieser Methode nicht nur eine genaue Definition
der Meßumgebung (beispielsweise potentielle Gase und ihre
Konzentrationen, Umweltbedingungen etc.) notwendig, sondern
auch eine genaue Vorstellung über die zu erwartende Oberflä
chenchemie in dem jeweiligen Materialsystem. Letzteres stellt
ein Problem großer Komplexität dar, das man durch ein Materi
alscreening, also durch eine Vermessung einer gassensitiven
Schicht unterschiedlicher Konsistenz und/oder Morphologie in
vorgegebenen Szenarien, zu lösen sucht. Diese weitgehend em
pirische Vorgehensweise weist mehrere Nachteile auf: Es be
darf eines hohen maschinellen und verfahrenstechnischen Auf
wands, die Materialien in geeigneter Form abzuscheiden und zu
analysieren; ferner bedarf es eines erheblichen Meßaufwands
zur Kalibrierung und Überprüfung der Reproduzierbarkeit.
Bisher ist durch eine geeignete Material- bzw. Temperaturwahl
eine Verkürzung der Adsorptionszeit und der Desorptionszeit
realisiert. Hingegen ist eine Verlängerung der Desorptions
zeit nicht gegeben.
Eine Verlängerung der Desorptionszeit ist aber in vielen Be
reichen von großer Bedeutung, beispielsweise in einem Früh
warnsystem der Branderkennung oder der Expositions-
Belastungsmessung am Arbeitsplatz. Dabei ist eine kurze An
sprech- und Abfallzeit des Sensors auf eine Änderung einer
Gaskonzentration ist eine unabdingbare Voraussetzung für eine
Verwendbarkeit.
Wird ein Einsatz eines Sensors in einem tragbaren, batterie
betriebenen Meßgerät angestrebt, so ergibt sich aus einer
Forderung nach einer Minimierung des Leistungsverbrauchs des
Sensors (typischerweise « 100 mW) die Notwendigkeit eines
Verzichts auf eine Heizung der gassensitiven Schicht. Der Be
trieb des Sensors bei einer niedrigen Temperatur, beispiels
weise Raumtemperatur, ist wiederum mit einer so starken Ver
längerung der Ansprechzeit verbunden, typischerweise mehreren
Minuten, daß sein Einsatz in einem Frühwarnsystem oder einem
Dosimeter (zusammengesetzt aus Sensor und Auswerteeinheit)
unmöglich ist.
Es ist bereits bekannt, daß sich mittels eines elektrischen
Feldes, das auf das gassensitive Material einwirkt, die Sen
sitivität, was meßtechnisch der Signalhöhe entspricht, gegen
über einzelnen Gasen verändert. Insbesondere wird die Selek
tivität des gassensitiven Materials in Bezug auf eine Gasart
erhöht.
Aus DE 44 42 396 A1 ist bekannt, daß durch eine Einwirkung
eines elektrischen Feldes die Desorptionszeit verkürzbar ist.
Beispielsweise in M. Peschke: Wirkungsweise und Technologie
von gassensitiven "Suspended Gate" Feldeffekt-Transistoren
mit chemisch aktiven Zinnoxidschichten; Dissertation, Univer
sität der Bundeswehr München vom 27. Juni 1990 sowie in T.
Doll et al.: Ein Baukastensystem aus hybriden GasFet-Modulen;
lTG-Fachbericht 126: Sensoren- Technologie und Anwendung,
Seiten 465 bis 470, wird eine Wirkweise von Feldeffekt-
Transistoren zur Gasdetektion beschrieben.
Aus DE 43 33 875 C2 ist ein kapazitiv gesteuerter Feldeffekt-
Transistor bekannt, bei dem ein Feldeffekt-Transistor und ein
Kondensator durch einen Luftspalt voneinander getrennt sind,
wobei der Luftspalt durch eine oder mehrere gasempfindliche
Schichten gegrenzt wird, die mit einer Änderung ihrer Aus
trittsarbeit auf Gaseinwirkungen reagieren.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist es, eine Möglich
keit zur Gasdetektion nach dem Meßprinzip der Austrittsarbeit
bereitzustellen, dessen Desorptionszeit in einfacher Weise
verlängerbar ist.
Die Aufgabe wird durch die Merkmale der Ansprüche 1 und 11
gelöst.
Der Erfindungsgedanke basiert darauf, vor der gassensitiven
Schicht eines Gassensors, der nach dem Prinzip einer Messung
einer Austrittsarbeit arbeitet, ein hohes elektrisches Feld
zu erzeugen. Das elektrische Feld ist so stark, daß eine
Desorption des zu detektierenden Gases reduziert oder sogar
verhindert wird. Dies ist analog einer Verlängerung der
Desorptionszeit.
Mittels des elektrischen Feldes wird somit der elektronische
bzw. elektrische Zustand eines gegebenen Adsorbens/Adsorbat-
Komplexes der gassensitiven Schicht dahingehend beeinflußt,
daß die Aktivierungsenergie gesenkt und die zugehörige Sorp
tionszeit verkürzt wird.
Je nach Feldrichtung bzw. Polung des elektrischen Feldes ist
die Adsorptionszeit oder die Desorptionszeit wählbar verän
derlich. Bei umgepolter Feldrichtung ist es möglich, die Ad
sorption nahezu vollständig zu unterdrücken.
Die Änderung der Sorptionszeiten beruht darauf, daß durch den
Einsatz eines elektrischen Feldes der Fermi-Level innerhalb
der gassensitiven Schicht verschoben wird.
Die Erfindung besitzt den Vorteil, daß neben einer Erhöhung
der Desorptionszeit auch die Adsorptionszeit beeinflußbar
ist. Dadurch ergibt sich eine größere Anwendungsbreite des
Gassensors.
Auch kann durch eine Umpolung des elektrischen Feldes eine
verstärkte Desorption erreicht werden, so daß der Gassensor
rücksetzbar ist.
Ebenfalls vorteilhaft ist, daß die Sorptionszeiten leistungs-
und zerstörungsfrei beeinflußbar sind.
Weiterhin ergibt sich der Vorteil, daß elektrische Felder gut
beherrschbar und einfach herstellbar sind.
Vorteilhafterweise kann eine Vielzahl gassensitiver, auch
wärmeempfindlicher, Materialien eingesetzt werden, beispiels
weise Polymere und ionische Verbindungen wie Metalloxide oder
Metallsalze.
Es ist vorteilhaft, wenn nach einer Meßperiode mit unter
drückter Desorption das elektrische Feld so eingestellt wird,
daß eine Desorption solange begünstigt wird, bis das zu de
tektierende Gas aus der gassensitiven Schicht abgegeben wird.
Dadurch wird bei einer wiederholten Gasdetektion eine Kali
brierung der Meßergebnisse sichergestellt.
Eine vorteilhafte Anwendung eines solchen Systems ist die
Frühwarnung. Dabei wird eine so große Feldstärke gewählt, daß
der Gassensor nicht nur desorptionsfrei betrieben wird, son
dern auch in hinreichend kurzer Zeit auf das zu detektierende
Gas reagiert und bei Überschreiten eines gesetzten Schwell
wertes einen Alarm auslöst. Da die Desorption in diesem Be
triebszustand weitestgehend unterdrückt ist, wird zur schnel
len Rückführung des Sensors in seinen Ausgangszustand nach
erfolgtem Alarm eine Rücksetzung ("Reset") dergestalt durch
geführt, daß das elektrische Feld umgepolt wird. Durch die
Umpolung des elektrischen Feldes kann das Fermi-Niveau lei
stungsfrei so verschoben werden, daß die Desorption begün
stigt wird. Dadurch verkürzt sich die Desorptionszeit und die
Einsatzbereitschaft des Sensors wird in kürzester Zeit wieder
hergestellt.
Eine solche Rücksetzung des Gassensors kann auch bei einer
Verwendung in einem Dosimeter angewendet werden, allerdings
erst nach dem eigentlichen Betrieb bzw. vor Inbetriebnahme
des Gassensors. Im Betriebszustand des Gassensors als Dosime
ter wird kein Rücksetzen durchgeführt. Der Betriebszustand
ist durch eine Akkumulation der Meßsignale gekennzeichnet,
wobei der momentan angezeigte Meßwert ein Maß für die gesamte
seit Meßbeginn beaufschlagte Gasdosis ist. Je kürzer die Ad
sorptionszeit im Vergleich zur zeitlichen Änderung der Gasbe
aufschlagung ist, desto genauer ist die Erfassung der Gesamt
dosis.
Besonders bevorzugt wird die Ausführung des Gassensors in Zu
sammenhang mit einem gassensitiven Feldeffekt-Transistors
("GasFET"). Dabei kann ein üblicher Feldeffekt-Transistor
("FET") verwendet werden, auf dessen Kanal ("Channel") das
gassensitive Material, bei einem SGFET ("Suspended Gate FET")
durch einen Spalt getrennt, aufliegt. Auf der gassensitiven
Schicht ist eine elektrisch leitende und weitgehend isolierte
Abdeckung angebracht, wodurch die elektrischen Feldlinien von
der Quelle der Feldeffekt-Struktur über den Spalt und die
gassensitive Schicht in die Abdeckung geführt werden und von
dort analog wieder zurück in die Spannungssenke der Feldef
fekt-Struktur. Dadurch wird erreicht, daß der Stromfluß von
der Spannungsquelle zur Spannungssenke des Feldeffekt-
Transistors mit sehr hoher Empfindlichkeit durch die gassen
sitive Schicht geführt wird.
In den folgenden Ausführungsbeispielen wird der Gassensor
schematisch näher dargestellt.
Fig. 1 zeigt ein Ausführungsbeispiel eines gassensiblen
SGFETs mit verringerter Desorption,
Fig. 2 zeigt ein weiteres Ausführungsbeispiel eines gässen
siblen SGFETs mit verringerter Desorption,
Fig. 3 zeigt einen typischen Meßverlauf eines gassensiblen
SGFETs,
Fig. 4 zeigt einen typischen Potentialverlauf zur Beschrei
bung von Desorption und Adsorption,
Fig. 5 zeigt schematisch ein Sensorsignal in Abhängigkeit
von einer Desorptionsregelung,
Fig. 6 zeigt ein Sensorsignal bei einer dosimetrischen Be
triebsweise,
Fig. 7 zeigt die Auswirkung eines elektrischen Feldes auf
die Adsorptionszeit,
Fig. 8 zeigt die Abhängigkeit der Desorptionszeit von, dem
Feld,
Fig. 9 zeigt eine Unterdrückung einer Desorption,
Fig. 10 zeigt eine Unterdrückung der Adsorption,
Fig. 11 zeigt ein Meßsignal eines Frühwarnsystems,
Fig. 12a und b zeigen ein Sensorsignal bei einer dosimetri
schen Betriebsweise.
Fig. 1 zeigt als Schnittdarstellung in Seitenansicht ein
Ausführungsbeispiel eines gassensiblen SGFETs.
Auf einem Substrat SUB ist eine Wanne W aufgebracht, in die
eine erste Quelle ("Source") S1 und ein zweites Source S2
eingebracht sind, sowie eine Senke ("Drain") DR. Ein Source
S1, S2 und das Drain DR ergeben jeweils mit den das Source
S1, S2 und das Drain DR verbindenden Kanälen ("Channel") Ch1,
Ch2 eine FET-Struktur (Source/Channel/Drain). Auf der FET-
Struktur sind zusätzlich zwei Isolatorschichten I aufge
bracht.
Gegenüber der FET-Struktur ist ein Gate G vorhanden, aufwei
send mehrere Abstandshalter A, eine gassensitive Schicht GL,
eine elektrisch leitende Gateelektrode EG und einen Anschluß,
an dem eine Gate-Spannung UG anliegt.
Für eine Montage wird das Gate G auf die FET-Struktur aufge
bracht, wie es durch die an den Abstandshaltern A eingezeich
neten Pfeile skizziert ist. Nach Aufbringung des Gates G ist
die FET-Struktur von der gassensitiven Schicht GL durch einen
Spalt der Spalthöhe d getrennt. Der Spalt ist somit ein Teil
des Gates G. An der dem Spalt abgewandten Seite der gassensi
tiven Schicht GL liegt diese an der Gateelektrode EG an.
Zur Erzeugung eines die gassensitive Schicht GL durchdringen
den elektrischen Feldes wird eine äußere Spannung UGO an die
Gateelektrode EG angelegt. Dadurch entsteht ein elektrisches
Feld F, das es senkrecht zur Oberfläche der gassensitiven
Schicht GL steht. Es wird in dem Spalt zwischen der Gate-
Elektrode EG und der FET-Struktur (Source/Drain/Kanal) ausge
bildet.
Die gesamte an der Gateelektrode EG abgegriffende Gate-
Spannung UG ergibt sich aus der äußeren Spannung UG0 und ei
ner Spannungsänderung ΔUG, die durch eine Änderung der Aus
trittsarbeit ϕ hervorgerufen wird. Die Feldstärke des elek
trischen Feldes F ergibt sich daraus zu UG/d.
Je nach Material der gassensitiven Schicht GL können ein oder
mehrere Gase (d. h. Komponenten eines Gases in einem Gasge
misch) zu einer Änderung der Austrittsarbeit führen. Als gas
sensitives Material (mindestens eines) kann im Prinzip jedes
in einem GasFET eingesetzte Material verwendet werden, bei
spielsweise Polymere oder oxidative Materialien wie Metal
loxide oder Metallsalze. Aufgrund des leistungs- und zerstö
rungsfreien Betriebs am Gate G ist auch ein thermisch emp
findliches gassensibles Material verwendbar.
Die Höhe der Gate-Spannung UG zur Unterdrückung einer Desorp
tion eines Gases an der Oberfläche der gassensitiven Schicht
GL ist abhängig von verschiedenen Konstruktionsgrößen, z. B.
der Spalthöhe d. Bei sehr geringer Spalthöhe d ergibt sich
eine typische Gate-Spannung UG zwischen 1 Volt und 5 Volt und
damit wesentlich oberhalb der sonst verwendeten Gate-Spannung
UG von ca. 0,1 bis 0,3 Volt.
Bei größerer Spalthöhe d ergeben sich höhere Gate-Spannungen
UG, welche aber deutlich über den normalerweise verwendeten
Gate-Spannungen UG liegt. Typisch ist eine Gate-Spannung UG
ist der Bereich von 10 V/1 µm für Spalthöhen d größer 1 µm,
z. B. 50 V bei d = 5 µm und 100 V bei d = 10 µm. Dies ist
deutlich höher als die herkömmlicherweise angelegte maximale
Gate-Spannung UG = 10 V, bei der die Durchbruchfeldstärke
errreicht wird.
Die durch Anlegen der Gate-Spannung UG unterdrückte Desorpti
on kann dadurch wieder verstärkt werden, daß die Richtung des
elektrischen Feldes F geändert wird. In diesem Fall kann das
elektrische Feld F durch eine Änderung der Gate-Spannung UG
umgepolt werden, wodurch eine Desorption verstärkt wird. Das
elektrische Feld F wird in diesem Ausführungsbeispiel vor
teilhafterweise senkrecht zur Oberfläche geführt. Dies kann
aber bei anderen Systemen davon unterschiedlich ausgeführt
sein. Eine Umpolung ist beispielsweise wichtig bei einer
Rücksetzung des Gassensors ("Reset"). Das Mittel zur Umpolung
ist zur Vereinfachung nicht dargestellt.
Fig. 2 zeigt analog zu Fig. 1 eine mögliche weitere Ausge
staltung eines GasFETs, bei dem nun das mindestens eine zu
detektierende Gas nicht in einen durchgehenden Spalt ein
dringt, sondern durch eine durch das Gate G reichende Gaszu
führung G1 zur gassensitiven Schicht GL gelangt. Die Gaszu
führung G1 kann beispielsweise in Form von konischen Löchern
ausgebildet sein. Es ist ausreichend, wenn die gassensitive
Schicht GL oberhalb eines Channels Ch1, Ch2 angebracht ist.
Fig. 3 zeigt als Schnittdarstellung in Seitenansicht die an
einem Gitter ("Gate") eines GasFETs abgegriffene Gate-
Spannung UG in Volt, aufgetragen gegen die Zeit in Minuten
für verschiedene gassensitive Materialien eines gassensitiven
Feldeffekt-Transistors bei 70°C, aus Leu, M. et al., Sensors
and Actuators, B 18-19 (1994), pp 678-681.
Die zugeführte Gasmenge ist durch die rechteckförmigen Kur
venabschnitte des untersten Graphen gegeben: von links nach
rechts 2.ppm H2, und danach eine Gaseingabe von 1000, 100,
170 bzw. 240 ppm NO2. Die Reaktion des GasFETs ist in den
Graphen darüber bezeichnet, mit V2O5 (oberster Graph), Platin
(mittlerer Graph) und Ga2O3 (unterer Graph) als Adsorbens der
gassensitiven Schicht.
In Fig. 4 ist das elektrostatische Potential zwischen dem zu
untersuchenden Gasmolekül und dem Adsorbens der gassensitiven
Schicht in Abhängigkeit vom Abstand zwischen Gasmolekül und
Adsorbens dargestellt.
Dieser vom Lennard-Jones-Potential abgeleitete Potentialver
lauf beherrscht die Dynamik von Desorption und Adsorption
(nach Madou, J. M. et al., Chemical sensing with solid state
devices, Academic Press, Inc. 1989). Die Lage des Fermi-
Niveaus geht direkt in ΔHchem ein. Daher wird die Desorption
im Fall ohne Potential durch eine Potentialbarriere ΔHchem +
ΔEA behindert, im Fall mit zusätzlicher Spannung U nur noch
durch ΔHchem + ΔEA - eΔU.
Fig. 5 zeigt in Graph S die Auftragung der Gate-Spannung UG
in Volt gegen die Zeit in Minuten in Abhängigkeit vom zugege
benen Gasverlauf G1 und von Spannungspulsen G2 zur Desorpti
onsregelung. Der oberste Graph S gibt die Gate-Spannung UG
wieder, der mittlere Graph G1 den Verlauf des zugeführten Ga
ses und der untere Graph G2 den Spannungsverlauf zur Desorp
tionsregelung.
Es ist klar erkennbar, daß bei einer Zuführung eines detek
tierbaren Gases die Gate-Spannung UG ansteigt und nach einer
Abregelung der Gaszugabe wieder absinkt, wobei der Strom IDS
zwischen Source S1, S2 und Drain DR über einen Regelkreis
konstant gehalten wird. Ohne einen Spannungspuls zur Desorp
tionsregelung geschieht der Spannungsabfall, der durch je
weils einen Pfeil bezeichnet ist, vergleichsweise langsam.
Nach Aufgabe eines Spannungspulses zur verstärkten Desorption
ist erkennbar, daß erstens die Gate-Spannung UG weitaus stär
ker abfällt als ohne Spannungspuls und außerdem die Gate-
Spannung UG in stärkerem Maße abgeregelt wird.
In Fig. 6 ist die Gate-Spannung UG in Volt gegen die Zeit in
Stunden aufgetragen für eine dosimetrische Anwendung eines
GasFETs mit von einem elektrischen Feld F durchsetzten gas
sensitiven Material, welches so hoch ist und so gerichtet
ist, daß eine Desorption unterdrückt wird. Die durchgezogene
Linie zeigt das gemessene Sensorsignal, die gepunktete Linie
zeigt das eingegebene Gasprofil.
Am Anfang der Messung bleibt das Sensorsignal weitgehend kon
stant, und steigt nach Zugabe eines Gases schnell an. Nach
der darauf folgenden Abregelung des Gasgehaltes wird das
Spannungssignal weitgehend konstant gehalten. Dieser Vorgang
wiederholt sich mehrere Male. Es ist deutlich erkennbar, daß
die dosimetrische Wirkung über mehrere Stunden aufrechterhal
ten werden kann, was analog zu einer fast vollständigen Un
terdrückung der Desorption des entsprechenden Gases ist.
Fig. 7 zeigt die Gate-Spannung UG eines GasFETs und die zu
gegebene Gasmenge in Form eines Gasprofils G1, aufgetragen
gegen die Zeit, jeweils in beliebigen Einheiten.
Man erkennt, daß das Gate-Signal UG, dessen Änderung ein Maß
für die Adsorption bzw. Desorption ist, in Abhängigkeit der
Anwesenheit eines die gassensitive Schicht GL durchsetzten
elektrischen Feldes F veränderlich auf eine Änderung der Gas
konzentration reagiert. Wird zu einem Zeitpunkt ton ein Gas
bzw. eine Gaskomponente an die gassensitive Schicht GL gelei
tet, so steigt die Gate-Spannung UG bei Anwesenheit eines
elektrischen Feldes F signifikant stärker an als bei Abwesen
heit eines elektrischen Feldes F. Man erkennt, daß die Ad
sorptionszeit im elektrischen Feld F stark verkürzbar ist und
somit die Reaktionszeit eines Gassensors vorteilhaft steiger
bar ist.
Fig. 8 zeigt eine Weiterführung von Fig. 7 mit einer Ab
schaltung der Gaszufuhr.
Bei einer Unterbrechung des Gasflusses zur Zeit toff kann
durch Anlegen eines geeigneten elektrischen Feldes F durch
die gassensitive Schicht GL eine Verkürzung der Desorptions
zeit erreicht werden.
Fig. 9 zeigt eine Auftragung des Gate-Signals UG und des
Gasprofils G1 (d. h. der dem Gassensor zugeführten Gasmenge)
über die Zeit.
In Fig. 9 ist in Vergleich zu den Fig. 7 und 8 die Feld
stärke vergleichsweise so hoch gewählt, daß die Desorption
nahezu vollständig unterdrückt ist. Daraus ergibt sich nach
Anschalten der Gaszufuhr zum Zeitpunkt ton mit steigender Ad
sorption ein stetig steigendes Gate-Signal UG. Der Zusammen
hang zwischen Gate-Spannung UG und akkumulativer Gasmenge muß
nicht linear sein, z. B. ergibt sich in dieser Figur ein Sät
tigungseffekt.
Nach Ausschalten der Gaszufuhr zum Zeitpunkt toff bleibt die
Gate-Spannung UG konstant, was einer verhinderten Desorption,
entsprechend einer unendlich langen Desorptionszeit, ent
spricht.
Fig. 10 zeigt die Auftragung des Gate-Signals UG und des
Gasprofils G1 über die Zeit bei hoher Feldstärke analog zu
Fig. 9.
Die Richtung des elektrischen Feldes F ist im Vergleich zu
Fig. 9 umgepolt. Dadurch wird erreicht, daß nun die Adsorp
tion mindestens eines Gases vollständig unterdrückbar ist.
Dies ist aus der sich zum Zeitpunkt ton nicht verändernden
Gate-Spannung UG ablesbar.
In Fig. 11 wird ein typischer Betriebsverlauf eines Gassen
sors zur Anwendung bei einer Früherkennung und -warnung ge
zeigt.
Dazu wird das Gate-Signal UG und das Gasprofil G1 gegen die
Zeit aufgetragen. Die Feldstärke des elektrischen Feldes F
ist so hoch, daß eine Desorption unterdrückt wird.
Zu einem Zeitpunkt t0 wird Gas auf die gassensitive Schicht
GL des Gassensors geleitet. Dadurch steigt das am Gate G ab
gegriffene Gate-Signal UG an, wobei ΔUG = Δϕ gilt, und die
äußere Spannung UG0 unter dem Randwert IDS = const. einge
stellt wird.
Aufgrund der hohen Feldstärke wird eine Desorption des Gases.
aus der gassensitiven Schicht GL nahezu vollständig unter
drückt, und die von der gassensitiven Schicht GL absorbierte
Gasmenge akkumuliert. Dadurch steigt auch das Gate-Signal UG
stetig an. Zum Zeitpunkt t1 erreicht das Gate-Signal UG einen
vorbestimmten, typischerweise durch die Anwendung vorgegebe
nen Schwellwert T.
Durch Erreichen des Schwellwertes T wird von einem dem Gas
sensor nachgeschalteten Mittel ein Alarm ausgelöst. Auch nach
Unterbrechung des Gasflusses bleibt das Gate-Signal UG auf
grund der unterdrückten Desorption überhalb des vorbestimmten
Schwellwertes T.
Erst zu einer Zeit t2 wird der Gassensor zurückgesetzt (durch
"Reset"). Diese Rücksetzung des Gassensors geschieht durch
eine Richtungsänderung, z. B. mittels Umpolung, des die gas
sensitive Schicht GL durchdringenden elektrischen Feldes F.
Die Richtungsänderung bewirkt, daß die Desorption nun ver
stärkt und damit beschleunigt abläuft. Nach Erreichen eines
bestimmten Ausgangswertes der Gate-Spannung UG ist der Gas
sensor für einen neuen Meßvorgang wieder bereit.
Fig. 12a zeigt eine zu Fig. 11 analoge Darstellung, bei der
nun der Gassensor in rein dosimetrischer Funktion eingesetzt
wird.
Der Betriebszustand ist durch ein konstantes oder steigendes
Gate-Signal UG gekennzeichnet, wobei der momentan angezeigte
Meßwert ein Maß für die gesamte seit Meßbeginn beaufschlagte
Gasdosis, hier als Gaskonzentration angezeigt, ist. Je kürzer
die Adsorptionszeit im Vergleich zur zeitlichen Veränderung
der Gasbeaufschlagung ist, desto genauer ist die Erfassung
der Gesamtdosis. Ideal für eine solche Anwendung ist ein Gas
sensor mit einer möglichst geringen Adsorptionszeit und einer
möglichst langen Desorptionszeit.
Der Effekt der Absorptionszeit ist erkennbar bei einem An
stieg des Gate-Signals UG, bei dem die Adsorptionszeit sich
in der Steigung des Gate-Signals UG niederschlägt.
Fig. 12b zeigt eine zu Fig. 12a analoge Auftragung für ein
anderes Profil der zugeführten Gasmenge, angegeben als Gas
konzentration.
Claims (17)
1. Verfahren zur Gasdetektion nach dem Prinzip einer Messung
von Austrittsarbeiten, bei dem
mindestens ein Teil mindestens einer gassensitiven Schicht
(GL) von einem so starken elektrischen Feld (F) durchdrungen
wird, daß eine Desorptionszeit mindestens eines Gases an der
gassensitiven Schicht (GL) verlängert wird.
2. Verfahren nach Anspruch 1, bei dem
mittels des elektrischen Feldes eine Adsorptionszeit minde
stens eine Gases in die gassensitive Schicht (GL) verringert
wird.
3. Verfahren nach Anspruch 1 oder 2, bei dem
eine Desorption mindestens eines Gases verhindert wird.
4. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche in einem
SGFET, bei dem das elektrische Feld (F) durch ein Anlegen ei
ner geeignet hohen Gate-Spannung (UG) generiert wird.
5. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem
das Verhältnis von Gate-Spannung (UG) zu Spalthöhe (d) im Be
reich von 10 Volt pro 1 µm liegt.
6. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem
Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem
eine Gate-Spannung (UG) im Bereich von 1 bis 100 Volt aufge
geben wird.
7. Verfahren nach einem der vorhergehenden Ansprüche, bei dem
das elektrische Feld (F) so eingestellt wird, daß innerhalb
einer vorbestimmten Meßdauer die Desorption des Gases zur
Messung einer akkumulierten Gasmenge unterdrückt wird.
8. Verfahren nach Anspruch 7, bei dem
nach der Meßdauer das elektrische Feld (F) so eingestellt
wird, daß das Gas zur Rücksetzung auf einen Ausgangswert ver
stärkt aus der gassensitiven Schicht desorbiert wird.
9. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8 für eine dosimetrische
Messung.
10. Verfahren nach Anspruch 7 oder 8 zur Schwellwert-
Detektion in einem Warnsystem.
11. Gassensor nach dem Prinzip einer Messung von Austrittsar
beiten, aufweisend
- 1. mindestens eine gassensitive Schicht (GL), deren elektroni sche Oberflächenzustände bei einer Adsorption und Desorpti on mindestens eines Gases veränderbar ist,
- 2. ein Mittel zur Herstellung eines mindestens einen Teil der gassensitiven Schicht durchstrahlenden elektrischen Feldes (F),
12. Gassensor nach Anspruch 11, bei dem
das elektrische Feld (F) durch ein Anlegen einer vergleichs
weise hohen Gate-Spannung (UG) mindestens an der Oberfläche
der gassensitiven Schicht (GL) eines SGFETs generierbar ist.
13. Gassensor nach Anspruch 12, bei dem
ein Mittel zur Umpolung der Gate-Spannung (UG) vorhanden ist,
mittels dessen das elektrische Feld (F) so ausrichtbar ist,
daß eine Desorptionszeit zur Rücksetzung des Gassensors auf
einen Ausgangswert der Gate-Spannung (UG) verkürzbar ist.
14. Gassensor nach einem der Ansprüche 12 bis 13, bei dem
das Verhältnis von Gate-Spannung (UG) zu Spalthöhe (d) im Be
reich von 10 Volt pro 1 µm einstellbar ist.
15. Gassensor nach einem der Ansprüche 12 bis 14, bei dem
die Gate-Spannung (UG) auf Werte im Bereich von zwischen 1
Volt und 100 Volt einstellbar ist.
16. Gassensor nach einem der Ansprüche 14 oder 15, bei dem
die Spalthöhe (d) im Bereich von 1 µm bis 10 µm liegt.
17. Gassensor nach einem der Ansprüche 11 bis 16, bei dem
die gassensitive Schicht (GL) mindestens eine Polymerart,
mindestens ein Metalloxid oder mindestens ein Metallsalz auf
weist.
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