DE17882C - Verfahren zur Reinigung des Rübensaftes - Google Patents
Verfahren zur Reinigung des RübensaftesInfo
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-
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Description
KAISERLICHES
PATENTAMT.
Der auf bekannte Weise bisher gereinigte Saft wird auf seinen Gehalt an Kali untersucht.
Sollte derselbe noch alkalisch reagiren, so wird durch verdünnte Schwefelsäure oder durch
schweflige Säure neutralisirt. Sodann wird soviel Gyps zugesetzt, dafs auf ein jedes Gewichtstheil
Kali = 0,593 Gewichtstheile Kalk im Safte enthalten und beide mit Schwefelsäure chemisch
verbunden sind. 1 1 reines Wasser löst 2,20 g wasserfreien Gyps; hieraus läfst sich berechnen,
wieviel mindestens das vorhandene Quantum Saft an Gyps auflöst.
Wenn das in diesem Quantum Saft vorhandene Kali nach dem obigen mehr Gyps erfordert,
welches indessen selten vorkommen wird, so mufs das Fehlende vermittelst einer concentrirten
Gypslösung zugesetzt werden, so dafs endlich auf je ein Gewichtstheil Kali im Safte
= 0,593 Gewichtstheile Kalk, beide mit Schwefelsäure verbunden, vorhanden ist.
Es wird nun eine verdünnte Auflösung von schwefelsaurem Eisenoxyd zugeschüttet, und zwar
um so mehr, je mehr Gummigallerte der Saft enthält.
Der so zubereitete Saft wird dann einige Zeit nahe zum Kochen erhitzt und darin erhalten,
wodurch sich ein starker brauner Niederschlag und blättrige Krystalle auf der Oberfläche der
Flüssigkeit und auf dem Boden des Kochgefäfses absetzen.
Diese Ausscheidungen müssen von dem Safte getrennt werden, welches am leichtesten zu bewerkstelligen
ist, indem man den Saft mit diesen Ausscheidungen durch eine geringe Schicht gekohlter
Torfkohle filtrirt, aus welcher derselbe ganz klar abläuft.
Der gereinigte Saft wird auf bekannte Weise hinreichend stark eingekocht, wobei sich noch
ein dicker Schaum auf der Oberfläche abscheidet. Der unter diesem Schaum befindliche eingekochte
Saft wird in Krystallisationsgefäfse abgelassen, in welchen nach einiger Zeit der
sämmtliche in diesem Safte enthaltene krystallisirbare Zucker auskrystallisirt und auf bekannte
Weise von der Melasse, welche fast gar keinen Krystallzucker enthält, getrennt wird.
Da durch dieses Verfahren der Saft etwas dunkel wird, so ist es am zweckmäfsigsten, auf
bisherige Weise das erste Product zu gewinnen, und sodann erst vor der Gewinnung des zweiten
oder dritten Productes diesen Reinigungsprocefs des Saftes vorzunehmen.
Sollte durch einen fehlerhaften zu grofsen Zusatz von Gyps zum Safte nach der Reinigung
des Saftes eine zu grofse Menge Gyps in demselben verblieben sein, so mufs so viel Kali,
am besten in der Form von Potasche, zugesetzt werden, dafs auf jeden 0,593 Gewichtstheil
Kalk in dem zu beseitigenden Gyps ein Gewichtstheil Kali kommt, wobei die von der Potasche
aus dem Gypse niedergeschlagene Kalkmenge in Rechnung kommt. Beim Einkochen scheidet sich sodann der Gyps mit dem schwefelsauren
Kali als Doppelsalz vereinigt, in blättrigen Krystallen aus, und kann leicht beseitigt
werden.
Man kann auch den Zucker aus der bisherigen Fabrikationsweise, welche vielen krystallisirbaren
Zucker enthält, gewinnen, wenn man diese Melasse ganz in derselben Weise verarbeitet
wie den Saft, wie es in obigem beschrieben worden ist. Nachdem aus dieser'
Melasse durch Zusatz von Gyps und schwefelsaurem Eisenoxyd die Salze und die Gummigallerte
ausgeschieden worden sind und diese gereinigte Melasse in der erforderlichen Weise
eingekocht worden ist, krystallisirt der Zucker nach einigen Wochen fast ganz vollständig aus
und kann sodann auf bekannte Weise daraus gewonnen werden.
Das in beschriebener Weise zur Ausscheidung der Gümmigallerte, welche in den Pflanzensäften
und in der Melasse enthalten ist, dienende schwefelsaure Eisenoxyd wird bereitet, indem
man einer Auflösung von Eisenvitriol halb so viel Schwefelsäure zusetzt, als schon in derselben
enthalten ist, und mittelst Salpetersäure das Eisenoxydul in Eisenoxyd umändert, oder durch
Auflösen von Eisenoxyd (Colcothar) oder von an der Luft geröstetem Eisenvitriol in Schwefelsäure
oder auf ähnliche Weise. Auch kann das in der Natur sich vorfindende schwelsaure Eisenoxyd
benutzt· werden.
Dieses neutrale schwefelsaure Eisenoxyd enthält . meistens1 freie, Schwefelsäure oder einen
Ueberschufs davon. Es mufs deshalb bei deren Verwendung dem Safte oder der Melasse so
viel Kalk belassen oder zugesetzt werden, dafs diese überschüssige Säure neutralisirt wird. Die
hierdurch entstehende Gypslösung wird sodann in beschriebener Weise gegen den Kaligehalt in
Rechnung gebracht.
Es ist zweckmäfsiger, dem Safte oder der Melasse nach ihrer Neutralisirung basisch schwefelsaures
Eisenoxyd zuzusetzen.. Um dieses zu bereiten, wendet man folgendes Verfahren an:
Man setzt zu einer kochenden Lösung von Eisenvitriol so viel Salpetersäure, als zur vollständigen
Oxydation derselben erforderlich ist. Ist die Gasentwickelung vorüber, so fügt man
umgekehrt zu der das Eisen nur als Eisenoxyd enthaltenden Lösung wieder Eisenvitriol, bis das
abermals auftretende Aufbrausen aufgehört hat. In ähnlicher Weise kann das neutrale schwefelsaure
Eisenoxyd durch Zusatz von Eisenvitriol in basisches umgewandelt werden.
Claims (4)
1. Die Reinigung der Zuckerlösungen durch Zusatz von Gyps von den darin enthaltenen
Salzen in beschriebener Weise.
2. Die Ausscheidung der in den Zuckerlösungen enthaltenen Gummigallerten durch Zusatz
von mittelst Salpetersäure in der beschriebenen Weise dargestelltem schwefelsauren
Eisenoxyd.
3. Die Beseitigung des in Zuckerlösungen etwa enthaltenen Gypses vermittelst Zusatz von
Kali oder Potasche.
4. Die Gewinnung des in der Melasse der bisherigen Fabrikationsweise enthaltenen Krystallzuckers
durch Anwendung des unter 1. und 2. beschriebenen Verfahrens.
Publications (1)
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