-
Verfahren zum Behandeln von Diffusionsverchromtem Die Erfindung betrifft
ein Verfahren zum Behandeln von Metallstücken, bei dem die Werkstücke einer Wärmebehandlung
bei einer Temperatur von 700 bis 1500°C unterworfen werden, der dann eine schnelle
Abkühlung oder ein Abschrecken folgt, wobei nach der Behandlung die Oberfläche frei
von Oxydation ist.
-
Nach der Erfindung wird das betreffende Werkstück in eine im wesentlichen
neutrale oder reduzierend wirkende Atmosphäre, der mindestens eine Fluorverbindung
beigegeben ist, auf eine hohe Temperatur erhitzt und, ohne in eine andere Atmosphäre
als die obengenannte zu gelangen, abgeschreckt.
-
Durch das Verfahren nach der Erfindung wird erreicht, daß sich keine
Oxydationsschicht auf den abgeschreckten Werkstücken bildet, wie dies sonst beim
Abschrecken von hohen Temperaturen oftmals der Fall ist und die nur sehr schwer
zu beseitigen ist. Wenn sich jedoch eine geringe Oxydation während der Abschreckungsbehandlung
mit einem oxydierenden Mittel, wie Wasser, bilden sollte, so kann diese leicht,
beispielsweise durch elektrolytische Nachbehandlung, beseitigt werden.
-
Die Erfindung betrifft besonders eine Behandlung von Metallstücken,
die auf ihrer Oberfläche mit einer Metallauflage eines anderen Metalls oder einer
Metallegierung, vorzugsweise Chrom, versehen sind. Diese zusätzliche Auflage wird
durch Diffusion des Auflagemetalls in das Werkstück erreicht. Die Behandlung zur
Erzielung einer Diffusion des Auflagematerials in die Oberfläche des Werkstückes
besteht darin, daß das Metall auf relativ hohe Temperatur erhitzt wird, wobei im
allgemeinen durch dieses Erhitzen die bestehenden physikalischen und mechanischen
Eigenschaften des Werkstückes zerstört werden, so daß es nötig ist, das Werkstück
einer schnellen Abkühlung zu unterwerfen, um die verlorenen Eigenschaften wiederherzustellen.
Daher ist es ein Merkmal der Erfindung, daß das schnelle Abkühlen oder Abschrecken
unmittelbar hinter der Diffusionsbehandlung durchgeführt wird, d. h., wenn das Werkstück
noch mit der Temperatur der Diffusionsbehandlung behaftet ist.
-
Weitere Merkmale der Erfindung sind aus den Ansprüchen ersichtlich.
-
Eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung soll an Hand der Zeichnung,
die einen beispielhaften Weg zeigt, erläutert werden.
-
F i g. 1 und 2 zeigen schematisch zwei Anlagen zur Herstellung von
erfindungsgemäß behandelten Metallstücken; F i g. 3 und 4 zeigen einen axialen Querschnitt
zweier erfindungsgemäß hergestellter hohler Metallstücke mit arbeitenden Wänden;
F i g. 5 zeigt einen Axialschnitt eines Ofens zur Verchromung, in dem Metalldraht
nach dem erfindungsgemäßen Verfahren behandelt wird.
-
Die Erfindung soll an Hand der Herstellung von metallischen Werkstücken,
z. B. Eisenteilen, deren Oberfläche gegen Korrosion und Oxydation durch Diffusion
eines Metalls, z. B. Chrom, widerstandsfähiger gemacht werden soll, erläutert werden.
-
Bekanntlich wird das Verchromen in einer halogenierten, vorzugsweise
fluorierten Atmosphäre so vorgenommen, daß das Überzugsmetall auf die Werkstücke
durch ein Halogenid, vorzugsweise ein Fluorid, dieses Metalls gebracht wird, wobei
die Behandlungstemperatur zweckmäßig etwa zwischen 1000 und 1100°C liegt, d. h.
in einem für die Bildung einer Verchromungsschicht günstigen Bereich, in dem jedoch
im allgemeinen eine starke Verringerung der mechanischen Eigenschaften der Werkstücke
auftritt.
-
Erfindungsgemäß werden dann den eisenhaltigen Werkstücken wenigstens
teilweise die während der Verchromungsbehandlung verlorenen mechanischen
Eigenschaften
wiedergegeben, indem man die Werkstücke einer Härtebehandlung unterwirft, und zwar
entweder nach Wiedererwärmung der zu behandelnden Metallteile auf die für die Härtung
günstigste Temperatur in einer neutralen oder reduzierenden Atmosphäre, der eine
halogenierte, vorzugsweise fluorierte Verbindung zugesetzt ist, oder unmittelbar
nach Beendigung der Verchromungsbehandlung, d. h., wenn die Werkstücke noch eine
Temperatur, wie sie für die Verchromung erforderlich ist, haben.
-
Dieser Härtevorgang kann auf unmittelbarem Wege durch Eintauchen der
Werkstücke in eine Kühlflüssigkeit, die nicht oxydierend, wie Öl, oder oxydierend,
wie Wasser, wirkt, vollzogen werden.
-
Es ist aber auch möglich, wenn die Härtung nicht so stark zu sein
braucht, die Werkstücke einer indirekten Härtung durch Eintauchen zu unterwerfen,
wobei nicht die eigentlichen Werkstücke selbst, sondern diese innerhalb wasserdichter
Gefäße, vorzugsweise die gleichen Gefäße, in denen die Werkstücke die Verchromungsbehandlung
erfahren haben, eingetaucht werden.
-
Die Bedeutung der Erfindung tritt insbesondere dann hervor, wenn die
Werkstücke nicht nur eine Behandlung zur Wiederherstellung ihrer Härte und anderer
beeinflußbarer Eigenschaften erfahren sollen, sondern ihr glänzender Oberflächenzustand,
den sie durch die Verchromungsbehandlung erhalten haben, erhalten bleiben soll.
In diesem Fall richtet man es so ein, daß die Werkstücke während der Abkühlung und,
soweit sie nicht unmittelbar in eine Kühlflüssigkeit eingetaucht sind, mit einer
neutralen Atmosphäre, der wenigstens eine halogenierte, vorzugsweise fluorierte
Verbindung zugesetzt wird, in Berührung bleiben, wobei diese Atmosphäre zweckmäßig
die gleiche sein kann, wie sie für die Verchromungsbehandlung benutzt wird.
-
Man verhindert so durch das Vorhandensein dieser halogenierten Verbindung
die leichte Oxydation, die sonst in einer sogenannten neutralen oder reduzierenden,
mit Hilfe von industriellen Gasen, z. B. Wasserstoff oder Ammoniak, hergestellten
Atmosphäre auftreten würde, dadurch, daß diese Gase stets hinreichende Spuren von
oxydierenden Stoffen enthalten, um vorher glänzend gemachte eisenhaltige Flächen
glanzlos zu machen.
-
Die betrachtete Behandlung hat eine besondere Bedeutung, wenn die
in einer halogenierten, insbesondere fluorierten Atmosphäre verchromten Teile erhebliche
Kohlenstoffmengen enthalten und daher nach der Härtung befriedigende physikalische
und mechanische Eigenschaften aufweisen können.
-
Stahlteile mit über 0,2 °/o liegendem Kohlenstoffgehalt können entweder
dicke, chromreiche, glänzende Schichten aufweisen, wenn vor oder gleichzeitig mit
der Behandlung eine oberflächliche Entkohlung vorgenommen wird, oder sehr dünne,
hauptsächlich Chromkarbid enthaltende, sehr matte Schichten haben, wenn während
der Behandlung besondere Maßnahmen zur Vermeidung der Entkohlung der Werkstücke
getroffen werden.
-
Es erscheint hier zweckmäßig, einige nähere Angaben über die Art der
Oberflächenschichten gewisser verchromter Teile zu machen.
-
Bei eisenhaltigen Werkstücken mit einem erheblichen Kohlenstoffgehalt
kann man dicke schützende Diffusionsschichten aus Ferrochrom erhalten, indem man
diese Werkstücke zu Beginn der Behandlung (oder in einer vorhergehenden Behandlung)
einer Spülung mit feuchtem Wasserstoff zwischen 700 und 950°C aussetzt. Man kann
auch die Werkstücke oberflächlich dadurch entkohlen, daß man der Reaktionsmasse
Wasser oder Ammoniumkarbonat C03(NH4)$ zusetzt. Diese Maßnahmen können an jedem
Werkstück mit einem verhältnismäßig hohen Kohlenstoffgehalt vorgenommen werden.
Man kann ebenfalls gute Ergebnisse erzielen, wenn man die Werkstücke vor der Verchromungsbehandlung
während einer mehr oder weniger langen Zeit oberflächlich oxydiert. Die Reduzierung
der Eisenoxyde beginnt dabei während des Diffusionsvorganges bei etwa 500°C unter
Bildung von Wasserdampf,- der an der Oberfläche eine Entkohlung des Stahles bewirkt.
-
Die obengenannten Behandlungen zur Wiederherstellung der Eigenschaften
sind auch für Stähle mit hohem Kohlenstoffgehalt, die z.B. Wolfram enthalten und
bei denen durch Verchromung eine von der Bil= dung einer kontinuierlichen Oberflächenschicht
aus Chromkarbid herrührende erhebliche oberflächliche Härtung erzielt wird, anwendbar.
Die Diffusion des Chroms ist von einer Anreicherung der Oberflächenschichten des
Stahles mit Kohlenstoff auf Kosten der darunterliegenden Schichten begleitet. Es
bildet sich eine sehr harte Chromkarbidschicht, die das tiefe Eindringen des Chroms
verhindert. Wenn eine derartige harte Verchromung gewünscht wird, kann es zweckmäßig
sein, den entkohlenden Einfluß der Spülgase dadurch zu vermindern, daß man das Volumen
der aktiven Atmosphäre durch Einführung indifferenter Umhüllungspulver verringert.
-
Eine derartige Behandlung zur Hartverchromung kann übrigens auch für
Stähle angewandt werden, die nur 0,2 bis 0,3 % Kohlenstoff enthalten. Es
muß dann aber jede Entkohlungsursache vermieden werden. Hierfür ist es zweckmäßig,
den Ammoniumfluoridgehalt der Atmosphäre zu vergrößern, nur wasserfreie Erzeugnisse
zu benutzen und nur vollständig von Oxyd befreite Werkstücke zu behandeln. Die Oxyde
werden nämlich erst zwischen 400 und 800°C reduziert, d. h. bei einer Temperatur,
bei der die Bildung von Wasser eine sehr kräftige Entkohlungswirkung haben würde.
-
Da die auf der Basis von Chromkarbid gebildete Oberflächenschicht
sehr wenig schmelzbar ist, so daß kaum eine Gefahr eines oberflächlichen Anhaftens
durch Diffusion zwischen festen Körpern besteht, kann man sowohl in einem Kontaktverfahren
als auch mittels eines Verfahrens in gasförmiger Phase arbeiten. Das beste Verfahren
scheint jedoch das sogenannte Halbkontaktverfahren in gasförmiger Phase zu sein,
bei dem die von der Reaktionsmasse isolierten Werkstücke mit dem Regenerationsmetall
(Chrom) in Berührung stehen und zweckmäßig von einem indifferenten Verdünnungsmittel,
wie Zirkon oder Aluminiumoxyd, umhüllt werden, wobei das Verdünnungsmittel das Volumen
der Gesamtatmosphäre, die aus irgendeinem Grunde eine Entkohlungswirkung haben könnte,
verringert.
-
Die Temperatur der Verchromungsbehandlung hängt von der Art der Werkstücke
ab Roheisen mit einem Gehalt an Kohlenstoff, z. B. hochphosphorhaltiges Roheisen,
wird im allgemeinen bei 875 bis 900°C behandelt, und der Stahl mit 0,4 bis 0,6 °/o
Kohlenstoffgehalt wird mit einer sehr harten Schutzschicht aus Chromkarbid von etwa
0,03 mm nach einer 2stündigen Behandlung bei 1075°C in
eine Atmosphäre
von Chromfluorid und Wasserstoff bedeckt.
-
In F i g. 1 ist eine Vorrichtung zur Durchführung einer Behandlung
zur Wiederherstellung der mechanischen Eigenschaften dargestellt, die durch ein
direktes Eintauchen in eine oxydierende oder nichtoxydierende Flüssigkeit abgeschlossen
wird. Zur Wiederhärtung von Werkstücken B, die eine »Hartverchromung« erfahren haben,
ist ein Behandlungsgefäß 1 an seinem oberen Ende geschlossen und in einen Ofen mit
Abzug A eingeführt. Eine mittels Stange 2a in das Gefäß 3 absenkbare Bodenplatte
2 zur Aufnahme der zu behandelnden Stücke B schließt das Gefäß 1 ab. In diesem
Fall wird die halogenierte reduzierende Atmosphäre dadurch gebildet, daß in das
Behandlungsgefäß 1 Fluorverbindungen, vorzugsweise ein sehr flüchtiges Fluorid,
wie Ammoniumfluorid, und ein verhältnismäßig wenig flüchtiges Fluorid, wie Chromfluorid,
eingeführt werden, wobei das Chromfluorid nach Verdampfung des Ammoniumfluorides
die Spülung bewirkt und während der ganzen Behandlungsdauer eine halogenierte reduzierende
Atmosphäre aufrechterhält, deren Überschuß durch den Schlot A entweichen kann. Es
können jedoch auch andere Fluoride benutzt werden, z. B. Nickel oder Aluminiumfluorid.
Es ist zweckmäßig, kleine Mengen an Regenerierungsmetall zuzufügen, wenn die Härtungstemperatur
1050°C übersteigen soll.
-
So kann man z. B. eine größenordnungsmäßig zwischen einigen Gramm
und einem Bruchteil eines Grammes je Liter liegende Ammoniumfluoridmenge und etwa
ein Zehntel dieser Menge an Chromfluorid einführen, wobei flüssiges oder festes
Chromfluorid keine Berührung mit den Werkstücken erhalten darf.
-
Wenn die der Wiederhärtung vorausgehende Erwärmung etwa 800 bis 900°C
beträgt, tritt praktisch noch keine Verchromung ein, da die Atmosphäre arm an aktiven
Fluoriden ist, die Temperatur für eine Verchromung zu niedrig ist und die Werkstücke
nur einige Minuten auf der Höchsttemperatur bleiben. Wird dann höher erhitzt, so
ist es unnötig, Regenerierungschrom in die Behandlungskammer einzubringen, da praktisch
keine Verluste durch innere Diffusion auftreten.
-
Nach der Erfindung können beispielsweise Nadelventilschrauben von
Hähnen und Schwenkzapfen von Meßapparaten aus Stahl mit 0,5 °/fl Kohlenstoff verchromt
und anschließend wiedergehärtet werden. Diese Werkstücke werden mit einer sehr verschleißfesten,
harten Oberflächenschicht aus Chromkarbid (l200 bis 1500 Vickers) überzogen. Die
mechanischen Eigenschaften des Metalls verschlechtern sich durch die Verchromung
im Innern erheblich. Doch können diese durch eine Erwärmung auf 975°C unter den
oben angegebenen Bedingungen, z. B. in einer neutralen oder reduzierenden Atmosphäre,
der Chromfluorid beigegeben ist, mit anschließendem Abschrecken in Öl wiedergewonnen
werden. Man erhält so Werkstücke, die nach Durchlaufen des Rütteltisches weder Abnutzungs-
noch Verchromungsmerkmale aufweisen.
-
Um jede Berührung mit der Luft während des Eintauchens der Werkstücke
in den die Abschreckungsflüssigkeit (Öl oder fluoriertes Wasser) enthaltenden Behälter
3 zu vermeiden, ist im Ofen ein Mantel 4 vorgesehen, der ihn bis in den Behälter
3 verlängert. Das Gefäß 1 ist z. B. durch Stifte 5 abnehmbar an diesem Mantel 4
befestigt. Entfernt man die Stifte 5, so kann das Gefäß 1 in den Behälter
3 fallen. Wird dann die Bodenplatte 2 mittels der Stange 2a abgesenkt, so können
die zu behandelnden Werkstücke B direkt in die Abschreckungsflüssigkeit im Gefäß
3 eintauchen.
-
Die Vorrichtung nach F i g. 1 wird zweckmäßig in die Form der F i
g. 2 abgeändert, wenn man in ihr Werkstücke wieder härten will, die an der Oberfläche
dicke, glänzende Verchromungsschichten aufweisen. Die Werkstücke B werden dann lose
in das Innere des Gefäßes 1 gebracht. Die Bodenplatte 2 dieses Gefäßes besitzt Öffnungen
für den Durchtritt der Gase. Das Gefäß 1 trägt an seinem oberen Teil einen Stutzen
A1 im Schlot A, durch den in das Gefäß ein kontinuierlicher Wasserstoffstrom strömen
kann. Dieser Wasserstoffstrom kann bei einer Temperatur von über 500°C über mit
Chromfluorid getränktes Chrom geleitet werden und dadurch mit fluorierten Verbindungen
angereichert sein. Dieses mit Chromfluorid getränkte Chrom kann z. B. von einem
Chromvorrat herrühren, der durch Kondensation während der eigentlichen Verchromungsbehandlung
oder auf andere Weise gewonnen wurde.
-
Man kann auch Feuerungsroste und Masutbrenner aus Stahl mit 0,20/,
Kohlenstoff während 8 Stunden bei ein-,r Temperatur von 1080°C so verchromen, daß
eine Diffusionsschicht von 0,25 mm Dicke entsteht. Auf die Behandlung in einer neutralen
oder reduzierenden Atmosphäre folgt dabei ein Abschrekken in Öl bei einer Temperatur
von 875'C.
-
Nach mehreren 100 Stunden in einer bald reduzierenden bald oxydierenden
Atmosphäre von bisweilen schwefelhaltigen Verbrennungsgasen kann nur ein unbedeutendes
Abblättern ohne irgendein Eindringen der Korrosion längs der Korngrenzen festgestellt
werden.
-
Wenn man eine kräftige Abschreckung wünscht, kann man die Werkstücke
z. B. in Salzwasser, das zweckmäßig Ammoniumfluorid enthält, fallen lassen. In diesem
Fall können jedoch die in die Abschreckflüssigkeit fallenden Werkstücke mit einer
über etwa 900'C liegenden Temperatur etwas oxydiert werden. Zur Entfernung
dieses sehr feinen und sehr stabilen, bei hoher Temperatur gebildeten Chromoxyds
kann man anschließend die Werkstücke elektrolytisch behandeln. Man benutzt hierzu
die Werkstücke als Kathoden in einem Elektrolyten aus einem geschmolzenen Gemisch
von Soda, dem Natrium- oder Kaliumkarbonat zugesetzt ist. Die Behandlung vollzieht
sich bei einer Temperatur zwischen 275 und 400'C, bei der nicht die Gefahr besteht,
daß sich die mechanischen Eigenschaften der Werkstücke verändern. Die Behandlungsdauer
liegt zwischen einigen Sekunden und einigen Minuten. Man benutzt vorteilhaft eine
Spannung von 4 bis 6 V mit einer Stromdichte zwischen 0,1 und 0,5 A/cm2.
-
Wenn die Abschreckbehandlung bei einer Temperatur von unter 875 bis
900°C erfolgt oder wenn bei höherer Temperatur dem Abschreckwasser Ammoniumfluorid
zugesetzt wird, ist es häufig zum Entfernen des Oxyds ausreichend, durch eine kurze
elektrolytische Behandlung die Werkstücke glänzend zu machen.
-
So können Rohlinge von Kettenringen aus halbhartem Stahl mit 0,25
°/o Kohlenstoff durch eine oberflächliche Entkohlung bewirkende Behandlung verchromt
werden. Nach der Verchromung wird die Kette geformt und anschließend in Wasser mit
Ammoniumfluoridzusatz bei 875°C abgeschreckt. Unter
den gleichen
Bedingungen werden Federn behandelt, wobei anschließend das Material 2 Stunden lang
bei 350°C gehalten und ein elektrolytisches Glänzendmachen von einigen Sekunden
vorgenommen wird. In beiden Fällen kann Rostfreiheit und vollständige Wiederherstellung
der mechanischen Eigenschaften beobachtet werden.
-
Während der Abkühlung der verchromten Teile (insbesondere hochtemperaturfeste
NickeLegierungen mit einem Cr-Gehalt von 10 bis 200/,) kann beobachtet werden, daß
sich oberflächlich eine zerbrechliche Schicht bildet. Im Laufe der 8stündigen, bei
1080°C fortgesetzten Verchromungsbehandlung wird die Oberflächenschicht stark mit
Chrom angereichert, so daß der Chromgehalt in der Oberflächenschicht 50°/o erreichen
kann. Dieses Chrom, das bei hoher Temperatur in das Grundmetall diffundiert ist,
ist im allgemeinen bei niedrigerer Temperatur weniger löslich, und es kann während
der Abkühlung die Bildung einer Schicht aus bestimmten, im allgemeinen zerbrechlichen
Verbindungen auftreten. Diese zerbrechliche Schicht wird erfindungsgemäß leicht
durch elektrolytisches Polieren entfernt.
-
Durch dieses elektrolytische Polieren kann auch die zerbrechliche
Sigmaphase entfernt werden, wenn diese an den verchromten Eisenteilen auftritt.
Bei Eisenteilen bietet jedoch gerade ein schnelles Abschrecken am Ende der Verchromung
den Vorteil, daß die oberflächliche Bildung dieser Sigmaphase verhindert wird, da
sich die Sigmaphase im allgemeinen nur bei einer langsamen Abkühlung bildet. Ihr
Vorhandensein kann schädliche Festfreßerscheinungen, insbesondere bei Schraubenteilen,
hervorrufen.
-
Wenn die - Sigmaphase an vorher verchromten Werkstücken vorhanden
ist, bringt eine Wiederhärtungsbehandlung mit einer Erwärmung auf über 820°C und
anschließendem schnellem Abschrecken diese Schicht zum Verschwinden, ohne deren
Wiederauftreten zu gestatten. Die Sigmaphase ist nämlich bei einer über 820°C liegenden
Temperatur nicht vorhanden und kann sich nur langsam bilden.
-
Bei der indirekten Härtung, d. h., wenn die Werkstücke nach der Verchromung
zum schnellen Abschrecken innerhalb der Verchromungsgefäße in eine Flüssigkeit,
wie Wasser mit Natriumchloridzusatz , oder Kalziumchioridzusatz zur Verhinderung
der Erwärmung, fallen, ist es vorteilhaft, eine Apparatur zu benutzen, bei der der
Teil der Gefäße, an dem die Gase ein- oder austreten können, im Augenblick der Abkühlung
in einer Zone liegt, in der sich nur reduzierende Gase befinden. Man muß ferner
jeden Eintritt von Luft oder Wasserdampf in den Raum, in dem das reduzierende Gas
strömt, z. B. durch einen Glockenofen 6 nach F i g. 2 vermeiden. Dies kann dadurch
geschehen, daß an dem Ausgang dieses Raumes oberhalb des Abschreckbehälters 3 eine
Irisblende 7 angeordnet ist, welche den Ofen 6 gegenüber dem Abschreckbehälter 3
in jeder Stellung des Gefäßes 1 abdichtet. Ihre größte Öffnung reicht gerade, um
das Behandlungsgefäß 1 durchtreten zu lassen, ihre engste genügt zur Halterung der
Steuerstange für das Gefäß 1. Die Öffnung dieser Blende gestattet es, das Fallen
des Gefäßes in die Abschreckflüssigkeit zu steuern.
-
Durch die beschleunigte Kühlung kann die Gesamtbehandlungsdauer verringert
und somit die Leistung der Öfen vergrößert werden.
-
Eine Verbesserung der Erfindung gestattet noch einen weiteren Zeitgewinn
dadurch, daß man die Kühlung in einem Apparat vornimmt, der keine Verbindung mit
dem Behandlungsofen hat und der sofort wieder neu beschickt werden kann. Das Behandlungsgefäß
1 darf dann keinen an seiner Oberseite vorspringenden rohrförmigen Teil aufweisen
und muß verhältnismäßig dicht sein. Es ist möglich, dieses Gefäß, wenn es noch eine
Temperatur von über 500°C hat, in einen unabhängigen Apparat zu bringen, in dem
die Kühlung in einer Wasserstoffatmosphäre erfolgt. Der Apparat kann dabei z. B.
aus einer außen durch eine Rohrschlange gekühlte Glocke, die unmittelbar über das
Behandlungsgefäß gestülpt wird, bestehen. Es kann hierzu auch ein Deckel (ohne äußere
Kühlung) dienen, der den oberen Teil der Behandlungsgefäße, die in einen Abschreckbehälter
gebracht und später durch eingeströmte Flüssigkeiten gekühlt werden, überdeckt.
-
Die erfindungsgemäßen Maßnahmen können ganz allgemein beim Transport
von verhältnismäßig dichten Gefäßen angewandt werden. Damit beim Transport keine
Oxydation der Werkstücke auftritt, muß man darauf achten, daß ihre Temperatur immer
mindestens 500°C beträgt. Gleichzeitig muß dafür gesorgt werden, daß in diesen Gefäßen
eine neutrale oder reduzierende Atmosphäre, der halogenierte, vorzugsweise fluorierte
Verbindungen zugesetzt sind und die sich allmählich auf dem Transport entwickeln,
aufrechterhalten wird.
-
Da die Kühlgeschwindigkeit der Werkstücke erheblich kleiner als die
bei einer direkten Abschreckung in einer Flüssigkeit ist, ist es zur Erzielung der
besten mechanischen Eigenschaften zweckmäßig, selbsthärtende Stähle (Stähle mit
die Umwandlung verzögernden aktiven Stoffen, insbesondere Nickel und Chrom) zu benutzen.
Eine typische Zusammensetzung eines für eine derartige Verchromungsbehandlung mit
beschleunigter Abkühlung geeigneten Stahls ist folgende: Kohlenstoff 0,3 bis 0,4°/0,
Nickel 4 °/o, Chrom 1,2 °/a, Silizium 0,3 bis 0,4°/0, Mangan 0,3 bis 0,5°/n, gegebenenfalls
mit Spuren von Bor.
-
Außer beim Härten verchromter Stähle oder Legierungen kann das glänzendmachende
Reduzierungsvermögen der reduzierenden fluorierten Atmosphäre ganz allgemein für
die Behandlung von beliebigen eisenhaltigen Teilen und selbst von rostfreien Stählen
oder Legierungen ausgenutzt werden. Das glänzendmachende Härten der Eisenteile läßt
sich in besonders einfacher Weise dadurch erreichen, daß die Werkstücke lose in
ein Verdünnungsmittel, z. B. Talk, das Ammoniumfluorid enthält, gebracht werden.
Das Glänzendwerden der ursprünglich oxydierten Eisenteile kann durch das Verflüchtigen
des Oxyds im Zustand von Eisenfluorid bei etwa 900°C nach Gleichung 2 NH4F = 211F
+ 3H2 -}- NZFe203 + 4 HF + 112 = 2 FeF2 + 3H20 erklärt werden, wobei sich
Wasser bildet, das allmählich ausgeschieden wird. Hierauf kommt es zur Reduzierung
des so gebildeten Fluoriddampfes und nach der Gleichung 2 FeF2 -E- 2H2 = 2 Fe -¢-
411F zum Niederschlag des Metalls auf dem Werkstück, das sich so mit einer Eisenschicht
überzieht, wobei es sich selbst zementiert.
-
Zur Herstellung von hohlen Metallteilen mit einer arbeitenden dünnen
Wand kann man auch einen vollen
Rohling entsprechender Form verchromen,
die mechanischen Eigenschaften dieses Rohlings erneuern und schließlich durch chemischen
Angriff den kein Chrom enthaltenden inneren Teil des Werkstücks entfernen.
-
Wenn man außerdem geeignete Maßnahmen trifft, um jede Oxydation der
Oberfläche zu vermeiden, erhält man schließlich ein Werkstück mit einer dünnen,
elastischen Wand gleichmäßiger Dicke, die eine glänzende korrosionsfeste Oberflächenschicht
aufweist.
-
So kann man biegsame Rohre und Aneroidmembranen herstellen. Die Werkstücke
werden aus weichem Stahl mit 0,05 bis 0,15 °/o Kohlenstoff gefertigt. Sie werden
äußerlich bearbeitet und hierauf bei 1075°C verchromt. Die Verchromungsdauer wird
so eingestellt, daß die Wände die gewünschte Dicke besitzen. Nach 2 Stunden beträgt
die Wandstärke etwa 0,12 mm. Anschließend werden die Werkstücke schnell abgekühlt,
wobei das Verchromungsgefäß in Salzwasser fällt. Nach Abschleifen der beiden Befestigungsköpfe
der Werkstücke werden diese vollständig mit kochender Schwefelsäure ausgehöhlt.
Nach der Behandlung bleibt ein hohler Körper P (F i g. 3) übrig, der eine genügende
Elastizität, eine leicht vorauszubestimmende, gleichmäßige Dicke, eine tadellose
Oberflächenbeschaffenheit und eine große Korrosionsfestigkeit besitzt.
-
Zur Beschleunigung der Behandlung ist es zweckmäßig, im Zentrum des
Rohlings einen während des Verchromungsvorgangs sorgfältig gegen die aktiven Dämpfe
geschützten Durchlaß vorzusehen, der z. B. durch eine Gewindebohrung, die während
der Verchromung durch zwei Stöpsel 8 verschlossen wird, gebildet werden kann. Wie
in F i g. 4 gezeigt, kann man auch einen einzigen Körper verchromen, der durch Aneinanderlagerung
gleicher Teile gebildet ist. Diese Teile werden nach der Verchromung auseinandergesägt,
so daß nach der Behandlung die Fläche nicht abgeschliffen zu werden braucht.
-
Zur Anpassung eines Hohlraumes an den Verwendungszweck oder zur Herstellung
eines solchen genügt vielmehr eine Salpetersäurebehandlung, die an den unverchromten,
durchgesägten Endflächen angreift.
-
Ein weiteres Beispiel einer Verchromung mit nachfolgender Wiederherstellung
der mechanischen Eigenschaften durch planmäßige Kühlung ist in F i g. 5 dargestellt.
Hier wird die kontinuierliche Behandlung eines Metalldrahtes F gezeigt.
-
Dieser von einer Spule 13 kommende Draht durchläuft in einer kontinuierlichen
Bewegung ein an seinen Wänden durchlöchertes, kaminartiges Rohr 14, das von
Zementierungsmittel C (eine Mischung von Chrom und Ammoniumfluorid) und Regenerierungschrom
R, das sich innerhalb des Glockenofens befindet, umgeben ist. Der zur Spülung benötigte
Wasserstoff wird durch eine Leitung 15 zugeführt, während an dem oberen Teil des
Schachtes ein Stutzen 16 vorgesehen ist, durch den die Reagenzien eingeführt
werden könneu. Das Zentralrohr 14 ist außerhalb des Ofens durch eine Leitung
14a verlängert, die einen Kühlbehälter 17 durchdringt. Der aus dieser Verlängerung
14a kommende verchromte Draht kann am Schluß eine elektrolytische Polierbehandlung
in einem Behälter 18 erfahren, bevor er auf eine Trommel 19
aufgewickelt
wird. Die Kühlung, z. B. durch Wasser, vermeidet die Bildung einer Oberflächenschicht
der Sigmaphase auf dem Eisendraht und verhütet so ein Brechen des Drahtes. Das elektrolytische
Polieren verbessert noch die Oberflächeneigenschaften des verchromten Drahtes.
-
Bei einer derartigen Anlage arbeitet man zweckmäßig mit hoher Temperatur,
z. B. in der Größenordnung von 1150°C, um einen schnelleren Ablauf zu bewirken.
So erhält man insbesondere bei der angegebenen Temperatur und einer Durchlaufzeit
von 5 Minuten eine Diffusionsschicht von 0,02 mm, bei einer Durchlaufzeit von 30
Minuten eine Schicht von 0,06 bis 0,08 mm und bei einer Durchlaufzeit von 1 Stunde
eine Schicht von 0,10 bis 0,12 mm.
-
Wenn die Leistung der Anlage vergrößert werden soll, können mehrere
kaminartige Rohre für die gleichzeitige Behandlung ebenso vieler Drähte nebeneinander
angeordnet werden.