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Verfahren und Vorrichtung zur Trennung von Stoffgemischen Zur diskontinuierlichen
Trennung von Vielstoffgemischen durch multiplikative Verteilung zwischen zwei nicht
oder nur beschränkt mischbaren Lösungsmitteln wurden bisher Verfahren angewendet,
die dadurch gekennzeichnet sind, daß die eine Lösungsmittelphase in Ruhe ist, während
die andere bewegt wird. Es konnte jedoch gezeigt werden, daß ein solches Einstromverfahren
einen erheblich höheren Trennaufwand erfordert als ein Verteilungsverfahren mit
zwei im Gegenstrom zueinander bewegten Phasen, d. h., es werden für eine bestimmte
Trennung eines gegebenen Gemisches größere Trennstufenzahlen und damit ein größerer
apparativer Aufwand sowie größere Lösungsmittelmengen benötigt (Chemie-Ing.-Techn.,
27, S. 341 [1955], und 30, S. 95 [1958]).
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Die diskontinuierliche Trennung eines Gemisches durch zwei im Gegenstrom
zueinander geführten Lösungsmittelphasen wurde in der deutschen Patentschrift 539
831 beschrieben. Diesen Ausführungen zufolge kann das Gemisch einmalig an einer
beliebigen Stelle einer Kontaktvorrichtung - zugeführt und die getrennten Bestandteile
können an einem oder beiden Enden der Kontaktvorrichtung abgezogen werden.
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Tatsächlich können nach diesem Verfahren auch mehr als zwei Stoffe
teilweise oder praktisch vollständig getrennt werden; es muß jedoch ein wesentlich
höherer Trennaufwand als bei der Trennung von nur zwei Stoffen in Kauf genommen
werden.
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Definiert man nämlich die Extraktionszahl E durch die Gleichung VA
VA E=K y, (K = Verteilungskoeffizient, VA bzw. VB = Volumina der spezifisch leichteren
bzw. schwereren Lösungsmittelphase), so verlassen bei diesem Verfahren - ganz ähnlich
wie bei dem in der gleichen Patentschrift erörterten kontinuierlichen Verfahren
- - alle Stoffe mit E> 1 die Kontaktvorrichtung bevorzugt mit der leichten Phase,
alle Stoffe mit E < 1 entsprechend mit der schweren Phase.
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Man kann nun zeigen, daß bei einmaliger Zufuhr von Gemisch in der
Mitte einer gegebenen Kontaktvorrichtung nur dann die gleiche Trennwirkung wie bei
der kontinuierlichen Verteilung erzielt wird, wenn nicht mehr als zwei Stoffe getrennt
werden. Dies beruht darauf, daß - beispielsweise bei der Trennung eines ternären
Gemisches - das für die Trennung der Komponente 1 von der Komponente 2 optimale
Lösungsmittelverhältnis, das gegeben ist, wenn E1 = 11E2
ist, grundsätzlich nicht
optimal ist für die Trennung einer beliebigen Komponente 3 von der Komponente 1
bzw. 2. Das hat zur Folge, daß bei der Trennung von Dreistoffgemischen (Extraktionszahl
der Komponenten 1) mindestens zwei Stoffe die Kontaktvorrichtung gleichzeitig und
in gleicher Richtung durchwandern, so daß nur ein Bruchteil der Kontaktvorrichtung
zu jedem Zeitpunkt für ihre Trennung genutzt wird. Das Verfahren wird unrationell
und praktisch unbrauchbar, wenn in Kontaktvorrichtungen üblicher Dimensionen Gemische
getrennt werden sollen, die sich aus einer größeren Zahl von Komponenten mit nicht
allzu verschiedenen Verteilungskoeffizienten zusammensetzen, so daß drei und mehr
Stoffe gleichzeitig von der Mitte der Kontaktvorrichtung nach einem ihrer Enden
wandern.
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Ein noch ungünstigeres Trennergebnis erzielt man nach diesem Verfahren,
wenn das Gemisch einmalig an einem der beiden Enden einer Kontaktvorrichtung zugeführt
wird. Zwar wird für die am gegenüberliegenden Ende austretenden Stoffe die doppelte
Anzahl an Trennstufen - verglichen mit der Gemischzufuhr in der Mitte und jeweils
bei optimalem Lösungsmittelverhältnis - wirksam, doch verläßt am gleichen Ende ein
Teil des Gemisches die Kontaktvorrichtung praktisch ungetrennt.
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Versucht man dagegen den Austritt praktisch ungetrennter Gemischbestandteile
durch Verzicht auf das optimale Lösungsmittelverhältnis zu verhindern, so ist dies
bei Zufuhr des Gemisches am Ende der Kontaktvorrichtung nur zu erreichen, wenn eine
Phase unbewegt ist, d. h. aber nach dem Einstromverfahren gearbeitet wird, dessen
Nachteile bereits erörtert wurden.
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Ein weiterer Nachteil dieses Verfahrens besteht darin, daß bei gegebener
Kontaktvorrichtung die
trennbare Gemischmenge durch die Lösungskapazität
der Lösungsmittel, die sich in einem begrenzten Abschnitt der Kontaktvorrichtung
am Ort der Gemischzuführung befinden, grundsätzlich beschränkt ist. Versucht man
nämlich diese Beschränkung dadurch zu umgehen, daß man beispielsweise eine größere
gemischhaltigeLösungsmittehmenge in einenbesonderen Behälter bringt, aus dem die
Lösung der Kontaktvorrichtung an gewünschter Stelle zugepumpt und nach Kontakt mit
der anderen Phase an benachbarter Stelle wieder abgepumpt wird, so nähert sich das
Verfahren infolge der Verlängerung der zur Gemischzuführung benötigten Zeit der
kontinuierlichen Arbeitsweise, so daß wie bei dieser die Trennung eines Stoffgemisches
mit mehr als zwei Komponenten in einem Arbeitsgang unmöglich wird.
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Bei dem erfindungsgemäßen Verfahren werden diese Nachteile dadurch
vermieden, daß das Gemisch an dem einen Ende einer Kontaktvorrichtung, in der zwei
flüssige Phasen im Gegenstrom zueinander geführt werden, einmalig zugefügt wird.
Die Bestandteile des Gemisches, die sich am gleichen Ende der Kontaktvorrichtung
in der aus der Kontaktvorrichtung austretenden Phase befinden, werden nach einem
der an sich bekannten Rückflußverfahren in die an diesem Ende eintretende flüssige
Gegenphase übergeführt.
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Auf diese Weise kann ein Verlust an unzureichend getrenntem Gemisch
vollständig vermieden werden.
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Jeder Bestandteil des Gemisches wird auf diese Weise gezwungen, die
gesamte Kontaktvorrichtung zu durchlaufen und diese am gegenüberliegenden Ende zu
verlassen, soweit er nicht durch vorzeitige Unterbrechung des Verfahrens als »Rückstand«
in der Kontaktvorrichtung verbleibt.
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Zur Erzeugung des Rückflusses sind alle Verfahren geeignet, die dafür
bei der sogenannten kontinuierlichen Gegenstromverteilung bzw. -extraktion mit Rückfluß
angewendet werden (L. Alders, Liquid-Liquid Extraction, Amsterdam, 1955, S. 190ff.)
und auf einer Änderung der Extraktionszahlen beruhen. Man kann dies also entsprechend
der oben gegebenen Definitionsgleichung durch Änderung des Lösungsmittelverhältnisses
VB und/oder durch Änderung der Verteilungskoeffizienten der zu trennenden Stoffe
K erzielen.
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Man kann das Lösungsmittelverhältnis beispielsweise dadurch ändern,
daß man aus einer der flüssigen Phasen Lösungsmittel kontinuierlich mittels einer
Kolonne abdestilliert. Wählt man hierfür eine austretende Phase und bringt das Konzentrat
in Kontakt mit der eintretenden frischen Phase, so wird praktisch die Gesamtmenge
an gelöstem Stoff in diese übergeführt und durch diese in die Kontaktvorrichtung
zurückgeleitet.
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Eine andere Möglichkeit, Rückfluß zu erzeugen, besteht darin, daß
man mittels einer Heiz- und/oder Kühlvorrichtung die Temperatur am Ende einer Kontaktvorrichtung
und damit die Verteilungskoeffizienten der gelösten Stoffe stark ändert, wodurch
ebenfalls die gelösten Stoffe in die frische eintretende Phase übergeführt werden
können. Eine hierfür geeignete Anordnung wurde in der britischen Patentschrift 477
567 beschrieben.
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Sind die Verteilungskoeffizienten im gewählten Lösungsmittelsystem
genügend druckabhängig, so kann Rückfluß z. B. in Austauschern, die von der Kontaktvorrichtung
getrennt sind, durch Erhöhung des Drucks mittels eines Kompressors erzielt werden
oder
auch durch Druckverminderung, wenn in der Kontaktvorrichtung ein erhöhter Druck
aufrechterhalten wird.
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Eine weitereMöglichkeit, dieVerteilungskoeffizienten am Ende einer
Kontaktvorrichtung stark zu ändern und dadurch- Rückfluß zu erzeugen, besteht darin,
daß man an dieser Stelle die Zusammensetzung des Lösungsmittelsystems, beispielsweise
durch Zugabe eines mit einer Phase oder mit beiden Phasen teilweise oder vollständig
mischbaren Lösungsmittels, ändert.
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Die zur Erzeugung des Rückflusses benötigten Vorrichtungen können
baulich mit der Kontaktvorrichtung vereinigt oder von ihr getrennt angeordnet sein;
die Stelle der Gemischzuführung und die Vorrichtungen zur Erzeugung des Rückflusses
können auch durch eine Verlängerung der Kontaktvorrichtung oder eine baulich gesonderte
Ausführung derselben getrennt sein.
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Am anderen, dem Ort der Gemischzuführung gegenüberliegenden Ende
der Kontaktvorrichtung kann ebenfalls ein Rückfluß erzeugt werden. Für die Anordnung
der dazu benötigten Vorrichtungen ergeben sich die gleichen Möglichkeiten, wie oben
beschrieben; in den Angaben ist lediglich anstatt »Stelle der Gemischzuführunga
der Terminus )>Entnahmestelle für die getrennten Bestandteile des Gemisches»
einzusetzen. In beiden Fällen können die Rückflußvorrichtungen auch baulich mit
der Stelle der Gemischzuführung bzw. mit der Entnahmestelle für die getrennten Bestandteile
des Gemisches vereinigt sein.
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Nachfolgend soll an Hand der Zeichnung gezeigt werden, wie das Verfahren
beispielsweise zur Trennung eines Dreistoffgemisches angewendet werden kann.
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Das Gemisch sei aus den Komponenten A, B und C zusammengesetzt, deren
Verteilungskoeffizienten in dem zur Trennung verwendeten Lösungsmittelsystem in
der angegebenen Reihenfolge steigen mögen, also KA < KB < Kc.
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Dieser Voraussetzung genügen z. B. Isomenthol, Menthol und Neomenthol
als Gemisch und n-Heptan-Wasser, Methanol im Volumenverhältnis 2: 1: 2 als Lösungsmittelsystem.
Der Weg der Phasen ist folgender: Die leichte Phase (Strömungsweg in der Zeichnung
gestrichelt) fließt aus dem Vorratsgefäß 1 in die Austauschersäule 2, das ist eine
vorzugsweise niederstufigere Kontaktvorrichtung als die Kontaktvorrichtung 3, in
die die leichte Phase nachfolgend geleitet wird. Eine solche Vorrichtung dient dem
Kontakt zweier im Gegenstrom zueinander geführter flüssiger Phasen, die gleichförmig
oder schubweise bewegt werden. Geeignet ist beispielsweise eine Trennsäule mit Rührern
oder/und Füllkörpern, eine pulsierte Kolonne oder eine Verteilungsbatterie. Anschließend
wird die leichte Phase in eine kontinuierliche Destillationskolonne 4 geleitet und
zum einen Teil als Kopfprodukt dem Vorratsgefäß 5 zugeführt, zum andern Teil als
Sumpfprodukt entnommen. Dabei kann das Sumpfprodukt teilweise oder vollständig dem
Fraktionssammler 6 zugeführt werden, während die restlichen Teile der leichten Phase
der Austauschersäule 7 zugeleitet werden und von dort in das Vorratsgefäß 8 gelangen.
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Die schwere Phase (Strömungsweg in der Zeichnung ausgezogen) fließt
aus dem Vorratsgefäß 9 durch die Austauschersäule 7 in die Kontaktvorrichtung 3,
von
hier in eine kontinuierliche Destillationskolonne 10.
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Ein Teil der schweren Phase wird als Kopfprodukt dem Vorratsgefäß
11 zugeführt, der andere Teil als Sumpfprodukt in die Austauschersäule 2, soweit
nicht Teile des Sumpfproduktes dem Fraktionssammler 12 zugeleitet werden. Nach Verlassen
der Austauschersäule 2 gelangt die schwere Phase in das Vorratsgefäß 13.
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Sobald ein stationärer Zustand der Phasenströme erreicht ist, führt
man das zu trennende Gemisch beispielsweise in die Blase der kontinuierlichen Destillationskolonne
4 ein. Dem Fraktionssammler 6 wird kein Teil des Sumpfproduktes zugeführt, so daß
das gesamte Gemisch in die Austauschersäule 7 gelangt, in der das Gemisch an die
aus dem Vorratsgefäß 9 kommende schwere Phase abgegeben wird.
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Auf diese Weise gelangen Teile des Gemisches in die Kontaktvorrichtung
3, die von beiden flüssigen Phasen im Gegenstrom beispielsweise in einem Lösungsmittelverhältnis
durchlaufen werden möge, das der Gleichung EA = 1/EB entspricht. Unter diesen Bedingungen
gelangt bei hinreichender Trennstufenzahl der Kontaktvorrichtung 3 nur der Stoff
A in schwerer Phase gelöst in die Destillationsvorrichtung 10, deren angereichertes
Sumpfprodukt mit reinem Stoff A vollständig dem Fraktionssammler 12 zugeführt werden
kann.
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Die Komponenten B und C dagegen werden mit den restlichen Teilen
des Stoffes A aus der Kontaktvorrichtung 3 in leichter Phase gelöst in die Destillationsvorrichtung4
und von da als Sumpfprodukt in die Austauschersäule 7 geleitet. Hier werden sie
wieder an die schwere Phase abgegeben und gelangen in dieser gelöst wieder in die
Kontaktvorrichtung 3 usf., bis der Stoff A die Kontaktvorrichtung 3 durchlaufen
hat und sich das zurückbleibende Gemisch in hinreichendem Maße bezüglich des Stoffes
A abgereichert hat. Erst dann ändert man das Lösungsmittelverhältnis in der Kontaktvorrichtung
3 beispielsweise so, daß EB = LIEF.
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Erst jetzt kann der Stoff B die Kontaktvorrichtung 3 durchlaufen
und wird bei hinreichender Trennstufenzahl von der Komponente C abgetrennt.
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Die Wirksamkeit des Verfahrens kann erhöht werden, wenn man nur einen
Teil des Sumpfproduktes dem Fraktionssammler 12 zuführt, den anderen Teil aber in
die Austauschersäule 2 leitet, wo die leichte, aus dem Vorratsgefäß 1 zufließende
Phase die gelösten Teile aufnimmt und in die Kontaktvorrichtung 3 zurückführt.
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Aus der Symmetrie der apparativen Anordnung ergibt sich, daß das
Gemisch auch getrennt werden kann, indem man es in schwerer Phase gelöst beispielsweise
in die Blase der kontinuierlichen Destillationskolonne 10 einsetzt und die getrennten
Stoffe oder Stoffgruppen in leichter Phase gelöst dem Fraktionssammler 6 zuführt.
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Es konnte durch nachfolgend beschriebene Versuche gezeigt werden,
daß nach diesem Gegenstromverfahren eine wesentlich höhere Wirksamkeit pro Trennstufe
einer Kontaktvorrichtung erzielt werden kann als nach einem Einstromverfahren. Es
wird weiterhin die Trennung von Vielstoffgemischen in der Weise ermöglicht, daß
die Wirksamkeit pro Trennstufe, mit der eine beliebige Komponente des Gemisches
von
einer Komponente mit benachbartem Verteilungskoeffizienten abgetrennt werden
kann, unabhängig ist von der Zahl der Komponenten im Gemisch und unabhängig ist
von der Reihenfolge, in der ein getrennter Stoff oder eine getrennte Stoffgruppe
einem der Fraktionssammler zugeführt wird.
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Die sich aus den Experimenten ergebende Steigerung der Wirksamkeit
pro Trennstufe gegenüber der kontinuierlichen Gegenstromverteilungnach van D ijc
k ergibt sich daraus, daß das Gemisch nicht in der Mitte, sondern am Ende der Kontaktvorrichtung
zugeführt wird, so daß die Zahl der zwischen dem Einsatzort des Gemisches und den/der
Entnahmestelle(n) wirksamen Trennstufen verdoppelt wird.
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Die in einem Arbeitsgang trennbare Gemischmenge wird weder durch
die Menge oder die Lösungskapazität der in der Kontaktvorrichtung befindlichen Lösungsmittel
noch durch die Zahl der Komponenten oder die zur Lösung des Gemisches verwendete
Lösungsmittelmenge begrenzt, da durch diese Größen weder das Lösungsmittelverhältnis
in der Kontaktvorrichtung gestört noch das Trennergebnis verschlechtert wird. Selbst
Gemische, die in einer zur Lösung unzureichenden Lösungsmittelmenge emulgiert oder
suspendiert sind, können unmittelbar eingesetzt werden.
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Bei unzureichender Wirksamkeit der Austauscher können die anfallenden
Lösungsmittelphasen nach Durchlaufen der Austauscher unmittelbar den entsprechenden
Destillationskolonnen zugeführt werden, so daß bei geeigneter Wahl der Lösungsmittel
die Gesamtmenge der Lösungsmittel in völlig reinem Zustand in den Vorratsgefäßen
5 bzw. 11 anfallen, aus denen diese von neuem dem Prozeß zugeführt werden können.
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Die Wirksamkeit und die zweckmäßigste Arbeitsweise bei Anwendung
des erfindungsgemäßen Verfahrens konnte durch folgende Versuche ermittelt werden:
Beispiel 1 Die beiden Phasen des Lösungsmittelsystems n-Heptan-Wasser, Methanol
(Volumenverhältnis 2:1: 2) wurden in der oben beschriebenen Weise im Gegenstrom
zueinander geleitet, so daß das Mengenverhältnis der durchgesetzten Phasen dem sogenannten
optimalen Lösungsmittelverhältnis (Volumen der Oberphase zu Volumen der Unterphase
= 2,5) entsprach.
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Als Kontaktvorrichtung 3 diente eine Rührerkolonne, deren Wirksamkeit
etwa 25 Trennstufen betrug. Es wurden je 20 g Neomenthol und Menthol als Gemisch
auf der Seite der Kontaktvorrichtung eingesetzt, auf der die spezifisch schwerere
Wasser-Methanol-Phase zugeführt wurde. Auf zusätzlichen Rückfluß an dem der Zuführungsstelle
gegenüberliegenden Ende der Kontaktvorrichtung wurde verzichtet, d. h. die Gesamtmenge
der austretenden schweren Phase entnommen.
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Diese wurde in sechs Fraktionen unterteilt, währenddessen das Gemisch
an der Zuführungsstelle auf einen Mentholgehalt von 5 bis 60/o abgereichert wurde.
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Aus den automatisch registrierten gaschromatographischen Kurven konnte
folgendes Ergebnis ermittelt werden: Die erste Fraktion enthielt weniger als 1 Promille
Neomenthol. Der Neomentholgehalt der folgenden Fraktionen stieg laufend an und erreichte
bei der sechsten Fraktion einen Neomentholgehalt von < 1 °/o (die Angaben beziehen
sich hier und im folgenden auf Gewichtsprozente bzw. -promille
).
- Erst nachdem das Lösungsmittelverhältnis auf 4 erhöht wurde, konnte auch das Neomenthol
in größerer Menge die Kontaktvorrichtung durchlaufen, so daß schon in der achten
Fraktion Menthol und Neomenthol in nahezu gleichen Mengen vorlagen.
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Zum Vergleich sei angeführt, daß durch die van-Dijck-Verteilung in
einer 25stufigen Kontaktvorrichtung unter optimalen Bedingungen eine Abreicherung
der einen Komponente des oben angegebenen Gemisches (Trennfaktor = 1,93) bis zu
1 0/o nicht erreicht werden kann (Chem. Engng. Sci., 1, S. 93, 1951). Für eine vergleichbar
wirksame Trennung nach der Craig-Verteilung sind etwa 270 Trennstufen erforderlich
(E. Hecker, Verteilungsverfahren im Laboratorium, Weinheim, 1955, Anhang, Tab. I).
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Beispiel 2 Bei diesem Versuch sollte die Leistungsfähigkeit des Verfahrens
bei starken Abweichungen vom sogenannten optimalen Lösungsmittelverhältnis geprüft
werden, da z. B. das van-Dijck-Verfahren gegen derartige Abweichungen so anfällig
ist, daß bei Anwesenheit von Lösungsmitteln im zu trennenden Gemisch zweckmäßigerweise
besondere Verfahren zur Aufrechterhaltung des optimalen Lösungsmittelverhältnisses
angewendet werden (deutsche Auslegeschrift 1 024 489).
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Das Lösungsmittelsystem und die Wirksamkeit der Kontaktvorrichtung
3 waren die gleichen wie im Beispiel 1. Zur Trennung wurden 50 g eines technischen
Gemisches isomerer Menthole, bestehend aus 15°/o Neomenthol (K = 3,48), 73 0/o Menthol
(K= 1,80) und 11 Ole Isomenthol (K = 1,63), eingesetzt, und zwar an dem Ende der
Kontaktvorrichtung, an dem die spezifisch leichtere n-Heptanphase zugeführt wurde.
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Das Mengenverhältnis der durchgesetzten Phasen betrug während des
ganzen Versuches 1,7, war also »optimal« bezüglich der Trennung Menthol-Isomenthol,
jedoch völlig abweichend vom sogenannten optimalen Lösungsmittelverhältnis zur Trennung
von Neomenthol und Menthol (vgl. Beispiel 1). Zunächst wurde auch an dem der Zuführungsstelle
des Gemisches gegenüberliegenden Ende der Kontaktvorrichtung ein Rückflußverhältnis
= oo eingestellt, bis ein angenähert stationärer Zustand erreicht war.
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Erst dann wurde die Gesamtmenge an leichter Phase entnommen.
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Diese wurde in neun Fraktionen unterteilt. Nach der gaschromatographischen
Analyse war der Neomentholgehalt der ersten Fraktion 800/e, entsprach in der sechsten
Fraktion etwa dem Mentholgehalt (Zwischenfraktion) und sank in der siebenten, achten
und neunten Fraktion auf 2 bis 4O/o. - Der Mentholgehalt stieg von 200/o in der
ersten Fraktion auf 84°/o in der siebenten Fraktion. - Der Isomentholgehalt war
in den ersten Fraktionen analytisch nicht wahrnehmbar und stieg in den letzten beiden
Fraktionen auf 16 bis 17°/o an.
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Eine vollständige Trennung von Menthol und Isomenthol konnte bei
einer Wirksamkeit der Kontaktvorrichtung von 25 Trennstufen nicht erwartet werden,
da
die Ausgangskonzentration des Isomenthols im Gemisch und vor allem der Trennfaktor
für die Trennung von Menthol und Isomenthol ( = 1,10) zu gering waren (vgl. Beispiel
3).
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Beispiel 3 Zur Erprobung des Verfahrens und einer Kontaktvorrichtung
von etwa 100 Trennstufen wurde ein Gemisch aus je 50 g Menthol und Isomenthol (Trennfaktor
p = 1,10) auf der Seite der Kontaktvorrichtung eingesetzt, an der die schwere Phase
zufloß, so daß der Stoff mit dem kleineren Verteilungskoeffizienten (Isomenthol)
zuerst am anderen Ende austreten mußte.
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Es wurde das gleiche Lösungsmittelsystem wie in den ersten beiden
Beispielen verwendet. Das sogenannte optimale Lösungsmittelverhältnis wurde angestrebt,
konnte aber wegen auftretender Dichtungsschwierigkeiten nicht eingehalten werden.
Der Versuch wurde so lange fortgesetzt, bis das Gemisch an der Zuführungsstelle
76 bis 770/o Menthol enthielt. Die bis zu diesem Zeitpunkt angefallenen Fraktionen
enthielten 90 bis 95 O/o Isomenthol.
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Um Produkte dieser Zusammensetzung unter optimalen Bedingungen nach
der van-Dijck-Verteilung zu erhalten, benötigt man bei gleicher Ausgangskonzentration
und gleichem Trennfaktor der zu trennenden Stoffe etwa 160 Trennstufen, wie nach
den Gleichungen von A. Klinkenberg errechnet wurde (Ind. Engng.
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Chem., 45, S. 653 bis 657, 1953). Sinnvoller ist jedoch der Vergleich
mit der Craig-Verteilung, da es sich ebenfalls um ein diskontinuierliches Verfahren
handelt und deshalb in gleicher Weise zur Trennung von Mehrstoffgemischen in einem
Arbeitsgang und in einer einzelnen Kontaktvorrichtung geeignet ist. Im Falle der
Craig-Verteilung wären jedoch 8000 bis 9500 Trennstufen erforderlich, um eine vergleichbare
Anreicherung zu erhalten (vgl. E. Hecker, Verteilungsverfahren im Laboratorium,
Weinheim, 1955, Anhang, Tab. I).