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Verfahren zur Herstellung von in 3-Stellung acylierten Phenthiazinderivaten
Es wurde gefunden, daß in 3-Stellung acylierte Phenthiazinderivate der allgemeinen
Formel
in der Ac eine gegebenenfalls verzweigte Acylgruppe, A eine gegebenenfalls verzweigte
Alkylengruppe und R einen niedrigmolekularen Alkylrest bedeutet, hervorragende adrenolytische,
blutdrucksenkende und potenzierende Eigenschaften aufweisen.
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- Die Synthese der genannten Verbindungen erfolgt verfahrensgemäß
so, daß man 3-Acylphenthiazine als solche oder in Form von Abkömmlingen, bei denen
die Carbonylgruppe geschützt ist, in ihre Metailverbindungen, insbesondere Natrium-,
Kalium- bzw. Magnesiumverbindungen, umwandelt und diese mit reaktionsfähigen Estern
basischer Alkohole der allgemeinen Formel
in der A und R die oben angegebenen Bedeutungen haben, umsetzt. Zur Umwandlung der
3-Acylphenthiazine bzw. ihrer obengenannten funktionellenAbkömmlinge in dieMetallverbindungen
kann man aber auch mindestens 2Äquivalente einer geeigneten metallabgebenden Verbindung
anwenden und die basische Alkylierung mit der äquivalenten Menge eines Salzes von
reaktionsfähigen Estern der genannten basischen Alkohole durchführen. Man kann ferner
die Umsetzung der 3-Acylphenthiazine bzw. ihrer funktionellen Abkömmlinge mit reaktionsfähigen
Estern der genannten basischen Alkohole ohne zusätzliches säureabspaltendes Mittel
bei erhöhter Temperatur mit oder ohne Lösungsmittel und gegebenenfalls unter Druck
vornehmen.
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Verwendet man bei den einzelnen Umsetzungen funktionelle Abkömmlinge
von 3-Acylphenthiazinen, in denen die Carbonylgruppe geschützt ist, so spaltet man
nach erfolgter basischer Alkylierung den blockierenden Rest in geeigneter Weise
wieder ab.
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Die verfahrensgemäß hergestellten Verbindungen können als solche,
in Form ihrer Salze oder als quartäre Ammoniumverbindungen angewendet werden.
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Das verfahrensgemäß erhältliche 3-Acetyl-10-[N'-methylpiperidyl-(3')-methyl]-phenthiazin
(I) wurde im Hinblick auf Toxizität, sedative Wirkung, Spasmolyse, Blutdmckwirkung
und Nickhautkontraktion mit dem aus den Unterlagen der deutschen Patentanmeldung
C 7333 IVc/12p bekannten 10- [N'-Methylpiperidyl (3')-methyl]-phenthiazin (II) verglichen.
Dabei wurden folgende Ergebnisse erhalten: 1. Toxizität, Maus intravenös, DL50 (1)
55 mg/kg.
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(11) 60 mg/kg.
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2. Sedative Wirkung an der »Schiefen Ebene«, Maus subcutan, DE60
(1) bei 5 mg/kg.
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(11) bei 50 mg/kg.
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3. Spasmolyse am isolierten Meerschweinchendarm, 50 0/0ige Hemmung
der Anti-Acetylcholinwirkung (1) durch 2,8 mg/l.
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(11) durch 1,4 mg/l.
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4. Blutdruck, Katze intravenös, (narkotisiert mit Chloralose-Urethan)
(I) 1 mg/kg 1. Tier: Blutdruckabfall um 50 mm Hg, bleibend noch nach 1 Stunde, Ausgangsdruck
120 mm Hg.
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2. Tier: Blutdruckabfall um 60 mm Hg, bleibend, Ausgangsdruck 140mmHg.
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(11)1 mg/kg 1 Tier: Bludruckabfall um 30 mm Hg, nach 6 Minuten Ausgangsdruck
von 140 mm Hg wieder erreicht.
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3 mg/kg 1 Tier: Kontinuierlicher Blutdruckabfall um 60 mm Hg innerhalb
30 Minuten, Ausgangsdruck 180 mm Hg.
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5. Nickhaut, Katze intravenös (narkotisiert mit Chloralose-Urethan)
Hemmung der Nickhautkontraktion bei praeganglionärer elektrischer Reizung des Hals-Sympathikus:
(1) 1 mg/kg 1. Tier: Nickhautkontraktion aufgehoben, keine Erholung innerhalb 50
Minuten.
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2. Tier: Nickhautkontraktion vollständig aufgehoben, nach 40 Minuten
Beginn der Erholung der Nickhautreaktion.
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(11)1 mg/kg 1 Tier: Nickhautkontraktion um ein Viertel herabgesetzt,
nach 20 Minuten Ausgangswert wieder erreicht.
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3 mg/kg 1 Tier: Nickhautkontraktion um ein Viertel herabgesetzt,
Ausgangswert nach 30 Minuten wieder erreicht.
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Das Verfahrensprodukt (I) zeigt einen deutlichen sedativen Effekt
an der »Schiefen Ebene«, der etwa 10maul stärker ist als der von (11).
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Die Toxizität ist bei beiden Produkten etwa gleich.
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Die parasympathicolytische Wirkung ist bei (11), die adrenolytische
Wirkung dagegen ist beim Verfahrensprodukt stärker ausgeprägt.
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Am Blutdruck ist das Verfahrensprodukt wirksamer im Sinne einer Vasodepression.
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Aus diesen Ergebnissen geht hervor, daß das Verfahrensprodukt (I)
eine Wirkung besitzt, welche der des bekannten 3-Chlor-10-y-dimethylaminopropylphenthiazins
sehr ähnlich ist. Eine solche Wirkung ist bei der bekannten Verbindung (II) nur
schwach angedeutet.
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Die Wirkung des l0-[N'-Methylpiperidyl-(3')-methyl]-phenthiazins
wird von den verfahrensgemäß herstellbaren Produkten bei weitem übertroffen.
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Beispiel 1 157 g 3-Acetylphenthiazin werden mit 43 g toluolfeuchtem
Natriumamid in 900 ccm Dioxan auf 40"C angewärmt, dann 120 g N-Methylpiperidyl-(4)-methylchlorid
zugetropft und anschließend 4 Stunden unter Rückfluß gekocht. Nach dem Extrahieren
des Reaktionsproduktes mit verdünnter Säure macht man die wäßrigsaure Lösung alkalisch,
extrahiert mit Äther, trocknet mit Kaliumcarbonat und destilliert. Man erhält 116
g (entsprechend 50,5 01o der Theorie) 3-Acetyl-10- [N'- methylpiperidyl - (4') -
methyl] - phenthiazin (Kp.0,01 245 bis 256°C).
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Beispiel 2 125 g 3-Propionylphenthiazin werden mit 29 g Natriumamid
in 700 ccm Toluol 4 Stunden unter Rückfluß gekocht. Anschließend tropft man 78 g
N-Methylpiperidyl-(4)-methylchlorid, gelöst in 100 ccm Toluol,
zu und läßt weitere
5 Stunden kochen. Man arbeitet auf, wie im Beispiel 1 beschrieben, und erhält 108
g (entsprechend 600je der Theorie) 3-Propionyl-10-[N'-methylpiperidyl-(4')-methyl]-phenthiazin
(Kp.0,8 290 bis 310°C).
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Beispiel 3 51 g 3-Propionylphenthiazin werden in 300 ccm Dioxan mit
10 g Natriumamid 4 Stunden unter Rückfluß gekocht. Dann tropft man 32g ß-[N-Methylpiperidyl-(2)]-äthylchlorid,
verdünnt mit 50 ccm Dioxan, zu und kocht weitere 5 Stunden. Anschließend wird das
Dioxan durch Wasserdampf entfernt; die basischen Anteile werden in Äther aufgenommen
und dann aus der ätherischen Lösung mit verdünnter Essigsäure ausgezogen. Die essigsaure
Lösung wird mit Äther gewaschen und alkalisch gemacht. Es wird in Äther aufgenommen,
eingedampft und der Rückstand destilliert.
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Ausbeute: 40 g (entsprechend 52,6 0/o der Theorie) 3- Propionyl 10
-fß - [N' - methylpiperidyl - (2')] - äthyl} -phenthiazin (Kpeonol 270 bis 275°C),
dessen Naphthalin-1,5-disulfonat bei 210 bis 212"C schmilzt.
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Beispiel 4 72,3 g 3-Acetylphenthiazin werden mit 600 ccm Dioxan und
49 g ß-[N-Methylpiperidyl-(2)]-äthylchlorid zum Sieden erhitzt und eine Suspension
von 15 g Natriumamid in 200 ccm Dioxan allmählich eingetragen.
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Man arbeitet den Ansatz nach Sstündigem Kochen auf und erhält 65 g
3-Acetyl-10-ffl-[N'-methylpiperidyl-(2')]-äthyl}-phenthiazin (Kp.0,05 250 bis 260°C),
dessen Fumarat bei 138 bis 140"C schmilzt.
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Beispiel 5 In eine siedende Lösung von 70 g 3-Acetylphenthiazin und
47,1 g N-Methylpiperidyl-(3)-methylchlorid in 400 ccm trockenem Dioxan trägt man
allmählich eine Suspension von 14,5 g Natriumamid in 150 ccm Dioxan ein. Man arbeitet
den Ansatz nach P bis Sstündigem Kochen auf und erhält 49,3 g 3-Acetyl-10-[N'-methylpiperidyl-(3')-methyl]-phenthiazin
vom Kp.,,,,, 150 bis 160"C (Retortenkolben mit weiten Querschnitten), dessen Oxalat
bei 196 bis 1970 C schmilzt.