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Verfahren zur Gewinnung von Borverbinduilgen aus alkalischen Flüssigkeiten
Borax und andere borhaltige Materialien werden gewöhnlich aus verdünnten Flüssigkeiten,
in denen sie enthalten sind, gewonnen, indem man die Flüssigkeit eindampft oder
kühlt, so daß das Borsalz oder die Borsäure aus der Lösung auskristallisiert. Jedoch
ist diese Methode nur auf verhältnismäßig konzentrierte Lösungen, d. h. auf Lösungen,
die wenigstens etwä 1% Bor (berechnet als Na2B407) enthalten, anwendbar. Große Mengen
von Bor sind jedoch in der Form viel verdünnterer wäßriger Lösungen, die beispielsweise
nur 0,1% Bor (als Na2B407) enthalten, verfügbar. Aus solchen Lösungen kann Bor nicht
in wirtschaftlicher Weise durch fraktionierte Kristallisation gewonnen werden. Es
ist schon bekannt, Bor aus verdünnten wäßrigen Lösungen zu extrahieren, indem man
die Lösungen mit Harzen, die Reste mehrwertiger Alkohole, wie Sorbit, enthalten,
in Berührung bringt, oder es, wenn es in der Form von Borsäure vorliegt, kontinuierlich
mit einem mit Wasser nicht mischbaren organischen Lösungsmittel, in dem die Borsäure
jedoch eine sehr geringe Löslichkeit haben kann, zu extrahieren. Diese beiden Verfahren
sind jedoch verhältnismäßig kostspielig und haben, soweit bekannt, nicht zur Entwicklung
eines wirtschaftlichen und in der Technik eingeführten Verfahrens zum Extrahieren
von Bor, insbesondere aus den Mutterlaugen einer üblichen Borextraktion durch fraktionierte
Kristallisation und aus den natürlich vorkommenden, geringe Mengen an Bor enthaltenden
Salzlösungen geführt.
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Ziel der Erfindung ist daher ein Verfahren zur Gewinnung von Bor in
der Form von Borsäure aus Flüssigkeiten, die Alkaliborate, wie Metaborat, Tetraborat
oder Pentaborat, enthalten.
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Gewisse aromatische Verbindungen, die Hydroxylgruppen an benachbarten
Kohlenstoffatomen oder an Kohlenstoffatomen, die nur durch ein Kohlenstoffatom voneinander
getrennt sind, enthalten, sind, wie gefunden wurde, selektive Lösungsmittel für
Borax und andere Alkaliborate und können daher dazu verwendet werden, solche Borate
aus stark alkalischen Flüssigkeiten zu extrahieren.
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Nach dem erfindungsgemäßen Verfahren zur Gewinnung von Borverbindungen
aus wäßrigen Flüssigkeiten, die Borationen und beträchtliche Mengen von Alkalisalzen
als Verunreinigungen enthalten, durch Zugabe einer mit den Borationen reagierenden
Verbindung, Abtrennen des gebildeten Komplexes und Zersetzen desselben wird eine
alkalische, wäßrige, borationenhaltige Flüssigkeit mit einem aromatischen Polyol
behandelt, in welchem sich zwischen den die Hydroxylgruppen tragenden C-Atomen höchstens
noch ein weiteres C-Atom befindet, wobei in dem Falle, daß dieses weitere C-Atom
vorhanden ist, ein C-Atom nicht dem Ringsystem angehört, und anschließend die Zersetzung
durch Ansäuern mit verdünnter Mineralsäure bewirkt.
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Die Hydroxylgruppen können an aliphatische Gruppen und diese wiederum
an einen aromatischen Ring gebunden sein. Die besondere Wirkung der unten zusammengestellten
mehrwertigen Alkohole beruht darauf, daß sie Schnell borhaltige Komplexe von geringer
Wasserlöslichkeit bilden und daß diese Komplexe leicht durch Behandeln mit Säure
zersetzt werden können. Diese Komplexe enthalten bis zu 20 Gewichtsprozent Borsäure.
Schließlich sind sie schlechte Lösungsmittel für andere Alkalisalze. Sie haben entweder
niedrige Schmelzpunkte (unter 10 bis 15°C) oder alternativ hohe Löslichkeit in bestimmten
üblichen organischen Lösungsmitteln oder sogar in dem Wasser, in dem die Borverbindungen
gelöst sind, während die gebildeten Komplexe unlöslich sind. Vorzugsweise werden
sie in einem Lösungsmittel gelöst, um während des ganzen
Extraktionszyklus
in einem flüssigen organischen System arbeiten zu können.
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Der Komplex kann ein unlösliches festes Material sein, das danach
von der wäßrigen Flüssigkeit abgetrennt und zersetzt wird, oder er kann in einer
der anwesenden Flüssigkeiten löslich sein, die dann abgetrennt wird, um das Bor
und den mehrwertigen Alkohol daraus zu gewinnen. Der Komplex wird mit verdünnter
Mineralsäure, insbesondere mit 1 n- bis 5 n-H2S04, zersetzt. Der mehrwertige Alkohol
bleibt in der organischen Phase, während die Borverbindung mit der wäßrigen Phase
abgezogen wird.
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Die Extraktion des Bors nach dem neuen Verfahren umfaßt auch die Extraktion
einer äquivalenten Menge an Alkalimetallionen. Die Isolierung von Borsäure aus der
sauren wäßrigen Phase, die bei der Säurezersetzung des Komplexes erhalten wird,
kann jedoch leicht durch einfache fraktionierte Kristallisation nach bekannten Methoden
erfolgen, da das Verhältnis der Alkaliionen zur Borsäure sehr stark herabgesetzt
und die Konzentration an Borsäure, verglichen mit der ursprünglich extrahierten
borhaltigen Lauge, stark erhöht ist.
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Die Polyalkohole, die gemäß der Erfindung zur Anwendung kommen, bilden
mit dem anwesenden Borion einen Komplex mit starker Elektronenresonanz, wobei ein
fünf- oder sechsgliedriger Oxoring gebildet wird. Die bevorzugt für das Verfahren
der Erfindung verwendeten Verbindungen sind 1,2-Diole. Die Zählung der in den Ringen
anwesenden Atome ist wie folgt:
Der Pfeil kennzeichnet eine koordinative Bindigkeit, die das Bor außer seinen normalen
drei Bindigkeiten betätigt. Die an den Bindungen des Bors beteiligten Elektronen
sind als delokalisiert und nicht auf eine bestimmte Bindung beschränkt anzusehen,
d. h., der Komplex hat die Eigenschaften eines Resonanzsystems.
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Die für das Verfahren der Erfindung verwendeten Verbindungen gehören
mehreren Gruppen an: 1. 1,8-Naphthalindiol; 2. Phenylglycole, beispielsweise
| (a) R D CHOR - CH20H |
| R = Wasserstoff, Halogen oder ein alipha- |
| tischer Rest mit 1 bis 15 Kohlenstoffatomen, |
| (b) CHOH - CHOH |
| <D- . |
| 1,2-Diphenylglycol, |
| CH3 |
| (c) <@ C - CH20H |
| i |
| O |
| H |
| Methylphenylglycol; |
3. Glycerinäther von Aromaten
worin R, R' = Wasserstoff, Halogen, aliphatische Reste mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen
oder halogensubstituierte aliphatische Reste mit 1 bis 10 Kohlenstoffatomen, beispielsweise
| CH3 |
| (a) < - O - CH2 - CHOR - CH20H |
| CH3 |
| 3,5-Xylenyläther von Glycerin, |
| CH3 |
| (b) CH3 - C <D 0 -CH2 |
| CH3 C'- HOH - CH20H |
| p-t-Butylphenyläther von Glycerin, |
| (c) CH3CH2- |
| CH3 E7CHOH-CH20H |
| p-t-Amylphenyläther von Glycerin; |
4. 1,2-Dihydroxyaromate, beispielsweise
| (a) R OH |
| OH |
| R = aliphatischer Rest mit 1 bis 15 Kohlen- |
| stoffatomen oder Halogen, |
| (b) HO |
| HO |
| 2,3-Naphthalindiol; |
5. Methylolphenole und -naphthole, beispielsweise
| CH20H |
| (a) R \ OH |
| R' |
| R und R' = aliphatische Reste mit 1 bis |
| 15 Kohlenstoffatomen, H, Phenyl oder Ha- |
| logen, beispielsweise Octylsaligenin, Dinonyl- |
| saligenin, Phenylsaligenin, Octylchlorsalige- |
| nin, Nonylsaligenin und Dodecylsaligenin, |
| (b) / I \ |
| / OH |
| CH20H |
| Methylolnaphthol. |
Die folgende Zusammenstellung veranschaulicht die Wirkung einiger der Extraktionsmittel
der Erfindung im Vergleich mit 1,2-Octandiol, einem besonders wirksamen aliphatischen
zweiwertigen Alkohol. Das Extraktionsmittel wurde mit der borhaltigen Lösung kontaktiert,
bis sich das Gleichgewicht eingestellt hatte.
| Verteilungs- |
| Verbindung koeffzient für |
| (typische Vertreter) |
| Extrak- # Regene- |
| tion, K, ration, K2 |
| 1. 1,2-Octandiol ............ 12,17 2,19 |
| 2. Phenylglycol ............. 51,8 - |
| 3. 2-Chlor-4-(1,1,3,3-tetra- |
| methylbutyl)-6-methylol- |
| phenol .................. 80 < 60 |
| 4. 2,3-Naphthalindiol . . . . . . . . 100 <80 |
worin K, das Borextraktionsgleichgewicht
und worin K2 das Borgewinnungsgleichgewicht
Bei der Durchführung des Verfahrens der Erfindung wird der Polyalkohol mit der borhaltigen
Salzlösung kontaktiert und darin verrührt, bis etwaige Kristalle des Alkohols verschwinden.
2,3-Naphthalindiol wird zunächst in einem Lösungsmittel, beispielsweise 1-Octanol
mit einem Gehalt von 10% Tributylphosphat, gelöst. In einigen Fällen wird unmittelbar
nach Zufügen des Polyalkohols die Ausfällung des Borkomplexes beobachtet. Bei Verwendung
von 2-Chlor-4-(1,1,3,3-tetramethylbutyl)-6-methylol-phenol in einem mit Wasser nicht
mischbaren organischen Lösungsmittel bleibt der Komplex in der organischen Phase
gelöst, während die wäßrige Phase die restlichen Komponenten der Salzlösung in Lösung
enthält.
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Für die Gewinnung der Borverbindungen aus der organischen Lösung oder
aus dem Niederschlag können mehrere Methoden angewandt werden. Eine bevorzugte Methode
für den Fall, daß ein fester Komplex gebildet wird, besteht darin, daß man den festen
Komplex in Wasser löst und die Lösung ansäuert, vorzugsweise mit 1 n- bis 5 n-H2S04.
Die Zersetzung kann aber auch mit anderen verdünnten Mineralsäuren, z. B. mit HCI,
HNO3, HC104, durchgeführt werden. Der mehrwertige Alkohol wird in Freiheit gesetzt
und in einem gegebenenfalls zuzusetzenden organischen Lösungsmittel gelöst, während
das gebildete Alkalisalz der Mineralsäure und die Borsäure im wäßrigen Filtrat gelöst
bleiben.
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Wenn sich der Komplex bildet und in dem organischen Lösungsmittel
löst, kann die organische Phase von der wäßrigen Phase abgetrennt werden, und die
untere Schicht, die die an Bor verarmte Salzlösung enthält, kann verworfen werden.
Der Komplex wird mit verdünnter Mineralsäure kontaktiert und zersetzt, wobei die
Borverbindung und die Alkaliionen in die wäßrige Phase übergehen, während die organische
Lösung des Polyalkohols zurückgeleitet und mit frischer Salzlösung vermischt wird,
so daß es erneut beladen wird. Die wäßrige Phase, welche die Borsäure und die Alkalisalze
der Mineralsäure enthält, kann einer Borsäuregewinnungsanlage zugeleitet werden,
wo sie durch einen Verdampfungs- und Kristallisationszyklus gewonnen wird. Bei Verwendung
von Schwefelsäure wird so viel Wasser verdampft, daß Borsäure bei 35°C kristallisiert,
Natrium- und Kaliumsulfat jedoch in Lösung bleiben. Nach Abtrennung der festen Borsäure
wird die Lösung auf eine höhere Temperatur erwärmt und weiteres Wasser verdampft.
Da die Löslichkeit von Borsäure mit steigender Temperatur rascher zunimmt als die
Löslichkeit von Natrium-und Kaliumsulfat, kristallisieren die letzteren aus, und
Borsäure bleibt in der Lösung. Nach Abtrennen des festen Natrium- und Kaliumsulfats
wird die Lösung mit einer weiteren Menge an wäßriger Phase von dem Flüssigkeit-Flüssigkeit-Extraktionsverfahren
zu dem bei niedrigerer Temperatur gehaltenen Eindampfer zurückgeleitet. Solche Verfahren
sind bekannt (vgl. beispielsweise die USA.-Patentschriften 1888 391, 2 104
009 und 2 637 626).
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Wie erwähnt, kann die Gewinnung der Borsäure aus dem Bor-Polyol-Komplex
in der Weise erfolgen, daß man den Komplex mit verdünnter Mineralsäure versetzt.
Einige Polyole sind sowohl in der Flüssigkeit als auch in der Borsäure, Schwefelsäure
und die Sulfate enthaltenden Regenerierungslösung, die sich bei Verwendung der bevorzugten
Mineralsäure, Schwefelsäure, bildet, merklich löslich. Diese Löslichkeit kann durch
weiteres Abstreifen mit einem Lösungsmittel dafür, wie einem Alkohol, beiyielsweise
Octanol oder Decanol, oder einem Äther, herabgesetzt werden. Die Löslichkeit des
mehrwertigen Alkohols in der Lösung von Borsäure, Schwefelsäure und Sulfaten hängt
hauptsächlich von der ab, derart, daß bei höheren Konzentrationen an H2SO4 geringere
Mengen an mehrwertigem Alkohol gelöst werden, wie in F i g. 1 der Zeichnungen gezeigt.
Die Löslichkeit des mehrwertigen Alkohols in der Borsäurelösung hängt von der anwesenden
Menge an Borsäure ab,
wie aus F i g. 2 ersichtlich. Die F i g. 1
und 2 wurden bei Verwendung von 2.3-Naphthalindiol als Extraktionsmittel erhalten.
Für jedes andere Extraktionsmittel können jedoch ähnliche Kurven erhalten werden.
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Es wurde eine Anzahl von Lösungsmitteln für die verschiedenen Polyalkohole
gefunden. Dazu gehören Benzol, Isopropyläther, Diäthyläther, Tributylphosphat, Leichtbenzin
und verschiedene Alkohole. Von diesen sind besonders die hochmolekularen Alkohole
interessant, da sie ein gutes Lösungsvermögen besitzen und leicht zu handhaben sind.
Alle einwertigen Alkohole mit 8 bis 17 Kohlenstoffatomen wurden untersucht und erwiesen
sich als zufriedenstellend. Alkohole mit weniger als 8 Kohlenstoffatomen sind in
wäßrigen Lösungen beträchtlich löslich und daher nicht zufriedenstellend.
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Genau untersucht wurde die Eignung von 1,8-Naphthalindiol als Extraktionsmittel.
Die Selektivität ist bei Verwendung dieses Materials sehr gut; es wird kein Chlorid,
Carbonat oder Sulfat ausgefällt, und bis zu 93% des in einer Salzlösung der oben
beschriebenen Art anwesenden Bors werden mit einer stöchiometrischen Menge des Diols
entfernt, während 92% entfernt werden, wenn nur 80% der stöchiometrisch erforderlichen
Menge an 1,8-Naphthalindiol verwendet werden.
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Benzoläther, wie Isopropyläther und Diäthyläther, Organophosphate
und bestimmte Alkohole, insbesondere die langkettigen Alkohole sind besonders wirksame
Abstreifmittel aus den gleichen Gründen, aus denen sie zu Beginn des Verfahrens
gute Lösungsmittel sind. Eine zweckmäßige Methode besteht darin, einfach gleiche
Volumina der kurz zuvor angesäuerten Lösung und des Abstreifmittels miteinander
in Berührung zu bringen. Die Rückgewinnung eines Teiles der Polyole aus dem Abstreifmittel
erfolgt in einfacher Weise dadurch, daß man das Abstreifmittel mit weiterer Salzlösung
kontaktiert. Das Polyol reagiert mit dem Bor in der Salzlösung unter Bildung eines
weißen Niederschlags, der sich an der Grenzfläche sammelt. Da 2 - Chlor - 4 - (I
,1,3,3 - tetramethylbutyl) - 6 - methylolphenol in wäßrigen Phasen sehr schwer löslich
ist, ist eine Lösungsmittelextraktion daraus unnötig.
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Die Erfindung soll an Hand von Beispielen näher erläutert werden.
Beispiel 1 150g Salzlösung mit einem Gehalt von 1,05% Borax, etwa 5% KCI, etwa 5%
Na2C03, etwa 6% Na2S04, etwa 0,1 bis 0,15()/o Na,-,S und Na3P04, etwa 0,05% Na3AS04
und etwa 16% NaCI und 5,5 g 1,8-Naphthalindiol wurden 1 Minute geschüttelt, bis
die Kristalle des Diols verschwanden. Nach einer weiteren Minute begann die Ausscheidung
des Borkomplexes und war etwa 4 Minuten später beendet. Die Kristalle des Komplexes
wurden abgesaugt. Der Boraxgehalt der Flüssigkeit war von 1,05% auf 0,30% herabgesetzt,
während der rohe trockene Filterkuchen 2,28% Bor oder 17,44% Borsäure enthielt.
Der Filterkuchen wurde in Wasser gelöst, und die Lösung wurde angesäuert, um das
Diol auszufällen. Die Borverbindung blieb in dem Filtrat. Bei dem Versuch, das rohe
1.8-Naphthalindiol aus Wasser auszukristallisieren, ging der größte Teil davon durch
Oxydation verloren. Wenn jedoch das Filtrat mit 1 n-H2S04 versetzt wurde, bildete
sich ein weißer Niederschlag. Durch Zugabe einer gleichen Menge Petroläther ging
das Diol in diesem in Lösung. und Na2S04 und H3B03 erschienen als gelöste Stoffe
in der wäßrigen Lösung. Beispiel 2 7,5 g Phenylglycol in 7,5 g Isooctanol als Lösungsmittel
wurden mit 75 g Salzlösung kontaktiert. Der Boraxgehalt der Salzlösung wurde von
1.05% auf 0,170/0 herabgesetzt. Die Borverbindung wurde durch Versetzen der gebildeten
Lösung des Komplexes mit verdünnter H2S04 gewonnen. Die wäßrige Phase enthielt die
Borverbindungen und wurde so behandelt. daß diese als H9B03 ausfielen.
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Beispiel 3 Unter kontinuierlicher Durchführung des Mischens und Absitzenlassens
wurde 1 Teil 2-Chlor-4-(1,1, 3,3-tetramethylbutyl)-6-methylol-phenol in 3 Teilen
Leichtbenzin gelöst, und diese Lösung wurde kurze Zeit (1 Minute) mit einer gleichen
Menge einer Salzlösung mit einem Gehalt von 10,..-o Borax kontaktiert. Das Verhältnis
betrug 800 ml/min Extraktionsmittel zu 500 ml;/min Beschickungslösung. Es erfolgte
schnell Schichtbildung. Die analytischen Werte der wäßrigen Phase vor und nach der
Extraktion waren
| °% Na als % K als °/o B als % C02 als |
| Na20 K20 Na2B40; S04 I CO, I Cl |
| Vor der Extraktion . . .. ... .. .... . . . 14,31
2,18 1,05 4,16 1,71 11,57 |
| Nach der Extraktion . . . . . . . . . . . . . . . 14,24 1,84
0,23 I 4,20 1,78 11,60 |
Die organische Phase wurde im Gegenstrom mit verdünnter Schwefelsäure kontaktiert.
Die gesammelte wäßrige Phase hatte die folgende Analyse:
| H3$03 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 6,1% |
| Na2S04 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 2,8% |
| K2S04 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 5,2% |
| C03 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . nicht anwesend |
| C1 ............... . ....... Spuren |
| H2S ..... . . . . . . . . . . . . . . . . . nicht anwesend |
| H2504 ................... Spuren |
Beispiel 4 Eine Lösung von 4,27g 2,3-Naphthalindiol und 25m1 Octanol wurde mit 100m1
Salzlösung kontaktiert. Man ließ das Gemisch sich auftrennen, und das beladene Extraktionsmittel
wurde durch Waschen mit 10m1 Wasser von mitgerissenem Material befreit. Die Zusammensetzung
der wäßrigen Phase war:
| o/o Na als o/o K als °,!o B als °/o CO2 als |
| Na,-)0 K20 NazB407 S04 COs Cl |
| Vor der Extraktion . . . . . . . _ . . . . . . . 14,31 2,18
1,05 4,16 1,71 11,57 |
| Nach der Extraktion . . .... .. . ... . . . nicht nicht 0,13
4,17 1,80 11,58 |
| gemessen gemessen |
Dann wurde die Lösung des Komplexes zur Zersetzung mit 10 ml heißer 25%iger H2S04-Lösung
in Berührung gebracht. Nach Trennung der wäßrigen und der organischen Phase wurde
die wäßrige Phase gekühlt. um die Löslichkeit der darin gelösten Sulfate und Borsäure
herabzusetzen. Es bildeten sich Kristalle (Borsäure und Sulfate), die abfiltriert
wurden. Die Mutterlauge (Filtrat) wurde mit etwa fünf Tropfen konzentrierter Schwefelsäure
versetzt, erwärmt und erneut zur Zersetzung verwendet. Phasentrennung, Kühlen und
Filtrieren wurden wiederholt, wie oben beschrieben, wobei eine zweite Ausbeute an
Kristallen erhalten wurde. Dann wurden drei Anteile heißes Wasser von je 10 ml verwendet.
um die letzten Spuren von Borsäure und Sulfaten aus der Komplexlösung abzutrennen.
Der erste Anteil wurde gekühlt und filtriert und dann mit dem Filtrat der zweiten
Ausbeute an Kristallen vereinigt. Den vereinigten Filtraten wurden etwa 2 ml konzentrierte
H2S04 zugesetzt, und die erhaltene schwefelsaure Lösung wurde verwendet, um Komplexlösungen
späterer Zyklen auszuziehen. Der zweite und der dritte Anteil wäßriger Lösung wurden
als erster und zweiter Anteil Laugwasser in späteren Zyklen verwendet. Beladen und
Ausziehen wurden viermal wiederholt, so daß insgesamt fünfmal beladen und abgestreift
wurde. Die Abstreiflösung, die am meisten Bor enthielt, hatte die folgende Analyse:
| B als H3B03 . . . . . . . . . . . . . . . . . . 18,0% |
| S04 . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . . 17,7% |
| Freie Säure als H2S04 . . . . . . . . . . 10.9% |
| Cl ........................... 1,16% |
Bei jedem der Beispiele 2 bis 4 wurde die flüssige Lösung des Polyalkohols beladen,
indem man sie mit der Salzlösung vermischte. Das Bor ging dabei zusammen mit Natrium
und Kalium aus der Salzlösung in die organische Phase über, wo es einen Komplex
mit dem Polyalkohol bildete, der in dem Lösungsmittel, i-Octanol. Leichtbenzin oder
einem Octanol-Tributylphosphat-Gemisch, gelöst blieb. Danach wurden die sich bildenden
Schichten der wäßrigen und organischen Phase im Absetzbehälter voneinander getrennt.
Die untere, wäßrige Schicht bestand aus der an Bor verarmten Salzlösung, und diese
Salzlösung wurde verworfen. Die obere, organische Schicht wurde einem Zersetzungsabschnitt
zugeleitet. Dort wurde das Bor von der Lösung abgetrennt, indem man diese mit verdünnter
Schwefelsäure, 1 n-H2S04, kontaktierte. Der Komplex wurde zersetzt, und das Bor
ging zusammen mit Natrium und Kalium in die wäßrige Phase. Die regenerierte Lösung
des Polyalkohols wurde zu der ersten Stufe zurückgeleitet, wo sie mit frischer Salzlösung
vermischt wurde. Die wäßrige Phase, die Borsäure, Natriumsulfat und Kaliumsulfat
enthielt, wurde einer Anlage zur Gewinnung der Borsäure zugeleitet, wo die Borsäure
durch eine cyclische Eindampfung und Kristallisation gewonnen wurde.
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Wie erwähnt, ist ein bevorzugtes Extraktionsmittel das 2-Chlor-4-(1,1,3,3-tetramethylbutyl)-6-mefhylol-phenol.
Diese Verbindung ist in der Form des im Verlaufe des im Beispiel 3 beschriebenen
Verfahrens gebildeten Komplexes mit Bor gegen eine Oxydation und Zersetzung unter
dem Einfluß von Wärme bei der Lagerung, die vor ihrer Verwendung erforderlich sein
kann, sehr stabil. Daher ist dieser Borkomplex die für die Aufbewahrung dieser Verbindung
bevorzugte Form. Wenn die Verbindung dann verwendet werden soll, kann der Komplex
leicht zerstört und das 2-Chlor-4-(1,1,3,3-tetramethylbutyl)-6-methylol-phenol in
Freiheit gesetzt werden. Bei Vergleichsversuchen wurde der Komplex gebildet und
in Leichtbenzin gelöst und in dieser Lösung 1 Woche bei 60°C gehalten. Dabei verlor
diese Verbindung nur 2% ihrer Kapazität als Borextraktionsmittel, wenn der für die
Lagerung gebildete Komplex zerstört und das Polyol für das Verfahren der Erfindung
verwendet wurde. Wenn dagegen das Polyol allein in Leichtbenzin 1-Wuehe lang bei
60°C gehalten wurde, hatte es etwa 18% seiner Kapazität als Borextraktionsmittel
verloren.
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Einige von jeder der angeführten vier Gruppen von Extraktionsmitteln
sind bekannt. Beispielsweise sind die Phenylglycole der Gruppe 2 (a) in den USA.-Patentschriften
2 804 479 bzw. 2 807 599 beschrieben. Die Verbindung 1,2-Diphenylglycol (Hydrobenzoin),
Vertreter der Gruppe 2 (b), ist von V. M i g r d i c h i a n in »Organic Syntheses«
Bd. 1, S. 180, Reinhold Publishing Company, New York, beschrieben. Die Herstellung
der Glycoläther von Gruppe 3 ist allgemein in den USA.-Patentschriften 2
731429 und 2 804 479 beschrieben. Außerdem sind Methoden zur Herstellung
verschiedener dieser Verbindungen von G i 1 m a n und B 1 a t t in »Organic Syntheses«,
Bd. 1, S.296 bis 298, John Wiley, New York, 1941, beschrieben. Jede der Verbindungen
der Gruppe 3 ist in der britischen Patentschrift 625 216 (1949) beschrieben.
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Verschiedene der Verbindungen der Gruppe 4 sind im Handel erhältlich.
Bevorzugte Verbindungen der Gruppe 4 (b) sind 1,8-Naphthalindiol und 2,3-Naphthalindiol.
Die erstere wird nach dem von E r d m a n n in »Annalen der Chemie«, 247 (1888),
S.345, beschriebenen Verfahren durch Schmelzen von 1-Naphthol-8-sulfonsäure mit
Alkali hergestellt. Das 2,3-Naphthalindiol kann nach dem in BIOS (British Intelligence
Objectives Subcommitee) Report 1152, S. 23/24, oder FIAT (Field Information Agencies
Technical) Report 1313, S.276, beschriebenen Verfahren hergestellt werden.
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Verschiedene Saligenin- oder Methylolnaphtholverbindungen der Gruppe
5 sind bekannt und können zweckmäßigerweise durch Methylolierung
eines
Phenols oder Naphthols hergestellt werden (vgl. beispielsweise die Methode von V.
M i g r d i -c h i a n in »Organie Syntheses«, a. a. O., S. 241, wo die Methylolierung
von Phenol beschrieben ist. Auch andere Phenole und insbesondere die langkettigen
Alkylphenole können in dieser Weise behandelt werden, und einige davon, wie Octylphenol,
Nonylphenol und Dodecylphenol, sind im Handel erhältlich.
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Rohes 2-Chlor-4-(1,1,3,3-tetramethylbutyl)-6-methylol-phenol kann
wie folgt hergestellt werden; für das Herstellungsverfahren wird im Rahmen dieser
Erfindung kein Schutz beansprucht.
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91 kg technisch reines Octylphenol, hauptsächlich 4-(1,1,3,3-Tetramethylbutyl)-phenol,
werden in einen mit Glas ausgekleideten (50-Gallonen-) 190-1-Behälter eingebracht
und durch Erhitzen auf 90°C geschmolzen. Dann werden vom Boden des Behälters im
Verlaufe von 5 bis 6 Stunden unter Rühren 34,4 kg gasförmiges Chlor eingeleitet,
während die Temperatur zwischen 80 und 90°C gehalten wird (die Umsetzung ist exotherm).
Das während der Chlorierung gebildete HCl kann abgetrennt werden, indem man das
Gefäß unter geringem Unterdruck hält und die Abgase mit Wasser wäscht.
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Danach werden restliche Gase durch mehrstündiges Belüften bei 30 bis
60°C von dem Reaktionsgemisch abgetrennt. Das rohe Isooctylchlorphenol kann ohne
Destillation in dem gleichen Gefäß umgewandelt werden. Wenn jedoch eine Reinigung
erforderlich ist, so kann es entweder im Vakuum oder mit überhitztem Dampf destilliert
werden. Um ein reines Produkt zu erhalten, muß eine leichte Fraktion abgetrennt
werden. Dann wird das Produkt destilliert und ein Rückstand in der Destillationskolonne
gelassen.
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Zu dem chlorierten Material werden unter vorsichtigem Rühren 1,06
kg Natriumhydroxyd, in 8,8 kg Wasser gelöst, hinzugegeben. Dann werden im Verlaufe
von 3 bis 4 Stunden 34,5 kg Formaldehyd (37°joige Lösung) hinzugegeben (die Umsetzung
ist exotherm). Das Reaktionsgemisch muß gut gerührt werden, und die Temperatur muß
24 Stunden lang bei 60±2°C gehalten werden, um das 2-Chlor-4-(1,1,3,3-tetramethylbutyl)-6-methylolphenol
zu bilden.
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Das 2-Chlor-4-(1,1,3,3-tetramethylbutyl)-6-methylol-phenol kann mit
Leichtbenzin verdünnt oder direkt der Extraktionsanlage zugeleitet werden. Für die
Lagerung ist jedoch zu empfehlen, das Produkt auf 30'C zu kühlen, mit 7,7 kg 2molarer
Schwefelsäure zu neutralisieren und mit Leichtbenzin zu verdünnen, um seine Viskosität
herabzusetzen.