DE11617C - Neuerung an Fernsprechern - Google Patents
Neuerung an FernsprechernInfo
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Description
1880.
Klasse 21.
w. KLiNKERFUES in göttingen.
Neuerung an Fernsprechern.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 4. Februar 1880 ab.
Nach den jetzt vorliegenden Erfahrungen darf es wohl als erwiesen gelten, dafs zur Wiedergabe
eines Lautes /, m, I, r u. s. w. die Schwingungsamplitude
in allen ihren mit der Lautbildung verbundenen schnellen Aenderungen wiedergegeben werden mufs; im Gegensatz dazu
genügt für die Wiedergabe eines musikalischen Tons die Schwingungsdauer allein. Hieraus erklärt
sich, weshalb das schon im Jahre i860 erfundene Reifs'sehe Telephon nur musikalische
Töne wiederzugeben vermochte. Denn es wurde dabei der galvanische Strom einer Batterie bei
jeder (Doppel-) Schwingung der Membran in solcher Weise geschlossen, dafs die Stromstärken
nahezu gleich wurden. Bell dagegen erreichte die nöthige Verschiedenheit der Amplituden
und damit denn auch die Wiedergabe der Sprache durch die Anwendung magnetelektrischer
Induction; aufserdem zeigt, was für die folgende Beschreibung in Betracht kommt, auch der
Phonograph, dafs, wenn durch irgend ein Mittel auf die Amplituden hinreichend Rücksicht genommen
wird, Worte übermittelt werden können.
Bell hat durch die Anwendung magnetelektrischer
Induction, zugleich aber auch diejenigen Nachtheile eingetauscht, welche bis heut den Gebrauch
so sehr beschränken, nämlich einen so schwachen Strom, dafs derselbe schon bei geringer
Entfernung durch die Theilströme arbeitender Nebenlinien überwogen wird, aufserdem
aber verhältnifsmäfsig grofse Spannung, welche bei einigermafsen ungünstigem Wetter die Isolirung
ungenügend macht. Man darf wohl be-, haupten, dafs von der Beseitigung dieser beiden
Mängel die Zukunft der Telephonverwendung, wenigstens grofsentheils abhängig erscheint. Der
erste Uebelstand ist dadurch zu beseitigen, dafs man sich wieder einer galvanischen Batterie bedient,
wie Reifs es vor 20 Jahren gethan, jedoch unter solchen Bedingungen für die Anordnung,
dafs eine kleine Schwingungsamplitude der Membran, gegen die man spricht, einen schwachen Strom, eine gröfsere einen stärkeren
Strom hervorruft. Hiermit wäre aber der zweite der genannten Mängel, die Bildung von Inductionsströmen
von grofser Spannung nicht nur nicht beseitigt, sondern sogar vergröfsert,. weil
bei jedem Schliefsen und Oeffnen der Kette ein solcher entsteht. Wenn also auch, wie im
unten beschriebenen Arrangement das Schliefsen und Oeffnen ganz geräuschlos stattfinden könnte,
so würden neben den Schwingungen von veränderlicher Amplitude, welche den Laut erzeugen,
noch solche von constanter Amplitude auftreten und die Verständigung sehr beeinträchtigen.
Deshalb mufs das Schliefsen und Oeffnen der Kette überhaupt vermieden werden. Dieselbe bleibt also fortwährend, auch
während des Sprechens geschlossen, dagegen wird die Gröfse der Contactstelle veränderlich,
und zwar von der Gröfse der Amplitude abhängig . gemacht. Eine . gröfsere Contactstelle
hat geringeren Widerstand und deshalb gröfsere Stromstärke im Gefolge. Im übrigen ist die
Einrichtung mancher Modificationen fähig, von denen sich vielleicht die eine oder andere in
der Praxis vortheilhafter erweisen wird, als die im folgenden beschriebene.
Fig. ι beiliegender Zeichnung stellt die Ausführung
eines Apparates dar, welcher zwischen zwei Elementen einer Localbatterie so eingeschaltet
ist, dafs der mit -f- bezeichnete Draht
nach dem positiven Pol des einen Elementes, der mit — bezeichnete nach dem negativen
der andern führt. Die dünne metallene Membran m ist, wie bei dem gewöhnlichen Telephon,
zwischen zwei Nichtleitern befestigt, und steht mit dem Minusdraht in leitender Verbindung.
In dem unteren Theil des Apparates befindet sich, anstatt eines Stahlmagneten und der Inductionsrolle
des Telephons eine gebogene enge eiserne Röhre r r r, welche mit Quecksilber
gefüllt ist und mit dem Plusdraht in Verbindung, steht. Eine an der Membran befestigte passend
geformte Platinspitze / taucht fortwährend in das Quecksilber ein und stellt Verbindung zwischen
den beiden Elementen her. Das Eintauchen der Platinspitze kann durch die Schraube
bei .S fein regulirt werden. Wird die Membran in Schwingung versetzt, so wird ein vibrirender
Widerstand, folglich auch vibrirende Stromstärke, erzeugt. Hierdurch wird auch die Membran
eines Telephons der Endstation in Schwingungen versetzt, welche in Dauer und Amplitude dem
der Abgangsstation entsprechen. Die Umstände erlauben hier, diese Membran auch noch mit
einem kleinen Eisenkern zu versehen, wie ihn der Neef'sche Hammer hat; noch mehr aber
tragen zur Verstärkung andere Abänderungen bei. Des Stahlmagneten bedürfte es hier eigentlich
nicht mehr, er kann aber, wie bei dem polarisirten Relais dennoch nützlich sein, weil
dem Stahlmagneten die Rolle zugetheilt wird, den permanenten Magnetismus des weichen
Eisens der Inductionsrolle vor grofsen Unregelmäfsigkeiten zu bewahren.
Man kann nun aber den Quecksilberkanal des Apparates, Fig. i, in den Stahlmagneten
selbst verlegen, wie dies in Fig. 2 dargestellt ist, . wobei man die zum Reguliren dienende
äufsere Fortsetzung der Röhre r anschraubt. Besteht hier die Membran aus Eisen, so wird
sie alle Schwingungen der angesprochenen Membran mitmachen, dadurch mit der Platinspitze
mehr und weniger tief in das Quecksilber eintauchen und, wenn zwischen einem zweiten und
dritten Element eingeschaltet, die Stromschwankung der ganzen Kette bedeutend verstärken.
So fortfahrend, kann man noch eine gröfsere Zahl mitschwingender Membranen, welche zugleich
Verstärker der Stromschwingungen sind, gewinnen, dieselben räumlich eng zusammenstellen
und nöthigenfalls die Schwingungen durch einen einzigen grofsen Schallbecher sammeln.
Die Pole der Batterie können mit der Linie, oder auch mit der Erdleitung in Verbindung
stehen.
Die Verstärkung durch mehrere schwingende Membranen wird in folgender Weise hervorgebracht.
Mit dem Linienleitungsdraht, Fig. 2, der die Stationen verbindet, steht ein Telephon
von der Bell'schen oder Siemens'schen Form in leitender Verbindung. Die Membran in aber
ist wie bei dem Phonographen gestaltet, und es kann, wie dort, Glimmer dazu verwendet
werden. Ebenfalls wie dort berührt die Membran durch Vermittlung eines weichen Gummistückchens
g eine leicht in Schwingung zu versetzende Feder s. Letztere bildet für den ununterbrochenen
Strom einen Theil der Leitung, indem ihre Befestigungsschraube im Holzmantel
des Telephons durch Draht mit der Linie verbunden ist, während auf der anderen Seite die
Feder durch eine daran befestigte dolchmesserartig abgeplattete Platinspitze p, welche in den
Quecksilberkanal eintaucht, fortwährend mit der Fortsetzung der Leitung den Contact herstellt.
Vortheilhaft erscheint es, den Kanal gewissermafsen flufsdeltaartig auslaufen und in jede der
Mündungen eine an der einen Feder befestigte besondere Platinspitze p eintauchen zu lassen.
Die Platinspitzen, von denen in Fig. 2 drei gewählt, sind an einer kleinen weichen Eisenplatte «befestigt, welche an der Feder sitzt.
Letztere ist also im wesentlichen ein Wagner'-scher Hammer mit Platinspitzen am Eisenkern.
Der Quecksilberkanal verfolgt die Axe des Stahlmagneten M vom Telephon, welcher in dessen
Inductionskern steckt, setzt sich dann in einem äufseren nach oben führenden eisernen Schenkel
fort, der zum bequemen Füllen und Nachfüllen dient. Derselbe ist oben luftdicht verstöpselt,
um Bewegungen der Quecksilbersäule in den beiden Schenkeln zu verhindern. An dem
oberen Ende des äufseren Schenkels befindet sich auch der Anknüpfungspunkt für die Inductionsspirale
des Stroms, welche, von da in das Innere des Telephons zurückgeführt, den weichen Kern des Telephons umwindet und
dann in einem Leitungsdraht zu einem Theil der Batterie sich fortsetzt, oder auch, wenn es
nach dem Verhältnifs des äufseren und des inneren Widerstandes vortheilhaft erscheint, gleich
zu weiteren Telephonen der eben beschriebenen Einrichtung. Der Stahlmagnet wäre hier . als
Stromerreger überflüssig, ist aber nützlich für den regelmäfsigen Verlauf der Stromschwankungen.
Wenn die Membran m des Telephons angesprochen
wird, so entsteht dieselbe Wirkung, wie bei dem Phonographen, d. h. die. Feder.$
ahmt deren schwingende Bewegungen nach, die wechselnde Stärke des Eintauchens der Spitzen/
führt die Stromschwankungen herbei, welche durch den Quecksilberkanal r zur Inductionsrolle
k fortgepflanzt, auch die Schwingungen der angesprochenen Membranen noch um einen
entsprechenden Betrag verstärken, ebenfalls auch die Membranen aller übrigen in die Leitung
eingeschalteten Telephone in Schwingung Versetzen, welche die Feder vermittelt. Alle Telephone
einer und derselben Station von eben beschriebener Einrichtung können, auf engem
Raum zusammengestellt, und jede einzelne Membran durch Hörschlauch H mit dem engen Ende
eines Schallbechers verbunden werden. Wie bei dem Phonographen dient der Schallbecher dann
zugleich als Mundstück, durch welches hier sämmtliche Membranen auf einmal angesprochen
werden können.
Die Gruppirungsweise der einzelnen Telephone ergiebt sich ohne Skizze aus dem vorhergehenden.
Ein Hauptzweck der ganzen Einrichtung ist die Verwerthung des Phonographen für TeIegraphie.
Berücksichtigt man, dafs das Staniol doch immer der Nadel des Phonographen ein gröfseres Hemmnifs der Bewegung als das Quecksilber
bereitet, dafs Ränderbildung stattfinden mufs, dafs aber gleichwohl ein gut gearbeiteter
Phonograph einer ganzen Versammlung Gesprochenes deutlich zum Gehör bringt, so wird
es auch möglich sein, die Nadel des Phonographen mittelst elektrischen Stromes an entfernter
Station in Thätigkeit zu setzen und zu Eindrücken in das Staniol zu zwingen, welche
nachher die Sprache wiedergeben. Für diesen Zweck würde der Inductionsstrom eines gewöhnlichen
Telephons immer viel zu schwach bleiben. Als Element für die im vorhergehenden beschriebenen
Einrichtungen ist das Chromsäure-Element zu empfehlen.
Claims (1)
- Patent-Ansprüche:i. An Telephonen die Anwendung einer metallenen Röhre oder mehrerer Röhren, welche mit Quecksilber gefüllt sind, in welche ein an der Membran des Instrumentes befestigter Platinstift eintaucht, der je nach der Gröfse der Schwingungsamplitude, eine variable Contactstelle zwischen Membran und der mit der Quecksilberröhre verbundenen Leitung abgiebt.Die Verstärkung der Stromschwingungen durch Combination mehrerer mitschwingender Membranen, welche zwischen Elemente r der Empfangsstation eingeschaltet sind und von denen jede auf eine oder mehrere Platinschneiden wirkt, welche in. die im Eisenkern des Telephons mündende Quecksilberröhre eintauchen und federnd am Instrumente gelagert sind, zum Zweck, das Telephon mit dem Phonographen combinirt zum Telegraphiren zu verwenden.Das Sammeln oder Vereinigen der Schallwirkung der übereinstimmend schwingenden Membranen in einem Schallbecher oder einer Hörröhre.Hierzu I Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
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