DE8328C - Neuerungen an mikrophonischen Apparaten und Construction eines Höhrrohres für Aerzte und Schwerhörige - Google Patents
Neuerungen an mikrophonischen Apparaten und Construction eines Höhrrohres für Aerzte und SchwerhörigeInfo
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Description
1878.
Klasse 21.
R. LÜDTGE in BERLIN.
Neuerungen an mikrophonischen Apparaten und Construction eines Hörrohres für Aerzte
und Schwerhörige.
Patentirt im Deutschen Reiche vom 30. November 1878 ab.
Den bisherigen Constructionen telephonischer und mikrophonischer Instrumente sind einige
Uebelstände gemeinsam und eigenthümlich, welche bisher die praktische Anwendung wesentlich
beeinträchtigt haben. Diese Uebelstände, obgleich in sich verschiedener Art; bewirken
im allgemeinen dieselbe Störung; sie verursachen Nebengeräusch. Der aufgegebene
Ton oder Laut kommt im Empfangstelephon nicht rein und klar zum Ausdruck, sondern er
ist verschleiert, verdeckt, unterbrochen durch andere Töne und Geräusche, welche man nicht
die Absicht hatte, zu übermitteln. Die Ursachen dieser Störung sind die folgenden:
Die Ueberleitung des Schalls findet nicht allein von dem einen Contactstück auf das
andere statt, sondern letzteres steht aufserdem
durch Hebel, Federn, reibende Berührung oder sonstwie mit dem Instrument so in Verbindung,
dafs auch von dieser Seite aus eine Uebertragung von Schallschwingungen, auf dasselbe
stattfindet; eine Uebertragung, die naturgemäfs die directe Uebertragung der Vibrationen
stört und durchkreuzt. Ferner wird bei der Uebertragung der Schallimpulse von einem Contactstück
auf das andere das letztere von diesem bei der Energie der Schwingungen nicht allein,
wie wünschenswerth, mehr oder weniger gedrückt, sondern direct fortgeschleudert.
Hierdurch entstehen volle Contactunterbrechungen, die an sich sehr störend sind, aber noch
störender dadurch werden, dafs sie von Oeffnungs- und Schliefsungsfunken und entsprechenden
Strömen begleitet sind.
Ein fernerer Uebelstand der bisherigen Constructionen ist der, dafs sie tiefe Töne besser
wiedergeben, wie hohe, was eine reine und vollkommene Wiedergabe des aufgegebenen Tonbildes
verhindert.
Zur Vermeidung dieser genannten und sehr wesentlichen Uebelstände sind von mir nachfolgende
Constructionen ausgeführt worden.
Zwei Momente bilden das wesentliche und eigenthümliche Princip dieser Constructionen:
1. Das Contactstück öder besser dessen Hülse
ist direct und unmittelbar an dem anderen Contactstück oder dessen Hülse befestigt.
2. Die zur Befestigung dienende Substanz ist eine die Schallimpulse schlecht leitende
(dämpfende) Substanz, wie Kautschuk, Gummi, Gelatine etc., oder eine federnde.
Die unter 1. genannte Anordnung dient dazu,
dafs beide Contactstücke, da sie ein festes Ganzes bilden, sämmtliche Totalbewegungen der
tönenden Platte oder Membran, an der sie befestigt sind, gemeinsam gleichzeitig mitmachen,
mithin, da keine Veränderung in der Innigkeit ihres Contactes eintritt, diese sonst sehr störenden
Totalbewegungen nicht hörbar werden.
Nur die Partialschwingungen, die eigentlichen Tonschwingungen werden von einem Contactstück
auf das andere übertragen, bewirken die entsprechenden Aenderungen in der Innigkeit
des Contactes und werden hörbar.
Die unter 2. angegebene Anwendung einer schlecht leitenden Substanz dient dazu, dafs
diese Befestigungssubstanz nicht selber schon überwiegend die Uebertragung der Impulse vermittelt,
deshalb mufs dieselbe eine solche sein, die überhaupt Schallschwingungen schlecht weiter
trägt (dämpft) oder sie in andere gleichmäfsige, pendelartige verwandelt, was durch eine federnde
Substanz bewirkt wird. Die geringe Uebertragung der Schallimpulse, welche durch die
Dämpfungssubstanz dennoch stattfindet, bringt einen wesentlichen Vortheil mit sich. Denn,
wie bekannt, wirken die dämpfenden Substanzen stärker dämpfend für hohe als für tiefe Töne.
Während also für erstere das eine Contactstück von dem anderen fast allein die Impulse erhält,
da ihm die Dämpfungssubstanz keine Bewegung ertheilt, wird bei tiefen Tönen auch von der
dämpfenden Substanz Bewegung übermittelt; das eine Contactstück befindet sich mit dem
anderen schon in gleichmäfsiger wenn auch nicht gleich starker Vibration; es bleibt diesem
also nur übrig, den noch fehlenden Theil der Impulse an das andere Contactstück zu über-
mitteln. Da aber an und für sich tiefere Töne
stärkere, gröfsere Impulse geben als hohe, so wirkt der Einflufs der Dämpfung hier ausgleichend,
indem nun die hohen und tiefen Töne fast ganz gleich stark zur Geltung kommen.
Bei Fig. ι der Zeichnung stecken die beiden Contactstücke α und a' (Metall oder Kohle) in
länglich viereckigen Hülsen. Die Hülsen h und h[ sind aus irgend einem festen Material
(Metall, Elfenbein, Hartgummi etc.) gebildet und tragen an jedem Ende eine viereckige Durchbohrung
d und rt", welche jede ganz mit der dämpfenden Substanz s und s1 (Kautschuk etc.)
ansgefüllt wird; diese Dämpfungsstücke können durch Schrauben r und r' mehr oder weniger
comprimirt werden, so dafs sie mehr oder weniger stark dämpfend wirken. Die beiden
Hülsen sind fest verbunden durch zwei dünne schmale Streifchen / und Z1 irgend einer festen
Substanz (Metall, Hartgummi), welche in die Dämpfungsstücke eingeklemmt oder eingekittet
sind. Die Vibrationen des einen Contactstückes müssen mithin zwei Dämpfungsstücke passiren,
um zum anderen Contactstück zu gelangen. Die Contactstücke selbst befinden sich so in
kleinen Röhren bezw. cylindrischen Bohrung der Hülsen h und h', dafs sie nur mit ihrer oberen
etwas gewölbten Fläche hervorstehen können; auf die anderen Flächen drücken je eine kleine
aber starke Spiralfeder, welche gegen die Metallköpfe k und k', welche die Bohrungen
schließen, anliegen. Diese Befestigung der Contactstücke unter Spiralfedern hat den Zweck,
dafs sie, da sie sich beim Uebergang der Elektricität ziemlich stark erhitzen, nur nach der dem
Contact abgewendeten Seite hin ausdehnen können. An der einen Hülse ist ferner eine
Schraube ν mit Mutter V1 angebracht, mittelst
welcher diese Hülse auf einer dem Schall ausgesetzten Membran oder Platte befestigt werden
kann, wie in Fig. 6, 7 und 8 ersichtlich. Die Regulirung der Contacteinstellung geschieht
hier durch die Schraube v, welche das eine Contactstück dem anderen nähert oder von
diesen entfernt. Diese Construction gestattet, die Dämpfung zu reguliren, was zum gleichmäfsigen
Ansprechen der tiefen und hohen Töne von Belang ist. Die Poldrähte sind in leitender Verbindung mit den Contactstücken
an den Hülsen befestigt.
Als vereinfachte Abänderungen dieser Construction stellen sich die in Fig. 2, 3 und 4
gezeichneten dar.
Die Vereinfachung ist im wesentlichen dadurch erreicht, dafs von einer Regulirung der
Dämpfung abgesehen wurde. Indem die sonstigen Constructionsverhältnisse dieselben blieben, wurde
bei Fig. 2 das Dämpfungsstück ί s' als Ring um die ebenfalls cylindrisch abgedrehte Contacthülse
gelegt, bei Fig. 3 wurden die ebenfalls cylindrischen Contactstückhülsen direct durch
einen zwischengelegten Ring ί s' der dämpfenden Substanz verbunden. Die Bezeichnungen
und Verhältnisse sind im übrigen wie bei Fig. 1.
Die möglichst vereinfachte Construction des alten gemeinsamen Princips ist wohl die in Fig. 4
dargestellte. Zwei cylindrische Contactstücke a und a' mit gewölbten Contactflächen sind einfach
durchbohrt in der Richtung ihrer Axe. Die Durchbohrungen verengen sich konisch nach den Contactflächen hin, so dafs ein durch
diese Bohrungen geführter dünner Cylinder einer dämpfenden Substanz fs) gerade an den beiden
Contactflächen eingeklemmt befestigt wird. Das eine Contactstück trägt ebenso wie bei den
anderen Constructionen eine Schraube υ mit Mutter v' zur Befestigung des Systems an einer
tönenden Membran oder Platte.
Die richtige Einstellung des Contactes kann entweder wie in der nachfolgenden Construction
erfolgen, oder geschieht durch einfaches Verschieben des einen Contactstückes.
Fig. 5 stellt eine Construction dar, welche in anderer Weise, wie bei Fig. 1, gestattet, sowohl
Dämpfung wie Contacteinstellung zu reguliren. Die im Uebrigen genau wie bei Fig. 1
gebildeten länglich viereckigen Contactstückhülsen haben in den viereckigen Durchbohrungen,
welche dort zur Aufnahme der Dämpfungssubstanz dienten, kleine, um eine Axe bewegliche
Klemmstücke k und k', welche mittelst der Schrauben r und r' gegen die innere Seite
der viereckigen Durchbohrung angedrückt werden können und dort zum Festklemmen der
durchgeführten fadenförmigen Dämpfungssubstanz dienen; am freien Ende sind diese Fäden
an einem drehbaren Cylinder (Wirbel) η befestigt, dessen Axe in zwei kleinen Säulchen
ihre Lager hat, welche auf den seitlichen Vorsprüngen der unteren Contacthülse befestigt
sind. Beim Drehen des Wirbels η werden die Dämpfungsfäden auf- oder abgerollt und damit
zugleich die obere Contacthülse der unteren genähert oder von derselben entfernt. Hierdurch
findet einerseits eine Regulirung des Contactes selber statt, andererseits tritt, da die zwischen
den Klemmen k und k' befindlichen Dämpfungsstücke gleichzeitig mehr oder weniger
ausgedehnt werden, eine Regulirung der Dämpfung ein. Da sich jedoch unter Umständen beide
Regulirungen wiedersprechen können, ist, wie in Fig ι, das eine Contactstück an einer Correctionsschraube
ζ befestigt, welche auch eine unmittelbare Regulirung des Contactes ermöglicht.
Es kann in derselben Weise wie das erste Contactstück mit dem zweiten noch ein drittes
mit dem zweiten u. s. w. verbunden werden, genau nach demselben Princip der directen Verbindung
der Contactstücke unter einander und mit der dämpfenden Substanz.
Weitere Erfahrung hat gezeigt, dafs das eine Contactstück nicht allein, wie vorher beschrieben,
durch dämpfende Substanzen, wie Gummi u. s. w., gegen störende Uebertragung der Schallimpulse
gesichert werden kann, sondern dafs dieser Erfolg auch erreicht werden kann durch
Claims (3)
1. Die Einrichtung an mikrophonischen Apparaten, dafs die Contactstücke oder deren
Fassungen direct und unmittelbar zu einem festen System und zwar mittelst einer den
Schall schlecht leitenden (dämpfenden) Substanz, wie Kautschuk, Guttapercha etc., mit
einander verbunden sind.
2. Die Einrichtung an mikrophonischen Apparaten, dafs die Contactstücke oder deren
Fassungen direct und unmittelbar zu einem festen System und zwar mittelst eines federnden
(schwingenden) Verbindungsstückes mit einander verbunden sind, wie beschrieben.
3. Die beschriebene Construction eines Hörrohres für Aerzte und Schwerhörige, welches
durch directe Verbindung eines BeIlschen Telephons (als dem zum Hören bestimmten
Theil) und eines Mikrophons (als
dem zum Schallempfange bestimmten Theil) zu einem Instrument gebildet ist, bei dem
aber auch der letztere Theil, um ihn der Tonquelle nähern zu können, von dem ersteren in einfacher Weise abgenommen
werden kann, ohne ihre elektrische Verbindung zu stören.
Die Einrichtung an mikrophonischen Apparaten, dafs, um langsame Bewegungen hörbar
zu machen, das eine Contactstück auf dem anderen durch den Körper, dessen Bewegung
zu untersuchen ist, schleifend bewegt wird. ·;■· ,
Hierzu I Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE8328C true DE8328C (de) |
Family
ID=285875
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT8328D Active DE8328C (de) | Neuerungen an mikrophonischen Apparaten und Construction eines Höhrrohres für Aerzte und Schwerhörige |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE8328C (de) |
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0
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