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Die Erfindung betrifft eine Beckenbodentrainings-Vorrichtung,
insbesondere zur Behandlung der weiblichen Stressinkontinenz.
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Zur Behandlung der weiblichen Stressinkontinenz
stehen neben chirurgischen Verfahren (z.B. nach der TVT-Technik,
siehe z.B. WO 96/06567 und WO 97/13465) auch sinnvolle und empfohlene nicht-invasive,
konservative Behandlungsmöglichkeiten
zur Verfügung.
Dazu gehören
das Beckenbodentraining mit gewichttragenden Körpern (Konen), sogenannten
Femcons, die Anwendung von formveränderlichen Körpern zum
Beckenbodentraining, die pneumatisch betrieben werden, sowie die
Elektrostimulation des Beckenbodens mittels Vaginalsonden. Diese
Methoden haben das Ziel, die insuffiziente Beckenbodenmuskulatur
zu stärken.
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Insbesondere das Beckenbodentraining
mittels eingeführten
ovalen Gewichten (den Femcons) ist allgemein akzeptiert, wird von Ärzten empfohlen und
zeigt nach entsprechender Trainingszeit positive Auswirkungen auf
die Inkontinenz. Durch diese Gewichte wird der Muskel, ähnlich wie
beim Bodybuilding, rein mechanisch trai niert. Ein Biofeedback auf die
Anwenderin ist jedoch bei solch einer rein passiven Vorrichtung
nicht möglich.
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Ein vorbekannter etwas länglicher
Körper, der
vaginal eingeführt
wird und mit Hilfe eines pneumatischen Antriebs seine Form ändern kann,
ist in der Lage, auf die Anwenderin einen Stimulus (Biofeedback)
auszuüben,
was die Trainingseffizienz erhöht.
Die Anwendung ist jedoch umständlich,
zumal Teile des pneumatischen Antriebs außerhalb des Körpers angeordnet
sind. Auch die vorbekannten Geräte
zur Elektrostimulation des Beckenbodens zielen auf ein Biofeedback
ab, sind aber in der Regel sehr technisiert, teilweise computerisiert,
aufwendig in der Benutzung, sehr erklärungsbedürftig in der Anwendung und
im Training und nicht zuletzt kostenintensiv (sowohl für die Anwenderin
als auch, bei Verschreibung, für
das Versicherungssystem).
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Es ist Aufgabe der Erfindung, eine
Beckenbodentrainings-Vorrichtung zu schaffen, die einfach und kostengünstig ist
und ein leicht erlernbares und effizientes Training mit Biofeedback
ermöglicht.
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Diese Aufgabe wird gelöst durch
die Beckenbodentrainings-Vorrichtung mit den Merkmalen des Anspruchs
1. Vorteilhafte Ausgestaltungen der Erfindung ergeben sich aus den
Unteransprüchen.
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Die erfindungsgemäße Beckenbodentrainings-Vorrichtung
weist einen vaginal einführbaren Körper mit
einer flexiblen Wandung auf. Im Innenraum des Körpers ist mindestens eine auf
die Wandung wirkende Feder angeordnet, die dazu eingerichtet ist,
einen nach außen
gerichteten Druck auf die Wandung auszuüben.
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Der Körper der erfindungsgemäßen Beckenbodentrainings-Vorrichtung
wird von der Anwenderin vaginal eingesetzt und soweit eingeschoben,
dass er etwa zur Hälfte
oberhalb und zur Hälfte
unterhalb des Beckenbodens liegt. Die Anwenderin kann durch Kontraktionen
der Beckenbodenmuskulatur die Wandung des Körpers eindrücken, was die Muskulatur trainiert
und einen Stimulus ausübt.
Diese Art des Trainings ist einfach, leicht erlernbar und kann vor
allem diskret und überall
ausgeübt
werden, denn bei der erfindungsgemäßen Beckenbodentrainings-Vorrichtung
sind keine nach außen
führenden
pneumatischen oder elektrischen Leitungen und keine Zusatzgeräte erforderlich.
Die Anwenderin kann also jederzeit und damit sehr effizient trainieren.
Die erfindungsgemäße Vorrichtung
ist einfach aufgebaut und in der Entwicklung und Herstellung nicht
kostenintensiv, aber in der Funktion sehr wirkungsvoll.
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Vorzugsweise ist die Feder dazu eingerichtet,
beim Überschreiten
einer vorgegebenen auf die Feder einwirkenden Kraft ihren Druck
auf die Wandung impulsartig zu verändern. Diese Veränderung übt einen
plötzlichen
Stimulus und ein sehr effektives Biofeedback aus, denn sie gibt
der Anwenderin zum einen die Information, dass die richtigen Muskeln
angespannt wurden (was wichtig für
das initiale Kennenlernen des eigenen Beckenbodens ist) und kann zudem
als weiterer Impuls zur Muskelkontraktion dienen.
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Ein derartiges Verhalten der Feder
mit impulsartiger Druckänderung
wird bei einer bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung dadurch erreicht, dass die Feder (die z.B. aus Metall
oder Kunststoff gefertigt ist) dazu eingerichtet ist, beim Überschreiten der
vorgegebenen Kraft ihre Konfiguration zu verändern. Dabei kann die Feder
eine bügelartige
Grundform mit zwei freien, vorzugsweise elastischen Schenkeln und
einem die Schenkel verbindenden Verbindungsstück aufweisen, das beim Überschreiten
einer vorgegebenen, die beiden Schenkel aufeinander zu drückenden
Kraft in einen anderen Krümmungszustand übergeht.
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Vorzugsweise sind zwei oder mehr
derartiger Federn mit bügelartiger
Grundform vorgesehen, deren Verbindungsstücke quer zueinander verlaufen, z.B.
bei drei Federn unter einem Winkel von etwa 60°. Die Verbindungsstücke der
Federn sind vorzugsweise nicht miteinander verbunden, so dass die Federn
weitgehend un abhängig
voneinander sind. Diese Ausgestaltung ist einfach und kostengünstig, aber
sehr wirkungsvoll. Zudem entsteht beim Entspannen, wenn die Feder
wieder in ihren ursprünglichen
Krümmungszustand übergeht,
ein ähnlicher
Impuls, der über
die Wandung des Körpers
an den Beckenboden weitergegeben wird und ein Biofeedback erzeugt.
Wenn Federn unterschiedlicher Stärke
oder Form vorhanden sind, sind die vorgegebenen Kräfte, bei
denen die Federn ihre Konfiguration verändern, unterschiedlich groß, so dass
je nach Richtung der auf den Körper
der Beckenbodentrainings-Vorrichtung einwirkenden Kraft ein unterschiedlicher
Stimulus erzeugt wird. Dies eröffnet
zusätzliche
Trainingsmöglichkeiten.
Um den Körper
in der richtigen Orientierung einzusetzen, empfiehlt sich bei einer
derartigen Ausgestaltung eine Markierung an der Außenseite
des Körpers.
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Vorzugsweise enthält die Beckenbodentrainings-Vorrichtung
eine Einrichtung, die dazu eingerichtet ist, beim Überschreiten
einer vorgegebenen auf die Feder einwirkenden Kraft ein Geräusch zu
erzeugen. Dieses Geräusch,
das so leise sein kann, dass es nur von der Anwenderin bemerkt wird,
erleichtert das Erlernen des Beckenbodentrainings. Vorzugsweise
ist die Feder selbst dazu eingerichtet, beim Überschreiten einer vorgegebenen
auf die Feder einwirkenden Kraft ein Geräusch zu erzeugen, nämlich ein
Knackgeräusch.
Bei einer Feder mit bügelartiger
Grundform der oben erläuterten
Art ist dies der Fall. Bei einer derartigen Ausgestaltung braucht die
Beckenbodentrainings-Vorrichtung also keine zusätzlichen Komponenten zur Geräuscherzeugung
zu enthalten.
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Vorzugsweise liegt die Feder an der
Innenseite der Wandung an und ist dort vorzugsweise befestigt (z.B.
mit Klebstoff), damit sie nicht verrutschen kann. Es ist aber auch
denkbar, dass die Feder nicht direkt auf die Wandung wirkt, sondern
indirekt über eine
zwischenliegende Komponente wie z.B. ein Polster.
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Der Körper der Beckenbodentrainings-Vorrichtung
hat vorzugsweise eine ovalartige bis längliche oder eine hantelartige
Grundform. Die Wandung ist vorzugsweise geschlossen. Sie kann ein
weiches und hautfreundliches Material aufweisen, z.B. Silikon.
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Die Wandung kann Verstärkungen
enthalten, z.B. aus Metall. In diesem Fall liegt die Feder bzw.
liegen die Federn vorzugsweise an Verstärkungen der Wandung an.
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Die Funktionsweise der erfindungsgemäßen Beckenbodentrainings-Vorrichtung, die
ein Biofeedback erzeugt, erlaubt es der Patientin, die Anwendung
schnell und einfach zu erlernen und schnell ein Gefühl für ihre Beckenbodenmuskeln
zu bekommen, also ein Beckenbodenbewusstsein zu entwickeln, und
dann zu trainieren. Wegen der rein innerlichen Anwendung ohne Verbindung
mit externen Geräten (wie
es bei den erwähnten
Vorrichtungen aus dem Stand der Technik der Fall ist) ist das Training
für Außenstehende
unsichtbar und somit nicht auf den häuslichen Bereich beschränkt; es
kann praktisch überall
ausgeübt
werden. Insgesamt werden die Beschwerden der Patientin schnell und
effektiv gemildert. So kann ein chirurgischer Eingriff häufig ganz vermieden
werden, zumindest aber weit hinausgezögert werden.
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Im Folgenden wird die Erfindung anhand
eines Ausführungsbeispiels
näher erläutert. Die
Zeichnungen zeigen in
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- 1 einen
schematischen Längsschnitt
durch eine erfindungsgemäße Beckenbodentraings-Vorrichtung,
wobei keine Kraft auf die eingezeichnete Feder einwirkt,
- 2 einen Längsschnitt
wie in 1, wobei die Vorrichtung
in eine Patientin eingeführt
ist und eine durch Pfeile angedeutete Kraft auf die Feder wirkt,
die bereits zu einer Veränderung
der Konfiguration der Feder geführt
hat, und
- 3 eine perspektivische
Ansicht einer Ausführungsform
der erfindungsgemäßen Beckenbodentrainings-Vorrichtung,
wobei die Wandung transparent dargestellt ist.
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In den 1 und 2 sind in schematischem Längsschnitt
der Aufbau und die Wirkungsweise einer Beckenbodentrainings-Vorrichtung 1 veranschaulicht.
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Die Vorrichtung 1 weist
einen Körper 2 mit
einer flexiblen Wandung 4 auf. Der Körper 2 hat im Ausführungbeipiel
eine hantelartige Grundform. Im Innenraum des Körpers 2 befindet sich
eine bügelartige
Feder 6. Die Feder 6 ist in der Darstellung gemäß 1 entspannt. In der Darstellung
nach 2 ist die Vorrichtung 1 in
die Vagina 8 einer Patientin eingeschoben, und zwar so
weit, dass der Beckenboden etwa in der Höhe der beiden Pfeile A liegt.
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Die Feder 6 hat zwei freie,
im Ausführungsbeispiel
elastische Schenkel 10 und 12, die über ein Verbindungstück 14 miteinander
verbunden sind. Im Ausführungsbeispiel
ist die Feder 6 einstükkig
aus einem Metallstreifen gefertigt. Die Schenkel 10 und 12 sind
in der Nähe
ihrer freien Enden an der Innenseite der Wandung 4 befestigt,
z.B. mit Klebstoff, und zwar vorzugsweise nicht direkt an dem äußeren Material der
Wandung, sondern an Verstärkungen
der Wandung (siehe 3),
die in den 1 und 2 nicht eingezeichnet sind.
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Wenn die Patientin die Beckenbodenmuskulatur
anspannt (2), wirkt
in Richtung der beiden Pfeile A eine Kraft auf die Wandung 4 des
Körpers 2, die
die beiden Schenkel 10 und 12 der Feder 6 aufeinander
zu drückt.
Wenn die Kraft einen vorgegebenen Wert überschreitet, ändert die
Feder ihre Konfiguration, indem das Verbindungsstück 14 schlagartig und
mit einem Knackgeräusch
in einen anderen Krümmungszustand übergeht
(siehe Pfeil B in 2).
Dies wird von der Patientin als Stimulus wahrgenommen. Das damit
verbundene Biofeedback vermittelt der Patientin ein Gefühl für ihre Beckenbodenmuskulatur,
worin ein wesentlicher Effekt des Beckbodentrainings mit der Vorrichtung 1 liegt.
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In den 1 und 2 ist das Verbindungsstück 14 in
seinem mittleren Bereich mit einer Eindellung 16 versehen,
die bei der Konfigurationsänderung
des Verbindungsstücks 14 in
die andere Richtung überspringt
und dadurch den Effekt verstärkt.
Die gewünschte
Wirkungsweise der Feder 6 ergibt sich aber auch ohne die
Eindellung 16.
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Wenn die Patientin die Beckenbodenmuskulatur
wieder entspannt, geht das Verbindungsstück 14 hörbar in
seinen ursprünglichen
Krümmungszustand
zurück
(1).
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Die 3 zeigt
eine Ausführungform
der Beckenbodentrainings-Vorrichtung
in dreidimensionaler Ansicht. Das äußere Material der Wandung 4 ist
dabei transparent dargestellt; es besteht im Ausführungsbeispiel
aus weichem und hautfreundlichem Silikon. Im Ausführungsbeispiel
enthält
die Wandung 4 als Verstärkung
drei in sich geschlossene Verstärkungsstreifen 20, 22 und 24 sowie
einen quer dazu verlaufenden Verstärkungsring 26. Diese
Teile bestehen z.B. aus dünnem
Edelstahlblech und sind elastisch. Die Verstärkungsstreifen 20, 22 und 24 sind
an den Stellen 28 und 29 unter Winkeln von etwa
60° miteinander
verbunden. Zum Befestigen eignen sich Techniken wie Nieten, Punktschweißen, Löten oder Kleben.
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In 3 ist
zu erkennen, dass an den Innenseiten der Verstärkungsstreifen 20, 22 und 24 jeweils die
Schenkel einer bügelartigen
Feder anliegen. Dabei sind die Schenkel im Bereich ihrer freien
Enden zur Sicherung gegen Verrutschen angeklebt. Die Federn sind
in 3 mit den Bezugszeichen 30, 32 und 34 versehen.
Jede der Federn 30, 32, 34 ist so aufgebaut
und wirkt so, wie anhand der 1 und 2 für die Feder 6 beschrieben.
Die Verbindungsstücke
der Federn 30, 32 und 34 sind untereinander
nicht verbunden, so dass die Federn 30, 32, und
34 weitgehend entkoppelt sind und ihre jeweilige Konfiguration (Krümmungszustand
des Verbindungsstücks)
unabhängig
von den anderen Federn ändern
können.
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Ausführungsformen mit weniger oder
mehr als drei Federn sind ebenfalls denkbar. Je größer die Zahl
der Federn, um so gleichmäßiger wird
das Verhalten der Beckenbodentrainings-Vorrichtung in bezug auf
die Richtung der einwirkenden Kraft.