-
Die
Erfindung betrifft ionische Flüssigkeiten
umfassend von Allyl- oder Vinyl-Monomeren abgeleitete Polymere oder
Copolymere, die Aminium- und/oder Sulfoniumkationen enthalten sowie
deren Verwendung.
-
Während des
Betriebes einer Polymer-Elektrolyt-Membran-(PEM)Brennstoffzelle
wird ein Sauerstoff enthaltendes Gas der Kathode und ein wasserstoffhaltiges
Gas der Anode zugeführt.
An der Anode findet die elektrochemische Oxidation des Wasserstoffs
statt, an der Kathode die Reduktion des Sauerstoffs. Durch die direkte
Umsetzung von chemischer in elektrische Energie unter Umgehung der
Carnot Limitierung kann in Brennstoffzellen ein hoher Wirkungsgrad
erreicht werden.
-
Die
zur Zeit am weitesten entwickelte PEM-Brennstoffzellentechnologie
basiert auf Nafion®-Membranen als Elektrolyt. Die elektrolytische
Leitung findet dabei über
hydratisierte Protonen statt, wodurch die Protonenleitfähigkeit
der Membran an das Vorhandensein von flüssigem Wasser gekoppelt ist.
Dies Limitiert die Betriebstemperatur derartiger Brennstoffzellenmembranen
bei Normaldruck auf unter 100 °C.
-
Bei
Temperaturen, die höher
als 80-95 °C
sind, verschlechtert sich die Leistung aufgrund des zunehmenden
Flüssigkeitsverlustes
deutlich. Zur Aufrechterhaltung der Leitfähigkeit der Membran oberhalb
von 100 °C
sind aufgrund der Temperaturabhängigkeit
des Dampfdrucks von Wasser sehr große Wassermengen zur Befeuchtung
der Membran nötig.
In Systemen mit einem Druck größer als
dem Normaldruck kann die Temperatur zu Lasten der Effizienz, Größe und des
Gewichtes des Gesamtsystems erhöht
werden. Für
einen Betrieb deutlich über
100 °C würde der
benötigte
Druck jedoch drastisch ansteigen.
-
Betriebstemperaturen
größer 100 °C sind aus
den verschiedensten Gründen
erstrebenswert: Die Elektrokinetik, wie auch die katalytische Aktivität für beide
Elektroden wird mit zunehmender Temperatur gesteigert. Außerdem ist
die Toleranz gegenüber
Verunreinigungen der eingesetzten Betriebsgase, wie zum Beispiel
Kohlenmonoxid (CO) höher.
Für den
Einsatz einer Brennstoffzelle in einem Fahrzeug ist aufgrund des
geringeren Wärmeaustrages
durch das Abgas eine möglichst
große
Temperaturdifferenz zur Umgebungstemperatur für die Abführung der Abwärme vorteilhaft.
-
Da
allerdings mit zunehmender Betriebstemperatur die Ansprüche an die
thermische Stabilität
aller Bauteile des Brennstoffzellenstapels sowie der Systemkomponenten
dramatisch zunimmt, wird für
den Fahrzeugeinsatz eine Dauerbetriebstemperatur von 120 bis 130 °C als ideal
angesehen. Entscheidend ist, dass eine für den Fahrzeugantrieb vorgesehene
MEA (englisch Membrane Electrode Assembly) möglichst keine zusätzliche
Befeuchtung benötigt,
das heißt
die enthaltene Membran einen wasserneutralen oder besser wasserfreien
Protonentransport ermöglicht.
Darüber
hinaus ist entscheidend, dass die Leitfähigkeit nur eine geringe Abhängigkeit
von der Betriebstemperatur aufweist, so dass auch bei einer Starttemperatur
im Bereich der Raumtemperatur und darunter eine ausrechende Leistung
der MEA sichergestellt ist, um das System durch die entstehende
Abwärme
ohne Zusatzheizung bis zur optimalen Betriebstemperatur anzuheben.
-
Ansätze zur
Realisierung von Hochtemperatur PEM Brennstoffzellen sind gegeben.
Ein viel versprechender Ansatz, wie eine mit keiner, beziehungsweise
mit sehr geringer zusätzlicher
Befeuchtung bei Betriebstemperaturen von 120 bis 180 °C arbeitende
Brennstoffzelle verwirklicht werden kann, ist unter anderem in
WO 96/113872 A1 ,
US 5525436 A ,
US 5716727 A ,
US 6025085 A ,
US 5599639 A ,
WO 99/04445 A1 ,
EP 983 134 81 ,
WO 01/18894 A ,
EP 954544 A1 und
WO 01/18894 A2 beschrieben.
Die Leitfähigkeit
der hier eingesetzten Brennstoffzellenmembran basiert auf dem Gehalt
an flüssiger,
im Wesentlichen durch elektrostatische Komplexbindung an das Polymergerüst gebundene
Mineralsäure
(meist Phosphorsäure),
die auch bei vollständiger
Trockenheit der Membran (oberhalb des Siedepunktes von Wasser) ohne
zusätzliche
Befeuchtung der Betriebsgase die Protonenleitfähigkeit übernimmt. Nachteilig wirkt
sich bei diesem System die in der Regel bis zum Faktor 20 geringere
LF im Bereich der Raumtemperatur gegenüber der Dauerbetriebstemperatur
(160 °C)
aus. Außerdem
neigt der flüssige
nur elektrostatisch an das Polymer gebundene Elektrolyt zum Austrag durch
das bei tieferen Temperaturen, etwa während des Starts der Zelle
flüssig
anfallende Produktwasser.
-
Andere
bekannte Ansätze,
um den Wasserhaushalt der Elektrolyt Membranen zu vereinfachen,
gehen von herkömmlichen
NT Membranen auf Basis von Nafion® oder
sPEEK aus, denen entweder bei der Membransynthese oder im Nachhinein,
etwa in Form eines Sol-Gelprozesses eine zusätzliche anorganische Phase (SiO2, B2O3,
ZrP, ZrPPh) eingebracht wird, die einerseits als Wasserspeicher,
oder aber insbesondere bei höheren
Temperaturen, als zusätzlicher
Protonenleiter fungiert.
-
Entsprechende
Ansätze
werden weltweit verfolgt (siehe
EP 926754 B1 ,
WO 03/081691 A2 ,
WO 02/05370 A1 ). Als problematisch
erweist sich bei diesem Membrantyp insbesondere die Langzeitstabilität im Bereich
der hohen Betriebstemperaturen und geringen Feuchtegehalten der
Betriebsgase. Auch bleibt die erstrebte Leistung bei Betriebstemperaturen
oberhalb von 100 °C
und geringen Feuchten noch weit hinter den Erwartungen zurück.
-
Theoretische Überlegungen
führten
dazu, dass flüssige
Imidazole als vielversprechende Protonenüberträger (
US 6264857 A ,
DE 19632285 A1 , Electrochimica
Acta 43 (1998), Seite 1281)) betrachtet wurden. Durch kovalente
Anbindung von Imidazolen an verschiedene Polymere konnten mittlerweile
recht vielversprechende Modellverbindungen für neuartige Protonenleiter
realisiert werden (
Pu; Macromolecular Chemistry & Physics 202 (2001)
Seite 1478, Herz; Electrochimica Acta 2002). Allerdings
liegt die bisher beobachtete Protonenleitung noch Größenordnungen
unter der herkömmlichen
Elektrolyte, darüber
hinaus weisen die Verbindungen eine deutliche Temperaturabhängigkeit
auf. Darüber
hinaus konnten weiter noch keine unter den besonderen Bedingungen
einer Brennstoffzelle stabilen Trägerpolymere identifiziert werden.
-
Ein
anderer Ansatz zur Realisierung von Hochtemperaturmembranen basiert
auf mit zum Beispiel Sulfonsäure/Sulfonamid/Imidazol
funktionalisierten Copolymeren auf Basis von Alkoxysilanen, zum
Beispiel Ormoceren (
DE
10163518 A1 ,
EP
1323767 A2 ). Mit diesen Materialien sind zumindest unter
den entsprechenden Bedingungen thermisch und chemisch stabile Polymere
realisierbar. Die hier bisher beobachteten Leiffähigkeiten liegen in den höheren Temperaturbereichen
zumindest bei Befeuchtung in der Größenordnung von Nafion, bei
tieferen Temperaturen bricht die Leitfähigkeit allerdings deutlich
zusammen.
-
In
der letzten Zeit werden zunehmend so genannte Tonic Liquids (ionische
Flüssigkeiten),
das heißt
in der Regel bei Raumtemperatur flüssige Salze als viel versprechende
Kandidaten zur Realisierung neuartiger wasserfreier Protonenleiter
erwähnt
(
WO 01/93362 A1 ,
US 6667128 B2 ).
Bei diesen Verbindungen handelt es sich um so genannte "Designer Solvents", das heißt Flüssigkeiten,
deren chemische und physikalische Eigenschaften (Löslichkeit/Leiffähigkeit/Siede-/Schmelztemperatur,
Dampfdruck) sich in einem weiten Feld an die jeweilige Anforderung
maßschneidern
lassen. Die Verbindungen bestehen in der Regel aus organischen Kationen
auf Basis stickstoffhaltiger Heterozyklen (Imidazol, Pyridin) in
Kombination mit anorganischen Anionen (z.B. AlCl
4,
BF
4, N(SO
2CF
3)
2 –,
PF
6 –).
-
Abhängig vom
individuellen Aufbau wurden in diesen Systemen unter vollständig wasserfreien
Bedingungen bisher Protonenleiffähigkeiten
bis zu 0,016 S/cm über
einen weiten Temperaturbereich hinweg beobachtet (
WO 03/083981 A1 ).
-
Die
Aufgabe einer protonenaustauschenden Membran für Brennstoffzellen besteht
neben der eigentlichen Protonenleitung und der elektrischen Isolation
der beiden Halbzellen in der räumlichen
Trennung der Reaktionsgase Wasserstoff und Sauerstoff. Um dies zu
ermöglichen,
müssen
ionische Flüssigkeiten
entweder in ein geeignetes poröses
Trägergerüst eingebettet
werden oder idealerweise fest verknüpfter Bestandteil eines polymeren
Materials sein (siehe unter anderem:
WO 03/063266 A2 , oder
M. Watanabe,
K.-I. Ota, ECS Meeting Honolulu 2005). Bei den geträgerten Varianten
gibt es Ansätze,
die ionischen Flüssigkeiten
etwa in poröse
Matrizen einzubinden, die die mechanische Stabilität gewährleisten,
Protonenleitung aber über
mit ionischer Flüssigkeit
gefüllter
Kanäle
ermöglichen
(
WO 01/093362 A1 ,
WO 03/063266 A2 ).
Bei den porösen
Trägern
handelt es sich zum Beispiel um vollständig homologe polymere Matrizen
(PTFE, PET, zum Beispiel:
WO 01/093362
A1 ,
WO 03/063266
A2 ,
US 6299653
A ,
EP 309259
B1 ) oder aber um oxidische, bevorzugt nanopartikuläre Composit
Systeme (Al
2O
3/SiO
2, z.B.:
WO 02/047802 A1 ). Als Alternative bietet
sich die Imprägnierung
herkömmlicher
Protonenaustauschermembranen auf Basis sulfonierter Polymere mit
ionischen Flüssigkeiten
an; zum Beispiel wird beim Imprägnieren
von Nafion mit 1-butyl-3-methyl imidazolium trifluormethansulfonat
eine Leitfähigkeit
von 0,11 S/cm bei 180 °C
und vollständiger
Trockenheit beobachtet (siehe unter anderem
M. Doyle, Journal
of The Electrochemica Society, 147(1) 34-37 (2000)), andere Ansätze gehen
ebenfalls von Nafion oder BPSH aus, die mit 1-ethyl-3-methyl Imidazol
bis(pentafluoroethylsulfonyl)imid imprägniert werden (unter anderem
E.
McGrath, ECS Meeting Honolulu 2005).
-
Zu
einer Brennstoffzellenfunktionseinheit gelangt man durch Kombination
der oben genannten Membranen mit Elektroden (gewöhnlich Pt/C auf kohlenstoffhaltigem
Träger)
auf beiden Seiten der Membran. Die Einheit Membran + Elektrode wird
als MEA (englisch Membrane Elektrode Assembly) bezeichnet.
-
Zur
Inbetriebnahme wird die Zelle mit Gasen beaufschlagt und mit dem
elektrischen Verbraucher verbunden. Hierfür werden die Betriebsgase ab
einer Stromstärke
von etwa 0,2 A/cm2 stöchiometrisch der jeweiligen
Stromanforderung nachgeführt.
-
Die
Aufgabe der Erfindung bestand darin, weitere Elektrolyte zu suchen,
die zur Herstellung von Brennstoffzellenmembranen und MEAs verwendet
werden können,
insbesondere sie für
Hochtemperatur-PEM Brennstoffzellen zur Verfügung zu stellen.
-
Ihre
Funktion als Protonleiter ergibt sich bei ionischen Flüssigkeiten
einerseits als hochsiedendes Protonenlösungsmittel (Wasserersatz),
andererseits als intrinsischer Protonenleiter mit eigenen kovalent
oder ionisch gebundenen protonenleitenden Gruppen, die eine ausreichende
Protonenleitfähigkeit
auch unter flüssigkeitsfreien
Bedingungen ermöglichen.
-
Ideale
Protonenleiter für
Automobilansprüche
müssen
die folgenden Ansprüche
erfüllen:
- 1. Zersetzungstemperatur der Verbindungen liegt
deutlich oberhalb der angestrebten Einsatztemperatur (> 150 °C).
- 2. Siedetemperatur liegt deutlich oberhalb der angestrebten
Einsatztemperatur (> 150 °C).
- 3. Leitfähigkeit
bei –20 °C (trocken): > 0,01 S/cm.
- 4. Leitfähigkeit
bei 20°C
(trocken): > 0,05
S/cm.
- 5. Leitfähigkeit
bei 80-130 °C
(trocken): > 0,1 S/cm.
- 6. Hohe Oxidationsstabilität
(Sauerstoff + Radikale).
- 7. Hohe Reduktionsstabilität,
insbesondere gegenüber
Wasserstoff.
- 8. Geringe Wasserlöslichkeit
des Elektrolyten über
den gesamten Einsatztemperaturbereich.
-
Gegenstand
der Erfindung sind ionische Flüssigkeiten
als neuartige Elektrolyte mit Potential zur Brennstoffzellanwendung
umfassend
- a) von Allyl- oder Vinyl-Monomeren
abgeleitete Polymere oder Copolymere, die Ammonium-Kationen enthalten,
mit der allgemeinen Formel I worin
Q1 und
Q2 = gleich oder verschieden und
X und Y gleich oder
verschieden
+NHR1R2, mit R1 und R2 gleich oder verschieden H oder C1 bis C6-Alkyl;
+SO3H
Imidazolium,
C1 bis C6-Alkyl-Sulfonsäure-Imidazolium
oder
Pyridinium
bedeuten,
und
- b) Anionen.
-
In
einer bevorzugten Ausführung
der Erfindung ist das Polymer- oder Copolymerkation von folgenden Monomeren
abgeleitet:
- 1.1. von Allylamin-Derivaten,
- 1.2. von 1-Allylimidazol,
- 1.3. von 4-Vinylpyridin,
- 1.4. von Allylamin- und Sulfonsäure-Derivaten (Copolymere),
- 1.5. von 1-Allylimidazolium-3-(butan-4-sulfonat),
- 1.6. von 3-Vinylimidazolium-1-(butan-4-sulfonat).
-
Bevorzugt
umfassen die ionischen Flüssigkeiten
mindestens ein Anion ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus Dihydrogenphosphat [H2PO4]–, Bis(trifluormethylsulfonyl)imid
[BTA]–,
oder Tris(pentafluorethyl)triphosphat [(C2F5)3PF3]– als
Gegenion, ggf. auch [PO4]3–,
[HPO4]2–,
oder [N(SO2CF3)2].
-
Ganz
besonders bevorzugte erfindungsgemäße ionische Flüssigkeiten
sind Poly-[1-allyl-3-(butan-4-sulfonsäure)-Imidazolium-bis(trifluormethansulfonyl)imid] – Beispiel
5,
Poly-[1-allyl-imidazolium-dihydrogenphosphat] – Beispiel
2,
Poly-[4-vinylpyridinium-dihydrogenphosphat] – Beispiel
3,
Poly-[allyl-ammonium-dihydrogenphosphat] – Beispiel
1a,
Poly-[allyl-ammonium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid] – Beispiel
1b,
Poly-[1-(butan-4-sulfonsäure)-3-vinyl-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid] – Beispiel
6.
-
Bevorzugt
werden auch Allyl-Amin-Derivate mit den folgenden Strukturen erfindungsgemäß verwendet: Poly(Oleylamin)
Poly(diAllylamin)
und co-Poly(Allylamin-Diallylamin)
(co-PAA-PDA)
vorteilhaft auch als Copolymere mit Sulfonsäurederivaten
gemäß Pkt. 1.4.
-
In
einer bevorzugten Ausführungsvariante
werden die erfindungsgemäßen Verbindungen
nachimprägniert,
bevorzugt mit H3PO4,
eingesetzt.
-
Weiterhin
ganz besonders bevorzugte erfindungsgemäße ionische Flüssigkeiten
sind dadurch gekennzeichnet, dass sie ein N-Perfluoralkyl-substituiertes
Imidazolyl-Kation umfassen, wobei Alkyl einen längerkettigen Kohlenstoffrest
mit 6 bis 12 C-Atomen bedeutet, vorzugsweise sind es Verbindungen,
die ein N-Perfluoroctyl substituiertes Imidazolyl-Kation, und ein
Anion ausgewählt
aus der Gruppe bestehend aus [H2PO4]–, [N(SO2CF3)2]– oder
[(C2F5)3PF3]– als Gegenion umfassen
(Verbindungen 2.1, 2.2 und 2.3).
-
Im
Weiteren werden die neuen Protonenleiter auf Basis ionischer Flüssigkeiten
vorgestellt. Je nach Aufbau sind sie zur direkten Membranherstellung
in einem Ziehverfahren aus einem geeigneten Lösungsmittel geeignet, oder
aber für
die Beladung von porösen
Medien oder als Elektrolyte oder Elektrolytzusätze in Systemen, die auf imprägnierten
und im Elektrolyt quellenden Polymeren beruhen, wie zum Beispiel
das System PBI/H3PO4.
Alternativ können
die neuen Protonenleiter auch nur in die Elektrode eingebracht werden,
etwa als Polymerbinder, oder aber als Beschichtung der Elektrode
zur Optimierung der Anbindung der Elektrode oder als Sperrschicht
auf einer Membran.
-
Bestandteil
der Erfindung ist sowohl die Herstellung und Struktur des jeweiligen
Protonenleiters, seine Weiterverarbeitung zu protonenleitenden Membranen
und an diese Membranen angepasste Elektroden, als auch der Einsatz
der resultierenden MEAs in Brennstoffzellen.
-
Gegenstand
der Erfindung sind bevorzugt:
- 1. Brennstoffzellenmembranelektrolyte
auf der Basis Polymergebundener ionischer Flüssigkeiten wie zum Beispiel
der Verbindungen 1.1 bis 1.6 mit einem Strukturmotiv der Art Allyl-Amin,
Allyl-Imidazol, Vinyl-Pyridin, Allyl-butylsulfonsäure-Imidazolium,
Vinyl-butylsulfonsäure-Imidazolium
oder die entsprechenden Copolymere. Die Herstellung von protonenleitenden
Membranen aus den Polymeren erfolgt bevorzugt durch etablierte Membranziehprozesse
aus den Lösungen
der aufgeführten
Polymere in entsprechend geeigneten Lösungsmitteln oder durch thermisches
Umwandeln.
-
Je
nach Art des verwendeten Polymers ist eine zusätzliche Vernetzung zur Erhöhung der
mechanischen und chemischen Stabilität ebenfalls Bestandteil der
Erfindung, ebenso die Ausstattung der Polymere mit zusätzlichen
kovalent gebundenen funktionellen Gruppen. Neben den in der Grafik
dargestellten Polymeren sind auch die entsprechenden Verbindungen
mit längeren
Alkylresten (CH2)x zwischen der Hauptkette
und den funktionellen Gruppen Bestandteil der Erfindung, ebenso
wie die entsprechenden fluorierten oder teilfluorierten Verbindungen.
- 2. Brennstoffzellenmembranen, die durch Imprägnierung
einer porösen
Membranmatrix mit Lösungen
der Verbindungen der Art 1.1-1.6 in geeigneten beispielsweise organischen
Lösungsmitteln
nach anschließendem
Verdampfen des Lösungsmittels
erhalten werden. Bei den porösen
Trägern
handelt es sich zum Beispiel um PTFE oder PET basierende Systeme
unterschiedlicher Porosität
(siehe zum Beispiel: WO 01/093362
A , WO 03/063266
A , US 6299653
A , EP 309259 81 )
oder um oxidische, bevorzugt nanopartikulär beschichtete Systeme wie
zum Beispiel.: Al2O3/SiO2 beschichtetes PET (zum Beispiel. gemäß WO 02/047802 A ).
Bei Verwendung flüssiger
Elektrolyte auf Basis ionischer Flüssigkeiten kann die Imprägnierung
der porösen
Matrix auch direkt im unverdünnten
Zustand erfolgen. Bei Verwendung einer PTFE Matrix werden ganz besonders
bevorzugt Elektrolyte mit einer fluorierten Alkylseitenkette und
einer damit hohen Anbindungstendenz an die poröse Matrix eingesetzt (wie zum
Beispiel die Verbindungen 2.1 bis 2.3).
- 3. Verwendung flüssiger
Elektrolyte auf Basis ionischer Flüssigkeiten zum Beispiel der
Verbindungen 2.1 bis 2.3 als Elektrolytersatz oder Elektrolytzusatz
für Protonensäuren in
Membransystemen, die auf dem Gehalt flüssiger Elektrolyte in bevorzugt
basischen Polymeren beruhen, zum Beispiel als Ersatz für Phosphorsäure im System
PBI/H3PO4. Die ionischen
Flüssigkeiten
können
dabei zum Beispiel durch Nachimprägnierung in eine undotierte
Membran eingebracht werden oder der Ziehlösung bei der Membranherstellung
beigemischt werden. Alternativ wird der Elektrolyt bereits bei der
Polymerisation des Polymerrohstoffes zugegeben oder es erfolgt nur
die Imprägnierung
der Elektrode mit einem erfindungsgemäßen Elektrolyten, während die
Membran weiterhin zum Beispiel Phosphorsäure enthält, oder die ionische Flüssigkeit
wird über
die Elektrode in die Membran eingebracht.
- 4. BZ MEA (Membran-Elektrodeneinheit) basierend auf einer Membran
wie unter 1 bis 3 genannt, bei der die betreffende Elektrode den
entsprechenden auf einer ionischen Flüssigkeit basierenden Polymerelektrolyt
beispielsweise Verbindungen 1.1 bis 1.6 als Binder enthält beziehungsweise
auf der Katalysatorseite mit dem entsprechenden Polymerelektrolyt
zur Optimierung der Anbindung an die Membran beschichtet ist. Diese
Beschichtung ermöglicht
bevorzugt im Zuge eines Heißpressvorganges
eine gleichmäßige und
feste Anbindung der Elektrode an die Membran.
-
Die
Aufbringung der Elektrolytlösung
auf die äußere Elektrodenoberfläche erfolgt
zum Beispiel durch Besprühen über ein
Airbrushsystem. Die Bestandteile der Elektrode (Gasdiffusionsschicht,
Katalysatorpulver) sind dabei bevorzugt für die Betriebstemperaturen
der Membran optimiert. Alternativ wird ein Flüssigelektrolyt, zum Beispiel
die Verbindungen 2.1 bis 2.3, in ausreichender Menge zunächst in
die Elektrode eingebracht. Die Säureaufnahme
der Membran erfolgt in einem entsprechenden Temperschritt über die
Elektrode. Eine weitere Variante besteht darin, dass eine durch
Heißpressen
erhaltene MEA nachträglich
als Ganzes in den Flüssigelektrolyt
zur Imprägnierung
eingelegt wird. Bei den verwendeten Elektroden handelt es sich dabei
bevorzugt um für
den Betrieb im jeweiligen Temperaturbereich optimierte Gasdiffusions-Elektroden,
wie sie etwa von den Firmen ETEK, Umicore oder Johnson Matthey angeboten
werden, bevorzugt aber um speziell auf den Membrantyp angepasste
Elektroden, die einen geeigneten Anteil des Polymerelektrolyten
als Binder enthalten. Die Einbringung flüssiger Elektrolyte in die Elektrode
geschieht dabei bevorzugt im Vakuum, zum Beispiel durch einen wiederholten
Evakuierungs-/Belüftungszyklus,
bei dem verbleibende Luftreste innerhalb der Elektrode sukzessive
durch den jeweiligen Elektrolyt ersetzt werden.
- 5.
BZ MEA (Membran-Elektrodeneinheit) unter Verwendung einer Membran
gemäß der Punkte
1 bis 3, bei der die Elektrode mit einer herkömmlichen Protonensäure, beispielsweise
Phosphorsäure,
zusätzlich
imprägniert
wird.
- 6. BZ MEA gemäß Punkte
4 und 5, bei der nur die Elektrode entweder rein oder als Zusatz
zu einem anderen Elektrolyt, etwa H3PO4 den erfindungsgemäßen Protonenleiter enthält, während die
Membran aus einem anderen Polymerelektrolyt, beispielsweise aus
Nafion oder PBI/H3PO4 besteht.
- 7. BZ MEA, basierend auf einer BZ Membran, zum Beispiel Nafion
oder PBI/H3PO4,
bei der die Außenseite mit
einem der erfindungsgemäßen Polymere,
zum Beispiel Verbindungen 1.1 bis 1.6 zur Beeinflussung des Wasserhaushaltes
oder der Flüssigelektrolytretention
beschichtet ist. Vorteilhaft ist auch die Anwendung als MeOH Sperrschicht
bzw. Treibstoffsperrschicht bei einer DMFC/Direkttreibstoffbrennzelle.
- 8. Verwendung der erfindungsgemäßen Membran und MEA in einer
Brennstoffzelle.
- 9. Verwendung der erfindungsgemäßen Brennstoffzelle für mobile
Anwendungen (zum Beispiel APU + Traktion) und für stationäre Anwendungen (zum Beispiel
mobiles Kleinkraftwerk oder Hausenergieversorgung).
- 10. Die Herstellung der unter 1.1.-1.6. aufgeführten Polymere
und ihrer Derivate wird anhand der im weiteren aufgeführten Synthesebeispiele
dargestellt.
- 11. Die Herstellung der unter 2.1-2.3 aufgeführten Polymere und ihrer Derivate
wird anhand der im weiteren aufgeführten Synthesebeispiele dargestellt.
- 12. BZ Membran/MEA unter Weiterverarbeitung der erfindungsgemäßen Polymere
gemäß Beispiel
10.
-
Im
Weiteren werden die neuen polymeren Protonenleiter auf Basis ionischer
Flüssigkeiten
vorgestellt. Die Beispiele sind jeweils exemplarisch für die gesamte
Materialklasse aufgeführt.
-
Beispiele
für erfindungsgemäße Polymere
sind wie folgt:
- 1.1 Allylamin-Derivate 1.2
Allylimidazol-Variante 1.3 Vinylpyridin-Variante 1.4. Copolymer-Variante
1.5 1-Allyl-3-(butan-4-sulfonsäure)-imidazolium-Variante
1.6 1-(Butan-4-sulfonsäure)-3-vinyl-imidazolium
Variante
-
Beispiel
1 1.1
Allyl-Amin-Variante
-
a) Poly-[allyl-ammonium-dihydrogenphosphat]
-
In
einem 250 ml-Schlenkkolben wurden unter Schutzgas 47.9 g (0.84 mol,
M = 57.09 g/mol) Allylamin zu einer Lösung aus 96.6 g (0.84 mol,
M = 98.00 g/mol) 85%iger Phosphorsäure in 150 ml Wasser getropft. Nach
Zugabe von 2.27 g Kaliumperoxodisulfat (1 mol-%, M = 270.32 g/mol)
wurde das Reaktionsgemisch 4 Stunden unter Luftsauerstoff zum Sieden
erhitzt. Anschließend
wurde das Wasser zunächst
am Rotationsverdampfer, dann im Hochvakuum entfernt.
-
b) Poly-[allyl-ammonium-bis(trifluormethylsulfonyl)-imid]
-
In
einem 250 ml-Schlenkkolben wurden unter Schutzgas 20.3 g (0.36 mol,
M = 57.09 g/mol) Allylamin zu einer Lösung aus 100.0 g (0.36 mol,
M = 281.15 g/mol) Bistrifluormethansulfonimid in 150 ml Wasser getropft.
Nach Zugabe von 0.96 g Kaliumperoxodisulfat (1 mol-%, M = 270.32
g/mol) wurde das Reaktionsgemisch 4 Stunden unter Luftsauerstoff
zum Sieden erhitzt. Anschließend
wurde das Wasser zunächst
am Rotationsverdampfer, dann im Hochvakuum entfernt.
-
Beispiel
2 1.2
Allylimidazol-Variante
-
Poly-[1-allyl-imidazolium-dihydrogenphosphat
-
In
einem 250 ml-Schlenkkolben wurden unter Schutzgas 65.0 g (0.60 mol,
M = 108.14 g/mol) 1-Allylimidazol
zu einer Lösung
von 69.3 g (0.60 mol, M = 98.00 g/mol) 85 %iger Phosphorsäure in 150
ml Wasser getropft. Nach Zugabe von 1.70 g Kaliumperoxodisulfat
(1 mol-%, M = 270.32 g/mol) wurde das Reaktionsgemisch 4 Stunden
unter Luftsauerstoff zum Sieden erhitzt. Anschließend wurde
das Wasser zunächst
am Rotationsverdampfer, dann im Hochvakuum entfernt.
-
Beispiel
3 1.3
Vinylpyridin-Variante
-
Poly-(4-vinylpyridinium-dihydrogenphosphat)
-
In
einem 250 ml-Schlenkkolben werden unter Schutzgas 67.3 g (0.64 mol,
M = 105.14 g/mol) 4-Vinylpyridin
zu einer Lösung
aus 73.8 g (0.64 mol, M = 98.00 g/mol) 85%iger Phosphorsäure in 150
ml Wasser getropft. Nach Zugabe von 1.73 g Kaliumperoxodisulfat
(1 mol-%, M = 270.32 g/mol) wurde das Reaktionsgemisch 4 Stunden
unter Luftsauerstoff zum Sieden erhitzt.
-
Anschließend wurde
das Wasser am Rotationsverdampfer, dann im Hochvakuum entfernt und
das Produkt durch Zugabe von Ethanol ausgefällt.
-
Beispiel
4 1.4
Copolymer-Variante
-
Beispiel
5 1.5
1-Allyl-3-(butan-4-sulfonsäure)-imidazolium-Variante
-
Poly-[1-allyl-3-butan-4-sulfonsäure)-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid]
-
In
einem 500 ml-Schlenkkolben wurden unter Schutzgas 35.7 g (0.33 mol,
M = 108.14 g/mol) 1-Allylimidazol
und 44.9 g (0.33 mol, M = 136.17 g/mol ) 1,4-Butansulton in 250
ml Aceton 14 Tage zum Sieden erhitzt. Der entstandene Niederschlag
von 1-Allylimidazolium-3-butan-4-sulfonat)
wird abfiltriert, mit 50 ml kaltem Aceton gewaschen und im Vakuum
getrocknet.
-
In
einem 250 ml-Schlenkkolben wurden unter Schutzgas 54.2 g (0.22 mol,
M = 246.33 g/mol)1-Allyl-imidazolium-3-(butan-4-sulfonat)
portionsweise in eine Lösung
aus 62.4 g (0.22 mol, M = 281.15 g/mol) Bis-trifluormethansulfonimid
in 150 ml Wasser gegeben. Nach Zugabe von 0.59 g Kaliumperoxodisulfat
(1 mol-%, M = 270.32 g/mol) wurde das Reaktionsgemisch 4 Stunden
unter Luftsauerstoff zum Sieden erhitzt. Anschließend wurde
das Wasser zunächst
am Rotationsverdampfer, dann im Hochvakuum entfernt.
-
Beispiel
6 1.6
1-(Butan-4-sulfonsäure)-3-vinyl-imidazolium
Variante
-
Poly-[1-(butan-4-sulfonsäure)-3-vinyl-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid
-
In
einem 250 ml-Schlenkkolben wurden unter Schutzgas 69.0 g (0.73 mol,
M = 94.11 g/mol) 1-Vinylimidazol
und 99.8 g (0.73 mol, M = 136.17 g/mol) Butansulton in 150 ml Aceton
16 Tage bei Raumtemperatur gerührt.
Der entstandene farblose Niederschlag von 3-Vinylimidazolium-1-(butan-4-sulfonat)
wurde abfiltriert, mit 50 ml kaltem Aceton gewaschen und im Vakuum
getrocknet. Ausbeute: 164 g, 97 %.
-
In
einem 250 ml-Schlenkkolben wurden 46.0 g 3-Vinylimidazolium-1-(betan-4-sulfonat)
(0.20 mol, M = 230.31 g/mol) unter Schutzgas vorgelegt und mit 56.2
g (0.20 mol, 281.15 g/mol) Bistrifluormethansulfonimid versetzt.
Unter Rühren
bildete sich 1-(Butan-4-sulfonsäure)-3-vinyl-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid (511.3
g/mol) als viskose Flüssigkeit.
Ausbeute: 102 g, 100 %.
-
Eine
Lösung
von 75.0 g (0.15 mol, 511.44 g/mol) 1-(Butan-4-sulfonsäure(-3-vinyl-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid
in einer Mischung aus 200 ml Wasser und 100 ml Ethanol wurde nach
Versetzen mit 0.24 g (1 mol-%, M = 164.21 g/mol Azobisisobutyronitril
(AIBN) 6 Stunden unter Luftsauerstoff zum Sieden erhitzt. Das Polymerisat
fiel zunächst
als hellbraune Emulsion, dann als hellbrauner, zäher Bodensatz an. Das überstehende
Lösungsmittel
wurde abdekantiert und das restliche Lösungsmittel im Hochvakuum entfernt.
Der Rückstand
wurde mit Acetonitril erhitzt. Dabei kristallisierte das zunächst als
zähe Masse
erhaltene Poly-[1-(betan-4-sulfonsäure)-3-vinyl-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid
langsam durch. Das überstehende
Lösungsmittel
wurde abdekantiert und das restliche Lösungsmittel im Hochvakuum entfernt.
Ausbeute: 24.8 g, 33 %.
-
-
2.1 1-(Perfluoroctyl)-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid
-
Eine
Lösung
von 8.00 g (0.20 mol, 40.00 g/mol) Natriumhydroxid und 13.6 g (0.20
mol, M = 68.08 g/mol) Imidazol in Ethanol wurde mit 100 g (0.20
mol, M = 498.97 g/mol) Perfluoroctylbromid versetzt. Das Reaktionsgemisch
wurde zwei Tage bei Raumtemperatur gerührt. Während dieser Zeit fiel ein
weißer
Feststoff aus, und es bildete sich eine zweite flüssige Phase.
Das Lösemittel
wurde am Rotationsverdampfer entfernt. Der Rückstand wurde in Aceton aufgenommen
und über
Silica filtriert. Das Filtrat wurde am Rotationsverdampfer eingeengt
und das auf diese Weise erhaltene 1-Perfluoroctylimidazol im Hochvakuum
getrocknet.
-
Im
einem 100 ml-Rundkolben wurden 18.0 g (37.0 mmol, M = 486.13 g/mol)
1-Perfluoroctylimidazol mit
10.4 g (37.0 mmol, M = 281.15 g/mol) Bistrifluormethansulfonimid
versetzt. Nach Rühren
des Reaktionsgemisches bei Raumtemperatur über Nacht wurde das so erhaltene
1-(Perfluoroctyl)-imidazolium-bis(trifluormethylsulfonyl)imid im
Hochvakuum getrocknet.
-
-
2.2 1-(Perfluoroctyl)-imidazolium-bis(tripentafluorethyl)trifluorphosphat
-
Die
Umsetzung erfolgte analog zu Beispiel 7.
-
Beispiel 9
-
Herstellung von Protonenleitenden Membranen
aus erfindungsgemäßen Verbindungen
-
9.1: Herstellung einer Lösung der
Verbindungen:
-
Nach
Abwiegen einer geeigneten Menge des jeweiligen Polymers in ein 100
ml Becherglas wird vorsichtig unter Rühren mit einem Magnetrührer 50
ml des Lösungsmittels,
vorzugsweise Aceton, Acetonitril, Dimethoxyethan, Ethanol oder Isopropanol
zugegeben. Je nach Art des verwendeten Polymers werden für den Lösungsvorgang
höhere
Temperaturen im Bereich bis zu 120 °C ggf. auch darüber angewandt.
Bei den verwendeten flüssigen
Elektrolyten wird eine höhere
Beladung in der Matrix erreicht, wenn eine Verdünnung mit einem Lösungsmittel
verwendet wird.
-
9.2: Poröse Trägermaterialien:
-
Es
werden PTFE Folien eingesetzt, zum Beispiel von den Firmen Bohlender,
Exxon® oder
Porex®.
Alternativ werden oxidische, bevorzugt nanopartikulär beschichtete
Systeme wie zum Beispiel: Al2O3/SiO2 beschichtetes PET der Firma Creavis® eingesetzt.
Die Auswahl der porösen
Träger
erfolgt je nach Art der verwendeten Elektrolyte. Für hydrophile
Elektrolyte werden bevorzugt die oxidischen Träger eingesetzt, für Elektrolyte
mit langen, bevorzugt fluorierten Alkylketten die hydrophoben. Um
einen Austrag der Elektrolyte durch flüssiges Wasser zu verhindern,
werden für
die Brennstoffzellenanwendung bevorzugt hydrophobe Trägermaterialien
eingesetzt. Die Porenradien der eingesetzten Trägermaterialien liegen zwischen
10 und 150.000 nm. Die Dicke der Trägermaterialien zwischen 2 und
600 μm.
Die Porosität
beträgt
mindestens 10 %.
-
9.3: Einbrinqung der Polymerlösungen in
ein poröses
Trägermaterial:
-
Die
Lösung
beziehungsweise der reine flüssige
Elektrolyt kann auf verschiedene Wege in die unter 10.2 beschriebenen
porösen
Trägermaterialien
eingebracht werden, hierbei ist insbesondere eine gleichmäßige blasenfreie
Durchsetzung aller Poren notwendig, damit die resultierende Membran
hinterher gasdicht und durchgehend protonenleitend ist.
-
Das
Trägermaterial
wird dabei bevorzugt zur Unterstützung
auf einem massiven Träger,
zum Beispiel. aus PTFE oder PP aufgespannt. Je nach erlangtem Benetzungsgrad
müssen
die beschriebenen Vorgänge mehrmals
wiederholt werden, um zu einer vollständigen Gasdichtigkeit der porösen Membranfolie
zu gelangen.
-
Das
Aufbringen der Lösung
erfolgt bevorzugt von oben auf das Vlies mit einer Pipette, das
poröse Vlies
befindet sich dabei am besten auf einer von unten evakuierten Filterfritte.
Alternativ kann die Lösung
auch mit einer Airbrushpistole auf den Träger aufgebracht werden.
-
9.3.1
Einbringen der Lösung
durch einen wiederholten Evakuierungs-/Belüftungszyklus. Die Probe wird
wechselnd evakuiert und anschließend im evakuierten Zustand
mit der Lösung
beauftragt, belüftet
und erneut evakuiert, so dass alle verbleibenden Gasrückstände in den
Poren allmählich
entfernt werden können.
-
9.3.2
Eine wiederum über
einen massiven Rahmen stabilisierte poröse Folie wird in einer entsprechend
konzentrierten Lösung
des jeweiligen Elektrolyten in einem Hochdruckautoklaven mehrere
Stunden mit Ar beauftragt (im Versuch bis 660 bar). Der Vorgang
wird nach Ablassen des Druckes mehrmals wiederholt, bis eine genügend hohe
Beladung des porösen
Trägers
mit der Elektrolytlösung
sichergestellt ist. Für
jede einzelne der Verbindungen wird eine für das jeweilige angewandte
Verfahren entsprechende Kombination aus Lösungsmittel und geeignetem
porösen
Träger
ermittelt, um so eine optimale Benetzung, vollständige Durchsetzung der porösen Träger und
gleichmäßige Trocknung
ohne Blasenbildung zu ermöglichen.
Bei den unverdünnt
flüssigen
Elektrolyten kann die Einbringung in den Träger direkt ohne Lösungsmittel
erfolgen. Durch Wahl der geeigneten Verdünnung ist eine deutlich höhere Beladung
zu erzielen.
-
Die
Bestimmung der Elektrolytaufnahme geschieht über die Gewichtsdifferenz der
porösen
Träger
vor und nach den Beladungsversuchen nach Entfernen des Lösungsmittels
nach 9.4. Zusätzlich
wird der Grad der Wasserstoffpermeation vor und nach der Beladung
als Kriterium für
die Effektivität
der Beladung bestimmt. Der Grad der Eindringung der Polymerlösung in
die Folie lässt
sich mit Hilfe der Rasterelektronenmikroskopie an Schnitten der
Folien überprüfen.
-
9.4: Entfernung des Lösungsmittels nach Einbringung
in den porösen
Träger:
-
Der
nach 10.3 imprägnierte
poröse
Träger
wird in einen Vakuumtrockenschrank überführt und dort zum Abziehen des
Lösungsmittels
vorsichtig evakuiert. Je nach Siedepunkt und Zersetzungstemperatur
des jeweiligen Elektrolyten darf für die Trocknung eine bestimmte
Temperatur nicht überschritten
werden. Um Blasenbildung zu vermeiden, ist es nötig, den Druck langsam zu senken
und die Temperatur sehr langsam zu erhöhen. Die benötigte Trocknungszeit
bis zur Gewichtskonstanz beträgt üblicherweise
mindestens 10 h. Es kann sich als positiv erweisen, die erhaltene
protonenleitende Membran während
der Trocknungsphase zwischen zwei beheizten planen Platten zu pressen.
Bewährt
haben sich Pressdrücke
von mindestens 5 bar.
-
9.5: Lösungsmittelfreies
Herstellungsverfahren von Membranen durch Heißpressen:
-
Das
Verfahren ist insbesondere zur Herstellung von Folien (Polymerpresslingen)
aus schwerlöslichen Polymerelektrolyten
geeignet. Beaufschlagung einer Trägerfolie (PTFE/PP) mit pulverisiertem
Polymerelektrolyt. Heißpressen
zwischen Stahlbacken (Pressdruck ≥ 5
bar, Temperatur > 120 °C). Nach
Entfernung der PTFE Folie wird ein transparenter Film erhalten.
Alternativ kann in das Pulver im Heißpressvorgang ein poröser Träger gemäß 10.3.2.
eingebracht werden. Hierzu wird der poröse Träger auf eine Pulverschicht
aufgelegt und von oben ebenfalls mit Pulver überschichtet. Das so erhaltene
Sandwich wird anschließend
ebenfalls unter den oben beschriebenen Bedingungen heißgepresst.
Die so erhaltenen Membranen eignen sich zur Bewertung der Leitfähigkeit
neuartiger schwerlöslicher
Polymerelektrolyte.
-
9.6: Bestimmung der Protonenleitfähigkeit:
-
Die
nach den oben genannten Methoden erhaltenen Proben werden in einer
beheizbaren und Feuchte regulierten Leitfähigkeitsmesszelle zwischen
elektrisch leitfähigen Kohlenstoffvliesen
beziehungsweise Goldplättchen
eingespannt. Anschließend
wird die Leitfähigkeit
der Proben im Temperaturbereich zwischen Raumtemperatur und 160 °C mit Hilfe
der Impedanzspektroskopie bestimmt.
-
9.7: Durchführung der Wasserstoffpermeationsmessung:
-
Die
Bestimmung des Volumenstroms erfolgt durch eine Probenscheibe mit
2 cm2 Fläche
durch Anlegen eines Wasserstoffüberdrucks.
Bestimmung der Permeanz (ml/(cm2 *min.)
nach Beladung mit dem Elektrolyt.