DE10125065A1 - Verfahren zur Herstellung eines Strukturbauteils - Google Patents
Verfahren zur Herstellung eines StrukturbauteilsInfo
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Abstract
Zur Erhöhung der Festigkeit und Steifigkeit von Strukturbauteilen (1), die sich aus wenigstens zwei Teilschalen (2, 3) zusammensetzen, werden die Flansche (4, 5) der beiden Teilschalen (2, 3) unter Zwischenschaltung eines Festigkeitsklebers (23) durch ein Bördelverfahren miteinander verbunden. Das erfindungsgemäße Verfahren eignet sich insbesondere für langgestreckte Trägerbauteile, wie beispielsweise Motorträger (1).
Description
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Herstellung eines Strukturbauteils nach dem
Oberbegriff des Anspruchs 1.
Strukturbauteile, wie beispielsweise Motorträger, werden üblicherweise aus zwei
Teilschalen aus Blechmaterial entlang ihrer Flansche durch Punktschweißen oder
Nieten miteinander verbunden. Hierdurch entstehen langgestreckte Hohlkörper mit
einem geschlossenen Querschnitt. Bei den genannten punktförmigen Verbindungs
arten kann es im Crashfall bei hoher Schälzugbelastung zu einem Ausreißen der
Schweißpunkte bzw. der Nieten kommen.
Im Unterschied zur Herstellung von geschlossenen, einstückigen Strukturbauteilen
durch das Innenhochdruckumformverfahren (IHU) besteht bei der Schalenbauweise
die Möglichkeit, in das Innere des Strukturbauteils Einbauten, wie beispielsweise
Schottbleche oder Buchsen einzubringen. Auch ist es im Unterschied zum IHU-
Verfahren in Schalenbauweise in einfacher Weise möglich, an das Strukturbauteil
endseitig einen Flansch zur Anbindung an die Karosserie anzubringen. Aus den
genannten Gründen besteht bei den in der Regel kompliziert geformten und mit ver
schiedenen Einbauten versehenen Strukturbauteilen das Bedürfnis, die Schalen
bauweise zu optimieren.
Aufgabe der Erfindung ist es, ein Verfahren bereitzustellen, mit dem mechanisch
hoch belastbare Strukturbauteile in kostengünstiger und schneller Weise hergestellt
werden können.
Diese Aufgabe wird durch die Merkmale des Anspruchs 1 gelöst.
Kerngedanke ist es hierbei, die Teilschalen des Strukturbauteils entlang ihrer Flan
sche durch Bördeln miteinander zu verbinden. Hierdurch entsteht eine durchge
hende, linienförmige Verbindung entlang der Flansche, die im Gegensatz zu Punkt
schweiß- oder Nietverbindungen über die gesamte Länge des Strukturbauteils trägt.
Damit wird eine deutliche Verbesserung gegenüber den genannten Verbindungs
verfahren erreicht, da bei Schweißpunkten oder Nieten lediglich ein geringer Anteil
des Flansches zur Verbindung herangezogen wird. Insbesondere bei Beanspru
chung durch Schälzug kann es zu einem Aufreißen der punktförmigen Verbindungs
stellen und damit zu einem Auftrennen des Strukturbauteiles kommen. Durch das
erfindungsgemäße Verfahren hingegen wird die Steifigkeit und Festigkeit von
Strukturbauteilen bei Belastungen senkrecht zur Ebene des Flansches.
Insbesondere wird durch die linienförmige Bördelverbindung ein Aufreißen des
Strukturbauteils im Crashfall verhindert und ein gezieltes Falten des geschlossenen
Hohlprofils des Strukturbauteils erreicht, mit entsprechend hoher Energieaufnahme.
Das erfindungsgemäße Bördelverfahren bietet sich insbesondere bei langgestreck
ten Strukturbauteilen, wie zum Beispiel Motorträgern oder Hecklängsträgern, an. Bei
derartigen Trägern wirkt sich die durchgehende Bördelverbindung entlang der lang
gestreckten Verbindungsbereiche besonders positiv aus.
Im Vergleich zum Nietverfahren ist es beim Bördeln möglich, den Flansch an einer
der beiden Teilschalen schmäler auszuführen und hierdurch insgesamt Material und
Gewicht einzusparen.
Die erforderliche Zeitdauer zur Herstellung einer Bördelverbindung ist deutlich nied
riger als der Zeitaufwand zum Setzen einer Mehrzahl von Nieten entlang der Ver
bindungsflansche. Auch im Vergleich zum Punktschweißverfahren zeichnet sich das
Bördelverfahren durch eine kürzere Taktzeit aus. Durch den Einsatz eines Bördel
verfahrens kann somit insbesondere bei Strukturbauteilen aus Leichtmetallen, bei
denen ein Punktschweißverfahren ausscheidet, die Taktzeit zur Herstellung der
Strukturbauteile deutlich verringert werden. Auch können Teilschalen aus unter
schiedlichen Materialien miteinander verbunden werden. Ein weiterer Vorteil des
Bördelverfahrens liegt in der äußerst geringen Störanfälligkeit der Bördelwerkzeuge,
insbesondere im Vergleich zu Nietwerkzeugen.
Der Einsatz von Bördelverfahren bei der Herstellung von Fahrzeugbauteilen ist zwar
grundsätzlich bekannt. Das Bördelverfahren wird bislang jedoch nur an Außenhaut
bauteilen eingesetzt. Häufigste Anwendung ist das Verbinden von versteifenden
Unterschalen mit der Außenhaut von Front- oder Heckklappen durch Bördeln. Bei
den genannten Bauteilen erhöht die Unterschale jedoch lediglich die Eigenstabilität
der flächigen Klappe. Den angeführten Außenhautbauteilen kommt nur untergeord
net die Aufgabe zu, im Normalbetrieb des Fahrzeugs oder im Crashfall in nennens
wertem Maße Kräfte zu übertragen. Demgegenüber wird erfindungsgemäß vorge
schlagen, auch bei Strukturbauteilen, die eine tragende Funktion haben und insbe
sondere im Crashfall im Lastpfad liegen, die bekannten Fügetechniken "Schweißen"
oder "Nieten" durch ein Bördelverfahren zu ersetzen, mit den oben angeführten
Vorteilen.
Gemäß Anspruch 2 ist es besonders vorteilhaft, vor dem Bördeln einen Klebstoff auf
wenigstens einen Verbindungsflansch aufzutragen. Durch den eingesetzten Festig
keitskleber wird verhindert, dass sich die Bördelverbindung bei einer Beanspru
chung senkrecht zur Flanschebene öffnet. Hierdurch wird sichergestellt, dass die
Bördelverbindung über ihre gesamte Länge auch im Crashfall erhalten bleibt und
somit das Strukturbauteil in hohem Maße Energie abbauen kann. Auch wird durch
den Klebstoff die Verbindungsfläche gegen das Eindringen von Wasser abgedichtet.
Als Klebstoffe kommen vor allem hochfeste und schubsteife Einkomponen
ten-Epoxidkleber in Frage.
Im Vergleich zur Fügetechnik des Punktschweißens mit Einsatz von Festigkeitskle
bern ergibt sich beim Bördeln der Vorteil, dass der Klebstoff keinerlei unerwünschter
Wärmeeinbringung unterliegt. Beim Punktschweißen verbrennt der Klebstoff im Be
reich um die Schweißlinse herum, mit der Folge einer reduzierten Wirkfläche des
Festigkeitsklebers sowie gesundheitlichen Risiken durch die entstehenden Dämpfe.
Demgegenüber bleibt beim Bördeln die Wirkfläche des Klebstoffes vollständig er
halten. Durch die kalte Bördelfügung entstehen im Metall grundsätzlich keine Wär
meeinflusszonen, so dass die Tragfähigkeit der Verbindung gegenüber einem
Schweißverfahren erhöht wird.
Je nach Art des verwendeten Klebstoffes kann es sich anbieten, das gefügte Struk
turbauteil als Einzelbauteil, also vor dem Einsetzen in die Rohkarosserie des Kraft
fahrzeuges, einer Wärmebehandlung zu unterziehen, um eine Oberflächenhärtung
des Klebstoffes zu erreichen. Die endgültige Aushärtung des Klebstoffes erfolgt an
schließend durch Einbringung der Rohkarosserie in einen KTL-Ofen, wo der Kleb
stoff durch Temperaturaushärtung seine abschließende Festigkeit erreicht. Durch
die vorgeschaltete Wärmebehandlung erhält der Klebstoff eine "Oberflächenhaut"
und kann somit im KTL-Bad nicht mehr ausgeschwemmt werden. Auf diese Weise
werden Verunreinigungen des KTL-Bades und damit auch Verunreinigungen der zu
beschichtenden Rohkarosserie vermieden.
Besondere Vorteile ergeben sich bei Anwendung des erfindungsgemäßen Verfah
rens an Strukturbauteilen aus Leichtmetallen oder Leichtmetall-Legierungen, da hier
das besonders zeitaufwendige Nietverfahren ersetzt werden kann (Anspruch 4).
Erfolgt gemäß Anspruch 5 das Bördeln am Ende einer Pressenstraße, so kann das
Strukturbauteil bereits im Presswerk vollautomatisiert fertiggestellt werden. Hierbei
werden die bevorzugt beiden Teilschalen, die in den vorangehenden Pressenstatio
nen in ihre Form gebracht werden, auf einer Orientierstation mit Klebstoff versehen
und abschließend am Ende der Pressenstraße zu dem fertigen Strukturbauteil ge
fügt, indem das in die Presse eingesetzte Werkzeug die Flansche der Teilschalen
mittels Bördeln miteinander verbindet. Hierdurch entfällt der Handhabungsaufwand,
der im Rohbau dadurch anfallen würde, dass die als Halbzeuge zur Verfügung ge
stellten Teilschalen von Hand eingelegt und das fertige Strukturbauteil wiederum
von Hand entnommen werden muss.
Die oben beschriebene Verlagerung des Bördelns vom Rohbau in das Presswerk
eignet sich vor allem für solche Strukturbauteile, die ähnlich einfach wie
IHU-Bauteile aufgebaut sind, so dass die Teilschalen bereits im Presswerk zusam
mengesetzt werden können. Sind hingegen Einbauten, wie beispielsweise Schott
bleche oder Buchsen erforderlich, ist es zweckmäßiger, die Teilschalen nach dem
Einsetzen der Einbauten erst im Rohbau durch Bördeln miteinander zu verbinden.
Die Erfindung ist in der Zeichnung dargestellt und wird nachfolgend näher erläutert.
Es zeigt
Fig. 1 ein erfindungsgemäß hergestelltes Strukturbauteil in perspektivi
scher Ansicht, mit integrierter Darstellung des Querschnitts des
Strukturbauteils,
Fig. 2 ein Bördelwerkzeug, in das das Strukturbauteil von Fig. 1 einge
setzt ist,
Fig. 3 eine vergrößerte Detailansicht eines Flanschbereiches des
Strukturbauteils von Fig. 1 und
Fig. 4a bis c schematische Querschnitte erfindungsgemäß hergestellter
Strukturbauteile.
Fig. 1 zeigt einen Motorträger 1, der aus einer oberen und einer unteren Teilschale
2 bzw. 3 zusammengesetzt ist. Die Flansche 4 bzw. 5 der beiden Teilschalen 2 und
3 sind über ihre gesamte Länge durch Bördeln miteinander verbunden. Am Endab
schnitt des Motorträgers 1 ist ein senkrecht zu seiner Längserstreckung verlaufen
der Verbindungsflansch 7 zur Anbindung des Trägers 1 an die Karosserie des
Kraftfahrzeuges vorgesehen. Die beiden Teilschalen 2 und 3 sind über einen Teilbe
reich ihrer Länge mit Sicken 8 versehen. Beide Teilschalen 2 und 3 weisen eine
Reihe von Bohrungen 9 und Einsätzen 10 auf.
Fig. 2 zeigt am Beispiel eines in eine Presse 11 eingesetzten Werkzeuges 12a, 12b
die Endphase der Herstellung eines Strukturbauteils 1, wie in Fig. 1 dargestellt.
Hierbei wird durch das obere Werkzeug 12a der Flansch 5 der Teilschale 3 auf den
Flansch 4 der Teilschale 2 umgebogen. Am Werkzeug 12b ist hierbei ein Radius 13
vorgesehen, der einen so genannten Hohlbördel 14 erzeugt.
Fig. 3 zeigt den Verbindungsbereich der Flansche 4 und 5 näher. An den Kontakt
flächen zwischen den Flanschen 4 und 5 ist Klebstoff 23 eingesetzt, der mit dem
Verpressen der beiden Flansche 4 und 5 den verbleibenden Restspalt zwischen den
Flanschen 4 und 5 ausfüllt und nach seiner Aushärtung die Flansche 4 und 5 flächig
miteinander verbindet. Durch den Klebstoff 23 wird ein Auftrennen der Bördelver
bindung verhindert.
Der Bördelvorgang ist so auszulegen, dass durch das so genannte "Aufspringen"
(also die Rückverformung nach Abschluss des Bördelvorgangs) im Bereich der
Kontaktflächen zwischen den Flanschen 4 und 5 ein Spalt von höchstens 0,3 mm,
idealerweise höchstens 0,1 bis 0,2 mm entsteht, der durch den Klebstoff 23 über
brückt werden kann. Als Klebstoff 23 kann beispielsweise "Betamate 1496" der Fa.
Gurrit-Essex AG verwendet werden.
Die Fig. 4a bis 4c zeigen beispielhaft Möglichkeiten des grundsätzlichen Aufbaus
langgestreckter Strukturbauteile 1, die sich jeweils aus zwei Teilschalen 2 und 3
zusammensetzen.
Gemäß Fig. 4a besteht das Strukturbauteil 1 aus einer im Querschnitt im Wesentli
chen U-förmigen ersten Teilschale 2 mit abstehenden Befestigungsflanschen 4, das
durch eine als Schließblech ausgeführte zweite Teilschale 3 zu einem geschlosse
nen Hohlprofil ergänzt wird. Die seitlichen Endbereiche der Teilschale 3 bilden hier
bei gleichzeitig die Verbindungsflansche 5, die im vorliegenden Beispiel in ihrem
Ausgangszustand über die Flansche 4 hinausstehen und - wie strichliert dargestellt,
durch den Bördelvorgang so umgebogen werden, dass sie die Flansche 4 oberseitig
überdecken.
Gemäß Fig. 4b können die beiden Teilschalen 2 und 3 auch L-förmig ausgebildet
sein, mit Flanschen 4 und 5 jeweils an den Enden der Teilschalen 4 und 5.
Bei Strukturbauteilen 1 nach Fig. 4c, die sich aus zwei jeweils U-förmigen Teilscha
len 2 und 3 zusammensetzen, kann die Teilungsebene 6 in vertikaler Richtung, be
zogen auf Einbaulage des Strukturbauteils 1, so gelegt werden, dass die Flansche 4
und 5 in der Teilungsebene 6 Anlageflächen für andere Bauteile, wie beispielsweise
einen Gepäckraumboden, bilden.
Claims (6)
1. Verfahren zur Herstellung eines Strukturbauteils für ein Kraftfahrzeug, insbe
sondere eines langgestreckten Trägerbauteils, das sich aus wenigstens zwei
Teilschalen zusammensetzt, die entlang von Flanschen miteinander verbun
den werden,
dadurch gekennzeichnet, dass die Teilschalen (2, 3) des Strukturbauteils (1)
durch Bördefn miteinander verbunden werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1,
dadurch gekennzeichnet, dass vor dem Bördeln auf wenigstens einen
Flansch (4, 5) ein Klebstoff (23) aufgetragen wird.
3. Verfahren nach Anspruch 2,
dadurch gekennzeichnet, dass als Klebstoff (23) ein Einkomponen
ten-Epoxidkleber eingesetzt wird.
4. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass die Teilschalen (2, 3) von einer Leichtme
tall-Legierung gebildet werden.
5. Verfahren nach einem der vorangegangenen Ansprüche,
dadurch gekennzeichnet, dass das Bördeln in einer Abschlussstation (11)
einer Pressenstrasse erfolgt, im unmittelbaren Anschluss an die Herstellung
der Teilschalen (2, 3).
6. Verfahren nach Anspruch 5,
dadurch gekennzeichnet, dass der Klebstoff (23) auf einer Orientierstation
vor der Abschlussstation (11) automatisiert auf die Flansche (4, 5) der Teil
schalen (2, 3) aufgetragen wird.
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| EP1390253A1 (de) | 2004-02-25 |
| WO2002094639A1 (de) | 2002-11-28 |
| US20040150242A1 (en) | 2004-08-05 |
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