-
Tropfdosiergerät Die Erfindung betrifft eine neue, vorteilhafte Ausführung
des bekannten Tropfdosierers von der Bauart eines mit einem Tropfregulierventil
versehenen Behälters, der nach dem Füllen mit der zu dosierenden Flüssigkeit laufend
kleine Mengen der Flüssigkeit mit einstellbarer Tropfgeschwindigkeit abgibt bzw.
beimischt, so wie in den verschiedensten Industrien und Arbeitsgängen, z. B. bei
der Entgiftung und Neutralisation chemischer und galvanischer Abwässer, bei der
Chlorierung von Trinkwasser, bei der laufenden Zugabe von Glanzbildnern od. dgl.
zu galvanischen Bädern usw., angewendet wird.
-
Zur Erzielung einer von der Flüssigkeitssäule unabhängigen Tropfgeschwindigkeit
ist es bekanntgeworden, den Flüssigkeitsbehälter als Mariottesche Flasche auszubilden,
bei welcher durch den Mund eines von oben durch die Flasche durchgeführten Luftzuführungsrohres
ein konstanter Flüssigkeitsspiegel erreicht wird. Über einen längeren Zeitraum kann
jedoch mit dieser Ausführung kein absolut konstanter Tropfenfall erreicht werden,
da TemperaturundJoder Luftdruckschwankungen in dem Gasraum der Mariotteschen Flasche
eine Änderung des Gasvolumens bewirken, indem z. B. bei einer Erhöhung des Druckes
im Gasvolumen, sei es durch Absinken des Außendruckes, sei es durch Temperaturerhöhung
infolge Wärmestrahlung, ein Gegendruck in der Flasche erzeugt wird, der zu einer
Änderung des Niveaus führt und damit eine erhöhte Tropfenfolge hervorruft. Zur Vermeidung
dieses Nachteiles ist bekanntgeworden, den Flüssigkeits- und Gasraum der Meriotteschen
Flasche mittels einer Kühlvorrichtung auf konstanter Temperatur zu halten. Bei dieser
Anordnung werden zwar die durch Temperaturschwankungen entstehenden Druckschwankungen
am Tropfregulierventil ausgeschaltet, nicht aber die durch Schwankungen im Luftdruck
bedingten.
-
Die Erfindung schlägt nun eine Lösung vor, bei welcher sämtliche
Schwankungen in technisch einfachster Weise und dabei unbedingt sicher dadurch ausgeschaltet
sind, daß in das in geringer Entfernung iiber dem Boden endende Luftzuführungsrohr
annähernd bündig und mit Spiel ein Bodenstutzen ragt, der, unterhalb durch ein Ventil
abschließbar, auf ein abnehmbar befestigtes kleineres Gefäß führt.
-
Die Bauweise der Erfindung und weitere erfindungsgemäße Ausgestaltungen
gehen aus der nachfolgenden Beschreibung und den Abb. 1 bis 5 hervor.
-
Abb. 1 zeigt zunächst rein schematisch die erfindungsgemäße Grundanordnung:
Der etwa durch den Einfüllstutzen 1 füll- und mit Ventil 2 lutfdicht oben abschließbare
Vorratsbehälter 3 hat ein sich von oben bis nahe an den Boden erstreckendes Luftrohr
4. In dieses Luftrohr ein ganz kleines Stück hinein ragt mit
Spiel ein Bodenstutzen
5, der, durch ein Ventil 6 abschließbar, in einen abnehmbaren kleinen, belüfteten
Hilfsbehälter 7 führt. Ein zweiter Bodenstutzen 8 führt über ein mit Ventil 9 belüftbares
Flüssigkeitsstandglas 10 zum Tropfregulierventil 11.
-
Die Arbeits- bzw. Wirkungsweise dieser Anordnung ist folgende: Bei
geschlossenen Ventilen 6, 9 wird der Hauptbehälter 3 gefüllt und Ventil 2 luftdicht
abgeschlossen. Dann wird das Ventil 6 geöffnet, es strömt die im Luftrohr 4 stehende
Flüssigkeit und eventuell noch so viel aus dem Hauptbehälter nachdringende ab, bis
der über dem Spiegel 12 gebildete Unterdruck die Flüssigkeitssäule trägt. Durch
Öffnen des Belüftungsventils 9 stellt sich dann im Standglas 10 der mit dem Flüssigkeitsstand
im Luftrohr 4 gleiche Flüssigkeitsstand ein, und es kann nunmehr das Tropfregulierventil
11 auf die gewünschte Tropfgeschwindigkeit eingestellt werden. Es leuchtet ein,
daß in dieser Anordnung die Standhöhe im Standglas 10 unabhängig von dem Füllungsgrade
des Hauptbehälters stets konstant bleibt, indem der Verbrauch an Flüssigkeit durch
entsprechenden Zutritt um den Mund des Luftrohres in den Behälter perlender Luftblasen
ersetzt wird. Ist nach längerer Tropfperiode der Hauptbehälter 3 leer, so werden
die Ventile 6, 9 geschlossen, der Inhalt des Hilfsbehälters 7 nach dem Abnehmen
in den Hauptbehälter zurückgeschüttet, der Hauptbehälter voll aufgefüllt, und der
beschriebene Vorgang wiederholt sich.
-
Ein großer Vorteil bei dieser Anordnung ist ferner, daß der Flüssigkeitsstand
im Standglas, d. h. der Druck vor dem Tropfregulierventil, von eintretenden Temperaturschwankungen
völlig unabhängig ist. Würde sich nämlich das Vakuum über dem Flüssigkeitsspiegel
12 etwa infolge einer plötzlichen Temperaturerhöhung verkleinern und demgemäß der
Spiegel etwas absinken, so fließt etwas Flüssigkeit durch den Bodenstutzen 5 in
den Hilfsbehälter 7, während umgekehrt bei einer
Temperaturerniedrigung
einfach etwas mehr Luft in den Hauptbehälter einströmt.
-
Erfindungsgemäß kann nun auch noch der Flüssigkeitsdruck vor dem
Tropfregulierventil, d. h. die Standhöhe im Standglas änderbar bzw. beliebig einstellbar
gemacht werden. Das ist von großem Vorteil, wenn z. B. stärkerviskose Flüssigkeiten
dosiert werden, die bei der normalen Standhöhe zu langsam abtropfen würden.
-
In diesem Falle wird entweder der durch den Mund des Luftrohres 4
gebildete Flüssigkeitsstand änderbar gemacht, was z. B. durch Einführung eines höhenverschieblichen
Rohrsystems, von Teleskoprohren od. dgl. erfolgen kann, oder es wird der Abflußpunkt
des Tropfregulierventils in der Höhenlage verschieblich gemacht, was durch Einführung
eines Teleskoprohres, eines Faltenschlauches od. dgl. zum Anschließen geschehen
kann.
-
Die Abb. 2 zeigt schematisch die erste Möglichkeit mit einem im ganzen
verschieblichen Rohrsystem: Bei dieser Ausführung hat der Hauptbehälter 3 vorteilhaft
ein engeres Bodenansatzstück 13, damit bei einer Höhenänderung nach oben kein größerer
Leerrückstand im Hauptbehälter verbleibt. Das Luftrohr 4a ist mit dem Bodendurchlaufstutzen
5 a etwa durch die Stege 14 fest verbunden. Das ganze Rohrsystem ist oben und unten
in den mit Gummidichtungen 17 abgedichteten Lagerungen 15, 16 verschieblich, und
hiermit ist die in dem länger ausgeführten Standglas 10 a eintretende Flüssigkeitssäule
beliebig variierbar.
-
Bei der konstruktiven Ausbildung gemäß dieser Schemazeichnung kann
man natürlich starke Vereinfachungen erreichen, indem man z. B. das Luftrohr 4 a
als teleskopartig zusammenschiebbares Rohr oder zumindest auf einem Teil seiner
Länge als elastischen Schlauch, z. B. Gummischlauch, Kunststoffwellrohr usw. ausbildet.
Hierdurch fallen mindestens die oberen Dichtungen und Führungen fort, und es kann
ein fester Anschluß des Luftrohres erfolgen, durch welchen die Aufrechterhaltung
des Vakuums mit Sicherheit gewährleistet ist.
-
Die Abb. 3 veranschaulicht schematisch die zweite Möglichkeit, nämlich
die Variierung des Flüssigkeitsstandes vor dem Tropfregulierventil. Zwischen dem
Ausfluß aus dem Standglas 10 und dem Tropfregulierventil 11 ist das Teleskoprohr
18, eventuell auch ein dehnbarer Schlauch od. dgl. eingeschaltet, mittels welchem
die Ausflußhöhe und damit der am Tropfregulierventil herrschende Flüssigkeitsdruck
variiert werden kann.
-
Zur Veranschaulichung des Besprochenen zeigt endlich die Abb. 4 im
Aufriß eine vorteilhafte Konstruktionsausführung gemäß der schematischen Darstellung
der Abb. 1 mit gesonderter Grundriß darstellung in Abb. 5 des Tropfdosierventils
zur Veranschaulichung der Leitungsführung: 19 ist der Vorratsbehälter mit Absatzfüßen
20, der vorteilhaft aus Kunstglas besteht und eine aufgeprägte Inhalts skala 21
trägt. Die Verschlußverschraubung 22 des Einfüllstutzens 23 trägt fest einmontiert
das annähernd auf den Behälterboden reichende Luftrohr 24, durch welches hindurch
der Luftzutritt von außen erfolgt. 25 ist der in die Mündung des Luftrohres mit
Spiel und annähernd bündig reichende Bodenstutzen, welcher, durch das Hebelventil
26 abschließbar, auf die abnehmbare Kunststoffflasche 27 führt. Der seitliche Bodenstutzen
28 führt auf das Nadelregulier-
ventil 29 mit Tropfenausfluß 30, welches außer der
Feinreguliernadel 31 noch einen Hauptventilabschlußhebel 32 trägt, so daß ohne Verstellung
der einmal eingestellten Tropfgeschwindigkeit ein Ab- und Wiederanstellen bei Unterbrechung
der Arbeit möglich ist. Da bei hochstehenden größeren Gefäßen eine Füllung von oben
von Hand schwierig und zeitraubend ist, hat der Halter, mit welchem das Tropfregulierventil
seitlich am Behälter anmontiert ist, außer dem Abfluß zum Tropfregulierventil noch
zwei abschließbare Anschlußleitungen 33 und 34 (vgl. die Abb. 5) zwecks mechanischer
Füllung, z. B. mit einer Handpumpe. Der Anschluß 33 zum Anschließen des Pumpenschlauches
führt in das Füllrohr 35, während der Anschluß 34 mit dem Entlüftungsrohr 36 in
Verbindung steht und die Entlüftung beim mechanischen Füllen besorgt.
-
PATENTANsPRocrsE 1. Tropfdosiergerät, bestehend aus einem als Mariottesche
Flasche ausgebildeten Vorratsbehälter mit seitlich angeordnetem Tropfregulierventil,
dadurch gekennzeichnet, daß in das in geringer Entfernung über dem Boden endende
Luftzuführungsrohr annähernd bündig und mit Spiel ein Bodenstutzen (5) ragt, der
unterhalb, durch ein Ventil (6) abschließbar, auf ein abnehmbar befestigtes kleineres
Gefäß (7) führt und dadurch durch Temperaturwechsel od. dgl. entstehende Druckschwankungen
im Gasraum ausgleicht.