DE1058692B - Verfahren zur Erniedrigung der Streckenspannung bzw. zur Erhoehung der Verstreckbarkeit von frisch gesponnenen Faeden nach dem Viskosespinnverfahren - Google Patents
Verfahren zur Erniedrigung der Streckenspannung bzw. zur Erhoehung der Verstreckbarkeit von frisch gesponnenen Faeden nach dem ViskosespinnverfahrenInfo
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Description
DEUTSCHES
Beim Spinnen von Viskosekunstseide erreicht man eine höhere Fadenfestigkeit, wenn der Faden nach
seiner Koagulation und teilweisen Zersetzung stark verstreckt wird. In der Regel bedient man sich dabei
heißer Bäder, die meistens angesäuert sind, doch hat man auch schon alkalische Bäder angewendet, die in
einem Fall Zink oder Aluminium enthielten.
Es hat sich jedoch gezeigt, daß mit steigender Verstreckung die Fadenspannung in der Streckzone ansteigt
und dabei eine Häufung von Fadenbrüchen, Wicklern und eine erhöhte Faserigkeit der fertigen
Ware eintritt. Es besteht daher ein großes Interesse daran, die Verstreckbarkeit der frisch gesponnenen
Fäden zu erhöhen, um entweder mit größerer \rerstreckung
arbeiten zu können oder um eine Erniedrigung der Streckspannung zu erreichen. Es ist bekannt,
daß man eine solche Erniedrigung der Streckspannung erhält, wenn man hohe Temperaturen im Streckbad
verwendet, und zwar ist im Bereich von SO bis 90° C die Erniedrigung im allgemeinen um so größer je
höher die Temperatur ist. Um so überraschender war daher die Feststellung, daß man die Verstreckbarkeit
der Fäden unter weiterer Spannungserniedrigung erhöhen kann, wenn man den Faden nach Verlassen des
Fällbades durch ein kaltes Wasserbad von 15 bis 35° C hindurchführt, bevor er in das heiße Streckbad eintritt.
Es ist nicht genau bekannt, worauf die spannungserniedrigende Wirkung der zusätzlichen Kaltwasserbehandlung
gegenüber alleiniger Heißbadbehandlung beruht. Andererseits kann auch die Wirkung des gewöhnlichen
heißen Streckbades nicht in allen Einzelheiten erklärt werden. Es wurde jedoch gefunden, daß
die Wirkung des Kaltwasserzwischenbades um so kräftiger ist, je mehr Salze aus dem spinnenden Faden
ausgewaschen werden. Es handelt sich dabei in erster Linie um Natriumsulfat und Zinksulfat.
Eine Verbesserung der Festigkeiten erhält man, wenn man dem Wasserbad etwas Säure, nämlich 10 bis
40 g/kg zusetzt. Hierbei ist es wichtig, daß eine hohe Säurekonzentration vermieden wird, da sonst die durch
das Auswaschen des Fadens bewirkte Spannungserniedrigung wieder aufgehoben wird. Die notwendige
Konzentration richtet sich nach den Spinnbedingungen. Man erreicht die beste Wirkung, wenn die aus dem
laufenden Faden vor Eintritt in das Streckbad abgequetschte Flüssigkeit einen Säuregehalt von 5 bis
20 g/kg aufweist.
Die Temperatur des Zwischenbades muß bei 15 bis 35° C liegen. Am zweckmäßigsten ist der Temperaturbereich
zwischen 20 und 30° C.
Es wurde schließlich gefunden,- daß geringe Zugaben von Formaldehyd zum kalten Zwischenbad, und
zwar in Mengen von 0,5 bis 10 g/kg, die Spannungs-
zur Erniedrigung der Strecfceaspannung
bzw. zur Erhöhung der Verstreckbarkeit
von frisch gesponnenen Fäden
bzw. zur Erhöhung der Verstreckbarkeit
von frisch gesponnenen Fäden
nach dem Viskosespinnverfahren
Anmelder:
Vereinigte Glanzstoff-Fabriken A. G.,
Wuppertal-Elberfeld, Am Laurentiusplatz
Wuppertal-Elberfeld, Am Laurentiusplatz
Dr. Berthold Daimler, Heinsberg,
Dr. Hugo Elling, Oberbruch-Grebben,
und Dr. Richard Elssner, Randerath (Bez. Aachen),
sind als Erfinder genannt worden
erniedrigende Wirkung dieses Bades bis auf das Doppelte steigern. Die Behandlung von Fäden mit
Aldehyden in einem Zwischenbad vor Eintritt in das Streckbad ist zwar bereits beschrieben, aber durch das
Zusammenwirken der Fadenauswaschung im kalten Bad mit dem Formaldehyd wird erreicht, daß man die
Spannungserniedrigung mit bedeutend weniger Formaldehyd erreicht.
Es ist ein Verfahren bekannt, in dem man eine Viskose mit einem hohen Polymerisationsgrad und einer
geringen Konzentration der Cellulose in ein saures Spinnbad verspinnt, dann den Faden durch ein
AVasserbad führt, um ihn von den Chemikalien des Spinnbades, insbesondere von der Schwefelsäure zu
befreien, ihn sodann in einem Bad, das Natronlauge enthält, so viel wie möglich verstreckt und ihn schließlich
in einem sauren Bad nachverstreckt. Im Gegensatz zu dem Verfahren gemäß der Erfindung erfolgt
jedoch die Verstreckung im alkalischen Medium, und das Wasserbad hat lediglich den Zweck, eine Neutralisation
des alkalischen Bades zu verhindern.
Es wurde eine Viskose mit 7,2°/o Cellulose und
5,4% Alkali bei einem Xanthatverhältnis von 46 aus einer 1000-Loch-Düse versponnen. Dieser Viskose war
1,7 g/kg eines äthoxylierten Kokosamins zur Verbesserung der Fadeneigenschaften zugesetzt. Die Tauch-
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strecke im Fällbad betrug 70 cm und im Streckbad 120 cm. Teilweise wurde ein Zwischenbad von 25 cm
Länge benutzt. Hierzu lief die der ersten Abzugsgalette zugeordnete Umlenkrolle in einer Schale, durch
welche das Zwischenbad hindurchfloß. Das Spinnbad enthielt 40 g/kg H2SO4, 120 g/kg Na2SO4, 60 g/kg
ZnSO4 und wies eine Temperatur von 40° C auf. In
der folgenden Tabelle ist die Zusammensetzung des Zwischenbades angegeben und ferner die Streckspannung,
die man bei 100% Verstreckung erhalten hat. Die Streckspannung ist gemessen worden an dem aus
dem Streckbad austretenden Faden vor der zweiten Abzugsgalette. Die Temperatur des Zwischenbades betrug
25° C. Das Streckbad enthielt 20 g/kg H2SO4,
10 g/kg Na2 S O4 und 5 g/kg Zn S O4 bei 93° C.
| Zwisdienbadzulauf, %l. | Na2 S O4 | ZnSO4 | Streck | |
| H2 S O4 | spannung | |||
| 1. | ohne Zwischenbad | 0 | 0 | 700 |
| 2. | 0 | 0 | 0 | 450 |
| 3. | 15 | 0 | 0 | 500 |
| 4. | 45 | 600 |
25
Versuch 1 in der Tabelle wurde ohne Zwischenbad gesponnen und zeigte die höchste Spannung. Versuch 2
ist mit salz- und säurefreiem Wasserzwischenbad gesponnen und ergab eine starke erniedrigte Spannung
von 450 g. Die beiden nächsten Versuche 3 und 4 lassen erkennen, wie mit steigender Zugabe von
H2SO4 zum Zwischenbad die Spannung allmählich
wieder anstieg. Um die zuvor genannte Mindestkonzentration an H2SO4 im spinnenden Faden aufrechtzuerhalten,
genügte jedoch im vorliegenden Fall eine Säurekonzentration im Zwischenbad von 15 bis
20 g. Aus der Tabelle läßt sich ersehen, daß unter diesen Bedingungen eine etwa 3O°/oige Erniedrigung
der Streckspannung erreicht wurde.
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Es wurde eine Viskose von 6,1% Cellulose und 4,2% Alkali hergestellt und bei einem Xanthatverhältnis
von 43 versponnen. Die Viskose enthielt als Spinnhilfsmittel 0,2 g/kg des im Beispiel 1 genannten Zusatzstoffes.
Die Düse war dieselbe ,wie im Beispiel 1. Die
Tauchstrecke im Spinnbad betrug 55 £tn, diejenige im
Streckbad 180 cm. Die Zusammensetzung des Spinnbades war 30 g/kg H2SO4, 200 g/kg Na2 S O4 und
70 g/kg ZnSO4. Die Spinnbadtemperatur betrug 55° C. Es wurde mit einer Verstreckung von 85% gesponnen,
und zwar einmal ohne Zwischenbad und ein zweites Mal mit einem Zwischenbad, welches aus
Wasser mit einer Temperatur von 25° C bestand, dem 15 g/kg H2SO4 zugesetzt waren. Die Streckspannungen
lagen entsprechend den vollkommen anderen Spinnbedingungen wesentlich höher als im Beispiel 1.
Ohne Zwischenbad wurden 1500 g gemessen, mit Zwischenbad 1280 g. Die Streckspannungserniedrigung
betrug in diesem Fall 15%. Es wurde das gleiche Streckbad wie im Beispiel 1 verwendet.
Mit einer Viskose der Zusammensetzung 6,5% Cellulose und 5,5% Alkali, die einen Zusatz von
1,7 g/kg des gleichen Zusatzstoffes wie Beispiel 1 aufwies, wurde aus einer Düse mit 720 Loch von 60 My
Durchmesser gesponnen. Das Spinnbad enthielt 50 g/kg H2SO4, 130 g/kg Na2SO4 und 60 g/kg ZnSO4 bei
einer Temperatur von 48° C. Es wurde sowohl ohne Zwischenbad gesponnen als auch mit einem Zwischenbad,
welches 25 g/kg Säure enthielt. In einem dritten Versuch wurde dem Zwischenbad noch 4 g/kg Formaldehyd
zugesetzt. Die an sich kleine Zwischenbadwanne wurde aus einem größeren Vorratsbehälter
laufend mit Zwischenbad versorgt und das abfließende Bad wieder in den Behälter zurückgeführt. Um bei
kontinuierlichem Betrieb die Konzentration des Zwischenbades konstant zu halten, war es erforderlich,
ständig eine gewisse Menge Zwischenbad abzustoßen und durch Zugabe von Wasser und Schwefelsäure sowie
Formaldehyd aufzufrischen. Durch das Umpumpen ergab sich zwangläufig, daß das in die Zwischenbadwanne
zugeführte Bad bereits einen gewissen Gehalt an den Salzen des Spinnbades aufwies. Deshalb ist in
der folgenden Tabelle die Konzentration in g/kg an Natrium- und Zinksulfat mit angegeben. Es wurde das
gleiche Streckbad wie im Beispiel 1 angewendet.
| Zusammensetzung | Na2SO4 | des Zwisdienbades c |
aldehyd | Verstrebung | Dehnung des Grundgarns | trocken | Cord-Dehnung (°/o) bei 4 ■> Wir |
oftro. | |
| H2SO4 | ZnSO4 | % | naß | 13,5 | kond. | 3,2 | |||
| 1. | _ | 20 | 0 | 95 | 29 | 12,3 | 6,2 | 3,1 | |
| 2. | 25 | 20 | 7 | 4 | 100 | 26,5 | 11,0 | 5,7 | 2,8 |
| 3. | 25 | 7 | 105 | 24 | 5,4 |
Für die drei Versuche wurde die Verstreckung so eingestellt, daß etwa 1200 g Streckspannung
herrschten. Man sieht, daß durch die beiden verschieden wirksamen Zwischenbäder der Versuche 2 und 3
unter diesen Umständen die Verstreckung heraufgesetzt werden konnte. Dementsprechend finden wir in
den Dehnungen des Grundgarns naß und trocken eine deutliche Abnahme. Wichtig ist ebenfalls, daß auch
die bei 4,5 kg Belastung gemessene Dehnung eines in üblicher Weise hergestellten Kordes mit der steigenden
Verstreckung verringert werden konnte. Zu den Zahlen ist noch zu vermerken, daß das gesponnene Garn im
nassen Zustand um 11 % nachverstreckt und dann getrocknet worden ist.
Claims (5)
1. Verfahren zur Erniedrigung der Streckspannung bzw. zur Erhöhung der Verstreckbarkeit von
frisch gesponnenen Fäden durch Verspinnen von Viskose in ein säure- und salzhaltiges Fällbad und
Verstrecken der Fäden in einem heißen, verdünnten säure- und ggf. salzhaltigen Streckbad, dadurch gekennzeichnet,
daß die Fäden vor dem Eintritt in das heiße Streckbad durch ein Kaltwasserzwischenbad
von 15 bis 35° C geführt werden.
2. Verfahren nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß dem Zwischenbad 10 bis 40 g/kg
Säure zugesetzt wird zur Aufrechterhaltung einer
5 6
Säurekonzentration von 5 bis 20 g/kg in der aus laufes um die erste Abzugsgalette mit dem
dem laufenden Faden abgequetschten Flüssigkeit. Zwischenbad in Berührung gebracht werden.
3. Verfahren nach Anspruch 1 und 2, dadurch
gekennzeichnet, daß das Zwischenbad Formaldehyd
in Mengen von 0,5 bis 10 g/l aufweist. 5 In Betracht gezogene Druckschriften:
4. Verfahren nach Anspruch 1 bis 3, dadurch ge- österreichische Patentschrift Nr. 169 926;
kennzeichnet, daß die Fäden während ihres Um- französische Patentschriften Nr. 885 986. 9βΓ302.
© 909 529/454 5. 59
Priority Applications (7)
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