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Insektenabwehrmittel Im Gegensatz zu den Insektiziden, welche die
Insekten weder am Niederlassen noch am Stich und der eventuell damit verbundenen
Infektion zu behindern vermögen, da ihre Wirkung erst nach einer gewissen Latenzperiode
eintritt, halten die Insektenabwehrmittel (Repellents) durch ihre abschreckenden
Eigenschaften die Insekten schon vom Anfliegen und damit vom Stechen und Saugen
ab. Die Repellents erfüllen somit eine bedeutende hygienische Funktion, und man
ist ständig bemüht, ihre Wirkung zu verbessern.
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Die erste größere Anwendung von Repellents wurde während des zweiten
Weltkrieges bei den in tropischen Gebieten kämpfenden Armeen durchgeführt. Von der
Vielzahl der Substanzen, die auf Repellentwirkung in dieser Zeit getestet wurden,
haben die folgenden vier wirklich Verwendung gefunden: Phthalsäuredimethylester,
2-Äthyl-hexan-1,3-diol, 3,4-Dihydro-2,2-dimethyl-4-oxo-a-pyran-6-carbonsäure-n-butylester
und der Dimethylester der cis-Bicyclo-(2,2,1)-5-hepten-2,3-dicarbonsäure.
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Im weiteren Verlauf der Forschung über Insektenabwehrmittel wurde
Repellentwirkung bei Amiden von Acylessigsäuren, Crotonsäure, Undecylensäure, Alkoxyessigsäure
und Cyclohexensäure festgestellt.
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Heute sind diese Verbindungen überholt, und die zur Zeit bestwirksamen
Repellents sind Bernsteinsäuredi-n-butylester und m-Toluylsäure-diäthylamid (vgl.
The Chemist and Druggist, Bd. 169, S. 582 [1958] ; J. agric. and food chemistry,
Bd. 5, S. 665 [1957], United States Department of Agriculture, Agricultural Research
Service, April 1958, S. 1).
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Wie die Aufzählung der bisher bekannten, gut wirksamen Repellents
zeigt, liegt ihnen kein gemeinsames Konstitutionsprinzip zugrunde. Man kennt vielmehr
bisher keine gesetzmäßigen Zusammenhänge zwischen chemischer Konstitution und Repellentwirkung.
Um so überraschender war die Feststellung, daß das Caprylsäurediäthylamid
CH, - (CH,), - CO - N (C,HS)2 eine sehr gute Repellentwirkung entfaltet.
Dieses Ergebnis war auch insofern nicht voraussehbar, als nahe Verwandte dieser
Substanz, wie z. B. aromatisch substituierte Caprylsäureamide, wie Caprylsäure-diphenylamid,
oder kohlenstoffärmere Derivate, wie Capronsäure-diäthylamid, keine Repellentwirkung
zeigen.
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Der Erfindung liegen Vergleichsversuche zugrunde, wonach Caprylsäure-diäthylamid
eine wesentlich bessere Repellentwirkung besitzt als m-Toluylsäure-diäthylamid und
Bemsteinsäure-di-n-butylester. Die Dosis, die erforderlich ist, um 800/,
aller Fliegen abzuhalten, ist bei m-Toluylsäure-diäthylamid etwa 3mal so hoch wie
bei Caprylsäure-diäthylamid. Auch gegenüber Bernsteinsäure-di-n-butylester besitzt
Caprylsäure-diäthylamid eine bessere Repellentwirkung, da Caprvlsäure-diäthvlamid
im Gegensatz zu Bemsteinsäure-di-n butylester auch gegen stechende Insekten wirkt.
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Dementsprechend besteht die Erfindung aus einem Insektenabwehrmittel
bzw. einer Zubereitung für ' kosmetische oder technische Zwecke mit insektenabwehrender
Wirkung, gekennzeichnet durch einen Gehalt an Caprylsäure-diäthylamid.
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Caprylsäure-diäthylamid kann nach den üblichen Methoden zur Herstellung
von Säureamiden synthetisiert werden, z. B. durch Umsatz von Caprylsäure-chlorid
oder Caprylsäureester mit Diäthylamin oder durch Äthylierung von Caprylsäureamid
bzw. Caprylsäure-äthylamid. Caprylsäure-diäthylamid wurde bereits von Rice und Mitarbeitern
(vgl. Journal of the American Chemical Society, Bd. 76, S. 3730 [1954]) beschrieben.
Die Substanz siedet bei 140°C unter 12 Torr.
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Folgende biologischen Teste wurden durchgeführt, um die Repellentwirkung
von Caprylsäure-diäthylamid zu ermitteln I. Prüfung auf Repellentwirkung an Stubenfliegen
(Musca domestica) Methode: Das Präparat wurde in verschiedenen Konzentrationen auf
Filterscheiben appliziert und ein Insektizid zugegeben. Durch Anfeuchten mit Wasser
wird eine Lockwirkung auf die eingesetzten Fliegen ausgeübt. Die angeflogenen und
mit dem Insektizid in Berührung gekommenen und dadurch abgetöteten Fliegen werden
ausgezählt. Aus der Differenz zwischen der Anzahl der eingesetzten und der abgetöteten
Fliegen resultieren die durch eine Repellentwirkung abgehaltenen Fliegen. Zur Auswertung
und zum Vergleich wird die Dosis des Präparates festgestellt, bei der ein bestimmter
Prozentteil aller Fliegen vom Filter abgehalten wird. Diese Dosis wird mit der eines
Standardpräparates verglichen. .
Ergebnis: Dosis repellent 80 (D.
rep. 80)_ = diejenige Dosis des Wirkstoffes, bei welcher 80"/, der angelockte Fliegen
abgehalten werden. Die Beobachtungszeit betrug jeweils 80 Minuten.
| Geprüfte Substanz D. rep. 80 |
| innerhalb der ersten 80 Minuten I Kontrolle nach 30 Stunden |
| Caprylsäure-diäthylamid 2,0 mg/100 cm' Filter 2,1 mg/100 cm2
Filter |
| m-Toluylsäure-diäthylamid 5,75 mg/100 cm2 Filter 5,75 mg/100
Cm2 Filter |
II. Prüfung auf Repellentwirkung an Stechmücken Methode: Die Repellentwirkung gegenüber
Stechmücken wird an einem stark mit Aedes- und Culexarten verseuchten Standort unter
natürlichen Bedingungen untersucht. Dabei werden die Hände von vier Versuchspersonen
dem Anflug und Stich der Mücken über 1 Stunde lang ausgesetzt. Jeweils eine Hand
wird mit etwa 400 mg verschieden prozentiger Salben eingerieben und eine Hand zur
Kontrolle unbehandelt gelassen.
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Ergebnis: Mit 10°/@ger Salbe von Caprylsäure-diäthylamid behandelte
Hände wurden von den Mücken nicht angeflogen, während die unbehandelten Hände ständigem
starkem Anflug und Stichen ausgesetzt waren.
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Mit 10°/jger Salbe von Bemsteinsäure-di-n-butylester behandelte Hände
wurden von Stechmücken genau so angeflogen und gestochen wie unbehandelte Hände.
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Um die Dauerwirkung festzustellen, wurde 50°/oiges Caprylsäure-diäthylamid
4 Stunden vor dem Versuch auf die Haut aufgetragen. Es zeigte sich nach dieser Zeit
noch kein Nachlassen der Repellentwirkung.
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III. Prüfung auf Repellentwirkung an Schaben (Blatta orientalis) Methode:
Um die Repellentwirkung an Schaben festzustellen, wurde das Bestreben der Schaben,
die Dunkelheit aufzusuchen, für die Versuchsanordnung ausgenutzt-Einer bestimmten
Anzahl von Schaben wird die Möglichkeit gegeben, in zwei Kästchen unterzuschlüpfen,
von denen eines mit Caprylsäure-diäthylamid versehen war. Aus der Verteilung der
Schaben auf beide Kästchen kann eine Repellentwirkung festgestellt werden.
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Ergebnis: Das mit Caprylsäure-diäthylamid beschickte Kästchen wurde
von Schaben nicht aufgesucht.
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Man kann Caprylsäure-diäthylamid in den für Repellents üblichen Gebrauchsformen
zur Anwendung bringen. So kann man z. B. eine Lösung zum Versprühen herstellen,
indem man die Verbindung in einem Alkohol, z. B. Isopropanol, löst. Derartige Lösungen
sind besonders geeignet für die Verwendung in Sprühdosen, die nach dem Aerosolverfahren
arbeiten und tiefsiedende Substanzen, wie z. B. Difluardichlormethan, als Treibmittel
enthalten. Unter Verwendung üblicher Salbengrundlagen läßt sich Caprylsäure-diäthylamid
zu Repellentsalben verarbeiten. Man kann die Verbindung auch in Anstrichfarben emulgieren
oder auf Wandoberflächen aufbringen, z. B. in Tapeten einarbeiten. Auch als Zusatz
zu Fußbodenpflegemitteln wie Bohnerwachs od. dgl. oder als Imprägniermittel für
Textilfasern, Folien oder Verpackungsmaterialien sowie als Zusatz zu Polier-, Putz-
oder Fensterreinigungsmitteln eignet sich Caprylsäure-diäthylamid. Gegebenenfalls
kann man den Präparaten noch einen geeigneten Emulgator zusetzen. Beispiel 1 100
g Caprylsäure-diäthylamid werden mit 100 g Isopropanol vermischt. Die entstehende
Lösung ist zum Versprühen als Repellent geeignet. Beispiel 2 Repellentsalbe der
folgenden Zusammensetzung: 50 Gewichtsprozent Caprylsäure-diäthylamid, 40 Gewichtsprozent
einer 3°/oigen wäßrigen Lösung von Methylcellulose, 10 Gewichtsprozent eines oberflächenaktiven
Alkylcarbonsäurepolyäthylenglykolesters.
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Beispiel 3 10,0 Gewichtsteile Caprylsäure-diäthylamid, 0,5 Gewichtsteile
Collodiumwolle, hochviskos, esterlöslich, spritfeucht, und. 0,5 Gewichtsteile Duftstoff
werden vermischt und mit 89,0 Gewichtsteilen Methylenchlorid verdünnt. Diese Lösung
wird mit 50 Gewichtsteilen Difluordichlormethan, 25 Gewichtsteilen Monofluortrichlormethan
und 25 Gewichtsteilen techn. Präpan-Butan-Gemisch in eine Flüssiggas-Aerosol-Sprühdose
gefüllt und auf- die zu schützenden Stellen versprüht.
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Beispiel 4 35 Gewichtsteile Alkylphenolformaldehydharz, 12 Gewichtsteile
Leinölstandöl, 12 Gewichtsteile Holzölstandöl werden, gegebenenfalls zusammen mit
etwas Lackbenzin, in der Wärme homogen vermischt. Dann werden 1,2 Gewichtsteile
Sikkativ und 11 Gewichtsteile Caprylsäurediäthylamid eingemischt und das Ganze mit
Lackbenzin auf eine streichfähige Konsistenz eingestellt, wobei das fertige Anstrichmittel
z. B. 28,8 Teile Lackbenzin enthalten kann. Dieser Klarlack wird auf die betreffenden
Flächen, insbesondere Holzflächen, gestrichen.
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Beispiel 5 In eine Mischung aus 20 Gewichtsteilen Polyvinylacetatdispersion
(50°/oig), weichmacherfrei, 6 Gewichtsteilen Polyvinylacetatdispersion, weichmacherhaltig,
und 2 Gewichtsteilen Wässer wird eine Mischung aus 4 Gewichtsteilen Caprylsäure-diäthylamid
und 2 Gewichtsteilen Äthanol eingerührt. Dann wird eine Paste aus 35 Gewichtsteilen
-Kreide, 5 Gewichtsteilen. Titandioxyd, 14 Gewichtsteilen Wasser und 2 Gewichtsteilen
4°/oiger wäßriger Methylcelluloselösung eingearbeitet und finit 6 Teilen Wasser
weiterverdünnt. In diese Mischung werden 4 Gewichtsteile Caprylsäure-diäthylamid
eingerührt. Dieses Anstrichmittel kann bei Bedarf noch mit wenig Wasser weiterverdünnt
werden. Es trocknet matt und wischfest auf.