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Janine Flock: Auf Enttäuschung folgt Gold
Am Schluss der Hymne kamen dann doch noch ein paar Tränen, sonst herrschte einfach pure Zufriedenheit bei Janine Flock. Acht Jahre nach dem Drama von Pyeongchang fühlt sich die Karriere nun perfekt an, meinte die Tirolerin, nachdem sie bei den Olympischen Spielen in Cortina d’Ampezzo zu Gold im Skeleton gerast war. „Das ist schon das Highlight. Die Medaille in der Hand zu haben, ist echt cool“, befand die 36-Jährige.
„Es ist ein unglaubliches Gefühl, über die Ziellinie zu fahren, den Jubel zu hören, die rot-weiß-roten Fahnen zu sehen und alle Teammitglieder und meine Familie in den Arm nehmen zu können“, sagte Flock, ehe sie zur Medaillenfeier ins Österreich-Haus abrauschte. Zu viel gefeiert wurde nicht, stand doch am Sonntagabend noch der Mixed-Bewerb mit Samuel Maier auf dem Programm. Ganz verzichten wollte sie aber auch nicht, um diesen „einmaligen Moment“ auszukosten.
So lange hatte sie darauf gewartet, nachdem sie 2018 als Führende in den letzten Lauf gegangen war, dann aber leer ausging. Eine bittere Erfahrung, die sie auch prägte. „Alles, was war, macht mich zu dem Menschen, der ich bin. Es macht mich stolz, dass ich dran geblieben bin“, erklärte die Tirolerin.
Kufen schleifen mit Austropop
Sie habe sich in der Zeit zwischen den Fahrten am Freitag und Samstag wohl gefühlt. „Ich habe in Ruhe mein Material hergerichtet, Austropop reingehaut, die Kufen geschliffen, poliert“, erzählte Flock. Erst vor dem dritten Lauf kam wegen des minimalen Vorsprungs von 0,04 Sekunden Nervosität auf, vor dem vierten Lauf kamen auch noch Gedanken an 2018 auf.
„Ich habe gewusst, dass das kommen wird. Es ist was Anderes, wenn die anderen Athletinnen einen runterballern und du stehst alleine oben und weißt, du musst einen draufsetzen“, beschrieb Flock die Situation. Diesmal „war das pure Energie da oben. Ich habe vor allem loslassen und genießen können“. Sogar auf das übliche Video-Studium hat sie verzichtet, „weil ich gespürt habe, es passt“.
Und wie. In drei der vier Läufen war Flock die Schnellste und machte dabei gegenüber ihren deutschen Konkurrentinnen den Start-Rückstand stets mehr als wett. „Wichtig war, dass ich mich auf gewisse Schlüsselstellen konzentriert habe. Ich habe das im Oktober herausgearbeitet und die perfekte Linie gefunden. Zum Beispiel Kurve neun war eine Schlüsselstelle und mir ist es gelungen, viermal kerzengerade rauszuziehen.“
Bahn wie zugeschnitten auf Flock
Mit bis zu 125 km/h raste sie den Eiskanal Bahn Eugenio Monti hinunter, der „auf sie zugeschnitten“ war, wie Michael Grünberger meinte. Der 61-Jährige war schon 2018 Nationaltrainer und kehrte nach sechs Jahren beim Weltverband im Juli 2024 für eine dritte Amtszeit beim österreichischen Verband ÖBSV zurück. Mit seinem sportlichen Aushängeschild wurde viel an der mentalen Stärke und der Konstanz gearbeitet.
So wurde das Wording der Zielsetzung geändert. Fortan hieß es nicht mehr, eine offene Rechnung mit Olympia zu begleichen, sondern die Geschichte fertigzuschreiben. „Das hat sie mit einem Happy End getan, schöner kann es gar nicht sein“, sagte Grünberger nun. „Was Janine in den letzten zwei Tagen gezeigt hat, war sensationell. Vier solche Läufe runterbringen, konstanter kann man nicht sein. Ich bin mega, mega stolz auf sie. Sie hat abgeliefert in einer Art und Weise, da kann ich nur den Hut ziehen“, war der Trainer voll des Lobes.
Große Freude im Ö3-Interview
Dieser Beitrag begleitet die Sendung „Ö3-Wecker“, 16. Februar 2026 (APA/KO)