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Ausland

Der langjährige Korruptionsprozess gegen den israelischen Ministerpräsidenten Benjamin Netanjahu wird am Sonntag fortgesetzt. Dies teilte ein Sprecher der Gerichte heute mit, wenige Stunden nachdem Israel den wegen des Krieges mit dem Iran verhängten Ausnahmezustand aufgehoben hatte.

Der Ausnahmezustand, der zur Schließung von Schulen und Teilen der Justiz geführt hatte, war gestern Abend beendet worden. Nach der Einigung auf eine Waffenruhe waren seit 03.00 Uhr nachts keine anfliegenden iranischen Raketen mehr gemeldet worden.

Mit der Aufhebung des Ausnahmezustands und der Rückkehr des Justizsystems zur Arbeit würden die Anhörungen wie gewohnt wieder aufgenommen, hieß es in einer Erklärung der israelischen Gerichte. Die Sitzungen sollen demnach jeweils von Sonntag bis Mittwoch stattfinden.

Netanjahu ist der erste amtierende israelische Ministerpräsident, der wegen einer Straftat angeklagt ist. Er weist die 2019 nach jahrelangen Ermittlungen erhobenen Vorwürfe der Bestechlichkeit, des Betrugs und der Untreue zurück. Sein Prozess, der 2020 begann und zu Haftstrafen führen könnte, wurde wegen seiner offiziellen Verpflichtungen wiederholt verschoben. Ein Ende ist nicht in Sicht.

Der Oberste Gerichtshof in Russland hat die mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnete Menschenrechtsorganisation Memorial heute als „extremistisch“ eingestuft.

Das Gericht gab dem Antrag der Staatsanwaltschaft statt, „die internationale Bewegung Memorial als extremistische Organisation anzuerkennen und ihre Tätigkeit sowie die ihrer Untergliederungen in der Russischen Föderation zu verbieten“, zitierte die russische staatliche Nachrichtenagentur RIA Nowosti den Richter.

Damit wird es den russischen Behörden erleichtert, Unterstützer und Unterstützerinnen der Organisation sowie Menschen, die mit ihr zusammenarbeiten, strafrechtlich zu verfolgen.

Das Zentrum zum Schutz der Menschenrechte Memorial, eine informelle Abspaltung der bereits 2021 in Russland verbotenen Organisation Memorial, sprach von einer „illegalen“ Entscheidung und einer „neuen Etappe des politischen Drucks auf die russische Zivilgesellschaft“.

Nach Berichten über eine Weitergabe vertraulicher EU-Inhalte durch den ungarischen Außenminister Peter Szijjarto an seinen russischen Kollegen Sergej Lawrow kommen aus Frankreich schwere Vorwürfe.

„Es ist ein Verrat am Gebot der Solidarität, das zwischen EU-Mitgliedern gilt“, sagte Frankreichs Außenminister Jean-Noel Barrot heute dem Sender France Inter. Unterschiedliche Ansichten kämen vor, doch müsse die Einheit Vorrang haben, „sonst werden wir zu Vasallen, zu Spielbällen der Großmächte“, so Barrot.

Mehrere Medien hatten Ende März berichtet, dass Szijjarto, ein Vertrauter von Premier Viktor Orban, Lawrow Gesprächsinhalte von EU-Gipfeln quasi „live“ am Telefon weitergegeben habe. Wiederholt wurden auch Mitschnitte geleakt. Szijjarto nannte die Vorwürfe in Onlinediensten „sinnlose Verschwörungstheorien“ und Fake News.

Wahlkampfhilfe aus Washington

Bei der Parlamentswahl am Sonntag könnte Orban nach 16 Jahren aus dem Amt gewählt werden. Diese Woche hatte US-Vizepräsident JD Vance mit einem Besuch in Budapest Unterstützung für Orban demonstriert und dabei der EU Wahleinmischung vorgeworfen. US-Präsident Donald Trump setzt sich stark für Orbans Wiederwahl ein.

Abkommen mit West und Ost

Vance schloss mit Ungarn Abkommen im Wert von mehr als 21 Milliarden Dollar (rund 18 Mrd. Euro) auf den Gebieten Energie, Technologie und Verteidigung ab, wie das Onlineportal HVG.hu unter Berufung auf eine Aussendung des Weißen Hauses berichtete.

Der ungarische Erdölkonzern MOL kauft etwa 510.000 Tonnen Erdöl für 500 Millionen Dollar (rund 427 Mio. Euro) von amerikanischen Energieunternehmen. Die Vereinbarungen drehen sich auch um den Kauf von amerikanischen HIMARS-Raketensystemen im Wert von 700 Millionen Dollar und eine Vereinbarung hinsichtlich der Integrierung von einschlägigen Kommunikationstechnologien.

Auch mit Russland schloss Ungarn kürzlich ein Zwölfpunkteabkommen zur Zusammenarbeit in wirtschaftlichen, Handels-, Energie- und Kulturfragen. Dieses zeige, wie stark Budapest und Moskau künftig verbunden sein wollen, berichtete das Nachrichtenportal Politico.

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Wer mit einem Restaurantbesuch unzufrieden ist oder Mängel im Hotel feststellt, kann in Italien weiterhin eine negative Onlinebewertung abgeben. Allerdings gelten dafür ab sofort strengere Vorgaben.

Künftig müssen Bewertungen innerhalb von 30 Tagen nach Inanspruchnahme einer Dienstleistung oder dem Kauf eines Produkts veröffentlicht werden.

Belege stützen Glaubwürdigkeit

Zudem dürfen sie nur von Personen stammen, die die Leistung tatsächlich genutzt haben. Inhalte müssen sich konkret auf die gemachte Erfahrung beziehen und dürfen nicht durch Rabatte oder andere Vorteile beeinflusst sein.

Als glaubwürdig gelten Bewertungen insbesondere dann, wenn sie durch Belege wie Rechnungen gestützt werden. Nach Ablauf von zwei Jahren verlieren Bewertungen ihre Zulässigkeit.

Regeln stärken Rechte von Unternehmen

Die neuen Regeln stärken auch die Rechte von Unternehmen: Hotels und Restaurants können unzulässige Bewertungen melden und deren Entfernung über die Plattformen beantragen.

Der Präsident des Konsumentenschutzverbands Assutenti, Gabriele Melluso, sprach von einem wichtigen Schritt für mehr Transparenz und fairen Wettbewerb.

Spitzenpolitiker und -politikerinnen und Fachleute aus aller Welt sind heute in der Wiener Hofburg zusammengekommen, um über bessere Energielösungen in Zeiten des Klimawandels zu diskutieren.

Stark vertreten war der Globale Süden, darunter der Präsident von Sierra Leone, Julius Maada Bio. Die Präsidentin der Marshallinseln, Hilda Heine, wandte sich in einer Videobotschaft an die von Österreich und der UNO-Organisation für Industrielle Entwicklung (UNIDO) ausgerichtete Konferenz.

„Die Marshallinseln und alle kleinen Inselstaaten sind voller Wertschätzung für diese Konferenz“, so Heine. Es brauche nämlich internationale Zusammenarbeit im Kampf gegen den Klimawandel, „damit keine Insel zurückgelassen wird“, sagte die Präsidentin des ozeanischen Mikrostaates, der wegen des steigenden Meeresspiegels akut vom Untergang bedroht ist.

Werben für Sitz in UNO-Sicherheitsrat

Selbst für eine internationale Stadt wie Wien „ist es sehr selten, so eine große und diverse Gruppe von Spitzenpolitikern und Experten in einem Raum zu haben“, sagte Außenministerin Beate Meinl-Reisinger (NEOS) bei der Eröffnung der zweitägigen Konferenz mit Hunderten Teilnehmerinnen und Teilnehmern im Festsaal der Hofburg.

Wie zuvor schon Bundespräsident Alexander Van der Bellen in einer Videobotschaft nutzte auch Meinl-Reisinger die Gelegenheit, für die Kandidatur Österreichs als nicht ständiges Mitglied im UNO-Sicherheitsrat zu werben. Als Ratsmitglied werde Österreich den Kampf gegen den Klimawandel und für nachhaltige Energie zu seiner Priorität machen, versprach sie.

UNIDO-Direktor Gerd Müller dankte Österreich dafür, dass es sich an einem 50 Millionen US-Dollar (knapp 43 Mio. Euro) schweren Programm für die Entwicklung von Energiesystemen in kleinen Inselstaaten beteilige. Der frühere deutsche Entwicklungsminister betonte, dass die Lösungen für die Energie- und Klimakrise bereits existieren, aber umgesetzt werden müssen.

In Haiti ist die für die erste Präsidentschaftswahl seit einem Jahrzehnt geplante Wählerregistrierung verschoben worden. Damit verzögert sich der Wahlprozess in dem Krisenstaat weiter.

Die Registrierung hätte am 1. April beginnen sollen, teilte die Wahlbehörde CEP gestern mit. Als Grund nannte der CEP-Vorsitzende Jacques Desrosiers eine rechtliche Angelegenheit im Zusammenhang mit der neuen Regierung. Diese müsse nun ein neues Dekret erlassen.

Sollte das rechtzeitig geschehen, könnten die Wahlen nach wie vor bis Ende des Jahres stattfinden, sagte Desrosiers der Nachrichtenagentur Reuters. Ursprünglich war die erste Runde der Präsidentschaftswahlen für den 30. August angesetzt.

Prekäre Sicherheitslage

Die Wahlen werden von der prekären Sicherheitslage im Land überschattet. Gewalttätige bewaffnete Banden kontrollieren den größten Teil der Hauptstadt Port-au-Prince und weite Teile des Landes. Mehr als 1,4 Millionen Menschen, etwa zwölf Prozent der Bevölkerung, wurden aus ihren Häusern vertrieben.

In Haiti wurden seit 2016 keine Wahlen mehr abgehalten. Der letzte Präsident des Karibikstaates, Jovenel Moise, wurde 2021 ermordet. Nachfolgende Regierungen hatten Wahlen immer wieder mit Verweis auf die schlechte Sicherheitslage verschoben.

Krieg in Nahost

Der Iran besteht nach Angaben seines Atomchefs in möglichen Friedensgesprächen mit den USA weiter auf das Recht der Urananreicherung. Am Rande einer Gedenkfeier für den getöteten Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei wies Atomchef Mohammed Eslami heute die Forderung, die Urananreicherung aufzugeben, zurück, wie die iranische Nachrichtenagentur ISNA berichtete.

„Das sind ihre Wünsche, und diese Wünsche werden zu Grabe getragen“, sagte er mit Blick auf die USA. Bereits vor dem Krieg hatten Vertreter aus Washington und Teheran über das umstrittene Atomprogramm des Iran verhandelt. US-Präsident Donald Trump will verhindern, dass der Iran eine Atombombe bauen kann. Teheran weist zurück, solche Pläne zu verfolgen.

Mediziner: Mehr als 3.000 Kriegstote im Iran

Nach Angaben des Leiters der iranischen Gesellschaft für Rechtsmedizin, Abbas Masdschedi Arani, starben bei den israelisch-amerikanischen Bombardierungen im Iran über 3.000 Menschen. Etwa 40 Prozent der Leichen seien nicht identifizierbar gewesen, so der Mediziner laut einem Bericht der Zeitung „Schargh“.

Die tatsächliche Zahl der Toten dürfte deutlich höher liegen. Aktivisten hatten in ihren eigenen Zählungen schon vor Wochen mehr als 3.000 Tote gemeldet. Die Menschenrechtsorganisation Hengaw mit Sitz in Norwegen berichtete zuletzt, dass mindestens 7.650 Menschen ums Leben kamen, darunter 1.030 Zivilisten und Zivilistinnen. Unabhängig überprüfen lassen sich die Opferzahlen derzeit nicht.

In der iranischen Hauptstadt Teheran haben sich heute Regierungsanhänger und -anhängerinnen zu Trauerfeiern für den getöteten Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei versammelt. Der staatliche Rundfunk zeigte Bilder aus dem Stadtzentrum der Millionenmetropole mit trauernden Menschenmassen.

Regierungsanhänger und -anhängerinnen zu Trauerfeiern für den getöteten Religionsführer Ajatollah Ali Chamenei in Teheran
Reuters/Majid Asgaripour

Die Zeremonien fallen mit dem Ende der vierzigtägigen Trauerzeit zusammen. Den Beginn der Umzüge in Teheran um 9.40 Uhr (Ortszeit) wählten die Organisatoren bewusst. Es war der Zeitpunkt, zu dem am 28. Februar Israel Chameneis Amtssitz in Teheran bombardierte.

Zeitpunkt für Beerdigung unklar

Morgen ist für Chamenei ein Freitagsgebet in Teheran geplant. Noch ist unklar, wer es leiten soll. Sein Sohn und Nachfolger Modschtaba zeigte sich seit seiner Wahl zum neuen Staatsoberhaupt noch nie öffentlich. Es gibt Spekulationen über seinen Gesundheitszustand, von schweren Verletzungen ist die Rede.

Unklar bleibt zudem, wann Chamenei beerdigt wird. Offiziell soll der frühere Religionsführer, der den Iran mit harter Hand regiert hat, in seiner Heimatstadt Maschhad im Nordosten begraben werden.

Inland

Der Pflegebedarf und die damit zusammenhängenden Kosten werden in Österreich in den kommenden Jahrzehnten weiter stark wachsen.

Das Wirtschaftsforschungsinstitut (WIFO) rechnet mit einem Anstieg von 2,3 Mrd. Euro (2018) auf etwa 5,7 Mrd. Euro im Jahr 2080 – ein Plus von 144 Prozent. Die Politik könne Maßnahmen für gesünderes Altern, Investitionen in Bildung und weitere Programme zur Ausbildung von Pflegefachkräften initiieren.

Die Dynamik des Pflegebedarfs werde sich insbesondere ab den 2030er Jahren beschleunigen, hieß es bei einem Pressegespräch der Plattform „Diskurs. Das Wissenschaftsnetz“. Der Höhepunkt dieser Dynamik werde zwischen 2042 und 2057 erreicht, wenn die Babyboomer-Generation ins pflegeintensive Alter eintritt.

Drastischer Anstieg bei Pflegegeldbeziehern

Im „Basisszenario“ gehen die Studienautoren bis 2080 von einem Anstieg von derzeit rund 353.000 auf etwa 854.000 Pflegegeldbezieherinnen und -beziehern aus. Ein großer Teil der Pflege werde weiterhin informell etwa durch Angehörige erbracht. Selbst bei einem erwarteten Anstieg der Leistung werde das aber nicht reichen.

Im Szenario „langsameres Altern“, etwa durch mehr Maßnahmen im Bereich Gesundheit, würden die Ausgaben bis 2080 nur auf rund 3,4 Mrd. Euro steigen (plus 45 Prozent). Ohne Bildungsexpansion würden die Ausgaben für Pflege gar auf 6,5 Mrd. Euro steigen (plus 190 Prozent gegenüber 2018).

Einbeziehung von Migranten „sonnenklar“

Laut Studie haben Personen mit niedriger Bildung ein höheres Risiko, pflegebedürftig zu werden. Im Bereich gesünderes Altern würden etwa auch Steuern fallen, wie auf Tabak und Alkohol, die gut wirken, aber schwer umsetzbar seien, hieß es. Auch gegen Einsamkeit sollte es Maßnahmen geben.

Um den steigenden Bedarf an Pflegefachkräften decken zu können, müsse sich die Politik bereits jetzt verstärkt auf den Arbeitsmarkt konzentrieren. Einiges gebe es schon, „es müsste aber größer skaliert werden“, sagte Studienautorin Ulrike Famira-Mühlberger. „Sonnenklar“ sei, dass es ohne weitere Migration und Erleichterungen, wie der Anerkennung von Ausbildungen im Ausland, nicht gehen werde.

Der Verfassungsgerichtshof (VfGH) hat entschieden, dass die Beschlagnahme von Raserautos grundsätzlich verfassungskonform ist. Eine Ausnahme – etwa für Leasingfahrzeuge – ist aber gleichheitswidrig und wird aufgehoben.

Laut der derzeitigen Regelung ist es nur bei Fahrzeugen, die im Alleineigentum des Lenkers stehen, möglich, diese zu beschlagnahmen, für verfallen zu erklären und zu verwerten. Diese Bestimmung tritt am 1. Oktober 2027 außer Kraft, informierte der VfGH.

Denn diese Regelung widerspricht dem Gleichheitsgrundsatz, berichtete das Höchstgericht heute in einer Aussendung. Anlass für das Verfahren war ein Antrag des Landesverwaltungsgerichts (LVwG) Steiermark, dem der VfGH zum Teil folgte.

Das LVwG Steiermark hatte beantragt, Regelungen der Straßenverkehrsordnung als verfassungswidrig aufzuheben, wonach Fahrzeuge bei gravierender Geschwindigkeitsüberschreitung beschlagnahmt, für verfallen erklärt und verwertet werden können.

Vom Studierendenausweis und der E-Card gibt es nun digitale Versionen. Digitalisierungsstaatssekretär Alexander Pröll (ÖVP) informierte heute bei einer Pressekonferenz über den Studierendenausweis, der ab sofort als weiterer elektronischer Identitätsnachweis in der E-Ausweis-Plattform des Bundes zur Verfügung steht.

Voraussetzung für die Nutzung des Studierendenausweises ist neben der Studierendeneigenschaft eine ID Austria mit Vollfunktion sowie die aktivierte App eAusweise und die App ID Austria auf demselben Gerät.

Nutzung freiwillig

Die Nutzung ist freiwillig, daneben bleibt der haptische Studierendenausweis bestehen. Welche Services damit genutzt werden können, entscheiden die Hochschulen.

Im Moment dient der digitale Studierendenausweis vor allem als Identitätsnachweis. In einem nächsten Schritt könnten zudem etwa der Zugang zur Bibliothek damit verbunden und die Nutzung von Mensa- und Kopierservices möglich werden. Auch die Inanspruchnahme von Studierendenrabatten bei entsprechenden Partnern ist denkbar.

E-Card über Apps der Sozialversicherungen

Über die Apps der Sozialversicherungen ist es seit gestern nun auch möglich, die E-Card auf einem NFC-fähigen Handy zu speichern und zu nutzen. Der Lesevorgang auf dem E-Card-Lesegerät kann damit auch mit dem Smartphone erfolgen. Die Bestätigung der Identität erfolgt via ID Austria.

Speziell an dem neuen Angebot ist, dass es laut Aussendung die erste Gesundheitskarte mit Signaturfunktion weltweit ist, die im Apple Betriebssystem iOS außerhalb des Wallet verfügbar und nutzbar ist. Damit bleiben die Nutzungsdaten von digitalen E-Cards außerhalb der Zugriffsmöglichkeiten von Apple.

Im Untersuchungsausschuss zu den Ermittlungen in der Causa um den verstorbenen Ex-Justizsektionschef Christian Pilnacek ist heute Martin Kreutner dazu befragt worden, ob es in Österreich eine „Zweiklassenjustiz“ gibt. Der Korruptionsexperte hatte die von der ehemaligen Justizministerin Alma Zadic (Grüne) eingesetzte Untersuchungskommission geleitet, die sich mit etwaiger politischer Einflussnahme in der Amtszeit Pilnaceks als Sektionschef befasste.

Die Kommission habe mögliche Einflussnahme untersucht, aber keine Erhebungen zum „primären Geschehen“ gemacht. Sie hatte tatsächlich Beeinflussung festgestellt. Auskunftspersonen hätten über größere Differenzen zwischen Sektionschef Pilnacek und der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) berichtet. Pilnacek habe etwa versucht, die WKStA in der „Ibiza-Affäre“ „nicht drankommen“ zu lassen. Zudem habe es Pläne gegeben, die WKStA zu „zerschlagen“.

Korruptionsexperte Martin Kreutner bei einer Sitzung des Pilnacek-U-Ausschusses im Parlament
APA/Helmut Fohringer

Pilnacek habe die Distanz zu bestimmten Leuten gefehlt, in manchen Causen seien Anscheinsbefangenheiten nicht vermieden worden, so Kreutner. Aus seiner privaten Sicht sei Pilnacek auch selbst „Opfer dieses Systems“ geworden. Er habe eine „Überfülle“ an Kompetenzen gehabt, sei aber auch vor Dilemmata gestellt worden.

Kreutner betonte im Ausschuss die Bedeutung einer unabhängigen Justiz für die liberale Demokratie. Wo die Gewaltenteilung durchbrochen werde und teilweise dem „Don-Corleone-Prinzip“ ähnlich „illegitime und mitunter illegale Abhängigkeiten zwischen Personen und Institutionen“ existieren, sehe man zunehmend die Grundfeste der Demokratie „in großer Gefahr“.

Unterschiedliche Interessen

Die Fraktionen erläuterten ihre Erwartungen an die Auskunftsperson. Michael Schilchegger (FPÖ) von den Freiheitlichen erwartete weitere Erkenntnisse aus der Erörterung des Berichts. Jan Krainer (SPÖ) wollte wissen, wie Akten aus dem Büro des früheren Nationalratspräsidenten Wolfgang Sobotka (ÖVP) auf den Laptop von Pilnacek gelangt seien.

Andreas Hanger (ÖVP) stellte die „Objektivität“ der von Kreutner geleiteten Kommission infrage. Er kritisierte einen problematischen „Umgang mit Beweismitteln“ und die Auswahl der von der Kommission befragten Personen.

Frühere Sobotka-Mitarbeiterin wird befragt

Am Nachmittag wird eine ehemalige Mitarbeiterin Sobotkas befragt, diese ist mittlerweile für Innenminister Gerhard Karner (ÖVP) tätig. Schilchegger bezeichnete sie als „eine Schlüsselfigur“, schließlich habe sie Pilnacek als eine der Letzten lebend gesehen.

Ukraine-Krieg

Bei russischen Angriffen auf die Ukraine sind ukrainischen Angaben zufolge in der Nacht auf heute ein Mensch getötet und mindestens acht Personen verletzt worden.

Das Todesopfer wurde in der südöstlichen Region Saporischschja nach einem Angriff mit Gleitbomben gemeldet. Über weitere Verletzte wurde aus mehreren Regionen im Osten und Süden des Landes berichtet. Eine russische Stellungnahme liegt nicht vor.

Bewohner einer Ortschaft Saporischschja beseitigen nach einem russischen Angriff Trümmer eines zerstörten Gebäudes
Reuters

In der südlichen Region Odessa beschädigten russische Drohnen zudem ein Umspannwerk, wie die Behörden mitteilten.

Wirtschaft

Die Gewerkschaft vida sieht im neuen ÖBB-Fahrgastrekord des Vorjahres zwar ein positives Signal für den Zuspruch für die „Öffis“ und die Mobilitätswende in Österreich. Seitens der Eisenbahngewerkschaft gibt es allerdings den Vorwurf an die Bundesbahnen, auf Verschleiß zu fahren.

Vida-Vorsitzender Gerhard Tauchner fordert nicht zuletzt auf Basis eines kürzlich erschienenen Berichts des Rechnungshofs (RH) zudem mehr strategischen Weitblick vom Management.

Rekorde entstünden nicht von selbst und seien nur möglich, wenn Angebot, Infrastruktur und der tägliche Einsatz der Beschäftigten zusammenpassten, so Tauchner heute via Aussendung. Der starke Angebots- und Nachfragezuwachs seien aber nicht ausreichend durch Fahrzeuge und betriebliche Reserven abgesichert worden, bezog er sich auf ein Ergebnis des RH-Berichts.

ÖBB wollen Kritikpunkte „gezielt adressieren“

Die ÖBB hatten im Zuge des RH-Berichts bereits auf „Belastungsspitzen“ verwiesen und wollen Kritikpunkte „gezielt adressieren“. Im Vorjahr erzielte sie einen Passagierrekord, es gab ein Plus von 1,4 Prozent gegenüber 2024 und damit 559 Millionen Fahrgäste.

Der Nahverkehr auf Schiene stieg um zwei Prozent auf 301 Mio. Gäste, die Zahl der Buspassagiere blieb bei 211,5 Millionen stabil. Der Fernverkehr wuchs um 1,5 Prozent auf 47 Millionen Reisende.

Der künftige Chef der Raiffeisen Bank International (RBI), Michael Höllerer, will den Rückzug des Instituts aus Russland weiter vorantreiben und den Fokus stärker auf Wachstum in Osteuropa legen.

Höllerer, der im Juli die Nachfolge des langjährigen Vorstandschefs Johann Strobl antritt, kündigte zudem auf der Hauptversammlung heute in Wien an, die Kooperation innerhalb der österreichischen Raiffeisen-Bankengruppe ausbauen zu wollen.

Mit Blick auf das umstrittene Russland-Geschäft der Bank betonte Höllerer, der Abbau werde fortgesetzt. Er verfolge das Ziel, „konsequenter in unserer Sphäre, soweit wir das auch beeinflussen können, den Ausstieg aus Russland voranzubringen“, sagte er. Die RBI ist neben der italienischen UniCredit die größte westliche Bank in Russland.

Sie prüft seit Ausbruch des Ukraine-Krieges einen Rückzug aus dem Land, kommt dabei jedoch nicht voran, da ein Verkauf zahlreiche Genehmigungen von Behörden und auch von Russlands Präsidenten Wladimir Putin selbst erfordert.

Potenzial in Mittel- und Osteuropa

Großes Potenzial für die RBI sieht Höllerer in den Kernmärkten in Mittel- und Osteuropa, deren Wirtschaftswachstum deutlich über dem der Euro-Zone liege. Um diesen Kurs fortzusetzen, wolle er stärker auf die lokale Marktkenntnis der Netzwerkbanken setzen.

Mit dem zweiten Zukauf innerhalb kürzester Zeit treibt die RBI ihre Expansion in Osteuropa voran. In der Nacht auf heute kündigte das Institut ein Übernahmeangebot für die in Südosteuropa tätige Addiko Bank an.

Die RBI bietet 23,05 Euro je Aktie in bar, das bewertet die Bank mit rund 20 Prozent über dem von der RBI ermittelten Eigenkapitalwert. Die Aktionärsvertreter zeigten sich gegenüber dem Angebot skeptisch.

Österreichs Exporte sind im Jänner gegenüber dem Vorjahresmonat um 2,2 Prozent gesunken. Die Exporte in Staaten außerhalb der EU gingen mit 4,4 Prozent stärker zurück als die Ausfuhren in andere EU-Länder, die nur um 1,1 Prozent sanken, teilte die Statistik Austria heute mit.

Mit drei Prozent ebenfalls rückläufig waren die Importe. Jene aus der EU sanken mit 4,2 Prozent stärker als jene aus Drittstaaten mit 0,7 Prozent. Das Handelsbilanzdefizit betrug im Jänner 70 Mio. Euro – bei einem Handelsvolumen von rund 30 Mrd. Euro.

Hauptverantwortlich für die negative Handelsbilanz war der Handel mit China (minus 1,10 Mrd. Euro). Vor allem bei Maschinen und Fahrzeugen waren die Importe aus China (plus 3,6 Prozent auf 0,79 Mrd. Euro) mehr als dreimal so hoch wie die Exporte (plus 25,7 Prozent auf 0,23 Mrd. Euro).

Den stärksten Rückgang gab es bei Energieimporten. Verantwortlich waren hierfür hauptsächlich Erdöl und Erdölerzeugnisse, bei denen der Einfuhrwert um 35,4 Prozent sank, während die importierte Menge um 21,7 Prozent zurückging. Bei Gas sank der Einfuhrwert um 44,2 Prozent, wobei die importierte Menge um 28,6 Prozent abnahm.

Die Lufthansa will mit zahlreichen Maßnahmen dem für morgen geplanten Flugbegleiterstreik entgegenwirken. Der Konzern kündigte zusätzliche Flüge seiner deutschen und internationalen Airlines an. Zudem sollen auf einigen Strecken größere Flugzeuge eingesetzt werden. Ein Sonderflugplan ist laut Unternehmen bereits veröffentlicht.

Der Streikaufruf der Gewerkschaft UFO treffe die Gäste im Rückreiseverkehr nach Ostern besonders hart, kritisierte Personalvorstand Michael Niggemann.

Zudem sollten mit Lufthansa und Lufthansa Cityline gleich zwei Flugbetriebe gleichzeitig bestreikt werden. „Diese Eskalation ist verantwortungslos.“ Das Unternehmen müsse gerade mit geopolitischen Herausforderungen wie extremen Kerosinpreisentwicklungen umgehen.

Streiks an vielen deutschen Flughäfen

Zum Streik zwischen 00.01 bis 22.00 Uhr hat die Kabinengewerkschaft UFO aufgerufen. Bestreikt würden sämtliche Abflüge der Lufthansa in Frankfurt und München sowie Starts der Regionaltochter Lufthansa Cityline von den Flughäfen Frankfurt, München, Hamburg, Bremen, Stuttgart, Köln, Düsseldorf, Berlin und Hannover. Auf dem Frankfurter Flugplan sind für morgen bereits erste Lufthansa-Flüge gestrichen.

Dem Streik ist eine Urabstimmung vorausgegangen, die hohe Zustimmung der Beschäftigten zu einem Arbeitskampf ergeben hat. In dem Konflikt rund um die Tarifverhandlungen geht es nach UFO-Angaben um die fehlende Bereitschaft des Unternehmens, bei der Cityline über einen Sozialtarifvertrag zu verhandeln.

Kultur

Die Österreicherin Marie Kreutzer ist mit ihrem neuen Werk „Gentle Monster“ in den Wettbewerb der 79. Filmfestspiele von Cannes aufgenommen. Das gaben die Programmverantwortlichen heute bei der Pressekonferenz des Festivals in Paris bekannt.

Die 1977 in Graz geborene Filmemacherin ist damit erstmals im Cannes-Wettbewerb vertreten: 2022 feierte ihre Sisi-Biografie „Corsage“ in der Schiene „Un Certain Regard“ (dt.: „Ein gewisser Blick“) Weltpremiere.

Filmemacherin Marie Kreutzer
IMAGO/Breuel-Bild

In „Gentle Monster“ erzählt Kreutzer die Geschichte zweier Frauen, die ihr Leben Männern widmen, die dunkle Seiten haben. Dafür drehte die 48-Jährige mit den beiden französischen Filmstars Lea Seydoux und Catherine Deneuve.

In der Kategorie „Un Certain Regard“ wiederum wird die ebenfalls aus der Steiermark stammende Sandra Wollner mit „Everytime“ vertreten sein. Darin setzt sich die Regisseurin mit Trauerverarbeitung auseinander. Dafür konnte sie Schauspielstar Birgit Minichmayr als Hauptdarstellerin für eine Tragödie um eine Mutter, deren Tochter und einen Teenager auf Teneriffa engagieren.

Babler gratuliert

„Das österreichische Cannes-Line-up zeigt, dass die heimische Filmwirtschaft sowohl bei österreichischen Filmen als auch als internationaler Partner dort brilliert, wo sich markante künstlerische Handschriften entfalten können“, gratulierte Kulturminister Andreas Babler (SPÖ).

Starke Konkurrenz im Wettbewerb

Kreutzer sieht sich im Kampf um die Goldene Palme prominenten Namen gegenüber, bis dato wurden in Summe 20 Werke für den Wettbewerb benannt. So sind die beiden Altmeister Asghar Farhadi („Parallel Tales“) und Pedro Almodovar („Bitter Christmas“) hier ebenso vertreten wie die jüngeren Kollegen Cristian Mungiu („Fjord“) und Lukas Dhont („Coward“).

Als Präsident wird heuer ab 12. Mai Regisseur Park Chan Wook jener Jury vorstehen, die über die Vergabe der Goldenen Palme und der weiteren Preise entscheidet.