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10
Jan
2012

Danksagung

Reich beschenkt vom Leben, beschenke ich mich. Man gönnt sich ja sonst nichts und so sitze ich irgendwann in den ersten Tagen des Jahres allein beim neuen, schicken Franzosen, ein Sackerl voll Bücher als Gegenüber, frischer Stoff zum Verschenken und Ecksteine fürs Vorderdeck. Um die Ecke denken, das machen Piratinnen und Piraten so, wenn sie bei Flaute in den Buchten dümpeln. Obwohl das Meer ja weder Balken noch Ecken hat, nur endlose Weiten, ein paar Inseln am Horizont.

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So eignet sich die offene See auch nicht wirklich für Rückblicke, nur für Umsicht, Rundumschau aus dem Krähennest. Und dort ist die Aussicht hervorragend, beim Klabautermann, wenn man keine Höhenangst hat. Am Meer zeigen sich keine Spuren, von den Stürmen, die ich im vergangenen Jahr durchsegelt bin. Das lecke Schiff ist gesunken, liegt tief am Grunde des Meeres. Nur manchmal kann man es als Schatten wahrnehmen, langsam werden es Muscheln überwuchern. Da und dort vermeine ich noch ein Stück Treibholz wahrzunehmen. Aber die Mannschaft hat überlebt.

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Die Sonne glitzert auf den Wellen, die letzten Tage, Wochen und Monate. Und manchmal glitzert es auch in unseren Augen, aber das ist bloß der Wind, der Tiefgang, die salzige Gischt. Und ne Buddel voll Rum. So pflügen wir die See und lachen mit den Möwen um die Wette. Und hin und wieder fangen wir uns einen Albatros. Und lassen ihn dann wieder fliegen. Wir lachen viel auf unserer Reise, wenn wir Seite an Seite in den Tauen aus Staben am Vorderdeck liegen. Und jede Nacht am Vorderdeck zeigt uns den sternenklaren Himmel.

Und Geschenke habe ich bekommen, ein wahrer Schatz liegt in der Truhe unter Deck: ein Ringlein für die toll3steste Zehe der Piratenkönigin, denn dort tragen diese ihre Kronen, von den geschätztesten Kumpaninnen, Madame LaMamme und der bezaubernden B.;

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eine Schleuder, die mich unbesiegbar macht, wenn ich es verstehe Papier zu kauen und zu einer Waffe zu machen. Niemanden verletzen, nur anstupsen wird die Piratenkönigin damit die GegnerInnen, versprochen Frau Meertau.

Und dann Musik, Termingut, der Belegschaftsmix.Und der läuft derzeit im Dauerdurchlauf in der Kombüse, wenn Smutje und ich Gemüse putzen. Jawoll meine Herren, so haben wir es gern. Ach Herr Schneck, vielen Dank, die Lieder waren toll. Ich hab auch noch was gelernt dabei – komm lass uns jetzt zur Koppel gehen und nach den Pferden sehen…

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Neue Menschen begleiten mich, ihr Lachen klingt durch die Wohnung. Auch sie ein Geschenk, jede, jeder Einzelne für sich. Was für ein Sternenhimmel: Feste, schöne, bunte Feste, da ein Konzert in der Roten Bar, daheim ein lachender Jahreswechsel voll Glitter, Federboas, Zitronenschweinchen und Jugend, Fräulein Julies Geburstag mit Robert Mitchum und Cafe Bendl. So schöne Menschen.

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Und dann der erste Freitag im neuen Jahr, die gute alte Dreieinigkeit, der Erstgeborene, Herr DoppelT und ich, die Zaungästin unter Kennern. Ein Stapel neuer alter Schallplatten wollte gehört werden, im Netz gefunden. Ich throne am gelben Sofa, dem besten Platz im Raum, was den Klang angeht. Mir gegenüber der Hochalter, Plattenspieler und Boxen und die Platten, ein kleiner Teil, die hier in der Großstadtwohnung unentbehrlich oder für die 100 Jahre gebraucht werden. „Schwabing zwischen Sex und sechs.“ „Ach“, meint Herr DoppelT: „So ein Foto von dir und drunter steht:…ich genieße es einfach…“ Oh ja, genauso geht es mir in diesen „parareligiösen Momenten“, wie sie der Erstgeborene nennt mit Champagner und Musik.

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Sicher gleite ich in der Takelage nach unten, als wenn ich fliegen könnte. Am Vorderdeck höre ich den 1. Offizier pfeifen.

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Danke, liebes Leben, sage ich leise und dann brülle ich gegen den Wind: „Segel setzen, Kurs auf 2012, ahoi!“
1623 mal erzählt

12
Jan
2012

Psalm 118

Und dann stand zufällig vor dem Regal mit dem Objekt der Begierde. Fast schon ein Zeichen, dachte sie sich. Lüge, antwortete es aus einer anderen Ecke ihres Kopfes. Sie pflegte sich ständig ihr Leben selbst zu erzählen und war dabei ein sehr kritisches Publikum. Das war wohl das Geheimnis ihres Erfolges. Schlecht daran war, dass sie sich selbst dabei ständig unterbrach. Oft hatte sie sich gefragt, ob das normal war, dass es in ihrem Kopf manchmal zuging wie in einer Waldorf-Schule. Mit anderen wolllte sie das nicht bereden, auch wenn sie normal nicht besonders schüchtern war. Sie redete gerne in der Öffentlichkeit, sie war ja das kritische Publikum gewohnt. Aber darüber und über ihren Fetisch wollte sie lieber nicht sprechen. Dabei war beides nicht schlimm, beides faszinierte Tausende von Menschen, beides einte sie und ihren Geliebten. Pathos, wieherte die Stimme.
Fetisch.

Sie blickte sich um, niemand in der Nähe, dann streckte sie die Hand aus. Sie hatte danach gesucht, erst nebenbei, dann immer gieriger. Sicher, sie hätte es locker im Netz bestellen können, doch sie betrat die Geschäfte gerne, in deren Angebot sie hoffte fündig zu werden. Da oder dort griff sie bei anderem zu; Geschenke für ihn, eine Freundin, sich, Suchtstoff, Lustspender. Sie stahl sich die Minuten in den Geschäften auf ihren geschäftlichen Wegen, ging früher von zu Hause los und kehrte spät beladen zurück.

Auch hier war sie fündig geworden, bevor sie es wagte die Verkäuferin anzusprechen, die mit dem Rücken zu ihr über einen Haufen Ware gebeugt war, nur ein bejeanster Hintern. Der falsche Moment, dachte sie, wie ungeschickt und streckte lächelnd ihre gefüllten Hände entgegen, die sie als Kundin auswiesen.Sie wiederholte die innerlich vorgeformte Frage. Die Verkäuferin wies den Weg, wohl etwas unwirsch, aber das konnte sie ihr nicht verdenken. Sie war schon vor diesem Regal gestanden, aber hatte das Gewünschte nicht entdeckt. Objekt der Begierde. Obskur.Eine kleine feine Auswahl stand ganz oben. Sie lächelte, weil sie sich seine Freude über ihren Fund vorstellen konnte. Sie wollte nicht alle nehmen, das hätte ihnen wohl beiden die Freude verdorben. Genuss musste wohl dosiert werden.

Sie hielt sie in ihren Händen, ließ ihre Finger durch gleiten und den Bildern in ihrem Kopf freien Lauf. Seine Augen, ihrer Beider nackte Körper, Küsse, knistern, reiben. Es erregte sie, sie streckte die Zungenspitze zwischen ihren Zähnen hervor, ihr Atem ging schneller und spürte wie ihre Brustknospen an ihrer Bluse streiften. Sie trug keinen BH. Er wollte das nicht. Auch nicht an Tagen, an denen sie sich nicht sahen. Aus Verbundenheit. Und weil sie nie gerne BHs getragen hatte. Sie konnte es sich leisten. Buestenhalter. Doch bevor sie sich antworten konnte, riss sie sich aus dem inneren Dialog und sah sich um. Immer noch alleine in der letzten Ecke des Ladens. Als ob man sich schämen müsste. Auch die Verkäufer in den anderen Läden, meistens Männer, die sie verständnislos ansahen und versuchten ihr Billigware aufzuschwatzen. Ladenhueter. Nicht mit ihr. Billigware würde er nie dulden.

Ob sie die kleine Auswahl mit ihrem Handy photographieren sollte und ihm senden, ihn um Rat fragen, überlegte sie und stellte sich vor, wie er mitten in einer Sitzung auf sein Handy starrte. Nein, das konnte sie nicht machen. Also musste sie entscheiden. Schnell schob sie zwei davon zuunterst in ihren Einkaufskorb und legte nach kurzem Überlegen ein drittes Stück nach. Glücklich marschierte sie mit ihrer Beute zur Kasse. Jetzt hielt sie dem Blick der Kassiererin stand, während sie die Ware bezahlte und einsteckte. Kein Grund sich zu schämen im Gegenteil, interessante Auswahl, kommentierte sie ihren Kauf in ihrem Kopf. Schnaeppchen.

Sie zog den Aufenthalt in der Stadt noch ein wenig in die Länge, ging allein essen. Am Naschmarkt genehmigte sie sich Austern und Champagner. Ich liebe Austern und Champagner tönte die Stimme. Meeresfruechte, Schaumwein. Und die Augen ruhten auf dem Einkaufssackerl gegenüber. Sie hob das Champagnerglas und dachte an ihren Geliebten, an heute Nacht, an ihrer beider Leidenschaft. Und Austern und Champagner.

Einen winzigen Hinweis konnte sie sich nicht verwehren. „Im Psalm verworfen dann zu dem geworden oder erhoert“, tippte sie in ihr Handy. Zu Hause überzog sie das Bett neu und bereitete allerfeinstes Beef Tartar zu – sie wollte ja keine Zeit verlieren – und eine stärkende Bouliilon für hinterher. Zwei, drei Mal zog sie sich um – kein BH – bis ihr ihre Kleidung zweckmäßig erschien. Rund um das Bett bereitete sie alles vor, was zum Anstoßen, was zum Anspitzen, Gummis. Ohne Gummis machte sie es nicht. Sicher, das würde manchen lächerlich vorkommen. Wenn sie darüber reden würde, hämte die Stimme in ihrem Kopf, was sie nicht tat. Aber ohne Gummi machte sie es nicht, Vertrauen hin oder her. Oder fast nie. Er war auch eine Ausnahme. Aber auch bei ihm war ihr mit Gummi lieber. Vorsichtsmasznahme.

Sie trank noch einen Vodka. Kartoffeldestillat. Vodka machte sie immer so klar. Und geil, wie die Stimme meinte. Man könnte auch Wodka schreiben. Immer wieder glitten ihre Hände zur Neuerwerbung. Sie war versucht, sie zu öffnen, aber sie kniff die Knie zusammen und versagte es sich. Sie hörte seine Schlüssel in der Türe, warf sich in Pose, vergaß, dass sie eine Powerfrau war und war nur mehr williges Weibchen.

Oh ja, auf den Blick hatte sie gewartet. Gleich bei Betreten des Raumes hatte er ihre Beute entdeckt. Sein Blick war ihrem gefolgt und das Fragezeichen in deinen Augen löste sich in ein Freudenfeuerwerk in seinem Gesicht auf. Und daraus wurde Begierde. Seine Lippen wurden feucht, seine Hose schwoll. Sie räkelte sich lasziv. Endlich wurde es stiller in ihrem Kopf, all ihre Sinne waren auf ihn konzentriert, als er sich dem Bett langsam näherte. Unwillkürlich war seine Hand in seinen Schritt gewandert, ergriffen, wohl ohne es zu merken, losgelassen im Freiraum ihrer Lust. „Heute Nacht leg ich dich aufs Kreuz“ Er kniete neben ihr und zog ihr langsam die Decke vom Leib. Noch hatte er sie nicht geküsst. Er lächelte, als er das Korsett sah, Karos, sein geliebtes Karomuster, maßgeschneidert und mit vielen kleinen Häkchen zum Lösen. Loesungsansaetze.

Endlich berührten sich ihre Lippen, erst lockend und dann immer heftiger vorstoßend, drang seine Zunge in ihren Mund ein. Zuegellos. Sie pressten sich aneinander verschlangen ihre Beine miteinander. Sie spürte ihr pochendes Geschlecht, ihre Hand suchte nach seinem. Gegenstueck. Überall Hände, Münder, Augen. Wirbelsturm, Windhose.

Er unterbrach. Endlich. Noch war es nicht Zeit sich hinzugeben, sich wegtragen zu lassen . Er lächelte und während seine rechte Hand sie hart niederdrückte griff seine linke unendlich langsam nach dem Fetisch. Sie atmete heftig. „Bleib so liegen“, befahl er und öffnete den Champagner. „Brav.“ Dann griff er zum gespitzten Bleistift. Es pochte zwischen ihren Beinen, sie genoss seine Hand fest auf ihrer Brust, wehrlos. Ausgeliefert. Er prüfte den Stift sorgsam und grinste zufrieden, dann warf er sich zu ihr aufs Bett und öffnete das erste Rätselheft. „Eckstein“, sagte er: „Psalm 118: Ich danke dir, dass du mich erhört hast; du bist für mich zum Retter geworden. Der Stein, den die Bauleute verwarfen, er ist zum Eckstein geworden.“ Und dann löste er das erste „Haekchen “.
Es würde eine lange heiße Nacht werden …

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(bemused)
2401 mal erzählt

18
Jan
2012

47

Wieder eine Primzahl. Symetriemitte. Und so fühlt es sich auch an. Prima. Symetrisch und sehr mittig. Und unterwegs neue Galaxien zu erforschen.

To be continued.

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Allzeit gute Fahrt und eine Handvoll Wasser unter dem Kiel…und Ecken zum Rumdenken....
2634 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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