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2
Jun
2009

Save our Souls

Und plötzlich ist meine Seele in Seenot geraten. Zwischen Flaute und Sturm ist das Wasser gefault und die Vorräte sind zur Neige gegangen. Im Meer der Gefühle kann ich nur mehr im Trüben fischen.

Längst machen Bitterkeit und Angst unter Deck Stimmung gegen mich.
Noch steht die Hoffnung am Krähennest, doch es ist kein Land in Sicht.
Hin und wieder setzt die Sehnsucht die Segel, doch nur um uns zum Spielball der Winde zu machen. Die Liebe hat gebeten an einen Mast gebunden zu werden, damit sie nicht über Bord geht.
Nur selten sind Sterne zu sehen, das macht das Navigieren so schwierig.

Es fällt mir schwer das Ruder herumzureißen und ob ich noch Kapitänin bin, weiß ich nicht.

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577 mal erzählt

12
Jun
2009

Außen und innen

Kleine, äußerliche Wunden lenken vom Schmerz da drinnen ab.
Der Hunger nach Leben macht appetitlos.
Man kann auch beim Fernsehen sehr gut weinen.

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916 mal erzählt

19
Jun
2009

O(h)ral befriedigt

Der Erstgeborene hat ein Projekt, eine selbst gewählte Aufgabe, ein großes Ziel, eine Sonderleistung, wie er es selbst nennt. In ungezählten Stunden, Tagen und Nächten stellt er 100 Jahre Musik und Zeitgeschehen zusammen, beginnend 1877 mit Thomas Alva Edison. Richtschnur und wohl Ursprung des Werks sind Schallplatten seiner Kindheit. Nutznießerin bin ich. Denn diese sorgfältigen, teilweise auf der guten alten Revox zusammengeschnittenen Tondokumente öffnen mir Türen, Räume, ja Welten.

Das kleine Mädchen, das ich einmal war, hörte auf seinem fliegenden Teppich oft Sprechplatten: Simpl, „Hackl vorm Kreuz“, „Gehört sich das?“, Karl Schönherrs „Erde“, „Jazz&Lyrik“ – Benn gelesen von Gert Westphal, Oskar Werner, Qualtinger, natürlich der Travnicek. Schon mit sieben hatte ich mein eigenes Radio, Philips mit Kassettenrekorder. Damit konnte ich nicht nur Hörspiele produzieren sondern bei richtiger Einstellung auch den Funkverkehr des Innsbrucker Flughafens und FS 2 – das zweite Fernsehprogramm hören. Ich weiß noch heute, wie es war, im Halbdunkeln zu liegen und Bilder im Kopf wachsen zu lassen.

Und dann saß ich am Mittwoch in einem anderen Halbdunkel und hörte. Ich hörte die beiden Kaiser Wilhelm und Franz Josef, Alessandro Moreschi, den letzten Kastraten, die Callas und Onkel Satchmo‘s Lullaby, die Beatles, und einen Hundechor, meinen geliebten Bert Brecht und Ingeborg Bachmann, Otto Reuter mit „Bevor du sterbst“ und Else Lasker Schülers blaues Klavier, Mondflüge und Geschichtsdramen, Seemannslieder, Reden, Reportagen, Heinz Erhard und Hazy Osterwalds Kriminaltango. Und zur Abrundung noch ein wenig Rotbäckchen und Frauengold. Über das Ohr drang all das in mich ein und schleuderte mich in wilder Fahrt durch Zeit und Raum.

Fünf CDs sind es mittlerweile, die der Erstgeborene aus alten Aufnahmen komponiert hat. Zusammengehalten von der Stimme Wolf-Dieter Stubels, teilweise in raffinierter Schnitttechnik dem veränderten Inhalt angepasst. Erst vor Kurzem hat der Erstgeborene dem Sprecher sein Werk zukommen lassen. Wie seltsam muss es wohl diesem anmuten, eine späte Hommage aus Österreich zu bekommen, welche Bilder wachsen in ihm, der die Schallplatten vor 30 Jahren besprochen hat?

Zwei Stunden lang war ich ganz Ohr, wortlos, sprachlos, wie fast immer, wenn ich mit der Sonderleistung konfrontiert bin. „Das war alles schon tot und begraben“, sagte der Erstgeborene: „Und jetzt lebt es wieder.“ Und so viel anderes damit, dadurch.

Seitdem geht es mir wieder besser, ich taumle weniger, mein Tritt ist sicherer. Joachim-Ernst Berendt fällt mir ein – auch so ein gemeinsames Idol – und die Welt ist Klang.

Und ich weiß wieder: Der Gleichgewichtssinn sitzt im Ohr.

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1244 mal erzählt

25
Jun
2009

Und immer, immer wieder…

…geht die Sonne auf. Mein Lächeln ist gestern zurück gekehrt mit Liebe und Freude im Gepäck. Und plötzlich konnte ich wieder sehen und Worte und Geschichten keimten in meinem Kopf. Und als ich mein grundloses Glück so in die Welt strahlte, bekam ich überall Antwort: Im strömenden Regen grinste ein kleine Mädchen unter seinem rosaroten Schirm hervor, ein schöner fremder Mann sah eine Aufforderung zum Sekundenflirt darin, die elegante alte Damen umarmte mich mit ihren Blick, die beiden Frauen, die mit der Beute aus dem schwedischen Möbelhaus unter das sichere Dach hasteten, antworteten mit einem Lachen und die große Uhr an der Straßenlaterne gegenüber der Oper drehte sich in verrückter Geschwindigkeit im Kreis.

Der Regen hat den Staub weggewaschen und ich sah wieder, wie viel Mühe sich der Liebste gibt – auch nach all den Jahren, wie wertvoll die Menschen sind, die sich in der Organisation, für die ich arbeite, engagieren, wie viel sie für mich tun, wie schön die Wohnung ist, was für ein Glück es ist, dass die Mutter lebt, wie reich das Leben mich beschenkt.

Heute morgen gelesen: „Jeder kommt aus dem Nichts hervor, Augenblick für Augenblick. Augenblick für Augenblick haben wir wahre Lebensfreude.“

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626 mal erzählt

26
Jun
2009

Augenblick für Augenblick

Das Leben mit offenem Herzen: Ein Anruf voll Lob und Anerkennung, ein Festmahl – selbst gekocht – Meeresfrüchte auf Rucola mit Ribisel Chili Sauce, ein letzter Schluck von Timotheus, im Fernsehen gleich zwei Mal gutes Programm, erst „Tapetenwechsel“, so französisch wie ein Glas Pernod, dann Almodovars „Volver“, ein fast reiner Frauenfilm, die Männer am präsentesten als tote Täter, Mütter, Töchter, Schwestern, Missbrauch, Tod und Irrsinn, und doch ganz Almodovar, immer ein Lachen und Leben und Farben, was für ein Rot. Penelope Cruz. Ihre wunderschönen Brüste.

Der Liebste kommt heim und erzählt vom silbernen Freund. „Wenn er mit einer Frau reden möchte, richtig reden, du wärst die Beste, die Einzige, hat er gemeint, versteh mi net falsch Oida, reden, hat er gesagt.“ Ich bin gerührt, glücklich und stolz.

Der Nachspann läuft. Farben, Muster und Musik -noch einmal nachfühlen, den Film, nachklingen lassen, die Geschichten, das Rot.

Und dann sagt ein Nachrichtenmensch etwas von Michael Jackson und tot und wir zappen uns durch die Kanäle auf der Suche nach mehr Information. Auf Okto bleiben wir hängen. Ein seltsames Video – „Michael Jackson ist noch länger tot,“ sagen wir uns. „First Fatal Kiss“ heißt die Band, die verzerrt über den Bildschirm punkt. „One day I wanted to be a boy“ – ein Lebensthema, schon seit ich Kind bin. Wenn ich ein Junge wär. „One day I wanted to be a girl“ – Frau sein, wie die Frauen in Volver, eine Frau für den Liebsten, für den Silbernen, zum Reden, eine Frau mit all der Frauenkraft.

Später dann doch noch CNN, der Untote (Michael Jackson dies, CNN has not confirmed), der in Wirklichkeit weder Mann noch Frau war, weder schwarz noch weiß, weder gut noch böse, eine kaputte kranke Kinderseele, die andere Kinder kaputt und krank machte. Erinnerungen an ein Wien-Konzert, der Liebste, damals noch im Dienst der Plattenfirma, VIP-Karten und Einblick in den Livestream, acht Kinder sind aus dem Flugzeug gestiegen, gut versteckt, acht Kinder zum Spielen, er will doch nur spielen, von ihren Eltern verkauft an Macht und Ruhm, an die zerstörte Seele.

Und CNN spielt Thriller. Wie passend, denk ich mir beim Einschlafen. War Jackson doch irgendwie ein Zombie – ein seiner Seele beraubter Seelenräuber.

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964 mal erzählt
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Mock Turtle

Sit down, both of you, and don't speak a word till I've finished

Who sits there?

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