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2
Nov
2010

1. November: Allerheiligen

Nachdem alte Gespenster pünktlich zu Halloween über mich hereingebrochen sind, kam am nächsten Tag wie stets die tränenreiche Versöhnung. Früh am Morgen klopfte die Mutter an meine Tür und entschuldigte sich, der Föhn, das Leben, die Krankheit, des Vaters Tod, seine Familie, die vielen Aufgaben, die Einsamkeit, all das wäre Schuld. Und ist es wohl auch.
Und so entschuldigte ich mich auch und wir vergaben uns. Bleibt doch nichts anderes.

Schützend habe ich mein Netbook all diese Tage auf dem Schoß, halte mich fest an dieser anderen Welt, in der ich derzeit am meisten Halt finde. Stets behalte ich das Netz im Auge bei diesem Drahtseilgang der Gefühle. Im Fernsehen laufen die Soaps, die ihren Nachmittag begleiten: „Verbotene Liebe“, „Marienhof“, „Dahoam is dahoam“. Sie drohnt in ihrem Sessel mit Fußschemelchen. Ich sitze auf der Couch, wie stets mit derselben Schottenkarodecke abgedeckt, die schönen neuen Kissen hinten aufgereiht. Die Decke verrutscht immer, die Polster fallen. Sie beobachtet mich. Hin und wieder streckt sie die Hand nach mir aus. Ganz weich ist sie. Sie erzählt wieder und wieder vom Ringen um Anerkennung und Wertschätzung. Und von der Angst, was mit all dem hier passiert, wenn sie nicht mehr ist, dem wofür sie soviel geopfert hat.

Beim Mittagessen sprechen wir dann von der Vaterfamilie, versöhnlicher ist sie jetzt und lobt ihren Schwiegervater, meinen Opa, den ich sehr geliebt habe. In Osek habe er die Großmutter kennen gelernt, erzählt sie, dass er ein Herr gewesen sei und, dass er sie anerkannt habe und geschätzt. Und dann reden wir wieder über Papa.

Allerheiligen wird für mich immer am Friedhof der Kleinstadt stattfinden. Als Kinder standen wir – Cousinen und Cousins – aufgefädelt wie die Orgelpfeifen am großelterlichen Grab. Manchmal fehlte eines von uns Kindern, weil es mit Vater oder Mutter am Grabe der Schwiegerfamilie war, oft waren wir komplett, spätestens, wenn wir uns nachher am Vorplatz trafen. Im Großen und Ganzen mochte ich Allerheiligen, Familienfeste begeisterten mich das Einzelkind soundso und dieses hatte noch den einen oder anderen Extrabonus.

So durfte ich als Zweitälteste später die Kerzen mitanzünden, bei einem Süßwarenstand vor dem Friedhof bekamen wir türkischen Honig und Maroni, manchmal brachte mein Onkel, der geizige Sparkassendirektor, Geschenke vom Weltspartag mit, irgendwann waren die Erwachsenen betrunken und lustig, man konnte geheimnisvolle Geschichten belauschen, Bierdeckelhäuser bauen, bekam Gasthausessen und oft tollten wir Kinder spät nachts mit Taschenlampen durch die Obstgärten.

Der Preis, den man zu zahlen hatte, waren kalte Füße in ungeliebten Schuhen, eine lange mühsame Zeremonie, die man unter keinenUmständen durch Lachkrämpfe unterbrechen durfte, Schimpf, weil es trotzdem oder deswegen passierte, das Bemühen, traurig zu sein, an die Toten zu denken und sich schämen, wenn man stattdessen, den Vögeln nachsah und Grabsteine las, aufs Klo müssen und nicht können, es nicht sagen könen, weil man vorher gehen hätte müssen, genervte Eltern, Tanten, Onkel, der enge gang zwischen feuchten Pelzmänteln eingepresst und schön anziehen müssen. Der Tag, an dem ich zwar ganz in schwarz, aber mit zweifärbigen Strümpfen – blau das linke Bein, grau das rechte, war das letzte Allerheiligen vor Vaters Tod, an das ich mich erinnere. Die Schande. Ich hatte Liebekummer, unendlichen Liebeskummer.

Ich ließ die Mutter bestimmen, was ich tragen solle. Es zählt ja doch bloß für sie. Ich mag die Kleidung, die sie aus dem Mitgebrachten auswählt und ich mag den Stolz, den sie zeigt. Vaters Grab liegt ganz nah, bei dem der Großeltern, dort stehen Mutter Bruder, der mittlerweile epnsionierte Sparkssendirektor und die – jüngere - Schwester, Mutter des Lieblingscousins. Wie immer verschmälern sich die Lippen der beiden Schwestern, sobald sie einander sehen. Sie mustert mich – „Des hat ihr gfallen“, wird die Mutter später zufrieden zur Kenntnis bringen. Am Nebengrab, alte Freunde der Eltern, auch sie unterwegs verloren, die Kinder, mit denen ich einst gespielt habe, die Tochter mit der Wiesen gallopiert bin von Schicksalssalsschlägen gebeutelt. Die Rosen auf Papas Grab, sein Lachen auf dem Bild, der Boden, der sich senkt, der Föhn, die Berge.

Später dann im Gasthaus das übliche Kräftemessen unter den Geschwistern, mit der Schwägerin, die den Bruder vertritt, der nicht gekommen ist. Wie schon als Kind versuche ich auszugleichen und abzulenken und brause dann im falschen Moment auf und bekomme all die Messer ab, die sie gegeneinander gerichtet hatten. Mein Vater fehlt. Ruhig , freundlich humorvoll mit tiefer Stimme hat er bei diesen oft so boshaften Allerheiligen-Gesprächen für sanften Ausgleich gesorgt. Er mochte Allerheiligen.

Ich bin glücklich als mein Flieger abhebt, nach Hause. Und dann schlage ich hier mit voller Wucht wieder am Boden auf.

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3
Nov
2010

2. November: Allerseelen

Am Allerseelenmorgen erwachte ich in meinem eigenen Fegefeuer. Ich habe Geld verloren, viel Geld, geschenktes Geld, für das ich lange arbeiten muss und viele andere noch länger. Schlampig verwahrt, weg, gestohlen oder einfach verloren. Nach panischer Suche, Rückfrage bei der Mutter, die mir ja gesagt hat, hätte, dass ich aufpassen soll und wie und überhaupt. Ich schäme ich, fühle mich klein und hilfllos, ungeschickt und schlampig, wie so oft. Relativ planlos und emotional aufgewühlt, stürzte ich mich in die Arbeit. Ein Anruf erinnerte mich an einen verpassten Termin, auch nicht meine Art, ein hektischer Aufbruch war notwendig, ein unsicherer Start in ein Gespräch. Ich esse nicht, trinke zu viel Kaffee, atme zu wenig aus. Das schlechte Gefühl setzte sich am Nachmittag fort, Gesprächsfetzen der letzten Tage durchbrachen den Arbeitsfluss; wo hatte ich die Ledertasche mit dem Geld hingegeben, wann habe ich sie eingepackt, wo könnte sie sein? Ein weiterer Anruf erinnerte mich an eine weitere vergessene Aufgabe. Und noch mehr Scham und Panik. Nur die Vorfreude auf einen Abend am gelben Sofa hält mich aufrecht.

Der Erstgeboren empfing und zum ersten Mal seit langem, war ich nicht einmal dazugekommen zu kochen, zu backen. Und dann saßen wir da, der Mann der Pfadfinderführerin, Herr Doppel T, der Erstgeborene und ich bei Schilchersturm, alten, oft erzählten Geschichten und lange nicht gehörten Tapes. Endlich wieder Lachen, ein paar Tanzschritte, ein paar große Worte. Und doch immer wieder gegen die Mock Turtle ankämpfen, die so gerne ihr schluchzend, pathetisches Lied anstimmen möchte. Und gegen die Unsicherheit, das Gefühl zu laut zu sprechen, das Falsche zu sagen, unzulänglich zu sein. Und gegen die Angst davor, das Pensum nicht bewältigen zu können, das Falsche zu tun, zu verletzen, ungerecht zu sein. Alle Seelen in meiner Brust schrien durch einander an diesem Tag, nur mit ein wenig Soul liesen sie sich beschwichtigen. Allerseelensoul. Und irgendwann legte der Erstgeborene Konstantin Wecker auf. Das Liederbuch, die frühen Jahre, noch nicht so kristallin durchsetzt wie später. Ich hatte es wohl Jahrzehnte nicht gehört. Er spielte nur ein einziges Lied, trotz meines Betteln.

Dann flossen doch noch Tränen, die Mock Turtle zeigte ihren Kalbskopf, bevor sie sich viel zu spät in die Nacht verabschiedete.

Man ist so einsam, wenn man friert.


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4
Nov
2010

3. November: Weltmännertag

Gestern war Weltmännertag, habe ich eben gelesen - und als solcher feierte der 3. November bereits seinen 10. Geburtstag. Nachträglich alles Gute also, den Männern dieser Welt, auch ihm, für den es kein guter Tag war, gestern.
War es für mich auch nicht.

Mir war nach gar nichts zumute, als ich mich morgens müde aus dem Bett quälte. Keine Zeit zum Sitzen, keine Zeit zum Haarewaschen und schon beim Augenöffnen erschöpft. Kein Mut zu nichts. Hektischer Aufbruch in Richtung Redaktionssitzung und dort alle Mühe, die Contenance zu waren, zuzuhören, präsent zu sein. Nach der Sitzung kamen wieder Tränen hoch, ich floh aufs Klo, in mir plärrte das kleine Mädchen, sang die Mock Turtle absurde Arien, ich kämpfte darum die Fassung zu bewahren, schrieb ein Hilferuf-SMS an den Erstgeborenen, für das ich mich kurz darauf in einem Zweiten entschuldige. Ich fühlte mich deplaziert, überflüssig, hysterisch. Ein kurzes Gespräch mit der Kollegin, deren Mutter gerade wieder ins Krankenhaus musste, ließ mich noch mehr schrumpfen, meine Luxusprobleme. Noch zwei Sitzungen an diesem Tag, die dritte war die wichtigste und allerschwierigste….

Am Weg zurück, vorbei am Narrenturm zieht es mir – wie so oft in diesem Tagen – den Boden unter den Füßen weg, wie gehen auf Baumstämmen im Wasser fühlt es sich an. Und doch muss ich weiter den eingeschlagenen Weg gehen, Schritt für Schritt.
Gate, Gate, Paragate, Parasamgate, Bodhi, Svaha!

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5
Nov
2010

4. November: Muttertag

Immer wieder geht die Sonne auf – vor allem in diesem „falschen Frühling“ in Wien, der mit warmen Temperaturen und strahlendem Sonnenschein verwirrt. Auch hier bläst der Föhn, aber irgendwie ist sein Stürmen besser zu ertragen als in der Kindheitsheimat. Und so gelang es mir am Donnerstag im Großen und Ganzen konsequent und effizient zu arbeiten. Zur Belohnung buk ich Brötchen und kochte mir Pasta mit Bio-Fenchel aus der Gemüsekiste, das half den inneren Frieden zu stabilisieren.

Abends dann endlich wieder Kampf-Kunst. Das hatte ich mein ganzes Leben noch nie gemacht, mich ganz allein zu einem Kurs anzumelden, Sport noch dazu, ohne Andockstelle, beglitend motivierende Freundin oder so, außerhalb meiner sozialen Nische – ich komme mir wie eine Klischee-Mitvierzigerin vor und manchmal fühlt sich mein Leben an wie eine Sitcom. Teilweise muss es auch so ausgesehen haben, wenn ich wieder in körperliche Legasthenie verfallen bin und rechts und links verwechselt habe. Und doch ist es so gut, tut es so gut, wenn der Schweiß fließt.

Energiegeladen ging ich im Anschluss zu Fuß nach Hause. Und dort war ich fast ein wenig frustriert darüber vor dem Fernseher zu landen, auch wenn Dr. House sich diesmal um eine Bloggerin kümmerte. Bis dann der Anruf des Erstgeborenen kam, ob ich nicht Lust hätte mit ihm und seiner Mutter ein Gläschen Wein zu trinken. Ich war gerührt und aufgeregt, zog mich schnell wieder an, schnappte ein Flasche Fabelhaft und machte mich auf den Weg.

Und so saßen wir am gelben Sofa, seine Welten verbindend, durch ihn verbunden und tranken mehr als ein Glas und lachten, die resche Kärntnerin und ich, sagten Gedichte auf, sie Busch, ich Kästner und verschworen uns gegen den Buben, der uns zwischen Freude und Skepsis beobachtete. Und irgendwann legte er die Hundert Jahre auf. Dem Wohnzimmer gab dieser andere Abend eine neue Dimension und ich empfand es als Geste großen Vertrauens und voller Liebe, dass der Freund bereit ist, auch diesen Teil des Lebens mit mir zu teilen. Es geht mir gut.

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6
Nov
2010

6. November: Martiniloben

Wir haben beschlossen, einen Ausflug zu machen, ins Burgenland, Martiniloben, Gansl-Essen, Sonne sitzen. Der Mann hat gefragt, ob ich möchte und ich hab ja gesagt, warum auch nicht. Ein Ausflug, vielleicht der letzte für lange Zeit. Wir sind unsicher und sitzen doch wie immer nebeneinander, nur ein wenig verkrampfter. Ich spiele Musik, die selbe Musik wie auf unseren Reisen, bei so vielen gemeinsamen Autofahrten, Soul, und jede Satz wirkst schmerzhaft wahr: Lonely i just wanted someone to love ain‘t no big thing blues stay away from me. Von Anfang an sind wir diese Strecke gefahren, in Richtung Osten, wo wir uns kennen gelernt haben, 20 Jahre. Sie haben die Autobahn ausgebaut, viel hat sich verändert…

(und man darf sagen sie kannten sich gut)

Die Sonne scheint durch die goldenen Bäume und Windräder drehen sich über der Ebene. Don Quijote fällt mir ein und kämpfen und träumen. Irgendwann haben wir aufgehört zu träumen. Wir singen mit, abwechselnd und gemeinsam. One way love i wanna be free how can I forget I should’ve listened. Dachte er auch die Texte mit?

Da weinte sie schliesslich. Und er stand dabei.

Die Dankbarkeit
war voll, doch wir fanden woanders Platz, aßen gutes Gansl, tranken guten Wein und plauderten. Überall ist Martiniloben, die Weinkeller luden zum Besuch, offene Kellergassen. Wir fuhren weiter; wozu noch Wein kosten, wenn nicht um zu kaufen, wozu noch kaufen?
Später dann saßen wir in der Mole am Wasser, tranken Sprizz und sahen der Sonne beim Untergehen zu. Er fotografierte mich. Alle fotografierten und wir lachten darüber. Noch bevor die Sonne im See versunken war, brachen wir auf. Es war kalt am Wasser.

Vom Fenster aus konnte man Schiffen winken.


Am Nachhauseweg versank die Sonne hinter der OMV, Metropolis und ein Flugzeug startete am rosenroten Himmel durch. Ich liebe diesen Anblick, damals vor zwanzig Jahren und seither immer heißt er heimkommen und mehr. Ich bedankte mich, als wir heimkamen.

Sie sassen allein, und sie sprachen kein Wort
und konnten es einfach nicht fassen.


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5. November: Ruhetag

Der Vortag hing mir noch in Knochen und Kopf und so verschwendete ich den Tag mit angewandter Prokrastination. Gegen Abend ging ich zur Post, spazierte durchs alte AKH, die Studierenden saßen in den Wiesen, die Kinder tollten mit ihren Rollern um die Hütten des Weihnachtsmarkts, der bald eröffnet wird.

Abends aßen wir Steak, auf den Punkt gebraten. „Du siehst anders aus“, sagte der Mann: „Wirkst plötzlich anders, befreit. Hängt es mit der Entscheidung zusammen?“

Ich bejahte. Das tat ihm weh und mir deshalb leid. Doch langsam lerne ich das Gehen auf Baumstämmen im Wasser, im Fluß bleiben, nicht stehenbleiben, nach vorne sehen. Hinsehen, hinhören.


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7
Nov
2010

7. November: Sun(ny Side Up)day

Allein sein üben. Morgens nach dem Erwachen ließ ich mich ins Netz fallen, streifte um die Blogs, suchte Unterhaltung und Gesellschaft auf facebook. Zu faul, feig, freudlos Freundinnen oder Freunde anzurufen. Wahrscheinlich wollte ich auch mit niemandem sprechen, darüber und sonst wohl auch nicht.

Allein sein üben. Begegnungen an der Kaffeemaschine, im Bad. Charlie Parker im Fernsehen und endlich aufstehen. Mich hübsch machen, der schwarze Rollkragenpulli, die Vaterjacke. Mir war nach Schallplattenmusik und so machte ich mich auf den Weg quer durch die Stadt, durch die Bobo-Grätzel, vorbei an Shiatsu- und Psychotherapeutenpraxen, alten und neuen Lokalen, Graffities. Geschäften und Geschichte ins Cafe Drechsler, wo John Megill Sunny Side Up verlängerte, immer wieder Sonntags, ich war zum ersten Mal dort, Zum ersten Mal seit langem nicht dienstlich allein in einem Kaffeehauss, ich hatte Jahre in Kaffeehäusern verbracht in meinem anderen Leben, allein..

Allein sein üben. Einen Ein-Personen-Fensterplatz finden, in Zeitungen blättern und die Menschen beobachten. Rotes Zwickl im Seidl und Kalbsleber, ein Foto fürs Blog. Blickkontakte, kleine Geschichten. Das Kaffeehaus der fabelhaften Amelie in Paris sei eine Touristenfalle, berichtete der junge Mann ums Eck, das Wien jetzt und hier gut sei, war man sich einig. Ich blätterte, trank ein zweites Bier. Es war schon dunkel, als ich nach Hause ging. Schritt für Schritt am Sperl vorbei und quer durchs Museumsquartier. Ich kaufte noch Kastanien und Kuchen für den Mann. Alte Gewohnheiten.

Allein sein üben. Sunny side up.

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8
Nov
2010

8. November: Weltputzfrauentag

Danke, Herr Nömix, für den Hinweis, den ich schon morgens las, immer wieder abschweifend von der Pflichtlektüre. „Tag der Lurchfee“ nannten Sie es. Wie Lurchfeen sahen meine Putzfrauen nur sehr selten aus, manchmal wie Koboldinnen oder älter gewordene Wiener Mädln. Ich habe auch gelernt sie Reinigungspersonal zu nennen, dienstlich.

Privat bin ich froh, dass ich sie dienstlich kennenlernen durfte, diese gewaltigen Frauen, voller Liebe und Kraft, mit den weichen Formen und dem harten Leben, die Hedis, Poldis, Jasnas, Rosas, Hildes, Annis, Bognas oder Katharinas. Keine von ihnen hatte davon geträumt, Putzfrau zu werden, es macht nicht sonderlich Spaß, den Dreck anderer Leute wegzuräumen, ewig gleiche Abläufe in Büros vor oder nach den Bürozeiten, in öffentlichen Gebäuden, unsichtbar, rund um die Uhr, in Wohnungen und Häusern, oft misstrauisch beobachtet, seltsam mit dern Leben der BewohnerInnen verwoben, Zeuginnen intimer Geheimnisse.
Putzen ist ein gutes Geschäft, nationale und multinationale Konzerne verdienen sauber daran, bezahlt wird das Saubermachen nicht gerade gut, ganz zu schweigen vom Rest. Wer ist schon stolz darauf Putzfrau zu sein?

Unsere erste Bedienerin hieß Katharina, für mich Frau H.. Sie war eine hagere kleine Frau mit großem Herzen. Ich hab sie sehr geliebt und bin oft nicht von ihrer Seite gewichen. Sie hatte einen Sohn und eine Tochter, der Mann trank wohl. Einmal war ich in ihrem Häuschen nicht weit von uns. Es waren arme Leute - "arm aber sauber" - deswegen musste sie putzen gehen. Wir waren reich, wir konnten uns eine Bedienerin leisten, auch wenn meine Mutter immer vor- mit- und nachputzte, nie zufrieden. Irgendwann war Frau H. dann weg, lange habe ich geglaubt ich wäre schuld daran, weil ich so viel geredet hätte und ihr lästig geworden war. Später erklärte die Mutter, dass sie getrunken hätte, Frau H., heimlich im Keller, vielleicht hatte ich sie verraten, frage ich mich noch heute. Sie schenkte mir immer etwas zum Namenstag, lange Jahre.

Dann kam Frau K. mit den drei Söhnen; Eine bodenständige, grade Frau mit von schweren Brüsten gebeugtem Rücken. Mit dem jüngsten Sohn haben wir in der Küche ihres Reihenhauses an der Bundesstraße Hostienbruch genascht, ich weiß noch, wie ich mich voll wohliger Schauer rund um den Gekreuzigten geknabbert habe. In den mittleren Sohn war ich verknallt. Er ist später beim Drachenfliegen abgestürzt. Alle was geworden, die Kinder, sagt die Mutter oft, alle haben ein Haus gebaut. Frau K. putzt längst nicht mehr bei ihr. Jetzt ist es Maria aus Bosnien mit dem goldenen Zopf, dem fröhlichen Lachen und den tüchtigen Töchtern, die das Gymnasium besuchen. Hat sie auch, die in meinem Alter ist, aber dann kam der Krieg und jetzt putzt sie noch immer, wenn auch nicht genau genug und leistet der schwierigen Frau wenigstens von Zeit zu Zeit Gesellschaft, hört sich ihre Belehrungen an und bringt ein Lachen ins Haus.

Schon lange habe ich selbst eine Putzfrau. Weil ich es mir leisten kann und will. Eine Freundin, die mir aushilft, nennt man das in den Kreisen, in denen ich dienstlich bin, weil dort Schwarzarbeit verpönt ist. Aber anundfürsich spricht man nicht darüber. Eine Art Freundin ist sie mittlerweile, das wunderbare Wesen, das Ordnung in mein Leben bringt, mit dem ich mehr als einmal in der Küche geweint habe, das so viel weiß und versteht, auch und gerade mein Chaos. Und Schwarzarbeit ist es auch nicht mehr. Sie ist eine schöne Frau mit viel Seele und Verstand.

Und die anderen, die ich in den Seminaren kennen gelernt habe, Diplomingenieurinnen in alten Heimaten, ehemalige Kellnerinnen oder auch nur Ehefrauen, Volksschauspielerinnen und Squaretänzerinnen, Mütter, Großmütter, Geliebte, Geschiedene, Frauen, voller Geschichten, geheimnissen, Fähigkeiten. Lurchfeen voll Weisheit und S(Z)auberkraft.

Und sonst brachte dieser Montag die Geschäfte wieder ins Laufen, neue Aufgaben erreichten mich, arbeiten für die "gute Seite" und erscheinen schaffbar, meinem Ego wird auch Bühne geboten, ich spüre wie die Kraft zurück kehrt. Ich strecke den Rücken durch. Allein sein üben, sauber.

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780 mal erzählt

10
Nov
2010

9. November: Tag der Erfinder(Innen)

Erfunden habe ich gestern nichts Nicht einmal gefunden, eher verloren, wieder ein bisschen mehr.
Ich bin wie so oft kurz vor dem Weckerläuten erwacht, frierend, allein. An meine Träume erinnerte ich mich – wie meist – nicht. Computer hochfahren. Sitzen. Mittags kochte ich. Lachsfilet auf Fenchel-Karotten-Orangen gedünstet, dazu Safranreis. Das hatte ich schon gestern kochen wollen, für den Mann und mich. Für mich alleine kochen. Es ist nie ein Abschied, es sind immer viele.

Abends dann wieder Kampf-Kunst. Immer nach vorne gehen, immer auf den anderen zu, Turnhallengeruch und ein wenig balgen. Ich bin es nicht gewohnt, die Faust zu ballen, anzugreifen. Anschließend ging Ich wieder zu Fuß nach Hause, ohne Musik, ohne Telefonate. Im Vorraum eine Begegnung, traurige Blicke, ungeschickte Gespräche.

Es gäbe genug Gedenktage an einem 9. November, ich hab mich in der Überschrift für den Tag der Erfinder entschieden und ein Innen angefügt, weil dieser Tag auf den Geburtstag von Hedy Lamarr gelegt worden war und die schließlich – unübersehbar – eine Frau war. Vor Jahren habe ich über sie gelesen und geschrieben und die Geschichte der Wiener Bürgerstochter, die 1933 mit Nacktszenen für Aufregung sorgte und schließlich mit dem Komponisten George Antheil den Frequenzwechsel erfand, ohne den Mobiltelephonie nicht möglich wäre. Gestern wäre sie 96 geworden.


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674 mal erzählt

11
Nov
2010

10. November 2010: Tag(ung)

So ist es nämlich: gestern schrieb ich noch, dass ich mich kaum an meine Träume erinnern kann, heute dämmerten mir in den frühen Morgenstunden Traumbilder vom geliebten Vater, verzweifelt über meine Trennung vom Mann. Er mochte ihn sehr. Die undeutlichen Bilder, die unklare, kurze Traumfrequenz verstörten mich während das wunderbare Wesen – die Lurchfee - die Wohnung auf Vordermann brachte. Ein Besuch der feschen Tant‘ des Mannes im Wohnbüro tat sein Übriges. Ich freute mich, sie zu sehen, wir lachten sprachen und doch soviel Unausgesprochenes im Raum.

Am Nachmittag durfte ich dann eine Veranstaltung für meinen langjährigen Arbeitgeber moderieren, einen Kongress. Den letzten vor vier Jahren hatte ich mit vorbereitet und begleitet, dass ich heute auf der Bühne stand und so begleitete, war mir tatsächlich Ehre und werte ich als Zeichen von Wertschätzung. Noch mehr Wertschätzung und Glück waren mir aber die Begegnungen in den Gängen und Buffets, die herzlichen Umarmungen und freundlichen Gespräche mit den Putzfrauen und Altenpflegerinnen und Schädlingsbekämpfern und SeminarteilgeberInnen und dem sonnigen Chauffeur und „meinem Vorsitzenden“ Manche ließen den Mann grüßen.

Ich moderiere gerne, stehe gerne auf der Bühne, mag den Blick ins Publikum. Ich bin ein Zirkuspferd, funktioniere gut in der Manege; das direkte Gespräch macht mir mehr Angst. Und irgendwie mag ich auch die rituellen Versammlungen der Organisation, für die ich arbeite, das Summen, das in der Luft liegt, die Wiedersehensfreude, das Gemauschel, die Scherzchen, das Geplänkel, den Stress im Pressebüro, Gulaschsuppe, Frankfurter und zum Schluss ein Seidl, auf das mich der oberösterreichische Kollege eingeladen hat -. um der alten Zeiten Willen.

Es war ein guter Tag, ich bin zufrieden. Nur Abends schleicht die Trauer durch die Räume. Abends und Nachts ist es am Schwersten, das Gehen auf Baumstämmen im Fluss.

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621 mal erzählt

12
Nov
2010

11.November: Faschingsbeginn

Der Fasching hat offiziell begonnen und so setzte ich mir meine Maske auf und taumelte von einer Veranstaltung zur nächsten. Zu mittags noch gemeinsames Kochen und Essen. Kleine Abschiede. Abends dann moderierte ich eine Diskussion mit einem Sozialpolitiker, Arbeitsrechtsexperten, eben 70 geworden. Ich hatte vor Wochen ein Interview mit ihm geführt und fühle mich sehr wohl in seiner Gegenwart, er erinnert mich an meinen Vater, der auch Jurist geworden war, „um für die Gerechtigkeit einzutreten“. Wie er wiegt er seine Worte sorgfältig und versteht es den Hintergrund juristischer Texte in eine sehr klare Sprache zu übertragen, wie er diffamiert er nicht – und wenn dann mit Humor und feiner Klinge - und versteht es den Blickwinkel des Gegners einzunehmen.

Die Veranstaltung war gut besucht, unter den Gästen auch viele TeilngeberInnen eines Kurses, den ich heute gehalten habe. Ich bewundere die Menschen, die sich nach einem langen Arbeitstag, die Zeit nehmen politische Diskussionen zu besuchen und dort auch noch mitzudiskutieren; ich selbst habe früher nicht dazu gehört. Ich moderiere lieber, ziehe mich in die Beobachterposition zurück. . Erst vom Podium aus habe ich gelernt, diese Art von Veranstaltung zu schätzen: Ein bisschen wie Bloggen im richtigen Leben, da beziehen Menschen Position und andere kommentieren. Ich bitte sie immer zumindest ihren Namen dazu zu sagen, so wie ich es hier in Turtlehausen auch gerne habe.

Ich genoß den Abend, wurde gelobt, trank ein Bier, naschte zwei Brötchen, redete und flirtete. Vor dem Einschlafen sah ich noch Elementarteilchen. Als ich einschlief war ich voll Sehnsucht nach Liebe und sehr einsam. Ich vermisste das Geräusch seines Atems.

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593 mal erzählt

13
Nov
2010

12. November: Regenwetterstöckchentag

Schon eine Weile streiche ich um dieses Stöckchen herum, jetzt hab ich's bei Frau Walküre aufgelesen:

1. Deine Meinung zu Achterbahnen?
Mag ich nur bei Jonathan.

2. Vier Seiten, die ich täglich besuche:
Euch
Ich geb’s zu
Die Tuben
…Zeitung lesen…

3. Für welches Ding hast Du das letzte Mal zuviel Geld ausgegeben?
Schlamperei (meistens geb ich dafür zu viel Geld aus)

4. Hattest Du ein Tamagotchi?
Natürlich (ich bin sehr empfänglich für so einen Sch… und tarne das unter dem Mäntelchen journalistischer Recherche)

5. Kaffee oder Tee?
Viel zu oft, mit schlechtem Gewissen (der Umwelt und mir gegenüber)

6. Warum lügst Du?
Ich tue mich schwer mit Lügen – am ehesten lüge ich, um jemandem zu Schmeicheln oder diesen Menschen nicht zu verletzen…

7. Heimlich verliebt?
Nein, nicht wirklich .

8. Das letzte Weihnachtslied Deines Lebens?
Weiß ich jetzt noch nicht…

9. Wirst Du jemals berühmt sein? Wofür?
Nicht als Rockstar….

10. Dein Sternzeichen?
Steinbock, Aszendet Zwilling, Drache, Gans
Ulme

11. Und wirst Du?
Ich werde…

12. Deine Glückszahl?


13. Was sind die seltsamsten Namen, die Du je gehört hast?
Muss ich mir ausborgen…

14. Worauf schaust Du beim anderen Geschlecht zuerst?
Auf die Augen…

15. Welche Farbe hättest Du, wenn Du eine Kreide wärst?
Weiß, wohl…

16. Hast Du einen Pager (Quix, Scall, etc.)?
Das ist was für andere….

17. Hast Du eine Lava-Lampe?
Klar doch – siehe Frage 4

18. Nenne ein Wort mit W:
Wollust

19. Vier TV Shows die Du liebst:
Lieben ist bei weitem übertrieben – Shows, die ich mag/mochte:
Die erste Liebe: Peter der Große
Der Klassiker meiner Kindheit „Wünsch dir was" mit Vivi Bach & Dietmar Schönherr
Hermes, den Göttlichen..
Seine Hoheit

20. Wenn Du jemanden treffen könntest, wer wäre das?
BB

21. Warst Du jemals Opfer eines Verbrechens?
Kommt drauf an, was man darunter versteht .

22. Wörter oder Phrasen, die Du oft benutzt:
Sorry

23. Was ist Dein Lieblingssport?
Stadtspaziergänge und seit neuestem…

24. Wie denkst Du über Fernbeziehungen?
Kenne ich nur vom HörenSagen, ist sicher nicht einfach

25. Was ist Dein Lieblingsradiosender?
Gehört gehört
Your’re at home, baby
Lass die Sonne rein..

26. Dein Lieblingsfilm?
Les Enfants du paradis

27. Bist Du jemals verhaftet worden?
Nein, von der Polizei nicht.

28. Deine Haarfarbe?
Wechselnd

29. Einen Spitznamen von Dir, den heute niemand mehr verwendet/kennt:
Sag ich nicht

30. Rote oder grüne Äpfel?
Keine – allergisch, aber anderes Obst..

31. Gewitter oder Sturm - spannend oder schrecklich?
Elementar schön

32. Schlimmste Idiosynkrasie?
Hab ich kaum…

33. Welche Kinderbücher magst Du noch?
Mir fällt keines ein, dass ich nicht mehr mögen würde – ganz besonders liebe ich natürlich das.

34. Größere oder kleinere Männer/Frauen?
Egal, ich lass mir von den kleinen oft mehr sagen, vielleicht, weil selbst eher groß bin

35. Gesetz oder Anarchie?
Der kategorische Imperativ?

36. Was ist romantischer: Baden oder Duschen?
Baden

37. Restaurant mit Kerzenlicht oder Picknick im Mondlicht?
…drink sangria in the park…

38. Umarmen oder küssen?
Kommt drauf an wer…

39. Glaubst Du an den Himmel?
Das weiß der Himmel…

40. Ein Song... den Du mit Deiner (ersten) großen Liebe assoziierst.
Don’t ask me …

41. Ein Song... den Du in Deinem Leben vermutlich am häufigsten gehört hast.
Liebeslieder aller Orten, warum muss es denn immer einersein?

42. Ein Song... der momentan Dein Lieblingssong ist.
Ein Tritt in die Haxen.. .

43. Welches Buch hast Du als letztes gekauft?
Empfohlen von Herrn Dick!

44. Die letzte CD, die Du gekauft hast?
war eine Schallplatte

45. Wieviele gigantische Bytes an Musik sind auf Deinem Computer gespeichert?
Viele, das entzieht sich meiner Verantwortung.

46. Lesen Deine Freunde Dein Weblog?
Viele, die meinen Blog lesen, sind Freunde (geworden)…

47. Was ist direkt neben Dir?
Handy, Glas Rotwein, Chaos (um mich)

48. Letzter Film, den Du gesehen hast?
Elementarteilchen

49. Rauchst Du regelmäßig?
Keine Zigaretten.

50. Was ist Dein Lieblingszitat?
Derzeit: Die Zeit heilt alle Wunder

51. Telefonierst Du gerne?
Nicht wirklich.

52. Glaubst Du an Träume?
Wo wären wir ohne Träume?

53. Von welchem Album warst Du enttäuscht?
Von dem nicht…

54. Welches Deo benutzt Du?
Ein nivea(u)volles

55. Hast Du Tattoos?
Ja.

56. Das letzte Mal, daß Du Drogen genommen hast?
Things happen…

57. Schreibst Du in Schreib- oder in Druckschrift?
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58. Welcher gegenwärtige Trend nervt Dich am meisten?
Der Trend macht mir Angst…

59. Hast Du jemals "Ich liebe Dich" gesagt und es auch gemeint?
Ich habe es immer so gemeint und meine es noch immer so.

60. Was war der letzte Film, den Du im Kino gesehen hast?
Tag und Nacht

61. Die seltsamste Idee, die Du je hattest?
Da gab es einige, ich bin – glaub ich gerne – ein bisschen seltsam.

62. Schon mal Ballettstunden genommen?
Als Kind konnte man mir damit drohen

63. Wie gehts?
Durchwachsen aber im Großen und Ganzen..

64. Schon mal Vanilla/Cherry Coke getrunken?
Nein, ich mag das Gsüff nicht.

65. Wann hast Du das letzte Mal jemanden etwas geschenkt und was war das?
Den Cousinnichten zu Allerheiligen Goodies aus meiner Handtasche.

66. Hoher oder niedriger Blutdruck?
Weiß ich nicht…

67. Deine Lieblings-Filmszene?
Einige z.B. die… oder die und die

68. Dein Lieblings-Musikvideo?
Z.B...

69. Was ist Dein Lieblingswort?
Nur ein Wort?

70. Sind Deine Haare kurz oder lang?
Mittel, eher wuschelig…

71. Bist Du ein Morgen- oder ein Nachtmensch?
Ich bin ein Morgenmensch.

72. Trägst Du gerade jetzt Nagellack?
Nein, der hält sich bei mir nie lang.. .

73. Hast Du Narben?
Genug.

74. Hast Du schon mal eine berühmte Person getroffen?
Sogar schon mit einer am Tisch getanzt…

75. Deine Lieblingseiscremesorte?
Gelato a limon.

76. Die letzten 4 Ziffern Deiner Telefonnummer?
2168?

77. Warst Du schon mal verliebt?
Mehr als einmal.

78. Brot oder Brötchen?
Bernd

79. Worüber kannst Du so richtig lachen?
Darüber oder darüber oder darüber.

80. Ißt Du Rosenkohl?
Ja, ich nenn sie Kohlsprossen ..

81. Bist Du typisch für Dein Sternzeichen?
Finde ich nicht...

82. Hast Du "Titanic" gesehen?
Klar

83. Wie lang ist Deine Zunge?
Nicht so lang

84. Die gefährlichste Unternehmung?
Einfach barfuß schlafen gehen

85. Letztes Getränk?
Rotwein.

86. Zugenommen oder abgenommen?
Abgenommen.

87. Wie stehst Du zu der Frage nach außerirdischem Leben?
Ich hab immer ein Handtuch dabei…

88. Wie würdest Du lieber heißen?
What’s in a name?

89. Eine Sache, die Du heute tust, von der Du mit 16 nie gedacht hättest, dass Du sie jemals tun würdest.
.

90. Spät aufstehen oder spät wach werden?
Spät aufstehen am Wochenende.

91. Finde den 23. Beitrag, den Du hier geschrieben hast. Schreibe den 5. Satz auf...
Ja?“

92. Wenn Du Dich an den Kiosk in dem von Dir üblicherweise besuchten Freibad zurückerinnerst, was fällt Dir als Erstes ein?
Pommes Frites und Schöller-Eis.

93. Deine erste eigene Schallplatte?
Grease (tja, waren die Zeiten)

94. 23 oder 42?
42 siehe Frage 87.

95. Die letzte DVD, die Du gekauft hast?
Mad Man

96. Was ist für Dich die am meisten überschätzte Band / Interpret?
Die Katze, als Interpretin. .

97. Was ist alles unter Deinem Bett?
Verloren Geglaubtes, Gheimnisse

98. Die letzten 10 Betreff-Zeilen Deines E-Mail-Accounts?
Privatsphäre.

99. Was würdest Du an der Natur ändern?
Die Natur ist perfekt.

100. Wie war Dein Wochenende?
Durchwachsen, weiter unten nachzulesen.

Uff, das muss als Journal für heute reichen!

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1916 mal erzählt

14
Nov
2010

14. November: Betttag

Nichts getan, gar nichts, ich hab den Tag verschenkt, verloren, verschlampt, hab mich kaum aus dem Bett weg bewegt, die Zeitung vor der Türe geholt, ein Minimum an Körperpflege, ausgiebiges Lüften, ein paar Kaffee in der Küche geholt, geröstete Knödel gekocht, damit irgendetwas passiert.

Ich bin es gewohnt allein zu sein, das war ich schon als Kind, nur nicht allein zu leben. Zwanzig Jahre habe ich wir gedacht und unser, hab das Leben für uns gestaltet, wir haben Feste gegeben und Essen, zusammen gearbeitet und gefeiert. Wann wir aufgehört haben wir zu sein und nur mehr wir gedacht haben, weiß ich nicht mehr. Das Schlimme ist, jetzt, wo ich anfange ich zu denken und mein, bin ich weniger einsam. Ich habe es immer als Wunder betrachtet, dass ich es schaffe, eine Partnerschaft zu leben, das hätte ich mir nie zugetraut, uns. Aber auch Wunder enden; ohne Knalleffekt, ohne Drama, verenden langsam. Und niemand hat Schuld.

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1244 mal erzählt

13. November: Theaterabend

Den Samstag habe ich Großteils im Bett verbracht, zurück gezogen im letzten Eck der großen Wohnung, in der ich nun alleine bin. Der Mann ist weg. Noch nicht ausgezogen, beruflich unterwegs wie schon oft. Es ist nicht viel anders und doch alles.

Von dieser Wochenendeinsamkeit hatten Freundinnen erzählt; und ich kenne sie ja und doch fühlt sie sich anders an. Ich machte mir das Hirschgulasch vom Vorabend warm, wir hatten gemeinsam gekocht und gegessen. Der Fernseher lief, mein Netbook war in Griffweite, zumindest virtuellen Kontakt zu Menschen, Freunden; lesen, kommentieren, stupsen. Dann wieder Zeitungen gelesen und schließlich „Marilyn Monroe – The final days“ angesehen, ein Care-Paket des Erstgeborenen, aufmerksam ausgewählt. Seit 30 Jahren bin ich von dieser Frau fasziniert, ist sie ein Idol für mich und obwohl mir so vieles wohl bekannt ist, berühren mich ihre Geschichte und ihre Schönheit in dieser Doku und dem nie vollendeten Film.

Abends war ich dann im Theater verabredet, mit einer wieder gefundenen Freundin, mit der ich so viel geteilt hatte und die mir unterwegs verloren ging. Wir hatten zusammen Briefromane aus Holzwurmperspektive geschrieben und Stoffkatzen erhängt. Suicide is funny, isn’t it. Wir betranken uns mit Martini. Sie war mein Alibi beim ersten Mal, wir hatten manches gemeinsam. Sie hat einen trockenen Humor und ein ebensolches Lachen. Es war schön, dieses Lachen gestern neben mir zu hören.

Sie hat mich wieder ins Theater gebracht, nach so vielen Jahren, in denen ich die große Liebe meiner Jugend einfach beiseite gestellt hatte. Vor ein paar Wochen hatte sie mich über Facebook zu einem Spontantheaterbesuch verführt. Es war ein schöner Abend voll guter Gespräche. Diesmal revanchierte ich mich mit „Sezuan.Gut.Mensch“.

Ich war zu Fuß zum Theater gegangen und früh dort. Da saß ich nun und wartete auf Theater ganz allein im leeren Cafe. Die Jugendstilikone hinter der Bar drehte mir den Rücken zu, an der Decke Äpfel, saftig rot. Auch das hätte mein Leben sein können: Warten aufs Publikum. Der gute Mensch von Sezchuan. Auch das hätte mein Leben sein können, war mein Leben manchmal. Im leeren Cafe Gspritzten trinken und schreiben. Das war schon einmal. Auch das kann mein Leben sein.

Die Inszenierung ist gut und letztendlich auch gut besucht. Wirbelnde Interpretation zum Brecht-Text, ganz der Verfremdung gerecht werdend, die Bühne ein Ring und immer neu stapelbare Kisten in der Mitte des Raumes, das Publikum sitzt rund herum, Kellertheater im ersten Stock, wunderbare Spielfreude des Bernhard Ensembles. Grischka Voss in der Titelrolle, Tochter eines berühmten Vaters ist auch Erbin seines Talents. In einer Polternacht hatte ich sie kennen gelernt, eine sympathische, faszinierende Frau.

Bei einem kleinen Italiener erzählte ich der Freundin aus meinem Leben. Am Nachhauseweg trank ich noch ein Glas im ehemaligen Wohnzimmer; alles vertraut und blieb mir fremd. Allein sein üben.

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918 mal erzählt

16
Nov
2010

15. November: Gesellschaftstag

Aus unruhigem Schlaf erwacht, machte ich mich relativ schnell auf den Weg ins andere Büro. Ich wollte nicht einen weiteren Tag allein am mächtigen Schreibtisch vor dem Computer verbringen. Ich mag es dort im Großraumbüro. Auch wenn die Stimmung etwas gedrückt war. Die Mutter der Kollegin ist gestorben, vor ein paar Tagen. Sie selbst hatte gestern Geburtstag. Ich stand in der Türe und murmelte Worte des Bedauerns. Wie es ihr ginge, fragte ich. „Ich weiß es nicht sagte sie, es ist so viel zu tun, keine Ahnung und es ist gut so.“ “Ist es“, bestätige ich und denke. Wie in einem Nebel sind die Tage und Wochen um meines Vaters Tod versunken.

Abends dann hat mich der philharmonische Freund in die Burg eingeladen; Gerhard Polt und die Biermösel Blosn, ob ich die kenne, wollte er wissen. Und ich erzählte ihm von dem Interview, das ich vor mehr als 20 Jahren im hintersten Zillertal mit ihnen geführt hatte, junge Radioreporterin und dass man die Hälfte nicht senden konnte, weil mein Kichern störte. Ich ging zu Fuß ins Vestibül, wo wir uns verabredet hatten. Mit Soul im Kopfhörer schirmte ich mich gegen den Christkindelmarkt und das Weihnachtsgedudel ab. Am Eingang traf kurz nach mir eine blonde Frau ein, ich hielt die Türe für sie offen, unsere Blicke begegneten sich. Kalte, böse Augen, ich erkannte die Innenministerin.

Ganz wunderbare Karten hatte der philharmonische Freund von der Konzertmeisterin bekommen, wir saßen in der linken Festloge. Vor vielen, vielen Jahren bin ich mit meinen Eltern in dieser Loge gesessen. Gespielt wurde damals der Diamant des Geisterkönigs mit Attila Hörbiger und Paula Wessely, Burgtheater, alte Schule. In der Pause durften mein Vater und ich zu Hörbiger und Wessely in die Garderobe. Das Schauspielerehepaar, war mit meinem Großvater befreundet gewesen, hatte die jüdische Großmutter irgendwie unterstützt, zwei Mal konnte sie das Lager Reichenau wieder verlassen und sich dafür eingesetzt, dass mein Vater und sein Bruder zur HJ konnten. Ich habe die Briefe des Großvaters, der damals Gauverbot hatte und wollte, dass seine Buben eine Chance in dieser Welt haben. „Ernstl“ hat Attila Hörbiger meinen Vater genannt, damsl in der Burgtheater Garderobe und ihn mit seinem Vater verwechselt, sanft hat die Wessely in stetig korrigiert, sich mit Blicken bei uns entschuldigt. Draußen auf der Bühne beherrschte er den Text.

Das fiel mir ein in der Loge, in der nach uns auch Heide Schmidt Platz nahm. Ich genoss den Rahmen, die Sessel, den Samt, das Burgtheater, wo ich so viele Stücke geshen hatte, vom Stehplatz, mit Restplatzkarten, fiebernd begeistert. Und dann lachen, beeindruckendes musikalisches Können, bösartiger Humor, gewürzt mit ausreichenden Anspielungen auch auf die hiesige poltische Szene. Auch der Phaeton kam vor, viel Gelächter, die Schmidt schmunzelte.

Später waren wir dann noch im Vestibül auf ein spätes Abendessen, nicht das Hummerkrautfleisch um gewaltige 42 Euro, nein, ein feines Kalbsbeuschl und guten Wein. Da sahen wir auch die Innenministerin wieder, sie saß einer Nische mit dem Finanzminister. Fast hätte sie ihren weißen Schal vergessen.
Aber abgesehen davon war es ein schöner Abend.

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942 mal erzählt

18
Nov
2010

17. November: Good Hair Day

Nein, ich habe nichts verändert. „Jetzt wird wohl als nächstes die Frisur geändert“, hatte die Mediatorin beim letzten Treffen gemutmaßt und vielleicht habe ich mir auch deswegen überlegt, ihre Prophezeiung zu erfüllen. Das macht frau ja so bei großen Veränderungen im Leben, wie es Trennungen nun mal ohne jeden Zweifel sind. Aber ich habe noch nicht viele Trennungen hinter mir. Im Grunde ist es erst die zweite Langzeitbeziehung meines Lebens, die in diesen Tagen zu Ende geht – die erste endete vor 23 Jahren.

Schneiden und Farbe habe ich machen lassen, wie immer, nur ein wenig Façon. Vielleicht sollte ich langsam grau werden, überlegte ich laut, aber vielleicht nicht gerade jetzt, beantwortete ich den enstsetzten Blick meines Friseurs. Kurz schneiden will ich mir die Haare jetzt nicht, zu sehr holt mich derzeit mein „Frausein“ ein, ich mag die wilden Locken, die meinem unruhigen Innenleben und meiner Energie so sehr entsprechen, Ich mag, dass sich mein Haar seinen eigenen Weg sucht mal unbändig, mal in sanften Wellen, dass es sich - selbst wenn im Nacken gezähmt - stets im Lauf des Tages ent-wickelt.

Als die Mock Turtle ein kleines Mädchen war, hatte sie „wunderbare Naturmechen“, wie die Mutter gerne stolz berichtet: „Die Leute haben glaubt, ich lass dir die Haare färben.“ Die Mutter liebte meine Haare und flocht sie gerne in einen hohen Zopf oder steckte sie zu einem „Gogl“ fest und schmerzhaft, denn das Ungeordnete meiner Locken war ihr zuwider. So war es ein Akt der Rebellion, als mich rot färbte, obwohl sie ihr Leben lang den gleichen roten Kurzhaarschnitt trägt. Mit 33 wurde ich dann wasserstoffblond, dem Mann zuliebe und wegen der Monroe und ihrem letzten Lebensalter. Später folgte eine dunkle Strähne im blonden Haar, dann die Umkehrung, eine blonde im dunklen. Die wurde schließlich knallrot, „Vampire red“. Viele rot gefärbte Kopfkissen und Handtücher später und als dieser Frisurenstil sich auch noch rasant ausbreitete, kam ich zum schlichten Dunkel; keine Ahnung wie die Farbe heißt, ausgesucht hat sie mein Friseur, sie wirkt natürlich.

Also wie gehabt, äußerlich keine Veränderung. Ist auch nicht notwendig. Dass ich mich auchs o verändert habe, bestätigte mir auch die rohseidene Freundin, die ich vor einigen Jahren bei ihrer Scheidung begleitet hatte, damals war unsere Freundschaft entstanden. Wir kochten und aßen gestern Abend zusammen, Sepia, Mango-Avocado Salat und Kartfoffeln. Ich hätte abgenommen und auch mein Gesichtsausdruck sei anders, gelöster. Fast dasselbe hat der Mann auch schon gesagt. Dass das alles nun so endet, macht sie auch sehr traurig. Fast habe ich den Eindruck als würde für viele ein Stück Hoffnung sterben, waren wir doch eine der längst andauernden Beziehungen im Freundeskreis. Und während meine Liebesgeschichte endet, gibt ihre Anlass zur Hoffnung. Wir tranken Sekt.

Zu Hause schlief ich im Reich der Sinne sanft ein…


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883 mal erzählt

16. November: Werktag

Und wieder ein externer Arbeitstag im anderen Büro, unter Menschen. Viel habe ich weiter gebracht und mich geborgen gefühlt. Später habe ich dann wieder mit der Archivarin den Heimweg geteilt. Gemeinsam haben wir neue Büros besichtigt, dort wo wir früher – erst ich – dann sie unseren Arbeitsplatz hatten.

Als ich dort ein und aus ging, hießen die Räume Medienzentrum, wohl weil sie jede Menge alten – teils historischen - Filmmaterials und ebensolcher Technologie beherbergten. Propagandafilmchen habe ich dort zusammengestellt, gemeinsam mit dem Leiter, einem ewig unglücklichen aber doch sehr liebenswerten Herrn. Wiewohl knapp vor der Pensionierung bemühte er sich bei und mit Computern und Technologie auf aktuellem Stand zu bleiben. Die Organsisation dankte es ihm nicht wirklich, statt seiner wurden immer öfter teure, „professionelle, Filmteams“ bestellt. Für ihn und die Seinen blieb die Arbeit, die niemand so recht wollte plus das stetige Aufzeichnen von Fernseh- und Radiosendungen, die mit der Bewegung in Bewegung zu tun hatten.

Dort wo wir versuchten moderne Filmchen aus unzureichendem Material zusammenzustellen, während Monitore und Scheinwerfer verendeten, stehen heute Bücherregale und Lesetischchen. Dort wo ich mit dem Medienzentrums-Team – der engagierte Leiter hatte auch noch einen höchst verbitterten Kameramann, der eigtnlich Cineast war, einen ewig jungen Assistenten für fast alles mit schwer zu ertragendem Humor und zwei strenge, graue Sekretärinnen zur Seite gestellt bekommen - ihre Würstel zu Mittag aß, während die Nachrichten mitgeschnitten wurden, sind freundliche offene Büroräume entstanden. Die bitteren, vergessenen Menschen dort, habe ich aus den Augen verloren.

Später dann habe ich die energische Archivarin noch in ein Strickgeschäft begleitet, ganz nah liegt es bei meiner Wohnung und ich war doch noch nie drinnen. Ich kann nicht stricken, habe es einmal kurz probiert, zwei Pullover lang, aus Liebe. Als die Pullover fertig waren, war die Liebe vorbei. Da sind so viele „Frauensachen“ in meinem neuen Leben, Frauen begleiten mich, verstehen, das ist irgendwie neu für mich, die ich Männerfreundschaften stets mehr gepflegt habe als die Beziehung zu Frauen, Weiberabende waren mir lange fremd. Und irgendwie gefällt mir das auch – Stricken werd ich trotzdem nicht wieder anfangen.

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Früher hat die Organisation nur Nelken verschenkt - the times they are a-changing....
1000 mal erzählt

19
Nov
2010

18. November: Tag X

Einen Schritt nach dem anderen setzen, auch wenn die Stämme noch so schwanken in den Stromschnellen der Erinnerungen, weiter gehen, denn wenn ich stehen bleibe, rutsche ich ab, werde zwischen die Stämme gezogen und mich noch mehr verletzen oder gar ertrinken. Es tut schon so weh genug, aber längst bin ich über die Mitte des Flußes hinaus und umkehren ist unmöglich. Ich weiß, ich habe den ersten Schritt getan, begonnen überzusetzen und doch fällt es schwer all das zurückzulassen.

Da und dort sehe ich helfende Hände, aber ich muss allein gehen, sonst würde ich das Gleichgewicht verlieren.

Doch, doch ich sehe das Ufer, auch an Nebeltagen.

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1571 mal erzählt

20
Nov
2010

19. November: Kauf- und Kampftag

Tränen schon am Morgen. Es ist das Bewusstwerden das schmerzt, das Hochzeitsbild, geliebte und vernachlässigte Geschenke, das andere Weihnachten, der Adventkalender, den ich bisher jedes Jahr in diesen Tagen mit Kleinigkeiten bestückt habe. In den Geschäften fällt mein Blick gewohnheitsmäßig darauf, ich soll, kann, darf, muss, will sie nicht mehr kaufen. Ich saß den Vormittag über planlos vor dem Computer, unfähig zur Arbeit.

Schließlich verließ ich das Haus, um mir Göttinnenkleidung zu kaufen, ein Schaufenster unterwegs machte mich Lächeln. "Es gibt doch noch glückliche Menschen, schön", sagte ein Vorbeigehender, als sich in dem Moment unsere Blicke begegneten. Ich nickte und wandte den Kopf, damit er die Tränen nicht sieht und hastete weiter.

Und dann fühlte ich mich doch noch glücklich nach Sekt und Weltverbesserungsgesprächen mit einem schwarzen Kleid und einem schwarz-weißen Mantel. Dann zwei Stunden Kampf-Kunst, gefühlt Fortschritte, der Fluss, zielen und schlagen, nicht stehen bleiben, nicht zurückweichen, auf den Gegner zugehen.

Abends einsam.

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1551 mal erzählt

21
Nov
2010

20. November: Tolstois hunderster Todestag

„Alle glücklichen Familien sind einander ähnlich; jede unglückliche Familie jedoch ist auf ihre besondere Weise unglücklich." Kaum ein Artikel zum runden Todestag Leo Tolstois, der ohne diesen Satz aus „Anna Karenina“ auskommt, so viele unglückliche Familien.

Ich hatte Zeit, diese Artikel zu lesen, durch die Kanäle zu zappen, im Netz zu surfen. Mit einer Freundin habe ich telefoniert, die es weiß. Wenn ich den Mut hätte, sagte sie und „Ich hab ihn noch nicht.“Unser Telefonat wird kurz unterbrochen, ein anderer Freund, der inder Wochenendwohngemeinschaft Zuflucht gesucht hat, verabschiedet sich von ihr. Seine Freundin hat sich getrennt.

Dazwischen arbeitete ich ein wenig, kochte mir ein Topinambur-Curry. Allein sein üben. In der großen Wohnung voller Erinnerung. Nachts ging ich dann tanzen, machte mich hübsch und lachte und flirtete und tanzte, tanzte, tanzte. Ich trafe eine junge Frau, die ich seit 13 Jahren nicht mehr gesehen hatte. Sie hat damals meinen Brautsrauß gefangen. Jetzt habe sie zwei Kinder, erzählte sie mir. Ob der Braustrauß ihr Glück gebracht hatte, frug ich nicht, ich wollte nicht über die Hochzeit reden, nicht über den Mann. Sie hatte mir damals eine Kopie des Straußes anfertigen lassen, er verstaubt in der Wohnung. Um vier Uhr früh ging ich nach Hause, allein und glücklich. Wie schrieb Tolstoi in seinTagebuch: "Das Glück ist mit Müdigkeit und Muskelkater billig erkauft."

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1905 mal erzählt

22
Nov
2010

21. November: Welttag des Fernsehens

Welttag des Fernsehens und ein besch…eidenes Programm. Zum Ausgleich habe ich „Mad Men“ auf DVD zu Ende gesehen. In der Serie wird so viel geraucht, dass ich das dringende Bedürfnis entwickelte zu lüftenund heftigen Hustenreiz verspürte, ansonsten sehr 1960er –und ich konnte ich dazu weinen. Und irgendwann dann war die letzte Folge vorbei und wieder fiel mich die Trauer an, kroch aus den Kästen und Bildern.

In der Liebe gibt es keine Konjunktive, es gibt kein wenn und wenn das aber überhand nimmt, gibt es die Liebe nicht mehr. So ist es müßig darüber nachzudenken, wann unser Lachen, das mir von so vielen Bildern an den Wänden und im Kopf entgegenstrahlt, verloren gegangen ist, wann der letzte innige Kuss war, wann wir aufgehört haben zuzuhören und hinzusehen, wann uns die Liebe entglitten ist.
Ich hab die Rosen weggeschmissen, nicht den Brautstrauß.

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1302 mal erzählt

23
Nov
2010

22. November: Werktag

Und wieder durfte das Zirkuspferd in die Manege. Auf einen fleißigen Tag am externen Arbeitsplatz folgte ein Spätnachmittag und Abend im Scheinwerferlicht ebenda.
Schon morgens hatte ich voll Vorfreude das extra für den Anlass gekaufte schwarze Göttinenkleid mit lila Strümpfen und ebensolchen Tuch angezogen und mich hübsch gemacht. Der nachmittägliche Tränenstrom, nachdem der Mann sich wegen der weggeworfenen Rosen telefonisch beklagt hatte, konnte auch rasch wieder zum Stoppen gebracht werden.

Dort draußen im Scheinwerferlicht ist es fein warm, die kleine Turtle friert nicht mehr, alle belastenden Gedanken müssen auf später warten, jetzt gilt es zu mäßigen, steuern, lenken. Erst noch ein wenig unsicher – ein neuer Raum, der Frosch im Hals der schon den ganzen Tag, nein vielmehr die ganzen Tage da war, nein ist - fühlte ich mich wie so oft mit jedem Wort sicherer, mein innerer Pfau stellte sein Greinen ein und schlug bunte Räder, der Applaus und der Blickkontakt mit Vertrauten im Publikum trug mich durch den Abend. Und dann aus – ein letztes Mal klatscht das Publikum, noch ein wenig Lob am Weg zum Buffet und plötzlich schlage ich auf, allein unter Leuten, fremd fühle ich mich und die alten Ängste finden wieder Platz in meinen Gedanken, machen sich breit, die Dämonen flüstern ihre altbekannten Botschaften: Warum grüßt dich die nie? Was hieß dieser Blick? Und der spricht nur mit dir, wenn er was braucht? Du wirst hier ewig fremd bleiben, du gehörst nicht zu ihnen, nur geduldet, die Bürgerstochter.

Fast taumelte ich von einem Grüppchen zum anderen, nirgends vertraut, nirgends zugehörig, nirgends erwartet, unmäßig, steuerlos, ungelenk …Dankbar war ich für die Mitfahrgelegenheit. „Du gehst schon?“ frug jemand aus Höflichkeit, insistierte aber nicht weiter, dass ich blieb, eine Fremde.

Nachts hatte ich genug zu tun, die Dämonen zu verscheuchen.

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1248 mal erzählt

25
Nov
2010

23. November: Bürobürotag

Zum Frühstück briet ich mir Rostbraten, der musste weg. Dann machte ich mich auf ins Büro.

In der U-Bahn traf ich eine, mit der ich vor Jahren zusammengearbeitet habe, eine Frau aus meinem Nähkästchen. Eigentlich Friseurin und das ist kaum zu übersehen, kunstvoll drapiertes und dupiertes Haar, blond mit Akzenten, immer tiptop gestylt auf eine altmodische Art und Weise, Pepitakostümchen, High Heels, manchmal fast skurril damenhaft. Eine schöne Frau in ihren 50ern, eigentlich. Frisch geschieden, erzählte sie mir, jahrelang im Traumpaar unterwegs, sehr zum Neidwesen der jeweils frisch getrennten, frisch geschiedenen Kolleginnen. Sie hat Tränen in den Augen, als sie erzählt von der Anderen im Burgenland, von der sie nichts gewusst hatte. Nein, er wolle nicht zu ihr, er wolle frei sein, habe er ihr erklärt und sie sei aus allen Wolken gefallen. Letzte Woche war die Scheidung. Ihre Ehe war schon lange eingeschlafen, nicht alles gut, aber sie hatte gedacht, das sei der Preis. „Ich wollte immer ein Leben lang verheiratet sein“, sagte sie und ich weinte mit ihr, draußen im Wind zwischen U-Bahn und Arbeitsplatz. Als wir uns umarmten, lachten wir wieder.

Abends war ich dann mit dem Großraumbüroteam trinken. Der Betriebsrat hat einen ausgegeben und ich die Externe durfte dabei sein. Am Schluss waren wir eine Handvoll Frauen, eigentlich Veteraninnen in unserem Job. Als ich vor Jahren dort begann, hatten fast nur Männer das Sagen, altgediente Machos, die dreckige Witze erzählten und beim Betriebsausflug übergriffig wurden, ein leichtes bis schweres Alkoholproblem hatten und eine breite Palette moralischer Unzulänglichkeiten aufwiesen. Nach wie vor lenken die Organisation vor allem Männer, doch da und dort nehmen Frauen wichtige Rollen ein, diese Frauen mit ihrem Witz, ihrer Intelligenz und ihren Fähigkeiten.

Richtigen Büroklatsch haben wir ausgetauscht, Missverständnisse beiseite geräumt und dreckige Witze gerissen. An meiner Seite Eine, die schon damals Verbündete war, sehr nah. Wir hatten die Nacht bevor ihre Tochter gezeugt wurde, zusammen gefeiert. Heute hat das Mädchen seinen ersten Freund, erzählte sie, die selbst noch wie ein Mädchen aussieht. Immer wieder waren wir uns im Lauf der Jahre begegnet, hatten uns verloren und an entscheidenden Kreuzungen wieder getroffen.

Demnächst werde ich kochen im Büro.

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1898 mal erzählt

27
Nov
2010

25. November: Freitag

Und dann war endlich wieder Freitag im Wohnzimmer des Erstgeborenen, wo immer Freitagnachmittag ist. Erst unterrichtete ich noch, für wenig Geld, mehr der Sache willen und wegen des Egos.

Endlich ankommen, Herr Doppel T. ist noch geblieben, der Trauzeuge war auch dort und einer aus der Schar jener, die den Erstgeborenen umschwirren, verehren. Neben ihm am gelben Sofa nahm ich meinen Stammplatz ein. Wie ich nutzt er ein kleines Büchlein, um Schallplatten zu notieren, originelle Sätze und kluge Gedanken, um kleine Zeichnungen zu fertigen. Er kommt aus Lateinamerika und wir sprachen Englisch. Einen Film würde er gerne machen über den Erstgeborenen und seine Welt, dabei lässt sich der doch nicht mal gerne fotografieren. Irgendwann waren wir nur mehr zu dritt und tanzten.

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Am nächsten Tag las ich in meinem Notizbuch: „Larry Hagman wants to be buried with a Marihuana Plant on his grave. Me, the best man, the boy and S. talking about love and possibilities."

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Und das Leben ist schön.
1038 mal erzählt

24. November: Großkampftag

Es ist gar nicht einmal so einfach, hier täglich zu berichten, aber wenigstens für den November habe ich es mir vorgenommen.

Am Mittwoch also war im Großraumbüro genug zu tun, es galt – wie jeden Monat, Arbeit abzuschließen. Der Vorabend wirkte noch zwischen uns Frauen, gab unserer Zusammenarbeit ein mehr an Lächeln, Witz und Verschworenheit.

Abends ging ich wieder zur Kampfkunst. Bereits den ganzen Tag hatte ich mich auf den großen Kellerraum und die Bewegung gefreut und trotz kleiner Unzulänglichkeiten in der Koordination, stellte sich rasch bei mir das breite Lächeln der Zufriedenheit ein. Ein leichter Schlag auf meinen Mund ließ den fortgeschrittenen Trainingspartner erschrecken, ich grinste nur noch mehr, ich spürte, dass ich lebe, dass das echt ist. Ich mag das alles.

Am Nachhausweg kreuzte ich einen Christkindlmarkt und kurz hoffte ich wenigstens irgendjemandem zu begegnen, mit dem ich einen Punsch hätte trinken können, denn wie stets nach den eineinhalb Kampfkunststunden war ich glückselig energiegeladen. Doch ich blieb allein.

Spät abends kam der Mann nach Hause. Es fällt ihm noch immer schwer zu verstehen, er hat lange nicht hingesehen, nicht hingehört, das alles nicht wahr genommen, nicht geglaubt. Ich ziehe die Trennung schon seit einem Jahr ernsthaft in Erwägung, hab lang mit mir dagegen gekämpft, für unsere Liebe, hab mir, uns Hilfe geholt und jetzt endlich begriffen und es tat doch noch weh, als ich ihn in der Türe stehen sah. Er würde weinen, sagt er, wenn er könnte. Und „Schade“ sagt er – viel zu oft Schade, nie: „Ich liebe dich.“

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1564 mal erzählt

28
Nov
2010

26., 27. November: Bergheimattage

Um halb neun Uhr früh weckte mich ein Anruf der Mutter, irgendwelche seltsamen Bedenken hatten sie schon seit dem frühen Morgen gequält und sie fühlte sich bemüßigt, sie mir mitzuteilen. Danach konnte ich nicht mehr einschlafen.

Verkatert und müde erledigte ich noch dringliches, packte den Koffer mit Muttergerechter Kleidung – nimm nichts mit, sagte sie wie stets, um dann doch von der Auswahl enttäuscht zu sein. Ein Gespräch mit dem Mann, der in diesen Tagen die Wohnung für sich haben wird, verlief harmonisch, stolz erzählte er von beruflichen Erfolgen und seinem Leben jetzt und kurz hatte ich den Drang ihn zu umarmen.

Am Weg zum Flughafen stellte sich die Anspannung ein, die jede meiner Reisen in die Heimat begleitet, das Wissen, dass ich mein Sein, Selbst und Ego am besten gar nicht erst mitnehme oder zumindest im Keller lasse, wo auch mein Koffer steht, wenn ich im fremden Elternhaus bin. Drei Tage lang würde ich stets ausatmen, kaum widersprechen, einfach nur da sein, ein braves Kind, wie sie es sich früher stets zu Weihnachten und allen Geburtstagen gewünscht hat. Zen oder die Kunst, die Mutter zu lieben. An Frau Walküre musste ich denken, die in diesen Tagen ihre Mutter begräbt und fast schämte ich mich deswegen, weil ein braves Kind das ja nicht darf, an den Tod der Mutter denken….

Schnee wirbelte als der Flieger aufsetzte und die Mutter holte mich mit dem Taxi ab. „Aber heute streiten wir noch nicht“, scherzte sie mit fast drohendem Unterton. Wie eine hypnotische Formel verspricht dieser Satz, dass wir irgendwann streiten werden, streiten müssen. Aber nicht an diesem Abend, an dem ich früh ins Bett gehe, weil ich noch müde bin von der letzten durchfeierten Nacht.

Sie hat sich große Mühe gegeben mit dem Frühstück, auch wenn das Ei viel zu kurz gekocht ist, der Tee zu lange gezogen hat, der Eckerlkäs ganz ausgezogen ist, so dass ich ihn auch zur Gänze essen muss. Vorsichtig brachte ich den Wunsch an, mich um Tee und Ei selbst zu kümmern, das kränkte sie – wie jedes Anzeichen an Eigenständigkeit, an eigenem Willen. Unsere Gespräche sind nicht zuletzt deshalb eine stete Gradwanderung. Geschickt zieht sie alle Register, vermengt Gedankengut aus ihrer Kindheit – 1930 geboren, waren 1938 bis 1945 prägende Jahre – mit Angelesenem und Weisheiten aus den Serien, die ihren Tagesablauf begleiten. Die Heldinnen und Helden aus „Marienhof“ und „Verbotene Liebe“ und deren Schicksale sind ihr Gedächtnisstütze und Fenster zur Welt. Früher hat sie Handke gelesen und Schallplatten von Pluhar und Heller gespielt. Irgendwann widerspreche ich dann doch, trotz aller guter Vorsätze und dann fällt der Satz: „Mit dir kann ich auch nicht reden."

Wie stets vermisse ich Erinnerungen an meine Kindheit, oft kommen Geschichten von meinen Cousins, von ihren, der Mutter Reisen, aus ihrem der MutterLeben, ich komme kaum vor. An einen Urlaub mit drei Jahren soll ich mich erinnern oder daran, wie der Sohn von Onassis starb, damals war ich acht. Das macht mich stets traurig und wie immer, wenn ich mich mit meinen Erinnerungen anklopfe, verneint sie diese gern mit strengem Kopfschütteln und missbillig heruntergezogenen Mundwinkeln: „Ah geh.“

Irgendwann gab sie zu, dass sie keinen Humor hat, nur jenen bösen, verletzenden, harten. Lachen und Lächeln habe man nicht in ihrer Familie: „Wir haben a nix zum Lachen.“ Mit dem Alter erklärte sie das und entschuldigte sich bei der netten Taxlerin. Das war schon immer so, ergänzte ich leise. Doch sie hörte es und stimmte mir zu. Darauf ist man stolz in ihrer Familie.

Abends dann beim Lieblingscousin, seiner Frau, Prinzessin Mausezahn und dem Gotlkind war das Familienerbe wieder, noch immer präsent. Seit Tagen herrscht Eiseskälte zwischen den Eheleuten, der Cousin hüllt sich in trotziges Schweigen, sein unterdrückter Zorn war fast körperlich spürbar. Ich erinnerte mich an gemeinsame Urlaube, in denen er oft Tage mit mir nicht gesprochen hat. Er leidet selbst sehr an diesem Zorn, dessen Anlass er oft schon vergessen hat. Früher waren es Augenblicke des Ungeliebtfühlens, die das große Schweigen auslösten. Ich hatte ihn etwa im Spiel unter Wasser getunkt und er hätte gedacht, ich wolle ihn töten. Verletzte Kinderseele. Jetzt verletzt er und lacht nicht mehr.

Verlegen saß ich herum, spielte mit den Töchtern, versuchte zwischen den Eheleuten auszugleichen, ihr Schweigen zuzureden. Früher hatte ich stets mit meiner Ehe, unserem Umgang, unserer Beziehung argumentiert, auf Vorbildwirkung gehofft, jetzt bin ich selbst gescheitert. Vielleicht lässt ihn das mit euch umdenken, hoffte das Schwiegercousinchen, während er noch trotzig im Auto schlief. Ich weiß nicht, sagte ich und fühlte mich fast ein wenig schuldig und voll mit Kindergefühlen.

„Bitte tu das euch, dir, deiner Frau, den Kindern nicht an, macht was, lasst euch helfen, kämpft um die Liebe“, hätte ich gerne gesagt, als er mich im Auto nach Hause brachte, statt dessen sprach ich über meine Trennung und was zu tun wäre. Und kann nicht helfen….

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1557 mal erzählt

30
Nov
2010

29. November:1.Advent

Am Sonntagmorgen hat die Mutter das Ei weich gekocht und ich durfte selbst bestimmen, wie lange der Tee ziehen soll. Nur kurz gab es Unwillen, als ich das vorbereitete Schwarzbrot gegen das ersehnte Weinbeerweckerl austauschte.

Nachmittags gingen wir dann aufs Grab. Der verschneite Friedhof strahlte großen Frieden aus und meine Mutter erzählte wie stets Grab für Grab die alten Geschichten aus ihrer Heimatstadt. Vom Clown, der erst vor kurzem gestorben war – seitdem waren die Bronzefiguren auf dem Familiengrab durch das hölzerne Begräbniskreuz ersetzt. Sein ganzes Vermögen habe er den „Alleinverzieherinnen“ vererbt, berichtet die Mutter seither jedesmal und freut sich an dem Ausdruck. Seine Tochter klage. Am Grab einer Fleischhauereibesitzersfamilie erzählte sie wieder von der Schulfreundin, die wünschte, dass sie Briefe an sie mit „An die Hausbesitzertochter Marie M.“ adressiere. Dort lag ein Verehrer. Das Grab ihrer Eltern war gepflgt, stellte sie zufrieden fest. Und auch das des Vaters. Die kleinen roten Rosen trugen Schneehauben, Knospen kämpften sich durch Eiskristalle, ein schönes Bild, dachte ich, während es vor meinen Augen verschwamm. Auch dort steht noch das schlichte Begräbniskreuz mit dem Bild, das den Vater lachend zeigt mit Augen voll Schmerz. Sie hatte sich mit dem Bildhauer überworfen und nun einen anderen Grabstein in Auftrag gegeben. Kerzen brannten auf beiden Gräbern. Ihr Bruder vermutete ich, nein wehrte sie ab. Wir zündeten weitere Kerzen an auf Papas Grab, dem der Großeltern, dem der geliebten Tante. Leer wird der Freidhof, stellt sie wie stets fest. Die Leute lassen sich verbrennen. Und: „Haben wir nicht eine schöne Gräberkultur?“

Dann spazierten wir in ihre Heimatstadt, vorbei an den immer gleichen Häusern mit den immer gleichen Geschichten. Ich mag die Häuser, ich mag die Geschichten. Ich habe auch meine eignen. In der Gegend haben die Lieblingscousins ihre Kindheitsjahre verbacht in einem alten Haus mit großem Garten und nicht weit davon hat die langjährige beste Freundin gewohnt, im Kolpingheim war ich auf einem Rockkonzert, einem Filmabend und einer Antiabtreibungsveranstaltung. Und dort war ein Plattengeschäft. Dort ist der Vater in die Schule gegangen. Eine neue Wohnungsanlage steht auf dem Grund jenes katholischen Heimes, wo ich vor Jahren mit der Mutter ihre ungeliebte „bigotte“ Tante besucht hat, Schwester ihres Vaters, die ihre Mutter so schlecht behandelt hat. Eine weiße Mauer schirmt die Eigentumswohnungen gegen die Straße ab. „Die werden sie auch noch beschmieren“, sagt sie. Sie sieht die Makel, noch bevor sie da sind.

Die Stadt ist prächtig geschmückt. Wo noch bei meinem letzten Besuch große Transparente mit Zitaten von Otto Grünmandl – am Rathaus: „Politisch bin ich ein Trottel, aber privat kenn ich mich aus.“ - hingen, glänzten jetzt bunte Lichter, nicht kitschig, eher künstlerisch, männliche und weibliche Vornamen in blauer Schrift, leuchtende Paare, fiel mir ein, und ob es die wirklich gibt – Peter Anna Justin Erika – und was, wenn sie sich trennen. Die Mutter hielt sich fest an meinem Arm, ihre Augen suchten Verwandte, Bekannte und sie erzählte die kleinen Episoden, die ihr Leben jetzt beherrschen. Am Christkindlmarkt tranken wir einen Glühwein und einen Apfelpunsch, später teilten wir uns eine Pizza.

Der „Tatort“ am Abend war ihr zu „braunstichig von den Farben“, sie ging früh schlafen. Ich strich noch ein wenig um die Blogs.

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