Bezeichnung
Verfahren und Anordnung zum Abscheiden von Halbleitermaterial
Beschreibung
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zum Abscheiden von Halbleitermaterial aus einem Vorrat über halogenierte gasförmige Zwischenprodukte auf einem Substrat in einem Reaktionsraum (chemischer Gasphasentransport) sowie eine Anordnung zur Durchführung des Verfahrens.
Ein derartiges Verfahren der Abscheidung über halogenierte gasförmige Zwischenprodukte bietet den Vorteil bei relativ geringen Prozeßtemperaturen arbeiten zu können, da ein Verdampfen des Beschichtungsmaterials bei den dafür erforderlichen hohen Temperaturen nicht notwendig ist.
Aus Thin Solid Films 226 (1993) S. 254-258 „Close-spaced vapour transport of CulnSe2, CuGaSe2 and Cu (Ga, In) Se2", G. Masse and K. Djessas ist ein Verfahren und eine Anordnung bekannt mittels deren in einem abgeschlossenen Reaktionsraum eine Beschichtung eines Substrats mit einem Halbleitermaterial aus einem Vorrat über gasförmige halogenierte Zwischenprodukte erfolgt.
Nachteilig ist hierbei, daß die entsprechenden Reaktionen in einem vollkommen geschlossenen System ablaufen. In diesem geschlossenem System stellt sich ein Reaktionsgleichgewicht ein. Es ist daher nicht gewährleistet, daß die erforderlichen chemischen Reaktionen alle in der erforderlichen Richtung ablaufen. Weiterhin gibt es keine Möglichkeit von außen steuernd einzugreifen, d.h. eine Prozeßsteuerung ist nicht möglich, die vorgegebenen Bedingungen wie z.B. der Abstand Halbleitervorrat zum Substrat sind nicht veränderbar. Weiterhin kann es zu unkontrollierten
Halogenidbildungen und Materialabscheidungen kommen. Diese bekannte Lösung ist daher für einen großtechnischen Einsatz nicht geeignet.
In J. Electrochem. Soc: Solid State Science, Vol. 116, No. 6 (1969), S. 843 - 847 „The Epitaxy of ZnSe on Ge, GaAs and ZnSe by an HCL Close - Spaced Transport Process" H. J. Hovel and A. G. Milnes ist das gleiche Verfahren wie bei Masse beschrieben, allerdings läuft dieses Verfahren bei Hovel et al in einem offenen System ab.
Nachteilig ist auch hier, daß der Abstand zwischen Substrat und Halbleitervorrat nicht veränderbar ist. Damit ist eine definierte, gleichmäßige und reproduzierbare Abscheidung von Halbleitermaterial auf einem Substrat nicht gewährleistet, so daß auch diese Lösung für einen großtechnichen Einsatz nicht geeignet ist.
Es ist weiterhin ein Verfahren zur Beschichtung von Substraten bekannt (metal organic vapour phase epitaxy), das großtechnisch einsetzbar ist und bei dem Metallalkyle in einen Kaltwandreaktor mit beheiztem Substrathalter geleitet werden, wo dann das zugeführte Halbleitermaterial auf dem Substrat aufwächst (s. S. Chichibu et al, J. Appl. Phys., Vol. 36 (1997), p 1703). Nachteilig sind hierbei die hohen Kosten des Verfahrens, insbesondere auch der Ausgangsmaterialien. Dieses Verfahren ist daher nur für Sonderzwecke wie zum Beispiel Herstellung von Solarzellen für Weltraumstationen sinnvoll einsetzbar.
Es ist daher Aufgabe der Erfindung, ein einfaches und robustes Verfahren zum Abscheiden von Halbleitermaterial aus einem Vorrat über halogenierte gasförmige Zwischenprodukte auf einem Substrat in einem Reaktionsraum sowie eine Anordnung zur Durchführung des Verfahrens anzugeben, wobei preisgünstige Ausgangsmateπalien einsetzbar sind und eine reproduzierbare und präzise steuerbare Prozeßführung möglich ist. Die Aufgabe wird erfindungsgemäß durch die Angabe eines Verfahrens mit nachfolgend aufgeführten Verfahrensschritten gelöst:
1. Aufheizen des Reaktionsraumes mit darin in voneinander entfernten Positionen befindlichen Vorrat und Substrat unter einem Inertgasstrom,
2. Positionierung von Substrat und Vorrat zueinander in Auftragungsposition durch horizontales und vertikales Verschieben gegeneinander nach Erreichen der Reaktionstemperatur,
3. Ersetzen des Inertgasstromes durch einen Gasstrom aus Trägergas und halogenhaltigem Gas oder halogenhaltigem Gasgemisch zum Starten der
Halogenisierung des Halbleitervorratsmaterials und Transport desselben zum Substrat,
4. Dehalogenisierung des Halbleitervorratsmaterials (Rückreaktion) zur Abscheidung auf dem Substrat bei TSUbstrat ≠ T θrrat,
5. Beenden der Abscheidung durch a.) Umschalten von Trägergas mit halogenhaltigem Gas auf Inertgasstrom, b.) anschließend räumliche Trennung des beschichteten Substrates vom
Halbleitervorratsmaterial durch Auseinanderbewegung beider,
6. Abkühlen des beschichteten Substrates.
Als aufzutragende Halbleitermaterialien werden Chalkopyrite, ll-VI- Verbindungen, Ill-V-Verbindungen, Übergangsmetallchalkogenide (z.B. WS2) oder Silizium verwendet.
Als Substrat werden zweckmäßigerweise Glas, Quarz, Keramik oder Silizium bzw. andere Halbleitermaterialien, beschichtet oder unbeschichtet eingesetzt.
Das verwendete Inertgas besteht aus Stickstoff (N2) oder Edelgasen wie z.B. Argon oder Helium.
Der mögliche Temperaturbereich für die Abscheidung von Halbleitermaterial liegt zwischen Raumtemperatur («=20°C) und 1200°C bei zugehörigen Druckwerten zwischen 5 bis 1000 mbar.
Als Trägergase werden Wasserstoff (H2), Stickstoff oder Formiergas (N2+H2 bzw. Ar+H2 jeweils mit Ar) eingesetzt.
Zur Halogenisierung des Halbleitervorratsmaterials werden die Halogene Chlor, Brom, lod bzw. entsprechende gasförmige Halogenverbindungen, wie z.B. deren Wasserstoffverbindungen verwendet.
Die Abkühlung des beschichteten Substrates erfolgt entweder im Reaktionsraum unter Inertgasdurchfluß oder außerhalb desselben.
Für die Erzielung von HeteroStrukturen werden mehrere unterschiedliche Halbleitermaterialien übereinander aber zeitlich nacheinander auf dem Substrat abgeschieden.
Für eine kontinuierliche Beschichtung wird das Substrat ununterbrochen langsam durch den Reaktionsraum bewegt unter einem ständigen Gasstrom aus Trägergas und halogenhaltigem Gas.
Die Anordnung zur Durchführung des Verfahrens, die einen von außen beheizbaren Reaktorraum mit darin befindlichem Substrat und Halbleitervorratsmaterial sowie eine Halogenquelle aufweist ist erfindungsgemäß mit einer Positioniereinrichtung ausgestattet für die gegenseitige Positionierung von Substrat und Halbleitervorratsmaterial in Abscheideposition. Die beheizbare Halogenquelle ist außerhalb des Reaktorraumes angeordnet. Weiterhin ist ein regulierbares
Gasmischsystem vorgesehen für den wahlweisen Durchfluß von Inertgas bzw. Trägergas mit halogenhaltigem Gas durch den Reaktorraum.
Zur Realisierung der Bedingung T θrrat ≠ T Substrat sind jeweils separate Temperaturregelungen (z.B. Zusatzheizung oder -kühlung) für das Halbleitervorratsmaterial und das Substrat vorgesehen.
Die Positioniereinrichtung für Substrat und Halbleitermaterial ist mechanisch, elektrisch, pneumatisch oder hydraulisch betätigbar.
Zur Erzielung einer gleichmäßigen Abscheiduπg ist vorteilhafterweise entweder das Substrat oder das Halbleitervorratsmaterial auf einem vorzugsweise waagerecht drehbaren Teller angeordnet.
Für die Regelung der jeweils benötigten Gasmengen sind im Gasmischsystem Massenflußregler mit pneumatisch schaltbaren Ventilen vorgesehen. Weiterhin sind der Totaldruck im Reaktorraum sowie die Temperatur kontinuierlich regelbar Dem Reaktorraum ist ein Abgassystem nachgeschaltet, das eine Vakuumpumpe mit Schmetterlingventil aufweist.
Die Erfindung wird nachstehend an einem Ausführungsbeispiel anhand der zugehörigen Zeichnung näher erläutert:
Die Abb. zeigt einen Querschnitt der Anordnung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens.
Zunächst soll das erfindungsgemäße Verfahren am Beispiel der Beschichtung eines Substrates aus Glas mit Kupfergalliumdiselenid (CuGaSe2) erläutert werden. Am Anfang des Verfahrens steht die Aufheizung des Reaktionsraumes mit darin in voneinander entfernten Positionen befindlichen Halbleitervorratsmaterial und Substrat unter einem Inertgasstrom auf ca. 600°C. Als Inertgas wird molekularer Stickstoff (N2) verwendet.
Nach dem Aufheizen erfolgt die Positionierung von Substrat und Halbleitervorratsmaterial in Abscheideposition durch horizontales und vertikales Verschieben gegeneinander. Der Abstand zwischen Substrat und Halbleitervorratsmaterial in Abscheideposition beträgt maximal 2 mm.
Nach Erreichen der Reaktionstemperatur und erfolgter Positionierung wird der Inertgasstrom ersetzt durch einen Gasstrom aus Trägergas (H2) und Halogengas (l2) zum Starten der Halogenisierung des Halbleitervorratsmaterials und Transport desselben zum Substrat. Die Bereitstellung von lod erfolgt durch Verdampfen eines lodvorrats in einem separaten beheizbaren Halogenvorratsbehälter. Der Einsatz von lod für die Halogenisierung ergibt eine hohe Transporteffizienz für das aufzutragende Halbleitermaterial. Die Halogenisierung bzw. lodidbildung erfolgt gemäß nachstehender Reaktionsgleichung:
CuGaSe2 + 2I2 600 °c > Cul + Gal3 + Se2
Durch die lodidbildung entstehen die für den Materialtransport bei relativ niedrigen Temperaturen erforderlichen gasförmigen Zwischenprodukte.
Vor der Abscheidung des Halbleitermaterials auf dem Substrat erfolgt die Dehalogenierung des aufzubringenden Materials, so daß nur das reine Halbleitermaterial ohne Halogenbestandteile abgeschieden wird. Bei der Dehalogenierung erfolgt also die Reaktion gemäß o.a. Gleichung von rechts nach links (Rückreaktion).
Für den verfahrenstechnisch sauberen Ablauf der Verfahreπsschritte Halogenisierug (lodidbildung) und Dehalogenisierung (Rückreaktion) ist es erforderlich, daß die Temperatur des Halbleitervorratsmaterials ca. 20 bis 25 °C höher liegt als die Temperatur des Substrates. Dies wird erreicht durch eine zusätzliche Beheizung des Halbleitervorratsmaterials. Die Abkühlung (Temperaturabsenkung) am Substrat infolge des
Gasdurchflusses im Reaktionsraum trägt zur Herausbildung des erforderlichen Temperaturgefälles bei und erhöht die Abscheidungsrate.
Die Abscheidung des Halbleitermaterials auf dem Substrat wird beendet durch das Umschalten vom Gasstrom aus Wasserstoff (H2) und jodhaltigem Gas auf einen Inertgasstrom aus Stickstoff (N2) und die anschließende räumliche Trennung des beschichteten Substrates vom Halbleitervorratsmaterial durch eine Auseinanderbewegung beider. Durch diese beiden Verfahrensschritte wird eine unkontrollierte lodidbildung und Materialablagerung im Reaktionsraum und insbesondere auf dem Substrat verhindert.
Abschließend erfolgt die Abkühlung des Reaktionsraumes mit dem darin befindlichen beschichteten Substrat unter einem Inertgasstrom. Das gesamte Verfahren läuft bei einem Druck von ca. 200 mbar ab. Die beim Verfahren anfallenden gasförmigen Abfallprodukte (z.B.
Halogenwasserstoffe o.a.) werden über ein Abgassystem abgeführt, eventuell gereinigt und im Verfahren wiederverwendet.
Die Anordnung zur Durchführung des erfindungsgemäßen Verfahrens weist einen hohlzylinderförmigen Reaktionsraum 1 und einen separaten Halogenvorratsraum 2 auf. Im Reaktionsraum 1 sind auf einem Substratträger 3 ein Substrat 4 (Glas) und auf einem weiteren Trägerarm 5 ein Halbleitervorratsmaterial 6 (CuGaSe2) angeordnet. Die Träger 3 und 5 sind unabhängig voneinander jeweils horizontal und vertikal verstell- bzw. verschiebbar zur Positionierung und Justierung in Abscheideposition. Der Antrieb hierfür kann über Zahnstangen, Gewindespindeln, elektrische Tauchspulen, elektrische Stellmotore, oder hydraulisch bzw. pneumatisch erfolgen.
Der Reaktionsraum 1 ist mit einem Gaseinlaßstutzen 7 für die Zufuhr von Inertgas und einem weiteren Gaseinlaßstutzen 8 für die Zufuhr von
Trägergas und halogenhaltigem Gas ausgestattet. Zur Ableitung von verbrauchtem bzw. überschüssigem Gas ist ein Gasauslaßstutzen 9 vorgesehen. Dieser ist mit einem (nicht gezeigten) Abgassystem verbunden. Zur Aufheizung des Reaktionsraumes 1 ist die Außenwand desselben von einer Heizeinrchtung 10 (z.B. Widerstaπdsheizung) umgeben. Um die für die Abscheidung von CuGaSe2 auf dem Substrat erforderliche Bedingung T orrat > TSubstrat zu erfüllen, ist der Träger 5 für das Halbleitervorratsmaterial 6 mit einer Zusatzheizung versehen. Diese kann ebenfalls als elektrische Widerstandsheizung ausgebildet sein.
Zur Erreichung einer gleichmäßigen Abscheidung von Halbleitervorratsmaterial 6 auf dem Substrat 4 kann es vorteilhaft sein, entweder das Substrat 4 oder das Halbleitervorratsmaterial 6 auf einem drehbaren Teller (nicht gezeigt) anzuordnen.
Der von außen beheizbare Halogenvorratsraum 2 weist einen Halogenvorrat 11 (lod), einen Gaszuleitungsstutzen 12 für das Trägergas (H2;N2) sowie einen Gasauslaßstutzen 13 für Trägergas und halogenhaltiges Gas auf. Das letztere Gasgemisch wird dem Reaktionsraum 1 zur Halogenisierung des Halbleitervorratsmaterials 6 zugeführt.
Für den wahlweisen Durchfluß von Inertgas bzw. Trägergas mit halogenhaltigem Gas durch den Reaktionsraum 1 ist ein (nicht gezeigtes) regulierbares Gasmischsystem vorgesehen. Für die Regelung der jeweils benötigten Gasmengen sind Massenflußregler im Gasmischsystem vorgesehen, die mit pneumatisch schaltbaren Ventilen ausgestattet sind.