Thermoplastische Polyketon-Formmassen
Die Erfindung betrifft thermoplastische Formmassen auf Basis von Mischungen thermoplastischer Polyketone (Olefin-Kohlenmonoxid-Copolymere) und speziell hergestellter Gemische aus wasserfeuchtem durch Emulsionspolymerisation erhaltenem elastisch-thermoplastischem Pfropfpolymerisat und in der Schmelzeform vorliegendem thermoplastischem Vinylpolymerisatharz, deren Verwendung zur Herstellung von Formkö ern sowie die daraus hergestellten Formkörper.
Thermoplastische Polyketone finden zunehmend Anwendung als technische Thermoplaste im Automobilbereich z.B. zur Herstellung von Kraftstofftanks und Kraftstoffleitungssystemen und im Elektro-/Elektronikbereich z.B. zur Herstellung von Steckverbindungen. Thermoplastische Polyketone zeichnen sich im Vergleich zu anderen technischen Thermoplasten insbesondere durch gute Tieftemperaturzähigkeit, gute
Wärmeformbeständigkeit und gute Kraftstoffbarriereeigenschaften aus.
Die Verbesserung von thermoplastischen Polyketonen im Hinblick auf spezielle Eigenschaften durch Abmischung mit anderen Polymerkomponenten ist bekannt.
So beschreibt z.B. US-A 5.166.252 Mischungen thermoplastischer Polyketone mit Verstärkungsstoffen und thermoplastischen Polyurethanen zur Erzielung verbesserter Steifigkeit und Hitzebeständigkeit. Die Herstellung von Formmassen aus thermoplastischen Polyketonen und Polyurethanen ist bekannt (US-A 4.851.482, EP-A 339 747). Es wird beschrieben, daß die Formmassen eine gute Zähigkeit und Steifigkeit sowie Lösungsmittelbeständigkeit und Abriebfestigkeit aufweisen.
Die Abmischung von Polyketonen mit kautschukhaltigen Polymeren ist ebenfalls bekannt. So beschreibt z.B. US-A 4.900.789 Mischungen aus Polyketonen und kautschukarmem ABS zur Erzielung höherer Modulwerte. Zur Herstellung von Polyketonen mit verbesserter Zähigkeit werden Mischungen mit speziellen aus Acryl-
monomeren aufgebauten Kern/Schalen-Modifikatoren (US-A 5.132.360) oder hoch- kautschukhaltigen Copolymeren (EP-A 345 854, EP-A 451 918) empfohlen.
Die Aufgabe der vorliegenden Erfindung ist nun die Bereitstellung von preisgünsti- gen Werkstoffen auf Basis von Polyketonen mit gutem Gesamteigenschaftsprofil, insbesondere guter Zähigkeit und Zähbruchverhalten bei Schlag- und Stoßbeanspruchung auch bei tiefen Temperaturen, guter Oberflächenqualität, guter Verarbeitungsstabilität, gutem Verarbeitungsverhalten, guten Barriereeigenschaften gegenüber Kraftstoff und Lösungsmitteln sowie Gasen wie Sauerstoff, guter UV-Stabilität der daraus hergestellten Formteile sowie einem geringen Gehalt an flüchtigen Anteilen.
Die erfindungsgemäßen Formmassen zeichnen sich insbesondere durch eine gute Verarbeitung, speziell Vermeidung von gelben Flecken, gute Fließfähigkeit und Sta- bilität in der Schmelze aus.
Solche Werkstoffe lassen sich in typischen Einsatzgebieten von technischen Thermoplasten wie z.B. dem Elektro-/Elektronikbereich, dem Automobilbereich oder dem Folien- und Verpackungsbereich verwenden und sind insbesondere zur Herstellung von dünnwandigen Formteilen geeignet.
Es wurde nun gefunden, daß die gewünschte Eigenschaftskombination von thermoplastischen Formmassen enthaltend Polyketone und speziell hergestellten Gemische aus durch Emulsionspolymerisation hergestelltem elastisch-thermoplastischem Pfropfkautschuk in Form von wasserfeuchtem Pulver und separat durch Lösungspolymerisation oder Massepolymerisation hergestelltem in Schmelzeform vorliegendem Co- oder Terpolymerisat vorzugsweise aufgebaut aus Monomeren ausgewählt aus Styrol, α- Methylstyrol, Acrylnitril, Methacrylnitril. Methylmethacrylat. N-Phe- nyimaleinimid erfüllt werden.
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Gegenstand der vorliegenden Erfindung sind daher thermoplastische Formmassen enthaltend
A) wenigstens ein linear alternierendes Polymer aus Kohlenmonoxid und wenigstens einem ethylenisch ungesättigten Kohlenwasserstoff ,
B) wenigstens ein Gemisch aus durch Emulsionspolymerisation hergestelltem elastisch-thermoplastischem Pfropfpolymerisat und durch Lösungspolymerisation oder Massepolymerisation hergestelltem thermoplastischen Co- oder Terpolymerisat aufgebaut aus Vinylmonomeren, vorzugsweise aus mindestens einem Monomer ausgewählt aus Styrol, α- Methylstyrol. Acryl- nitril, Methacrylnitril, C,-C4-Alkylacrylat, vorzugsweise Methylacrylat. C,- C4-Alkylmethacrylat, vorzugsweise Methylmethacrylat und N-Phenylmalein- imid, erhältlich durch Abmischung des wasserfeuchten Pulvers des elastisch- thermoplastischen Pfropfkautschuks mit der Schmelze des thermoplastischen aus Vinylmonomeren aufgebauten Harzes unter Entfernung des enthaltenen Wassers.
Die erfindungsgemäßen thermoplastischen Formmassen enthalten die Komponente A) in Mengen von 99 bis 1 Gew.-Teilen, vorzugsweise 98 bis 50 Gew.-Teilen und insbesondere bevorzugt 97 bis 70 Gew.-Teilen und die Komponente B) in Mengen von 1 bis 99 Gew.-Teilen, vorzugsweise 2 bis 50 Gew.-Teilen und besonders bevorzugt 3 bis 30 Gew.-Teilen. Die Summe aller Gewichtsteile von A) und B) ist 100.
Weiterhin können die Formmassen Zusatzstoffe wie z.B. Füll- und Verstärkungsstoffe wie z.B. Glasfasern oder mineralische Füllstoffe. Flammschutzmittel. Verarbeitungshilfsmittel, Stabilisatoren. Fließhilfsmittel, Antistatika. Farbstoffe. Pigmente und andere übliche Additive enthalten.
Die Polyketonpolymere, welche als Komponente A eingesetzt werden, haben eine lineare alternierende Struktur und enthalten im wesentlichen 1 Molekül Kohlenmo-
noxid pro Molekül ungesättigtem Kohlenwasserstoff. Geeignete ethylenisch ungesättigte Kohlenwasserstoffe als Monomere zum Aufbau des Polyketonpolymeren haben bis zu 20 Kohlenstoffatome, vorzugsweise bis zu 10 Kohlenstoffatome und sind aliphatisch wie beispielsweise Ethylen und andere α-Olefine, z.B. Propylen, 1- Buten, 1 -Isobutylen, 1 -Hexen, 1-Octen und 1-Dodecen, oder sind arylaliphatisch und enthalten einen Arylsubstituenten an einem Kohlenstoffatom der linearen Kette. Beispielhaft genannt werden für arylaliphatische Monomere Styrol, α-Methylstyrol, p- Ethylstyrol und m-Isopropylstyrol.
Bevorzugte Polyketonpolymere sind Copolymere aus Kohlenmonoxid und Ethylen oder Terpolymere aus Kohlenmonoxid, Ethylen und einem zweiten ethylenisch ungesättigten Kohlenwasserstoff mit wenigstens 3 Kohlenstoffatomen, insbesondere ein α-Olefin wie z.B. und bevorzugt Propylen.
Besonders bevorzugt sind Terpolymere von wenigstens 2 Monomereinheiten, wovon eine Ethylen und die andere ein zweiter Kohlenwasserstoff ist. Vorzugsweise werden von dem zweiten Kohlenwasserstoff ungefähr 10 bis 100 Monomereinheiten eingesetzt.
Die Polymerkette des bevorzugten Polyketonpolymers wird durch die folgende Formel dargestellt
CO(CH.CH?) CO(G) (I)
wobei
G eine Monomereinheit auf Basis eines ethylenisch ungesättigten Kohlenwasserstoffs mit wenigstens 3 Kohlenstoffatomen, vorzugsweise 3 bis 10 C-Atomen, welche aufgrund der ethylenischen Doppelbindung polymerisiert
das Verhältnis y:x nicht mehr als ungefähr 0,5 ist.
y = 0 für Copolymere aus Kohlenmonoxid und Ethylen.
Falls y von 0 verschieden ist, werden Terpolymere eingesetzt und die Einheit -CO-(CH2CH2)- und -CO-(G)-Einheit sind statistisch über die Polymerkette verteilt.
Das bevorzugte Verhältnis von y:x ist 0,01 bis 0,1.
Polyketonpolymere mit einem mittleren Molekulargewicht (Zahlenmittel) von ungefähr 1.000 bis 200.000, insbesondere 20.000 bis 90.000, bestimmt durch Gelpermea- tionschromatographie, sind bevorzugt.
Zur weiteren Charakterisierung und zur Herstellung der Polyketon-Polymere wird auf US-A 5.166.252 verwiesen.
Die Mischkomponente B) wird erhalten durch Abmischung von mindestens einem durch Emulsionspolymerisation hergestellten elastisch-thermoplastischen Pfropf- polymerisat in Form eines wasserfeuchten Pulvers mit der Schmelze mindestens eines durch Lösungs- oder Massepolymerisation hergestellten thermoplastischen Co- oder Terpolymerisats aufgebaut aus Vinylmonomeren, insbesondere ausgewählt aus mindestens einem, vorzugsweise zwei aus der Gruppe Styrol, α-Methylstyrol. Acryl- nitril, Methacrylnitril, Methylmethacrylat, N-Phenylmaleinimid.
Der Kautschukgehalt der Mischkomponente B) (bezogen auf die Gesamtkomponente B) beträgt 30 bis 70 Gew.-%. vorzugsweise 35 bis 65 Ge\v.-% und besonders bevorzugt 36 bis 50 Gew.-%.
Das zur Herstellung der Mischkomponente B) verwendete elastisch-thermoplastische
Pfropfpolymerisat wird hergestellt durch Emulsionspolymerisation, indem in Gegen-
wart mindestens eines teilvernetzten Kautschuklatex Vinylmonomere radikalisch polymerisiert werden.
Als Kautschuk zur Herstellung des in Mischkomponente B) erfindungsgemäß einzu- setzenden elastisch-thermoplastischen Pfropfpolymerisats eignen sich im Prinzip alle in Emulsionsform vorliegenden kautschukartigen Polymerisate mit einer Glasübergangstemperatur unter 0°C.
Verwendet werden können z.B.
Dienkautschuke, d.h. Homopolymerisate von konjugierten Dienen mit 4 bis 8 C-Atomen wie Butadien, Isopren, Chloropren oder deren Copolymerisate mit bis zu 60 Gew.-%, bevorzugt bis zu 30 Gew.-% eines Vinylmonomeren, z.B. Acrylnitril, Methacrylnitril, Styrol, α- Methylstyrol, Halogenstyrole, C1 -C4- Alkylstyrole, C 1 -Cg-Alkylacrylate, Ci -Cg- Alkylmethacrylate, Alkylengly- koldiacrylate, Alkylenglykoldimethacrylate, Divinylbenzol;
Acrylatkautschuke, d.h. Homo- und Copolymerisate von CI -CI Q- Alkyl- acrylaten, z.B. Homopolymerisate von Ethylacrylat, Butylacrylat oder Copo- lymerisate mit bis zu 40 Gew.-%, bevorzugt nicht mehr als 10 Gew.-%
Mono- Vinylmonomeren, z.B. Styrol, Acrylnitril, Vinylbutylether, Acryl- säure(ester), Methacrylsäure(ester). Vinylsulfonsäure. Bevorzugt werden solche Acrylatkautschukhomo- bzw. - copolymerisate eingesetzt, die 0,01 bis 8 Gew.-% Divinyl- oder Polyvinylverbindungen und oder N-Methylolacryl- amid bzw. N-Methylolmethacrylamid oder sonstige Verbindungen enthalten, die als Vernetzer wirken, z.B. Divinylbenzol. Triallylcyanurat.
Bevorzugt sind Polybutadienkautschuke. Styrol/Butadien-Copolymer-Kautschuke mit bis zu 30 Gew.-% einpolymerisiertem Styrol und Acrylatkautschuke. besonders solche, die eine Kern-Schalen-Struktur aufweisen, z.B. wie in DE-OS 3 006 804 beschrieben.
Zur Herstellung der erfindungsgemäß geeigneten Pfropfpolymerisate kommen Lances mit mittleren Teilchendurchmessern d50 von 0,05 bis 2,0 μm, vorzugsweise von 0,08 bis 1,0 μm und besonders bevorzugt von 0,1 bis 0,5 μm, in Betracht. Die mittle- ren Teilchendurchmesser werden mittels Ultrazentrifuge (vgl. W. Scholtan, H.
Lange: Kolloid-Z. u Z. Polymere 250, S. 782-796 (1972) bestimmt. Gemische mehrerer Latices können ebenfalls verwendet werden (vergl. DE-OS 1 813 719). Die Herstellung dieser Latices erfolgt in der Regel durch Emulsionspolymerisation, die erforderlichen Reaktionsbedingungen. Hilfsstoffe und Arbeitstechniken sind grund- sätzlich bekannt.
Es ist auch möglich, nach bekannten Methoden zunächst ein feinteiliges Kautschukpolymerisat herzustellen und es anschließend in bekannter Weise zur Einstellung der erforderlichen Teilchengröße zu agglomerieren. Einschlägige Techniken sind be- schrieben (vgl. EP-PS 0 029 613; EP-PS 0 007 810; DD-PS 144 415; DE- AS 12 33
131; DE-AS 12 58 076; DE-OS 21 01 650; US-PS 1 379 391).
Ebenfalls kann nach der sogenannten Saatpolymerisationstechnik gearbeitet werden, bei der zunächst z.B. ein feinteiliges Butadienpolymerisat hergestellt und dann durch Weiterumsatz mit Butadien enthaltenden Monomeren zu größeren Teilchen weiter- polymerisiert wird.
Prinzipiell kann man Kautschukpolymerisatlatices auch durch Emulgieren von fertigen Kautschukpolymerisaten in wäßrigen Medien (vgl. japanische Patentanmeldung 55 125 102) herstellen.
Als Pfropfmonomere, die in Gegenwart der in Emulsionsform vorliegenden kautschukartigen Polymerisate polymerisiert werden, sind praktisch alle Verbindungen geeignet, die in Emulsion zu thermoplastischen Harzen polymerisiert werden können. z.B. Vinylaromaten der Formel (I) oder Verbindungen der Formel (11) bzw. deren
R Wasserstoff oder Methyl,
R2 Halogen oder Alkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen,
q 0, eine ganze Zahl von 1 bis 5, vorzugsweise 0,1 bis 3, besonders bevorzugt 0 oder 1,
R-3 Wasserstoff oder Methyl bedeuten und
X eine CN, R4OOC- oder R5R6NOC- Gruppe darstellt, wobei
R4 Wasserstoff oder Alkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen und
R5 und R6 unabhängig Wasserstoff, Phenyl oder Alkyl mit 1 bis 4 Kohlenstoffatomen bedeuten.
Beispielhaft und bevorzugt für Verbindungen der Formel (I) sind Styrol. α- Methylstyrol, p- Methylstyrol und Vinyltoluol. Beispielhaft und bevorzugt für Verbindungen der Formel (II) sind Acrylnitril und Methvlmethacrylat. Weitere geeignete Monomere sind z.B. Vinvlacetat und N-Phenvlmaleinimid.
Bevorzugte Monomere sind Mischungen aus Styrol und Acrylnitril, α- Methylstyrol und Acrylnitril, aus Styrol, Acrylnitril und Methylmethacrylat sowie Kombinationen dieser Monomerengemische mit N-Phenylmaleinimid.
Bevorzugte erfmdungsgemäße Pfropfpolymerisate sind solche, die durch Pfropfpolymerisation der o.g. Verbindungen der Formel (I) und (II) im Gew.-Verhältnis 90:10 bis 50:50, vorzugsweise 80:20 bis 65:35 in Gegenwart von solchen Mengen Kautschuk, vorzugsweise Polybutadien, erhalten werden, daß Pfropfpolymerisate mit Kautschukgehalten von 40 bis 90 Gew.-%, vorzugsweise 50 bis 80 Gew.-% und be- sonders bevorzugt 55 bis 75 Gew.-% resultieren. Es werden im allgemeinen 10 bis
60 Gew.-%, vorzugsweise 20 bis 50 Gew.-%, insbesondere 45 bis 25 Gew.-% Monomermischung und 90 bis 40 Gew.-%, insbesondere 55 bis 75 Gew.-% Kautschuk eingesetzt.
Als Initiatoren bei der Herstellung der Kautschuklatices und der elastisch-thermoplastischen Pfropfkautschuke kommen anorganische und organische Peroxide, z.B. H2O2, Di-tert.-butylperoxid, Cumolhydroperoxid, Dicyclohexylpercarbonat, tert.- Butylhydroperoxid, p-Menthanhydroperoxid, Azoinitiatoren, wie z.B. Azobisiso- butyronitril. anorganische Persalze wie Ammonium-, Natrium- oder Kaliumpersulfat. Kaliumperphosphat, Natriumperborat sowie Redox-Systeme in Betracht.
Bei der Herstellung der erfindungsgemäß geeigneten elastisch-thermoplastischen Pfropfpolymerisate können die üblicherweise als Molekulargewichtsregler eingesetzten Verbindungen wie z.B. Mercaptane oder dimeres α- Methylstyrol verwendet werden.
Als Emulgatoren sind praktisch alle Emulgatortypen (anionische, kationische und nichtionische Emulgatoren) geeignet, bevorzugt werden anionische Emulgatoren eingesetzt.
Geeignete anionische Emulgatoren sind beispielsweise Natrium-, Kalium- oder Ammoniumsalze langkettiger Fettsäuren mit 10 bis 20 Kohlenstoffatomen, z.B. Kaliumoleat, Salze der disproportionierten Abietinsäure, Salze langkettiger Benzol- sulfonate, Salze langkettiger Sulfonsäuren, z.B. die Natriumsalze von Ccj-Ci g- Alkylsulfonsäure-Gemischen und Salze von Dicarbonsäuren auf Basis cyclischer
Kohlenwasserstoffgerüste gemäß DE-OS 3 639 904 und DE-OS 3 913 509.
Als Reaktionstemperaturen können beliebig solche Temperaturen gewählt werden, bei denen die eingesetzten Initiatorverbindungen in ausreichendem Maße Radikale zur Auslösung und Aufrechterhaltung der Polymerisationsreaktion liefern. Dieser
Temperaturbereich liegt etwa zwischen 50°C und 120°C, vorzugsweise zwischen 55°C und 75°C.
Die Überführung der in Emulsionsform vorliegenden elastisch-thermoplastischen Pfropfpolymerisate in wasserfeuchte Pulver erfolgt durch bekannte Verfahren der
Latexkoagulation, beispielsweise durch Zusatz von Salzen (z.B. Magnesiumsulfat, Calciumchlorid, Natriumsulfat, Natriumchlorid), Säuren (z.B. Essigsäure, Schwefelsäure) oder Kombinationen aus Säure- und Salzkomponente und anschließendes Waschen (elektrolytfrei bzw. neutral) und gegebenenfalls teilweises Entfernen des Wassers (z.B. unter Verwendung einer Zentrifuge oder einer Bandpresse). Dabei kann die Koagulation kontinuierlich oder ansatzweise erfolgen.
Als Thermoplastharze auf Basis von Vinylmonomeren sind vorzugsweise durch Lösungs- oder Massepolymerisation hergestellte Polymerisate geeignet. Geeignete derartige Thermoplastharze sind vorzugsweise Copolymerisate des Styrols und
Acrylnitrils im Gewichtsverhältnis 90:10 bis 50:50. wobei das Styrol ganz oder teilweise durch α-Methylstyrol oder Methvlmethacrylat ersetzt werden kann und wobei gegebenenfalls anteilmäßig bis zu 25 Gew.-%. bezogen auf Thermoplastharz, ein weiteres Monomeres aus der Reihe Maleinsäureanhydrid, Malein- oder Fumarsäure- bisalkylester, Maleinsäureimid, N-(Cyclo)-alkylmaleinimid. N-(Alkyl)-phenylma- leinimid mitverwendet werden kann.
Erfindungsgemäß besonders geeignete Thermoplastharze sind Styrol/Acrylnitril- Copolymerisate, Styrol/ Acrylnitril/Methylmethacrylat-Terpolymerisate. α-Methylsty- rol/Acrylnitril-Copolymerisate, Styrol/ Acrylnitril/N-Phenylmaleinimid-Terpolymeri- säte, Styrol/Maleinsäureanhydrid-Copolymerisate, Styrol/Acrylnitril/Maleinsäure- anhydrid-Terpolymerisate, Styrol/Maleinsäureanhydrid/N-Phenylmaleinimid- Ter- polymerisate.
Derartige Vinylpolymerisatharze sind bekannt; Einzelheiten zu ihrer Herstellung sind beispielsweise in der DE-AS 2 420 358, der DE-AS 2 724 360 und der EP-A 255 889 beschrieben.
Die Herstellung der Mischkomponente B) erfolgt durch Abmischen des wasserfeuchten Pfropfpulvers mit der Schmelze des Thermoplastharzes unter Entfernung des Wassers in bekannter Weise. Dabei beträgt der Wassergehalt des eingesetzten wasserfeuchten Pfropfpulvers 1 bis 50 Gew.-%, vorzugsweise 10 bis 40 Gew.-%; das Mischungsverhältnis von elastisch-thermoplastischem Pfropfpolymerisat zu Thermoplastharzschmelze beträgt ca. 1 :4 bis 4:1, vorzugsweise 1 :3 bis 3:1. Derartige Verfahren sind z.B. in EP-A 867 463 und der dort zitierten Literatur beschrieben.
Der Restgehalt an flüchtigen Bestandteilen in der Mischkomponente B) beträgt vor Abmischung mit der Polymerkomponente A) <1 000 ppm, vorzugsweise <500 ppm, besonders bevorzugt <250 ppm und ganz besonders bevorzugt <100 ppm.
Unter flüchtigen Bestandteilen werden hierbei insbsondere Restmonomere sowie
Reste von bei der Herstellung der Polymerkomponenten eingesetzten Lösungsmitteln verstanden.
Als faser- oder teilchenförmige Füllstoffe und Verstärkungsstoffe für die erf Indungs- gemäßen Formmassen können Glasfasern, Glaskugeln. Glasgewebe. Glasmatten.
Kohlenstofffasern, Aramidfasern. Kaliumtitanat-Fasern, Naturfasern, amorphe
Kieselsäue, Magnesiumcarbonat, Bariumsulfat, Feldspat, Glimmer, Silikate, Quarz. Talkum, Kaolin, Titandioxid, Wollastonit, u.a. zugesetzt werden, die auch oberflächenbehandelt sein können. Bevorzugte Verstärkungsstoffe sind handelsübliche Glasfasern. Die Glasfasern, die im allgemeinen einen Faserdurchmesser zwischen 8 und 14 μm haben, können als Endlosfasern oder als geschnittene oder gemahlenen Glasfasern zugesetzt werden, wobei die Fasern mit einem geeigneten Schlichtesystem und einem Haftvermittler bzw. Haftvermittlersystem z.B. auf Silanbasis ausgerüstet sein können. Vorzugsweise können der Mischung 5 bis 40, insbesondere 10 bis 30 Gew. -Teile Füll- und Verstärkungsstoffe zugesetzt werden.
Um leitfähige Formmassen zu erhalten, können leitfähige Ruße, Carbonfibrillen. Graphit, leitfähige Polymere, Metallfasern sowie andere übliche Additive zur Erhöhung der Leitfähigkeit zugesetzt werden.
Als Flammschutzmittel können halogenierte Aromaten, halogenhaltige Formmassen,
Phosphorverbindungen wie z.B. Triphenylphosphat und Resorcinol-bis-(diphenyl- phosphat), mineralische Flammschutzadditive wie z.B. Magnesiumhydroxid oder Calcium-/Magnsiumcarbonat, Calcium-/Magnesiumcarbonathydrat, Huntit, Dolomit, Stickstoffverbindungen wie z.B. Melamincyanurat und Tetrafluoroethylenpolymeri- säte eingesetzt werden. Die mineralischen Flammschutzmittel können mit einem geeigneten Schlichtesystem, einen Haftvermittler bzw. Haftvermittlungssystem z.B. auf Silanbasis oberflächenmodifiziert sein.
Die erfindungsgemäßen Formmassen können übliche Additive, wie Mittel gegen Wärmezersetzung, Mittel gegen Wärmevernetzung. Mittel gegen Beschädigung durch ultraviolettes Licht. Weichmacher, Gleit- und Entformungsmittel. Nukle- ierungsmittel. Antistatika, Stabilisatoren, Stabilisatoren gegen Zersetzung und Vernetzung sowie Farbstoffe und Pigmente enthalten.
Die erfindungsgemäßen Formmassen enthaltend gegebenenfalls weitere bekannte
Zusätze wie Stabilisatoren. Farbstoffe. Pigmente. Gleit- und Entformungsmittel, Ver-
stärkungsstoffe, Nukleierungsmittel sowie Antistatika werden hergestellt, indem man die jeweiligen Bestandteile in bekannter Weise vermischt und bei Temperaturen von 200°C bis 330°C in übliche Aggregaten wie z.B. Innenknetern, Extrudern, Doppelwellenschnecken schmelzcompoundiert oder schmelzextrudiert. Bei dem Schmelz- compoundier- oder Schmelzextrudierschritt lassen sich weitere Zusätze wie z.B. Verstärkungsstoffe, Stabilisatoren, Farbstoffe, Pigmente, Gleit- und Entformungsmittel, Nukleierungsmittel, Compatalizer und andere Additive zusetzten.
Gegenstand der vorliegenden Erfindung ist weiterhin ein Verfahren zur Herstellung von thermoplastischen Formmassen, aus den Komponenten A und B und gegebenenfalls weiteren bekannten Zusätzen wie Flammschutzmitteln. Stabilisatoren, Pigmenten, Gleit- und Entformungsmitteln, Verstärkungsstoffen, Nukleierungsmitteln, sowie Antistatika, das dadurch gekennzeichnet ist, daß man die Komponenten nach erfolgter Vermischung bei Temperaturen von 200°C bis 330°C in gebräuchlichen Aggre- gaten schmelzcompoundiert oder schmelzextrudiert.
Ein weiterer Gegenstand der Erfindung ist die Verwendung der obengenannten Formmassen zur Herstellung von Formkörpern und Halbzeugen wie z.B. Platten, Folien, Fasern oder Profilen, wobei die Formmassen zur Herstellung von Formkör- pern und Halbzeugen jeder Art, auch im Verbund mit anderen Materalien verwendet werden können. Die erfindungsgemäßen Formkörper werden durch übliche Kunststoffverarbeitungsverfahren wie z.B. Spritzguß, Extrusion, Thermo formen, Tiefziehen, Pressen, Schweißen, Prägen, Sintern, Blasformen. Gasinjektionstechnik oder einer Kombination dieser Techniken hergestellt. Insbesondere können Formkörper durch Spritzguß hergestellt werden.
Beispiele für herstellbare Formkörper sind Gehäuse jeder Art z.B. für Haushaltsgeräte, Steckerleisten und Leuchtensockel, Kabelbinder. Teile aus dem Kraftfahrzeugsektor wie z.B. Kraftstofftanks, Kraftstoffleitungen. Kraftfahrzeuganbauteile, Kraft- fahrzeugaußenteile, Kotflügel, Stoßfänger. Rückwandtür. Kofferraumdeckel, Seiten-
türverkleidung, Motorhaube, Kühlergrill, Außenspiegel, die gegebenenfalls nach dem offline- inline- oder online- Verfahren lackierbar sind.
Beispiele:
Die folgenden Komponenten werden in den Beispielen verwendet:
Polvketon:
Linear alternierendes Terpolymer aus Kohlenmonoxid, Ethylen und Propylen (Cari- lon DP P 1000, Shell International Chemicals Ltd., London, UK).
Mischkomponente B):
Gemisch aus a) 64 Gew.-% eines elastisch-thermoplastischen Pfropfpolymerisats erhalten durch Emulsionspolymerisation von 40 Gew.-Teilen eines Gemisches aus Styrol und Acrylnitril (Gew.-Verhältnis 73:27) in Gegenwart von 60 Gew.-Teilen eines Polybutadienlatex mit einem mittleren Teilchendurchmesser (d50) von ca. 300 nm und b) 36 Gew.-% eines durch Lösungspolymerisation hergestellten Styrol/ Acrylnitril - Copolymeren (Gew.-Verhältnis 72 : 28) mit einem Mw von ca. 85 000 und einer molekularen Uneinheitlichkeit U = Mw/Mn-1< 2, hergestellt durch Abmischung des nach Koagulation mit einem Magnesiumsulfat/Essigsäure-Gemisch, Waschen mit Wasser und Zentrifugieren erhaltenen wasserfeuchten Pfropfpolymerpulvers
(Wassergehalt 31 Gew.-% ) mit der Schmelze des Styrol/Acrylnitril-Copolymeren bei ca. 230°C unter Entfernung des Wassers. Der Restgehalt an flüchtigen Bestandteilen in Mischkomponente B) beträgt 83 ppm.
Vergleichspfropfpolymerisat:
Das unter "Mischkomponente B" beschriebene durch Emulsionspolymerisation hergestellte elastisch-thermoplastische Pfropfpolymerisat wird mit einem Magnesiumsulfat/Essigsäure-Gemisch koaguliert. mit Wasser gewaschen und bei 70°C getrock- net. Das resultierende Pulver hat einen Restgehalt an flüchtigen Bestandteilen von
1250 ppm.
Das Mischen der Komponenten erfolgt auf einem Extruder des Typs ZSK 32/1 bei 230 bis 250°C. Die Formkörper werden auf einer Spritzgußmaschine des Typs Arburg 320-210-500 bei Massetemperaturen von 230 bis 260°C und Werkzeugtemperaturen von 40 bis 80°C hergestellt.
Zusammensetzung, Eigenschaften und Erläuterungen gehen aus Tabelle 1 und den Bemerkungen zu Tabelle 1 hervor.
Tabelle 1 : Zusammensetzung und Eigenschaften der Formmassen
Visuelle Beurteilung der Oberfläche der Probekörper:
viele Flecken (gelbe Flecken) 0 fleckenfrei, heller Grundton
+ völlig fleckenfrei, sehr heller Grundton
1. Die Bestimmung des Fülldruck und der Siegelzeit (Maß für das Erstarrungsverhalten) erfolgt wie in folgender Literatur beschrieben: Kunststoff Taschen-
buch, 27. Ausgabe, Saechtling, ISBN 3-446-19054-6, S. 80 - 83. Die Messungen werden an Schulterstab Nr. 3 nach ISO 294 auf Spritzgießmaschinen des Typs Arburg 320 mit Prozessdatenerfassung (Mold Control) bei einer Massetemperatur von 240°C und einer Werkzeugtemperatur von 40°C durchgeführt.
Die Fülldruckbestimmung beim Spritzgießen stellt eine praxisnahe Beurteilung des Fließverhaltens von Thermoplastschmelzen dar. Die niedrigeren Fülldrücke der Beispiele 1 - 3 zeigen eine deutlich bessere Fließfähigkeit der erfindungsgemäßen Formmassen gegenüber den Vergleichsbeispielen 1 und
2, wobei die deutlich verbesserte Fließfähigkeit der erfindungsgemäßen Formmassen keine negativen Auswirkungen auf das Erstarrungsverhalten hat. wie aus den gemessenen Nachdruckzeiten hervorgeht. Die gemessenen Nachdruckzeiten der Beispiele 1- 3 sind kürzer als bei den Vergleichsbeispielen 1 und 2. Durch die bessere Fließfähigkeit lassen sich dünnwandige Formteile realisieren und in Kombination mit der schnellen Erstarrung deutliche Zykluszeitverkürzungen erzielen.
2. Die Bestimmung der MVR-Werte erfolgt in Anlehnung an DIN ISO 11333/Ba bei 260°C und einer Belastung von 15 kg. Die Ergebnisse belegen zum einen die bessere Fließfähigkeit der Beispiele 1 - 3 gegenüber den Vergleichsbeispielen 1 und 2. Zum anderen zeigen die Ergebnisse, daß die erfindungsgemäßen Formmassen der Beispiele 1 - 3 eine höhere Stabilität (geringerer Viskositätsaufbau) in der Schmelze aufweisen als Vergleichsbeispiel 2.
3. Die Bestimmung des Gelbwertes erfolgt in Anlehnung an DIN 6167 (Dataflash 2000, Auswerteverfahren CIELAB, Lichtart/Normalbetrachter: D65/100, mit Glanz). Die Messung wird an verspritzten Prüfkörpern vorgenommen. Die angegebenen Gelbwerte werden bei Beispiel 1 - 3 und Ver- gleichsbeispiel 1 an beliebiger Stelle der Prüfkörper und bei Vergleichsbeispiel 2 in den gelblich verfärbten Bereichen gemessen. Aus der visuellen Be-
urteilung der Prüfkörper geht hervor, daß die erfindungsgemäß modifizierten Polyketone eine deutlich bessere Oberflächenqualität haben als Polyketone, die mit üblichem ABS modifiziert sind.
4. Die Beurteilung der Barriereeigenschaften erfolgt anhand elektronenmikroskopischer Aufnahmen (Transmission, Ultra-Dünnschnitte, Formalin/OsO4- Behandlung). Elektronenmikroskopische Aufnahmen zeigen, daß das Vergleichsbeispiel 2 als auch die erfindungsgemäßen Beispiele die guten Barriereeigenschaften von Polyketon gegen Treibstoffe, Lösungsmittel. Sau- erstoff u.a. besitzen.
5. Das Verhalten bei Stoßbeanspruchung im Durchstoßversuch (Durchstoßarbeit Wges an 60 mm Rundscheiben mit 3 mm Dicke, ISO 6603-2) wurde untersucht. Die erfindungsgemäßen Formmassen der Beispiele 1 - 3 zeigen gegen- über Vergleichsbeispiel 1 über den gesamten Temperaturbereich ein deutlich verbessertes und gegenüber Vergleichsbeispiel 2 bei tiefen Temperaturen ein verbessertes Zähigkeitsverhalten.
6. Das Verhalten im Zugversuch wurde nach ISO 527 ermittelt. Die erfindungs- gemäßen Formmassen der Beispiele 1 - 3 zeigen gegenüber Vergleichsbeispiel 2 im Zugversuch eine verbesserte Bruchspannung und Bruchdehnung und erhöhte Zugmodul werte.
Es zeigt sich, daß die erfindungsgemäß modifizierten Polyketon-Formmassen im Vergleich zu unmodifiziertem Polyketon bessere Eigenschaften hinsichtlich Verarbeitungseigenschaften (verbesserte Fließfähigkeit, kürzere Erstarrunngszeit). Farbeigenschaften (hellerer Grundfarbton) und Tieftemperaturzähigkeit im Durchstoßversuch haben unter Beibehaltung der guten Eigenschaften des unmodifizierten Polyketons bezüglich Zähigkeit im Durchstoßversuch bei Raumtemperatur, mecha- nische Eigenschaften im Zugversuch und Barriereeigenschaften.
Im Vergleich zu der nächsthegenden modifizierten Polyketon-Formmasse (Vergleichsbeispiel 2) zeigen die erfindungsgemäß modifizierten Polyketon-Formmassen (Beispiele 1 - 3) deutlich bessere Eigenschaften hinsichtlich Verarbeitungseigenschaften (verbesserte Fließfähigkeit), Verarbeitungsstabilität (langsamerer Viskosi- tätsaufbau in der Schmelze), Oberflächenqualität (keine Flecken, hellerer Grundfarbton) und mechanische Eigenschaften im Zugversuch (Festigkeit, Dehnbarkeit).