DE902282C - Verfahren zur Stabilisierung einer Energieerzeugungseinrichtung - Google Patents
Verfahren zur Stabilisierung einer EnergieerzeugungseinrichtungInfo
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Description
(WiGBl. S. 175)
AUSGEGEBEN AM 21. JANUAR 1954
C ΐρρό VIII c/2ig
In einem älteren Vorschlag, betreffend ein Verfahren
und eine Vorrichtung zur Energiegewinnung durch Zertrümmerung des Urankerns, ist die Ausbildung
einer solchen Vorrichtung angegeben, die aus eimer eine bestimmte Gestaltung aufweisenden
Masse von Uran (oder Uranverbindungen:) besteht, auf welche eine äußere oder innere Neutronenquelle
einwirkt. Dabei treten aufeinanderfolgend Aufspaltungen von Urankernen in Form von Ketten
mit unbegrenzten Verzweigungen unter Entwicklung einer außerordentlich großen Energie auf. In
diesem älteren Vorschlag wurde angegeben,, daß es zur Verhütung einer nicht regelbaren Energieentwicklung,
wobei die Reaktionen explosionsartig verlaufen könnten, zweckmäßig sei, diese Reaktionen
dadurch zu stabilisieren, daß in die Masse Elemente, welche alle emittierten Neutronen oder einen Teil
derselben verlangsamen, sowie gegebenenfalls auch Elemente eingeführt werden, die unter gewissen
Bedingungen einen Teil dieser Neutronen absorbieren.
In dem älteren Vorschlag wurde auch angegeben, dlaß es gewisse kritische Arbeitsbedingungen gebe
und insbesondere eine kritische, aus Uran oder einer Uranverbindung bestehende Masse. Für jeden
diese Bedingungen bestimmenden Faktor gibt es bei sonst gleichbleibenden Verhältnissen einen
kritischen Wert, bei dem die Vorrichtung von der
Bildung· von Ketten mit unbegrenzten Verzweigungen zur Bildung von Ketten mit begrenzten
Verzweigungen übergeht.
Schließlich ist in dem älteren Vorschlag auch angegeben·, in welcher Weise die Einleitung und
der Stillstand der Reaktion sowie die Abführung der entwickalten Energie ausgeführt werden, könnte.
Die vorliegende Erfindung bezieht sich auf ein neues Verfahren, welches es gestattet, die Stabilisierung
der Reaktion durch ein anderes Mittel als durch eine selbsttätige Stabilisierung der Temperatur
der Vorrichtung zu erzielen, welche durch Einführung von. verlangsamend wirkenden Stoffen
und gegebenenfalls auch von absorbierenden Stoffen erzielt wird.
Das erfindungsgemäße Verfahren kann die indem
erwähnten Vorschlag beschriebene Art der selbsttätigen Stabilisierung zur Herstellung einer Energieerzeugungsvorrichtung
und" für die anderen in jenem Vorschlag erwähnten Anwendungen ersetzen.
Das erfindungsgeimäße Stabilisierungsverfahren, das ebenfalls dazu düent, die Geschwindigkeit der
Energieentwicklung zu begrenzen, beruht auf der an sich bekannten Tatsache, daß diese Ketten zu
ihrer Entwicklung eine gewisse Zeit brauchen. Das erfindungsgemäße Verfahren besteht daher im
wesentlichen 'darin, daß man den Ablauf der unbegrenzten Kettenreaktionen sich während einer
Zeitdauer entwickeln läßt, die erforderlich ist, um eine genügende Energiefreigabe zu erzielen und
jene Reaktionsentwicklung durch Einwirkung auf
einen oder mehrere Faktoren zum Stillstand zu bringen, dessen ursprünglicher Wert, oder deren
ursprüngliche Werte -dien Ketten ihren unbegrenzten
Charakter verleihen. Man stellt die Bedingungen für die Entwicklung der unbegrenzten Ketten wieder
her und unterbricht diese von neuem wie früher. Durch periodische Wiederholung dieser Vorgänge
kann man eine gleichmäßige Engerieentwicklung von erheblicher und regelbarer Stärke erzielen.
Diese augenblicklichen und wiederholten Unterbrechungen der verzweigten Kettenreaktionen erfolgen
dadurch, daß man die Arbeitsbedingungen oder gewisse Arbeitsbedingungen abwechselnd auf
unterhalb und oberhalb der kritischen Werte dieser selben Bedingungen liegende Größen bringt. Dabei
können diese Unterbrechungen auf verschiedene Weise erzielt werden.
Man kann beispielsweise die aus Uran oder einer Uraniverbindung1 bestehende Masse aus mehreren
besonderen Teilen herstellen, die man vorübergehend und periodisch einander nähert und voneinander
trennt, derart, daß während begrenzter und bestimmter Zeitdauern die Bedingungen für die
unbegrenzte Entwicklung der Ketten geschaffen werden. Man kann beispielsweise die uranhaltige
Masse aus einem festen Teil und einem beweglichen Teil zusammensetzen, welch letzteren man periodisch
mittels beliebiger geeigneter mechanischer Mittel von dem festen Teil entfernt oder diesem
nähert.
Ebenso könnte man periodisch der uranhaltigen
Masse Teile einer äußeren diffundierenden Umhüllung (beispielsweise aus Eisen) nähern oder von
ihr entfernen, so daß man ebenfalls abwechselnd auf unterhalb und oberhalb der kritischen Bedingungen
liegende Werte kommt.
Man kann beispielsweise auch periodisch in die gesamte Masse oder einen, Teil der Masse einen
Schirm, ein Filter oder ein anderes Organ einführen,
das aus einem Stoff hergestellt ist, der die Neutronein zu absorbieren vermag.
In dieser Hinsicht könnte man beispielsweise innerhalb der Masse oder innerhalb eines Teils der
Masse bewegliches Organ verschieben, das abwechselnd
einen rasche und/oder langsame Neutronen stark absorbierenden Teil sowie darauf einen
anderen, jene Neutronen nur schwach oder nicht absorbierenden, Teil in das Innere der Masse
bringen wird. Dieses· Organ könnte beispielsweise eine umlaufende Scheibe sein, von der ein oder
mehrere Sektoren beispielsweise aus Eisen hergestellt wären, während der andere Sektor oder' diie
anderen Sektoren aus einer mehr oder weniger dicken Schicht von Wasser, borsäurehaltigem
Wasser, aus Kadmium, Bor od. dgl., bestehen wurden. Man kann auch beispielsweise periodisch
durch diei Masse gewisse Gase, wie Wasserstoff, Deuterium, Wasserdampf oder Dampf von Deuterium,
Kadmium oder Quecksilber, einblasen, oder es könnten auch durch die. Masse. Gase oder Dämpfe
von periodisch wechselnder Zusammensetzung geblasen werden.
Man kann auch dia Masse beispielsweise geeigneten Schwingungen aussetzen.
Diese-"verschiedenen Ausführungsfortnen werden
hier jedoch lediglich zur Erläuterung und rein beispielshalber angegeben.
Bei den betrachteten Ausführungsformen, wird man, ganz gleich welche Ausführungsform gewählt
wird, der erheblichen Zeit Rechnung tragen können, die zwischen der Absorption eines Neutrons durch
das Uran und der sich daraus eingebenden Emission eines Teils der Neutronen liegen kann.
Um eine zu große Ungleichmäßigkeit der bei jedem Kreislauf freigemachten Energie zu verhüten,
kann es notwendig sein, daß in der Vorrichtung oder in ihrer Nähe eine genügend starke
Neutronenquelle vorgesehen wird. Die Zahl der in jedem Augenblick des Kreislaufs von dieser Quelle
in die Vorrichtung eingeführten Neutronen kann dadurch geregelt werden, daß man beispielshalber
in entsprechender Weise die Stärke dieser Quelle ändert, oder es kann auch irgendein anderes Mittel
dafür angewandt werden.
Um jene Ungleichmäßigkeiten, zu beseitigen,
wird man auch eine Relaiseinrichtung benutzen können, die fortschreitend die Entwicklung der
Ketten entsprechend der Zunahme der Energiefreigabe und der diese begleitenden Strahlung, und
zwar Korpuskularstrahlung und/oder elektromagnetische Strahlung, verlangsamt sowie diese Entwicklung
in dam Augenblick anhält, wo die Energiefreigabe den gewünschten Wert erreicht.
Diese Relais können auch durch thermometrische Vorrichtungen oder durch Geräte, wie lonisierungs-
kammern, Zähler für Elektronen oder andere Teilchen usw., gesteuert werden, wobei diese Geräte
in die Nähe der uranhaltigen Masse gebracht werden können. Dabei können diese Einrichtungen
auf einen deir oben oder in" dem erwähnten älteren Vorschlag1 angegebenen Mechanismen einwirken.
Man könnte auch die Kettenreaktion dadurch unterbrechen!, daß man die Änderungen der Dichte
und Zusammensetzung ausnutzt, die sich infolge ίο der Temperatursteigerung ergeben können, welche
bei der Entwicklung der Kette bei jedem Kreislauf
auftritt.
Schließlich muß noch darauf hingewiesen werden, daß man dieses Staibilisierungsverfahren auch noch
mit der Einführung von Elementen in die uranhaltige Masse verbinden kann, welche,' wie beispielsweise
Wasserstoff, alle oder einen Teil der emittierten Neutronen verlangsamen. Gegebenenfalls
könnten auch Elemente, wie beispielsweise Kadmium, eingeführt werden, die einen Teil der
emittierten Neutronen absorbieren. Die Einführung solcher Stoffe bildet namentlich den Gegenstand; des
erwähnten älteren Vorschlags.
Man könnte das erfindungsgemäße Verfahren auch mit einer oder mehreren Anordnungen kombinieren,
die in dem erwähnten älteren Vorschlag vorgesehen worden sind, insbesondere mit den Anordnungen,
die zur Verminderung der kritischen Masse dienen.
Lediglich beispielshalber sei angegeben, daß bei einer Vorrichtung mit einem Verlangsamungsmittel,
bei welcher die Ketten sich mittels langsamer Neutronen fortpflanzen, die Zeit zwischen der
Emission eines Neutrons und seiner Absorption von der Größenordnung einer Zehntausenidstelsekunde
ist. Wenn die Vorrichtung soi ausgebildet
ist, daß die Zahl der Neutronen sich durchschnittlich bei einer Verzweigung lediglich um 1,007 vermehrt,
so müssen 100 aufeinanderfolgende Verzweigungen auftreten, um die Zahl der vorhandenen
Neutronen zu verdoppeln. Die pro Zeiteinheit frei gemachte Energie verdoppelt sich also
jede Hundertstelsekunde. Wenn die Vorrichtung mit einem beweglichen Schirm versehen ist, der die
langsamen (oder raschen) Neutronen zu absorbieren vermag, und wenn dieser Schirm plötzlich in die
Vorrichtung jede halbe Sekunde (auf eine Hundertstelsekunde genau) eindringt, so wird man
während der halben Sekunde, in welcher der Schirm sich außerhalb der Vorrichtung befindet, eine Entwicklung
einer verzweigtem Kette erhalten, die bis zum Muiltiplikationsfaktor io15 geht. Dann wird
diese Kette durch die plötzliche Einführung des Schirms in die Vorrichtung unterbrochen
werden.
Die Zeit, während welcher der Schirm sich in der Vorrichtung befinden wird, wird nicht unbedingt
gleich der Zeit sein, während der es sich außerhalb der Vorrichtung befindet.
Um die durchschnittliche Energieentwicklung der Vorrichtung zu regeln, wird man gegebenenfalls
selbsttätig auf die Entwicklungsdauer der Ketten und/oder auf das Intervall zwischen zwei Entwicklungsperioden
der Kettenreaktion einwirken können.
Natürlich kann bei allen vorstehend beschriebenen Vorgängen· im Rahmen der Erfindung die
Masse aus Uran oder einer Uranverbindung durch Thorium oder eine Thoriumverbindung oder durch
beliebige andere Stoffe oder Stoffmischungen mit ähnlichen Eigenschaften ersetzt werden.
Claims (1)
- Patentansprüche:751. Verfahren zur Stabilisierung einer Energieeirzeuigungsainrichtung, die aus einer Grundniasse, wie Uran od. dgl., besteht, welche unter ■der Einwirkung von Neutronen eine kettenartige Em«ision von Neutronen hervorzurufen io~/s vermag, dadurch gekennzeichnet, daß man die Reaktion in Form von unbegrenzten: Ketten während der Zeitdauer sich entwickeln läßt, die zur Erzielung einer genügenden Energiefreiigabe notwendig ist, darauf diese Entwicklung" von Kettenreaktionen anhält, indem man auf einen oder mehrere Faktoren einwirkt, welche den Kettenreaktionen ihren unbegrenzten Charakter verleihen, dann die Bedingungen für die Entwicklung der unbegrenzten Kettenreaktionen wiederherstellt und so fort, wobei die Wiederholung dieser Vorgänge periodisch eintritt.2. Ausführungsform eines Verfahrens nach Anspruch. 1, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Regelung der Energieentwicklung die Verteilung des Grundstoffes in der Vorrichtung ändert.3.. Ausführungsform eines Verfahrens nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Regelung der Energieientwicklung gewisse bewegliche Teile der Masse des Grundstoffes in bezug auf seine festen; Teile verlagert.4. Ausführungsform eines Verfahrens nach Anspruch 1 und 2, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Regelung der Energieentwicklung äußere diffundierende Elemente in bezug auf die Grundstoffmasse selbsttätig verlagert.5. Ausführungsform eines Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß man zur Regelung der Energieientwicklung periodisch in die ganze Grundmasse oder einen Teil derselben einen Neutronen absorbierenden Stoff oder Teil einführt oder schiebt, wobei dieser Stoff O'der Teil beispielsweise in Form eines beweglichen Schirms oder einer umlaufenden Scheibe ausgebildet ist, welche von einem Teil aus· Eisen und einem Teil aus einer Wasserschicht oder einem anderen Absorptionsmittel gebildet wird oder in irgendeiner anderen geeigneten Form ausgebildet ist.6. Ausführungsform eines Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zur Regelung1 der Energieentwicklung die Masse der Grundsubstanz Schwingungen ausgesetzt wird.7. Ausführunigsform eines Verfahrens nach Anspruch 1, dadurch gekennzeichnet, daß zurRegelung1 der Energieentwicklung in die Masse der Grundsubstanz Gase oder Dämpfe eingeblasen werden.S. Ausfübrungsform eines Verfahrens nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß zur Regelung der Energieentwieklung in der Energieerzeugungsvorrichtung oder in ihrer Nähe eine Neutronenquelle von regelbarer Stärke vorgesehen ist.g. Auisführungsfo'rm eines Verfahrens nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß zur Regelung der Energieentwicklung Relais vorgesehen werden, die fortschreitend die Entwicklung der Kettenreaktionen verlangsamen und von Wärmemeißgeräten oder von Geräten gesteuert werden, die auf die ausgesanditen Strahlungen ansprecheix, wobei- diese Geräte in der Nähe dar Grundmasse angeordnet sind.10. Ausführungsforrn eines Verfahrens nach Anspruch i, dadurch gekennzeichnet, daß zur Unterbrechung der Kette Änderungen der Dichte oder Zusammensetzung ausgenutzt werden, die sich infolge der Temperaturerhöhung ergeben können, welche bei der Entwicklung der Kette während jedes Kreislaufs auftritt.11. Verfahren nach einem der Ansprüche 1 bis 10, dadurch gekennzeichnet, daß zusätzlich gegebenenfalls in die Masse die Neutronen verlangsamende Elemente, wie beispielsweise Wasserstoff, sowie gegebenenfalls Neutronen absorbierende Elemente, wie beispielsweise Kadmium, eingeführt werden.I 5694 1..S4
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