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Gemische mit insekticider,* akaricider, fungicider oder herbicider
Wirkung Die Erfindung bezieht sich auf Stoffgemische mit insekticider und/oder akaricider
und/oder fungicider und/oder herbicider Wirkung, welche in inniger* Mischung ein
Thiocyanat oder Isothiocyanat: enthalten von der Formel RXCH.M, in welcher R einen
aromatischen Kern, X ein Sauerstoff- oder Schwefelatom und M eine Thiocyanat-oder
Isothiocyanatgruppe bedeutet, sowie ein oder mehrere Lösungsmittel, wie sie für
gewöhnlich bei insektieiden, fungiciden und herbieiden Zusammenset7ungen verwendet
werden.
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Die obenerwähnten Thiocyanate und Isotliiocvanate haben eine hohe
Toxizität gegenüber einer großen Anzahl von Insekten. und ähnlichen Schädlingen
wie auch gegenüber gewissen wirtschaftlich bedeutungsvollen Pilzen und einigen Unkrautarten.
Andererseits scheinen diese Verbindungen als Gruppe eine geringe Toxizität gegenüber
Kleinsäugern zu besitzen, wie sie gewöhnlich als Test- und Versuchstiere verwendet
werden, woraus geschlossen werden kann, daß ihre Toxizität gegenüber Menschen nicht
hoch sein kann. Die Natur und die Stellung der Substituenten in dem aromatischen
Kern hat einen wesentlichen und spezifischen Einfluß auf die besondere biocide Wirkung
jeder vorgegebenen Verbindung (bei solchen Verbindungen, wo R ein Phenyl bedeutet,
ist ein Chloratom in der 4-Stellung besonders wirksam hinsichtlich der Steigerung
der Aktivität). Gegenüber Insekten
scheint die Räucherung die beste
Wirkung zu haben.
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Die gemäß der Erfindung verwendeten neuen Thiocyanate können durch
eine Zwischenreaktion von bisher unbekannten Aryloxymethylhalogeniden oder Arylthiomethylhalogeniden
mit einem anorganischen Thiocyanat gemäß der Gleichung RXCH,Y + M
- SCN = R - X - CH,SCN + MY, worin P, einen substituierten
oder nicht substituierten aromatischen Kern ' X ein Sauerstoff- oder Schwefelatom,
Y ein Chlor- oder Bromatom und M ein anorganisches Kation bedeutet, hergestellt
werden.
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Die Verfahren für die Herstellung dieser neuen Verbindungen sind nicht
Gegenstand der vorliegenden Erfindung.
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Wie bereits oben dargelegt, umfaßt die vorliegende Erfindung Stoffgemische,
welche ein Thiocyanat oder Isothiocyanat sowie ein oder mehrere Streck- oder Verdünnungsmittel
von der für gewöhnlich bei insekticiden, fungiciden und herbiciden Mitteln verwendeten
Art in inniger Vereinigung enthalten. Das Streck- oder Verdünnungsmittel kann eine
Flüssigkeit, für gewöhnlich Wasser sein, in welchem Falle, da die aktiven Agenzien
im allgemeinen in Wasser schwer löslich sind, das Produkt für gewöhnlich einen flüssigen
oder festen Trägerkörper zusammen mit einem netzenden, dispergierenden oder emulgierenden
Mittel, mit oder ohne -Stabilisatoren oder andere übliche Zusätze enthält. Die erfindungsgemäßen
Mittel können in Form einer Stammlösung, welche zur Verdünnung mit Wasser in der
gewünschten Konzentration unmittelbar vor dem Gebrauch bestimmt ist und die ein
aktives Thiocyanat oder Isothiocyanat des obenerwähnten Typs in einem selbst emulgierenden
Gemisch enthält, vorliegen. ,
Sie können weiterhin Zerstäubungsgemische von
dem netzbaren Pulvertyp darstellen, bei welchem ein fein gepulvertes Kaolin oder
ein gleichwertiger fester Trägerkörper mit dem aktiven Agens imprägniert ist entweder
durch Hinzufügen einer Lösung des aktiven Agens oder durch Herstellung eines innigen
Gemisches des aktiven Agens und des Trägerkörpers mittels mechanischer Vorrichtungen
und durch nachfolgendes oder gleichzeitiges Vermischen mit einem netzenden oder
dispergierenden Mittel, so daß sich, wenn das Gemisch zwecks Verwendung mit Wasser
verdünnt wird, eine stabile gebrauchsfertige Dispersion bildet.
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Diese Gemische sind besonders geeignet zur Verwendung als Herbicide,
da sie auch gegen Maiunkraut, Vogehnieren und kletterndes Labkraut wirksam sind,
Pflanzen, welche nicht merklich beeinflußt werden durch die das Wachstum hemmenden
Herbicide, und da sie auch in dieser Beziehung, im Gegensatz zu den letztgenannten
Substanzen, bei normal angewendeter Menge Zwiebeln und Karotten in keiner Weise
schädigen.
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In Verbindung mit festen Trägerkörpern, wie z. B. Kaolin, Gips und
Kalk od. dgl., können sie wertvoll sein bei der Bekämpfung von Bodenseuchen, von
auf dem Samen haftenden Infektionen oder bei der Zerstäubung in Pulverform. Wie
aus den nachfolgenden Beispielen esichtlich ist, sind die aktiven Agenzien gemäß
der Erfindung wegen der Kombination ihrer fungiciden und insekticiden Wirkungen
besonders geeignet zur Vorbehandlung von Samen.
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Die aktiven Agenzien gemäß der Erfindung können auch in Form von Aerosolen
oder als Räuchermittel verwendet werden. Es liegt daher auch im Rahmen dieser Erfindung,
sie in Form einer aktiven Atmosphäre zur Desinfizierung von verseuchten geschlossenen
Räumen zu verwenden. Diese aktive Atmosphäre kann auf jede geeignete Art und Weise
hergestellt werden. So können beispielsweise Streifen von porösem Material mit der
reinen unverdünnten Substanz oder mit einer Lösung oder einer Dispersion derselben
imprägniert und in dem zu desinfizierenden Raum aufgehängt werden. Die Bildung der
aktiven Atmosphäre kann auch durch Erhitzen dieser Streifen unterstützt werden.
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Besonders hervorragende Eigenschaften im Hinblick auf die verschiedenen
Anwendungsmöglichkeiten besitzen 4-Chlorphenoxymethylthiocyanat, 4-Chlor-3-methylphenoxymethylthiocyanat
und 2, 4-Dichlorphenoxymethylisothioeyanat. Von diesen spezifischen Verbindungen
ist das hervorragendste Mittel das 4-Chlorphenoxymethylthiocyanat.
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Die folgenden Beispiele veranschaulichen die Anwendung der Verbindungen
und Gemische gemäß der vorliegenden Erfindung in verschiedener Form. Ausführungsbeispiel
i Insekticide Kontaktwirkung a) Gegen Tribolium confusum Die insekticide Kontaktwirkung
gegenüber solchen Schädlingen wie dem Käfer Tribolium confusum von Verbindungen
gemäß der vorliegenden Erfindung, insbesondere von solchen, bei denen sich ein Chloratom
in der 4-Stellung befindet, wird durch das folgende Beispiel demonstriert und ihre
wesentlich rascher tötende Wirkung im Vergleich der von 4, 4'-Dichlordiphenyltrichloräthan
ist ebenfalls ersichtlich. Die Käfer wurden in offenen Gefäßen auf einen imprägnierten
Streifen gesetzt, welcher 2oo Mikrogramm der aktiven Substanz
je Quadratzentimeter
enthält, und dabei wurden im Durchschnitt die folgenden Ergebnisse erzielt:
| '/q an toten 070 an toten |
| Aktive Substanz Käfern Käfern |
| in 24 Stunden in 48 Stunden |
| 4, 4'-Dichlordiphenyl- |
| trichloräthan ....... 5 30 |
| 2, 4-Dichlorphenoxy- |
| methylisothiocyanat. ioo 100 |
b) Gegen schwarze Blattlä.use (Aphis fabae) Ein emulgierendes Konzentrat
der folgenden Zusammensetzung wurde hergestellt: --,4-Dichlorphenoxymethylisothiocyanat..
3 g
ein nicht ionisiertes Emulsionsmittel
... --> cm' ein nicht
ionisiertes Stabilisierungsmittel
. i cm' Mineralöl, Zähigkeit (Redwood Nr.
i) 125 Sekunden bei -gi
. ...... , ........ 3 cm dazu zwecks Auffüllung auf
io cm3 Xylol.
Drei Teile dieses Konzentrates wurden zu iooo Teilen
Wasser zugesetzt zwecks Bildung einer stabilen Emulsion, welche auf Dicke-Bohnen-Pflanzen
aufgesprüht wurde, welche durch schwarze Blattläuse (Aphis fabae) verseucht waren,
und zwar in einer Menge von IS751
je Hektar. Eine gollii,ige Vernichtung
der Blattläuse wurde ohne eine erkennbare Schädigung der Ernte in 24 Stunden erzielt.
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AusführungsbeiSpiel 2 Insekticide und fungieide Kontaktwirkung Ein
Pulver, welches 5",", 4-Chlorphenoxymethylthiocyanat enthält, wurde auf folgende
Art und Weise hergestellt: Die erforderliche Menge aktiver Substanz wird in der
geringstmöglichen Menge von Aceton aufgelöst, diese Lösung innig mit technischem
Kaolin vermischt, das Aceton zum Verdampfen gebracht und das sich ergebende Pulver
durch ein Sieb (2o M#aschen,;cm2) gesiebt.
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Dieses Pulver wurde bei Saathafer verwendet, welcher mit dem auf dem
Samen sitzenden Pilz Helminthosporium avenae infiziert war, und zwar in einer Menge
von 3oo
g je iooo kg. Der Samen wurde in üblicher Weise in mit Drahtwürmern
verseuchten Boden gesät. Zehn Wochen nach dem Keimen zeigten sich folgende Ergebnisse:
| Zahl der Keime : - der durch I' a der
mit Helmin- |
| je Meter Dralt"ü-.r.##, v,r- thosporium avenae |
| nichteten Keime infizierten Keime |
| Unbehandelt: 65 28 12 |
| Behandelt: 87 8 2 |
Ausführungsbeispiel
3
Insekticide und akaricide Räucherwirkung Tomatenpflanzen,
welche mit roten Glashausspinnen (alle Wachstumsstufen) und weißen Glashausfliegen
(alle Altersstufen) befallen waren, wurden mit einem Dampf der unten angegebenen
aktiven Substanz behandelt, indem sie in einen geschlossenen Raum mit Streifen von
porösem Material verbracht wurden, welche mit der aktiven Substanz imprägniert waren:
2, 4-Dichlorplieiio.xvme-thylisothiocyan-,tt in einer Konzentration von 5oo Mikrogramm
je Liter ergab vollständige Vernichtung (roo 010) der erwachsenen und jüngeren
weißen Fliegen und der roten Spinnen (alle Altersstufen) bereits nach
3 Stunden. Irgendeine Schädigung der Wirtpflanzen wurde nicht beobachtet.
Ausführungsbeispiel 4 Herbieide Wirkung Ein emulgierendes Konzentrat der folgenden
Züisammensetzung wurde hergestellt: 4-Chlorphenoxymethylthiocyanat
....... 3
9
ein nicht ionisiertes Emulgierungsmittel
. z cm3 Mineralöl, Zähigkeit
(Redwood Nr. i) 200 Sekunden bei 21
0 ............... 2 cm3 dazu zwecks Auffüllung
auf io cm3 Xylol.
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Drei Teile dieses Konzentrats wurden mit iooTeilen Wasser verdünnt
und in einer Menge von Soo 1 je Hektar auf verschiedene Unkräuter und Nutzpflanzen
von 7,5 cm Höhe aufgebracht. Von den Unkräutern wurden Fette Henne und Knotengras
vollständig vernichtet. Maiunkraut, Vog,#lmiere und kletterndes Labkraut wurden
ernstlich geschädigt. Von den Nutzpflanzen wurden Zwiebeln nicht geschädigt und
Karotten und Gerste zeigten nur eine vorübergehende Schädigung.
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Der gleiche Versuch wurde unter Verwendung von 4-Chlor-3-methylphenoxyniethylthiocyanat
(3 9) als aktive Substanz durchgeführt, wobei ähnliche Resultate erzielt
wurden.