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Vorrichtung zum Errichten von Betonbauwerken und deren Teilen sowie
Anwendungsverfahren Die Herstellung von Betonwänden ist im Wohnungsbau nur in sehr
beschränktem Umfange erfolgt, da die dauern aus Kiesbeton nicht die gewünschten
hygienischen Eigenschaften besaßen Lind außerdem die Ausführung mit umfangreichen
Holzverschalungen viel Verschnitt und Verbrauch an Holz bedingten, wodurch eine
wesentliche Verbilligung der Herstellung in Beton an Stelle von Ziegelmauerwerk
nicht erreicht werden konnte.
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Der Krieg hat eine ungeheuere Schuttmenge aus Ziegelsteinen, Dachziegeln
usw. hinterlassen. Diese Schuttmengen, durch Brecher aufbereitet, bilden vorzügliche
Zuschlagstoffe für Betonzwecke, die, in richtiger Weise verarbeitet, hygienisch
einwandfreie Mauerwerkskörper ergeben. Der Zusatz von Frostschutzmitteln ermöglicht
es, auch an den meisten Wintertagen die Bauarbeiten fortzusetzen, an denen Maurerarbeiten
nicht mehr ausgeführt werden können.
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Die Erfindung bringt nun eine neue Vorrichtung zum Errichten von Betonbauwerken
und deren Teile, bei welcher das wesentliche Neue zunächst darin besteht, daß auf
das Bauwerk verteilt zerlegbare bzw. verlängerbare zu Innen- und Außengerüsten vereinigte
Stahlmasten angeordnet sind und in Verbindung mit diesen Stahlmasten und an diesen
geführt bewegbare bzw. Gleitschalungen sowohl für stehende Bauteile (Wände) als
auch für waagerechte Bauteile (Decken), gleitende Arbeitsbühnen sowie Trag- und
Hebevorrichtungen für
die Schalungen und Arbeitsbühnen angeordnet
sind.
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Nach der Erfindung ist jeder herzustellenden Decke eine unterhalb
der Decke liegende, von den Hebevorrichtungen getragene und von diesen bewegbare
Deckenschalung zugeordnet.
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Hierbei wird erfindungsgemäß insbesondere bei der Herstellung von
Stahlsaitenbetondecken vorzugsweise so verfahren, daß die jeder Decke zugeordnete
untere Deckenschalung zunächst kurz über der nächsten tieferen Decke eingestellt
und bei deren Herstellung als Gießbühne benutzt wird, worauf die Schalung nach Fertigstellung
der tiefer liegenden Decke unter die nächsthöhere Decke gefahren und dort als Unterschalung
benutzt wird.
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Ferner sieht die Erfindung vor, daß bei der Herstellung von Stahlsaitenbetondecken
mit den senkrechten Masten vereinigte waagerechte Masten bzw. Stützen vorgesehen
sind, an welchen die Spannvorrichtungen für die Stahlsaiten verschiebbar angeordnet
sind.
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Weitere Merkmale der Erfindung beziehen sich auf die besondere Ausbildung
der Einzelteile der Vorrichtung, z. B. der Hebe- und Tragvorrichtung für die Schalungen,
der Arbeits- und Gießbühnen sowie der Spannvorrichtungen, der Führungsrahmen für
die Stahlsaiten am Durchgang der Masten durch die Decken, der Versteifung der Gleitschalungen
usw.
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Durch die Vorrichtung gemäß der Erfindung werden Gleitschalungen für
die Herstellung von stehenden Bauteilen (Wänden) und waagerechten Bauteilen (Decken)
in Beton erreicht, die nur einen kleinen Teil der Kosten für die Schalungsmaterialien
und Löhne der bisherigen Ausführungsverfahren erfordert.
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Die Anwendung der Stahlgerüste mit den Trag-bzw. Hebe- und Verschiebevorrichtungen
für die Gleitschalungen, Arbeitsbühnen usw. (Fahrkurbeln) ist nach Höhe, Breite
und Tiefe praktisch unbegrenzt. Alle Teile sind genormt und können beliebig aufgestockt
und verlängert werden. Die Anschaffungskosten sind zwar höher als die bei Holzgerüsten,
die Abnutzung ist indessen gering, so daß die Anschaffungskästen in zwei bis drei
Jahren ausgeglichen sind zu einem Zeitpunkt, in welchem die Holzgerüste erneuert
werden müßten, während die Stahlgerüste io bis 20 Jahre und mehr benutzbar sind.
Der Hauptvorteil der neuen Vorrichtung liegt aber in den praktischen Vorteilen für
die eigentliche Bauarbeit, ihrer Unfallsicherheit und die Unbegrenztheit der Anwendung
nach Höhe, Breite und Tiefe. Auf Schienenloren montiert ist sie von Bauwerk zu Bauwerk
fahrbat.
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Auf der Zeichnung ist eine Vorrichtung nach der Erfindung in einem
Ausführungsbeispiel veranschaulicht. Es zeigen Abb. i und 2 in einem Aufriß und
Grundriß die Vorrichtung nach der Erfindung, Äbb. 3 in einem Grundriß eines Gebäudeteiles
die Verteilung der senkrechten Zahnstangenmasten für eine Deckenschalung und Wandbetonierung,
Abb.4 einen Aufriß eines Außengerüstes, Abb. 5 eine Einzelheit der Schalungsverspannung,
Abb.6 und 7 in einem Schnitt und Draufsicht die Kletter- bzw. Verschiebe- und Tragvorrichtung
für die Gleitschalungen, Deckenschalungen, Arbeitsbühnen, Spannvorrichtungen u.
dgl., Abb. 8 in einem Schnitt die Verbindung der Teile der Masten, Abb.9 und io
in Seitenansicht und Draufsicht ein Spann- und Verbindungsschloß für die Gerüststreben
(Knotenpunkt), Abb. 11, 12 und 13 eine in der Länge einstellbare Strebe,
Abb.14 eine Deckenumschalung der Gerüstmasten, Abb. 15 einen Führungsrahmen für
die Bewehrungsdrähte an den Durchgangsstellen der senkrechten Masten durch eine
Decke, Abb. 16 und 17 in Aufriß und Draufsicht eine Spannvorrichtung für die Stahlsaiten.
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Bei der Anlegung eines Bauwerkes wird zunächst ein Bohlenrost verlegt.
Auf diesen Bohlen werden Standgehäuse i verschraubt, die zur Aufnahme der unteren
Enden der senkrechten Stahlrohrmasten 2 dienen. Diese Stahlrohrmasten 2 werden von
verzinkten Normenrohren in Länge von etwa 3 bis 6 m mit zusätzlichen Paßstücken
gebildet. Ihre Verbindung untereinander geschieht durch Innenmuffen 3 mit Anschlagzapfen
4 (Abb. 8). An den Knotenpunkten werden aufklappbare Spann- und Verbindungsschlösser
5 angeschraubt. Von diesen aus gehen die in der Länge verstellbaren Verbindungsrohrstangen
6, welche die erforderlichen seitlichen und diagonalen Verstrebungen bilden (Abb.
i i bis 13). Die Zahl der senkrechten Masten und die Ausbildung der Innen- und Außengerüste
richten sich nach den jeweiligen Verhältnissen und Erfordernissen.
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In der Zeichnung sind W senkrechte Wände, D eine Geschoßdecke in Stahlsaitenbeton,
7 eine äußere heb- und senkbare Arbeitsbühne zum Betonieren der senkrechten Wände
W, 8 eine heb- und senkbare Gleitschalung für die senkrechten Wände W, 9 heb- und
senkbare Unterschalungen für die Decken D, von welchen die obere Schalung in der
Stellung dicht über der unteren Decke als Gießbühne gezeigt ist. Die Arbeitsbühne
7 ist in dem Außengerüst io geführt. Die Gleitschalungen F sind in den äußeren senkrechten
Masten 2 und an den senkrechten Masten 2 des Innengerüstes i i geführt. An den Masten
2 sind auch die Deckenschalungen 9 geführt.
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Zum Tragen sowie Heben und Senken der Arbeitsbühne 7, der Wandgleitschalungen
8 und der Deckenschalungen 9 dienen heb- und senkbare Trag- und Klettervorrichtungen
13, welche mit in ihnen gelagerten sperrbaren und durch Handkurbel 14 angetriebenen
Zahnrädern 15 in Zahnstangen 12 eingreifen, welche gegenüberliegend an den Stahlrohren
2 angeschweißt sind (Abb. 6 und 7). Diese gehäuseartig gebildeten Klettervorrichtungen
13 können schellenartig an beliebiger Stelle um die Stahlmasten 2 herumgelegt werden
und sind zu
diesem Zwecke aufklappbar. ausgebildet. Von ihnen führen
Tragketten 16 zu den Arbeitsbühnen 7, den Gleitschalungen 8 und den Deckenschalungen
9, und durch Drehen der Handkurbeln 14 können diese Schalungen und Bühnen vom Standgerüst
aus gehoben und gesenkt werden, wodurch die jeweils günstigste Stellung für den
Arbeitsvorgang gewählt werden kann. Die Gleitschalung 8 für die senkrechten Wände
ist sehr stabil gehalten und. braucht daher nur wenig Querverbindung. Diese wird
oben bewirkt durch Zwingen 17, im Unterteil durch Schraubhülsen 18, die durch Zuganker
i9 verbunden sind. Diese Schraubhülsen 18 werden mittels Flügelschrauben 2o angezogen
und sind durch diese mit der Schalung 8 leicht lösbar verbunden (Abt. 5). Der große
Verbrauch an Rödeidraht und die häßlichen Drahtenden an den Außenflächen der Betonwände
fallen dadurch fort.
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Bei der Herstellung von Betondecken usw. werden statt der bisherigen
vielen Schalungsstützen aus Holz für jedes Geschoß nach der Erfindung nur wenige
Stahirohrmasten 2 aufgestellt. Die Deckenschalungstraghölzer 21 werden durch die
Klettervorrichtungen 13 in genaue Lage gefahren, wo sie als untere Schalung dienen
(s. untere Schalung Abb. i). Auf die Lagerhölzer 21 werden kurze genormte Schalungsbretter
verlegt, wodurch nur wenig Verschnitt und Bruch an Brettern im Gebrauch entsteht.
Die Stahlrohre 2 werden durch die Decke weiter hochgeführt. An weiteren Klettervorrichtungen
13 aufgehängt, wird dicht über die zu betonierende erste Decke eine weitere Deckenschalung
9 gebildet. Diese dient zunächst als Betonierbühne für die unter ihr liegende Decke.
Nach Betonieren dieser Decke wird die bisher als Betonierbühne dienende Deckenschalung
9 bis unter die zweite Decke gehoben und dient nunmehr als Schalung für die zweite
Geschoßdecke. Durch diese Arbeitsbühne 9 wird die Ausführung von gegossenen bzw.
gestampften Stahlsaitenbetondecken ermöglicht, da die Arbeiter die Bewehrung der
Decke nicht zu betreten brauchen. Auch können die Deckenschalungen unabhängig von
den aufzufühdenden Wänden hergestellt und dadurch eine wesentliche Einsparung an
Bauzeit erreicht werden. Die Ausschalung der Decken D erfolgt durch Entfernung der
Traghölzer von Feld zu Feld, wobei ein leichtes Herausnehmen der Schalteile erreicht
wird. Eine a.useinandernehmbare Umschalung der Masten 2 an den Durchgangsstellen
der Decken D ist aus Abb. 14 ersichtlich. Diese besteht aus Stützeinlagen 22 und
diese umgreifenden Winkeleisen 23.
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Bei der Herstellung der Decken in Stahlsaitenbeton werden den senkrechten
Stahlmasten 2 entsprechende und wie diese ausgebildete waagerechte Stahlmasten bzw.
-stützen 2" mit Zahnstangen 12 an dem Baugerüst befestigt. Auf diese Stahlmasten
2a und ebenfalls durch Zahnrad und Zahnstange verschiebbare Klettervorrichtungen
13 angeordnet, welche mittels Ketten 16 die Spannvorrichtungen 24 (Abt. 17 und 16)
für die Stahlsaiten tragen. Durch Verschieben der Klettervorrichtungen 13 kann ein
Zug auf die Spannvorrichtungen 24 ausgeübt werden.' Der Füfifung der Stahlsaitenbewehrungen
um die Masten 2 herum dienen die Masten 2 umgebende zweckmäßig auseinandernehmbare
Rahmen 25 mit Durchlochungen: -Im verstehenden wird unter Stahlsaitenbetön ein Beton
verstanden, der von zahlreichen dünnen hochvorgespannten Stahldrähten mit großer
Haftfähigkeit durchgesetzt ist.