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Selbsttätige Wagenbremse Die selbsttätige Wagenbremse braucht nicht
mehr durch die Einwirkung des Gespannführers (Kutschers) in oder außer Tätigkeit
gesetzt zu werden, sondern wirkt von diesem vollständig unabhängig automatisch.
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Dies wird in folgender Weise erreicht: Die Zeichnung stellt den hinteren
Teil eines gewöhnlichen Ackerwagens, bestehend aus zwei Rädern T, Hinterachse mit
Achsstock 2 und Vorderwagengestell dar. Hinterarme und Langbaum sowie Räder und
Deichsel des Vorderwagengestells sind, um mit der Zeichenfläche auszukommen, weggelassen.
Das Vorderwagengestell wird üblicherweise mit dem Hinterwagengestell durch einen
Langbaum verbunden. Die automatische Bremse kann an Hinter- oder Vorderwagengestell
oder auch an beiden angebracht werden. Es ist jedoch vorteilhaft, diese Bremse nur
auf die hinteren Räder wirken zu lassen, weil ein Wagea mit gebremsten Vorderrädern
schwerer zu lenken ist. Diese Bremse läßt sich auch bei anders konstruierten Wagen,
wie gummibereiften usw., verwenden. Im letzten Fall wirkt das Bremsgestänge anstatt
auf die Bremsklötze auf Bremsbacken. Die Bremse ist so konstruiert, daß der damit
ausgerüstete Wagen während der Fahrt beim Abwärtsrollen auf abfallender Straße oder
Fläche, d. h. beim Abrollen, ohne daß die Zugtiere ziehen, automatisch ohne Mitwirkung
des Kutschers gebremst wird. Das mehr oder weniger starke Bremsen hängt von der
weniger oder mehr benötigten Zugkraft ab.
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In der Längsachse des Wagens befindet sich am Hinterwagengestell eine
verschiebbare Eisenstange 3 von quadratischem Querschnitt im Bereich des Zylinders
22 mit rundem Querschnitt. Mit dieser Eisenstange ist eine runde eiserne Scheibe
4 fest verbunden. Eine weitere ähnliche Scheibe 5 sitzt lose auf der Stange 3, ist
aber am Achsstock 2 angeschraubt. Zwischen diesen zwei Scheiben befindet sich eine
Schraubenfeder
6, welche gegen die Scheibe 4 drückt und dadurch die mit ihr fest verbundene Stange
3 in der Längsachse des Wagens zach hinten verschiebt. Diese Feder wird so stark
gewählt, daß die Federkraft derselben durch Vermittlung des folgenden Gestänges:
gleichschenklige Hebel 7, zwei Zugstangen 8, zwei ungleichschenklige Hebel 9, vier
Zugstangen io, zwei Bremsklotzhaltestangen ii und vier Bremsklötze 12 zur Bremsung
bzw. vollständigen Blockierung der zwei Hinterräder i hinreicht. In diesem Zustande
ist der Wagen vollständig abgebremst blockiert.
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Beim Anfahren muß die Bremswirkung wieder teilweise oder ganz aufgehoben
werden, was auf folgende Weise erreicht wird: Zwischen den zwei Vorderarmen 13 befindet
sich in einer aus zwei V-Eisen 14 gebildeten Führung ein in der Längsachse auf io
bis 15 cm verschiebbares Gleitstück 15, das aus Holz oder Eisen bestehen kann und
das mit der Zugstange 3 durch das Drahtseil 16 verbunden ist. Das verschiebbare
Gleitstück 15 ist außerdem mit der Gespannwaage 17 durch einen Haken oder Bolzen
verbunden. Das Drahtseil 16 erhält einen Seilspanner, um dasselbe je nach Erfordernis
verlängern oder verkürzen zu können. Dieses Drahtseil 16 wird normalerweise so straff
gespannt, daß das verschiebbare Gleitstück 15 auf den hinteren Anschlag 18 stößt,
jedoch ohne die Schraubenfeder 6 dadurch mehr zu spannen. Durch das letztere würde
eine teilweise Entbremsung des Wagens 'erfolgen und eine vollständige automatische
Bremsung hinterher nicht möglich sein. Die Führung des Drahtseils 16 wird teilweise
zwecks Schonung im Langbaum versenkt.
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Beim Anziehen der Gespannwaage 17 durch Zugtiere oder andere Zugaggregate
wird das Gleitstück 15 in der Längsachse bis zum Anschlag i9 verschoben und durch
diesen Zug die Bremsfeder 6 noch mehr gespannt, wodurch die Bremseinwirkung auf
die Hinterräder vollständig aufgehoben wird. Die Bremse beginnt erst dann wieder
einzuwirken, wenn die Zugkraft der Gespannwaage 17 geringer wird als die Kraft,
die zum Spannen der Schraubenfeder 6 erforderlich ist. Diese Kraft macht nur einen
Bruchteil derjenigen Zugkraft aus, die erforderlich ist, um einen leeren Wagen auf
ebener Straße zu bewegen.
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Nun kommt es aber häufig vor, namentlich beim Stillstand eines bespannten
Wagens, besonders wenn unruhige, lebhafte junge Zugtiere vorgespannt sind, daß erwünscht
ist, daß die Bremse sich nicht durch unerwünschtes Anziehen der Zugtiere löst oder
umgekehrt nicht angezogen wird, wenn es nötig ist, den Wagen beim Wenden auf beengter
Fläche mit Hilfe des Gespanns mehrmals vor- und rückwärts zu schieben. Um bezüglich
des ersten Falls das unerwünschte Lösen der Bremse durch Anziehen und im zweiten
Fall, beim Vor- und Rückwärtsschieben des Wagens, die automatische Bremsung zu vermeiden,
kann das Gleitstück 15 durch Verriegelung mittels des Vorsteckers 25 am hinteren
Anschlag 18 oder am vorderen Anschlag i9 festgehalten werden. Während der normalen
Fahrt wird der Vorstecker 25 in eine am Vorderarm 13 befestigte Hülse gesteckt.
Bei der Fahrt auf guter ebener Straße kommt es während der Fahrt häufig vor, namentlich
wenn die Straße kleine Einsenkungen aufweist, daß der Wagen während einiger Sekunden
ohne Zugkraft läuft. In dieser kurzen Zeitspanne würde die automatische Bremse einsetzen,
was aber nicht erwünscht ist. Um dieses zu vermeiden, wird die Stange 3 durch einen
geschlossenen, mit Öl gefüllten Zylinder 22, der am hinteren Achsstock 2 befestigt
ist, geführt. Auf der Stange 3 ist im Bereich des Zylinders ein Kolben 23 befestigt.
Dieser hat Durchbrechungen, damit das 01 demselben bei der Bewegung nach
vorn keinen nennenswerten Widerstand bietet. Letzteres ist jedoch bei der Bewegung
nach hinten erwünscht.
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Es befindet sich daher auf der hinteren Seite des Kolbens 23 eine
auf der Stange 3 etwas verschiebbare runde Metallscheibe 24. Diese verschließt oder
öffnet die Kolbendurchbrechungen, je nachdem der Kolben 23 nach hinten oder nach
vorn bewegt wird. Der Druckausgleich im Zylinder 22 findet bei der Rückwärtsbewegung
des Kolbens 23 nur langsam, bei der Vorwärtsbewegung dagegen ohne Widerstand statt.
Der Kolben 23 wirkt in dem Ölzylinder 22 sozusagen als Puffer. Damit die Bremsklötze
12 bei nicht gebremstem Wagen während der Fahrt einen gleichmäßigen Abstand von
den Rädern bewahren, befinden sich auf den Befestigungsstangen 20 vier einstellbare
Schraubenfedern 21. Zur Verhütung von Verschmutzung der Bremseinrichtung wird dieselbe
mit Ausnahme der Bremsklötze mit einem kräftigen eisernen Kasten mit Zugangsöffnungen
umgeben, der an das hintere Wagengestell mit Hilfe der Befestigungsstangen 2o befestigt
wird.
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Durch Anwendung dieser automatischen Bremse werden die Zugtiere geschont
und der Gespannführer vor vielen Gefahren, die durch das Bremsen beim Laufen am
Wagen hervorgerufen werden, bewahrt.