DE6353C - Verbesserungen an einem astronomischen Universalapparate - Google Patents
Verbesserungen an einem astronomischen UniversalapparateInfo
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Description
1879.
Klasse 42.
ADOLF MANG in BADEN-BADEN. Verbesserungen an einem astronomischen Universal-Apparate.
Zusatz-Patent zu No. 911 vom 18. August 1877.
Patentirt im Deutschen Reiche vom ϊ. Februar 1879 ab.
Längste Dauer: 17. August 1892.
Der Hauptnachtheil der in der Patentschrift No. 911 dargestellten Construction lag in der
durchgehenden Himmelsaxe, die einer centralen Beleuchtung hindernd im Wege stand. Durch
Verschrauben der Axe in zwei Theile wurde dieser Mangel abgeändert, so dafs in Fig. 4
das Licht >S frei auf der Axe aufgeschraubt ist.
Dasselbe beleuchtet momentan die ebenfalls frei bewegliche Erde in der Sommerstellung,
so dafs die Strahlen noch über den Pol P hinübergehen.
Die Erde läfst sich wegen der Drehbarkeit der Hülse H leicht um die Sonne horizontal
bewegen. Um den steten Parallelismus der Erdaxe herzustellen, endigt die Erdaxe in den
Gewindetheil E. Das Scheibchen WF S ist unterhalb des Knies der Erdaxe aufgesteckt.
Diese ganze Vorrichtung ist in der Hülse V leicht beweglich. Wird die Schraube Y gelöst,
so kann man die Erdaxe bei X erfassen und mit der Hand so um die Sonne führen, dafs
sie immer parallel zu sich selbst bleibt. Dabei dreht sich das Scheibchen WFS einmal
um. Da aber der Zeiger Z auf dem Arm der Erdführung fest ist, so zeigt er genau die betreffenden
Jahreszeiten, Monate und Wochenstellungen an. So ist z. B. in Fig. 4 links der Sonne 5 Sommerstellung, in Fig. 6 Winterstellung.
Dem entsprechend zeigt auch Z in Fig. 4 auf S, in Fig. 6 W.
Das Scheibchen WFS ist mittelst eines
Stiftes so aufgepafst, dafs eine Verwechslung unmöglich ist. Soll die Erde in irgend einer
Stellung fixirt werden, so wird die Schraube Y und diejenige der Hülse H angezogen.
Zur scharfen Beleuchtung ist das Licht 5 mit eine Blendung versehen, welche mittelst
Schrauben festgehalten wird. Das Licht selbst steckt in einer Blechhülse und wird durch eine
Spirale immer auf der gleichen Höhe erhalten.
Die Axe des Himmelsraumes ist dadurch zerlegbar, dafs, wie in Fig. 1 bei H ersichtlich
ist, ein Theil derselben in ein Gewinde, der andere in eine Hülse mit Schraubenmutter
endigt, so dafs beide auf einander geschraubt werden können.
Die Ekliptik EE, die in Fig. 1 für Berlin
gezeichnet ist, wurde dadurch horizontal gelegt, dafs die ganze Sphäre über die lange Hülse S E,
die am Südpol der Ekliptik eingelöthet ist, geschoben wurde, Fig. 4. Die Schraube S giebt
der Sphäre Halt.
Wie die Scheinbewegungen aus den wirklichen reproducirt werden, zeigt Fig. 7. An der Axe A
ist der Stift St aufgeschraubt statt der Sonne S, Fig. 4. Die Erde hat Winterstellung. Für einen
Ort des Aequators, z. B. für Quito, ist die Tangentialebene JVS als Horizont aufgesetzt.
Sie sitzt durch einen elastischen, trommelartigen Ansatz genügend fest. Der Punkt C des Stiftes
entspricht genau der Mitte der Erde, daher ist /_ ß, den die Centrale C C mit der Erdaxe
macht, =90°— 23 %° = 66%°. Da aber die Erde im Verhältnifs zur Bahn viel zu grofs angenommen
ist, so liegt der für Quito angenommene Punkt X viel zu hoch. Um diesen offenbaren Fehler auszugleichen, mufs die Hülse
so hoch über C geschoben werden, dafs der nach X laufende Faden mit CC oder dem
Arm der Erdführimg parallel ist; denn dann ist erst l_ a — /_ β = 66 % °. Um den Faden anknüpfen
zu können, hat der in der Mitte ausgeschnittene Horizont ein durchgehendes Drähtchen,
wie der gezeichnete Horizont dies darstellt.
Um alle Mittagshöhen messen zu können, sind am Nord- und Südpunkt (.Wund S) elastische
Halter angebracht, unter die der umgelegte Fufs eines Transporteurs geschoben wird,
so dafs dieser von selbst aufrecht stehen bleibt. Sind aber nach dieser Methode die Mittagshöhen
genau darstellbar, so ergeben sich eben so genau die Sonnenaufgangszeiten und -Orte.
Am Südpunkte .S1 ist nämlich, um die Zeiten
abzulesen, ein Zeiger Z mit Scharnier angebracht, der bei der Drehung der Erde mit um den fest
aufzusteckenden Stundenkreis 12, 12 rotirt. Die Stunden »12 Uhr« sind kräftig markirt. Beim
(scheinbaren) Sonnenuntergang legt sich der
grell gelbe Seidenfaden am Rande des Horizontes an und so ergeben sich die Abendweiten.
Selbstverständlich läfst sich der Horizont für jeden beliebigen Punkt aufsetzen, wodurch
in den verschiedenen Jahreszeiten alle Beziehungen der Mittagshöhen, Morgen- und Abendweiten
sowie der Zeiten erklärt werden können. Somit wird auch die Wirkung und Bedeutung
des Universalhorizontes, der das Ptolomäische System aus dem Copernikanischen erklärt, klar
dargelegt.
Zur Darstellung der Bestrahlungsverhältnisse der Erde, Fig. 6, ist der gleiche Stift, wie in
Fig. 7 benutzt, um die als parallel anzunehmenden Sonnenstrahlen für beide Hemisphären zu
ziehen. Der gelbe Seidenfaden ι läuft über einen geschlitzten Stift am Nordpol P, erhält
hierdurch seine Richtung, läuft über den Südpol nach 2, 3 und 4, dann durch die Aequatorbohrung
der Erde und endigt dann bei 5 in die schwere Nadel Y. Da die Erde in Winterstellung
ist, so entspricht der punktirte, von ι und 4 umschlossene Theil dem Quantum
Sonnenstrahlen, welches die nördliche Halbkugel erhält. Man kann ebenso leicht die symmetrische
Bestrahlung in den Aequinoctien zeigen, und es könnte diese Manier die quantitative Darstellung
der Jahreszeiten genannt werden. Aber auch in indirecter Weise lassen sich die Jahreszeiten
erklären. Schraubt man in Fig. 5 X heraus, so läfst sich die Axe aus der Hülse V
herausnehmen und hierfür andere einschrauben, die gerade oder rechtwinklig gebogen sein
können. Setzt man nun die Erde auf, so werden sich alle Effecte und Folgerungen der Annahme einer senkrechten oder liegenden Stellung
der Erdaxe zur Bahn ergeben. Gleicher Weise ergeben sich auch alle optischen Verhältnisse
der Planeten, wenn ihre Axen mit entsprechenden Biegungen aufgesetzt werden.
Auch die wirkliche Mondbewegung ist mehr präcisirt worden. In Fig. 4 ist rechts der
Sonne das Orientirungsscheibchen WS erkennbar.
Gleich über demselben ist ein zweites schiefes Scheibchen zu erblicken, das eigentlich
aus zwei Scheibchen besteht: das innere, punktirte Scheibchen hat eine rinnenartige Vertiefung,
wie eine Rolle; der äüfsere Theil liegt concentrisch um dasselbe. Drei, in letzteren
eingelassene Schräubchen greifen in die Rinne, geben somit dem äufseren Theile Halt und
Führung, so dafs der am äufseren Ringstücke feste Mond sich sehr gleichförmig und schief
zur Erdbahn führen läfst. In der gezeichneten Lage hat er z. B. seinen höchsten Stand über
der Ekliptik. Mittelst der Schraube r erfolgt Feststellung für eine bestimmte Lage der auf
Scheibchen verzeichneten Knotenlinie; letztere ist mittelst zweier daselbst angelötheter Stiftchen
stellbar. Soll z. B. die ringförmige Sonnenfmsternifs für den 19. Juli dargestellt werden,
so führt man die Erde zuerst in diese Stellung und dreht nun das schiefe Scheibchen des
Mondes, bis der Stift der Knotenlinie auf dieses Datum oder doch wenigstens die entsprechende
Stelle des Orientirungsscheibchens WS zeigt.
Wegen des Knies der Erdaxe einerseits und der Hülse des Orientirungsscheibchens andererseits,
auf dem die Mondführimg sitzt, mufs letztere immer in gleicher Höhe bleiben. So lange der Mond nicht functionirt, kann die
Führung herausgenommen werden, stört also den Schüler· nicht.
Aufser diesem bemerkenswerthen Vortheile ist als weitere Neuheit die Darstellung der
totalen und partialen Finsternisse dadurch schärfer ermöglicht, dafs man für Erde und Mond
kleinere Kugeln nimmt und die Schattenrichtung auffängt, wie z. B. in Fig. 4, wo Mond- und
Erdschatten auseinanderfallen. Streift man einen elastischen Ring (Mondbahn) über den Draht
der Erdbahn, so kann man gleichzeitig den Schatten der Erd- und Mondbahn auffangen
und es ist z. B. sehr lehrreich, zu sehen, wie der Mond in dem Schnitt der Schatten sich
bewegt. .
Für die optischen Vorgänge wird der Erdglobus aufgesetzt; während vorher das Licht
ohne Blendung gebraucht wurde, tritt diese nun hinzu. Es entstehen äufserst scharfe Kern- und
Halbschatten in passender Breite. Durch Verschiebung der Blendung mittelst' der Hülse w
entstehen wegen verschiedener Distanz des Hohlspiegels vom Monde ringförmige oder totale
Finsternisse.
Eine weitere Neuheit ist die Versinnlichung von Erd- und Mondbahn durch Drähte. In
Fig. 8 bedeutet η m die Erdbahn für einen Monat, die Ziffern 1, 2, 3, 4 die Wochenstellungen
der Erde in ihrer Bahn (Silberdraht), um die sich die Mondbahn (Kupferdraht) als Epicyklo'ide
schlingt.
Wird die Erde bewegt und sucht man gleichzeitig dem Monde eine Kreisbewegung zu ertheilen,
so wird man leicht bemerken, dafs letztere die dargestellte Curve bildet, weil sich
beide Bewegungen combiniren. Der eine Theil der Mondbahn ist aufwärts, der punktirte abwärts
gebogen. Diese Vorrichtung ist über die Führung des Mondes, Fig. 1, zwischen die
Schraube q und den Mond m passend einzuschieben,
während für die Erde eine gerade Axe eingesetzt wird.
An dem gleichen Drahte kann auch Venus υ (Repräsentant eines inneren Planeten) angeschraubt
werden. Sie befindet sich in Fig. 8 in Conjunction mit der Erde E. Die Stellungen
der Venus ergeben sich leicht durch den Zeiger Z, Fig. i, und das Scheibchen, auf das er hinweist
und auf dem der Umlauf der Venus um die Sonne in 7 Monaten markirt ist. Bei gleichzeitig
brennendem Lichte wird also die Erde nach ihrem Einsatze, Venus nach dem Mondeinsatze
der Fig. 1 bewegt.
Claims (13)
1. Die Anwendung einer durchgehenden und '
gleichwohl verschraubbaren Himmelsaxe mit der beschriebenen Verstellbärkeit.
2. Die Orientirungsscheibe, welche eine einfache Darstellung der Jahreszeiten der Erde
und Planeten ermöglicht.
3. Die verschiebbare Blendung.
4. Der Universalhorizont der Erde für Bestimmung der Mittagshöhen, der Aufgangszeiten
und -Orte.
5. Die beschriebene Darstellung der Bestrahlungsverhältnisse der Erde.
6. Die abnehmbare Mondführung, deren Knotenlinie mittelst Stifte, die auf die Orientirungsscheibe
zeigen, richtbar sind.
7. Die beschriebene Darstellung der wahren Erd- und Mondbahn.
8. Die Verwendung des Apparates für Planetenbewegungen.
9. Die Verbesserung des grofsen Horizontes durch Führung und Nadel zum Hervorklappen.
10. Die schärfere Methode der Zeitbestimmung mittelst Doppelzeiger, sowie die zerlegbare
Sonnen- und Mondführung.
11. Die Anwendung zweier Scheibchen zur
Erklärung der Finsternisse bei Scheinbewegungen.
12. Die Schwerpunktsvorrichtung für die scheinbare
Sonnenbewegung.
13. Die beschriebene Verbesserung der Präcession.
Hierzu 1 Blatt Zeichnungen.
Publications (1)
| Publication Number | Publication Date |
|---|---|
| DE6353C true DE6353C (de) |
Family
ID=284528
Family Applications (1)
| Application Number | Title | Priority Date | Filing Date |
|---|---|---|---|
| DENDAT6353D Active DE6353C (de) | Verbesserungen an einem astronomischen Universalapparate |
Country Status (1)
| Country | Link |
|---|---|
| DE (1) | DE6353C (de) |
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- DE DENDAT6353D patent/DE6353C/de active Active
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