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DE60216630T2 - Verwendung von östrogen in kombination mit progestogen für die hormonsubstitutiionstherapie - Google Patents

Verwendung von östrogen in kombination mit progestogen für die hormonsubstitutiionstherapie Download PDF

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DE60216630T2
DE60216630T2 DE60216630T DE60216630T DE60216630T2 DE 60216630 T2 DE60216630 T2 DE 60216630T2 DE 60216630 T DE60216630 T DE 60216630T DE 60216630 T DE60216630 T DE 60216630T DE 60216630 T2 DE60216630 T2 DE 60216630T2
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DE
Germany
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component
estrogen
progestogenic
days
estrogenic
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DE60216630T
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Jan Herman COELINGH BENNINK
Johannes Evert BUNSCHOTEN
Franz Christian New York HOLINKA
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Pantarhei Bioscience BV
Original Assignee
Pantarhei Bioscience BV
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Description

  • Technisches Gebiet der Erfindung
  • Die vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung einer Östrogenverbindung für die Herstellung einer pharmazeutischen Verbindung zur Verwendung in einem Verfahren der Hormonsubstitution bei Säugern. Spezieller befasst sich die Erfindung mit einem Verfahren der Hormonsubstitution, das die orale Verabreichung einer Kombination eines östrogenen Bestandteils und eines progestogenen Bestandteils in einer wirksamen Menge, um Symptome eines Hypoöstrogenismus zu verhindern oder zu behandeln, an einen Säuger umfasst.
  • Hintergrund der Erfindung
  • In der Hormonsubstitutionstherapie (HRT), manchmal auch als Östrogensubstitutionstherapie bezeichnet, werden Östrogene verabreicht, um Symptome, die auf Östrogenmangel oder Hypoöstrogenismus zurückzuführen sind, zu verhindern oder zu behandeln. Hypoöstrogenismus kann sowohl bei Frauen als auch bei Männern auftreten und kann zu Funktionsstörungen und Leiden wie zum Beispiel Osteoporose (Schwund von Knochenmaterial), Arteriosklerose, klimakterischen Symptomen wie zum Beispiel Hitzewallungen („flashes"), Schweißausbrüchen, urogenitaler Atrophie, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Palpitationen führen. Östrogenmangel wurde auch mit kognitiven Störungen und Alzheimerscher Krankheit in Verbindung gebracht.
  • Hypoöstrogenismus und besonders chronischer Hypoöstrogenismus wird häufig bei (peri-)menopausalen und postmenopausalen Frauen beobachtet. Er kann jedoch auch auf Hypogonadismus oder Kastration und auch auf primäres Ovarialversagen, auf Behandlung von beispielsweise Brustkrebs mit Aromatasehemmer und auf Behandlung von benignen gynäkologischen Erkrankungen wie zum Beispiel von Endometriose, Adenomyo se, uterinen Fibromen (Leiomyome), Dysmenorrhoe, Menorrhagie und Metrorrhagie mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga zurückzuführen sein.
  • HRT wendet eine regelmäßige Verabreichung wirksamer Mengen eines Östrogens über längerfristige Zeiträume an. Die Verabreichung von Östrogenen wurde jedoch mit der Proliferation des Endometriums bei Frauen in Verbindung gebracht und es ist nun weitgehend akzeptiert, dass Östrogentherapie ohne Gegenspieler („unopposed") das Risiko eines Endometriumkarzinoms wesentlich erhöht (Cushing et al., 1998. Obstet. Gynecol. 91, 35-39; Tavani et al., 1999. Drugs Aging, 14, 347-357). Es gibt auch Belege für eine signifikante Zunahme von Brustkrebs bei langfristigem (10-15 Jahre) Einsatz einer Östrogentherapie (Tavani et al., 1999. Drugs Aging, 14, 347-357; Pike et als, 2000. Steroids, 65, 659-664).
  • Um den negativen Wirkungen einer Östrogentherapie ohne Gegenspieler entgegenzuwirken, wird heutzutage eine damit verbundene Progestogentherapie angewendet. Eine Behandlung von Hypoöstrogenismus durch Verabreichung einer Kombination von östrogenen und progestogenen Mitteln ist in US 5,827,843 und EP-A 0 136 011 offenbart. Man nimmt an, dass die regelmäßige Verabreichung von Progestogen die kontinuierliche Stimulation des Endometriums durch Östrogen über eine antiproliferative Wirkung hemmt, und sie scheint die Inzidenz des Endometriumkarzinoms bei postmenopausalen Frauen, die eine Östrogensubstitutionstherapie erhalten, zu verringern (Beral et al., 1999. J. Epidemiol. Biostat., 4, 191-210). Eine solche verbundene Therapie, üblicherweise unter Verwendung von synthetischen Progestogenen, wird entweder als kontinuierliche Kombinationstherapie mit Östrogen gegeben oder sequenziell, üblicherweise jeden Monat 14 Tage lang, zur kontinuierlichen Östrogenbehandlung hinzugegeben.
  • Endogene und exogene Östrogene nehmen wichtige zentralnervöse und metabolische Funktionen im weiblichen Organismus wahr: normale Östrogenspiegel tragen maßgeblich zum Wohlbefinden einer Frau bei. Ungeachtet der weit verbreiteten Verwendung von Östrogenen in Verfahren der HRT gibt es noch einige ungelöste Probleme. Bekannte Östrogene, im Besonderen die biogenen Östrogene (das heißt Östrogene, die natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommen) zeigen gravierende pharmakologische Mängel. Biogene Östrogene wie zum Beispiel Östradiol, Östron, Östronsulfat, Ester von Östradiol und Östriol werden nur in sehr geringem Maße bioverfügbar, wenn sie oral genommen werden. Dieses Maß kann sich von Person zu Person so sehr unterscheiden, dass keine allgemein gültigen Dosierungsempfehlungen gegeben werden können. Die schnelle Elimination dieser Östrogene aus dem Blut ist ein anderes, damit in Beziehung stehendes Problem. Zum Beispiel beträgt die Halbwertszeit für das Hauptöstrogen, das beim Menschen biogen ist, 17β-Östradiol, etwa 1 Stunde. Als Ergebnis neigen die Spiegel solcher biogener Östrogene im Blutserum zwischen einzelnen (täglichen) Verabreichungsvorgängen dazu, beträchtlich zu schwanken. So ist kurz nach der Verabreichung die Serumkonzentration üblicherweise mehrere Male höher als die optimale Konzentration. Weiterhin werden die Serumkonzentrationen schnell auf einen Spiegel, bei dem das Östrogen nicht länger physiologisch aktiv ist, abfallen, wenn der nächste Verabreichungsvorgang verzögert erfolgt.
  • Das wichtigste synthetisch modifizierte östrogene Steroid ist 17α-Ethinyl-Östradiol (EE). Dieses Östrogen wird kaum in Verfahren der HRT eingesetzt, weil eine längerfristige Verabreichung von EE mit einem erhöhten Thrombembolierisiko in Zusammenhang gebracht wurde, was bei menopausalen und postmenopausalen Frauen als besonders nachteilig erachtet wird. Außer EE wurde Mestranol in einigen Fällen eingesetzt. Mestranol ist ein „Propharmakon", das im Organismus zu EE umgewandelt wird. Wenn EE bei Menschen oral angewendet wird, hat es eine viel bessere Bioverfügbarkeit als die oben erwähnten biogenen Östrogene, aber seine Bioverfügbarkeit variiert in einem großen Ausmaß von Individuum zu Individuum. Einige Autoren haben darauf hingewiesen und auch auf die Tatsache, dass es erwiesen ist, dass die Konzentrationen im Blut nach oraler Verabreichung dieser Substanz in hohem Maße schwanken.
  • Zusätzlich zu pharmakokinetischen Problemen zeigen die bekannten Östrogene auch pharmakodynamische Mängel. Nach der Resorption aus dem Darmlumen gelangen oral applizierte Wirkstoffe über die Leber in den Organismus. Diese Tatsache ist für östrogene Wirkstoffe von besonderer Bedeutung, weil die Leber ein Zielorgan für Östrogene ist; eine orale Aufnahme von Östrogenen führt zu starken östrogenen Wirkungen in der Leber. Die von Östrogenen kontrollierte Sekretionsaktivität in der Leber des Menschen schließt eine gesteigerte Synthese der Transportproteine CBG (Transcortin), SHBG (sexualhormonbindendes Globulin), TBG (Thyroxin-bindendes Globulin), einiger Faktoren, die für die Physiologie der Blutgerinnung von Bedeutung sind, und von Lipoproteinen ein. Wenn biogene Östrogene unter Vermeidung einer Leberpassage (zum Beispiel durch transdermale Verabreichung) in den weiblichen Organismus eingebracht werden, bleiben die erwähnten Leberfunktionen zum größten Teil unbeeinflusst. Therapeutisch äquivalente Dosen von biogenen Östrogenen führen, wenn sie oral appliziert werden, zu eindeutigen Reaktionen der Leberwerte wie zum Beispiel Anstieg von SHBG, CBG, Angiotensinogen und HDL („high density lipoprotein"). Diese hepatischen Wirkungen von Östrogenen werden auch beobachtet, wenn Östrogenformulierungen vom Pferd (so genannte konjugierte Östrogene) verwendet werden. Ethinylöstradiol und Diethylstilbestrol (DES) haben eine noch größere hepatische Östrogenität. Elger et al., J. Steroid Biochem. Molec. Biol (1995), 55(3/4), 395-403, berichteten, dass EE oder DES eine viel höhere hepatozelluläre als syntemische Östrogenität haben; in Bezug auf die hemmende Wirksamkeit auf die Sekretion von FSH sind diese Östrogene in der Leber 4-18-mal wirksamer als Östronsulfat.
  • Die oben erwähnten Mängel sind von einer erheblichen klinischen Bedeutung, wenn allgemein bekannte biogene und synthetische Östrogene angewandt werden. Folglich besteht ein bis jetzt nicht gedeckter Bedarf nach Östrogenen, die diese Mängel nicht aufweisen und die im Rahmen von Verfahren der HRT in geeigneter Weise oral verabreicht werden können, um die endogene, ovariale Sekretion von Östradiol wirksam zu ersetzen, das heißt, um Symptome eines Hypoöstrogenismus zu behandeln oder zu verhindern.
  • Zusammenfassung der Erfindung
  • Die Erfinder haben überraschenderweise entdeckt, dass diese Aufgaben durch östrogene Substanzen, die durch die folgende Formel dargestellt werden, erfüllt werden:
    Figure 00050001
    wobei in dieser Formel R1, R2, R3 und R4 unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom, eine Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe mit 1-5 Kohlenstoffatomen darstellen, jedes von R5, R6 und R7 eine Hydroxylgruppe darstellt und nicht mehr als 3 von R1, R2, R3 und R4 Wasserstoffatome darstellen.
  • Ein bekannter Vertreter dieser Gruppe von östrogenen Substanzen ist 1,3,5(10)-Östratrien-3,15a,16a,17β-tetrol, auch unter den Bezeichnungen Estetrol, Oestetrol und 15α-Hydroxyestriol bekannt. Estetrol ist ein Östrogen, das von der fetalen Leber während der Schwangerschaft beim Menschen produziert wird. Die Spiegel von unkonjugiertem Estetrol im maternen Plasma erreichen bei etwa 1,2 ng/ml einen Scheitelpunkt bei einer termingerechten Schwangerschaft und sind im fetalen Plasma etwa 12-mal höher als im maternen Plasma (Tulchinsky et al., 1975. J. Clin. Endocrinol. Metab., 40, 560-567).
  • 1970 berichteten Fishman et al., "Fate of 15α-hydroxyestriol-3H in Adult Man", J Clin Endocrinol Metab (1970) 31, 436-438, über die Ergebnisse einer Studie, in deren Rahmen mit Tritium markiertes 15α-Hydroxyestriol (Estetrol) zwei erwachsenen Frauen intravenös verabreicht wurde. Es wurde festgestellt, dass das Estetrol schnell und vollständig im Urin als Glucosiduronat ausgeschieden wurde und dass auger der Konjugation nahezu kein Metabolismus stattfand.
  • Zwischen 1975 und 1985 haben mehrere Forscher die Eigenschaften von Estetrol untersucht und über seine östrogene Wirksamkeit und uterotrophe Aktivität berichtet. Die wichtigsten Veröffentlichungen, die während dieser Periode herausgegeben wurden, sind unten aufgeführt:
    • • Levine et al., 1984. Uterine vascular effects of estetrol in nonpregnant ewes. Am. J. Obstet. Gynecol., 148:73, 735-738: „Wenn Estetrol nicht schwangeren Schafen intravenös verabreicht wird, ist es zur uterinen Vasodilatation 15- bis 30-mal weniger wirksam als Östriol und 17β-Östradiol."
    • • Jozan et al., 1981. Different effects of oestradiol, oestriol, oestetrol and of oestrone on human breast cancer cells (MCF-7) in long term tissue culture. Acta Endocrinologica, 98, 73-80: „Die agonistische Wirksamkeit von Estetrol beträgt bei der Invitro-Zellproliferation 2 % der Größenordnung, die bei 17β-Östradiol beobachtet wurde."
    • • Holinka et al., 1980. Comparison of effects of estetrol and tamoxifen with those of estriol and estradiol on the immature rat uterus. Biol. Reprod. 22, 913-926: „Subcutan verabreichtes Estetrol hat eine sehr schwache uterotrophe Wirksamkeit und ist erheblich weniger wirksam als 17β-Östradiol und Östriol".
    • • Holinka et al., 1979. In vivo effects of estetrol on the immature rat uterus. Biol. Reprod. 20, 242-246: „Subcutan verabreichtes Estetrol hat eine sehr schwache uterotrophe Wirksamkeit und ist erheblich weniger wirksam als 17β-Östradiol und Östriol".
    • • Tseng et al., 1978. Heterogeneity of saturable estradiol binding sites in nuclei of human endometrium. Estetrol studies. J. Steroid Biochem. 9, 1145-1148: „Die relative Bindung von Estetrol an Östrogenrezeptoren im Endometrium vom Menschen beträgt 1,5 % von 17β-Östradiol".
    • • Martucci et al., 1977. Direction of estradiol metabolism as a control of its hormonal action-uterotrophic activity of estradiol metabolites. Endocrin. 101, 1709-1715: „Kontinuierliche Verabreichung von Estetrol aus einem subcutanen Depot zeigt eine sehr schwache uterotrophe Wirksamkeit und ist erheblich weniger wirksam als 17β-Östradiol und Östriol".
    • • Tseng et al., 1976. Competition of estetrol and ethynylestradiol with estradiol for nuclear binding in human endometrium. J. Steroid Biochem. 7, 817-822: „Die relative Bindungskonstante von Estetrol beim Binden an den Östrogenrezeptor im Endometrium vom Menschen beträgt 6,25 % im Vergleich zu 17β-Östradiol (100 %)".
    • • Martucci et al., 1976. Uterine estrogen receptor binding of catecholestrogens and of estetrol (1,3,5(10)-estratriene-3,15alpha,16alpha, 17beta-tetrol). Steroids, 27, 325-333: „ Die relative Bindungsaffinität von Estetrol zum Östrogenrezeptor im Zytosol von Rattenuterus beträgt 0,5 % von 17β-Östradiol (100 %). Weiterhin beträgt die relative Bindungsaffinität von Estetrol zum kernständigen Östrogenrezeptor von Rattenuterus 0,3 % von 17β-Östradiol (100 %)".
  • Allen obigen Veröffentlichungen ist gemeinsam, dass die Autoren über die östrogene Wirksamkeit von Estetrol geforscht haben. Sie kommen alle ohne Ausnahme zu dem Schluss, dass Estetrol ein schwaches Östrogen ist. In einigen der zitierten Artikel wurde festgestellt, dass die östrogene Wirksamkeit von Estetrol niedriger als die eines anderen biogenen Östrogens ist, namentlich 17β-Östradiol, von dem angenommen wird, dass es ein relativ schwaches Östrogen (zum Beispiel im Vergleich mit Ethinylöstradiol) ist. Unter Berücksichtigung dieser Befunde ist es nicht überraschend, dass das Interesse an Estetrol seit den frühen Achtzigern geschwunden ist und dass seither keine Veröffentlichungen über die Eigenschaften von Estetrol herausgegeben wurden.
  • US 5.468.736 (Hodgen) beschreibt ein Verfahren der Hormonsubstitutionstherapie, das mit der Verabreichung von Östrogen zusammen mit einer Menge von Antiprogestin (Antiprogestogen), die eine von Östrogen ausgelöste Endometriumproliferation bei Frauen hemmt, verbunden ist. In Beispiel 3 ist der kombinierte Einsatz von Estetrol und Lilopriston erwähnt. In den Beispielen werden keine Hinweise auf die Art und Häufigkeit der Anwendung oder im Hinblick auf das angewandte Maß der Dosierung gegeben. Ein Nachteil, der mit der Verwendung von Antiprogestogenen wie zum Beispiel Lilopriston verbunden ist, besteht im Risiko des Herbeiführens einer abnormen Morphologie des Endometriums, das heißt zystischer Hyperplasie, wie es bei Frauen, die eine Antiprogestogen-Behandlung gegen Endometriose erhielten, beobachtet wurde (Murphy et al., 1995. Fertil. Steril., 95, 761-766).
  • US 5.340.586 (Pike et al.) befasst sich mit Zusammensetzungen und Verfahren, die beim Behandeln von Frauen nach Oophorektomie wirksam sind, wobei eine wirksame Menge einer östrogenen Zusammensetzung und einer androgenen Zusammensetzung über eine Zeitperiode verordnet werden. In dem US-Patent wird ausgesagt, dass natürliche und synthetische östrogene Zusammensetzungen, die verwendet werden können, natürliche östrogene Hormone und Artverwandte, einschließlich Östradiol, Östradiolbenzoat, Östradiolcypionat, Östradiolvalerat, Östron, Diethylstilbestrol, Piperazinöstronsulfat, Ethinylöstradiol, Mestranol, Polyöstradiolphosphat, Östriol, Östriolhemisuccinat, Quinestrol, Estropipat, Pinestrol und Östronkaliumsulfat, aber nicht darauf beschränkt, einschließen, und weiterhin, dass auch Östrogene vom Pferd wie zum Beispiel Equilelinin, Equilelininsulfat und Estetrol eingesetzt werden können. Außer der erschöpfenden Aufzählung bekannter Östrogene wird in diesem US-Patent kein Bezug auf Estetrol (das irrtümlicherweise als ein Östrogen vom Pferd bezeichnet wird) genommen.
  • Die gleiche eingehende Liste von Östrogenen findet sich in den folgenden Patentdokumenten:
    • US 4.762.717 (Crowley): Ein kontrazeptives Verfahren, das die sequenzielle Verabreichung von (1) einer Kombination aus luteinisierendes Hormon freisetzendem Hormon (LHRH) und Östrogen und (2) einer Kombination aus LHRH, Östrogen und Progestogen umfasst.
    • US 5.130.137 (Crowley): Ein Verfahren zum Behandeln einer benignen Störung der sekretorischen Funktion der Ovarien, das die sequenzielle Verabreichung von (1) einer Kombination aus luteinisierendes Hormon freisetzendem Hormon (LHRH) und Östrogen und (2) einer Kombination aus LHRH, Östrogen und Progestogen umfasst.
    • US 5.211.952 (Spicer et al.): Ein kontrazeptives Verfahren, das die Verabreichung einer Zusammensetzung mit Gonadotropin-Hormon freisetzendem Hormon (GnRH) in einer Menge, die eine Hemmung der Ovulation bewirkt, und die Verabreichung von Östrogen und Progestogen, um die Serumspiegel über einem definierten Minimalspiegel zu halten, umfasst.
    • US 5.340.584 (Spicer et al.): Ein Verfahren zur Konzeptionsverhütung oder zum Behandeln benigner gynäkologischer Funktionsstörungen, das die Verabreichung einer GnRH-Zusammensetzung in einer ersten Zeitspanne in einer Menge, die bewirkt, dass die Östrogen- und Progestogenherstellung der Ovarien supprimiert werden, die gleichzeitige Verabreichung einer östrogenen Zusammensetzung in einer Menge, die bewirkt, dass Symptome eines Östrogenmangels verhindert werden, und die gleichzeitige Verabreichung eines Progestogens in einer Menge, die bewirkt, dass der Serumspiegel des besagten Progestogens auf einem Niveau, das bewirkt, dass Zellproliferation des Endometriums vermindert wird, gehalten wird, umfasst.
    • US 5.340.585 (Pike et al.): Ein Verfahren zum Behandeln benigner gynäkologischer Funktionsstörungen bei einer Patientin, bei der das Risiko einer Stimulation des Endometriums durch östrogene Zusammensetzungen minimiert oder nicht vorhanden ist, was die Verabreichung einer GnRH-Zusammensetzung in einer Menge, die bewirkt, dass die Östrogen- und Progestogenherstellung der Ovarien supprimiert werden, und die Verabreichung einer östrogenen Zusammensetzung in einer Menge, die bewirkt, dass Symptome eines Östrogenmangels verhindert werden, umfasst.
    • • WO 00/73416 (Yifang et al.): Ein Verfahren zum Regulieren der Fertilität eines Empfängers, welches das In-Kontakt-Bringen von Zellen der Ovarien des Empfängers mit einer sicheren und wirksamen Menge einer pharmazeutischen Zusammensetzung, die ein Gegensinn-Oligonukleotid, das zur Nukleotidsequenz des Rezeptors für das follikelstimulierende Hormon (FSH) komplementär ist, enthält, umfasst. Die Möglichkeit einer kombinierten Verabreichung eines solchen Gegensinn-Oligonukleotids mit einem östrogenen Steroid wird in der Anmeldung erwähnt.
  • Der Nutzen der vorliegenden Erfindung kann ohne die gleichzeitige Verabreichung von Antiprogestogenen, LHRH-Zusammensetzungen, GnRH-Zusammensetzungen und/oder von Gegensinn-Oligonukleotiden, die zur Nukleotidsequenz des Rezeptors für das follikelstimulierende Hormon (FSH) komplementär sind, wie in den oben erwähnten Patenten vorgeschlagen, realisiert werden. Die vorliegende Erfindung kann auch in geeigneter Weise bei Individuen, die keiner Oophorektomie unterzogen wurden oder bei denen das Risiko einer Stimulation des Endometriums durch östrogene Zusammensetzungen nicht anders als durch die gleichzeitige Verabreichung eines Progestogens minimiert oder nicht vorhanden ist, angewandt werden. Weiterhin erfordert das vorliegende Verfahren nicht die Verwendung einer Formulierung, die langsam freigesetzt wird, wie es von den meisten der oben erwähnten Publikationen vorgeschrieben wird.
  • Es wird besonders erwähnt, dass keine der oben erwähnten Veröffentlichungen die orale Verabreichung von Estetrol beschreibt. Die einzigen Arten der Verabreichung, die darin beschrieben werden, sind die intravenöse und die subcutane (Depot-) Verabreichung. Für jede dieser Verabreichungsarten kann gefolgert werden, dass die Leistungsfähigkeit von Estetrol sehr viel schlechter als die von zum Beispiel 17β-Östradiol ist. Unter der Annahme, dass es keinen Grund zur Vermutung, dass im Fall einer oralen Verabreichung ein anderes Ergebnis erzielt werden könnte, gab, war es nicht überraschend, dass die orale Verabreichung von Estetrol nicht vorgenommen wurde und dass beim derzeitigen Stand der Technik keine Berichte über diese Wirkung gefunden werden können.
  • In Anbetracht der niedrigen östrogenen Wirksamkeit der dem Estetrol ähnlichen Substanzen, die gemäß der Erfindung eingesetzt werden, ist es überraschend, dass diese Substanzen wirkungsvoll in Verfahren der HRT verwendet werden können, besonders in Verfahren der HRT, die eine orale Verabreichung solcher Substanzen verwenden. Obwohl die Erfinder nicht durch Theorie gebunden sein wollen, wird angenommen, dass die unerwartete Wirksamkeit von oral verabreichten, dem Estetrol ähnlichen Substanzen auf die Kombination von nicht vorhergesehenen, günstigen pharmakokinetischen (ADME) und pharmakodynamischen Eigenschaften dieser Substanzen zurückzuführen sind.
  • In Bezug auf die pharmakokinetischen Eigenschaften der vorliegenden östrogenen Substanzen haben die Erfinder entdeckt, dass ihre orale Bioverfügbarkeit überraschend hoch ist und dass ihre Halbwertszeit in vivo beträchtlich länger als die von anderen biogenen Östrogenen ist. Somit können Estetrol und dem Estetrol ähnliche Substanzen, auch wenn sie eine relativ niedrige östrogene Wirksamkeit haben, in wirksamer Weise in einem oralen Verfahren der HRT eingesetzt werden, weil ihre niedrige Wirksamkeit durch eine relativ hohe orale Bioverfügbarkeit in Kombination mit einer hohen metabolischen Stabilität, wie es durch eine lange Halbwertszeit bewiesen wird, kompensiert wird.
  • Ein wichtiger Vorteil der oralen Verabreichung von Estetrol und dem Estetrol ähnlichen Substanzen besteht in der Tatsache, dass die hepatischen Wirkungen von dem Estetrol ähnlichen Substanzen als minimal erachtet werden, weil sie während des so genannten „first pass" kaum metabolisiert werden. Der „First-pass-Effekt" von oral gegebenen Arzneimitteln bezieht sich auf den Vorgang des Abbaus von Arzneimitteln durch die Leber während der Passage eines Arzneimittels von der anfänglichen Aufnahme zur Zirkulation im Blutstrom.
  • Eine andere vorteilhafte Eigenschaft der vorliegenden östrogenen Substanzen besteht in der Tatsache, dass das sexualhormonbindende Globulin (SHBG) kaum an diese östrogenen Substanzen bindet, was bedeutet, dass die Serumspiegel im Gegensatz zu den meisten bekannten Östrogenen für die Bioverfügbarkeit bezeichnend und von den SHBG-Spiegeln unabhängig sind.
  • Noch ein anderer wichtiger Nutzen der vorliegenden östrogenen Substanzen leitet sich aus ihrer relativen Unempfindlichkeit gegenüber Wechselwirkungen mit anderen Arzneimitteln (Arzneimittel-Arzneimittel-Interaktionen) ab. Es ist gut bekannt, dass bestimmte Arzneimittel die Wirksamkeit von Östrogenen wie zum Beispiel von Ethinylöstradiol verringern können und dass andere Arzneimittel ihre Aktivität steigern können, was zu möglicherweise vermehrten Nebenwirkungen führen kann. In ähnlicher Weise können Östrogene störend auf den Metabolismus anderer Arzneimittel einwirken. Im Allgemeinen ist die Wirkung anderer Arzneimittel auf Östrogene auf Beeinflussung bei der Absorption, dem Metabolismus oder der Ausscheidung dieser Östrogene zurückzuführen, wohingegen die Wirkung von Östrogenen auf andere Arzneimittel auf Konkurrenz um metabolische Wege zurückzuführen ist.
  • Die klinisch bedeutendste Gruppe von Interaktionen östrogenhaltiger Arzneimittel tritt mit Arzneimitteln auf, die hepatische, mikrosomale Enzyme, welche die Östrogenspiegel im Plasma unter ein therapeutisches Niveau absenken können, induzieren können (zum Beispiel antikonvulsive Wirkstoffe: Phenytoin, Primidon, Barbiturate, Carbamazepin, Ethosuximid und Methosuximid; Antituberkulosemittel wie zum Beispiel Rifampin; Antimykotika wie zum Beispiel Griseofulvin). Die vorliegenden östrogenen Substanzen sind weniger von der Aufwärts- oder Abwärtsregulierung der mikrosomalen Leberenzyme (zum Beispiel P450-er) abhängig und sind auch weniger empfindlich gegen eine Konkurrenz mit anderen Substraten von P450. In ähnlicher Weise gehen sie keine bedeutenden Wechselwirkungen im Metabolismus anderer Arzneimittel ein.
  • Die Konjugate der meisten Östrogene, wie sie in der Leber gebildet werden, werden in der Galle ausgeschieden und können von Darmbakterien im Kolon abgebaut werden, um das aktive Hormon, das dann erneut absorbiert werden kann, freizusetzen (enterohepatische Rezirkulation). Es gibt klinische Berichte, welche die Ansicht unterstützen, dass die enterohepatische Rezirkulation von Östrogenen bei Frauen, die Antibiotika wie zum Beispiel Ampicillin, Tetrazyklin etc. einnehmen, abnimmt. Konjugierte Formen der vorliegenden östrogenen Substanzen werden kaum in die Galle ausgeschieden, was bedeutet, dass sie im Wesentlichen gegen Arzneimittel, welche die enterohepatische Rezirkulation anderer Östrogene durchaus beeinflussen, unempfindlich sind.
  • Die oben genannten Beobachtungen dienen dazu, zu erklären, warum die östrogenen Substanzen der Erfindung kaum unter Wechselwirkungen von Arzneimittel zu Arzneimittel leiden und so eine sehr beständige, das heißt vorhersagbare Wirkung hervorrufen. Somit ist die Wirksamkeit der östrogenen Substanzen der Erfindung in hohem Maße zuverlässig.
  • Ausführliche Beschreibung der Erfindung
  • Folglich betrifft ein Aspekt der vorliegenden Erfindung die Verwendung eines östrogenen Bestandteils bei der Herstellung einer pharmazeutischen Zusammensetzung zur Verwendung in einem Verfahren der Hormonsubstitution bei Säugern, wobei dieses Verfahren die orale Verabreichung eines östrogenen Bestandteils und eines progestogenen Bestandteils in einer wirksamen Menge an einer Säuger, um Symptome eines Hypoöstrogenismus zu verhindern oder zu behandeln, umfasst, wobei der östrogene Bestandteil ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus: Substanzen, die durch die folgende Formel dargestellt werden:
    Figure 00130001
    wobei in dieser Formel R1, R2, R3 und R4 unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom, eine Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe mit 1-5 Kohlenstoffatomen darstellen, jedes von R5, R6 und R7 eine Hydroxylgruppe darstellt und nicht mehr als 3 von R1, R2, R3 und R4 Wasserstoffatome darstellen,
    Vorstufen, die eine Substanz, die der oben erwähnten Formel entspricht, freisetzen können, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden, wobei diese Vorstufen Derivate der Substanzen, die durch die Formel dargestellt werden, sind, worin das Wasserstoffatom von mindestens einer der Hydroxylgruppen in besagter Formel durch ein Acylradikal einer Kohlenwasserstoff-Carbon-, Sulfon- oder Sulfaminsäure mit 1-25 Kohlenstoffatomen, Tetrahydrofuranyl, Tetrahydropyranal, oder einen unverzweigten oder verzweigtkettigen Glykosidrest, der 1-20 Glykosideinheiten pro Rest enthält, substituiert worden ist
    und Mischungen aus einer oder mehreren der oben erwähnten Substanzen und/oder Vorstufen. Der Begriff „orale Verabreichung" wie hier verwendet umfasst auch die Verabreichung über Zufuhr über eine orale Sonde.
  • Das der Erfindung entsprechende Verfahren der HRT kann in vorteilhafter Weise eingesetzt werden, um alle bekannten Formen eines Hypoöstrogenismus zu behandlen, zum Beispiel Hypoöstrogenismus bei (peri-)menopausalen und postmenopausalen Frauen, Hypoöstrogenismus, der auf Hypogonadismus oder Kastration zurückzuführen ist, und auch Hypoöstrogenismus, der auf primäres Ovarialversagen, auf Behandlung von beispielsweise Brustkrebs mit Aromatasehemmer und auf Behandlung von beispielsweise benignen gynäkologischen Erkrankungen mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga zurückzuführen ist. Beispiele von Manifestationen des Hypoöstrogenismus, die in wirksamer Weise mit dem vorliegenden Verfahren sowohl bei Frauen als auch bei Männern behandelt oder verhindert werden können, schließen Osteoporose, Arteriosklerose, kognitive Störungen und Alzheimersche Krankheit ein. Das Verfahren kann auch in vorteilhafter Weise in der (vorbeugenden) Behandlung von klimakterischen Symptomen wie zum Beispiel von Hitzewallungen („flashes"), Schweißausbrüchen, urogenitaler Atrophie, Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Palpitationen eingesetzt werden. Das vorliegende Verfahren ist besonders zum Behandeln oder Verhindern von Osteoporose und klimakterischen Symptomen geeignet.
  • Der Begriff „östrogener Bestandteil" umfasst, wie er in diesem Dokument verwendet wird, Substanzen, die in der Lage sind, in vivo eine östrogene Reaktion auszulösen, und auch Vorstufen, die imstande sind, solch einen östrogenen Bestandteil in vivo freizusetzen, wenn sie gemäß der vorliegenden Erfindung eingesetzt werden. Damit östrogene Bestandteile eine solche Reaktion auslösen können, müssen sie normalerweise an einen Östrogenrezeptor binden, wobei diese Rezeptoren in verschiedenen Gewebearten im Körper eines Säugers beobachtet werden. Der Begriff „progestogener Bestandteil" ist als eine Substanz, die in der Lage ist, in vivo eine progestogene Reaktion auszulösen, oder als eine Vorstufe, die imstande ist, eine solche Substanz in vivo freizusetzen, defi niert. Üblicherweise können progestogene Bestandteile an einen Progestogenrezeptor binden.
  • Es wird besonders erwähnt, dass die vorliegende Erfindung nicht nur die Verwendung östrogener und progestogener Bestandteile, die in dieser Anwendung speziell erwähnt werden, sondern auch Metabolite dieser Hormone, die in vivo eine vergleichbare Funktionsweise zeigen, umfasst. In diesem Zusammenhang wird beobachtet, dass zum Beispiel Levonorgestrel ein Metabolit von Norgestimat ist, und dass Östriol ein Metabolit von 17beta-Östradiol ist. Diese beide Progestogene und Östrogene haben in kontrazeptiven Formulierungen und/oder in der Hormonsubstitutionstherapie Anwendung gefunden. Der Begriff „östrogene Substanzen", wie er in diesem Dokument verwendet wird, umfasst nicht mit Tritium (3H) markierte östrogene Substanzen wie zum Beispiel mit Tritium markiertes Estetrol.
  • Die vorliegenden östrogenen Substanzen unterscheiden sich sowohl von den biogenen als auch von den synthetischen Östrogenen, die verbreitet in pharmazeutischen Rezepturen eingesetzt werden, darin, dass sie wenigstens 4 Hydroxylgruppen enthalten. Die vorliegenden Substanzen sind darin, dass der 5-gliedrige Ring im Steroidgerüst 3 Hydroxylsubstituenten anstelle von 0-2 umfasst, außerordentlich.
  • Bekannte Östrogene, die wenigstens 4 Hydroxylgruppen enthalten, und Derivate davon sind:
    1,3,5(10)-Estratrien-2,3,15α,16α,17β-pentol-2-methylether,
    1,3,5(10)-Estratrien-2,3,15β,16α,17β-pentol-2-methylether,
    1,3,5(10)-Estratrien-2,3,16α,17β-tetrol,
    1,3,5(10)-Estratrien-3,4,16α,17β-tetrol-4-methylether,
    1,3,5(10)-Estratrien-3,15α,16α,17β-tetrol,
    1,3,5(10)-Estratrien-3,15α,16α,17β-tetrol-tetraacetat,
    1,3,5(10)-Estratrien-3,15β,16β,17β-tetrol-tetraacetat.
  • Die östrogene Substanz, die als Wirkstoff in der vorliegenden Zusammensetzung eingesetzt wird, ist bevorzugt ein natürliches Östrogen, das heißt ein Östrogen, das in der Natur und speziell in Säugern gefunden wird. Noch bevorzugter handelt es sich bei der östrogenen Substanz um ein so genanntes biogenes Östrogen, das heißt um ein Östrogen, das natürlicherweise im menschlichen Körper vorkommt, um eine Vorstufe eines biogenen Östrogens oder um Mischungen davon. Weil biogene Östrogene natürlicherweise im fötalen und weiblichen Körper vorliegen, wird nicht erwartet, dass Nebenwirkungen auftreten, besonders dann nicht, wenn die Serumspiegel, die sich aus der exogenen Verabreichung solcher Östrogene ergeben, natürlich vorkommende Konzentrationen nicht wesentlich überschreiten. Da die Serumspiegel von Estetrol im Fötus einige Male höher sind diejenigen, die in schwangeren Frauen nachgewiesen werden, und in Kenntnis der Tatsache, dass der Fötus besonders verletzlich ist, wird Estetrol als ein besonders sicheres biogenes Östrogen erachtet. Es wird nicht erwartet, dass Nebenwirkungen auftreten, besonders dann nicht, wenn die Serumspiegel, die sich aus der exogenen Verabreichung solcher Östrogene ergeben, natürlich vorkommende (fötale) Konzentrationen nicht wesentlich überschreiten. Bei synthetischen Östrogenen wie zum Beispiel Ethinylöstradiol gibt es ein (dosisabhängiges) Risiko unerwünschter Nebenwirkungen wie zum Beispiel Thrombembolie, Flüssigkeitsretention, Brechreiz, Blutung, Cholelithiasis, Kopfschmerz und Brustschmerz.
  • In einer bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung enthält die östrogene Substanz 4 Hydroxylgruppen. Auch stellt in der oben gezeigten Formel R1 vorzugsweise ein Wasserstoffatom dar. In der besagten Formel stellen vorzugsweise wenigstens 2, am meisten bevorzugt wenigstens 3 der Gruppen R1, R2, R3 und R4 ein Wasserstoffatom dar.
  • Die östrogenen Substanzen gemäß der Formel umfassen verschiedene Enantiomere, weil die Kohlenstoffatome, welche die Hydroxyl-Substituenten R5, R5 und R7 tragen, chiral aktiv sind. In einer bevorzugten Ausführungsform ist die vorliegende östrogene Substanz 15α-hydroxy-substituiert. In einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist die Substanz 16α-hydroxy-substituiert. In noch einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist die Substanz 17β-hydroxy-substituiert. Am meisten bevorzugt sind die östrogenen Substanzen 15α,16α,17β-trihydroxy-substituiert.
  • In einer anderen bevorzugten Ausführungsform der vorliegenden Erfindung stellt R3 eine Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe dar. In einer anderen bevorzugten Ausfüh rungsform stellen die Gruppen R1, R2 und R4 Wasserstoffatome dar, wobei in diesem Fall, wenn R3, R5, R6 und R7 Hydroxylgruppen darstellen, es sich bei der Substanz um 1,3,5(10)-Estratrien-3,15,16,17-tetrol handelt. Ein bevorzugtes Isomer der letztgenannten Substanz ist 1,3,5(10)-Estratrien-3,15α,16α,17β-tetrol (Estetrol).
  • Die Erfindung umfasst auch die Verwendung von Vorstufen der östrogenen Substanzen, die in dem vorliegenden Verfahren den Wirkstoff bilden. Diese Vorstufen sind imstande, die vorher erwähnten östrogenen Substanzen zum Beispiel als Ergebnis einer metabolischen Umwandlung freizusetzen, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden.
  • Typische Beispiele von Vorstufen, die in geeigneter Weise in Überstimmung mit der Erfindung eingesetzt werden können, sind Ester, die man erhalten kann, indem man die Hydroxylgruppen der östrogenen Substanzen mit Substanzen, die eine oder mehrere Carboxy (M+ OOC-)-Gruppen enthalten, wobei M+ ein Wasserstoff- oder ein (Alkali-)Metall-Kation darstellt, reagieren lässt. Daher sind in einer besonders bevorzugten Ausführungsform die Vorstufen Derivate der östrogenen Substanzen, wobei das Wasserstoffatom von wenigstens einer der Hydroxylgruppen in besagter Formel mit -CO-R substituiert wurde, wobei R ein Kohlenwasserstoff-Radikal, das von 1-25 Kohlenstoff atome umfasst, darstellt. R stellt bevorzugt Wasserstoff oder ein Alkyl-, Alkenyl- oder Arylradikal, das von 1-20 Kohlenstoffatome umfasst, dar.
  • Das vorliegende Verfahren setzt üblicherweise die ununterbrochene orale Verabreichung des östrogenen Bestandteils während einer Dauer von mindestens 10 Tagen, vorzugsweise von mindestens 20 Tagen, ein. Der Begriff „ununterbrochen", wie er hier verwendet wird, bedeutet, dass der östrogene Bestandteil in relativ regelmäßigen Intervallen ohne (therapeutisch) wesentliche Unterbrechungen verabreicht wird. Naturgemäß kann es zu geringfügigen Unterbrechungen, welche die Gesamtwirksamkeit des vorliegenden Verfahrens nicht beeinflussen, kommen und tatsächlich werden solche Abweichungen durch die vorliegende Erfindung abgedeckt. In einer bevorzugten Ausführungsform und arithmetischer wird der Verabreichungsplan als durchgehend angesehen, wenn das längste Intervall zwischen 2 aufeinander folgenden Verabreichungen nicht länger als 3,5-mal so lang wie das Durchschnittsintervall ist. Noch bevorzugter ist das besagte längste Intervall nicht länger als 2,5-mal, am meisten bevorzugt nicht länger als 1,5-mal so lang wie das Durchschnittsintervall.
  • Die Vorteile der vorliegenden Erfindung treten am klarsten hervor, wenn der östrogene Bestandteil in einer längerfristigen Hormonsubstitutionstherapie eingesetzt wird, um die negativen Wirkungen von chronischem Hypoöstrogenismus zu minimieren. Daher umfasst das Verfahren der Hormonsubstitutionstherapie die Verabreichung des östrogenen Bestandteils vorzugsweise für eine Dauer von mindestens 1 Monat, bevorzugter von mindestens 3 Monaten.
  • Im vorliegenden Verfahren können der östrogene und der progestogene Bestandteil in separaten oralen Dosierungseinheiten verabreicht werden. Es ist jedoch auch möglich und tatsächlich sehr zweckmäßig, diese beiden Bestandteile in einer einzelnen oralen Dosierungseinheit zusammenzufassen.
  • Die Erfindung kann in geeigneter Weise auf eine Praxis in Form einer Reihe von Verfahren der HRT, die dem Fachmann bekannt sind, reduziert werden. Unter diesen Verfahren sind so genannte „kombinierte" Verfahren. Die kombinierten Verfahren bringen Präparate, die eine Kombination eines Östrogens und eines Progestogens enthalten, zum Einsatz. Die kombinierten Verfahren haben gemeinsam, dass sie auf einem Plan, der die Verabreichung der oben erwähnten kombinierten Präparate, gefolgt von einem verabreichungsfreien Intervall von etwa 7 Tagen, umfasst, beruhen, wobei es zu einer Entzugsblutung, welche die natürliche Menstruation simuliert, kommt. So wechseln sich Intervalle von 21 Tagen mit der Verabreichung von Hormonen mit 7 Tagen, während deren keine Hormone verabreicht werden, ab.
  • Als Alternative zu den oben erwähnten kombinierten Verfahren wurde das so genannte „sequenzielle Verfahren" vorgeschlagen. Es ist kennzeichnend für das sequenzielle Verfahren, dass es zwei aufeinander folgende Phasen umfasst, das heißt eine Phase, während der Östrogen und kein Progestogen verabreicht wird und eine andere Phase, während der eine Kombination eines Östrogens und eines Progestogens verabreicht wird. Die ersten sequenziellen Verfahren machten wie die oben erwähnten kombinierten Verfahren von einem verabreichungsfreien Intervall von etwa 7 Tagen Gebrauch. In jünge rer Zeit wurden sequenzielle Verfahren, die keine verabreichungsfreie (oder Placebo-) Periode einschließen, vorgeschlagen, was bedeutet, dass Östrogen während des gesamten Zyklus verabreicht wird und dass Progestogen nur während eines Teils dieses Zyklus gleichzeitig verabreicht wird. WO 95/17895 (Ehrlich et al.) beschreibt ein solches nicht unterbrochenes, sequenzielles Verfahren.
  • Noch ein anderes Beispiel eines HRT-Verfahrens, das von der vorliegenden Erfindung umfasst wird, ist das so genannte „kontinuierliche, kombinierte" Verfahren, das eine besondere Version des kombinierten Verfahrens, die eine ununterbrochene kombinierte Verabreichung von einem progestogenen und einem östrogenen Bestandteil über eine längerfristige Zeitperiode, zum Beispiel mehr als 50 Tage, verwendet, ist. Im Gegensatz zu üblichen kombinierten und sequenziellen Verfahren kommt es bei dem kontinuierlichen, kombinierten Verfahren nicht zu regelmäßigen Monatsblutungen, weil die kontinuierliche Verabreichung von Progestogen in den angegeben Mengen eine Amenorrhoe verursacht.
  • In einer Ausführungsform der Erfindung, die das kontinuierliche, kombinierte Verfahren betrifft, umfasst das vorliegende Verfahren die ununterbrochene orale Verabreichung der Kombination des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils während einer Dauer von wenigstens 28, vorzugsweise von wenigstens 60 Tagen.
  • In einer anderen Ausführungsform der Erfindung, die sequenzielle und kombinierte Verfahren, die ein erhebliches verabreichungsfreies Intervall einsetzen, betrifft, umfasst das Verfahren der Erfindung ein Intervall von wenigstens 2 Tagen, vorzugsweise von 3-9 Tagen, am meisten bevorzugt von 5-8 Tagen, während deren kein progestogener Bestandteil und kein östrogener Bestandteil verabreicht wird, und wobei der sich daraus ergebende Abfall der Serumkonzentration des progestogenen Bestandteils und des östrogenen Bestandteils eine Menstruationsblutung auslöst.
  • Noch eine andere Ausführungsform der Erfindung, die ein sequenzielles Verfahren ohne eine erhebliche Pause betrifft, ist dadurch, dass sie die ununterbrochene orale Verabreichung des östrogenen Bestandteils während einer Dauer von wenigstens 28 Tagen, vorzugsweise von wenigstens 60 Tagen umfasst, und dadurch, dass nach der kombi nierten Verabreichung des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils der östrogene Bestandteil und kein progestogener Bestandteil während 3-18 aufeinander folgender Tage, vorzugsweise während 5-16 aufeinander folgender Tage verabreicht wird, gekennzeichnet und der sich daraus ergebende Abfall der Serumkonzentration des progestogenen Bestandteils sollte normalerweise ausreichen, um eine Menstruationsblutung auszulösen.
  • In den vorliegenden Verfahren kann eine ununterbrochene Verabreichung des östrogenen Bestandteils üblicherweise in Intervallen von zwischen 6 Stunden und 7 Tagen, vorzugsweise von zwischen 12 Stunden und 3 Tagen, erfolgen. Die relativ lange Halbwertszeit der vorliegenden östrogenen Bestandteile in vivo im Vergleich mit den meisten bekannten Östrogenen ermöglicht es, bei der oralen Verabreichung Intervalle, die erheblich länger als 1 Tag sind, anzuwenden. Aus praktischen Gründen und besonders im Hinblick auf die Compliance der Anwender wird es bevorzugt, den östrogenen Bestandteil und auch den progestogenen Bestandteil mindestens einmal täglich, am meisten bevorzugt einmal täglich oral zu verabreichen.
  • In allen oben erwähnten Verfahren wird es bevorzugt, den östrogenen Bestandteil und den progestogenen Bestandteil mindestens einmal täglich während einer Dauer von wenigstens 10, vorzugsweise von wenigstens 20 Tagen oral zu verabreichen. Im Fall eines sequenziellen Verfahrens ohne Pause oder eines kontinuierlichen, kombinierten Verfahrens wird es bevorzugt, den östrogenen Bestandteil und/oder den progestogenen Bestandteil mindestens einmal täglich während einer Dauer von wenigstens 30 Tagen, bevorzugter von wenigstens 60 Tagen, am meisten bevorzugt von wenigstens 150 Tagen oral zu verabreichen. Ununterbrochene sequenzielle Verfahren, die eine kontinuierliche Verabreichung von Östrogen einsetzen, sind durch eine hervorragende Kontrolle des Zyklus gekennzeichnet.
  • Die allgemeinen Bedenken in Bezug auf die so genannte „unopposed" Verabreichung (Verabreichung ohne Gegenspieler) von Östrogen, das heißt, dass die Verabreichung von Östrogen ohne gleichzeitig verabreichtes Progestogen eine Hyperplasie des Endometriums verursachen könnte, sind auf die östrogenen Bestandteile der vorliegenden Erfindung weniger anwendbar. Daher wird in einer besonders bevorzugten Ausführungs form das vorliegende HRT-Verfahren in Übereinstimmung mit einem sequenziellen Verfahren ohne Pause ausgeführt.
  • Mit dem vorliegenden Verfahren können gute Ergebnisse erzielt werden, wenn der östrogene Bestandteil in einer Menge von weniger als 1 mg pro kg Körpergewicht pro Tag verabreicht wird, vorzugsweise von weniger als 400 μg pro kg Körpergewicht pro Tag, bevorzugter von weniger als 200 μg pro kg Körpergewicht pro Tag, Um mit der Verabreichung des vorliegenden östrogenen Bestandteils eine maßgebliche Wirkung zu erzielen, ist es zweckmäßig, in einer Menge von mindestens 1 μg pro kg Körpergewicht pro Tag oral zu verabreichen. Vorzugsweise beträgt die oral verabreichte Menge mindestens 2 μg pro kg Körpergewicht pro Tag. Bevorzugter beträgt die oral verabreichte Menge mindestens 5 μg pro kg Körpergewicht pro Tag.
  • Bei dem vorliegenden Verfahren wird besonders, wenn es an Menschen angewandt wird, der östrogene Bestandteil üblicherweise in einer durchschnittlichen Dosierung von wenigstens 0,05 mg pro Tag, vorzugsweise von wenigstens 0,1 mg pro Tag verabreicht. Die maximale Dosierung wird normalerweise unter 40 mg pro Tag, vorzugsweise unter 20 mg pro Tag gehalten. Die normalerweise eingesetzte Dosis des progestogenen Bestandteils entspricht einer durchschnittlichen oralen Dosierung von 30-750 μg Levonorgestrel pro Tag, vorzugsweise einer durchschnittlichen oralen Dosierung von 50-400 μg Levonorgestrel pro Tag.
  • Im vorliegenden Verfahren wird der östrogene Bestandteil vorzugsweise in einer Menge, die es bewirkt, dass eine Konzentration im Blutserum von mindestens 1 Nanogramm pro Liter, bevorzugter von mindestens 10 Nanogramm pro Liter, am meisten bevorzugt von mindestens 100 Nanogramm pro Liter erreicht wird, verabreicht. Im Allgemeinen wird die sich ergebende Konzentration des östrogenen Bestandteils im Blutserum 100 μg pro Liter nicht übersteigen, vorzugsweise wird sie 50 μg pro Liter nicht übersteigen, bevorzugter wird sie 25 μg pro Liter nicht übersteigen.
  • Gemäß der vorliegenden Erfindung wird der progestogene Bestandteil in vorteilhafter Weise in einer Menge, die einer täglichen oralen Dosierung von 0,3-20 μg Levonor gestrel pro kg Körpergewicht, vorzugsweise von 0,5-5 μg Levonorgestrel pro kg Körpergewicht entspricht, verabreicht.
  • Beispiele von Progestogenen, die in geeigneter Weise gemäß der vorliegenden Erfindung verwendet werden können, beinhalten: Progesteron, Levonorgestrel, Norgestimat, Norethisteron, Dydrogesteron, Drospirenon, 3-beta-Hydroxydesogestrel, 3-keto-Desogestrel (=Etonogestrel), 17-Deacetyl-norgestimat, 19-Norprogesteron, Acetoxypregnenolon, Allylestrenol, Anageston, Chlormadinon, Cyproteron, Demegeston, Desogestrel, Dienogest, Dihydrogesteron, Dimethisteron, Ethisteron, Ethynodiol-diacetat, Fluorgestonacetat, Gastrinon, Gestoden, Gestrinon, Hydroxymethylprogesteron, Hydroxyprogesteron, Lynestrenol (=Lynoestrenol), Medrogeston, Medroxyprogesteron, Megestrol, Melengestrol, Nomegestrol, Norethindron (=Norethisteron), Norethynodrel, Norgestrel (schließt d-Norgestrel und dl-Norgestrel ein), Norgestrienon, Normethisteron, Progesteron, Quingestanol, (17alpha)-17-Hydroxy-11-methylen-19-norpregna-4,15-dien-20-yn-3-on, Tibolon, Trimegeston, Algestonacetophenid, Nestoron, Promegeston, 17-Hydroxyprogesteronester, 19-Nor-17-hydroxyprogesteron, 17alpha-Ethinyl-testosteron, 17alpha-Ethinyl-19-nor-testosteron, d-17beta-Acetoxy-13beta-ethyl-17alpha-ethinyl-gon-4-en-3-on-oxime und Vorstufen dieser Verbindungen, die imstande sind, diese Progestogene in vivo freizusetzen, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden. Vorzugsweise ist das Progestogen, das in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt wird, ausgewählt aus der Gruppe bestehend aus: Progesteron, Desogestrel, Etonogestrel, Gestoden, Dienogest, Levonorgestrel, Norgestimat, Norethisteron, Drospirenon, Trimegeston, Dydrogesteron, Vorstufen dieser Progestogene und Mischungen davon.
  • Das vorliegende Verfahren umfasst auch die gleichzeitige Verabreichung von Wirkprinzipien zusätzlich zum progestogenen und zum östrogenen Bestandteil. Zum Beispiel können Androgene in vorteilhafter Weise gleichzeitig verabreicht werden, um Symptome von Androgenmangel zu verhindern. So umfasst eine bevorzugte Ausführungsform der Erfindung die gleichzeitige Verabreichung eines androgenen Bestandteils. Der androgene Bestandteil wird in geeigneter Weise gleichzeitig in einer Menge, die es bewirkt, dass Symptome von Androgenmangel unterdrückt werden, verabreicht. Androgenmangel wurde mit Stimmungsschwankungen, ungünstigen Veränderungen von hämostatischen Parametern und Mangel an Knochensubstanz in Verbindung gebracht.
  • Der Begriff „androgener Bestandteil" ist als eine Substanz, die in der Lage ist, eine androgene Reaktion in vivo auszulösen oder als eine Vorstufe, die imstande ist, eine solche Substanz in vivo freizusetzen, definiert. Üblicherweise können androgene Bestandteile an einen Androgenrezeptor binden.
  • Androgene Bestandteile, die in geeigneter Weise im vorliegenden Verfahren eingesetzt werden können, können ausgewählt sein aus der Gruppe bestehend aus Dehydroepiandrosteron (DHEA), Danazol, Gestrinon, Testosteronestern, Vorstufen, die imstande sind, diese Androgene freizusetzen, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden, und Mischungen davon. Vorzugsweise umfassen die eingesetzten Testosteronester eine Acylgruppe, die wenigstens 6, bevorzugter von 8-20 und bevorzugt 9-13 Kohlenstoffatome umfasst. Die Androgene die in der am meisten vorteilhaften Weise in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden können, sind DHEA und/oder Testosteronundecanoat.
  • Es wird vermerkt, dass zum Beispiel DHEA und Testosteron-undecanoat Vorstufen von Testosteron sind und dass die besagten Vorstufen per se so gut wie keine Affinität zu Androgenrezeptoren im weiblichen Körper aufweisen. Die Wirksamkeit von den Androgenen im Verfahren der Erfindung wird von ihrer funktionell aktiven Form, die sich sehr wohl von der Form, in der sie verabreicht werden, unterscheiden kann, bestimmt.
  • In einer bevorzugten Ausführungsform wird das Androgen in einer Menge, die einer täglichen oralen Dosierung von 5 bis 250 mg DHEA entspricht, verordnet, was einer täglichen oralen Dosierung von 1 bis 50 mg Testosteron-undecanoat entspricht. Bevorzugter wird das Androgen in einer Menge, die einer täglichen oralen Dosierung von 10 bis 120 mg DHEA entspricht, verordnet. Am meisten bevorzugt wird das Androgen in einer Menge, die einer täglichen oralen Dosierung von 20 bis 60 mg DHEA entspricht, verabreicht.
  • Um die erwünschte Wirkung aus dem vorliegenden Verfahren zu erhalten, ist es zweckmäßig, die Dosierungseinheiten in einer Menge, die zu einem Anstieg des Androgenspiegels im Blutserum von höchstens 5 nmol Testosteronäquivalent pro Liter, vor zugsweise von weniger als 3 nmol Testosteronäquivalent pro Liter und am meisten bevorzugt von weniger als 1,5 nmol Testosteronäquivalent pro Liter führt, zu verabreichen.
  • Das vorliegende Verfahren verwendet vorzugsweise keine Zusammensetzung mit Gonadotropin-Hormon freisetzendem Hormon wie in den oben erwähnten Patenten US 5.211.952 , US 5.340.584 und US 5.340.585 beschrieben. In ähnlicher Weise verwendet das vorliegende Verfahren vorzugsweise keine Zusammensetzung mit luteinisierendes Hormon freisetzendem Hormon wie in US 4.762.717 und US 5.130.137 beschrieben. Weiterhin umfasst das vorliegende Verfahren vorzugsweise nicht die gleichzeitige Verabreichung eines Antiprogestogens wie in US 5.468.736 beschrieben. Das Verfahren kann auch in geeigneter Weise ohne die gleichzeitige Verabreichung eines Gegensinn-Oligonukleotids, das zur Nukleotidsequenz des Rezeptors für das follikelstimulierende Hormon (FSH) komplementär ist (WO 00/73416), angewandt werden.
  • Das vorliegende Verfahren wird vorzugsweise nicht bei Frauen, die einer Oophorektomie unterzogen wurden, oder bei Frauen, bei denen die Stimulation des Endometriums durch östrogene Zusammensetzungen auf andere Weise als durch kombinierte Verabreichung eine Progestogens und eines Östrogens, zum Beispiel als Ergebnis einer Hysterektomie, minimiert oder nicht vorhanden ist, angewandt.
  • Ein anderer Aspekt der Erfindung betrifft einen pharmazeutischen Kit, der mindestens 20 orale Dosierungseinheiten, die den östrogenen Bestandteil wie hier vorher definiert und/oder den progestogenen Bestandteil und/oder den androgenen Bestandteil wie hier oben beschrieben enthaften, umfasst, wobei mindestens 10 Einheiten zwischen 0,01 und 20 mg, vorzugweise zwischen 0,05 und 10 mg des östrogenen Bestandteils enthalten, mindestens 10 Einheiten den progestogenen Bestandteil in einer Menge, die 30-750 μg Levonorgestrel entspricht, enthalten und mindestens 10 Dosierungseinheiten den androgenen Bestandteil in einer Menge, die 5-250 mg Dehydroepiandrosteron entspricht, enthalten.
  • Im vorliegenden Kit kann der östrogene Bestandteil in geeigneter Weise mit dem progestogenen Bestandteil und dem androgenen Bestandteil in einer einzigen Dosierungseinheit kombiniert werden. Dementsprechend umfasst der Kit vorzugsweise mindestens 10 Dosierungseinheiten, die zwischen 0,01 und 20 mg des östrogenen Bestandteils, den progestogenen Bestandteil in einer Menge, die 30-750 μg Levonorgestrel entspricht, und den androgenen Bestandteil in einer Menge, die 5-250 mg Dehydroepiandrosteron entspricht, enthalten. Ein pharmazeutischer Kit, der zur Verwendung in kombinierten und sequenziellen Verfahren besonders geeignet ist, wird üblicherweise 20-35 orale Dosierungseinheiten enthalten, wobei 10-35 Einheiten eine Kombination des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils in den angegebenen Mengen enthalten, 0-25 Einheiten keinen progestogenen Bestandteil und den östrogenen Bestandteil in den angegebenen Mengen enthalten und 0-8 Einheiten keinen östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten.
  • Ein pharmazeutischer Kit, der zur Verwendung in einem kontinuierlichen, kombinierten Behandlungsplan oder in einem kombinierten Behandlungsplan besonders geeignet ist, umfasst mindestens 20 orale Dosierungseinheiten, die entweder die Kombination des progestogenen und des östrogenen Bestandteils oder keinen dieser beiden Bestandteile (Placebos) enthalten, wobei mindestens 15, vorzugsweise mindestens 20 dieser Dosierungseinheiten die Kombination des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils enthalten und 0-8 Einheiten keinen östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten. Wenn solch ein Kit in einem kontinuierlichen, kombinierten Verfahren verwendet werden soll, kann der Kit in vorteilhafter Weise mindestens 28, vorzugsweise mindestens 60 Dosierungseinheiten umfassen, wobei alle Dosierungseinheiten die Kombination des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils in den oben angegebenen Mengen enthalten.
  • Falls der vorliegende Kit dazu vorgesehen ist, in einem HRT-Verfahren, das von einem verabreichungsfreien Intervall Gebrauch macht, um eine Menstruationsblutung auszulösen, eingesetzt zu werden (zum Beispiel in einem kombinierten Verfahren oder einem sequenziellen Verfahren mit Pause), wird der Kit üblicherweise mindestens 3 Einheiten, vorzugsweise mindestens 5 Einheiten, die keinen östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten, umfassen.
  • In einer besonders bevorzugten Ausführungsform der Erfindung ist der vorliegende Kit zur Verwendung in einem sequenziellen Verfahren bestimmt. Solch ein Kit wird übli cherweise 20-35 orale Dosierungseinheiten umfassen, wobei 10-32 Einheiten die Kombination des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils enthalten und 3-18 Einheiten den östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten. Besonders bevorzugt ist ein Kit, der zur Verwendung in einem sequenziellen Verfahren ohne erhebliche Pause bestimmt ist. In solch einem Kit, der üblicherweise 20-35 orale Dosierungseinheiten umfassen wird, enthalten 10-20 Einheiten eine Kombination des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils, 10-18 Einheiten enthalten den östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil und höchstens 1 Einheit enthält keinen östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil.
  • Die pharmazeutischen Kits gemäß der vorliegenden Erfindung werden normalerweise nur eine oder mehrere der folgenden Arten von oralen Dosierungseinheiten enthalten: Einheiten, welche die Kombination des östrogenen und des progestogenen Bestandteils enthalten, Einheiten, welche den östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten, und Einheiten, die gewissermaßen als Placebos fungieren. Vorzugsweise umfasst der Kit mindestens 20 Einheiten, welche die Kombination des östrogenen und des progestogenen Bestandteils oder den östrogenen Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten.
  • Wenn der vorliegende Kit dazu vorgesehen ist, im Rahmen eines kombinierten oder sequenziellen Protokolls eingesetzt zu werden, werden die oralen Dosierungseinheiten im Kit vorzugsweise in einer fixierten Reihenfolge, die der beabsichtigten Reihenfolge der Verabreichung entspricht, angeordnet. Hinweise auf den Sachverhalt können auf der Verpackung bereitgestellt werden. Die Verpackung kann ein Röhrchen oder eine Schachtel oder ein Streifen sein. Die Schachtel kann kreisförmig, rechteckig oder andersartig geformt sein, wobei die Tabletten darin zur Vereinfachung der Verabreichung voneinander getrennt untergebracht sind. Hinweise auf den Termin können neben jeder Tablette erscheinen, entsprechend den Tagen, an denen jede Tablette einzunehmen ist. Irgendein Hinweis auf die Reihenfolge, in der die Tabletten einzunehmen sind, ist vorzugsweise auf der Packung ungeachtet ihrer Form sichtbar.
  • Im Allgemeinen werden die oralen Dosierungseinheiten im vorliegenden Kit in Übereinstimmung mit gut bekannten pharmazeutischen Verfahren hergestellt. Der (die) Wirkstoffe) wird (werden) mit einem pharmazeutisch unbedenklichen Vehikel kombiniert und in eine pharmazeutisch unbedenkliche Form für die orale Verabreichung, zum Beispiel in eine Tablette, eine Kapsel, eine Kapsel aus Stärkemasse, ein Kügelchen, eine Pille, Puder oder Granula überführt. Das Vehikel kann geeignete pharmazeutische Träger wie zum Beispiel Streckmittel, Bindemittel und Gleitmittel beinhalten. Zum Beispiel werden Gummi, Stärke und Zucker üblicherweise als pharmazeutische Träger verwendet. Tabletten und andere orale Dosierungseinheiten können in geeigneter Weise Materialien wie zum Beispiel Bindemittel (zum Beispiel Hydroxypropylmethylcellulose, Polyvinylpyrrolidin, andere celluloseartige Materialien und Stärke), Streckmittel (zum Beispiel Lactose und andere Zucker, Stärke, Dicalciumphosphat und celluloseartige Materialien), Sprengmittel (zum Beispiel Stärkepolymere und celluloseartige Materialien) und Gleitmittel (zum Beispiel Stearate und Talk) enthalten.
  • Der (die) Wirkstoffe) kann (können) von etwa 0,01 % (nach Gewicht) bis etwa 50 % (nach Gewicht) der Formulierung in der Dosierungseinheit umfassen, wobei der Rest aus Vehikel besteht. Der (die) Wirkstoffe) wird (werden) mit dem gewählten Träger gemischt und beispielsweise im Fall der Form einer Tablette in eine Apparatur zum Pressen von Tabletten eingebracht, um die Tabletten zu formen. Alternativ kann das vermischte Material als Puder oder Granula in eine Kapsel eingebracht werden. Einem Fachmann auf dem Gebiet der Pharmazie sind verschiedene andere Varianten, die in geeigneter Weise in Übereinstimmung mit der vorliegenden Erfindung eingesetzt werden können, gut bekannt.
  • Die vorliegende Erfindung wird weiter durch die folgenden Beispiele veranschaulicht, die jedoch nicht als limitierend zu interpretieren sind. Die Eigenschaften, die in der vorangehenden Beschreibung, in den folgenden Beispielen und in den Patentansprüchen offenbart sind, können sowohl einzeln als auch in jeder Kombination davon Material zum Umsetzen der Erfindung in verschiedenen Formen davon darstellen.
  • Beispiele
  • Beispiel 1
  • Vaginale Verhornung wurde als gewebsspezifischer und östrogensensitiver Endpunkt gewählt, um die Östrogenität von Estetrol (E4) nach oraler Verabreichung bei hypoöstrogenen Ratten zu bestimmen. Als Kontrollen in diesen Bioversuchen dienten 17α-Ethinylöstradiol (EE) und Vehikel (10 % Ethanol/Sesamöl).
  • Die Zunahme des Uterusgewichts bei der Ratte wird häufiger als Maß der Östrogenität verwendet. Das Gewicht des Uterus reagiert jedoch auch auf Progesteron, Testosteron und andere Stoffe, die nicht charakteristischerweise als Östrogene betrachtet werden. In den frühen 1920ern wurde entdeckt, dass Follikelflüssigkeit aus dem Ovar vom Schwein einen Faktor, der zur Verhornung/Keratinisierung des Vaginalepithels der Ratte führte, enthielt (Allen und Doisy, 1923, JAMA, 81, 819-821; Allen und Doisy, 1924, Am. J. Physiol., 69, 577-588). Die so genannte vaginale Verhornungsreaktion bei Ratten lieferte anschließend einen Bioversuch zum Untersuchen der Östrogenität. Eine vaginale, epitheliale Verhornung/Keratinisierung bei ovariektomierten Ratten kann nur von Verbindungen, die als echte Östrogene gelten, hervorgerufen werden (Jones et al., 1973, Fert. Steril. 24, 284-291). Vaginale, epitheliale Verhornung/Keratinisierung stellt daher einen in hohem Maße selektiven Endpunkt zum Bestimmen der Wirksamkeit von Östrogenen dar (Reel et al., 1996, Fund. Appli. Toxicol. 34, 288-305).
  • Erwachsene, unversehrte weibliche CD-Ratten wurden ovariektomiert, um einen Östrogenmangel hervorzurufen. Sieben Tage lang wurden täglich Vaginallavagen vorgenommen, um sicherzustellen, dass die Ratten kastratentypische Vaginalabstriche (Vorherrschen von Leukozyten im Vaginalabstrich und im Erscheinungsbild einem interöstrischen Vaginalabstrich ähnlich) zeigten. Kastratentypische Vaginalabstriche weisen darauf hin, dass eine vollständige Ovariektomie ausgeführt wurde. Die Behandlung begann nach Abschluss der 7 Tage des Gewinnens der Abstriche (Tag 0 = erster Tag des Verabreichens der Dosen). Den Tieren wurden die Dosen einmal täglich an 7 aufeinander folgenden Tagen verabreicht. Nachdem mit dem Verabreichen der Dosen begonnen worden war, wurden weiterhin 7 Tage lang täglich Vaginallavagen abgenommen, um vaginale Verhornung als Zeichen einer östrogenen Reaktion zu ermitteln. Ein Tropfen der vaginalen Waschflüssigkeit wurde auf einen Objektträger aus Glas aufgebracht und mittels Lichtmikroskopie untersucht, um das Vorliegen oder die Abwesenheit von verhornten Epithelzellen festzustellen. Vaginallavagen wurden vor dem Verabreichen der Dosen an den Tagen 0-6 und vor der Autopsie am Tag 7 abgenommen.
  • Der Bioversuch zur vaginalen Verhornung wurde durchgeführt, um das östrogene Profil von E4, wenn es ovariektomierten, erwachsenen Ratten oral (po) gegeben wurde, zu ermitteln. EE wurde als positive Kontrolle verwendet. Das Vehikel (10 % Ethanol/Sesamöl) diente als negative Kontrolle. Die Steroide wurden in absolutem Ethanol gelöst und dann mit Sesamöl (10 % Ethanol in Sesamöl) auf die endgültige Konzentration gebracht. Bei allen Ratten (8/8), denen 50 μg/kg/Tag EE bis Tag 7 gegeben wurde, trat eine vaginale östrogene Reaktion auf (Tabelle 1). In ähnlicher Weise wurde eine Verhornung des vaginalen Epithels bei allen Ratten (8/8), die po mit 0,1, 0,3, 1,0 oder 3,0 mg/kglTag E4 bis Tag 7 behandelt wurden, beobachtet (Tabelle 1), während Tiere, die mit dem Vehikel behandelt wurden, keine Verhornung des vaginalen Epithels zeigten (0/8). Auch bei Ratten, denen relativ niedrige Dosen von E4 (zum Beispiel 0,1 und 0,3 mg/kg/Tag) gegeben wurden, erfolgte das Einsetzen der vaginalen Verhornung (definiert als die Menge der Tiere, die an den Tagen 1-3 der Untersuchung reagierten) so schnell wie bei Tieren, die mit EE behandelt wurden (Tabelle 1), was die hervorragenden Eigenschaften der Bioverfügbarkeit von Estetrol nach oraler Verabreichung zeigt. Tabelle 1: Vaginale östrogene Reaktion bei ovariektomierten Ratten, die oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol (EE) oder Estetrol (E4) behandelt wurden. Die Daten sind als Zahl der Ratten, die eine vaginale Verhornung zeigten, über der Zahl der behandelten Ratten (Verhältnis) angegeben.
    Figure 00300001
  • Beispiel 2
  • Die ovariektomierte gealterte Ratte wurde als Modell für die Krankheit Osteoporose beim Menschen verwendet. Dies ist ein gängiges Tiermodell, das von der United States Food and Drug Administration (FDA) empfohlen ist, um mögliche Wirkstoffe zur Prävention und Therapie von Osteoporose zu bewerten und gewichten. Die antiresorptive Wirksamkeit von Estetrol (E4) wurde durch Messung der gesamten und der trabekulären Knochenmineraldichte und der Knochenstärke nach 4 Wochen Behandlung bei der Autopsie ex vivo untersucht. 17α-Ethinylöstradiol (EE) und Vehikel (1 % Ethanol/Arachidisöl) dienten in diesem Bioversuch als Kontrollen.
  • Drei Monate alte, weibliche Sprague-Dawley-Ratten wurden einen Tag vor dem Beginn der Dosierungsversuche der entweder scheinoperiert (Sham) oder ovariektomiert (OVX). Die Tiere wurden unter Verwendung einer Anästhesiemischung aus Ketamin und Xyla zin anästhesiert und einer bilateralen Ovariektomie unterzogen oder scheinbehandelt. Ein Bereich der Behaarung auf der Dorsalseite wurde rasiert und es wurde ein Schnitt gesetzt, der über der Lendenwirbelsäule lag. Die Haut wurde von der darunter liegenden Faszie abgetrennt, so dass eine zweite Inzision durch die Abdominalmuskulatur etwa kaudal der Nieren gemacht werden konnte. Die Ovarien wurden dann nach außen gezogen und entfernt und die Muskulatur wurde mit einer Einzelnaht verschlossen. Die Hautinzision wurde unter Verwendung von chirurgischen Klammern verschlossen.
  • Zehn Tieren pro Behandlungsgruppe wurden einmal pro Tag über vier aufeinander folgende Wochen orale Dosen verabreicht. Die Gabe der Dosen begann 1 Tag nach der chirurgischen Entfernung der Ovarien und wurde über eine orale Sonde unter Verwendung einer Spritze und einer Sondennadel aus rostfreiem Stahl in Dosierungen von 0,1 mg/kg/Tag EE oder 2,5, 0,5 oder 0,1 mg/kg/Tag E4 verabreicht. Eine Kontrolle mit Vehikel wurde täglich einer Gruppe der OVX-Tiere und der scheinoperierten Ratten verabreicht. Nach der Behandlung wurden die anästhesierten Ratten einer Herzpunktion unterzogen und durch CO2-Inhalation erstickt. Die Tibiae und Femura wurden entfernt, von Weichgewebe gereinigt und fixiert und in 70 % Ethanol/Salzlösung bei 4°C (Tibiae) oder in Salzlösung bei 4°C (Femura) bis zur weiteren Untersuchung aufbewahrt.
  • Es wurde eine periphere quantitative Computertomographie (pQCT) ex vivo an den exzidierten linken Tibiae unter Verwendung eines Stratec XCT-RM und der zugehörigen Software (Stratec Medizintechnik GmbH, Pforzheim, Deutschland, Software-Version 5.40) vorgenommen. Die Scans wurden bei 12 % der Gesamtlänge vom proximalen Ende der Tibiae aus ausgeführt. Die Positionen wurden unter Verwendung von Übersichtsaufnahmen („scout views") nachgeprüft und es wurde eine Scheibe von 0,5 mm senkrecht zur langen Achse des Tibiaschafts von jeder Seite erfasst. Die Scans wurden unter Verwendung eines Schwellenwerts für die Darstellung der externen Abgrenzung ausgewertet. Die gesamte und die trabekuläre Knochenmineraldichte, die Fläche und die Dichte an jeder Stelle wurden ermittelt. Die Mittelwerte sind in Tabelle 2 gezeigt. Weiterhin sind pQCT-Daten für die gesamte Knochenmineraldichte in 1 dargestellt.
  • Tabelle 2: pQCT-Densitometriedaten aus den proximalen Tibiae von Sham- und OVX-Ratten, die oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol (EE), Estetrol (E4) oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind als Mittelwerte, die von jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
    Figure 00320001
  • Ein Vergleich der pQCT-Densitometriedaten der proximalen Tibiae von scheinoperierten und OVX-Ratten zeigte wie erwartet einen beständigen Verlust von Gesamt- und trabekulärem Knochen in der OVX-Gruppe (Tabelle 2, 1). Weiterhin gab es bei den Tieren, die oral mit E4 behandelt waren, einen beständigen, dosisabhängigen Anstieg für jeden der Parameter, die mit dem gesamten und dem trabekulären Knochenmineralg ehalt und mit der gesamten und der trabekulären Knochenmineraldichte verbunden sind (Tabelle 2, 1). Im Vergleich zu hypoöstrogenen OVX-Ratten, die eine Behandlung nur mit dem Vehikel erhielten, verhinderten 0,5 und 2,5 mg/kg/Tag E4 die Knochenresorption, wie durch die Niveaus der gesamten Knochenmineraldichte, die denen von scheinoperierten Ratten entsprechen, beispielhaft gezeigt wird (1). Weiterhin entsprach die antiresorptive Aktivität, die mit der höchsten Dosis von E4 (2,5 mg/kg/Tag) erzielt wurde, der Wirkung, die mit der positiven Kontrolle EE beobachtet wurde.
  • Figure 00330001
    Figur 1: Gesamte Knochenmineraldichte aus den proximalen Tibiae von Sham- und OVX-Ratten, die oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol (EE), Estetrol (E4) oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind als Mittelwerte, die von jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
  • Die Bewertung der biomechanischen Festigkeit des Knochens wurde ex vivo mit einem Eindruckversuch an den distalen Femura vorgenommen. Vor der mechanischen Prüfung wurden die Femura in kalter Salzlösung gespült und sorgfältig von jeglichem verbleibenden, anhaftenden Weichgewebe gesäubert. Ein Segment von 3 mm der distalen Metaphyse des Femurs wurde mit einer niedertourigen Diamantsäge unter ständiger Berieselung mit Salzlösung direkt proximal des Femurcondylus ausgeschnitten. Die Last wurde mit einem zylindrischen Prüfstempel (mit einer flachen Prüffläche von 1,6 mm Durchmesser) auf die Mitte der Markhöhle auf der distalen Oberfläche des Segments aufgebracht. Man ließ den Prüfstempel die Höhle mit einer konstanten Verschiebung von 6 mm/min bis zu einer Tiefe von 2 mm vor dem Lastwechsel durchdringen.
  • Tabelle 3: Eindrückversuch des distalen Femurs von Sham- und OVX-Ratten, die oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol (EE), Estetrol (E4) oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind als Mittelwerte, die von jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
    Figure 00340001
  • Die Belastungsgrenze, Steifheit und absorbierte Energie wurden aus Kraft-Weg-Kurven ermittelt. Die Bruchfestigkeit wurde berechnet, indem die maximale Last durch die Fläche des Prüfstempels geteilt wurde. Mittelwerte der Belastungsgrenze, Steifheit, Energie und Bruchfestigkeit sind in Tabelle 3 dargestellt. Weiterhin sind in 2 Mittelwerte der Bruchfestigkeit bildlich dargestellt. Im Vergleich zu scheinoperierten Ratten schien die mechanische Festigkeit von Spongiosa bei OVX-Ratten, die allein mit dem Vehikel behandelt worden waren, deutlich verringert zu sein (Tabelle 3, 2). Die Abnahmen der Belastungsgrenze, Steifheit, Energie und Bruchfestigkeit betrugen –68 %, –68 %, –27 % beziehungsweise –68 %, was eindeutig mit dem Verlust von Knochenmineraldichte bei Raten mit Östrogenmangel einherging. Die orale Behandlung von hypoöstrogenen OVX-Ratten mit E4 verhinderte die Abnahmen der Belastungsgrenze, Steifheit, Energie und Bruchfestigkeit in einer dosisabhängigen Weise (Tabelle 3, 2). Zusätzlich scheint die Wirksamkeit, die mit der höchsten Dosis von E4 (2,5 mg/kg/Tag) erzielt wurde, der Wirksamkeit der positiven Kontrolle EE überlegen zu sein (Tabelle 3, 2).
  • Figure 00350001
    Figur 2: Mittlere Bruchfestigkeit des distalen Femurs von Sham- und OVX-Ratten, die 4 aufeinander folgende Wochen lang oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol (EE), Estetrol (E4) oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind als Mittelwerte, die von jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
  • Beispiel 3
  • Die morphinabhängige, ovariektomierte (OVX) Ratte wurde als Modell für postmenopausale Hitzewallungen verwendet. Es wurde die Fähigkeit von Estetrol (E4), Anstiege der Temperaturen der Schwanzhaut, die normalerweise von einem Absinken der Körperkerntemperatur begleitet werden, nach von Naloxon induziertem Opiatentzug zu verhindern, untersucht. 17α-Ethinylöstradiol (EE) und Vehikel (Hydroxypropyl-betacyclodextrin 20 % [Gew./Vol.]) dienten in diesem Bioversuch als Kontrollen.
  • Das verbreitetste und charakteristischste Symptom der Menopause beim Menschen ist die Hitzewallung, die von mehr als 70 % der menopausalen Frauen erlebt wird. Während der genaue Mechanismus, der dieser vasomotorischen Instabilität zugrunde liegt, unbekannt ist, scheinen die charakteristischen Merkmale der Hitzewallung eine zentral vermittelte Anpassung an ein fortschreitendes Abnehmen der Östrogenspiegel widerzuspiegeln. Bei Frauen, welche die Hitzewallung erleben, äußern sich die Symptome in 1) schnellen, regionalen Anstiegen der Hauttemperatur, 2) einem Absinken der Körper kerntemperatur, 3) einer gesteigerten Herzfrequenz ohne Änderung des Blutdrucks und 4) zeitlich eng daran gebundenen plötzlichen Anstiegen der Freisetzung von luteinisierendem Hormon (LH) und β-Endorphin.
  • Das Modell der morphinabhängigen, ovariektomierten (OVX) Ratte wurde von verschiedenen Forschern (Katovich et al., 1986, Maturitas, 67-76; Merchenthaler et al., 1998, Maturitas, 307-316) als Tiermodell für die Hitzewallung vorgeschlagen. Während eines Opiatentzugs mittels des Morphinantagonisten Naloxon steigt die Temperatur der Schwanzhaut (TST, „tail skin temperature") und dieser Anstieg wird von einem Abfall der Körperkerntemperatur begleitet. Zusätzlich werden die Temperaturänderungen von plötzlichen Anstiegen des LH und einer vorübergehenden Tachykardie begleitet. Diese Ereignisse sind in Größenordnung und Zeitablauf denen, die bei der menopausalen Hitzewallung beobachtet werden, ähnlich.
  • 8 Wochen alte OVX-Ratten wurden oral (po) mit Estetrol (E4), 17α-Ethinylöstradiol (EE) oder mit Vehikel (Hydroxypropyl-beta-cyclodextrin 20 % [Gew./Vol.]) als Kontrolle 7 aufeinander folgende Tage lang und am Morgen eines von Naloxon induzierten Opiatentzugs bei morphinabhängigen Tieren behandelt. Drei Tage vor dem Beginn des Verabreichens der Dosen wurden die Tiere unter Verwendung einer Anästhesiemischung aus Ketamin und Xylazin anästhesiert und einer bilateralen Ovariektomie unterzogen. Ein Bereich der Behaarung auf der Dorsalseite wurde rasiert und es wurde ein Schnitt gesetzt, der über der Lendenwirbelsäule lag. Die Haut wurde von der darunter liegenden Faszie abgetrennt, so dass eine zweite Inzision durch die Abdominalmuskulatur etwa kaudal der Nieren gemacht werden konnte. Die Ovarien wurden dann nach außen gezogen und entfernt und die Muskulatur wurde mit einer Einzelnaht verschlossen. Die Hautinzision wurde unter Verwendung von chirurgischen Klammern verschlossen. Sechs Ratten pro Behandlungsgruppe erhielten die Dosis einmal täglich an acht aufeinander folgenden Tagen vor dem Tag und einschließlich des Tags des von Naloxon induzierten Opiatentzugs (der „Hitzewallungs-Session"). Die Gabe der Dosen begann drei Tage nach der chirurgischen Entfernung der Ovarien und wurde über eine orale Sonde unter Verwendung einer Spritze und einer Sondennadel aus rostfreiem Stahl verabreicht. Durch Implantation von subcutanen Pellets, die 75 mg Morphin enthielten, wurde Morphinabhängigkeit induziert. Das erste Pellet wurde fünf Tage vor der „Hitzewallungs- Session" unter einer leichten Inhaltationsanästhesie implantiert. Drei Tage vor der „Hitzewallungs-Session" wurden zwei zusätzliche Morphinpellets unter den geleichen Bedingungen implantiert.
  • Für die Hitzewallungsmanipulationen wurden die Tiere in einen Testkäfig gesetzt. Nach einer Eingewöhnungsperiode von 5-10 Minuten wurden die Tiere etwa 10 Minuten vor der „Hitzewallungs-Session" mit Ketamin-HCl anästhesiert. Eine temperaturempfindliche Elektrode wurde mit Band an der Ventralseite des Schwanzes befestigt und die Elektrode wurde mit einem Multikanal-Temperaturaufzeichnungsgerät verbunden. Die Temperatur der Schwanzhaut wurde aufgezeichnet, bis sie stabil war, und dann wurde den Tieren Naloxon-HCl (1 mg/kg) injiziert. Die Temperaturaufzeichnungen wurden dann für eine Dauer von 60 Minuten fortgeführt und die Temperatur wurde in Intervallen von 5 Minuten gemeldet. Nach Abschluss der „Hitzewallungs-Session" wurden alle Tiere unter Einsatz des Erstickens mit CO2, gefolgt von zervikaler Dislokation, getötet.
  • Wie erwartet war die Kontrolle mit dem Vehikel beim Verhindern der von Naloxon induzierten Anstiege der TST bei den morphinabhängigen OVX-Ratten unwirksam (3). 17α-Ethinylöstradiol (EE) verhinderte die von Naloxon induzierten Anstiege der TST bei den morphinabhängigen OVX-Ratten bei der einzigen getesteten Dosis von 0,3 mg/kg/Tag (3). Die orale Behandlung mit Estetrol (E4) zeigte eine eindeutig dosisabhängige Wirkung (3). Die drei höchsten Dosen von E4 (0,3, 1,0 und 3,0 mg/kg/Tag) verringerten alle die TST, wobei die höchste Dosis (3,0 mg/kg/Tag) eine dem starken oralen Östrogen 17α-Ethinylöstradiol (EE) ähnliche suppressive Reaktion hat.
  • Figure 00380001
    Figur 3: Die Wirkungen von Estetrol (E4) und von 17α-Ethinylöstradiol (EE) auf die von Naloxon induzierte Hitzewallungsreaktion bei weiblichen, ovariektomierten Ratten.
  • Beispiel 4
  • Um die orale Bioverfügbarkeit von Estetrol (E4) zu bewerten und die Eliminationshalbwertszeit zu bestimmen, wurden Untersuchungen mit oralen (po) und subcutanen (sc) Einzeldosen an weiblichen Sprague-Dawley-Ratten vorgenommen, worauf häufige Blutentnahmen in einem Intervall von 24 Stunden folgten.
  • Weibliche Sprague-Dawley-Ratten wurden mit einem permanenten Silastic-Herzkatheter wie von Kuipers et al. (1985, Gastroenterology, 88, 403-411) beschrieben, ausgestattet. Man ließ die Ratten sich 5 Tage lang von der Operation erholen und verabreichte ihnen dann 0,05, 0,5 oder 5 mg/kg E4 in 0,5 ml Arachidisöl. Zur sc-Verabreichung wurde E4 unter Verwendung einer 1 ml Spritze und einer Nadel von 20g in den Nackenbereich injiziert. Zur po-Verabreichung von E4 wurden die Ratten leicht mit Halothan/N2O/O2 anästhesiert und E4 wurde unter Verwendung eines Magenschlauchs aus Plastik direkt intragastral appliziert. Anschließend wurden über den Herzkatheter Blutproben nach 0,5, 1, 2, 4, 8 und 24 Stunden in heparinisierte Röhrchen abgenommen. Die Erythrozyten wurden durch eine Zentrifugation bei 5000xg von 10 Minuten bei 4°C entfernt und das Blutplasma wurde bei –20°C aufbewahrt. Nach dem Auftauen der Plasmaproben wurde eine Flüssig-Flüssig-Extraktion (Hexan und Diethylether) eingesetzt, um Plasmaproben, die E4 enthielten, für die HPLC-Untersuchung (Perkin Elmer 200) und die Tandem-Massenspektrometrie unter Verwendung eines PE Sciex 3000 Tandem-Massenspektrometers und eines APCI-Interfaces zuzubereiten. Mit jedem Probensatz wurde eine Kalibrationskurve mit 6 Kalibrationssubstanzen aufgezeichnet. Die Kalibrationskurve wurde unter Einsatz der linearen Regression (Korrelationskoeffizient > 0,98) berechnet, was die Quantifizierung der Plasmakonzentrationen ermöglichte. Für jedes Plasma einer Ratte, das zu verschiedenen Zeitintervallen als Probe entnommen worden war, wurden Daten erhoben.
  • Die Daten der Konzentration von E4 im Plasma wurden mit „WinNonLin, edition 3.1" analysiert und führten zu pharmakokinetischen Parametern für Cmax, Halbwertszeit und AUC0-24. Besonders bei Verwendung der niedrigen und mittleren Dosierungsgrade von 0,05 und von 0,5 mg/kg zeigte E4 eine orale Bioverfügbarkeit, die gleich hoch wie die Bioverfügbarkeit, die mit der sc-Verabreichung erreicht wurde, war (80-100 %). Beim höchsten untersuchten Dosierungsgrad, 5,0 mg/kg E4, führte die Absorptionskinetik zu einer oralen Bioverfügbarkeit, die sich auf 30-60 % von sc verabreichtem E4 annäherte. Interessanterweise zeigte E4 eine relativ lange Halbwertszeit von 2-3 Stunden, was einen Nachweis von biologisch aktiven Spiegeln von unkonjugiertem E4 zu allen Zeitpunkten über ein Intervall von 24 Stunden ermöglichte.
  • Beispiel 5
  • Ein etablierter kompetitiver Steroidbindungstest (Hammond und Lahteenmaki, 1983, Clin Chem Acta 132:101-110) wurde verwendet, um die relative Bindungsaffinität von Estetrol (E4), 17α-Ethinylöstradiol (EE2), 17β-Östradiol (E2), Testosteron (T) und 5α-Dihydrotestosteron (DHT) für sexualhormonbindendes Globulin (SHBG) vom Menschen zu bestimmen.
  • Humanes SHBG wurde aus Serum der transgenen Maus gereinigt wie früher beschrieben (Awakumov GV et al., 2000. J Biol Chem 275:25920-25925). Mittels Polyacrylamidgel-Elektrophorese unter denaturierenden Bedingungen wurde festgestellt, dass das so hergestellte humane SHBG >99 % rein war. Seine Merkmale bei der Steroidbindung sind nicht von SHBG im menschlichen Serum zu unterscheiden (Avvakumov GV et al., 2000. J Biol Chem 275:25920-25925). Der Test in vitro umfasste die Verwendung von gereinigtem SHBG und [3H]DHT oder [3H]Östradiol als markierte Liganden. Humanes SHBG wurde 30 Minuten lang bei Raumtemperatur mit einer Suspension von dextranbeschichteter Holzkohle (DCC) in phosphatgepufferter Salzlösung (PBS) behandelt, um jeglichen Steroidliganden zu entfernen. Nach Zentrifugation (2.000 × g, 10 Minuten lang), um DCC zu sedimentieren, wurde der Überstand, der das humane SHBG enthielt, in PBS auf eine Konzentration von 1 nM basierend auf seiner Steroidbindungskapazität verdünnt.
  • Teilproben (100 μl) dieser Lösung von humanem SHBG in doppelter Ausführung wurden dann mit einem gleichen Volumen von entweder [3H]DHT oder [3H]Östradiol bei 10 nM zusammen mit 100 μl PBS allein oder derselben Menge PBS, die steigende Konzentrationen von unmarkierten Steroidliganden als Konkurrenten enthielt, in Polystyren-Teströhrchen inkubiert. Nach einer Inkubation von 1 Stunde bei Raumtemperatur wurden die Reaktionsmischungen weitere 15 Minuten lang in ein Eisbad gestellt. Teilproben (600 μl) einer eiskalten Suspension von DCC wurden dann zu jedem Röhrchen gegeben und nach einem kurzen Mischen von 2 Sekunden wurde jedes Röhrchen weitere 10 Minuten oder 5 Minuten lang, abhängig davon ob [3H]DHT oder [3H]Östradiol jeweils als markierte Liganden verwendet wurden, in einem Eisbad inkubiert. Die ungebundenen Liganden, die an DCC adsorbiert waren, wurden dann durch Zentrifugation entfernt (2.000 × g, 15 Minuten lang bei 4°C) und die Mengen der mit [3H] markierten Liganden, die an SHBG gebunden waren, wurden in 2 ml ACS Szintillationscocktail unter Verwendung eines Flüssigkeitsszintillationsspektrophotometers gezählt. Die durchschnittlichen Mengen von mit [3H] markierten Liganden, die bei jeder Konzentration des Konkurrenten (B) an SHBG gebunden waren, wurden als Prozentsatz der durchschnittlichen Mengen von mit [3H] markierten Liganden, die in Abwesenheit des Konkurrenten (B0) an SHBG gebunden waren, ausgedrückt und gegen die Konzentration des Konkurrenten in jedem Teströhrchen aufgetragen.
  • Die Ergebnisse der kompetitiven Bindungstests sind in 4 dargestellt. Wie aus diesen kompetitiven Bindungstests eindeutig hervorgeht, bindet Estetrol überhaupt nicht an humanes SHBG, wenn es entweder mit [3H]DHT oder mit [3H]Östradiol als markierte Liganden untersucht wird. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den Referenzsteroiden Ethinylöstradiol, 17β-Östradiol, Testosteron und 5α-Dihydrotestosteron, die in dieser Reihenfolge eine gesteigerte relative Bindungsaffinität für humanes SHBG aufweisen.
  • Es ist wichtig, dass die Bindung von Estetrol an SHBG zu vernachlässigen war, wenn sie mit den anderen untersuchten Östrogenen, Ethinylöstradiol und 17β-Östradiol verglichen wurde.
  • Figure 00410001
    Figur 4: Kompetitive Verdrängung von [3H]DHT (Feld A) und von [3H]Östradiol (Feld B) von der Steroidbindungsstelle des humanen sexualhormonbindenden Globulins. Die unmarkierten Steroidliganden, die als Konkurrenten verwendet wurden, waren wie folgt: Estetrol (E4), 17α-Ethinylöstradiol (EE2), 17β-Östradiol (E2), Testosteron (T) und 5α-Dihydrotestosteron (DHT)
  • Beispiel 6
  • Die vorliegenden östrogenen Bestandteile können in geeigneter Weise zusammen mit Zusatzstoffen, Vehikeln und/oder Aromastoffen, die in der galenischen Pharmazie gebräuchlich sind, in Übereinstimmung mit den herkömmlichen Verfahren in übliche Verabreichungsformen verarbeitet werden. Zur oralen Verabreichung sind besonders Tabletten, Dragees, Kapseln, Pillen, Suspensionen oder Lösungen geeignet.
  • Estetrol-Tabletten: 1.000 Tabletten zu 185 mg, die 1,5 mg Estetrol und 0,15 mg Levonorgestrel enthalten, werden aus der folgenden Rezeptur hergestellt:
    Estetrol 1,500 g
    Levonorgestrel 0,150 g
    Polyvinylpyrrolidon (Kollidon 25® ex BASF) 13,500 g
    Lactose 135,645 g
    Mikrokristalline Zellulose (Avicel PH 101®) 26,250 g
    Glycerylpalmitostearat (Precirol®) 2,775 g
    Wasserfreie, kolloidale Silica (Aerosil 200®) 1,000 g
    Crospovidon (Polyplasdone XL®) 4,000 g
    Farbstoff 0,180 g
  • Tabletten, die zusätzlich 50 mg Dehydroepiandrosteron enthalten, können aus einer ähnlichen Rezeptur hergestellt werden.

Claims (16)

  1. Verwendung eines östrogenen Bestandteils, der ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus: Substanzen, die durch die folgende Formel dargestellt werden:
    Figure 00430001
    wobei in dieser Formel R1, R2, R3 und R4 unabhängig voneinander ein Wasserstoffatom, eine Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe mit 1-5 Kohlenstoffatomen darstellen, jedes von R5, R6 und R7 eine Hydroxylgruppe darstellt und nicht mehr als 3 von R1, R2, R3 und R4 Wasserstoffatome darstellen, Vorstufen, die eine Substanz, die der oben erwähnten Formel entspricht, freisetzen können, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden, wobei diese Vorstufen Derivate der Substanzen, die durch die Formel dargestellt werden, sind, worin das Wasserstoffatom von mindestens einer der Hydroxylgruppen in besagter Formel durch ein Acylradikal einer Kohlenwasserstoff-Carbon-, Sulfon- oder Sulfaminsäure mit 1-25 Kohlenstoffatomen, Tetrahydrofuranyl, Tetrahydropyranal, oder einen unverzweigten oder verzweigtkettigen Glykosidrest, der 1-20 Glykosideinheiten pro Rest enthält, substituiert worden ist und Mischungen aus einer oder mehreren der oben erwähnten Substanzen und/oder Vorstufen zur Herstellung einer pharmazeutischen Zusammensetzung zur Verwendung in einem Verfahren zur Hormonsubstitution bei Säugern, wobei dieses Verfahren die orale Verabreichung des besagten östrogenen Bestandteils und eines progestogenen Bestandteils in einer wirksamen Menge an einer Säuger, um Symptome eines Hypoöstrogenismus zu verhindern oder zu behandeln, umfasst.
  2. Verwendung gemäß Anspruch 1, wobei die Symptome eines Hypoöstrogenismus ausgewählt sind aus der Gruppe, die aus Osteoporose, Arteriosklerose, klimakterischen Symptomen, kognitiven Störungen und Alzheimerscher Erkrankung besteht.
  3. Verwendung gemäß Anspruch 1 oder 2, wobei R3 eine Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe darstellt.
  4. Verwendung gemäß einem der Ansprüche 1-3, wobei mindestens 3 der Gruppen R1, R2, R3 und R4 Wasserstoffatome darstellen.
  5. Verwendung gemäß einem der Ansprüche 1-4, wobei das Verfahren die ununterbrochene orale Verabreichung des östrogenen Bestandteils während einer Dauer von mindestens 10 Tagen, vorzugsweise von mindestens 20 Tagen, umfasst.
  6. Verwendung gemäß Anspruch 5, wobei das Verfahren die ununterbrochene orale Verabreichung einer Kombination des östrogenen Bestandteils und eines progestogenen Bestandteils während einer Dauer von mindestens 10 Tagen umfasst.
  7. Verwendung gemäß Anspruch 6, wobei das Verfahren die ununterbrochene orale Verabreichung der Kombination des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils während einer Dauer von mindestens 28, vorzugsweise von mindestens 60 Tagen, umfasst.
  8. Verwendung gemäß Anspruch 6, wobei das Verfahren einen Zeitabstand von mindestens 2 Tagen, vorzugsweise von 3-9 Tagen umfasst, während dessen kein progestogener Bestandteil und kein östrogener Bestandteil verabreicht wird, und wobei der sich ergebende Abfall der Serumkonzentration des progestogenen Bestandteils und des östrogenen Bestandteils eine Menstruation auslöst.
  9. Verwendung gemäß Anspruch 6, wobei das Verfahren die ununterbrochene orale Verabreichung des östrogenen Bestandteils während einer Dauer von mindestens 28 Tagen, vorzugsweise von mindestens 60 Tagen, umfasst und wobei nach der kombinierten Verabreichung des östrogenen Bestandteils und des progestogenen Bestandteils der östrogene Bestandteil und kein progestogener Bestandteil während 3-18 aufeinander folgender Tage verabreicht wird und der sich ergebende Abfall der Serumkonzentration des progestogenen Bestandteils eine Menstruation auslöst.
  10. Verwendung gemäß einem der Ansprüche 1-9, wobei das Verfahren mindestens einmal täglich die orale Verabreichung des östrogenen Bestandteils und/oder des progestogenen Bestandteils während einer Dauer von mindestens 10, vorzugweise von mindestens 20 Tagen umfasst.
  11. Verwendung gemäß einem der Ansprüche 1-10, wobei der östrogene Bestandteil in einer Menge von weniger als 1 mg pro kg Körpergewicht pro Tag, bevorzugt von weniger als 400 μg pro kg Körpergewicht pro Tag, bevorzugter von weniger als 200 μg pro kg Körpergewicht pro Tag oral verabreicht wird.
  12. Verwendung gemäß einem der Ansprüche 1-11, wobei der östrogene Bestandteil in einer Menge von mindestens 1 μg pro kg Körpergewicht pro Tag, bevorzugt von mindestens 2 μg pro kg Körpergewicht pro Tag, bevorzugter von mindestens 5 μg pro kg Körpergewicht pro Tag oral verabreicht wird.
  13. Verwendung gemäß einem der Ansprüche 1-12, wobei der progestogene Bestandteil in einer Menge, die einer täglichen oralen Dosierung von 0,3 bis 20 μg Levonorgestrel pro kg Körpergewicht, bevorzugt von 0,5 bis 5 μg Levonorgestrel pro kg Körpergewicht entspricht, verabreicht wird.
  14. Pharmazeutischer Kit, der mindestens 20 orale Dosierungseinheiten, die den östrogenen Bestandteil wie in Anspruch 1 definiert und/oder einen progestogenen Bestandteil und/oder einen androgenen Bestandteil enthalten, umfasst, wobei mindestens 10 Einheiten zwischen 0,01 und 20 mg des östrogenen Bestandteils enthalten, mindestens 10 Einheiten den progestogenen Bestandteil in einer Menge, die 30-750 μg Levonorgestrel entspricht, enthalten und mindestens 10 Dosierungseinheiten den androgenen Bestandteil in einer Menge, die 5-250 mg Dehydroepiandrosteron entspricht, enthalten.
  15. Pharmazeutischer Kit gemäß Anspruch 14, der mindestens 10 orale Dosierungseinheiten, die zwischen 0,01 und 20 mg des östrogenen Bestandteils, den progestogenen Bestandteil in einer Menge, die 30-750 μg Levonorgestrel entspricht, und den androgenen Bestandteil in einer Menge, die 5-250 mg Dehydroepiandrosteron entspricht, enthalten, umfasst.
  16. Pharmazeutischer Kit gemäß Anspruch 14 oder 15, wobei der androgene Bestandteil ausgewählt ist aus der Gruppe bestehend aus Dehydroepiandrosteron (DHEA), Danazol, Gestrinon, Testosteronestern, Vorstufen, die diese Androgene freisetzen können, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden, und Mischungen davon.
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