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Technisches
Gebiet der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft die Verwendung einer Östrogenverbindung
für die
Herstellung einer pharmazeutischen Verbindung zur Verwendung in
einem Verfahren der Hormonsubstitution bei Säugern. Spezieller befasst sich
die Erfindung mit einem Verfahren der Hormonsubstitution, das die
orale Verabreichung einer Kombination eines östrogenen Bestandteils und
eines progestogenen Bestandteils in einer wirksamen Menge, um Symptome
eines Hypoöstrogenismus
zu verhindern oder zu behandeln, an einen Säuger umfasst.
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Hintergrund der Erfindung
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In
der Hormonsubstitutionstherapie (HRT), manchmal auch als Östrogensubstitutionstherapie
bezeichnet, werden Östrogene
verabreicht, um Symptome, die auf Östrogenmangel oder Hypoöstrogenismus zurückzuführen sind,
zu verhindern oder zu behandeln. Hypoöstrogenismus kann sowohl bei
Frauen als auch bei Männern
auftreten und kann zu Funktionsstörungen und Leiden wie zum Beispiel
Osteoporose (Schwund von Knochenmaterial), Arteriosklerose, klimakterischen
Symptomen wie zum Beispiel Hitzewallungen („flashes"), Schweißausbrüchen, urogenitaler Atrophie,
Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Palpitationen führen. Östrogenmangel
wurde auch mit kognitiven Störungen
und Alzheimerscher Krankheit in Verbindung gebracht.
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Hypoöstrogenismus
und besonders chronischer Hypoöstrogenismus
wird häufig
bei (peri-)menopausalen und postmenopausalen Frauen beobachtet.
Er kann jedoch auch auf Hypogonadismus oder Kastration und auch
auf primäres
Ovarialversagen, auf Behandlung von beispielsweise Brustkrebs mit
Aromatasehemmer und auf Behandlung von benignen gynäkologischen
Erkrankungen wie zum Beispiel von Endometriose, Adenomyo se, uterinen
Fibromen (Leiomyome), Dysmenorrhoe, Menorrhagie und Metrorrhagie
mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga zurückzuführen sein.
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HRT
wendet eine regelmäßige Verabreichung
wirksamer Mengen eines Östrogens über längerfristige Zeiträume an.
Die Verabreichung von Östrogenen
wurde jedoch mit der Proliferation des Endometriums bei Frauen in
Verbindung gebracht und es ist nun weitgehend akzeptiert, dass Östrogentherapie
ohne Gegenspieler („unopposed") das Risiko eines
Endometriumkarzinoms wesentlich erhöht (Cushing et al., 1998. Obstet. Gynecol.
91, 35-39; Tavani et al., 1999. Drugs Aging, 14, 347-357). Es gibt
auch Belege für
eine signifikante Zunahme von Brustkrebs bei langfristigem (10-15
Jahre) Einsatz einer Östrogentherapie
(Tavani et al., 1999. Drugs Aging, 14, 347-357; Pike et als, 2000.
Steroids, 65, 659-664).
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Um
den negativen Wirkungen einer Östrogentherapie
ohne Gegenspieler entgegenzuwirken, wird heutzutage eine damit verbundene
Progestogentherapie angewendet. Eine Behandlung von Hypoöstrogenismus
durch Verabreichung einer Kombination von östrogenen und progestogenen
Mitteln ist in
US 5,827,843 und
EP-A 0 136 011 offenbart. Man nimmt an, dass die regelmäßige Verabreichung
von Progestogen die kontinuierliche Stimulation des Endometriums
durch Östrogen über eine
antiproliferative Wirkung hemmt, und sie scheint die Inzidenz des
Endometriumkarzinoms bei postmenopausalen Frauen, die eine Östrogensubstitutionstherapie
erhalten, zu verringern (Beral et al., 1999. J. Epidemiol. Biostat.,
4, 191-210). Eine solche verbundene Therapie, üblicherweise unter Verwendung
von synthetischen Progestogenen, wird entweder als kontinuierliche
Kombinationstherapie mit Östrogen
gegeben oder sequenziell, üblicherweise
jeden Monat 14 Tage lang, zur kontinuierlichen Östrogenbehandlung hinzugegeben.
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Endogene
und exogene Östrogene
nehmen wichtige zentralnervöse
und metabolische Funktionen im weiblichen Organismus wahr: normale Östrogenspiegel
tragen maßgeblich
zum Wohlbefinden einer Frau bei. Ungeachtet der weit verbreiteten
Verwendung von Östrogenen
in Verfahren der HRT gibt es noch einige ungelöste Probleme. Bekannte Östrogene,
im Besonderen die biogenen Östrogene
(das heißt Östrogene,
die natürlicherweise
im menschlichen Körper
vorkommen) zeigen gravierende pharmakologische Mängel. Biogene Östrogene
wie zum Beispiel Östradiol, Östron, Östronsulfat,
Ester von Östradiol
und Östriol
werden nur in sehr geringem Maße
bioverfügbar,
wenn sie oral genommen werden. Dieses Maß kann sich von Person zu Person so
sehr unterscheiden, dass keine allgemein gültigen Dosierungsempfehlungen
gegeben werden können.
Die schnelle Elimination dieser Östrogene
aus dem Blut ist ein anderes, damit in Beziehung stehendes Problem. Zum
Beispiel beträgt
die Halbwertszeit für
das Hauptöstrogen,
das beim Menschen biogen ist, 17β-Östradiol, etwa
1 Stunde. Als Ergebnis neigen die Spiegel solcher biogener Östrogene
im Blutserum zwischen einzelnen (täglichen) Verabreichungsvorgängen dazu,
beträchtlich
zu schwanken. So ist kurz nach der Verabreichung die Serumkonzentration üblicherweise
mehrere Male höher
als die optimale Konzentration. Weiterhin werden die Serumkonzentrationen
schnell auf einen Spiegel, bei dem das Östrogen nicht länger physiologisch
aktiv ist, abfallen, wenn der nächste
Verabreichungsvorgang verzögert
erfolgt.
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Das
wichtigste synthetisch modifizierte östrogene Steroid ist 17α-Ethinyl-Östradiol
(EE). Dieses Östrogen
wird kaum in Verfahren der HRT eingesetzt, weil eine längerfristige
Verabreichung von EE mit einem erhöhten Thrombembolierisiko in
Zusammenhang gebracht wurde, was bei menopausalen und postmenopausalen
Frauen als besonders nachteilig erachtet wird. Außer EE wurde
Mestranol in einigen Fällen
eingesetzt. Mestranol ist ein „Propharmakon", das im Organismus
zu EE umgewandelt wird. Wenn EE bei Menschen oral angewendet wird,
hat es eine viel bessere Bioverfügbarkeit
als die oben erwähnten
biogenen Östrogene,
aber seine Bioverfügbarkeit
variiert in einem großen
Ausmaß von
Individuum zu Individuum. Einige Autoren haben darauf hingewiesen
und auch auf die Tatsache, dass es erwiesen ist, dass die Konzentrationen
im Blut nach oraler Verabreichung dieser Substanz in hohem Maße schwanken.
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Zusätzlich zu
pharmakokinetischen Problemen zeigen die bekannten Östrogene
auch pharmakodynamische Mängel.
Nach der Resorption aus dem Darmlumen gelangen oral applizierte
Wirkstoffe über
die Leber in den Organismus. Diese Tatsache ist für östrogene
Wirkstoffe von besonderer Bedeutung, weil die Leber ein Zielorgan
für Östrogene
ist; eine orale Aufnahme von Östrogenen
führt zu
starken östrogenen
Wirkungen in der Leber. Die von Östrogenen
kontrollierte Sekretionsaktivität
in der Leber des Menschen schließt eine gesteigerte Synthese
der Transportproteine CBG (Transcortin), SHBG (sexualhormonbindendes
Globulin), TBG (Thyroxin-bindendes Globulin), einiger Faktoren, die
für die
Physiologie der Blutgerinnung von Bedeutung sind, und von Lipoproteinen
ein. Wenn biogene Östrogene
unter Vermeidung einer Leberpassage (zum Beispiel durch transdermale
Verabreichung) in den weiblichen Organismus eingebracht werden,
bleiben die erwähnten
Leberfunktionen zum größten Teil
unbeeinflusst. Therapeutisch äquivalente
Dosen von biogenen Östrogenen
führen,
wenn sie oral appliziert werden, zu eindeutigen Reaktionen der Leberwerte
wie zum Beispiel Anstieg von SHBG, CBG, Angiotensinogen und HDL
(„high
density lipoprotein").
Diese hepatischen Wirkungen von Östrogenen
werden auch beobachtet, wenn Östrogenformulierungen
vom Pferd (so genannte konjugierte Östrogene) verwendet werden.
Ethinylöstradiol
und Diethylstilbestrol (DES) haben eine noch größere hepatische Östrogenität. Elger
et al., J. Steroid Biochem. Molec. Biol (1995), 55(3/4), 395-403,
berichteten, dass EE oder DES eine viel höhere hepatozelluläre als syntemische Östrogenität haben;
in Bezug auf die hemmende Wirksamkeit auf die Sekretion von FSH
sind diese Östrogene
in der Leber 4-18-mal wirksamer als Östronsulfat.
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Die
oben erwähnten
Mängel
sind von einer erheblichen klinischen Bedeutung, wenn allgemein
bekannte biogene und synthetische Östrogene angewandt werden.
Folglich besteht ein bis jetzt nicht gedeckter Bedarf nach Östrogenen,
die diese Mängel
nicht aufweisen und die im Rahmen von Verfahren der HRT in geeigneter
Weise oral verabreicht werden können,
um die endogene, ovariale Sekretion von Östradiol wirksam zu ersetzen,
das heißt,
um Symptome eines Hypoöstrogenismus
zu behandeln oder zu verhindern.
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Zusammenfassung der Erfindung
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Die
Erfinder haben überraschenderweise
entdeckt, dass diese Aufgaben durch östrogene Substanzen, die durch
die folgende Formel dargestellt werden, erfüllt werden:
wobei in dieser Formel R
1, R
2, R
3 und
R
4 unabhängig
voneinander ein Wasserstoffatom, eine Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe
mit 1-5 Kohlenstoffatomen darstellen, jedes von R
5,
R
6 und R
7 eine Hydroxylgruppe darstellt
und nicht mehr als 3 von R
1, R
2,
R
3 und R
4 Wasserstoffatome
darstellen.
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Ein
bekannter Vertreter dieser Gruppe von östrogenen Substanzen ist 1,3,5(10)-Östratrien-3,15a,16a,17β-tetrol,
auch unter den Bezeichnungen Estetrol, Oestetrol und 15α-Hydroxyestriol
bekannt. Estetrol ist ein Östrogen,
das von der fetalen Leber während
der Schwangerschaft beim Menschen produziert wird. Die Spiegel von
unkonjugiertem Estetrol im maternen Plasma erreichen bei etwa 1,2
ng/ml einen Scheitelpunkt bei einer termingerechten Schwangerschaft
und sind im fetalen Plasma etwa 12-mal höher als im maternen Plasma
(Tulchinsky et al., 1975. J. Clin. Endocrinol. Metab., 40, 560-567).
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1970
berichteten Fishman et al., "Fate
of 15α-hydroxyestriol-3H in Adult Man", J Clin Endocrinol Metab (1970) 31,
436-438, über
die Ergebnisse einer Studie, in deren Rahmen mit Tritium markiertes
15α-Hydroxyestriol
(Estetrol) zwei erwachsenen Frauen intravenös verabreicht wurde. Es wurde
festgestellt, dass das Estetrol schnell und vollständig im
Urin als Glucosiduronat ausgeschieden wurde und dass auger der Konjugation nahezu
kein Metabolismus stattfand.
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Zwischen
1975 und 1985 haben mehrere Forscher die Eigenschaften von Estetrol
untersucht und über seine östrogene
Wirksamkeit und uterotrophe Aktivität berichtet. Die wichtigsten
Veröffentlichungen,
die während
dieser Periode herausgegeben wurden, sind unten aufgeführt:
- • Levine
et al., 1984. Uterine vascular effects of estetrol in nonpregnant
ewes. Am. J. Obstet. Gynecol., 148:73, 735-738: „Wenn Estetrol nicht schwangeren
Schafen intravenös
verabreicht wird, ist es zur uterinen Vasodilatation 15- bis 30-mal
weniger wirksam als Östriol
und 17β-Östradiol."
- • Jozan
et al., 1981. Different effects of oestradiol, oestriol, oestetrol
and of oestrone on human breast cancer cells (MCF-7) in long term
tissue culture. Acta Endocrinologica, 98, 73-80: „Die agonistische
Wirksamkeit von Estetrol beträgt
bei der Invitro-Zellproliferation 2 % der Größenordnung, die bei 17β-Östradiol
beobachtet wurde."
- • Holinka
et al., 1980. Comparison of effects of estetrol and tamoxifen with
those of estriol and estradiol on the immature rat uterus. Biol.
Reprod. 22, 913-926: „Subcutan
verabreichtes Estetrol hat eine sehr schwache uterotrophe Wirksamkeit
und ist erheblich weniger wirksam als 17β-Östradiol und Östriol".
- • Holinka
et al., 1979. In vivo effects of estetrol on the immature rat uterus.
Biol. Reprod. 20, 242-246: „Subcutan
verabreichtes Estetrol hat eine sehr schwache uterotrophe Wirksamkeit
und ist erheblich weniger wirksam als 17β-Östradiol und Östriol".
- • Tseng
et al., 1978. Heterogeneity of saturable estradiol binding sites
in nuclei of human endometrium. Estetrol studies. J. Steroid Biochem.
9, 1145-1148: „Die
relative Bindung von Estetrol an Östrogenrezeptoren im Endometrium
vom Menschen beträgt
1,5 % von 17β-Östradiol".
- • Martucci
et al., 1977. Direction of estradiol metabolism as a control of
its hormonal action-uterotrophic activity of estradiol metabolites.
Endocrin. 101, 1709-1715: „Kontinuierliche
Verabreichung von Estetrol aus einem subcutanen Depot zeigt eine
sehr schwache uterotrophe Wirksamkeit und ist erheblich weniger
wirksam als 17β-Östradiol
und Östriol".
- • Tseng
et al., 1976. Competition of estetrol and ethynylestradiol with
estradiol for nuclear binding in human endometrium. J. Steroid Biochem.
7, 817-822: „Die
relative Bindungskonstante von Estetrol beim Binden an den Östrogenrezeptor
im Endometrium vom Menschen beträgt
6,25 % im Vergleich zu 17β-Östradiol
(100 %)".
- • Martucci
et al., 1976. Uterine estrogen receptor binding of catecholestrogens
and of estetrol (1,3,5(10)-estratriene-3,15alpha,16alpha, 17beta-tetrol).
Steroids, 27, 325-333: „ Die
relative Bindungsaffinität
von Estetrol zum Östrogenrezeptor
im Zytosol von Rattenuterus beträgt
0,5 % von 17β-Östradiol
(100 %). Weiterhin beträgt die
relative Bindungsaffinität
von Estetrol zum kernständigen Östrogenrezeptor
von Rattenuterus 0,3 % von 17β-Östradiol
(100 %)".
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Allen
obigen Veröffentlichungen
ist gemeinsam, dass die Autoren über
die östrogene
Wirksamkeit von Estetrol geforscht haben. Sie kommen alle ohne Ausnahme
zu dem Schluss, dass Estetrol ein schwaches Östrogen ist. In einigen der
zitierten Artikel wurde festgestellt, dass die östrogene Wirksamkeit von Estetrol
niedriger als die eines anderen biogenen Östrogens ist, namentlich 17β-Östradiol,
von dem angenommen wird, dass es ein relativ schwaches Östrogen
(zum Beispiel im Vergleich mit Ethinylöstradiol) ist. Unter Berücksichtigung
dieser Befunde ist es nicht überraschend,
dass das Interesse an Estetrol seit den frühen Achtzigern geschwunden
ist und dass seither keine Veröffentlichungen über die
Eigenschaften von Estetrol herausgegeben wurden.
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US 5.468.736 (Hodgen) beschreibt
ein Verfahren der Hormonsubstitutionstherapie, das mit der Verabreichung
von Östrogen
zusammen mit einer Menge von Antiprogestin (Antiprogestogen), die
eine von Östrogen
ausgelöste
Endometriumproliferation bei Frauen hemmt, verbunden ist. In Beispiel
3 ist der kombinierte Einsatz von Estetrol und Lilopriston erwähnt. In
den Beispielen werden keine Hinweise auf die Art und Häufigkeit
der Anwendung oder im Hinblick auf das angewandte Maß der Dosierung
gegeben. Ein Nachteil, der mit der Verwendung von Antiprogestogenen
wie zum Beispiel Lilopriston verbunden ist, besteht im Risiko des
Herbeiführens
einer abnormen Morphologie des Endometriums, das heißt zystischer
Hyperplasie, wie es bei Frauen, die eine Antiprogestogen-Behandlung
gegen Endometriose erhielten, beobachtet wurde (Murphy et al., 1995.
Fertil. Steril., 95, 761-766).
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US 5.340.586 (Pike et al.)
befasst sich mit Zusammensetzungen und Verfahren, die beim Behandeln von
Frauen nach Oophorektomie wirksam sind, wobei eine wirksame Menge
einer östrogenen
Zusammensetzung und einer androgenen Zusammensetzung über eine
Zeitperiode verordnet werden. In dem US-Patent wird ausgesagt, dass
natürliche
und synthetische östrogene
Zusammensetzungen, die verwendet werden können, natürliche östrogene Hormone und Artverwandte,
einschließlich Östradiol, Östradiolbenzoat, Östradiolcypionat, Östradiolvalerat, Östron, Diethylstilbestrol,
Piperazinöstronsulfat,
Ethinylöstradiol,
Mestranol, Polyöstradiolphosphat, Östriol, Östriolhemisuccinat,
Quinestrol, Estropipat, Pinestrol und Östronkaliumsulfat, aber nicht
darauf beschränkt,
einschließen,
und weiterhin, dass auch Östrogene
vom Pferd wie zum Beispiel Equilelinin, Equilelininsulfat und Estetrol
eingesetzt werden können.
Außer
der erschöpfenden
Aufzählung
bekannter Östrogene
wird in diesem US-Patent kein Bezug auf Estetrol (das irrtümlicherweise
als ein Östrogen
vom Pferd bezeichnet wird) genommen.
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Die
gleiche eingehende Liste von Östrogenen
findet sich in den folgenden Patentdokumenten:
- • US 4.762.717 (Crowley):
Ein kontrazeptives Verfahren, das die sequenzielle Verabreichung
von (1) einer Kombination aus luteinisierendes Hormon freisetzendem
Hormon (LHRH) und Östrogen
und (2) einer Kombination aus LHRH, Östrogen und Progestogen umfasst.
- • US 5.130.137 (Crowley):
Ein Verfahren zum Behandeln einer benignen Störung der sekretorischen Funktion
der Ovarien, das die sequenzielle Verabreichung von (1) einer Kombination
aus luteinisierendes Hormon freisetzendem Hormon (LHRH) und Östrogen
und (2) einer Kombination aus LHRH, Östrogen und Progestogen umfasst.
- • US 5.211.952 (Spicer et
al.): Ein kontrazeptives Verfahren, das die Verabreichung einer
Zusammensetzung mit Gonadotropin-Hormon freisetzendem Hormon (GnRH)
in einer Menge, die eine Hemmung der Ovulation bewirkt, und die
Verabreichung von Östrogen
und Progestogen, um die Serumspiegel über einem definierten Minimalspiegel
zu halten, umfasst.
- • US 5.340.584 (Spicer et
al.): Ein Verfahren zur Konzeptionsverhütung oder zum Behandeln benigner
gynäkologischer
Funktionsstörungen,
das die Verabreichung einer GnRH-Zusammensetzung in einer ersten Zeitspanne
in einer Menge, die bewirkt, dass die Östrogen- und Progestogenherstellung
der Ovarien supprimiert werden, die gleichzeitige Verabreichung
einer östrogenen
Zusammensetzung in einer Menge, die bewirkt, dass Symptome eines Östrogenmangels
verhindert werden, und die gleichzeitige Verabreichung eines Progestogens
in einer Menge, die bewirkt, dass der Serumspiegel des besagten
Progestogens auf einem Niveau, das bewirkt, dass Zellproliferation
des Endometriums vermindert wird, gehalten wird, umfasst.
- • US 5.340.585 (Pike et al.):
Ein Verfahren zum Behandeln benigner gynäkologischer Funktionsstörungen bei
einer Patientin, bei der das Risiko einer Stimulation des Endometriums
durch östrogene
Zusammensetzungen minimiert oder nicht vorhanden ist, was die Verabreichung
einer GnRH-Zusammensetzung in einer Menge, die bewirkt, dass die Östrogen-
und Progestogenherstellung der Ovarien supprimiert werden, und die
Verabreichung einer östrogenen
Zusammensetzung in einer Menge, die bewirkt, dass Symptome eines Östrogenmangels
verhindert werden, umfasst.
- • WO
00/73416 (Yifang et al.): Ein Verfahren zum Regulieren der Fertilität eines
Empfängers,
welches das In-Kontakt-Bringen von Zellen der Ovarien des Empfängers mit
einer sicheren und wirksamen Menge einer pharmazeutischen Zusammensetzung,
die ein Gegensinn-Oligonukleotid, das zur Nukleotidsequenz des Rezeptors
für das
follikelstimulierende Hormon (FSH) komplementär ist, enthält, umfasst. Die Möglichkeit einer
kombinierten Verabreichung eines solchen Gegensinn-Oligonukleotids mit
einem östrogenen
Steroid wird in der Anmeldung erwähnt.
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Der
Nutzen der vorliegenden Erfindung kann ohne die gleichzeitige Verabreichung
von Antiprogestogenen, LHRH-Zusammensetzungen, GnRH-Zusammensetzungen
und/oder von Gegensinn-Oligonukleotiden, die zur Nukleotidsequenz
des Rezeptors für
das follikelstimulierende Hormon (FSH) komplementär sind, wie
in den oben erwähnten
Patenten vorgeschlagen, realisiert werden. Die vorliegende Erfindung
kann auch in geeigneter Weise bei Individuen, die keiner Oophorektomie
unterzogen wurden oder bei denen das Risiko einer Stimulation des
Endometriums durch östrogene
Zusammensetzungen nicht anders als durch die gleichzeitige Verabreichung
eines Progestogens minimiert oder nicht vorhanden ist, angewandt
werden. Weiterhin erfordert das vorliegende Verfahren nicht die
Verwendung einer Formulierung, die langsam freigesetzt wird, wie
es von den meisten der oben erwähnten
Publikationen vorgeschrieben wird.
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Es
wird besonders erwähnt,
dass keine der oben erwähnten
Veröffentlichungen
die orale Verabreichung von Estetrol beschreibt. Die einzigen Arten
der Verabreichung, die darin beschrieben werden, sind die intravenöse und die
subcutane (Depot-) Verabreichung. Für jede dieser Verabreichungsarten
kann gefolgert werden, dass die Leistungsfähigkeit von Estetrol sehr viel
schlechter als die von zum Beispiel 17β-Östradiol ist. Unter der Annahme,
dass es keinen Grund zur Vermutung, dass im Fall einer oralen Verabreichung
ein anderes Ergebnis erzielt werden könnte, gab, war es nicht überraschend,
dass die orale Verabreichung von Estetrol nicht vorgenommen wurde
und dass beim derzeitigen Stand der Technik keine Berichte über diese Wirkung
gefunden werden können.
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In
Anbetracht der niedrigen östrogenen
Wirksamkeit der dem Estetrol ähnlichen
Substanzen, die gemäß der Erfindung
eingesetzt werden, ist es überraschend,
dass diese Substanzen wirkungsvoll in Verfahren der HRT verwendet
werden können,
besonders in Verfahren der HRT, die eine orale Verabreichung solcher Substanzen
verwenden. Obwohl die Erfinder nicht durch Theorie gebunden sein
wollen, wird angenommen, dass die unerwartete Wirksamkeit von oral
verabreichten, dem Estetrol ähnlichen
Substanzen auf die Kombination von nicht vorhergesehenen, günstigen
pharmakokinetischen (ADME) und pharmakodynamischen Eigenschaften
dieser Substanzen zurückzuführen sind.
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In
Bezug auf die pharmakokinetischen Eigenschaften der vorliegenden östrogenen
Substanzen haben die Erfinder entdeckt, dass ihre orale Bioverfügbarkeit überraschend
hoch ist und dass ihre Halbwertszeit in vivo beträchtlich
länger
als die von anderen biogenen Östrogenen
ist. Somit können
Estetrol und dem Estetrol ähnliche
Substanzen, auch wenn sie eine relativ niedrige östrogene Wirksamkeit haben,
in wirksamer Weise in einem oralen Verfahren der HRT eingesetzt
werden, weil ihre niedrige Wirksamkeit durch eine relativ hohe orale
Bioverfügbarkeit
in Kombination mit einer hohen metabolischen Stabilität, wie es
durch eine lange Halbwertszeit bewiesen wird, kompensiert wird.
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Ein
wichtiger Vorteil der oralen Verabreichung von Estetrol und dem
Estetrol ähnlichen
Substanzen besteht in der Tatsache, dass die hepatischen Wirkungen
von dem Estetrol ähnlichen
Substanzen als minimal erachtet werden, weil sie während des
so genannten „first
pass" kaum metabolisiert
werden. Der „First-pass-Effekt" von oral gegebenen
Arzneimitteln bezieht sich auf den Vorgang des Abbaus von Arzneimitteln
durch die Leber während
der Passage eines Arzneimittels von der anfänglichen Aufnahme zur Zirkulation im
Blutstrom.
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Eine
andere vorteilhafte Eigenschaft der vorliegenden östrogenen
Substanzen besteht in der Tatsache, dass das sexualhormonbindende
Globulin (SHBG) kaum an diese östrogenen
Substanzen bindet, was bedeutet, dass die Serumspiegel im Gegensatz
zu den meisten bekannten Östrogenen
für die
Bioverfügbarkeit bezeichnend
und von den SHBG-Spiegeln unabhängig
sind.
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Noch
ein anderer wichtiger Nutzen der vorliegenden östrogenen Substanzen leitet
sich aus ihrer relativen Unempfindlichkeit gegenüber Wechselwirkungen mit anderen
Arzneimitteln (Arzneimittel-Arzneimittel-Interaktionen) ab. Es ist
gut bekannt, dass bestimmte Arzneimittel die Wirksamkeit von Östrogenen
wie zum Beispiel von Ethinylöstradiol
verringern können
und dass andere Arzneimittel ihre Aktivität steigern können, was zu
möglicherweise
vermehrten Nebenwirkungen führen
kann. In ähnlicher
Weise können Östrogene
störend auf
den Metabolismus anderer Arzneimittel einwirken. Im Allgemeinen
ist die Wirkung anderer Arzneimittel auf Östrogene auf Beeinflussung
bei der Absorption, dem Metabolismus oder der Ausscheidung dieser Östrogene zurückzuführen, wohingegen
die Wirkung von Östrogenen
auf andere Arzneimittel auf Konkurrenz um metabolische Wege zurückzuführen ist.
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Die
klinisch bedeutendste Gruppe von Interaktionen östrogenhaltiger Arzneimittel
tritt mit Arzneimitteln auf, die hepatische, mikrosomale Enzyme,
welche die Östrogenspiegel
im Plasma unter ein therapeutisches Niveau absenken können, induzieren
können
(zum Beispiel antikonvulsive Wirkstoffe: Phenytoin, Primidon, Barbiturate,
Carbamazepin, Ethosuximid und Methosuximid; Antituberkulosemittel
wie zum Beispiel Rifampin; Antimykotika wie zum Beispiel Griseofulvin).
Die vorliegenden östrogenen
Substanzen sind weniger von der Aufwärts- oder Abwärtsregulierung
der mikrosomalen Leberenzyme (zum Beispiel P450-er) abhängig und
sind auch weniger empfindlich gegen eine Konkurrenz mit anderen
Substraten von P450. In ähnlicher
Weise gehen sie keine bedeutenden Wechselwirkungen im Metabolismus
anderer Arzneimittel ein.
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Die
Konjugate der meisten Östrogene,
wie sie in der Leber gebildet werden, werden in der Galle ausgeschieden
und können
von Darmbakterien im Kolon abgebaut werden, um das aktive Hormon,
das dann erneut absorbiert werden kann, freizusetzen (enterohepatische
Rezirkulation). Es gibt klinische Berichte, welche die Ansicht unterstützen, dass
die enterohepatische Rezirkulation von Östrogenen bei Frauen, die Antibiotika wie
zum Beispiel Ampicillin, Tetrazyklin etc. einnehmen, abnimmt. Konjugierte
Formen der vorliegenden östrogenen
Substanzen werden kaum in die Galle ausgeschieden, was bedeutet,
dass sie im Wesentlichen gegen Arzneimittel, welche die enterohepatische
Rezirkulation anderer Östrogene
durchaus beeinflussen, unempfindlich sind.
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Die
oben genannten Beobachtungen dienen dazu, zu erklären, warum
die östrogenen
Substanzen der Erfindung kaum unter Wechselwirkungen von Arzneimittel
zu Arzneimittel leiden und so eine sehr beständige, das heißt vorhersagbare
Wirkung hervorrufen. Somit ist die Wirksamkeit der östrogenen
Substanzen der Erfindung in hohem Maße zuverlässig.
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Ausführliche
Beschreibung der Erfindung
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Folglich
betrifft ein Aspekt der vorliegenden Erfindung die Verwendung eines östrogenen
Bestandteils bei der Herstellung einer pharmazeutischen Zusammensetzung
zur Verwendung in einem Verfahren der Hormonsubstitution bei Säugern, wobei
dieses Verfahren die orale Verabreichung eines östrogenen Bestandteils und
eines progestogenen Bestandteils in einer wirksamen Menge an einer
Säuger,
um Symptome eines Hypoöstrogenismus
zu verhindern oder zu behandeln, umfasst, wobei der östrogene
Bestandteil ausgewählt
ist aus der Gruppe bestehend aus: Substanzen, die durch die folgende
Formel dargestellt werden:
wobei in dieser Formel R
1, R
2, R
3 und
R
4 unabhängig
voneinander ein Wasserstoffatom, eine Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe
mit 1-5 Kohlenstoffatomen darstellen, jedes von R
5,
R
6 und R
7 eine Hydroxylgruppe darstellt
und nicht mehr als 3 von R
1, R
2,
R
3 und R
4 Wasserstoffatome
darstellen,
Vorstufen, die eine Substanz, die der oben erwähnten Formel
entspricht, freisetzen können,
wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden, wobei
diese Vorstufen Derivate der Substanzen, die durch die Formel dargestellt
werden, sind, worin das Wasserstoffatom von mindestens einer der
Hydroxylgruppen in besagter Formel durch ein Acylradikal einer Kohlenwasserstoff-Carbon-,
Sulfon- oder Sulfaminsäure
mit 1-25 Kohlenstoffatomen, Tetrahydrofuranyl, Tetrahydropyranal,
oder einen unverzweigten oder verzweigtkettigen Glykosidrest, der
1-20 Glykosideinheiten pro Rest enthält, substituiert worden ist
und
Mischungen aus einer oder mehreren der oben erwähnten Substanzen und/oder Vorstufen.
Der Begriff „orale
Verabreichung" wie
hier verwendet umfasst auch die Verabreichung über Zufuhr über eine orale Sonde.
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Das
der Erfindung entsprechende Verfahren der HRT kann in vorteilhafter
Weise eingesetzt werden, um alle bekannten Formen eines Hypoöstrogenismus
zu behandlen, zum Beispiel Hypoöstrogenismus
bei (peri-)menopausalen und postmenopausalen Frauen, Hypoöstrogenismus,
der auf Hypogonadismus oder Kastration zurückzuführen ist, und auch Hypoöstrogenismus,
der auf primäres
Ovarialversagen, auf Behandlung von beispielsweise Brustkrebs mit
Aromatasehemmer und auf Behandlung von beispielsweise benignen gynäkologischen
Erkrankungen mit Gonadotropin-Releasing-Hormon-Analoga zurückzuführen ist.
Beispiele von Manifestationen des Hypoöstrogenismus, die in wirksamer
Weise mit dem vorliegenden Verfahren sowohl bei Frauen als auch
bei Männern
behandelt oder verhindert werden können, schließen Osteoporose,
Arteriosklerose, kognitive Störungen
und Alzheimersche Krankheit ein. Das Verfahren kann auch in vorteilhafter
Weise in der (vorbeugenden) Behandlung von klimakterischen Symptomen
wie zum Beispiel von Hitzewallungen („flashes"), Schweißausbrüchen, urogenitaler Atrophie,
Stimmungsschwankungen, Schlaflosigkeit, Palpitationen eingesetzt
werden. Das vorliegende Verfahren ist besonders zum Behandeln oder
Verhindern von Osteoporose und klimakterischen Symptomen geeignet.
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Der
Begriff „östrogener
Bestandteil" umfasst,
wie er in diesem Dokument verwendet wird, Substanzen, die in der
Lage sind, in vivo eine östrogene
Reaktion auszulösen,
und auch Vorstufen, die imstande sind, solch einen östrogenen
Bestandteil in vivo freizusetzen, wenn sie gemäß der vorliegenden Erfindung
eingesetzt werden. Damit östrogene
Bestandteile eine solche Reaktion auslösen können, müssen sie normalerweise an einen Östrogenrezeptor
binden, wobei diese Rezeptoren in verschiedenen Gewebearten im Körper eines
Säugers
beobachtet werden. Der Begriff „progestogener Bestandteil" ist als eine Substanz,
die in der Lage ist, in vivo eine progestogene Reaktion auszulösen, oder
als eine Vorstufe, die imstande ist, eine solche Substanz in vivo
freizusetzen, defi niert. Üblicherweise
können
progestogene Bestandteile an einen Progestogenrezeptor binden.
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Es
wird besonders erwähnt,
dass die vorliegende Erfindung nicht nur die Verwendung östrogener
und progestogener Bestandteile, die in dieser Anwendung speziell
erwähnt
werden, sondern auch Metabolite dieser Hormone, die in vivo eine
vergleichbare Funktionsweise zeigen, umfasst. In diesem Zusammenhang
wird beobachtet, dass zum Beispiel Levonorgestrel ein Metabolit
von Norgestimat ist, und dass Östriol
ein Metabolit von 17beta-Östradiol
ist. Diese beide Progestogene und Östrogene haben in kontrazeptiven
Formulierungen und/oder in der Hormonsubstitutionstherapie Anwendung
gefunden. Der Begriff „östrogene
Substanzen", wie er
in diesem Dokument verwendet wird, umfasst nicht mit Tritium (3H) markierte östrogene Substanzen wie zum
Beispiel mit Tritium markiertes Estetrol.
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Die
vorliegenden östrogenen
Substanzen unterscheiden sich sowohl von den biogenen als auch von den
synthetischen Östrogenen,
die verbreitet in pharmazeutischen Rezepturen eingesetzt werden,
darin, dass sie wenigstens 4 Hydroxylgruppen enthalten. Die vorliegenden
Substanzen sind darin, dass der 5-gliedrige Ring im Steroidgerüst 3 Hydroxylsubstituenten
anstelle von 0-2 umfasst, außerordentlich.
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Bekannte Östrogene,
die wenigstens 4 Hydroxylgruppen enthalten, und Derivate davon sind:
1,3,5(10)-Estratrien-2,3,15α,16α,17β-pentol-2-methylether,
1,3,5(10)-Estratrien-2,3,15β,16α,17β-pentol-2-methylether,
1,3,5(10)-Estratrien-2,3,16α,17β-tetrol,
1,3,5(10)-Estratrien-3,4,16α,17β-tetrol-4-methylether,
1,3,5(10)-Estratrien-3,15α,16α,17β-tetrol,
1,3,5(10)-Estratrien-3,15α,16α,17β-tetrol-tetraacetat,
1,3,5(10)-Estratrien-3,15β,16β,17β-tetrol-tetraacetat.
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Die östrogene
Substanz, die als Wirkstoff in der vorliegenden Zusammensetzung
eingesetzt wird, ist bevorzugt ein natürliches Östrogen, das heißt ein Östrogen,
das in der Natur und speziell in Säugern gefunden wird. Noch bevorzugter
handelt es sich bei der östrogenen
Substanz um ein so genanntes biogenes Östrogen, das heißt um ein Östrogen,
das natürlicherweise
im menschlichen Körper
vorkommt, um eine Vorstufe eines biogenen Östrogens oder um Mischungen
davon. Weil biogene Östrogene
natürlicherweise
im fötalen
und weiblichen Körper
vorliegen, wird nicht erwartet, dass Nebenwirkungen auftreten, besonders
dann nicht, wenn die Serumspiegel, die sich aus der exogenen Verabreichung
solcher Östrogene
ergeben, natürlich
vorkommende Konzentrationen nicht wesentlich überschreiten. Da die Serumspiegel
von Estetrol im Fötus
einige Male höher
sind diejenigen, die in schwangeren Frauen nachgewiesen werden,
und in Kenntnis der Tatsache, dass der Fötus besonders verletzlich ist,
wird Estetrol als ein besonders sicheres biogenes Östrogen
erachtet. Es wird nicht erwartet, dass Nebenwirkungen auftreten,
besonders dann nicht, wenn die Serumspiegel, die sich aus der exogenen
Verabreichung solcher Östrogene
ergeben, natürlich
vorkommende (fötale)
Konzentrationen nicht wesentlich überschreiten. Bei synthetischen Östrogenen
wie zum Beispiel Ethinylöstradiol
gibt es ein (dosisabhängiges)
Risiko unerwünschter
Nebenwirkungen wie zum Beispiel Thrombembolie, Flüssigkeitsretention,
Brechreiz, Blutung, Cholelithiasis, Kopfschmerz und Brustschmerz.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung enthält
die östrogene
Substanz 4 Hydroxylgruppen. Auch stellt in der oben gezeigten Formel
R1 vorzugsweise ein Wasserstoffatom dar.
In der besagten Formel stellen vorzugsweise wenigstens 2, am meisten
bevorzugt wenigstens 3 der Gruppen R1, R2, R3 und R4 ein Wasserstoffatom dar.
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Die östrogenen
Substanzen gemäß der Formel
umfassen verschiedene Enantiomere, weil die Kohlenstoffatome, welche
die Hydroxyl-Substituenten R5, R5 und R7 tragen,
chiral aktiv sind. In einer bevorzugten Ausführungsform ist die vorliegende östrogene
Substanz 15α-hydroxy-substituiert.
In einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist die Substanz
16α-hydroxy-substituiert.
In noch einer anderen bevorzugten Ausführungsform ist die Substanz
17β-hydroxy-substituiert.
Am meisten bevorzugt sind die östrogenen
Substanzen 15α,16α,17β-trihydroxy-substituiert.
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In
einer anderen bevorzugten Ausführungsform
der vorliegenden Erfindung stellt R3 eine
Hydroxylgruppe oder eine Alkoxygruppe dar. In einer anderen bevorzugten
Ausfüh rungsform
stellen die Gruppen R1, R2 und
R4 Wasserstoffatome dar, wobei in diesem
Fall, wenn R3, R5,
R6 und R7 Hydroxylgruppen
darstellen, es sich bei der Substanz um 1,3,5(10)-Estratrien-3,15,16,17-tetrol
handelt. Ein bevorzugtes Isomer der letztgenannten Substanz ist
1,3,5(10)-Estratrien-3,15α,16α,17β-tetrol (Estetrol).
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Die
Erfindung umfasst auch die Verwendung von Vorstufen der östrogenen
Substanzen, die in dem vorliegenden Verfahren den Wirkstoff bilden.
Diese Vorstufen sind imstande, die vorher erwähnten östrogenen Substanzen zum Beispiel
als Ergebnis einer metabolischen Umwandlung freizusetzen, wenn sie
in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt werden.
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Typische
Beispiele von Vorstufen, die in geeigneter Weise in Überstimmung
mit der Erfindung eingesetzt werden können, sind Ester, die man erhalten
kann, indem man die Hydroxylgruppen der östrogenen Substanzen mit Substanzen,
die eine oder mehrere Carboxy (M+ –OOC-)-Gruppen
enthalten, wobei M+ ein Wasserstoff- oder
ein (Alkali-)Metall-Kation darstellt, reagieren lässt. Daher
sind in einer besonders bevorzugten Ausführungsform die Vorstufen Derivate
der östrogenen
Substanzen, wobei das Wasserstoffatom von wenigstens einer der Hydroxylgruppen
in besagter Formel mit -CO-R substituiert wurde, wobei R ein Kohlenwasserstoff-Radikal,
das von 1-25 Kohlenstoff atome umfasst, darstellt. R stellt bevorzugt
Wasserstoff oder ein Alkyl-, Alkenyl- oder Arylradikal, das von
1-20 Kohlenstoffatome umfasst, dar.
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Das
vorliegende Verfahren setzt üblicherweise
die ununterbrochene orale Verabreichung des östrogenen Bestandteils während einer
Dauer von mindestens 10 Tagen, vorzugsweise von mindestens 20 Tagen,
ein. Der Begriff „ununterbrochen", wie er hier verwendet
wird, bedeutet, dass der östrogene
Bestandteil in relativ regelmäßigen Intervallen
ohne (therapeutisch) wesentliche Unterbrechungen verabreicht wird.
Naturgemäß kann es
zu geringfügigen
Unterbrechungen, welche die Gesamtwirksamkeit des vorliegenden Verfahrens
nicht beeinflussen, kommen und tatsächlich werden solche Abweichungen
durch die vorliegende Erfindung abgedeckt. In einer bevorzugten
Ausführungsform
und arithmetischer wird der Verabreichungsplan als durchgehend angesehen,
wenn das längste
Intervall zwischen 2 aufeinander folgenden Verabreichungen nicht
länger als
3,5-mal so lang wie das Durchschnittsintervall ist. Noch bevorzugter
ist das besagte längste
Intervall nicht länger
als 2,5-mal, am meisten bevorzugt nicht länger als 1,5-mal so lang wie
das Durchschnittsintervall.
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Die
Vorteile der vorliegenden Erfindung treten am klarsten hervor, wenn
der östrogene
Bestandteil in einer längerfristigen
Hormonsubstitutionstherapie eingesetzt wird, um die negativen Wirkungen
von chronischem Hypoöstrogenismus
zu minimieren. Daher umfasst das Verfahren der Hormonsubstitutionstherapie
die Verabreichung des östrogenen
Bestandteils vorzugsweise für
eine Dauer von mindestens 1 Monat, bevorzugter von mindestens 3
Monaten.
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Im
vorliegenden Verfahren können
der östrogene
und der progestogene Bestandteil in separaten oralen Dosierungseinheiten
verabreicht werden. Es ist jedoch auch möglich und tatsächlich sehr
zweckmäßig, diese
beiden Bestandteile in einer einzelnen oralen Dosierungseinheit
zusammenzufassen.
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Die
Erfindung kann in geeigneter Weise auf eine Praxis in Form einer
Reihe von Verfahren der HRT, die dem Fachmann bekannt sind, reduziert
werden. Unter diesen Verfahren sind so genannte „kombinierte" Verfahren. Die kombinierten
Verfahren bringen Präparate,
die eine Kombination eines Östrogens
und eines Progestogens enthalten, zum Einsatz. Die kombinierten
Verfahren haben gemeinsam, dass sie auf einem Plan, der die Verabreichung
der oben erwähnten
kombinierten Präparate,
gefolgt von einem verabreichungsfreien Intervall von etwa 7 Tagen,
umfasst, beruhen, wobei es zu einer Entzugsblutung, welche die natürliche Menstruation
simuliert, kommt. So wechseln sich Intervalle von 21 Tagen mit der
Verabreichung von Hormonen mit 7 Tagen, während deren keine Hormone verabreicht
werden, ab.
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Als
Alternative zu den oben erwähnten
kombinierten Verfahren wurde das so genannte „sequenzielle Verfahren" vorgeschlagen. Es
ist kennzeichnend für
das sequenzielle Verfahren, dass es zwei aufeinander folgende Phasen
umfasst, das heißt
eine Phase, während
der Östrogen
und kein Progestogen verabreicht wird und eine andere Phase, während der
eine Kombination eines Östrogens
und eines Progestogens verabreicht wird. Die ersten sequenziellen
Verfahren machten wie die oben erwähnten kombinierten Verfahren
von einem verabreichungsfreien Intervall von etwa 7 Tagen Gebrauch.
In jünge rer
Zeit wurden sequenzielle Verfahren, die keine verabreichungsfreie
(oder Placebo-) Periode einschließen, vorgeschlagen, was bedeutet,
dass Östrogen
während
des gesamten Zyklus verabreicht wird und dass Progestogen nur während eines
Teils dieses Zyklus gleichzeitig verabreicht wird. WO 95/17895 (Ehrlich
et al.) beschreibt ein solches nicht unterbrochenes, sequenzielles
Verfahren.
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Noch
ein anderes Beispiel eines HRT-Verfahrens, das von der vorliegenden
Erfindung umfasst wird, ist das so genannte „kontinuierliche, kombinierte" Verfahren, das eine
besondere Version des kombinierten Verfahrens, die eine ununterbrochene
kombinierte Verabreichung von einem progestogenen und einem östrogenen
Bestandteil über
eine längerfristige
Zeitperiode, zum Beispiel mehr als 50 Tage, verwendet, ist. Im Gegensatz
zu üblichen
kombinierten und sequenziellen Verfahren kommt es bei dem kontinuierlichen,
kombinierten Verfahren nicht zu regelmäßigen Monatsblutungen, weil
die kontinuierliche Verabreichung von Progestogen in den angegeben
Mengen eine Amenorrhoe verursacht.
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In
einer Ausführungsform
der Erfindung, die das kontinuierliche, kombinierte Verfahren betrifft,
umfasst das vorliegende Verfahren die ununterbrochene orale Verabreichung
der Kombination des östrogenen Bestandteils
und des progestogenen Bestandteils während einer Dauer von wenigstens
28, vorzugsweise von wenigstens 60 Tagen.
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In
einer anderen Ausführungsform
der Erfindung, die sequenzielle und kombinierte Verfahren, die ein erhebliches
verabreichungsfreies Intervall einsetzen, betrifft, umfasst das
Verfahren der Erfindung ein Intervall von wenigstens 2 Tagen, vorzugsweise
von 3-9 Tagen, am meisten bevorzugt von 5-8 Tagen, während deren kein
progestogener Bestandteil und kein östrogener Bestandteil verabreicht
wird, und wobei der sich daraus ergebende Abfall der Serumkonzentration
des progestogenen Bestandteils und des östrogenen Bestandteils eine
Menstruationsblutung auslöst.
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Noch
eine andere Ausführungsform
der Erfindung, die ein sequenzielles Verfahren ohne eine erhebliche
Pause betrifft, ist dadurch, dass sie die ununterbrochene orale
Verabreichung des östrogenen
Bestandteils während
einer Dauer von wenigstens 28 Tagen, vorzugsweise von wenigstens
60 Tagen umfasst, und dadurch, dass nach der kombi nierten Verabreichung
des östrogenen
Bestandteils und des progestogenen Bestandteils der östrogene
Bestandteil und kein progestogener Bestandteil während 3-18 aufeinander folgender Tage,
vorzugsweise während
5-16 aufeinander folgender Tage verabreicht wird, gekennzeichnet
und der sich daraus ergebende Abfall der Serumkonzentration des
progestogenen Bestandteils sollte normalerweise ausreichen, um eine
Menstruationsblutung auszulösen.
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In
den vorliegenden Verfahren kann eine ununterbrochene Verabreichung
des östrogenen
Bestandteils üblicherweise
in Intervallen von zwischen 6 Stunden und 7 Tagen, vorzugsweise
von zwischen 12 Stunden und 3 Tagen, erfolgen. Die relativ lange
Halbwertszeit der vorliegenden östrogenen
Bestandteile in vivo im Vergleich mit den meisten bekannten Östrogenen
ermöglicht
es, bei der oralen Verabreichung Intervalle, die erheblich länger als
1 Tag sind, anzuwenden. Aus praktischen Gründen und besonders im Hinblick
auf die Compliance der Anwender wird es bevorzugt, den östrogenen
Bestandteil und auch den progestogenen Bestandteil mindestens einmal
täglich,
am meisten bevorzugt einmal täglich
oral zu verabreichen.
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In
allen oben erwähnten
Verfahren wird es bevorzugt, den östrogenen Bestandteil und den
progestogenen Bestandteil mindestens einmal täglich während einer Dauer von wenigstens
10, vorzugsweise von wenigstens 20 Tagen oral zu verabreichen. Im
Fall eines sequenziellen Verfahrens ohne Pause oder eines kontinuierlichen,
kombinierten Verfahrens wird es bevorzugt, den östrogenen Bestandteil und/oder
den progestogenen Bestandteil mindestens einmal täglich während einer
Dauer von wenigstens 30 Tagen, bevorzugter von wenigstens 60 Tagen,
am meisten bevorzugt von wenigstens 150 Tagen oral zu verabreichen.
Ununterbrochene sequenzielle Verfahren, die eine kontinuierliche
Verabreichung von Östrogen
einsetzen, sind durch eine hervorragende Kontrolle des Zyklus gekennzeichnet.
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Die
allgemeinen Bedenken in Bezug auf die so genannte „unopposed" Verabreichung (Verabreichung ohne
Gegenspieler) von Östrogen,
das heißt,
dass die Verabreichung von Östrogen
ohne gleichzeitig verabreichtes Progestogen eine Hyperplasie des
Endometriums verursachen könnte,
sind auf die östrogenen
Bestandteile der vorliegenden Erfindung weniger anwendbar. Daher
wird in einer besonders bevorzugten Ausführungs form das vorliegende
HRT-Verfahren in Übereinstimmung
mit einem sequenziellen Verfahren ohne Pause ausgeführt.
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Mit
dem vorliegenden Verfahren können
gute Ergebnisse erzielt werden, wenn der östrogene Bestandteil in einer
Menge von weniger als 1 mg pro kg Körpergewicht pro Tag verabreicht
wird, vorzugsweise von weniger als 400 μg pro kg Körpergewicht pro Tag, bevorzugter
von weniger als 200 μg
pro kg Körpergewicht pro
Tag, Um mit der Verabreichung des vorliegenden östrogenen Bestandteils eine
maßgebliche
Wirkung zu erzielen, ist es zweckmäßig, in einer Menge von mindestens
1 μg pro
kg Körpergewicht
pro Tag oral zu verabreichen. Vorzugsweise beträgt die oral verabreichte Menge
mindestens 2 μg
pro kg Körpergewicht
pro Tag. Bevorzugter beträgt
die oral verabreichte Menge mindestens 5 μg pro kg Körpergewicht pro Tag.
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Bei
dem vorliegenden Verfahren wird besonders, wenn es an Menschen angewandt
wird, der östrogene
Bestandteil üblicherweise
in einer durchschnittlichen Dosierung von wenigstens 0,05 mg pro
Tag, vorzugsweise von wenigstens 0,1 mg pro Tag verabreicht. Die
maximale Dosierung wird normalerweise unter 40 mg pro Tag, vorzugsweise
unter 20 mg pro Tag gehalten. Die normalerweise eingesetzte Dosis
des progestogenen Bestandteils entspricht einer durchschnittlichen
oralen Dosierung von 30-750 μg
Levonorgestrel pro Tag, vorzugsweise einer durchschnittlichen oralen
Dosierung von 50-400 μg
Levonorgestrel pro Tag.
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Im
vorliegenden Verfahren wird der östrogene
Bestandteil vorzugsweise in einer Menge, die es bewirkt, dass eine
Konzentration im Blutserum von mindestens 1 Nanogramm pro Liter,
bevorzugter von mindestens 10 Nanogramm pro Liter, am meisten bevorzugt
von mindestens 100 Nanogramm pro Liter erreicht wird, verabreicht.
Im Allgemeinen wird die sich ergebende Konzentration des östrogenen
Bestandteils im Blutserum 100 μg
pro Liter nicht übersteigen,
vorzugsweise wird sie 50 μg
pro Liter nicht übersteigen,
bevorzugter wird sie 25 μg
pro Liter nicht übersteigen.
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Gemäß der vorliegenden
Erfindung wird der progestogene Bestandteil in vorteilhafter Weise
in einer Menge, die einer täglichen
oralen Dosierung von 0,3-20 μg
Levonor gestrel pro kg Körpergewicht,
vorzugsweise von 0,5-5 μg
Levonorgestrel pro kg Körpergewicht
entspricht, verabreicht.
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Beispiele
von Progestogenen, die in geeigneter Weise gemäß der vorliegenden Erfindung
verwendet werden können,
beinhalten: Progesteron, Levonorgestrel, Norgestimat, Norethisteron,
Dydrogesteron, Drospirenon, 3-beta-Hydroxydesogestrel, 3-keto-Desogestrel (=Etonogestrel),
17-Deacetyl-norgestimat, 19-Norprogesteron, Acetoxypregnenolon,
Allylestrenol, Anageston, Chlormadinon, Cyproteron, Demegeston,
Desogestrel, Dienogest, Dihydrogesteron, Dimethisteron, Ethisteron,
Ethynodiol-diacetat, Fluorgestonacetat, Gastrinon, Gestoden, Gestrinon,
Hydroxymethylprogesteron, Hydroxyprogesteron, Lynestrenol (=Lynoestrenol),
Medrogeston, Medroxyprogesteron, Megestrol, Melengestrol, Nomegestrol,
Norethindron (=Norethisteron), Norethynodrel, Norgestrel (schließt d-Norgestrel
und dl-Norgestrel ein), Norgestrienon, Normethisteron, Progesteron,
Quingestanol, (17alpha)-17-Hydroxy-11-methylen-19-norpregna-4,15-dien-20-yn-3-on, Tibolon,
Trimegeston, Algestonacetophenid, Nestoron, Promegeston, 17-Hydroxyprogesteronester,
19-Nor-17-hydroxyprogesteron, 17alpha-Ethinyl-testosteron, 17alpha-Ethinyl-19-nor-testosteron,
d-17beta-Acetoxy-13beta-ethyl-17alpha-ethinyl-gon-4-en-3-on-oxime und
Vorstufen dieser Verbindungen, die imstande sind, diese Progestogene
in vivo freizusetzen, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren eingesetzt
werden. Vorzugsweise ist das Progestogen, das in dem vorliegenden
Verfahren eingesetzt wird, ausgewählt aus der Gruppe bestehend
aus: Progesteron, Desogestrel, Etonogestrel, Gestoden, Dienogest,
Levonorgestrel, Norgestimat, Norethisteron, Drospirenon, Trimegeston,
Dydrogesteron, Vorstufen dieser Progestogene und Mischungen davon.
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Das
vorliegende Verfahren umfasst auch die gleichzeitige Verabreichung
von Wirkprinzipien zusätzlich zum
progestogenen und zum östrogenen
Bestandteil. Zum Beispiel können
Androgene in vorteilhafter Weise gleichzeitig verabreicht werden,
um Symptome von Androgenmangel zu verhindern. So umfasst eine bevorzugte
Ausführungsform
der Erfindung die gleichzeitige Verabreichung eines androgenen Bestandteils.
Der androgene Bestandteil wird in geeigneter Weise gleichzeitig
in einer Menge, die es bewirkt, dass Symptome von Androgenmangel
unterdrückt
werden, verabreicht. Androgenmangel wurde mit Stimmungsschwankungen,
ungünstigen
Veränderungen
von hämostatischen
Parametern und Mangel an Knochensubstanz in Verbindung gebracht.
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Der
Begriff „androgener
Bestandteil" ist
als eine Substanz, die in der Lage ist, eine androgene Reaktion
in vivo auszulösen
oder als eine Vorstufe, die imstande ist, eine solche Substanz in
vivo freizusetzen, definiert. Üblicherweise
können
androgene Bestandteile an einen Androgenrezeptor binden.
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Androgene
Bestandteile, die in geeigneter Weise im vorliegenden Verfahren
eingesetzt werden können,
können
ausgewählt
sein aus der Gruppe bestehend aus Dehydroepiandrosteron (DHEA),
Danazol, Gestrinon, Testosteronestern, Vorstufen, die imstande sind,
diese Androgene freizusetzen, wenn sie in dem vorliegenden Verfahren
eingesetzt werden, und Mischungen davon. Vorzugsweise umfassen die
eingesetzten Testosteronester eine Acylgruppe, die wenigstens 6,
bevorzugter von 8-20 und bevorzugt 9-13 Kohlenstoffatome umfasst.
Die Androgene die in der am meisten vorteilhaften Weise in dem vorliegenden
Verfahren eingesetzt werden können,
sind DHEA und/oder Testosteronundecanoat.
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Es
wird vermerkt, dass zum Beispiel DHEA und Testosteron-undecanoat
Vorstufen von Testosteron sind und dass die besagten Vorstufen per
se so gut wie keine Affinität
zu Androgenrezeptoren im weiblichen Körper aufweisen. Die Wirksamkeit
von den Androgenen im Verfahren der Erfindung wird von ihrer funktionell aktiven
Form, die sich sehr wohl von der Form, in der sie verabreicht werden,
unterscheiden kann, bestimmt.
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In
einer bevorzugten Ausführungsform
wird das Androgen in einer Menge, die einer täglichen oralen Dosierung von
5 bis 250 mg DHEA entspricht, verordnet, was einer täglichen
oralen Dosierung von 1 bis 50 mg Testosteron-undecanoat entspricht.
Bevorzugter wird das Androgen in einer Menge, die einer täglichen oralen
Dosierung von 10 bis 120 mg DHEA entspricht, verordnet. Am meisten
bevorzugt wird das Androgen in einer Menge, die einer täglichen
oralen Dosierung von 20 bis 60 mg DHEA entspricht, verabreicht.
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Um
die erwünschte
Wirkung aus dem vorliegenden Verfahren zu erhalten, ist es zweckmäßig, die
Dosierungseinheiten in einer Menge, die zu einem Anstieg des Androgenspiegels
im Blutserum von höchstens
5 nmol Testosteronäquivalent
pro Liter, vor zugsweise von weniger als 3 nmol Testosteronäquivalent
pro Liter und am meisten bevorzugt von weniger als 1,5 nmol Testosteronäquivalent
pro Liter führt,
zu verabreichen.
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Das
vorliegende Verfahren verwendet vorzugsweise keine Zusammensetzung
mit Gonadotropin-Hormon freisetzendem Hormon wie in den oben erwähnten Patenten
US 5.211.952 ,
US 5.340.584 und
US 5.340.585 beschrieben. In ähnlicher
Weise verwendet das vorliegende Verfahren vorzugsweise keine Zusammensetzung
mit luteinisierendes Hormon freisetzendem Hormon wie in
US 4.762.717 und
US 5.130.137 beschrieben.
Weiterhin umfasst das vorliegende Verfahren vorzugsweise nicht die
gleichzeitige Verabreichung eines Antiprogestogens wie in
US 5.468.736 beschrieben.
Das Verfahren kann auch in geeigneter Weise ohne die gleichzeitige
Verabreichung eines Gegensinn-Oligonukleotids, das zur Nukleotidsequenz
des Rezeptors für
das follikelstimulierende Hormon (FSH) komplementär ist (WO
00/73416), angewandt werden.
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Das
vorliegende Verfahren wird vorzugsweise nicht bei Frauen, die einer
Oophorektomie unterzogen wurden, oder bei Frauen, bei denen die
Stimulation des Endometriums durch östrogene Zusammensetzungen auf
andere Weise als durch kombinierte Verabreichung eine Progestogens
und eines Östrogens,
zum Beispiel als Ergebnis einer Hysterektomie, minimiert oder nicht
vorhanden ist, angewandt.
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Ein
anderer Aspekt der Erfindung betrifft einen pharmazeutischen Kit,
der mindestens 20 orale Dosierungseinheiten, die den östrogenen
Bestandteil wie hier vorher definiert und/oder den progestogenen
Bestandteil und/oder den androgenen Bestandteil wie hier oben beschrieben
enthaften, umfasst, wobei mindestens 10 Einheiten zwischen 0,01
und 20 mg, vorzugweise zwischen 0,05 und 10 mg des östrogenen
Bestandteils enthalten, mindestens 10 Einheiten den progestogenen
Bestandteil in einer Menge, die 30-750 μg Levonorgestrel entspricht,
enthalten und mindestens 10 Dosierungseinheiten den androgenen Bestandteil
in einer Menge, die 5-250 mg Dehydroepiandrosteron entspricht, enthalten.
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Im
vorliegenden Kit kann der östrogene
Bestandteil in geeigneter Weise mit dem progestogenen Bestandteil
und dem androgenen Bestandteil in einer einzigen Dosierungseinheit
kombiniert werden. Dementsprechend umfasst der Kit vorzugsweise
mindestens 10 Dosierungseinheiten, die zwischen 0,01 und 20 mg des östrogenen
Bestandteils, den progestogenen Bestandteil in einer Menge, die
30-750 μg
Levonorgestrel entspricht, und den androgenen Bestandteil in einer
Menge, die 5-250 mg Dehydroepiandrosteron entspricht, enthalten.
Ein pharmazeutischer Kit, der zur Verwendung in kombinierten und
sequenziellen Verfahren besonders geeignet ist, wird üblicherweise
20-35 orale Dosierungseinheiten enthalten, wobei 10-35 Einheiten
eine Kombination des östrogenen
Bestandteils und des progestogenen Bestandteils in den angegebenen
Mengen enthalten, 0-25 Einheiten keinen progestogenen Bestandteil
und den östrogenen
Bestandteil in den angegebenen Mengen enthalten und 0-8 Einheiten
keinen östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten.
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Ein
pharmazeutischer Kit, der zur Verwendung in einem kontinuierlichen,
kombinierten Behandlungsplan oder in einem kombinierten Behandlungsplan
besonders geeignet ist, umfasst mindestens 20 orale Dosierungseinheiten,
die entweder die Kombination des progestogenen und des östrogenen
Bestandteils oder keinen dieser beiden Bestandteile (Placebos) enthalten,
wobei mindestens 15, vorzugsweise mindestens 20 dieser Dosierungseinheiten
die Kombination des östrogenen
Bestandteils und des progestogenen Bestandteils enthalten und 0-8
Einheiten keinen östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten. Wenn
solch ein Kit in einem kontinuierlichen, kombinierten Verfahren
verwendet werden soll, kann der Kit in vorteilhafter Weise mindestens
28, vorzugsweise mindestens 60 Dosierungseinheiten umfassen, wobei
alle Dosierungseinheiten die Kombination des östrogenen Bestandteils und
des progestogenen Bestandteils in den oben angegebenen Mengen enthalten.
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Falls
der vorliegende Kit dazu vorgesehen ist, in einem HRT-Verfahren,
das von einem verabreichungsfreien Intervall Gebrauch macht, um
eine Menstruationsblutung auszulösen,
eingesetzt zu werden (zum Beispiel in einem kombinierten Verfahren
oder einem sequenziellen Verfahren mit Pause), wird der Kit üblicherweise
mindestens 3 Einheiten, vorzugsweise mindestens 5 Einheiten, die
keinen östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten, umfassen.
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In
einer besonders bevorzugten Ausführungsform
der Erfindung ist der vorliegende Kit zur Verwendung in einem sequenziellen
Verfahren bestimmt. Solch ein Kit wird übli cherweise 20-35 orale Dosierungseinheiten
umfassen, wobei 10-32 Einheiten die Kombination des östrogenen
Bestandteils und des progestogenen Bestandteils enthalten und 3-18
Einheiten den östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten. Besonders
bevorzugt ist ein Kit, der zur Verwendung in einem sequenziellen
Verfahren ohne erhebliche Pause bestimmt ist. In solch einem Kit,
der üblicherweise
20-35 orale Dosierungseinheiten umfassen wird, enthalten 10-20 Einheiten
eine Kombination des östrogenen
Bestandteils und des progestogenen Bestandteils, 10-18 Einheiten
enthalten den östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil und höchstens
1 Einheit enthält
keinen östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil.
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Die
pharmazeutischen Kits gemäß der vorliegenden
Erfindung werden normalerweise nur eine oder mehrere der folgenden
Arten von oralen Dosierungseinheiten enthalten: Einheiten, welche
die Kombination des östrogenen
und des progestogenen Bestandteils enthalten, Einheiten, welche
den östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten, und
Einheiten, die gewissermaßen
als Placebos fungieren. Vorzugsweise umfasst der Kit mindestens
20 Einheiten, welche die Kombination des östrogenen und des progestogenen
Bestandteils oder den östrogenen
Bestandteil und keinen progestogenen Bestandteil enthalten.
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Wenn
der vorliegende Kit dazu vorgesehen ist, im Rahmen eines kombinierten
oder sequenziellen Protokolls eingesetzt zu werden, werden die oralen
Dosierungseinheiten im Kit vorzugsweise in einer fixierten Reihenfolge,
die der beabsichtigten Reihenfolge der Verabreichung entspricht,
angeordnet. Hinweise auf den Sachverhalt können auf der Verpackung bereitgestellt
werden. Die Verpackung kann ein Röhrchen oder eine Schachtel
oder ein Streifen sein. Die Schachtel kann kreisförmig, rechteckig
oder andersartig geformt sein, wobei die Tabletten darin zur Vereinfachung
der Verabreichung voneinander getrennt untergebracht sind. Hinweise
auf den Termin können
neben jeder Tablette erscheinen, entsprechend den Tagen, an denen
jede Tablette einzunehmen ist. Irgendein Hinweis auf die Reihenfolge,
in der die Tabletten einzunehmen sind, ist vorzugsweise auf der
Packung ungeachtet ihrer Form sichtbar.
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Im
Allgemeinen werden die oralen Dosierungseinheiten im vorliegenden
Kit in Übereinstimmung
mit gut bekannten pharmazeutischen Verfahren hergestellt. Der (die)
Wirkstoffe) wird (werden) mit einem pharmazeutisch unbedenklichen
Vehikel kombiniert und in eine pharmazeutisch unbedenkliche Form
für die
orale Verabreichung, zum Beispiel in eine Tablette, eine Kapsel,
eine Kapsel aus Stärkemasse,
ein Kügelchen,
eine Pille, Puder oder Granula überführt. Das
Vehikel kann geeignete pharmazeutische Träger wie zum Beispiel Streckmittel,
Bindemittel und Gleitmittel beinhalten. Zum Beispiel werden Gummi,
Stärke
und Zucker üblicherweise
als pharmazeutische Träger
verwendet. Tabletten und andere orale Dosierungseinheiten können in
geeigneter Weise Materialien wie zum Beispiel Bindemittel (zum Beispiel
Hydroxypropylmethylcellulose, Polyvinylpyrrolidin, andere celluloseartige
Materialien und Stärke),
Streckmittel (zum Beispiel Lactose und andere Zucker, Stärke, Dicalciumphosphat
und celluloseartige Materialien), Sprengmittel (zum Beispiel Stärkepolymere
und celluloseartige Materialien) und Gleitmittel (zum Beispiel Stearate
und Talk) enthalten.
-
Der
(die) Wirkstoffe) kann (können)
von etwa 0,01 % (nach Gewicht) bis etwa 50 % (nach Gewicht) der
Formulierung in der Dosierungseinheit umfassen, wobei der Rest aus
Vehikel besteht. Der (die) Wirkstoffe) wird (werden) mit dem gewählten Träger gemischt
und beispielsweise im Fall der Form einer Tablette in eine Apparatur
zum Pressen von Tabletten eingebracht, um die Tabletten zu formen.
Alternativ kann das vermischte Material als Puder oder Granula in
eine Kapsel eingebracht werden. Einem Fachmann auf dem Gebiet der Pharmazie
sind verschiedene andere Varianten, die in geeigneter Weise in Übereinstimmung
mit der vorliegenden Erfindung eingesetzt werden können, gut
bekannt.
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Die
vorliegende Erfindung wird weiter durch die folgenden Beispiele
veranschaulicht, die jedoch nicht als limitierend zu interpretieren
sind. Die Eigenschaften, die in der vorangehenden Beschreibung,
in den folgenden Beispielen und in den Patentansprüchen offenbart
sind, können
sowohl einzeln als auch in jeder Kombination davon Material zum
Umsetzen der Erfindung in verschiedenen Formen davon darstellen.
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Beispiele
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Beispiel 1
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Vaginale
Verhornung wurde als gewebsspezifischer und östrogensensitiver Endpunkt
gewählt,
um die Östrogenität von Estetrol
(E4) nach oraler Verabreichung bei hypoöstrogenen Ratten zu bestimmen.
Als Kontrollen in diesen Bioversuchen dienten 17α-Ethinylöstradiol (EE) und Vehikel (10
% Ethanol/Sesamöl).
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Die
Zunahme des Uterusgewichts bei der Ratte wird häufiger als Maß der Östrogenität verwendet.
Das Gewicht des Uterus reagiert jedoch auch auf Progesteron, Testosteron
und andere Stoffe, die nicht charakteristischerweise als Östrogene
betrachtet werden. In den frühen
1920ern wurde entdeckt, dass Follikelflüssigkeit aus dem Ovar vom Schwein
einen Faktor, der zur Verhornung/Keratinisierung des Vaginalepithels
der Ratte führte,
enthielt (Allen und Doisy, 1923, JAMA, 81, 819-821; Allen und Doisy,
1924, Am. J. Physiol., 69, 577-588). Die so genannte vaginale Verhornungsreaktion
bei Ratten lieferte anschließend
einen Bioversuch zum Untersuchen der Östrogenität. Eine vaginale, epitheliale
Verhornung/Keratinisierung bei ovariektomierten Ratten kann nur
von Verbindungen, die als echte Östrogene
gelten, hervorgerufen werden (Jones et al., 1973, Fert. Steril.
24, 284-291). Vaginale, epitheliale Verhornung/Keratinisierung stellt
daher einen in hohem Maße selektiven
Endpunkt zum Bestimmen der Wirksamkeit von Östrogenen dar (Reel et al.,
1996, Fund. Appli. Toxicol. 34, 288-305).
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Erwachsene,
unversehrte weibliche CD-Ratten wurden ovariektomiert, um einen Östrogenmangel
hervorzurufen. Sieben Tage lang wurden täglich Vaginallavagen vorgenommen,
um sicherzustellen, dass die Ratten kastratentypische Vaginalabstriche
(Vorherrschen von Leukozyten im Vaginalabstrich und im Erscheinungsbild
einem interöstrischen
Vaginalabstrich ähnlich)
zeigten. Kastratentypische Vaginalabstriche weisen darauf hin, dass
eine vollständige
Ovariektomie ausgeführt
wurde. Die Behandlung begann nach Abschluss der 7 Tage des Gewinnens
der Abstriche (Tag 0 = erster Tag des Verabreichens der Dosen).
Den Tieren wurden die Dosen einmal täglich an 7 aufeinander folgenden
Tagen verabreicht. Nachdem mit dem Verabreichen der Dosen begonnen
worden war, wurden weiterhin 7 Tage lang täglich Vaginallavagen abgenommen,
um vaginale Verhornung als Zeichen einer östrogenen Reaktion zu ermitteln.
Ein Tropfen der vaginalen Waschflüssigkeit wurde auf einen Objektträger aus
Glas aufgebracht und mittels Lichtmikroskopie untersucht, um das Vorliegen
oder die Abwesenheit von verhornten Epithelzellen festzustellen.
Vaginallavagen wurden vor dem Verabreichen der Dosen an den Tagen
0-6 und vor der Autopsie am Tag 7 abgenommen.
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Der
Bioversuch zur vaginalen Verhornung wurde durchgeführt, um
das östrogene
Profil von E4, wenn es ovariektomierten, erwachsenen Ratten oral
(po) gegeben wurde, zu ermitteln. EE wurde als positive Kontrolle
verwendet. Das Vehikel (10 % Ethanol/Sesamöl) diente als negative Kontrolle.
Die Steroide wurden in absolutem Ethanol gelöst und dann mit Sesamöl (10 %
Ethanol in Sesamöl)
auf die endgültige
Konzentration gebracht. Bei allen Ratten (8/8), denen 50 μg/kg/Tag
EE bis Tag 7 gegeben wurde, trat eine vaginale östrogene Reaktion auf (Tabelle
1). In ähnlicher
Weise wurde eine Verhornung des vaginalen Epithels bei allen Ratten (8/8),
die po mit 0,1, 0,3, 1,0 oder 3,0 mg/kglTag E4 bis Tag 7 behandelt
wurden, beobachtet (Tabelle 1), während Tiere, die mit dem Vehikel
behandelt wurden, keine Verhornung des vaginalen Epithels zeigten
(0/8). Auch bei Ratten, denen relativ niedrige Dosen von E4 (zum
Beispiel 0,1 und 0,3 mg/kg/Tag) gegeben wurden, erfolgte das Einsetzen
der vaginalen Verhornung (definiert als die Menge der Tiere, die
an den Tagen 1-3 der Untersuchung reagierten) so schnell wie bei
Tieren, die mit EE behandelt wurden (Tabelle 1), was die hervorragenden
Eigenschaften der Bioverfügbarkeit
von Estetrol nach oraler Verabreichung zeigt. Tabelle
1: Vaginale östrogene
Reaktion bei ovariektomierten Ratten, die oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol
(EE) oder Estetrol (E4) behandelt wurden. Die Daten sind als Zahl
der Ratten, die eine vaginale Verhornung zeigten, über der
Zahl der behandelten Ratten (Verhältnis) angegeben.

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Beispiel 2
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Die
ovariektomierte gealterte Ratte wurde als Modell für die Krankheit
Osteoporose beim Menschen verwendet. Dies ist ein gängiges Tiermodell,
das von der United States Food and Drug Administration (FDA) empfohlen
ist, um mögliche
Wirkstoffe zur Prävention
und Therapie von Osteoporose zu bewerten und gewichten. Die antiresorptive
Wirksamkeit von Estetrol (E4) wurde durch Messung der gesamten und
der trabekulären Knochenmineraldichte
und der Knochenstärke
nach 4 Wochen Behandlung bei der Autopsie ex vivo untersucht. 17α-Ethinylöstradiol
(EE) und Vehikel (1 % Ethanol/Arachidisöl) dienten in diesem Bioversuch
als Kontrollen.
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Drei
Monate alte, weibliche Sprague-Dawley-Ratten wurden einen Tag vor
dem Beginn der Dosierungsversuche der entweder scheinoperiert (Sham)
oder ovariektomiert (OVX). Die Tiere wurden unter Verwendung einer
Anästhesiemischung
aus Ketamin und Xyla zin anästhesiert
und einer bilateralen Ovariektomie unterzogen oder scheinbehandelt.
Ein Bereich der Behaarung auf der Dorsalseite wurde rasiert und
es wurde ein Schnitt gesetzt, der über der Lendenwirbelsäule lag.
Die Haut wurde von der darunter liegenden Faszie abgetrennt, so
dass eine zweite Inzision durch die Abdominalmuskulatur etwa kaudal
der Nieren gemacht werden konnte. Die Ovarien wurden dann nach außen gezogen
und entfernt und die Muskulatur wurde mit einer Einzelnaht verschlossen.
Die Hautinzision wurde unter Verwendung von chirurgischen Klammern
verschlossen.
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Zehn
Tieren pro Behandlungsgruppe wurden einmal pro Tag über vier
aufeinander folgende Wochen orale Dosen verabreicht. Die Gabe der
Dosen begann 1 Tag nach der chirurgischen Entfernung der Ovarien und
wurde über
eine orale Sonde unter Verwendung einer Spritze und einer Sondennadel
aus rostfreiem Stahl in Dosierungen von 0,1 mg/kg/Tag EE oder 2,5,
0,5 oder 0,1 mg/kg/Tag E4 verabreicht. Eine Kontrolle mit Vehikel
wurde täglich
einer Gruppe der OVX-Tiere und der scheinoperierten Ratten verabreicht.
Nach der Behandlung wurden die anästhesierten Ratten einer Herzpunktion
unterzogen und durch CO2-Inhalation erstickt. Die
Tibiae und Femura wurden entfernt, von Weichgewebe gereinigt und
fixiert und in 70 % Ethanol/Salzlösung bei 4°C (Tibiae) oder in Salzlösung bei
4°C (Femura)
bis zur weiteren Untersuchung aufbewahrt.
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Es
wurde eine periphere quantitative Computertomographie (pQCT) ex
vivo an den exzidierten linken Tibiae unter Verwendung eines Stratec
XCT-RM und der zugehörigen
Software (Stratec Medizintechnik GmbH, Pforzheim, Deutschland, Software-Version
5.40) vorgenommen. Die Scans wurden bei 12 % der Gesamtlänge vom
proximalen Ende der Tibiae aus ausgeführt. Die Positionen wurden
unter Verwendung von Übersichtsaufnahmen
(„scout
views") nachgeprüft und es
wurde eine Scheibe von 0,5 mm senkrecht zur langen Achse des Tibiaschafts
von jeder Seite erfasst. Die Scans wurden unter Verwendung eines
Schwellenwerts für
die Darstellung der externen Abgrenzung ausgewertet. Die gesamte
und die trabekuläre
Knochenmineraldichte, die Fläche
und die Dichte an jeder Stelle wurden ermittelt. Die Mittelwerte
sind in Tabelle 2 gezeigt. Weiterhin sind pQCT-Daten für die gesamte
Knochenmineraldichte in 1 dargestellt.
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Tabelle
2: pQCT-Densitometriedaten aus den proximalen Tibiae von Sham- und
OVX-Ratten, die oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol
(EE), Estetrol (E4) oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind
als Mittelwerte, die von jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
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Ein
Vergleich der pQCT-Densitometriedaten der proximalen Tibiae von
scheinoperierten und OVX-Ratten zeigte wie erwartet einen beständigen Verlust
von Gesamt- und trabekulärem
Knochen in der OVX-Gruppe (Tabelle 2, 1).
Weiterhin gab es bei den Tieren, die oral mit E4 behandelt waren,
einen beständigen,
dosisabhängigen
Anstieg für
jeden der Parameter, die mit dem gesamten und dem trabekulären Knochenmineralg
ehalt und mit der gesamten und der trabekulären Knochenmineraldichte verbunden
sind (Tabelle 2, 1). Im Vergleich
zu hypoöstrogenen
OVX-Ratten, die eine Behandlung nur mit dem Vehikel erhielten, verhinderten
0,5 und 2,5 mg/kg/Tag E4 die Knochenresorption, wie durch die Niveaus
der gesamten Knochenmineraldichte, die denen von scheinoperierten
Ratten entsprechen, beispielhaft gezeigt wird (1). Weiterhin
entsprach die antiresorptive Aktivität, die mit der höchsten Dosis
von E4 (2,5 mg/kg/Tag) erzielt wurde, der Wirkung, die mit der positiven
Kontrolle EE beobachtet wurde.
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Figur
1: Gesamte Knochenmineraldichte aus den proximalen Tibiae von Sham-
und OVX-Ratten, die oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol (EE), Estetrol (E4)
oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind als Mittelwerte, die von
jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
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Die
Bewertung der biomechanischen Festigkeit des Knochens wurde ex vivo
mit einem Eindruckversuch an den distalen Femura vorgenommen. Vor
der mechanischen Prüfung
wurden die Femura in kalter Salzlösung gespült und sorgfältig von
jeglichem verbleibenden, anhaftenden Weichgewebe gesäubert. Ein
Segment von 3 mm der distalen Metaphyse des Femurs wurde mit einer
niedertourigen Diamantsäge
unter ständiger
Berieselung mit Salzlösung
direkt proximal des Femurcondylus ausgeschnitten. Die Last wurde
mit einem zylindrischen Prüfstempel
(mit einer flachen Prüffläche von
1,6 mm Durchmesser) auf die Mitte der Markhöhle auf der distalen Oberfläche des
Segments aufgebracht. Man ließ den
Prüfstempel
die Höhle
mit einer konstanten Verschiebung von 6 mm/min bis zu einer Tiefe
von 2 mm vor dem Lastwechsel durchdringen.
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Tabelle
3: Eindrückversuch
des distalen Femurs von Sham- und OVX-Ratten, die oral (po) mit
17α-Ethinylöstradiol
(EE), Estetrol (E4) oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind
als Mittelwerte, die von jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
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Die
Belastungsgrenze, Steifheit und absorbierte Energie wurden aus Kraft-Weg-Kurven
ermittelt. Die Bruchfestigkeit wurde berechnet, indem die maximale
Last durch die Fläche
des Prüfstempels
geteilt wurde. Mittelwerte der Belastungsgrenze, Steifheit, Energie
und Bruchfestigkeit sind in Tabelle 3 dargestellt. Weiterhin sind
in 2 Mittelwerte der Bruchfestigkeit
bildlich dargestellt. Im Vergleich zu scheinoperierten Ratten schien
die mechanische Festigkeit von Spongiosa bei OVX-Ratten, die allein
mit dem Vehikel behandelt worden waren, deutlich verringert zu sein
(Tabelle 3, 2). Die Abnahmen der Belastungsgrenze,
Steifheit, Energie und Bruchfestigkeit betrugen –68 %, –68 %, –27 % beziehungsweise –68 %, was
eindeutig mit dem Verlust von Knochenmineraldichte bei Raten mit Östrogenmangel
einherging. Die orale Behandlung von hypoöstrogenen OVX-Ratten mit E4
verhinderte die Abnahmen der Belastungsgrenze, Steifheit, Energie
und Bruchfestigkeit in einer dosisabhängigen Weise (Tabelle 3, 2). Zusätzlich scheint die Wirksamkeit,
die mit der höchsten
Dosis von E4 (2,5 mg/kg/Tag) erzielt wurde, der Wirksamkeit der
positiven Kontrolle EE überlegen zu
sein (Tabelle 3, 2).
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Figur
2: Mittlere Bruchfestigkeit des distalen Femurs von Sham- und OVX-Ratten,
die 4 aufeinander folgende Wochen lang oral (po) mit 17α-Ethinylöstradiol
(EE), Estetrol (E4) oder Vehikel behandelt wurden. Die Daten sind
als Mittelwerte, die von jeder Gruppe (n=10) erhoben wurden, angegeben.
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Beispiel 3
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Die
morphinabhängige,
ovariektomierte (OVX) Ratte wurde als Modell für postmenopausale Hitzewallungen
verwendet. Es wurde die Fähigkeit
von Estetrol (E4), Anstiege der Temperaturen der Schwanzhaut, die normalerweise
von einem Absinken der Körperkerntemperatur
begleitet werden, nach von Naloxon induziertem Opiatentzug zu verhindern,
untersucht. 17α-Ethinylöstradiol
(EE) und Vehikel (Hydroxypropyl-betacyclodextrin 20 % [Gew./Vol.])
dienten in diesem Bioversuch als Kontrollen.
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Das
verbreitetste und charakteristischste Symptom der Menopause beim
Menschen ist die Hitzewallung, die von mehr als 70 % der menopausalen
Frauen erlebt wird. Während
der genaue Mechanismus, der dieser vasomotorischen Instabilität zugrunde
liegt, unbekannt ist, scheinen die charakteristischen Merkmale der
Hitzewallung eine zentral vermittelte Anpassung an ein fortschreitendes
Abnehmen der Östrogenspiegel widerzuspiegeln.
Bei Frauen, welche die Hitzewallung erleben, äußern sich die Symptome in 1)
schnellen, regionalen Anstiegen der Hauttemperatur, 2) einem Absinken
der Körper kerntemperatur,
3) einer gesteigerten Herzfrequenz ohne Änderung des Blutdrucks und
4) zeitlich eng daran gebundenen plötzlichen Anstiegen der Freisetzung
von luteinisierendem Hormon (LH) und β-Endorphin.
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Das
Modell der morphinabhängigen,
ovariektomierten (OVX) Ratte wurde von verschiedenen Forschern (Katovich
et al., 1986, Maturitas, 67-76; Merchenthaler et al., 1998, Maturitas,
307-316) als Tiermodell für
die Hitzewallung vorgeschlagen. Während eines Opiatentzugs mittels
des Morphinantagonisten Naloxon steigt die Temperatur der Schwanzhaut
(TST, „tail
skin temperature")
und dieser Anstieg wird von einem Abfall der Körperkerntemperatur begleitet.
Zusätzlich
werden die Temperaturänderungen
von plötzlichen
Anstiegen des LH und einer vorübergehenden
Tachykardie begleitet. Diese Ereignisse sind in Größenordnung
und Zeitablauf denen, die bei der menopausalen Hitzewallung beobachtet
werden, ähnlich.
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8
Wochen alte OVX-Ratten wurden oral (po) mit Estetrol (E4), 17α-Ethinylöstradiol
(EE) oder mit Vehikel (Hydroxypropyl-beta-cyclodextrin 20 % [Gew./Vol.])
als Kontrolle 7 aufeinander folgende Tage lang und am Morgen eines
von Naloxon induzierten Opiatentzugs bei morphinabhängigen Tieren
behandelt. Drei Tage vor dem Beginn des Verabreichens der Dosen
wurden die Tiere unter Verwendung einer Anästhesiemischung aus Ketamin
und Xylazin anästhesiert
und einer bilateralen Ovariektomie unterzogen. Ein Bereich der Behaarung
auf der Dorsalseite wurde rasiert und es wurde ein Schnitt gesetzt,
der über
der Lendenwirbelsäule
lag. Die Haut wurde von der darunter liegenden Faszie abgetrennt,
so dass eine zweite Inzision durch die Abdominalmuskulatur etwa
kaudal der Nieren gemacht werden konnte. Die Ovarien wurden dann
nach außen
gezogen und entfernt und die Muskulatur wurde mit einer Einzelnaht
verschlossen. Die Hautinzision wurde unter Verwendung von chirurgischen
Klammern verschlossen. Sechs Ratten pro Behandlungsgruppe erhielten
die Dosis einmal täglich
an acht aufeinander folgenden Tagen vor dem Tag und einschließlich des
Tags des von Naloxon induzierten Opiatentzugs (der „Hitzewallungs-Session"). Die Gabe der Dosen
begann drei Tage nach der chirurgischen Entfernung der Ovarien und
wurde über
eine orale Sonde unter Verwendung einer Spritze und einer Sondennadel
aus rostfreiem Stahl verabreicht. Durch Implantation von subcutanen
Pellets, die 75 mg Morphin enthielten, wurde Morphinabhängigkeit
induziert. Das erste Pellet wurde fünf Tage vor der „Hitzewallungs- Session" unter einer leichten
Inhaltationsanästhesie
implantiert. Drei Tage vor der „Hitzewallungs-Session" wurden zwei zusätzliche
Morphinpellets unter den geleichen Bedingungen implantiert.
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Für die Hitzewallungsmanipulationen
wurden die Tiere in einen Testkäfig
gesetzt. Nach einer Eingewöhnungsperiode
von 5-10 Minuten wurden die Tiere etwa 10 Minuten vor der „Hitzewallungs-Session" mit Ketamin-HCl
anästhesiert.
Eine temperaturempfindliche Elektrode wurde mit Band an der Ventralseite
des Schwanzes befestigt und die Elektrode wurde mit einem Multikanal-Temperaturaufzeichnungsgerät verbunden.
Die Temperatur der Schwanzhaut wurde aufgezeichnet, bis sie stabil
war, und dann wurde den Tieren Naloxon-HCl (1 mg/kg) injiziert.
Die Temperaturaufzeichnungen wurden dann für eine Dauer von 60 Minuten fortgeführt und
die Temperatur wurde in Intervallen von 5 Minuten gemeldet. Nach
Abschluss der „Hitzewallungs-Session" wurden alle Tiere
unter Einsatz des Erstickens mit CO2, gefolgt
von zervikaler Dislokation, getötet.
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Wie
erwartet war die Kontrolle mit dem Vehikel beim Verhindern der von
Naloxon induzierten Anstiege der TST bei den morphinabhängigen OVX-Ratten
unwirksam (3). 17α-Ethinylöstradiol (EE) verhinderte die
von Naloxon induzierten Anstiege der TST bei den morphinabhängigen OVX-Ratten
bei der einzigen getesteten Dosis von 0,3 mg/kg/Tag (3). Die orale Behandlung mit Estetrol
(E4) zeigte eine eindeutig dosisabhängige Wirkung (3).
Die drei höchsten
Dosen von E4 (0,3, 1,0 und 3,0 mg/kg/Tag) verringerten alle die TST,
wobei die höchste
Dosis (3,0 mg/kg/Tag) eine dem starken oralen Östrogen 17α-Ethinylöstradiol (EE) ähnliche
suppressive Reaktion hat.
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Figur
3: Die Wirkungen von Estetrol (E4) und von 17α-Ethinylöstradiol (EE) auf die von Naloxon
induzierte Hitzewallungsreaktion bei weiblichen, ovariektomierten
Ratten.
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Beispiel 4
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Um
die orale Bioverfügbarkeit
von Estetrol (E4) zu bewerten und die Eliminationshalbwertszeit
zu bestimmen, wurden Untersuchungen mit oralen (po) und subcutanen
(sc) Einzeldosen an weiblichen Sprague-Dawley-Ratten vorgenommen,
worauf häufige
Blutentnahmen in einem Intervall von 24 Stunden folgten.
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Weibliche
Sprague-Dawley-Ratten wurden mit einem permanenten Silastic-Herzkatheter
wie von Kuipers et al. (1985, Gastroenterology, 88, 403-411) beschrieben,
ausgestattet. Man ließ die
Ratten sich 5 Tage lang von der Operation erholen und verabreichte
ihnen dann 0,05, 0,5 oder 5 mg/kg E4 in 0,5 ml Arachidisöl. Zur sc-Verabreichung
wurde E4 unter Verwendung einer 1 ml Spritze und einer Nadel von
20g in den Nackenbereich injiziert. Zur po-Verabreichung von E4
wurden die Ratten leicht mit Halothan/N2O/O2 anästhesiert
und E4 wurde unter Verwendung eines Magenschlauchs aus Plastik direkt
intragastral appliziert. Anschließend wurden über den
Herzkatheter Blutproben nach 0,5, 1, 2, 4, 8 und 24 Stunden in heparinisierte
Röhrchen
abgenommen. Die Erythrozyten wurden durch eine Zentrifugation bei
5000xg von 10 Minuten bei 4°C
entfernt und das Blutplasma wurde bei –20°C aufbewahrt. Nach dem Auftauen
der Plasmaproben wurde eine Flüssig-Flüssig-Extraktion
(Hexan und Diethylether) eingesetzt, um Plasmaproben, die E4 enthielten,
für die HPLC-Untersuchung
(Perkin Elmer 200) und die Tandem-Massenspektrometrie unter Verwendung
eines PE Sciex 3000 Tandem-Massenspektrometers
und eines APCI-Interfaces zuzubereiten. Mit jedem Probensatz wurde
eine Kalibrationskurve mit 6 Kalibrationssubstanzen aufgezeichnet.
Die Kalibrationskurve wurde unter Einsatz der linearen Regression
(Korrelationskoeffizient > 0,98)
berechnet, was die Quantifizierung der Plasmakonzentrationen ermöglichte.
Für jedes
Plasma einer Ratte, das zu verschiedenen Zeitintervallen als Probe entnommen
worden war, wurden Daten erhoben.
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Die
Daten der Konzentration von E4 im Plasma wurden mit „WinNonLin,
edition 3.1" analysiert
und führten
zu pharmakokinetischen Parametern für Cmax,
Halbwertszeit und AUC0-24. Besonders bei
Verwendung der niedrigen und mittleren Dosierungsgrade von 0,05
und von 0,5 mg/kg zeigte E4 eine orale Bioverfügbarkeit, die gleich hoch wie
die Bioverfügbarkeit,
die mit der sc-Verabreichung erreicht wurde, war (80-100 %). Beim
höchsten
untersuchten Dosierungsgrad, 5,0 mg/kg E4, führte die Absorptionskinetik
zu einer oralen Bioverfügbarkeit,
die sich auf 30-60 % von sc verabreichtem E4 annäherte. Interessanterweise zeigte
E4 eine relativ lange Halbwertszeit von 2-3 Stunden, was einen Nachweis
von biologisch aktiven Spiegeln von unkonjugiertem E4 zu allen Zeitpunkten über ein
Intervall von 24 Stunden ermöglichte.
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Beispiel 5
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Ein
etablierter kompetitiver Steroidbindungstest (Hammond und Lahteenmaki,
1983, Clin Chem Acta 132:101-110) wurde verwendet, um die relative
Bindungsaffinität
von Estetrol (E4), 17α-Ethinylöstradiol
(EE2), 17β-Östradiol
(E2), Testosteron (T) und 5α-Dihydrotestosteron
(DHT) für
sexualhormonbindendes Globulin (SHBG) vom Menschen zu bestimmen.
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Humanes
SHBG wurde aus Serum der transgenen Maus gereinigt wie früher beschrieben
(Awakumov GV et al., 2000. J Biol Chem 275:25920-25925). Mittels
Polyacrylamidgel-Elektrophorese unter denaturierenden Bedingungen
wurde festgestellt, dass das so hergestellte humane SHBG >99 % rein war. Seine
Merkmale bei der Steroidbindung sind nicht von SHBG im menschlichen
Serum zu unterscheiden (Avvakumov GV et al., 2000. J Biol Chem 275:25920-25925).
Der Test in vitro umfasste die Verwendung von gereinigtem SHBG und [3H]DHT oder [3H]Östradiol
als markierte Liganden. Humanes SHBG wurde 30 Minuten lang bei Raumtemperatur
mit einer Suspension von dextranbeschichteter Holzkohle (DCC) in
phosphatgepufferter Salzlösung (PBS)
behandelt, um jeglichen Steroidliganden zu entfernen. Nach Zentrifugation
(2.000 × g,
10 Minuten lang), um DCC zu sedimentieren, wurde der Überstand,
der das humane SHBG enthielt, in PBS auf eine Konzentration von
1 nM basierend auf seiner Steroidbindungskapazität verdünnt.
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Teilproben
(100 μl)
dieser Lösung
von humanem SHBG in doppelter Ausführung wurden dann mit einem
gleichen Volumen von entweder [3H]DHT oder
[3H]Östradiol
bei 10 nM zusammen mit 100 μl
PBS allein oder derselben Menge PBS, die steigende Konzentrationen
von unmarkierten Steroidliganden als Konkurrenten enthielt, in Polystyren-Teströhrchen inkubiert.
Nach einer Inkubation von 1 Stunde bei Raumtemperatur wurden die
Reaktionsmischungen weitere 15 Minuten lang in ein Eisbad gestellt.
Teilproben (600 μl)
einer eiskalten Suspension von DCC wurden dann zu jedem Röhrchen gegeben
und nach einem kurzen Mischen von 2 Sekunden wurde jedes Röhrchen weitere
10 Minuten oder 5 Minuten lang, abhängig davon ob [3H]DHT
oder [3H]Östradiol jeweils als markierte
Liganden verwendet wurden, in einem Eisbad inkubiert. Die ungebundenen Liganden,
die an DCC adsorbiert waren, wurden dann durch Zentrifugation entfernt
(2.000 × g,
15 Minuten lang bei 4°C)
und die Mengen der mit [3H] markierten Liganden,
die an SHBG gebunden waren, wurden in 2 ml ACS Szintillationscocktail
unter Verwendung eines Flüssigkeitsszintillationsspektrophotometers
gezählt.
Die durchschnittlichen Mengen von mit [3H]
markierten Liganden, die bei jeder Konzentration des Konkurrenten
(B) an SHBG gebunden waren, wurden als Prozentsatz der durchschnittlichen
Mengen von mit [3H] markierten Liganden,
die in Abwesenheit des Konkurrenten (B0)
an SHBG gebunden waren, ausgedrückt
und gegen die Konzentration des Konkurrenten in jedem Teströhrchen aufgetragen.
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Die
Ergebnisse der kompetitiven Bindungstests sind in 4 dargestellt.
Wie aus diesen kompetitiven Bindungstests eindeutig hervorgeht,
bindet Estetrol überhaupt
nicht an humanes SHBG, wenn es entweder mit [3H]DHT
oder mit [3H]Östradiol als markierte Liganden
untersucht wird. Dies steht in deutlichem Kontrast zu den Referenzsteroiden
Ethinylöstradiol,
17β-Östradiol,
Testosteron und 5α-Dihydrotestosteron,
die in dieser Reihenfolge eine gesteigerte relative Bindungsaffinität für humanes
SHBG aufweisen.
-
Es
ist wichtig, dass die Bindung von Estetrol an SHBG zu vernachlässigen war,
wenn sie mit den anderen untersuchten Östrogenen, Ethinylöstradiol
und 17β-Östradiol
verglichen wurde.
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Figur
4: Kompetitive Verdrängung
von [
3H]DHT (Feld A) und von [
3H]Östradiol
(Feld B) von der Steroidbindungsstelle des humanen sexualhormonbindenden
Globulins. Die unmarkierten Steroidliganden, die als Konkurrenten
verwendet wurden, waren wie folgt: Estetrol (E4), 17α-Ethinylöstradiol
(EE2), 17β-Östradiol
(E2), Testosteron (T) und 5α-Dihydrotestosteron
(DHT)
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Beispiel 6
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Die
vorliegenden östrogenen
Bestandteile können
in geeigneter Weise zusammen mit Zusatzstoffen, Vehikeln und/oder
Aromastoffen, die in der galenischen Pharmazie gebräuchlich
sind, in Übereinstimmung
mit den herkömmlichen
Verfahren in übliche
Verabreichungsformen verarbeitet werden. Zur oralen Verabreichung sind
besonders Tabletten, Dragees, Kapseln, Pillen, Suspensionen oder
Lösungen
geeignet.
-
Estetrol-Tabletten:
1.000 Tabletten zu 185 mg, die 1,5 mg Estetrol und 0,15 mg Levonorgestrel
enthalten, werden aus der folgenden Rezeptur hergestellt:
| Estetrol | 1,500
g |
| Levonorgestrel | 0,150
g |
| Polyvinylpyrrolidon
(Kollidon 25® ex
BASF) | 13,500
g |
| Lactose | 135,645
g |
| Mikrokristalline
Zellulose (Avicel PH 101®) | 26,250
g |
| Glycerylpalmitostearat
(Precirol®) | 2,775
g |
| Wasserfreie,
kolloidale Silica (Aerosil 200®) | 1,000
g |
| Crospovidon
(Polyplasdone XL®) | 4,000
g |
| Farbstoff | 0,180
g |
-
Tabletten,
die zusätzlich
50 mg Dehydroepiandrosteron enthalten, können aus einer ähnlichen
Rezeptur hergestellt werden.