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FACHGEBIET DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung betrifft allgemein die Fachgebiete Genetik
und Medizin.
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HINTERGRUND DER ERFINDUNG
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Autismus
ist eine neuropsychiatrische Entwicklungsstörung, die durch Beeinträchtigungen
bei der wechselseitigen sozialen Interaktion und verbalen und nonverbalen
Kommunikation, begrenzte und stereotype Interessen- und Aktivitätsmuster
und das Vorliegen von Abnormitäten
in der Entwicklung im Alter bis zu 3 Jahren gekennzeichnet ist (Bailey
et al., 1996). In seiner bahnbrechenden Beschreibung des kindlichen
Autismus bezog Kanner (1943) die folgenden Symptome ein: Sprachstörungen,
mangelnder Blickkontakt, mangelnde soziale Interaktion, repetitives
Verhalten und starres Festhalten an Ritualen. Er stellte fest, dass
in den meisten Fällen
das kindliche Verhalten von frühester
Kindheit an abnormal war. Aufgrund dessen vermutete er das Vorliegen
eines angeborenen, vermutlich genetischen Defekts. Ein Jahr später beschrieb
Hans Asperger in Deutschland ähnliche
Patienten und nannte den Zustand „autistische Psychopathie".
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Autismus
wird mit Hilfe von Verhaltenskriterien definiert, weil bis heute
keine spezifischen biologischen Marker für eine Diagnose der Krankheit
bekannt sind. Das klinische Bild von Autismus variiert hinsichtlich
der Schwere und wird von vielen Faktoren, einschließlich Erziehung,
Fähigkeiten
und Temperament, modifiziert. Außerdem ändert sich das klinische Bild
im Verlauf der Entwicklung im Individuum. Zusätzlich ist Autismus häufig mit
weiteren Störungen
wie Aufmerksamkeitsdefizitstörug,
Koordinationsmotorikstörungen
und psychiatrischen Symptomen wie Angst und Depression assoziiert.
Es gibt einige Anzeichen, dass Autismus ebenfalls epileptische,
metabolische und immunologische Störungen umfassen kann. Im Einklang
mit der klinischen Anerkennung der Variabilität besteht nun eine allgemeine Übereinkunft,
dass es ein Spektrum autistischer Störungen gibt, das Individuen
aller Intelligenzniveaus und Sprachfähigkeitsstufen umfasst und
alle Intensitätsgrade
abdeckt.
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Ein
Element des autistischen Spektrums, das aber als eine spezielle
Untergruppe betrachtet wird, ist das Asperger Syndrom (AS). Das
AS unterscheidet sich von der autistischen Störung durch Ein Element des autistischen
Spektrums, das aber als eine spezielle Untergruppe betrachtet wird,
ist das Asperger Syndrom (AS). Das AS unterscheidet sich von der
autistischen Störung
durch die fehlende klinisch signifikante Verzögerung der Sprachentwicklung
bei Vorhandensein der beeinträchtigten
sozialen Interaktion und der beschränkten repetitiven Verhaltens-,
Interessen- und
Aktivitätsmuster,
die das Spektrum autistischer Störungen
(ASDs) kennzeichnen.
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ASDs
sind Formen von tiefgreifenden Entwicklungsstörungen (PPD). PPD, „nicht
anders bezeichnet" (PPD-NOS)
wird zur Kategorisierung von Kindern verwendet, welche die strengen
Kriterien für
Autismus nicht erfüllen,
aber ihnen nahe kommen, entweder weil sie einen atypischen Autismus
zeigen oder weil sie die diagnostischen Kriterien in zwei oder drei
Schlüsselbereichen
nahezu erfüllen.
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Um
die Diagnose von Autismus zu standardisieren, sind von der Weltgesundheitsorganisation
(International Classification of Diseases, 10th Revision
(ICD-10), 1992) und der American Psychiatric Association (Diagnostic
and Statistical Manual of Mental Disorders, 4th edition
(DSM-IV), 1994) Diagnosekriterien definiert worden. Ein Autismus-Diagnose-Interview
(ADI) ist entwickelt worden (Le Couteur et al., 1989; Lord et al., 1994).
Das ADI ist das einzige Diagnosewerkzeug, das für eine Diagnose von ASD zur
Verfügung
steht und welches standardisiert und streng getestet worden ist
und weltweit anerkannt ist. Das ADI ist ein bewertetes, halb-strukturiertes
Interview der Eltern, das auf ICD-10 und DSM-IV Kriterien für die Diagnose
von Autismus beruht. Es konzentriert sich auf das Verhalten in den
drei Hauptbereichen: Qualitäten
der wechselseitigen sozialen Interaktion; Kommunikation und Sprache;
und beschränkte
und repetitive, stereotype Interessen- und Verhaltensmuster. Unter
Verwendung dieser Kriterien wird Autismus nicht länger als
eine seltene Störung
betrachtet. Es sind höhere
Raten von 10–12
Fällen
pro 10.000 Individuen in jüngeren
Studien (Gillberg und Wing, 1999) genannt worden verglichen mit
der früher
berichteten Prävalenzrate
von 4–5
Patienten pro 10.000 Individuen basierend auf den Kriterien von
Kanner (Folstein und Rosen-Sheidly,
2001). Schätzungen
für die
Prävalenzrate
des gesamten Spektrums autistischer Störungen liegen um des 1,5 bis
2,5-fache höher.
Es gibt übereinstimmende
Berichte eines vierfach höheren
Vorkommens in männlichen
verglichen mit weiblichen Individuen. Eine geistige Zurückgebliebenheit
liegt in zwischen 25% und 40% der Fälle mit ASD vor (Baird et al., 2000;
Chakrabarti und Fombonne, 2001). Zusätzliche medizinische Zustände unter
Einbeziehung des Gehirns werden bei etwa 10% der Bevölkerung
beobachtet (Gillberg und Coleman, 2000).
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Die
Mechanismen, die der Zunahme der berichteten Autismusfälle zugrunde
liegen, sind nicht bekannt. Es wird sehr diskutiert, ob dieser Unterschied
eine Zunahme der Prävalenz
von Autismus, eine graduelle Änderung
bei den Diagnosekriterien, eine Anerkennung einer größeren Variabilität der Krankheitsausprägung oder
eine erhöhte
Aufmerksamkeit für
die Störung
widerspiegelt. Zusätzlich
besteht eine weitverbreitete öffentliche
Auffassung, dass die offensichtliche Zunahme primär auf Umweltfaktoren
zurückzuführen sei
(Nelson, 1991; Rodier und Hyman, 1998). Allerdings erscheint es
wahrscheinlich, dass der größte Teil
der erhöhten Prävalenz mit
der Erweiterung der Diagnosekriterien zusammen mit einer breiteren
Anwendung dieser Kriterien erklärt
werden kann.
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Obwohl
es wirksame Behandlungen für
eine Besserung der Krankheit gibt, gibt es keine Heilung und der
Nutzen der Behandlung bleibt bescheiden. Vielversprechende Ergebnisse
sind für
mehrere Behandlungspläne
erhalten worden, die verschiedene Verhaltens- und Entwicklungsstrategien
nutzen. Unter den vielversprechendsten Behandlungen sind solche,
die auf der Applied Behavior Analysis (ABA) basieren. Mehrere Medikationen
schienen verschiedene mit Autismus assoziierte Symptome zu verbessern,
wobei dadurch die Fähigkeit
des Individuums erhöht
wurde, von Erziehungs- und Verhaltensinterventionen zu profitieren.
Die am intensivsten untersuchten Agenzien sind die Dopamin-Antagonisten.
Mehrere Studien lassen einen Nutzen verschiedener selektiver Serotonin-Wiederaufnahmehemmer
vermuten.
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Es
sind drei Zwillingsstudien durchgeführt worden, um die Erblichkeit
von Autismus zu beurteilen (Folstein und Rutter, 1977; Bailey et
al., 1995; Steffenburg et al., 1989). Es wurden alle Zwillinge,
die in einer geographisch definierten Population lebten, ausfindig
gemacht. In den kombinierten Daten wurden 36 monozygotische (MZ)
und 30 dizygotische (DZ) Zwillinge untersucht. Die durchschnittlich
MZ-Konkordanzrate liegt bei 70% im Vergleich mit einer DZ-Rate von 0%. Eine
Erblichkeit von mehr als 90% wurde aus dem MZ zu DZ-Konkordanz-Verhältnis berechnet
und das Wiederauftretungsrisiko bei den Nachkommen wurde auf etwa
2%–4% geschätzt (Jorde
et al., 1991; Szatmari et al., 1998). Untersuchungen bei nichtautistischen
Verwandten haben eindeutig gezeigt, dass mehrere Kennzeichen der
ASDs häufiger
bei den Eltern autistischer Kinder als bei Eltern von Kontrollen,
einschließlich
sozialer Zurückhaltung,
Kommunikationsschwierigkeiten, Präferenz des Gewohnten und Schwierigkeiten
mit Veränderungen,
festgestellt werden (Folstein und Rutter, 1977). Eine verzögerte Sprachentwicklung
und Leseschwierigkeiten sind bei Familienmitglieder von Individuen
mit Autismus ebenfalls verbreiteter wie auch wiederkehrende Depression,
Angstzustände,
erhöhtes
Thrombocyten-Serotonin und vergrößerter Kopfumfang
(Folstein und Rosen-Sheidley, 2001).
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Die
Autismus-Inzidenz fällt
signifikant mit abnehmendem Verwandtschaftsgrad mit einem affiziertem Individuum,
was darauf hinweist, dass ein Einzelgen-Modell für die meisten Fälle von
Autismus nur unwahrscheinlich in Betracht kommt (Jorde et al., 1990).
Eine angeführte
Segregationsanalyse stimmte am weitesten mit einem polygenen Vererbungsmodus überein (Jorde
et al., 1991). Das einfachste genetische Modell ist ein Modell,
in dem mehrere Gene miteinander interagieren, um den Autismusphänotyp zu
bilden (Folstein und Rosen-Sheidley, 2001).
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Ein
wichtiger indirekter Anhaltspunkt weist auf eine mögliche Rolle
der Autoimmunität
bei Autismus. In einer Studie wurden mehr Familienmitglieder mit
Autoimmunkrankheiten in Familien mit einem autistischen Probanden
verglichen mit Kontrollprobanden festgestellt (Comi et al., 1999).
Einige Studien berichteten, dass Haplotypen am Haupthistokompatibilitätskomplex-(MHC)-Locus, die
bei manchen Kindern mit Autismus oder deren Müttern vorhanden sind, ihre
autistischen Kinder für
eine Autoimmunität
prädisponieren
könnten
(Burger und Warren, 1998). In zwei Studien wurden Autoantikörper gegen
bestimmte Gehirngewebe und Proteine, einschließlich Myelin-basisches Protein,
Neurofilamentproteine und Gefäßepithel,
häufiger
in autistischen Kindern verglichen mit Kontrollen gefunden (Singh
et al., 1993; Conolly et al., 1999; Weizman et al., 1982).
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Obwohl
die meisten Autismusfälle
mit den vorgeschlagenen Oligogen- und Epistasie-Mechanismen übereinstimmen, sind eine Minderheit
in Verbindung mit chromosomalen Abnormitäten und mit Störungen beobachtet
worden, die spezifische Ätiologien
aufweisen. Smalley (1997) erklärte,
dass ungefähr
15 bis 37% der Autismusfälle
einen komorbiden medizinischen Zustand aufweisen, einschließlich 5
bis 14% mit einer bekannten genetischen Störung oder Chromosomen-Anomalie.
Chromosomalen-Anomalien sind von fast allen humanen Chromosomen
berichtet worden. Diese umfassen autosomale Aneuploidien, Geschlechtschromosom-Anomalien,
Deletionen, Duplikationen, Translokationen, Ringchromosomen, Inversionen
und Marker-Chromosomen (Gillberg, 1998). Am häufigsten sind Abnormitäten der
Prader Willi/Angelman Syndrom Region auf Chromosom 15. Eine Verknüpfung von
Autismus und einem Mendelschen Zustand oder genetischem Syndrom
umfasste unbehandelte Phenylketonurie, fragiles X-Syndrom, tuberöse Sklerose
und Neurofibromatose. Kürzlich
identifizierten Carney et al. (2003) Mutationen in dem MECP2 (Methyl-CpG-Bindeprotein
2) Gen in zwei weiblichen Individuen mit Autismus, die keine Manifestationen
des Rett-Syndroms zeigten, das in 80% der Fälle durch Mutationen in dem
MECP2-Gen verursacht ist.
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Verschiedene
Gruppen machen auf Autismus oder umfassendere Phänotypen von ASDs bezogene Genom-Scans.
Dieser Ansatz scheint sehr vielversprechend zu sein, weil er sowohl
systematisch als auch modellunabhängig ist. Zusätzlich hat
er sich als erfolgreich erwiesen. Folglich sind positive Kopplungsresultate selbst
mit der Analyse vergleichsweise kleiner Studiengruppen erhalten
worden. Und noch wichtiger, einige Erkenntnisse sind bereits repliziert
worden. Das am besten übereinstimmende
Resultat wurde für
Chromosom 7q erhalten, aber es liegt ebenfalls eine beträchtliche Überschneidung
auf Chromosom 2q und 16p vor (Folstein und Rosen-Sheidley, 2001).
Beträchtliche
Fortschritte bei der Identifizierung chromosomaler Regionen sind
ebenfalls auf Chromosom 15 und dem X-Chromosom gemacht worden. Mutationen
in zwei X-Chromosom-gekoppelten Genen, die die Neuroligine NLGN3
und NLGN4 codieren, sind in Geschwistern mit Störungen des autistischen Spektrums
identifiziert worden (Jamain et al., 2003). Mehrere Beweislinien
stützen
die Tatsache, dass Mutationen in Neuroliginen an einer autistischen
Störung
involviert sind. Erstens verursachen die genannten Mutationen starke
Veränderungen
der vorhergesagten Proteinstruktur. Zweitens ist von Deletionen
am Xp22.3, die NLGN4 umfassen, in mehreren autistischen Kindern
berichtet worden. Drittens erschien eine Mutation in NLGN4 de novo
bei einer Mutter eines affizierten Individuums.
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ZUSAMMENFASSUNG DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung legt nun die Identifizierung eines humanen
Autismus-Anfälligkeitsgens
offen, das für
die Diagnose, Prävention
und Behandlung von Autismus, Störungen
des autistischen Spektrums und mit Autismus assoziierten Störungen wie
auch für
die Durchmusterung therapeutisch aktiver Arzneimittel verwendet
werden kann.
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Die
vorliegende Erfindung legt insbesondere die Identifizierung eines
humanen Autismus-Anfälligkeitsgens
offen, das für
die Diagnose, Prävention
und Behandlung von Autismus und verwandten Störungen ebenso wie für die Durchmusterung
therapeutisch aktiver Arzneimittel verwendet werden kann. Spezifischer legt
die Erfindung bestimmte Allele des Hypophysen-Homöobox-Transkriptionsfaktor
1-(PITX1)-Gens offen, das mit einer Anfälligkeit für Autismus verbunden ist und
neuartige Ziele für
eine therapeutische Intervention darstellt. Die vorliegende Erfindung
betrifft spezielle Mutationen in dem PITX1-Gen und -Expressionsprodukten
wie auch diagnostische Werkzeuge und Kits, die auf diesen Mutationen
basieren. Die Erfindung kann bei der Diagnose einer Veranlagung
zu, Nachweis, Prävention
und/oder Behandlung des Asperger Syndroms, der tiefgreifenden Entwicklungsstörung, disintegrativen
Störung
im Kindesalter, geistigen Zurückgebliebenheit, von
Angst, Depression, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätsstörungen, Sprachentwicklungsverzögerung oder
vor Sprachstörungen,
Epilepsie, Stoffwechselstörung,
Immunstörung,
bipolaren Erkrankung und von weiteren psychiatrischen und neurologischen
Erkrankungen einschließlich
Schizophrenie genutzt werden.
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Die
Erfindung kann bei der Diagnose einer Veranlagung zu oder eines
Schutzes vor, Nachweis, Prävention
und/oder Behandlung von Autismus, einer Störung des autistischen Spektrums
oder einer mit Autismus assoziierten Störung genutzt werden, wobei
das Verfahren den Nachweis in einer Probe von dem Patienten des
Vorhandenseins einer Veränderung
in dem PITX1-Gen oder -Polypeptid umfasst, wobei das Vorhandensein
besagter Veränderung
auf das Vorliegen von oder auf die Veranlagung zu Autismus, zu einer
Störung des
autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung hinweist.
Das Vorhandensein besagter Veränderung
kann ebenfalls auf einen Schutz vor Autismus hinweisen.
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Ein
spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zum Nachweis des Vorliegen von oder der Veranlagung zu Autismus,
zu einer Störung
des autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten
Störung
in einem Patienten, wobei das Verfahren den Nachweis des Vorhandenseins
einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in einer Probe von dem Patienten umfasst,
wobei das Vorhandensein besagter Veränderung auf das Vorliegen von
oder auf die Veranlagung zu Autismus, zu einer Störung des
autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung hinweist.
Eine Veränderung,
die auf das Vorliegen von oder auf die Veranlagung zu Autismus,
zu einer Störung
des autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten
Störung
hinweist, ist eine Veränderung
mit einer bevorzugten Übertragung
auf Autisten. Alternativ ist eine Veränderung, die auf das Vorliegen
von oder auf die Veranlagung zu Autismus, zu einer Störung des
autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung hinweist,
eine Veränderung
mit einer höheren
Häufigkeit
bei Autisten verglichen mit nicht affizierten Individuen.
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Ein
zusätzlicher
spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zum Nachweis des Schutzes vor Autismus, einer Störung des autistischen Spektrums
oder einer mit Autismus assoziierten Störung in einem Patienten, wobei
das Verfahren den Nachweis des Vorhandenseins einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in einer Probe von dem Patienten umfasst,
wobei das Vorhandensein besagter Veränderung auf den Schutz vor
Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten Störung hinweist.
Eine Veränderung,
die auf den Schutz vor Autismus, einer Störung des autistischen Spektrums
oder einer mit Autismus assoziierten Störung hinweist, ist eine Veränderung
mit einer bevorzugten Nichtübertragung
auf Autisten. Alternativ ist eine Veränderung, die auf den Schutz
vor Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
hinweist, eine Veränderung
mit einer geringeren Häufigkeit
bei Autisten verglichen mit nicht affizierten Individuen.
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Ein
anderer spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zur Bewertung des Ansprechen eines Patienten auf eine Behandlung
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung,
wobei das Verfahren den Nachweis des Vorhandensein einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in einer Probe von dem Patienten umfasst,
wobei das Vorhandensein besagter Veränderung auf ein bestimmtes
Ansprechen auf besagte Behandlung hinweist.
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Ein
weiterer spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem
Verfahren zur Bewertung der Nebenwirkung in einem Patienten auf
eine Behandlung von Autismus, einer Störung des autistischen Spektrums oder
einer mit Autismus assoziierten Störung, wobei das Verfahren den
Nachweis des Vorhandenseins einer Veränderung in dem PITX1-Genlocus
in einer Probe von dem Patienten umfasst, wobei das Vorhandensein besagter
Veränderung
auf eine Nebenwirkung für
besagte Behandlung hinweist.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls ein Verfahren zur Prävention
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
in einem Patienten, umfassend den Nachweis des Vorhandenseins einer
Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in einer Probe von dem Patienten, wobei das Vorhandensein
besagter Veränderung
auf eine Veranlagung zu Autismus, zu einer Störung des autistischen Spektrums
oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung hinweist; und Verabreichen
einer prophylaktischen Behandlung gegen Autismus, eine Störung des
autistischen Spektrums oder eine mit Autismus assoziierte Störung.
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In
einer bevorzugten Anwendungsform ist besagte Veränderung ein oder mehrere SNP(s)
oder ein Haplotyp von SNP(s), die mit Autismus assoziiert sind.
Bevorzugt sind besagte SNP(s) aus solchen ausgewählt, die in Tabellen 1a und
1b aufgelistet sind, im Speziellen solche, die in Tabellen 3 bis
8 aufgelistet sind. Im Speziellen kann der mit Autismus assoziierte
SNP aus der aus SNP6 und SNP33 bestehenden Gruppe ausgewählt sein.
Im Speziellen umfasst besagter mit Autismus assoziierter Haplotyp
mehrere SNPs, die aus den in Tabelle 1a und 1b aufgelisteten SNPs
ausgewählt
sind, oder besteht aus diesen. Bevorzugt sind besagte SNPs aus der
Gruppe ausgewählt,
die aus den in Tabellen 3 bis 8 aufgelisteten bestehen. In einer
bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter mit Autismus
assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der Gruppe ausgewählt sind,
bestehend aus SNP6, SNP33, SNP25, SNP27, SNP29, SNP31 und SNP33.
In einer speziellen Anwendungsform umfasst oder besteht besagter
mit Autismus assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der
Gruppe ausgewählt
sind, bestehend aus SNP1, SNP3, SNP4, SNP6, SNP7, SNP21 und SNP22.
Noch spezieller ist besagter Haplotyp aus den Haplotypen ausgewählt, die
in den Tabellen 4, 6, 7 und 8 aufgelistet sind. Gegebenenfalls können die
in der vorliegenden Erfindung aufgelisteten Haplotypen einen oder
mehrere zusätzliche
SNPs umfassen. Bevorzugter kann besagter mit Autismus assoziierter
SNP SNP6 oder SNP33 sein. In einer am meisten bevorzugten Anwendungsform
umfasst oder besteht besagter Haplotyp aus SNP24, SNP25 beziehungsweise
SNP40, bevorzugt mit den Allelen 1-2-1. In einer anderen am meisten bevorzugten
Anwendungsform umfasst oder besteht besagter Haplotyp aus SNP23,
SNP25 beziehungsweise SNP33, bevorzugt mit den Allelen 1-2-1. In einer weiteren
am meisten bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter
Haplotyp aus SNP25, SNP27, SPN29, SPN31 beziehungsweise SNP33, bevorzugt
mit den Allelen 2-1-1-1-1.
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Vorzugsweise
wird die Veränderung
in dem PIXT1-Genlocus mittels Durchführen eines Hybridisierungsassays,
eines Sequenzierungsassays, eines Mikrosequenzierungsassays, eines
Oligonuldeotid-Ligationsassays, eines Konfirmation-basierten Assays,
einer Schmelzkurvenanalyse, eines denaturierenden Hochleistungsflüssigkeitschromatographie-(DHPLC)-Assays oder
eines Allel-spezifischen Amplifikationsassays bestimmt.
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Ein
spezieller Aspekt dieser Erfindung beruht in Zusammensetzungen,
umfassend Primer, Sonden und/oder Oligonuldeotide, die für einen
spezifischen Nachweis wenigstens eines SNP oder Haplotyps, der mit Autismus
assoziiert ist, in der genomischen Region, einschließlich des
PITX1-Gens, entwickelt sind, oder eine Kombination davon. Bevorzugt
sind besagte SNP(s) aus solchen ausgewählt, die in Tabellen 1a und
1b aufgelistet sind, im Speziellen solche, die in Tabellen 3 bis
8 aufgelistet sind. Im Speziellen kann besagter mit Autismus assoziierter
SNP aus der aus SNP6 und SNP33 bestehenden Gruppe ausgewählt sein.
Im Speziellen umfasst besagter mit Autismus assoziierter Haplotyp
mehrere SNPs, die aus den in Tabelle 1a und 1b aufgelisteten SNPs
ausgewählt
sind, oder besteht aus diesen. Bevorzugt sind besagte SNPs aus der
Gruppe ausgewählt,
die aus den in Tabellen 3 bis 8 aufgelisteten bestehen. In einer
bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter mit Autismus
assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der Gruppe ausgewählt sind,
bestehend aus SNP6, SNP33, SNP25, SNP27, SNP29, SNP31 und SNP33.
In einer speziellen Anwendungsform umfasst oder besteht besagter
mit Autismus assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der
Gruppe ausgewählt
sind, bestehend aus SNP1, SNP3, SNP4, SNP6, SNP7, SNP21 und SNP22.
Noch spezieller ist besagter Haplotyp aus den Haplotypen ausgewählt, die
in den Tabellen 4, 6, 7 und 8 aufgelistet sind. Gegebenenfalls können die
in der vorliegenden Erfindung aufgelisteten Haplotypen einen oder
mehrere zusätzliche
SNPs umfassen. Bevorzugter kann besagter mit Autismus assoziierter
SNP SNP6 oder SNP33 sein. In einer am meisten bevorzugten Anwendungsform
umfasst oder besteht besagter Haplotyp aus SNP24, SNP25 beziehungsweise
SNP40, bevorzugt mit den Allelen 1-2-1. In einer anderen am meisten
bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter Haplotyp
aus SNP23, SNP25 beziehungsweise SNP33, bevorzugt mit den Allelen
1-2-1. In einer
weiteren am meisten bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht
besagter Haplotyp aus SNP25, SNP27, SPN29, SPN31 beziehungsweise
SNP33, bevorzugt mit den Allelen 2-1-1-1-1.
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Die
Erfindung beruht ebenfalls in Verfahren zur Behandlung von Autismus
und/oder assoziierten Störungen
in einem Patienten durch eine Modulation der PITX1-Expression oder
Aktivität.
Derartige Behandlungen nutzen zum Beispiel PITX1-Polypeptide, PITX1-DNA-Sequenzen
(einschließlich
Antisense-Sequenzen und an den PITX1-Genlocus gerichtete RNAi),
anti-PITX1-Antikörper oder
Arzneimittel, die die PITX1-Expression oder -Aktivität modulieren.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls Verfahren zur Behandlung von Individuen,
die schädliche
Allele des PITX1-Gens tragen, einschließlich einer präsymptomatischen
Behandlung oder kombinierten Therapie, wie mit Hilfe einer Gentherapie,
Proteinsubstitutionstherapie oder mit Hilfe der Verabreichung von
PITX1-Protein-Mimetika und oder -Inhibitoren.
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Ein
weiterer Aspekt dieser Erfindung beruht in der Durchmusterung von
Arzneimitteln für
eine Therapie von Autismus oder einer assoziierten Störung, basierend
auf der Modulation eines Allels des PITX1-Gens oder dem Binden an
ein Allel des PITX1-Gens oder ein Genprodukt davon, das mit Autismus
oder einer assoziierten Störung
assoziiert ist.
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Ein
weiterer Aspekt dieser Erfindung umfasst Antikörper, die für PITX1-Polypeptidfragmente
spezifisch sind, und Derivate derartiger Antikörper, derartige Antikörper sezernierende
Hybridome und diese Antikörper umfassende
Diagnose-Kits. Bevorzugter sind besagte Antikörper für ein PITX1-Polypeptid oder
Fragment davon spezifisch, das eine Veränderung umfasst, wobei besagte
Veränderung
die Aktivität
von PITX1 modifiziert.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls ein PITX1-Gen oder ein Fragment davon,
das eine Veränderung
umfasst. Außerdem
betrifft die Erfindung ein PITX1-Polypeptid oder ein Fragment davon,
das eine Veränderung umfasst.
Bevorzugt modifiziert besagte Veränderung die Aktivität von PITX1.
In einer speziellen Anwendungsform ist besagte Veränderung
aus der in Tabelle 11 aufgelisteten Mutation ausgewählt.
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LEGENDE DER FIGUREN
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1:
Hochdichtekartierung unter Anwendung von Genomic Hybrid Identity
Profiling (GenomeHIP)
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Insgesamt
2263 BAC-Klone mit einem durchschnittlichen Intervall von 1,2 Mega-Basenpaaren
zwischen Klonen, die das gesamte Humangenom repräsentieren, wurden auf eine
Kopplung unter Verwendung von GenomeHIP getestet. Jeder Punkt entspricht
einem Klon. Ein signifikantes Anzeichen für eine Kopplung wurde für Klon BACA4ZA08
(p-Wert 6,4 × 10–7)
rechnerisch ermittelt. Die gesamte Kopplungsregion umfasste eine
Region von Basenpaar 134 095 595 bis Basenpaar 135 593 528 auf dem
humanen Chromosom 5. Der p-Wert von 2 × 10–5,
der dem Signifikanzlevel für
eine signifikante Kopplung entsprach, wurde als ein Signifikanzlevel
für die
gesamten Genome-Screens verwendet, wie von Lander und Kruglyak (1995)
vorgeschlagen.
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GENAUE BESCHREIBUNG DER ERFINDUNG
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Die
vorliegende Erfindung legt die Identifikation von PITX1 als einem
humanen Autismus-Anfälligkeitsgen
offen. Verschiedene Nukleinsäure-Proben
von 114 Familien mit Autismus wurden einem speziellen GenomeHIP-Verfahren
unterzogen. Dieses Verfahren führte
zur Identifikation von bestimmten identical-by-descent Fragmenten
in besagten Populationen, die in autistischen Patienten verändert sind.
Durch die Durchmusterung der IBD-Fragmente identifizierten wir das
Hypophysen-Homöobox-Transkriptionsfaktor
1-Gen auf Chromosom 5q31.1 (PITX1) als einen Kandidaten für Autismus
und verwandte Phänotypen.
Dieses Gen ist tatsächlich
im kritischen Intervall vorhanden und exprimiert einen funktionellen
Phänotyp,
der mit einer genetischen Regulation von Autismus in Einklang steht.
SNPs des PITX1-Gens wurden ebenfalls identifiziert und eine Korrelation
mit Autismus in Humanpatienten festgestellt. Es wurde festgestellt,
dass SNP6 und SNP33, die im PITX1-Genlocus lokalisiert sind, mit
Autismus assoziiert sind. In Tabellen 4 und 6 bis 8 aufgelistete
Haplotypen, umfassend mehrere SNPs, die aus der Gruppe ausgewählt sind,
bestehend aus SNP1, SNP3, SNP4, SNP6, SNP7, SNP21, SNP22, SNP23,
SNP24, SNP25, SNP27, SNP29, SNP31, SNP33, SNP36, SNP39 und SNP40,
sind ebenfalls als mit Autismus assoziiert identifiziert worden.
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Die
vorliegende Erfindung schlägt
folglich vor, das PITX1-Gen und die entsprechenden Expressionsprodukte
für die
Diagnose, Prävention
und Behandlung von Autismus, Störungen
des autistischen Spektrums und mit Autismus assoziierten Störungen wie
auch für
die Durchmusterung therapeutisch aktiver Arzneimittel zu verwenden.
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DEFINITIONEN
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Autismus
und Störungen
des autistischen Spektrums (ASDs); Autismus ist üblicherweise als Teil eines Spektrums
von Störungen
(ASDs) charakterisiert, einschließlich Asperger Syndrom (AS)
und anderer tiefgreifender Entwicklungsstörungen (PPD). Autismus soll
als ein beliebiger Zustand einer beeinträchtigten sozialen Interaktion
und Kommunikationen aufgefasst werden, der mit beschränkten repetitiven,
stereotypen Verhaltens-, Interessen- und Aktivitätsmustern vor Erreichen des
dritten Lebensjahrs in einem Ausmaß vorliegt, so dass die Gesundheit
beeinträchtigt
sein kann. AS unterscheidet sich von der autistischen Störung durch
das Ausbleiben einer klinisch signifikanten Verzögerung der Sprachentwicklung
bei Vorliegen der beeinträchtigen sozialen
Interaktion und beschränkten
repetitiven Verhaltens-, Interessen- und Aktivitätsmuster, die Störungen des
autistischen Spektrums (ASDs) kennzeichnen. PPD-NOS (PPD, nicht
anders bezeichnet) wird für
die Kategorisierung von Kindern genutzt, die nicht die strengen
Kriterien für
Autismus erfüllen,
aber ihnen nahe kommen, entweder weil sie einen atypischen Autismus
zeigen oder weil sie die Diagnosekriterien in zwei oder drei Schlüsselbereichen
nahezu erfüllen.
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Mit
Autismus assoziierte Störungen,
Erkrankungen oder Pathologien schließen spezifischer beliebige Stoffwechsel-
oder Immunstörungen,
Epilepsie, Angst, Depression, Aufmerksamkeitsdefizit-Hyperaktivitätssyndrom,
verzögerte
Sprachentwicklung oder Sprachstörungen,
motorische Inkoordination, geistige Zurückgebliebenheit, Schizophrenie
und bipolare Störung
ein.
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Die
Erfindung kann in verschiedenen Patienten, insbesondere Menschen,
einschließlich
Erwachsener, Kinder, und im pränatalen
Stadium angewandt werden.
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Im
Kontext dieser Erfindung bezeichnet PITX1-Genlocus alle PITX1-Sequenzen
oder Produkte in einer Zelle oder einem Organismus, einschließlich PITX1
codierender Sequenzen, PITX1 nicht-codierender Sequenzen (z. B.
Introns), PITX1 regulatorischer Sequenzen, die die Transkription,
Translation und/oder Stabilität kontrollieren
(z. B. Promotor, Enhancer, Terminator, etc.), wie auch alle entsprechenden
Expressionsprodukte, wie PITX1 RNAs (z. B. mRNAs) und PITX1-Polypeptide
(z. B. ein Prä-Protein
und ein reifes Protein). Der PITX1-Genlocus umfasst ebenfalls das PITX1-Gen
umgebende Sequenzen, die SNPs umfassen, die sich in einem Kopplungsungleichgewicht
mit SNPs befinden, die im PITX1-Gen lokalisiert sind. Zum Beispiel
umfasst der PITX1-Locus umgebende Sequenzen, die in Tabelle 1a und/oder
1b aufgelistete SNPs umfassen.
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Wie
hier in der vorliegenden Anmeldung verwendet, bezeichnet der Ausdruck „PITX1-Gen" das Hypophysen-Homöobox-Transkriptionsfaktor
1-Gen auf dem humanen Chromosom 5q31.1 wie auch Varianten, Analoga
und Fragmente davon, einschließlich
Allele davon (z. B. Keimbahnmutationen), die mit einer Anfälligkeit
für Autismus
und Autismus assoziierten Störungen
verbunden sind. Das PITX1-Gen kann ebenfalls als paired-like Homöodomäne-Transkriptionsfaktor-Hypophysen-Homöobox 1,
PTX1, Backfoot, Maus Homolog von BFT, Hypophysen-OTX-verwandter
Faktor, POTX, bezeichnet werden.
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Der
Ausdruck „Gen" soll bedeuten, dass
jede Art codierender Nukleinsäure,
einschließlich
genomischer DNA (gDNA), komplementärer DNA (cDNA), synthetischer
oder halbsynthetischer DNA, wie auch jede Form korrespondierender
RNA umfasst ist. Der Ausdruck Gen umfasst insbesondere PITX1 codierende
rekombinante Nukleinsäuren,
d. h. jedes beliebige nicht natürlich
vorkommende Nukleinsäure-Molekül, das künstlich
hergestellt ist, z. B. durch Zusammensetzen, Schneiden, Ligieren
oder Amplifizieren von Sequenzen. Ein PITX1-Gen ist typischerweise
doppelsträngig,
obwohl auch andere Formen, wie ein Einzelstrang, in Betracht kommen
können.
PITX1-Gene können
von verschiedenen Quellen und gemäß verschiedenen, in der Technik
bekannten Methoden, wie beispielsweise mittels Durchmusterung von
DNA-Bibliotheken,
oder mittels Amplifikation von verschiedenen natürlichen Quellen, erhalten werden.
Rekombinante Nukleinsäuren
können mit
Hilfe herkömmlicher
Techniken, einschließlich
chemischer Synthese, gentechnischer Methoden, enzymatischer Methoden
oder einer Kombination davon, hergestellt werden. Geeignete PITX1-Gensequenzen
können
in Genbanken, wie beispielsweise Unigene Cluster für PITX1
(Hs.84136) und Unigene Representative Sequence NM_002653 gefunden
werden. Ein besonderes Beispiel eines PITX1-Gens umfasst SEQ ID NR. 1 oder 37.
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Der
Ausdruck „PITX1-Gen" umfasst jede beliebige
Variante, jedes beliebige Fragment oder Analogon von SEQ ID NR.
1 oder 37 oder jede beliebige wie oben definierte codierende Sequenz.
Derartige Varianten umfassen zum Beispiel natürlich vorkommende Varianten
aufgrund von Allel-Variationen unter den Individuen (z. B. Polymorphismen),
mutierte Allele, die mit Autismus in Verbindung stehen, alternative
Spleißformen,
etc. Der Ausdruck Variante umfasst ebenfalls PITX1-Gensequenzen
von anderen Quellen oder Organismen. Varianten sind vorzugsweise
zu SEQ ID NR. 1 oder 37 homolog, d. h. sie zeigen eine Nukleotidsequenzidentität von wenigstens
etwa 65%, typischerweise wenigstens etwa 75%, bevorzugt wenigstens
etwa 85%, bevorzugter wenigstens etwa 95% mit SEQ ID NR. 1 oder
37. Varianten oder Analoga eines PITX1-Gens umfassen ebenfalls Nukleinsäure-Sequenzen,
die an eine wie oben definierte Sequenz (oder an einen komplementären Strang
davon) unter stringenten Hybridisierungsbedingungen hybridisieren.
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Typische
stringente Hybridisierungsbedingungen umfassen Temperaturen über 30°C, bevorzugt über 35°C, bevorzugter über 42°C und/oder
einen Salzgehalt von weniger als etwa 500 mM, bevorzugt weniger
als 200 mM. Hybridisierungsbedingungen können vom Fachmann durch Verändern von
Temperatur, Salzgehalt und/oder der Konzentration anderer Reagenzien
wie SDS, SSC, etc. reguliert werden.
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Ein
Fragment eines PITX1-Gens bezeichnet jeden beliebigen Teil von wenigstens
etwa 8 aufeinanderfolgenden Nukleotiden einer wie oben offen gelegten
Sequenz, bevorzugt wenigstens etwa 15, bevorzugter wenigstens etwa
20 Nukleotiden, noch bevorzugter wenigstens etwa 30 Nukleotiden.
Fragmente umfassen alle möglichen
Nukleotidlängen
zwischen 8 und 100 Nukleotiden, bevorzugt zwischen 15 und 100, bevorzugter zwischen
20 und 100.
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Ein
PITX1-Polypeptid bezeichnet jedes beliebige Protein oder Polypeptid,
das von einem wie oben offen gelegten PITX1-Gen codiert wird. Der
Ausdruck „Polypeptid" bezieht sich auf
jedes Molekül,
das eine Folge von Aminosäuren
umfasst. Dieser Ausdruck umfasst Moleküle verschiedener Längen, wie
Peptide und Proteine. Das Polypeptid kann modifiziert sein, wie
mittels Glycosylierungen und/oder Acetylierungen und/oder chemischer
Reaktion oder Kopplung, und kann eine oder mehrere nicht-natürliche oder
synthetische Aminosäuren enthalten.
Ein spezifisches Beispiel eines PITX1-Polypeptids umfasst die vollständige oder
einen Teil der SEQ ID NR. 2 (NP_002644).
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Der
Ausdruck „Ansprechen
auf eine Behandlung" bezieht
sich auf die Behandlungswirkung, einschließlich, aber hierauf nicht beschränkt, auf
die Fähigkeit
zur Metabolisierung einer therapeutischen Verbindung, auf die Fähigkeit
zur Umwandlung einer Prodrug in ein aktives Arzneimittel und auf
die pharmakokinetischen Eigenschaften (Absorption, Verteilung, Elimination)
und pharmakodynamischen Eigenschaften (auf Rezeptoren bezogen) eines
Arzneimittels in einem Individuum.
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Der
Ausdruck „Nebenwirkungen
einer Behandlung" bezieht
sich auf Nebenwirkungen einer Therapie, die aus weiter reichenden
Wirkungen neben der pharmakologischen Hauptwirkung des Arzneimittels
resultieren, oder auf idiosynkratische nachteilige Reaktionen, die
aus einer Wechselwirkung des Arzneimittels mit einzigartigen Wirtsfaktoren
resultieren. „Nebenwirkungen
auf eine Behandlung" umfassen,
sind aber hierauf nicht beschränkt,
nachteilige Reaktionen, wie dermatologische, hämatologische oder hepatologische
Toxizitäten, und
umfasst außerdem
gastritische und intestinale Ulzeration, Störung der Thrombocytenfunktion,
Nierenschädigungen,
allgemeine Urticaria, Bronchokonstriktion, Hypotension und Schock.
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DIAGNOSE
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Die
Erfindung stellt nun Diagnoseverfahren basierend auf das Monitoring
des PITX1-Genlocus in einem Patienten bereit. Im Kontext der vorliegenden
Erfindung umfasst der Ausdruck „Diagnose" den Nachweis, das Monitoring, die Bestimmung,
den Vergleich, etc. zu verschiedenen Stadien, einschließlich früher, präsymptomatischer
Stadien, und später
Stadien, in Erwachsenen, Kinder und vor der Geburt. Die Diagnose
umfasst üblicherweise
die Prognose, die Bewertung einer Veranlagung oder eines Risikos
der Entwicklung, die Charakterisierung eines Patienten, um die geeigneteste
Behandlung zu definieren (Pharmakogenetik), etc.
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Die
vorliegende Erfindung stellt Diagnoseverfahren bereit, um zu untersuchen,
ob ein Individuum ein Risiko einer Entwicklung von Autismus, einer
Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
trägt oder
an Autismus, an einer Störung
des autistischen Spektrums oder an einer mit Autismus assoziierten
Störung
leidet, die aus einer Mutation oder einem Polymorphismus in dem
PITX1-Genlocus resultiert. Die vorliegende Erfindung stellt ebenfalls
Verfahren bereit, um zu untersuchen, ob ein Individuum wahrscheinlich
auf ein therapeutisches Agens positiv anspricht, oder ob ein Individuum
ein Risiko einer Entwicklung einer nachteiligen Nebenwirkung auf
ein therapeutisches Agens aufweist.
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Ein
besonderer Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zum Nachweis des Vorhandenseins von oder der Veranlagung zu Autismus,
zu einer Störung
des autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten
Störung
in einem Patienten, wobei das Verfahren den Nachweis in einer Probe
von dem Patienten des Vorhandenseins einer Veränderung in dem PITX1-Genlocus
in besagter Probe umfasst. Das Vorhandensein besagter Veränderung
weist auf das Vorhandensein oder die Veranlagung zu Autismus, zu
einer Störung
des autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten
Störung
hin. Gegebenenfalls umfasst besagtes Verfahren einen vorherigen
Schritt der Bereitstellung einer Probe von einem Patienten. Vorzugsweise
wird das Vorhandensein einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in besagter Probe mit Hilfe der Genotypisierung
einer Probe nachgewiesen.
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Ein
anderer spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zum Nachweis des Schutzes vor Autismus, einer Störung des autistischen Spektrums
oder einer mit Autismus assoziierten Störung in einem Patienten, wobei
das Verfahren den Nachweis des Vorhandenseins einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in einer Probe von dem Patienten umfasst,
wobei das Vorhandensein besagter Veränderung ein Hinweis auf den
Schutz vor Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
darstellt.
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In
einer bevorzugten Anwendungsform ist besagte Veränderung ein oder mehrere SNP(s)
oder ein Haplotyp von SNP(s), die mit Autismus assoziiert sind.
Bevorzugt sind besagte SNP(s) aus solchen ausgewählt, die in Tabellen 1a und
1b aufgelistet sind, im Speziellen solche, die in Tabellen 3 bis
8 aufgelistet sind. Im Speziellen kann der mit Autismus assoziierte
SNP aus der aus SNP6 und SNP33 bestehenden Gruppe ausgewählt sein.
Im Speziellen umfasst besagter mit Autismus assoziierter Haplotyp
mehrere SNPs, die aus den in Tabelle 1a und 1b aufgelisteten SNPs
ausgewählt
sind, oder besteht aus diesen. Bevorzugt sind besagte SNPs aus der
Gruppe ausgewählt,
die aus den in Tabellen 3 bis 8 aufgelisteten bestehen. In einer
bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter mit Autismus
assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der Gruppe ausgewählt sind,
bestehend aus SNP6, SNP33, SNP25, SNP27, SNP29, SNP31 und SNP33.
In einer speziellen Anwendungsform umfasst oder besteht besagter
mit Autismus assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der
Gruppe ausgewählt
sind, bestehend aus SNP1, SNP3, SNP4, SNP6, SNP7, SNP21 und SNP22.
Noch spezieller ist besagter Haplotyp aus den Haplotypen ausgewählt, die
in den Tabellen 4, 6, 7 und 8 aufgelistet sind. Gegebenenfalls können die
in der vorliegenden Erfindung aufgelisteten Haplotypen einen oder
mehrere zusätzliche
SNPs umfassen. Bevorzugter kann besagter mit Autismus assoziierter
SNP SNP6 oder SNP33 sein. In einer am meisten bevorzugten Anwendungsform
umfasst oder besteht besagter Haplotyp aus SNP24, SNP25 beziehungsweise
SNP40, bevorzugt mit den Allelen 1-2-1. In einer anderen am meisten bevorzugten
Anwendungsform umfasst oder besteht besagter Haplotyp aus SNP23,
SNP25 beziehungsweise SNP33, bevorzugt mit den Allelen 1-2-1. In einer weiteren
am meisten bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter
Haplotyp aus SNP25, SNP27, SPN29, SPN31 beziehungsweise SNP33, bevorzugt
mit den Allelen 2-1-1-1-1.
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Ein
anderer spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zur Bewertung des Ansprechen eines Patienten auf eine Behandlung
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung,
wobei das Verfahren (i) das Bereitstellen einer Probe von dem Patienten
und (ii) das Nachweisen des Vorhandenseins einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in besagter Probe umfasst.
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Ein
anderer spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zur Bewertung des Ansprechen eines Patienten auf eine Behandlung
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung,
wobei das Verfahren das Nachweisen in einer Probe des Patienten des
Vorhandenseins einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus
in besagter Probe umfasst. Das Vorhandensein besagter Veränderung
ist ein Hinweis auf ein spezielles Ansprechen auf besagte Behandlung.
Bevorzugt wird das Vorhandensein einer Veränderung in dem PITX1-Genlocus
in besagter Probe mit Hilfe der Gentypisierung einer Probe nachgewiesen.
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Ein
weiterer spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem
Verfahren zur Bewertung der Nebenwirkungen für einen Patienten auf eine
Behandlung von Autismus, einer Störung des autistischen Spektrums
oder einer mit Autismus assoziierten Störung, wobei das Verfahren das
Nachweisen in einer Probe von dem Patienten des Vorhandenseins einer
Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in besagter Probe umfasst. Das Vorhandensein
besagter Veränderung
ist ein Hinweis auf Nebenwirkungen auf besagte Behandlung. Bevorzugt
wird das Vorhandensein einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in besagter Probe mit Hilfe der Gentypisierung
einer Probe nachgewiesen.
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In
einer bevorzugten Anwendungsform ist besagte Veränderung ein oder mehrere SNP(s)
oder ein Haplotyp von SNP(s), die mit Autismus assoziiert sind.
Bevorzugt sind besagte SNP(s) aus solchen ausgewählt, die in Tabellen 1a und
1b aufgelistet sind, im Speziellen solche, die in Tabellen 3 bis
8 aufgelistet sind. Im Speziellen kann der mit Autismus assoziierte
SNP aus der aus SNP6 und SNP33 bestehenden Gruppe ausgewählt sein.
Im Speziellen umfasst besagter mit Autismus assoziierter Haplotyp
mehrere SNPs, die aus den in Tabelle 1a und 1b aufgelisteten SNPs
ausgewählt
sind, oder besteht aus diesen. Bevorzugt sind besagte SNPs aus der
Gruppe ausgewählt,
die aus den in Tabellen 3 bis 8 aufgelisteten bestehen. In einer
bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter mit Autismus
assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der Gruppe ausgewählt sind,
bestehend aus SNP6, SNP33, SNP25, SNP27, SNP29, SNP31 und SNP33.
In einer speziellen Anwendungsform umfasst oder besteht besagter
mit Autismus assoziierter Haplotyp aus mehreren SNPs, die aus der
Gruppe ausgewählt
sind, bestehend aus SNP1, SNP3, SNP4, SNP6, SNP7, SNP21 und SNP22.
Noch spezieller ist besagter Haplotyp aus den Haplotypen ausgewählt, die
in den Tabellen 4, 6, 7 und 8 aufgelistet sind. Gegebenenfalls können die
in der vorliegenden Erfindung aufgelisteten Haplotypen einen oder
mehrere zusätzliche
SNPs umfassen. Bevorzugter kann besagter mit Autismus assoziierter SNP
SNP6 oder SNP33 sein. In einer am meisten bevorzugten Anwendungsform
umfasst oder besteht besagter Haplotyp aus SNP24, SNP25 beziehungsweise
SNP40, bevorzugt mit den Allelen 1-2-1. In einer anderen am meisten bevorzugten
Anwendungsform umfasst oder besteht besagter Haplotyp aus SNP23,
SNP25 beziehungsweise SNP33, bevorzugt mit den Allelen 1-2-1. In einer weiteren
am meisten bevorzugten Anwendungsform umfasst oder besteht besagter
Haplotyp aus SNP25, SNP27, SPN29, SPN31 beziehungsweise SNP33, bevorzugt
mit den Allelen 2-1-1-1-1.
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In
einer weiteren Anwendungsform betrifft die Erfindung ein Verfahren
zur Prävention
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
in einem Patienten, umfassend das Nachweisen des Vorhandenseins
einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus in einer Probe von dem Patienten, wobei das
Vorhandensein besagter Veränderung
auf die Veranlagung zu Autismus, zu einer Störung des autistischen Spektrums
oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung hinweist; und Verabreichen
einer prophylaktischen Behandlung gegen Autismus, eine Störung des
autistischen Spektrums oder eine mit Autismus assoziierte Störung. Besagte
prophylaktische Behandlung kann eine Verabreichung eines Arzneimittels
sein. Besagte prophylaktische Behandlung kann ebenfalls eine Verhaltenstherapie
sein.
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Diagnostika,
die das Ansprechen auf eine Behandlung oder Arzneimittel, oder Nebenwirkungen
von einer Behandlung oder einem Arzneimittel analysieren und vorhersagen,
können
verwendet werden, um zu untersuchen, ob ein Individuum mit einem
bestimmten Arzneimittel behandelt werden soll. Falls zum Beispiel
das Diagnostikum anzeigt, dass ein Individuum auf eine Behandlung
mit einem bestimmten Arzneimittel oder auf eine bestimmte Verhaltenstherapie
wahrscheinlich positiv anspricht, kann das Arzneimittel dem Individuum verabreicht
werden. Falls dagegen das Diagnostikum anzeigt, dass ein Individuum
wahrscheinlich negativ auf eine Behandlung mit einem bestimmten
Arzneimittel anspricht, kann ein alternatives Therapieverfahren
verordnet werden. Ein negatives Ansprechen kann entweder als das
Ausbleiben einer wirksamen Reaktion oder als das Auftreten von toxischen
Nebenwirkungen definiert werden.
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Klinische
Arzneimittelversuche stellen eine weitere Anwendung für die PITX1
SNPs dar. Ein oder mehrere PITX1 SNPs, die eine Reaktion auf ein
Arzneimittel oder auf Nebenwirkungen eines Arzneimittels anzeigen,
können
mit Hilfe der oben beschriebenen Verfahren identifiziert werden.
Demgemäß können mögliche Teilnehmer
von klinischen Versuchen mit einem derartigen Agens durchmustert
werden, um diejenigen Individuen zu identifizieren, die am wahrscheinlichsten
positiv auf das Arzneimittel ansprechen, und um diejenigen auszuschließen, die
wahrscheinlich Nebenwirkungen erfahren. Auf diese Weise kann die
Wirksamkeit eines Arzneimittels in Individuen bestimmt werden, die
auf das Arzneimittel positiv ansprechen, ohne die Messung als Folge
der Einbeziehung von Individuen zu verschlechtern, die wahrscheinlich
nicht positiv in der Studie reagieren, und ohne unerwünschte Sicherheitsrisiken
einzugehen.
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Klinische
Versuche für
die Bewertung des Nutzens einer Verhaltenstherapie sind ebenfalls
eine Verwendung für
PITX1 SNPs. Ein oder mehrere PITX1 SNPs, die eine Reaktion auf eine
Verhaltenstherapie oder auf Nebenwirkungen einer Verhaltenstherapie
anzeigen, können
mit Hilfe der oben beschriebenen Verfahren identifiziert werden.
Demgemäß können mögliche Teilnehmer
von klinischen Versuchen mit einer derartigen Therapie durchmustert
werden, um diejenigen Individuen zu identifizieren, die am wahrscheinlichsten
positiv auf die Therapie ansprechen, und um diejenigen auszuschließen, die
wahrscheinlich Nebenwirkungen erfahren. Auf diese Weise kann die
Wirksamkeit einer Verhaltenstherapie bei Individuen bestimmt werden,
die auf die Therapie positiv ansprechen, ohne die Messung als Folge
der Einbeziehung von Individuen zu verschlechtern, die wahrscheinlich
nicht positiv in der Studie reagieren, und ohne unerwünschte Sicherheitsrisiken
einzugehen.
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Die
Veränderung
kann auf Ebene der PITX1 gDNA, der RNA oder des Polypeptids bestimmt
werden. Gegebenenfalls wird der Nachweis mittels Durchführen eines
Hybridisierungsassays, eines Sequenzierungsassays, eines Mikrosequenzierungsassays,
eines Oligonukleotid-Ligationsassays,
eines Konfirmation-basierten Assays, einer Schmelzkurvenanalyse,
eines denaturierenden Hochleistungsflüssigchromatographie-(DHPLC)-Assays
(Jones et al., 2000) oder eines Allel-spezifischen Amplifikationsassays
erbracht. In einer speziellen Anwendungsform wird der Nachweis durch
Sequenzierung des gesamten oder eines Teils des PITX1-Gens oder
durch eine selektive Hybridisierung oder Amplifikation des gesamten
oder eines Teils des PITX1-Gens durchgeführt. Bevorzugter wird eine
für das
PITX1-Gen spezifische Amplifikation vor dem Identifizierungsschritt
der Veränderung
durchgeführt.
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Eine
Veränderung
in dem PITX1-Genlocus kann eine beliebige Form von Mutation(en),
Deletion(en), Rearrangement(s) und/oder Insertion(en) in der codierenden
und/oder nicht-codierenden
Region des Locus, allein oder in verschiedenen Kombinationen, sein.
Mutationen umfassen spezieller Punktmutationen. Deletionen können eine
beliebige Region aus einem, zwei oder mehreren Resten in einem codierenden
oder nicht-codierenden Abschnitt des Genlocus umfassen, wie von
zwei Resten bis zum gesamten Gen oder Locus. Typische Deletionen
betreffen kleinere Regionen, wie Domänen (Introns) oder Wiederholungssequenzen
oder Fragmente von weniger als etwa 50 aufeinanderfolgenden Basenpaaren,
obwohl größere Deletionen
ebenso vorkommen können.
Insertionen können
das Hinzufügen
eines oder mehrerer Reste in einem codierenden oder nicht-codierenden
Abschnitt des Genlocus umfassen.
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Insertionen
können
typischerweise ein Hinzufügen
zwischen 1 und 50 Basenpaaren in dem Genlocus umfassen. Ein Rearrangement
beinhaltet eine Inversion von Sequenzen. Die Veränderung des PITX1-Genlocus
kann zur Bildung neuer Stop-Codons, Leserahmenverschiebungen, Aminosäure-Substitutionen,
insbesondere RNA-Spleißung
oder -Prozessierung, Produktinstabilität, zur Produktion verkürzter Polypeptide,
etc, führen.
Die Veränderung
kann zur Produktion eines PITX1-Polypeptids mit einer veränderten
Funktion, Stabilität,
Ausrichtung oder Struktur führen.
Die Veränderung
kann ebenfalls eine Verringerung der Proteinexpression oder alternativ
eine Steigerung besagter Produktion hervorrufen.
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In
einer speziellen Anwendungsform des Verfahrens gemäß der vorliegenden
Erfindung wird die Veränderung
in dem PITX1-Genlocus aus einer Punktmutation, einer Deletion und
einer Insertion in dem PITX1-Gen oder dem entsprechenden Expressionsprodukt,
bevorzugter einer Punktmutation und einer Deletion, ausgewählt. Die
Veränderung
kann auf Ebene der PITX1 gDNA, RNA oder des Polypeptids bestimmt
werden.
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In
dieser Hinsicht legt die vorliegende Erfindung nun einen SNP in
dem PITX1-Gen und bestimmte Haplotypen offen, die SNPs umfassen,
die aus der Gruppe ausgewählt
sind, bestehend aus SNP1, SNP3, SNP4, SNP6, SNP7, SNP21 und SNP22,
die mit Autismus assoziiert sind. Die SNPs sind in der folgenden
Tabelle 1a aufgeführt. Tabelle 1a
| Nukleotidposition
in der genomischen Sequenz von Chromosom 5 (Build34) | SNP-Identität | dbSNP-Referenz | Polymorphismus | Position im Locus und
Art der Aminosäure-Änderung | Sequenz Referenz |
| 134298380 | SNP1 | rs319589 | A/G | 3' vom PITX1-Locus | 3 |
| 134331549 | SNP3 | rs737587 | C/T | 3' vom PITX1-Locus | 4 |
| 134344806 | SNP4 | rs737587 | C/T | 3' vom PITX1-Locus | 5 |
| 134448086 | SNP6 | rs39882 | G/T | nahe
der PITX1-Promotorregion | 6 |
| 134530030 | SNP7 | rs745558 | A/G | 5' vom PITX1-Locus | 7 |
| 135347578 | SNP21 | rs28792 | A/G | 5' vom PITX1-Locus | 8 |
| 135368924 | SNP22 | rs248166 | A/G | 5' vom PITX1-Locus | 9 |
Tabelle 1b
| Nukleotidposition
in der genomischen Sequenz von Chromosom 5 (Build34) | SNP-Identität | dbSNP-Referenz | Polymorphismus | Position
im Locus und Art der Aminosäure-Änderung | Sequenz
Referenz |
| 134331549 | SNP23 | C_644488_10/rs319589 | A
= 1/G = 2 | 5' vom PITX1-Locus | 10 |
| 134344806 | SNP24 | C_644467_10/rs737587 | C
= 1/T = 2 | 5' vom PITX1-Locus | 11 |
| 134424172 | SNP25 | C_15800861_10/rs2249596 | C
= 1/T = 2 | 5' vom PITX1-Locus | 12 |
| 134428749 | SNP26 | C_1012452_10/rs28330 | C
= 1/T = 2 | 5' vom PITX1-Locus | 13 |
| 134432016 | SNP27 | C_3199522_10/rs657223 | A
= 1/T = 2 | 5' vom PITX1-Locus | 14 |
| 134437236 | SNP28 | rs31210 | A
= 1/G = 2 | 5' vom PITX1-Locus | 15 |
| 134440733 | SNP29 | C_1012466_10/rs479632 | C
= 1/G = 2 | Missense
Mutation | 16 |
| 134441306 | SNP30 | C_1012468_20/rs474853 | C
= 1/T = 2 | Intron | 17 |
| 134442415 | SNP31 | C_27486310_10/rs3805663 | A
= 1/G = 2 | Intron | 18 |
| 134444616 | SNP32 | C_2036559_10/rs7700313 | C
= 1/T = 2 | Intron | 19 |
| 134448086 | SNP33 | C_11256661_10/rs39882 | G
= 1/T = 2 | 3' vom PITX1-Locus | 20 |
| 134451092 | SNP35 | C_8883433_10/rs1700488 | A
= 1/G = 2 | 3' vom PITX1-Locus | 21 |
| 134455172 | SNP36 | C_1012473_10/rs254550 | C
= 1/G = 2 | 3' vom PITX1-Locus | 22 |
| 134455527 | SNP37 | rs39881 | G
= 1/T = 2 | 3' vom PITX1-Locus | 23 |
| 134456746 | SNP38 | C_3199528_10/rs254551 | A
= 1/G = 2 | 3' vom PITX1-Locus | 24 |
| 134471341 | SNP39 | rs1875957 | A
= 1/G = 2 | 3' vom PITX1-Locus | 25 |
| 134498420 | SNP40 | rs254577 | A
= 1/G = 2 | 3' vom PITX1-Locus | 26 |
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In
einem beliebigen Verfahren gemäß der vorliegenden
Erfindung können
ein oder mehrere SNP in dem PITX1-Gen und bestimmte Haplotypen,
die SNP in dem PITX1-Gen und umgebenden Regionen umfassen, spezieller
solche, die in der vorliegenden Erfindung offen gelegt sind, in
Kombination mit einem anderen SNP oder Haplotyp, der mit Autismus,
einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
assoziiert ist und in einem anderen Gen oder Genen lokalisiert ist,
verwendet werden.
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In
einer anderen Variante umfasst das Verfahren den Nachweis einer
veränderten
Expression der PITX1-RNA. Eine veränderte RNA-Expression umfasst
das Vorliegen einer veränderten
RNA-Sequenz, das Vorliegen
einer veränderten
RNA-Spleißung
oder -Prozessierung, das Vorliegen einer veränderten RNA-Menge, etc. Diese
können
mit verschiedenen, in der Technik bekannten Methoden nachgewiesen
werden, einschließlich
zum Beispiel mittels Sequenzierung der gesamten oder eines Teils
der PITX1-RNA oder mittels selektiver Hybridisierung oder selektiver
Amplifikation der gesamten oder eines Teils besagter RNA.
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In
einer weiteren Variante umfasst das Verfahren den Nachweis des Vorliegen
einer veränderten
Expression des PITX1-Polypeptids. Eine veränderte Expression des PITX1-Polypeptids umfasst
das Vorhandensein einer veränderten
Polypeptid-Sequenz, das Vorhandensein einer veränderten Menge an PITX1-Polypeptid,
das Vorhandensein einer veränderten
Gewebeverteilung, etc. Diese können
mit verschiedenen, in der Technik bekannten Methoden, einschließlich zum
Beispiel mittels Sequenzierung und/oder Binden an spezifische Liganden
(wie Antikörper),
nachgewiesen werden.
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Wie
oben gezeigt, können
verschiedene, in der Technik bekannte Methoden angewandt werden,
um ein verändertes
PITX1-Gen oder veränderte
RNA-Expression oder -Sequenz nachzuweisen oder zu quantifizieren,
einschließlich
Sequenzierung, Hybridisierung, Amplifikation und/oder Binden an
spezifsche Liganden (wie Antikörper).
Andere geeignete Verfahren umfassen Allelspezifisches Oligonukleotid
(ASO), Oligonukleotid-Ligation, Allel-spezifische Amplifikation,
Southern-Blot (für
DNAs), Northern-Blot (für
RNAs), Einzelstrang-Konformationsanalyse (SSCA), PFGE, Fluoreszenz-in-situ-Hybridisierung
(FISH), Gelmigration, „clamped" denaturierende Gelelektrophorese,
denaturierende HPLC, Schmelzkurvenanalyse, Heteroduplexanalyse,
RNase-Schutz, chemische oder enzymatische Fehlpaarungs-Spaltung,
ELISA, Radioimmunoassays (RIA) und Immunoenzymassays (IEMA).
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Einige
dieser Ansätze
(z. B. SSCA und CGGE) basieren auf einer Änderung der elektrophoretischen Mobilität der Nukleinsäuren als
Folge des Vorliegen einer veränderten
Sequenz. Gemäß dieser
Methoden wird die veränderte
Sequenz durch eine Änderung
der Mobilität
auf Gelen sichtbar gemacht. Die Fragmente können dann sequenziert werden,
um die Veränderung
zu bestätigen.
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Einige
andere Ansätze
basieren auf einer spezifischen Hybridisierung zwischen Nukleinsäuren von dem
Patienten und einer Sonde, die für
das Wildtyp-Gen oder ein verändertes
PITX1-Gen oder veränderte RNA
spezifisch ist. Die Sonde kann in Suspension oder auf einem Substrat
immobilisiert vorliegen. Die Sonde ist üblicherweise markiert, um den
Nachweis der Hybride zu erleichtern.
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Einige
dieser Ansätze
sind besonders für
eine Bewertung einer Polypeptid-Sequenz oder eines Expressionslevels
geeignet, wie Northern-Blot, ELISA und RIA. Diese letzteren erfordern
die Verwendung eines für
das Polypeptid spezifischen Liganden, bevorzugter eines spezifischen
Antikörpers.
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In
einer speziellen, bevorzugten Anwendungsform umfasst das Verfahren
den Nachweis des Vorhandenseins eines veränderten PITX1-Genexpressionsprofils
in einer Probe von dem Patienten. Wie oben angegeben, kann dies
bevorzugter mittels Sequenzierung, selektiver Hybridisierung und/oder
selektiver Amplifikation von in besagter Probe vorhandener Nukleinsäuren erreicht
werden.
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Sequenzierung
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Die
Sequenzierung kann unter Anwendung von in der Technik bekannten
Methoden unter Verwendung eines automatischen Sequenzierers durchgeführt werden.
Das Sequenzierung kann mit dem vollständigen PITX1-Gen oder bevorzugter
mit spezifischen Domänen
davon durchgeführt
werden, üblicherweise
mit solchen, von denen bekannt ist oder vermutet wird, dass sie
schädliche
Mutationen oder andere Veränderungen
tragen.
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Amplifikation
-
Die
Amplifikation basiert auf der Bildung spezifischer Hybride zwischen
komplementären
Nukleinsäure-Sequenzen,
die zur Initiierung der Nukleinsäure-Reproduktion
dienen.
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Eine
Amplifikation kann gemäß verschiedenen
Methoden, die in der Technik bekannt sind, durchgeführt werden,
wie mit Hilfe der Polymerase-Kettenreaktion (PCR), Ligase-Kettenreaktion (LCR),
Strangverdrängungsamplifikation
(SDA) und Nukleinsäure
basierter Amplifikation (NASBA). Diese Methoden können unter
Verwendung im Handel erhältlicher
Reagenzien und Protokolle durchgeführt werden. Bevorzugte Methoden
nutzen Allel-spezifische PCR oder PCR-SSCP. Die Amplifikation erfordert
normalerweise die Verwendung von Nukleinsäure-Primern, um die Reaktion
zu starten.
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Nukleinsäure-Primer,
die für
ein Amplifizieren des PITX1-Gens oder -Locus zweckdienlich sind,
sind in der Lage, mit einem Abschnitt des PITX1-Genlocus, der eine
Zielregion auf besagtem Locus flankiert, spezifisch zu hybridisieren,
wobei besagte Zielregion in bestimmten Patienten mit Autismus, einer
Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
verändert
ist. Beispiele derartiger Zielregionen sind in Tabellen 1a und 1b
angegeben.
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Primer,
die für
eine Amplifizierung der PITX1-Zielregion, umfassend wie in Tabelle
1 identifizierte SNPs, verwendet werden können, können basierend auf der Seq
Id Nr. 1 oder basierend auf der genomischen Sequenz von PITX1 konstruiert
werden. In einer speziellen Anwendungsform können Primer basierend auf SEQ
ID NR. 3–26
konstruiert werden.
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Ein
anderer spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Nukleinsäure-Primer,
der für
eine Amplifizierung von Sequenzen von dem PITX1-Gen oder -Locus,
einschließlich
umgebender Regionen, zweckdienlich ist. Derartige Primer sind bevorzugt
komplementär
zu und hybridisieren spezifisch an Nukleinsäure-Sequenzen in dem PITX1-Genlocus.
Spezielle Primer sind in der Lage, mit einem Abschnitt des PITX1-Genlocus,
der eine Zielregion von besagtem Locus flankiert, spezifisch zu
hybridisieren, wobei besagte Zielregion in bestimmten Patienten
mit Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
verändert
ist.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls einen Nukleinsäure-Primer, wobei besagter
Primer zu einem Abschnitt einer PITX1 codierenden Sequenz (z. B.
Gen oder RNA) komplementär
ist und an diesen Abschnitt spezifisch hybridisiert, der in bestimmten
Patienten mit Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
verändert
ist. In dieser Hinsicht sind spezielle Primer dieser Erfindung für veränderte Sequenzen
in einem PITX1-Gen oder -RNA spezifisch. Bei Verwendung derartiger
Primer zeigt der Nachweis eines Amplifikationsprodukts das Vorliegen
einer Veränderung
in dem PITX1-Genlocus an. Im Gegensatz hierzu zeigt das Fehlen eines
Amplifikationsprodukts an, dass die spezifische Veränderung
in der Probe nicht vorliegt.
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Typische
Primer dieser Erfindung sind einzelsträngige Nukleinsäure-Moleküle mit einer
Länge von etwa
5 bis 60 Nukleotiden, bevorzugter mit einer Länge von etwa 8 bis etwa 25
Nukleotiden. Die Sequenz kann direkt von der Sequenz des PITX1-Genlocus
abgeleitet sein. Eine vollkommene Komplementarität wird bevorzugt, um eine hohe
Spezifität
sicherzustellen Allerdings kann eine gewisse Fehlpaarung toleriert
werden.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls die Verwendung eines Nukleinsäure-Primers
oder eines Nukleinsäure-Primerpaars,
wie oben beschrieben, in einem Verfahren zum Nachweis des Vorhandenseins
von oder der Veranlagung zu Autismus, zu einer Störung des
autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung in
einem Patienten oder in einem Verfahren zur Bewertung der Ansprechbarkeit
eines Patienten auf eine Behandlung von Autismus, einer Störung des
autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten Störung.
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Selektive Hybridisierung
-
Nachweisverfahren
mittels Hybridisierung basieren auf der Bildung eines spezifischen
Hybrids zwischen komplementären
Nukleinsäure-Sequenzen,
die zum Nachweisen der Nukleinsäure-Sequenzveränderung(en)
dienen.
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Eine
spezielle Nachweismethode umfasst die Verwendung einer Nukleinsäure-Sonde,
die für
das Wildtyp-Gen oder ein verändertes
PITX1-Gen oder -RNA spezifisch ist, und den nachfolgenden Nachweis
des Vorhandenseins eines Hybrids. Die Sonde kann in Suspension oder
immobilisiert an einem Substrat oder Träger (wie in Nukleinsäure-Array-
oder Chip-Techniken) vorliegen. Die Sonde ist üblicherweise markiert, um den Nachweis
der Hybride zu erleichtern.
-
In
dieser Hinsicht umfasst eine spezielle Anwendungsform dieser Erfindung
das Inkontaktbringen der Probe von dem Patienten mit einer Nukleinsäure-Sonde,
die für
einen veränderten
PITX1-Genlocus spezifisch ist, und eine Bewertung der Bildung eines
Hybrids. In einer speziellen bevorzugten Anwendungsform umfasst das
Verfahren das gleichzeitige Inkontaktbringen der Probe mit einem
Satz von Sonden, die jeweils für
den Wildtyp PITX1-Genlocus
und für
verschiedene veränderte
Formen davon spezifisch sind. In dieser Anwendungsform ist es möglich, das
Vorhandensein verschiedener Formen von Veränderungen in dem PITX1-Genlocus
in der Probe direkt nachzuweisen. Ebenfalls können verschiedene Proben von
verschiedenen Patienten parallel behandelt werden.
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Im
Kontext dieser Erfindung bezeichnet eine Sonde eine Polynukleotid-Sequenz,
die zu einem (Zielabschnitt von einem) PITX1-Gen oder -RNA komplementär ist oder
zu einem spezifischen Hybridisieren in der Lage ist, und welche
für einen
Nachweis von mit PITX1-Allelen assoziierten Polynukleotid-Polymorphismen geeignet
ist, die zu Autismus, zu einer Störung des autistischen Spektrums
oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung prädisponieren oder damit assoziiert
sind. Sonden sind vorzugsweise vollkommen komplementär zu dem
PITX1-Gen, -RNA
oder Zielabschnitt davon. Sonden umfassen typischerweise einzelsträngige Nukleinsäuren mit
einer Länge
zwischen 8 bis 1000 Nukleotiden, zum Beispiel zwischen 10 und 800,
bevorzugter zwischen 15 und 700, typischerweise zwischen 20 und
500. Es sollte einzusehen sein, dass längere Sonden genauso verwendet
werden können.
Eine bevorzugte Sonde dieser Erfindung ist ein einzelsträngiges Nukleinsäure-Molekül mit einer
Länge zwischen
8 bis 500 Nukleotiden, das an eine Region eines PITX1-Gens oder
RNA, die eine Veränderung
trägt,
spezifisch hybridisieren kann,.
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Eine
spezifische Anwendungsform dieser Erfindung ist eine Nukleinsäure-Sonde,
die für
ein verändertes
(z. B. ein mutiertes) PITX1-Gen oder -RNA spezifisch ist, d. h.
eine Nukleinsäure-Sonde, die an besagtes verändertes
PITX1-Gen oder -RNA spezifisch hybridisiert und im Wesentlichen
nicht an ein PITX1-Gen oder -RNA hybridisiert, dem/der diese Veränderung
fehlt. Die Spezifität
wird dadurch angezeigt, dass eine Hybridisierung an die Zielsequenz
ein spezifisches Signal generiert, das von dem Signal unterschieden
werden kann, welches durch eine unspezifische Hybridisierung generiert
wird. Vollkommen komplementäre
Sequenzen werden für
die Konstruktion von Sonden gemäß dieser
Erfindung bevorzugt. Es sollte allerdings einzusehen sein, dass
ein gewisses Ausmaß an
Fehlpaarung toleriert werden kann, solange das spezifische Signal
von der unspezifischen Hybridisierung unterschieden werden kann.
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Spezielle
Beispiele für
derartige Sonden sind Nukleinsäure-Sequenzen,
die zu einem Zielabschnitt der genomischen Region, einschließlich des
eine Punktmutation tragenden PITX1-Gens oder -RNA, wie in Tabelle 1 oben
aufgelistet, komplementär
sind. Insbesondere können
die Sonden eine Sequenz umfassen, die aus der Gruppe ausgewählt ist,
bestehend aus SEQ ID NR. 3–26
oder einem Fragment davon, das den SNP umfasst, oder eine komplementäre Sequenz
davon.
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Die
Sequenz der Sonden können
von Sequenzen des PITX1-Gens und -RNA abgeleitet sein, wie sie in
der vorliegenden Anmeldung bereitgestellt werden. Nukleotid-Substitutionen
wie auch chemische Modifizierungen der Sonde können gemacht werden. Derartige
chemische Modifizierungen können
gemacht werden, um die Stabilität
der Hybride zu erhöhen
(z. B. interkalierende Gruppen) oder die Sonde zu markieren. Typische
Beispiele für
Markierungen umfassen, ohne Beschränkung, Radioaktivität, Fluoreszenz,
Lumineszenz, Markieren mit Enzymen, etc.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls die Verwendung einer wie oben beschriebenen
Nukleinsäure-Sonde in einem Verfahren
zum Nachweis des Vorliegen von oder der Veranlagung zu Autismus,
zu einer Störung
des autistischen Spektrums oder zu einer mit Autismus assoziierten
Störung
in einem Patienten oder in einem Verfahren zur Bewertung des Ansprechen
eines Patienten auf eine Behandlung von Autismus, einer Störung des autistischen
Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten Störung.
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Oligonukleotid-Ligation
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Der
Oligonukleotid-Ligationsassay ist ein Verfahren, das aus der Konstruktion
von 3 spezifischen Primer pro SNP besteht, wobei zwei Primer das
SNP basenspezifische 3'-Ende
tragen, und ein gewöhnlicher
Primer 5' mit der
nächsten
Base in der Zielsequenz startet. Die beiden Allel-spezifischen Primer
tragen ein Tag mit einer einzigartigen Sequenzen, die jedes Allel
kennzeichnet. Primer werden an die Zielsequenz angelagert und eine
Ligationsreaktion wird die Allel-spezifischen Primer mit dem gewöhnlichen
Primer verknüpfen,
falls die Allelspezifische 3'-Base
vorhanden ist. Eine kurze, mit Fluoreszenzfarbstoff markierte Sonde,
die zum Tag der einzigartigen Sequenz homolog ist, wird dann an
das immobilisierte Produkt hybridisiert, was den Nachweis des entsprechenden
Allels ermöglicht.
Bin Oligo-Ligationskit ist im Handel erhältlich (SNPlex, Applied Biosystems,
Forster City).
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Spezifische Ligandbindung
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Wie
oben angegeben, kann eine Veränderung
in dem PITX1-Genlocus ebenfalls mittels Durchmusterung auf Veränderungen)
in der PITX1-Polypeptid-Sequenz oder in den PITX1-Experessionslevels
nachgewiesen werden. In dieser Hinsicht umfasst eine spezifische
Anwendungsform dieser Erfindung das Inkontaktbringen der Probe mit
einem für
ein PITX1-Polypeptid
spezifischen Liganden und Bestimmung der Komplexbildung.
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Unterschiedliche
Ligandtypen, wie spezifische Antikörper, können verwendet werden. In einer
spezifischen Anwendungsform wird die Probe mit einem für ein PITX1-Polypeptid
spezifischen Antikörper
in Kontakt gebracht und die Bildung eines Immunkomplexes wird bestimmt.
Verschiedene Verfahren zum Nachweis eines Immunkomplexes können angewandt
werden, wie beispielsweise ELISA, Radioimmunoassays (RIA) und Immunoenzymassays
(IEMA).
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Im
Kontext dieser Erfindung steht Antikörper für einen polyklonalen Antikörper, einen
monoklonalen Antikörper
wie auch für
Fragmente oder Derivate davon mit der im Wesentlichen gleichen Antigenspezifität. Fragmente
umfassen Fab, Fab'2,
CDR-Regionen, etc. Derivate umfassen einzelkettige Antikörper, humanisierte
Antikörper,
polyfunktionelle Antikörper,
etc.
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Ein
für ein
PITX1-Polypeptid spezifischer Antikörper bezeichnet einen Antikörper, der
ein PITX1-Polypeptid selektiv bindet, nämlich einen Antikörper, der
gegen ein PITX1-Polypeptid oder ein Epitop enthaltendes Fragment
davon gezüchtet
ist. Obwohl ein unspezifisches Binden an anderen Antigenen vorkommen
kann, erfolgt ein Binden an das PITX1-Zielpolypeptid mit einer höheren Affinität und kann
von einem unspezifischen Binden zuverlässig unterschieden werden.
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In
einer spezifischen Anwendungsform umfasst das Verfahren das Inkontaktbringen
einer Probe von dem Patienten mit (einem Träger beschichtet mit) einem
Antikörper,
der für
eine veränderte
Form eines PITX1-Polypeptids spezifisch ist, und Bestimmen des Vorhandenseins
eines Immunkomplexes. In einer speziellen Anwendungsform kann die
Probe gleichzeitig oder parallel oder nacheinander mit verschiedenen
(beschichteten Trägern
mit) Antikörpern
in Kontakt gebracht werden, die für verschiedene Formen eines PITX1-Polypeptids
spezifisch sind, wie ein Wildtyp und verschiedene veränderte Formen
davon.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls die Verwendung eines Liganden, bevorzugt
eines Antikörpers,
eines Fragments oder eines Derivates davon, wie sie oben beschrieben
sind, in einem Verfahren zum Nachweis des Vorliegens von oder der
Veranlagung zu Autismus, zu einer Störung des autistischen Spektrums
oder zu einer mit Autismus assoziierten Störung in einem Patienten oder
in einem Verfahren zur Bewertung des Ansprechen eines Patienten
auf eine Behandlung von Autismus, einer Störung des autistischen Spektrums
oder einer mit Autismus assoziierten Störung.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls ein Diagnose-Kit, umfassend Produkte
und Reagenzien für
den Nachweis in einer Probe von einem Patienten des Vorhandenseins
einer Veränderung
in dem PITX1-Gen oder -Polypeptid, in der Expression des PITX1-Gen
oder -Polypeptids und/oder PITX1-Aktivität. Besagtes Diagnose-Kit gemäß der vorliegenden
Erfindung umfasst einen Primer, ein Primerpaar, eine Nukleinsäure-Sonde
und/oder einen Liganden, bevorzugt Antikörper, die in der vorliegenden
Erfindung beschrieben sind. Besagtes Diagnose-Kit gemäß der vorliegenden
Erfindung kann außerdem
Reagenzien und/oder Protokolle zur Durchführung einer Hybridisierung,
Amplifikation oder Antigen-Antikörper-Immunreaktion
umfassen.
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Die
Diagnoseverfahren können
in vitro, ex vitro oder in vivo, bevorzugt in vitro oder ex vivo,
durchgeführt
werden. Sie verwenden eine Probe von dem Patienten, um den Status
des PITX1-Genlocus
zu bewerten. Die Probe kann eine beliebige, von dem Patienten stammende
Probe sein, die Nukleinsäuren
oder Polypeptide enthält.
Beispiele für
derartige Proben umfassen Flüssigkeiten,
Gewebe, Zellproben, Organe, Biopsien, etc. Die bevorzugtesten Proben
sind Blut, Plasma, Speichel, Urin, Samenflüssigkeit, etc. Eine pränatale Diagnose kann
ebenfalls durch Testen von zum Beispiel Fötus- oder Plazentazellen durchgeführt werden.
Die Probe kann mit herkömmlichen
Techniken gewonnen und für
eine Diagnose unmittelbar verwendet werden oder aufbewahrt werden.
Die Probe kann vor Durchführung
des Verfahrens behandelt werden, um Nukleinsäuren oder Polypeptide zum Testen
verfügbar
zu machen oder um deren Verfügbarkeit
zu verbessern. Behandlungen umfassen zum Beispiel Lyse (z. B. mechanisch,
physikalisch, chemisch, etc.), Zentrifugation, etc. Ebenfalls können die
Nukleinsäuren
und/oder Polypeptide mit herkömmlichen
Techniken vorgereinigt oder angereichert und/oder in ihrer Komplexität verringert
werden. Nukleinsäuren
und Polypeptide können
ebenfalls mit Enzymen behandelt oder anderen chemischen oder physikalischen
Behandlungen unterzogen werden, um Fragmente davon herzustellen.
Angesichts der hohen Empfindlichkeit der beanspruchten Verfahren
sind sehr geringe Probenmengen zur Durchführung des Assays hinreichend.
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Wie
angegeben, wird die Probe bevorzugt mit Reagenzien, wie Sonden,
Primer oder Liganden, in Kontakt gebracht, um das Vorhandensein
eines veränderten
PITX1-Genlocus zu bewerten. Das Inkontaktbringen kann in jeder geeigneten
Vorrichtung, wie Platte, Röhrchen,
Vertiefung, Glas, etc., durchgeführt
werden. In spezifischen Anwendungsformen erfolgt das Inkontaktbringen
auf einem Substrat, das mit dem Reagenz, wie einem Nukleinsäure-Array
oder einem spezifischen Liganden-Array, beschichtet ist. Das Substrat
kann ein festes oder halbfestes Substrat sein, wie ein beliebiger
Träger,
der Glas, Kunststoff, Nylon, Papier, Metall, Polymere und dergleichen
umfasst. Das Substrat kann verschiedene Formen und Formate einnehmen,
wie ein Objektträger,
eine Membran, ein Kügelchen,
eine Säule,
etc. Das Inkontaktbringen kann unter beliebigen Bedingungen erfolgen,
die zur Bildung eines Komplexes zwischen Reagenz und Nukleinsäuren oder
Polypeptiden der Probe geeignet sind.
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Die
Feststellung eines veränderten
PITX1-Polypeptids, -RNA oder -DNA in der Probe zeigt das Vorhandensein
eines veränderten
PITX1-Genlocus in dem Patienten an, was mit dem Vorliegen von, der
Veranlagung zu oder einem Entwicklungsstadium von Autismus, einer
Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
korreliert werden kann. Zum Beispiel besitzt ein Individuum mit
einer PITX1-Mutation in der Keimbahn ein erhöhtes Risiko für eine Entwicklung
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung.
Die Bestimmung des Vorhandenseins eines veränderten PITX1-Genlocus in einem
Patienten erlaubt ebenfalls die Entwicklung einer geeigneten therapeutischen
Intervention, die wirksamer und individueller ist. Ebenfalls erlaubt
diese Bestimmung auf präsymptomatischer
Ebene eine anzuwendende Präventionstherapie.
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Kopplungsungleichgewicht
-
Sobald
ein erster SNP in einer genomischen Region von Interesse, spezieller
im PITX1-Genlocus, identifiziert
worden ist, kann der Fachmann weitere SNPs, die sich im Kopplungsungleichgewicht
mit diesem ersten SNP befinden, leicht identifizieren. Tatsächlich wird
jeder SNP in einem Kopplungsungleichgewicht mit dem ersten SNP,
der mit Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
assoziiert ist, mit diesem Merkmal verknüpft sein. Sobald diese Verknüpfung zwischen
einem gegebenen SNP und Autismus oder einer assoziierten Störung gezeigt
worden ist, kann deshalb die Entdeckung weiterer, mit diesem Merkmal
assoziierter SNPs von großem
Interesse sein, um die Dichte von SNPs in dieser speziellen Region
zu erhöhen.
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Die
Identifikation weiterer SNPs im Kopplungsungleichgewicht mit einem
gegebenen SNP umfasst: (a) Amplifizieren eines Fragments von der
genomischen Region, die einen ersten SNP umfasst oder umgibt, von einer
Vielzahl an Individuen; (b) Identifizieren zweiter SNPs in der genomischen
Region, die besagten ersten SNP umgibt oder beherbergt; (c) Durchführung einer
Kopplungsungleichgewichtsanalyse zwischen besagtem ersten SNP und
zweiten SNPs; und (d) Auswahl besagter zweiter SNPs, wenn sie im
Kopplungsungleichgewicht mit besagtem ersten Marker sind. Unterkombinationen,
die Schritte (b) und (c) umfassen, kommen ebenfalls in Betracht.
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Verfahren
zur Identifizierung von SNPs und zur Durchführung einer Analyse des Kopplungsungleichgewichts
können
vom Fachmann ohne weiteres unter Anwendung weit bekannter Verfahren
durchgeführt
werden.
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Diese
SNPs im Kopplungsungleichgewicht können ebenfalls in Verfahren
gemäß der vorliegenden
Erfindung und spezieller in Diagnoseverfahren gemäß der vorliegenden
Erfindung verwendet werden.
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Zum
Beispiel ist ein Kopplungslocus von Morbus Crohn in einer großen Region,
die sich 18 cM auf Chromosom 5q31 erstreckt, kartiert worden (Rioux
et al., 2000 und 2001). Unter Verwendung dichter Karten von Mikrosatelliten-Markern
und SNPs über
die gesamte Region wurde ein starker Hinweis auf ein Kopplungsungleichgewicht
(LD) gefunden. Nachdem ein Hinweis auf ein LD gefunden wurde, entwickelten
die Autoren eine ultra-hochdichte SNP-Karte und untersuchten eine
dichtere Kollektion von Markern, die aus dieser Karte ausgewählt wurden.
Multilocus-Analysen definierten einen einzigen allgemeinen Risiko-Haplotyp,
der durch mehrfache SNPs gekennzeichnet war, die jeweils unabhängig voneinander
unter Verwendung von TDT assoziiert waren. Diese SNPs waren für den Risiko-Haplotyp
einzigartig und in ihrem Informationsgehalt aufgrund ihres fast
vollständigen
LD miteinander im Wesentlichen identisch. Die äquivalenten Eigenschaften dieser SNPs
machen die Identifizierung der kausalen Mutation innerhalb dieser
Region basierend auf ausschließlich eines
genetischen Anzeichens unmöglich.
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Kausale Mutation
-
Mutationen
in dem PITX1-Gen, die für
Autismus oder eine assoziierte Störung verantwortlich sind, können durch
Vergleich der Sequenzen des PITX1-Gens von Patienten, die Autismus
oder eine assoziierte Störung
aufweisen, mit den entsprechenden Sequenzen von Kontrollpersonen
identifiziert werden. Basierend auf dem identifizierten Zusammenhang
zwischen SNPs von PITX1 und Autismus oder einer assoziierten Störung, kann
der Locus auf Mutationen abgesucht werden. In einer bevorzugten
Anwendungsform werden funktionelle Regionen, wie Exons, Spleißstellen,
Promotoren und andere regulatorische Regionen des PITX1-Gens auf
Mutationen abgesucht. Vorzugsweise Patienten, die Autismus oder
eine assoziierte Störung aufweisen,
tragen die Mutation, von der eine Verknüpfung mit Autismus oder einer
assoziierten Störung
gezeigt worden ist, und Kontrollpersonen tragen keine mit Autismus
oder einer assoziierten Störung
in Verbindung stehende Mutation oder Allel. Es könnte ebenfalls möglich sein,
dass Patienten, die Autismus oder eine assoziierte Störung aufweisen,
die Mutation, von der eine Verknüpfung
mit Autismus oder einer assoziierten Störung gezeigt worden ist, mit
einer höheren
Häufigkeit
als Kontrollpersonen tragen.
-
Das
für den
Nachweis derartiger Mutationen angewandte Verfahren umfasst im Allgemeinen
die folgenden Schritte: Amplifikation einer Region des PITX1-Gens,
umfassend einen SNP oder eine Gruppe von SNPs, die mit Autismus
oder einer assoziierten Störung
verknüpft
sind, von DNA-Proben des PITX1-Gens von Patienten, die Autismus
oder eine assoziierte Störung
aufweisen, und Kontrollpersonen; Sequenzierung der amplifizierten
Region; Vergleich von DNA-Sequenzen des PITX1-Gens von Patienten,
die Autismus oder eine assoziierte Störung aufweisen, und Kontrollpersonen;
Bestimmung von Mutationen, die für
Patienten mit Autismus oder einer assoziierten Störung spezifisch
sind.
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Deshalb
kann die Identifizierung einer kausalen Mutation in dem PITX1-Gen
von einem Fachmann ohne weiteres mit Hilfe weit bekannter Verfahren
durchgeführt
werden. Zum Beispiel sind in den folgenden Beispielen die kausale
Mutationen mit Hilfe von Routineverfahren identifiziert worden.
-
Hugot
et al. (2001) wandte eine Positionsklonierungsstrategie an, um Genvarianten
mit einer Anfälligkeit
für Morbus
Crohn in einer Region von Chromosom 16 zu identifizieren, von der
bereits festgestellt worden ist, dass sie mit einer Anfälligkeit
für Morbus
Crohn in Verbindung steht. Um die Position des potentiellen Anfälligkeitslocus
genauer zu bestimmen, wurden 26 Mikrosatellitenmarker gentypisiert
und auf eine Assoziation mit Morbus Crohn mit Hilfe des Transmission-Disequilibrium-Test
getestet. Eine grenzsignifikante Assoziation wurde zwischen einem
Allel des Mikrosatellitenmarkers D16S136 festgestellt. Elf weitere
SNPs wurden von den umgebenden Regionen ausgewählt und mehrere SNPs zeigten
eine signifikante Assoziation. Es wurde festgestellt, dass SNP5-8
von dieser Region in einem einzigen Exon des NOD2/CARD15-Gens vorhanden waren
und von denen gezeigt wurde, dass sie nicht-synonyme Varianten waren.
Dies veranlasste die Autoren, die vollständige codierende Sequenz dieses
Gens in 50 MC-Patienten
zu sequenzieren. Es wurden zwei weitere nicht-synonyme Mutationen
(SNP12 und SNP13) gefunden. SNP13 war der am signifikanteste assoziierte SNP
(p = 6 × 10–6)
bei Anwendung des Pedigree-Transmission-Disequilibrium-Tests. In
einer anderen unabhängigen
Studie wurde die gleiche Variante durch Sequenzieren der codierenden
Region dieses Gens von 12 affizierten Individuen bei einem Vergleich
mit 4 Kontrollen ebenfalls gefunden (Ogura et al., 2001). Das seltene Allel
von SNP 13 entsprach einer 1-bp Insertion, von der vorhergesagt
wurde, dass sie das NOD2/CARD15-Protein verkürzt. Dieses Allel war ebenfalls
in normalen gesunden Individuen vorhanden, wenn auch mit einer signifikant
geringeren Häufigkeit
verglichen mit den Kontrollen.
-
Ähnlicherweise
führten
Lesage et al. (2002) eine Mutationsanalyse von CARD15 mit 453 Patienten
mit MC, die 166 sporadische und 287 familiäre Fälle umfassten, mit 159 Patienten
mit ulzerativer Colitis (UC) und 103 gesunden Kontrollpersonen mittels
einer systematischen Sequenzierung der codierenden Region durch. Von
67 identifizierten Sequenzvariationen besaßen 9 eine Allelhäufigkeit > 5% in Patienten mit
MC. Sechs von diesen wurden als Polymorphismen erachtet und bei
dreien (SNP12-R702W, SNP8-G908R und SNP13-1007fs) wurde bestätigt, dass
sie mit einer Anfälligkeit
für MC
unabhängig
voneinander assoziiert waren. Ebenfalls als potentiell krankheitsauslösende Mutationen
(DCMs) wurden weitere 27 seltene Mutationen erachtet. Die drei Hauptvarianten
(R702W, G908R und 1007fs) repräsentierten
32%, 18% beziehungsweise 31% der gesamten MC-Mutationen, wohingegen
die gesamten 27 seltenen Mutationen 19% der DCMs repräsentierten.
Insgesamt waren 93% der Mutationen in dem distalen Drittel des Gens
lokalisiert. Es wurde keine Mutation festgestellt, die mit UC assoziiert
war. Im Gegenteil 50% der Patienten mit MC trugen wenigstens eine DCM,
einschließlich
17%, die eine doppelte Mutation besaßen.
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Arzneimittel-Durchmusterung
-
Die
vorliegende Erfindung stellt ebenfalls neuartige Ziele und Verfahren
für die
Durchmusterung von Arzneimittel- oder Wirkstoffkandidaten bereit.
Die Verfahren umfassen Bindungsassays und/oder funktionelle Assays
und können
in vitro, in Zellsystemen, in Tieren, etc. durchgeführt werden.
-
Ein
spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zur Auswahl von Verbindungen, die gegen Autismus, eine Störung des
autistischen Spektrums oder eine mit Autismus assoziierte Störung aktiv sind,
wobei besagtes Verfahren das Inkontaktbringen in vitro einer Testverbindung
mit einem PITX1-Gen oder Polypeptid gemäß der vorliegenden Erfindung
und die Untersuchung des Vermögens
besagter Testverbindung, besagtes PITX1-Gen oder -Polypeptid zu
binden, umfasst. Das Binden an besagtes Gen oder Polypeptid liefert
einen Hinweis auf das Vermögen
der Verbindung, die Aktivität
besagten Ziels zu modulieren, und folglich einen Stoffwechselweg
zu beeinflussen, der zu Autismus, zu einer Störung des autistischen Spektrums oder
zu einer mit Autismus assoziierten Störung in einem Patienten führt. In
einer bevorzugten Anwendungsform umfasst das Verfahren das Inkontaktbringen
in vitro einer Testverbindung mit einem PITX1-Polypeptid oder Fragment
davon gemäß der vorliegenden
Erfindung und die Untersuchung des Vermögens besagter Testverbindung,
besagtes PITX1-Polypeptid oder Fragment zu binden. Das Fragment
umfasst bevorzugt eine Bindungsstelle des PITX1-Polypeptids. Bevorzugt
ist besagtes PITX1-Gen oder -Polypeptid oder Fragment davon ein
verändertes
oder mutiertes PITX1-Gen oder -Polypeptid oder Fragment davon, das
die Veränderung oder
Mutation umfasst.
-
Ein
spezieller Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zur Auswahl von Verbindungen, die gegen Autismus, eine Störung des
autistischen Spektrums oder eine mit Autismus assoziierte Störung aktiv sind,
wobei besagtes Verfahren das Inkontaktbringen in vitro einer Testverbindung
mit einem PITX1-Polypeptid gemäß der vorliegenden
Erfindung oder einem die Bindungsstelle enthaltenden Fragment davon
und die Untersuchung des Vermögens
besagter Testverbindung, besagtes PITX1-Polypeptid oder Fragment
davon zu binden, umfasst. Bevorzugt ist besagtes PITX1-Polypeptid
oder Fragment davon ein verändertes
oder mutiertes PITX1-Polypeptid oder Fragment davon, das die Veränderung
oder Mutation umfasst.
-
In
einer weiteren speziellen Anwendungsform umfasst das Verfahren das
Inkontaktbringen einer rekombinanten Wirtszelle, die ein PITX1-Polypeptid
gemäß der vorliegenden
Erfindung exprimiert, mit einer Testverbindung und die Untersuchung
des Vermögens
besagter Testverbindung, besagtes PITX1 zu binden und die Aktivität des PITX1-Polypeptids
zu modulieren. Bevorzugt ist besagtes PITX1-Polypeptid oder Fragment
davon ein verändertes
oder mutiertes PITX1-Polypeptid oder Fragment davon, das die Veränderung
oder Mutation umfasst.
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Die
Untersuchung der Bindung kann mit verschiedenen Methoden, wie durch
Markieren der Testverbindung, durch Konkurrenz mit einem markierten
Referenzliganden, etc. durchgeführt
werden.
-
Ein
weiterer Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren zur
Auswahl von Verbindungen, die gegen Autismus, eine Störung des
autistischen Spektrums oder eine mit Autismus assoziierte Störung aktiv sind,
wobei besagtes Verfahren das Inkontaktbringen in vitro einer Testverbindung
mit einem PITX1-Polypeptid gemäß der vorliegenden
Erfindung und die Untersuchung des Vermögens besagter Testverbindung,
die Aktivität
besagten PITX1-Polypeptids
zu modulieren, umfasst. Bevorzugt ist besagtes PITX1-Polypeptid
oder Fragment davon ein verändertes
oder mutiertes PITX1-Polypeptid oder Fragment davon, das die Veränderung oder
Mutation umfasst.
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Ein
weiterer Gegenstand dieser Erfindung beruht in einem Verfahren zur
Auswahl von Verbindungen, die gegen Autismus, eine Störung des
autistischen Spektrums oder eine mit Autismus assoziierte Störung aktiv sind,
wobei besagtes Verfahren das Inkontaktbringen in vitro einer Testverbindung
mit einem PITX1-Polypeptid gemäß der vorliegenden
Erfindung und die Untersuchung des Vermögens besagter Testverbindung,
die Expression besagten PITX1-Gens zu modulieren, umfasst. Bevorzugt
ist besagtes PITX1-Gen oder Fragment davon ein verändertes
oder mutiertes PITX1-Gen oder Fragment davon, das die Veränderung
oder Mutation umfasst.
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In
einer anderen Anwendungsform betrifft diese Erfindung ein Verfahren
zur Durchmusterung, Auswahl oder Identifizierung von aktiven Verbindungen,
speziell von Verbindungen, die gegen Autismus, eine Störung des
autistischen Spektrums oder eine mit Autismus assoziierte Störung aktiv
sind, wobei besagtes Verfahren das Inkontaktbringen einer Testverbindung
mit einer ein Reporterkonstrukt umfassenden rekombinanten Wirtszelle,
wobei besagtes Reporterkonstrukt ein Reportergen unter der Kontrolle
von einem PITX1-Genpromotor umfasst, und Auswahl der Testverbindungen,
die die Expression des Reportergens modulieren (z. B. stimulieren
oder reduzieren), umfasst. Bevorzugt ist besagter PITX1-Genpromotor
oder Fragment davon ein veränderter
oder mutierter PITX1-Genpromotor oder Fragment davon, der/das die
Veränderung
oder Mutation umfasst.
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In
einer speziellen Anwendungsform der Durchmusterungsverfahren ist
die Modulation eine Inhibierung. In einer anderen speziellen Anwendungsform
der Durchmusterungsverfahren ist die Modulation eine Aktivierung.
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Die
obigen Durchmusterungsassays können
in jeder beliebigen geeigneten Vorrichtung, wie Platten, Röhrchen,
Schalen, Kolben, etc. ausgeführt
werden. Üblicherweise
wird der Assay in Platten mit mehreren Vertiefungen durchgeführt. Mehrere
Testverbindungen können
parallel getestet werden. Außerdem
kann die Testverbindung unterschiedlichen Ursprungs, unterschiedlicher
Natur und Zusammensetzung sein. Sie kann jede beliebige organische
oder anorganische Substanz, wie ein Lipid, Peptid, Polypeptid, Nukleinsäure, kleines
Molekül,
etc., in isolierter Form oder als Gemisch mit anderen Substanzen,
sein. Die Verbindungen können zum
Beispiel die gesamte oder Teil einer kombinatorischen Bibliothek
von Produkten sein.
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PHARMAZEUTISCHE ZUSAMMENSETZUNG, THERAPIE
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Ein
weiterer Gegenstand dieser Erfindung ist eine pharmazeutische Zusammensetzung,
umfassend (i) ein PITX1-Polypeptid oder ein Fragment davon, eine
Nukleinsäure,
die ein PITX1-Polypeptid codiert, oder ein Fragment davon, einen
Vektor oder eine rekombinante Wirtszelle, wie sie oben beschrieben
sind, und (ii) einen pharmazeutisch verträglichen Träger oder Vehikulum.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls ein Verfahren zur Behandlung oder Prävention
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
in einem Patienten, wobei das Verfahren das Verabreichen eines funktionsfähigen (z.
B. Wildtyp) PITX1-Polypeptids
oder einer dasselbe codierenden Nukleinsäure an besagten Patienten umfasst.
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Eine
andere Anwendungsform dieser Erfindung beruht in einem Verfahren
zur Behandlung oder Prävention
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung in
einem Patienten, wobei das Verfahren das Verabreichen an besagten
Patienten einer Verbindung umfasst, die die Expression oder Aktivität eines
PITX1-Gens oder -Proteins gemäß der vorliegenden
Erfindung moduliert, vorzugsweise aktiviert oder imitiert. Besagte
Verbindung kann ein Agonist oder Antagonist von PITX1, eine Antisense-RNAi
von PITX1, ein Antikörper
oder ein Fragment oder ein Derivat davon sein, der/das für ein PITX1-Polypeptid gemäß der vorliegenden
Erfindung spezifisch ist. In einer speziellen Anwendungsform des Verfahrens
ist die Modulation eine Inhibition. In einer anderen speziellen
Anwendungsform des Verfahrens ist die Modulation eine Aktivierung.
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Die
Erfindung betrifft ebenfalls allgemein die Verwendung eines funktionsfähigen PITX1-Polypeptids, einer
dasselbe codierenden Nukleinsäure
oder einer Verbindung, welche(s) die Expression oder Aktivität eines PITX1-Gens
oder -Proteins gemäß der vorliegenden
Erfindung moduliert, in der Herstellung einer pharmazeutischen Zusammensetzung
zur Behandlung oder Prävention
von Autismus, einer Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
in einem Patienten. Besagte Verbindung kann ein Agonist oder Antagonist
von PITX1, eine Antisense-RNAi von PITX1, ein Antikörper oder
ein Fragment oder ein Derivat davon sein, der/das für ein PITX1-Polypeptid
gemäß der vorliegenden
Erfindung spezifisch ist. In einer speziellen Anwendungsform des
Verfahrens ist die Modulation eine Inhibition. In einer anderen
speziellen Anwendungsform des Verfahrens ist die Modulation eine
Aktivierung.
-
Die
vorliegende Erfindung zeigt die Korrelation zwischen Autismus, einer
Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten
Störung
und dem PITX1-Genlocus. Die Erfindung stellt folglich ein neuartiges
Ziel für
eine therapeutische Intervention bereit. Verschiedene Versuchsansätze können in
Erwägung
gezogen werden, um die PITX1-Aktivität oder -Funktion in einem Patienten
wiederherzustellen oder zu modulieren, insbesondere in denjenigen,
die einen veränderten
PITX1-Genlocus tragen. Es wird vermutet, dass eine Übertragung
der Wildtyp-Funktion auf derartige Patienten, eine Phänotypexpression
von Autismus, Störungen
des autistischen Spektrums oder mit Autismus assoziierten Störungen in
einer kranken Zelle oder einem kranken Organismus supprimiert. Die Übertragung
einer derartigen Funktion kann durch eine Gen- oder Proteintherapie
oder durch Verabreichen von Verbindungen erfolgen, die die PITX1-Polypeptidaktivität modulieren
oder imitieren (z. B. wie in den obigen Durchmusterungsassys identifizierte
Agonisten).
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Das
Wildtyp PITX1-Gen oder ein funktionsfähiger Teil davon kann in die
Zellen des Patienten, der dieses benötigt, unter Verwendung eines
wie oben beschriebenen Vektors eingeführt werden. Der Vektor kann ein
viraler Vektor oder ein Plasmid sein. Das Gen kann ebenfalls als
nackte DNA eingeführt
werden. Das Gen kann so bereitgestellt werden, dass es sich in das
Genom der Empfängerwirtszellen
integriert oder dass es extrachromosomal bleibt. Eine Integration
kann zufällig
oder an genau definierten Stellen, wie durch eine homologe Rekombination,
erfolgen. Insbesondere kann eine funktionstfähige Kopie des PITX1-Gens als
Ersatz für
eine veränderte
Version in einer Zelle mittels homologer Rekombination inseriert
werden. Weitere Methoden umfassen die Gen-Kanone, Liposomen-vermittelte
Transfektion, kationisches Lipid-vermittelte Transfektion, etc.
Eine Gentherapie kann mittels direkter Gen-Injektion oder mittels
Verabreichen ex vivo präparierter
und gentechnisch veränderter
Zellen, die ein funktionsfähiges
PITX1-Polypeptid exprimieren, durchgeführt werden.
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Andere
Moleküle
mit einer PITX1-Aktivität
(z. B. Peptide, Arzneimittel, PTX1-Agonisten oder organische Verbindungen)
können
ebenfalls für
eine Wiederherstellung einer funktionellen PITX1-Aktivität in einem Patienten
oder für
eine Suppression des schädlichen
Phänotyps
in einer Zelle verwendet werden.
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Eine
Wiederherstellung einer funktionellen PITX1-Genfunktion in einer
Zelle kann genutzt werden, um die Entwicklung von Autismus, einer
Störung
des autistischen Spektrums oder einer mit Autismus assoziierten Störung zu
verhindern oder die Progression von besagter Krankheit zu verringern.
Eine derartige Behandlung kann den Autismus assoziierten Phänotyp einer
Zelle, insbesondere derjenigen Zellen, die ein schädliches
Allel tragen, supprimieren.
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Weitere
Aspekte und Vorteile der vorliegenden Erfindung werden im nachfolgenden
Beispielteil offen gelegt, der als eine Veranschaulichung und nicht
als Beschränkung
des Rahmens der vorliegenden Anmeldung betrachtet werden soll.
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GEN, VEKTOREN, REKOMBINANTE ZELLEN UND
POLYPEPTIDE
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Ein
weiterer Aspekt dieser Erfindung beruht in neuartigen Produkten
für eine
Verwendung in Diagnose, Therapie oder Durchmusterung. Diese Produkte
umfassen Nukleinsäure-Moleküle, die
ein PITX1-Polypeptid oder ein Fragment davon codieren, Vektoren,
die dieselben umfassen, rekombinante Wirtszellen und exprimierte
Polypeptide.
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Spezieller
betrifft die Erfindung ein verändertes
oder mutiertes PITX1-Gen oder Fragment davon, das besagte Veränderung
oder Mutation umfasst. Die Erfindung betrifft ebenfalls Nukleinsäure-Moleküle, die
ein verändertes
oder mutiertes PITX1-Polypeptid oder Fragment davon codieren, das
besagte Veränderung
oder Mutation umfasst. Besagte Veränderung oder Mutation modifiziert
die PITX1-Aktivität.
Die modifizierte Aktivität kann
erhöht
oder vermindert sein. Die Erfindung betrifft außerdem einen Vektor, der ein
verändertes
oder mutiertes PITX1-Gen oder Fragment davon umfasst, das besagte
Veränderung
oder Mutation umfasst, oder ein Nukleinsäure-Molekül, das ein verändertes
oder mutiertes PITX1-Polypeptid oder Fragment davon codiert, das besagte
Veränderung
oder Mutation umfasst, rekombinante Wirtszellen und exprimierte
Polypeptide.
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Ein
weiterer Gegenstand dieser Erfindung ist ein Vektor, umfassend eine
Nukleinsäure,
die ein PITX1-Polypeptid gemäß der vorliegenden
Erfindung codiert. Der Vektor kann ein Klonierungsvektor oder bevorzugter
ein Expressionsvektor sein, d. h. ein Vektor, umfassend regulatorische
Sequenzen, die die Expression eines PITX1-Polypeptids von besagtem
Vektor in einer kompetenten Wirtszelle bewirken.
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Diese
Vektoren können
verwendet werden, um ein PITX1-Polypeptid in vitro, ex vivo oder
in vivo zu exprimieren, um transgene oder „Knock Out" nicht-humane Tiere zu erzeugen, um
die Nukleinsäuren
zu amplifizieren, um Antisense-RNAs zu exprimieren, etc.
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Die
Vektoren dieser Erfindung umfassen typischerweise eine PITX1 codierende
Sequenz gemäß der vorliegenden
Erfindung, die mit regulatorischen Sequenzen, z. B. einem Promotor,
einem polyA, etc, operabel verknüpft
ist. Der Ausdruck „operabel
verknüpft" gibt an, dass die
codierenden und regulatorische Sequenzen funktionsfähig assoziiert
sind, so dass die regulatorischen Sequenzen die Expression (z. B.
Transkription) der codierenden Sequenzen bewirken. Die Vektoren
können
außerdem
einen oder mehrere Replikationsursprünge und/oder selektierbare
Marker umfassen. Die Promotorregion kann bezüglich der codierenden Sequenz
homolog oder heterolog sein und kann für eine ubiquitäre, konstitutive,
regulierte und/oder Gewebe-spezifische Expression in einer beliebigen
Wirtszelle, einschließlich
der in vivo Verwendung, sorgen. Beispiele für Promotoren umfassen bakterielle
Promotoren (T7, pTAC, Trp-Promotor, etc.), virale Promotoren (LTR,
TK, CMV-IE, etc.), Promotoren für
Säugergene
(Albumin, PGK, etc.) und dergleichen.
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Der
Vektor kann ein Plasmid, ein Virus, ein Cosmid, ein Phage, ein BAC,
ein YAC, etc. sein. Plasmidvektoren können aus im Handel erhältlichen
Vektoren, wie pBluescript, pUC, pBR, etc., präpariert werden. Virale Vektoren
können
aus Baculoviren, Retroviren, Adenoviren, AAVs, etc. gemäß in der
Technik bekannten rekombinanten DNA-Techniken hergestellt werden.
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In
dieser Hinsicht beruht ein spezieller Gegenstand dieser Erfindung
in einem rekombinanten Virus, der ein wie oben definiertes PITX1-Polypeptid
codiert. Das rekombinante Virus ist bevorzugt replikationsdefekt,
noch bevorzugter aus E1- und/oder E4-defekten Adenviren, gag-, pol-
und/oder env-defekten Retroviren und Rep- und/oder Cap-defekten
AAVs, ausgewählt.
Derartige rekombinante Retroviren können mit in der Technik bekannten
Methoden hergestellt werden, wie beispielsweise mittels Transfizieren
von Verpackungszellen oder mittels transienter Transfektion mit
Helferplasmiden oder -viren. Typische Beispiele für Virus-Verpackungszellen
umfassen PA317-Zellen, PsiCRIP-Zellen, GPenv
+-Zellen,
293-Zellen, etc. Detaillierte Protokolle zur Herstellung derartiger
replikationsdefekter rekombinanter Viren können zum Beispiel in
WO95/14785 ,
WO96/22378 ,
US5.882.877 ,
US6.013.516 ,
US4.861.719 ,
US5.278.056 und
WO94/19478 gefunden werden.
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Ein
weiterer Gegenstand der vorliegenden Erfindung beruht in einer rekombinanten
Wirtszelle, die ein rekombinantes PITX1-Gen oder einen Vektor umfasst,
wie sie oben beschrieben sind. Geeignete Wirtszellen umfassen, ohne
Beschränkung,
prokaryotische Zellen (wie Bakterien) und eukaryotische Zellen (wie
Hefezellen, Säugerzellen,
Insektenzellen, Pflanzenzellen, etc.). Spezifische Beispiele umfassen
E. coli, Kluyveromyces- oder Saccheromyces-Hefen, Säugerzelllinien
(z. B. Varo-Zellen, CHO-Zellen, 3T3-Zellen, COS-Zellen, etc.) wie
auch primäre
oder etablierte Säugerzellkulturen
(z. B. aus Fibroblasten, Embryozellen, Epithelzellen, Nervenzellen,
Adipocyten, etc. hergestellt).
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Die
vorliegende Erfindung betrifft ebenfalls ein Verfahren zur Herstellung
einer rekombinanten Wirtszelle, die ein PITX1-Polypeptid gemäß der vorliegenden
Erfindung exprimiert, wobei besagtes Verfahren umfasst (i) Einführen in
vitro oder ex vivo einer wie oben beschriebenen rekombinanten Nukleinsäure oder
eines Vektors in eine kompetente Wirtszelle, (ii) Kultivieren in
vitro oder ex vivo der erhaltenen rekombinanten Wirtszellen und
(iii) gegebenenfalls Selektieren der Zellen, die das PITX1-Polypeptid
exprimieren.
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Derartige
rekombinante Wirtszellen können
für die
Produktion von PITX1-Polypeptiden wie auch für die Durchmusterung aktiver
Moleküle
verwendet werden, wie es oben beschrieben ist. Derartige Zellen
können ebenfalls
als ein Modellsystem zur Untersuchung von Autismus verwendet werden.
Diese Zellen können
in geeigneten Kulturmedien, wie DMEM, RPMI, HAM, etc., in jeder
geeigneten Kulturvorrichtung (Platte, Kolben, Schale, Röhrchen,
Beutel, etc.) gehalten werden.
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BEISPIELE
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1. GenomeHIP-Plattform für die Identifizierung
des Anfälligkeitsgens
auf Chromosom 5
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Die
GenomeHIP-Plattform wurde angewandt, um eine schnelle Identifizierung
eines Autismus-Anfälligkeitsgen
zu ermöglichen.
-
Kurz
gefasst: die Technologie besteht in der Bildung von Paaren aus der
DNA verwandter Individuen. Jede DNA wird mit einer spezifischen
Markierung markiert, die ihre Identifizierung erlaubt. Hybride werden dann
zwischen zwei DNAs gebildet. Ein spezielles Verfahren (
WO00/53802 ) wird dann angewandt,
das sämtliche
Fragmente identical-by-descent (IBD) von zwei DNAs in einem mehrstufigen
Verfahren selektiert. Die verbleibende IBD angereicherte DNA wird
dann gegen einen BAC-Klon abgeleiteten DNA-Mikroarray bewertet, was
die Positionsbestimmung der IBD-Fraktion auf einem Chromosom erlaubt.
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Die
Anwendung dieses Verfahrens bei vielen verschiedenen Familien führt zu einer
Matrix von IBD-Fraktionen für
jedes Paar von jeder Familie. Mit statistische Analysen werden dann
die minimalen IBD-Regionen berechnet, die allen getesteten Familien
gemeinsam sind. Signifikante Ergebnisse (p-Werte) sind ein Hinweis
für eine
Kopplung der positiven Region mit dem Merkmal von Interesse (hier
Autismus). Das gekoppelte Intervall kann dann von den beiden am
weitesten auseinanderliegenden Klonen, die signifikante p-Werte zeigen,
abgegrenzt werden.
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In
der vorliegenden Studie wurden 114 Familien aus den Vereinigten
Staaten (114 unabhängige
Geschwisterpaare), die bezüglich
eines strengen Autismus (wie mit ADI-R definiert) konkordant waren,
dem GenomeHIP-Verfahren unterzogen. Die resultierenden IBD angereicherten
DNA-Fraktionen wurden
dann mit Cy5-Fluoreszenzfarbstoffen markiert und gegen ein DNA-Array
hybridisiert, das aus 2263 BAC-Klonen bestand, die das gesamte menschliche
Genom mit einem mittleren Intervall von 1,2 Megabasenpaaren abdeckten.
Nicht-selektierte, mit Cy3 markierte DNA wurde für eine Normalisierung der Signalwerte
und der Berechnung der Verhältnisse
für jeden
Klon eingesetzt. Eine Cluster-Bildung der Verhältnisergebnisse wurde dann durchgeführt, um
den IBD-Status für
jeden Klon und jedes Paar zu bestimmen.
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Mit
Hilfe der Anwendung dieses Verfahrens wurden mehrere BAC-Klone identifiziert
(BACA19ZB03, BACA16ZG06, BACA4ZA08 und BACA11ZF12), die sich ungefähr 1,5 Megabasen
in der Region auf Chromosom 5 erstreckten (Basen 134 095 595 bis
135 593 528), die einen signifikanten Hinweis auf eine Kopplung mit
Autismus zeigten (p < 6,40E-07).
-
Tabelle
2: Kopplungsergebnisse für
Chromosom 5 in dem PITX1-Locus: Es ist die Region angegeben, die
mit 4 BAC-Klonen mit einem Hinweis auf eine Kopplung übereinstimmt.
Die Anfangs- und Endpositionen der Klone stimmen mit ihren Genompositionen
basierend auf NCBI Build34 bezüglich
des Anfangs des Chromosoms (p-ter) überein. Tabelle 2
| Humanes Chromosom | Klone | Anfang | Ende | Verhältnis der informativen Paare | p-Wert |
| 5 | BACA19ZB03 | 134
095 595 | 134
095 947 | 0,9 | 0,00078 |
| 5 | BACA16ZG06 | 134
467 773 | 134
639 876 | 0,91 | 1,60E-05 |
| 5 | BACA4ZA08 | 134
467 793 | 134
639 841 | 0,93 | 6,40E-07 |
| 5 | BACA11ZF12 | 135
422 346 | 135
593 528 | 0,9 | 0,00011 |
-
2. Identifizierung eines Autismus-Anfälligkeitsgens
auf Chromosom 5
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Mittels
Durchmusterung der zuvor erwähnten
1,5 Megabasen in der gekoppelten Chromosomenregion identifizierten
wir das Hypophysen-Hombobox-Transkriptionsfaktor 1-(PITX1)-Gen als einen
Kandidaten für Autismus
und verwandte Phänotypen.
Dieses Gen ist in der Tat in dem kritischen Intervall mit einem
Hinweis auf eine Kopplung vorhanden und von den oben grob dargestellten
Klone abgegrenzt.
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Das
PITX1-Gen codiert ein Mitglied der RIEG/PITX-Homöobox-Familie, eine expandierende
Familie von Bicoid-verwandten Homöobox-Genen von Vertebraten.
Mitglieder dieser Familie sind an der Organentwicklung, insbesondere
Gehirn und Facies sowie links-rechts-Asymmetrie, beteiligt. Lamonerie
et al. (1996) klonierten und charakterisierten ein Transkriptionsfaktor-Gen
der Maus (von ihnen als Ptx1 bezeichnet) basierend auf dessen Fähigkeit,
die Transkription des Proopiomelanocortin-Gens (POMC) in der Hypophyse
zu aktivieren. Sechs Hormone sind von dem POMC-Gen abgeleitet: ACTH,
Lipotropin, alpha-MSH, beta-MSH, Endorphin und ein weiteres. ACTH
und beta-Lipotropin (beta-LPH) stammen von einem größeren Vorläufer-Peptid
ab. Von jedem dieser Hormone ist bekannt, dass es kleinere Peptide
mit unterschiedlichen biologischen Aktivitäten umfasst: alpha-Melanotropin
(alpha-MSH) und Corticotropin-like intermediate Lobe Peptid (CLIP)
werden aus ACTH gebildet; gamma-LPH und beta-Endorphin sind Peptidkomponenten
von beta-LPH. Beta-MSH ist in gamma-LPH enthalten.
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Die
PTX1, PTX2 und PTX3-Gene definieren eine neue Familie von Transkriptionsfaktoren,
die PTX-Unterfamilie, innerhalb der paired-like Klasse von Homöodomänenfaktoren.
In Mäusen
ist die Ptx1 und Ptx2-Genexpression im Areal der primordialen Hypophyse
detektiert worden und wird über
die Entwicklung in der Rathke Tasche und adulten Hypophyse aufrechterhalten.
Pellegrini-Bouiller et al. (1999) zeigten die Expression der PTX1,
PTX2 und PTX3-Gene in der normalen humanen Hypophyse und in verschiedenen
humanen Hypophysen-Adenoma.
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Tremblay
et al. (1998) berichteten, dass die meisten Hypophysenhormon-codierenden
Genpromotoren durch Ptx1 aktiviert werden und deshalb scheint Ptx1
ein allgemeiner Regulator der Hypophysen-spezifischen Transkription
zu sein. Zusätzlich
wird die Ptx1-Wirkung durch Zell-beschränkte Transkriptionsfaktoren synergistisch
verstärkt
und verleiht eine Promotorspezifische Expression. Experimente mit
Antisense-RNA, durchgeführt
in alphaT3-1-Zellen, die das alphaGSU-Gen exprimieren, zeigten,
dass die Expression von endogenem alphaGSU stark abhängig von
Ptx1 ist, wohingegen viele andere Gene nicht beeinflusst werden.
Das einzige andere Gen, von dem festgestellt wurde, dass von Ptx1
für eine
Expression stark abhängig
ist, war das Gen für
den Lim3/Lhx3-Transkriptionsfaktor. Folglich liegt Ptx1 stromaufwärts von
Lim3/Lhx3 in einer Kaskade von Regulatoren, die in einem kombinatorischen
Code zu arbeiten scheinen, um die Hypophysen-, Lineage- und Promotor-spezifische
Transkription zu steuern.
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Shapiro
et al. (2004) beschrieben natürlich
vorkommende Varianten in regulatorischen Regionen von PITX1 im Stichling,
die zu verschiedenen PITX1-Genexpressionsmustern und funktionellen
Unterschieden in Beckenanatomie führen. Sie betonen, dass regulatorische
Regionen von Homöobox-Genen
wie PITX1 in zahlreichen weit auseinanderliegenden Stellen und bis
zu mehreren 100 Kilobasen von dem Gen entfernt gefunden werden können.
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Szeto
et al. (1999) stellten fest, dass Pitx1-deletierte Mäuse auffallende
Anomalien bei Morphogenese und Wachstum der Hinterläufe zeigten.
Mäuse,
die für
die Pitx1-gerichtete Mutation homozygot sind, sterben unmittelbar
oder kurz nach der Geburt. Eine kleine Anzahl an Pitx1-null Mäuse zeigen
eine embryonale Letalität
nach E11.5. Der Hinterlauf von Pitx1 -null Mäusen ist signifikant kürzer. Die
Größe des Beckens
ist ebenfalls deutlich verringert. Eine Untersuchung der Expression
von Thyroid-stimulierendem Hormonβ, luteinisierendem
Hormonβ und
der gewöhnlichen
Glycoprotein alpha-Untereinheit lässt vermuten, dass sowohl die
Anzahl an gonadotropen als auch thyreotropen Hormonen wie auch der
Level an luteinisierendem Hormonβ und Thyroid-stimulierendem
Hormonβ-Transkripten
und Protein in den einzelnen Zellen vermindert sind. Interessanterweise
ist der Level an TSHβ-Transkripten am stärksten in
der thyreotropen Population der rostralen Spitze verringert, die
kein Pit-1 für
eine TSHβ-Genaktivierung benötigt. Die
Expression von Wachstumshormon erscheint unverändert, wohingegen die Anzahl
und Expressionslevels des POMC-Gens bei den Hypophysenzwischenlappen
melanotropen Hormonen zwischen E15,5 und P0 normal zu sein scheint.
Es besteht eine übereinstimmende
Zunahme bei den Levels sowohl der Anzahl an ACTH-Iranskripten als
auch der ACTH-Peptidlevels der corticotropen Hormone in dem vorderen
Hypophysenlappen.
-
Chamberlain
und Herman (1990) schlugen ein neuartiges biochemisches Modell vor,
in dem eine Untergruppe autistischer Individuen eine Hypersekretion
von pinealem Melatonin aufweisen können, was eine Kaskade biochemischer
Effekte auslöst,
einschließlich
einer entsprechenden Hyposekretion von Hypophysen-Proopiomelanocortin-(POMC)-Peptiden
und einer Hypersekretion von Hypothalamus-Opioidpeptiden und Serotonin
(5-HT). Autismus kann eine Dysfunktion in der Pinea-Hypothalamus-Hypophysen-Nebennierenrinde-Achse
widerspiegeln, die die POMC- und 5-HT-Systeme des Gehirns moduliert.
Dieses Modell stimmt mit zahlreichen klinischen Forschungen überein,
die eine Hypersekretion von 5-HT- und Opioidpeptiden im Gehirn bei
Autismus in einen Zusammenhang bringen.
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Curin
et al. (2003) stellten fest, dass Individuen mit Autismus signifikant
geringere Serumkonzentrationen von Cortisol (p < 10–6)
und signifikant höhere
ACTH-Konzentrationen (p = 0,002) aufweisen als Kontrollpersonen
gleichen Alters und gleichen Geschlechts. Ebenfalls waren die Prolactin-Konzentrationen
in autistischen Patienten mit Epilepsie signifikant höher, wenn
sie mit normalen Patienten verglichen wurden. Die beobachteten Hormonveränderungen
stimmen mit einer Dysfunktion der Hypothalamus-Hypophysen-Nebermierenrinde-Achse
in Individuen mit Autismus überein.
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3. Assoziationsstudie
-
Die
gleichen Familien, die für
die Kopplungsstudie verwendet worden sind, wurden ebenfalls für einen Test
auf eine Assoziation zwischen einem in Frage kommenden spezifischen
Phänotyp
(hier Autismus) und dem genetischen Marker-Allel oder der Haplotypen,
die ein spezifisches Marker-Allel enthalten, mit dem Transmission-Disequilibrium-Test
(TDT) verwendet. Der TDT ist ein aussagekräftiger Assoziationstest, da
er für
Populationsstratifaktionsprobleme in der getesteten Probe nicht
empfindlich ist. Zusammengefasst, es wird die Segregation von Allelen
von heterozygoten Eltern bei ihren affizierten Nachkommen getestet.
Der Anteil von Allelen, die auf die affizierten Nachkommen verglichen
mit den nichtübertragenen
Allelen übertragen
wird, wird mit dem Verhältnis
verglichen, das bei einer Zufallsverteilung erwartet wird. Eine
signifikant höhere
Allelübertragung über dem
erwarteten Wert ist ein Anzeichen für eine Assoziation des jeweiligen
Allels oder Haplotyps mit dem untersuchten Autismusphänotyp.
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Ein
alternativer Test ist der Pedigree-Disequilibrium-Test (PDT), der
aussagekräftig
bleibt, selbst wenn es eine Fehlklassifizierung von nicht affizierten
Individuen kommt (Martin et al. 2000). Simulationen lassen vermuten,
dass eine Anwendung des PDT von Vorteil sein kann, selbst wenn die
Daten aus unabhängigen
Familien ohne umfassende familiäre
Informationen stammen.
-
Die
Ergebnisse dieser Analyse zeigen, dass bestimmte Allele des PITX1-Gens
positiv mit Autismus assoziiert sind und deshalb die Anfälligkeit
für diese
Krankheit erhöhen.
In der getesteten Population ist das Allel G von SNP6 mit Autismus
korreliert, wie es mittels TDT (p-Wert = 0,028) und PDT (p-Wert = 0,0044)
bestimmt wurde. Im Gegensatz hierzu wird das Allel T von SNP6 signifikant
weniger auf autistische Individuen übertragen, was zeigt, dass
dieses Allel vor der Krankheit schützen hilft.
-
Beispiele
für die Übertragung
der Allele auf Autisten sind in Tabelle 3 angeführt. Tabelle 3
| Art
des Tests | SNP | Allel | Häufigkeit,
mit der das Allel auf Autisten übertragen wird | Häufigkeit,
mit der das Allel auf Autisten nicht übertragen wird (Anmerkung 1) | p-Wert |
| TDT | SNP6 | G | 0,75 | 0,63 | 0,028 |
| TDT | SNP6 | T | 0,25 | 0,37 | 0,028 |
| PDT | SNP6 | G | | 0,71 | 0,0044 |
| PDT | SNP6 | T | | 0,29 | 0,0044 |
- Tabelle 3, Anmerkung 1: Die Häufigkeit
in dieser Spalte für
den PDT-Test ist die Populationshäufigkeit
-
Zusätzlich wurden
für SNP1,
SNP3, SNP4, SNP6, SNP7, SNP21 und SNP22 Haplotypen konstruiert, um
die Phase für
alle SNPs zu identifizieren.
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Die
Ergebnisse dieser Analyse in der getesteten Population zeigte, dass
bestimmte Haplotypen, die alle durch das Vorhandensein von Allel
G bei SNP6 gekennzeichnet waren, stark mit Autismus assoziiert sind, während bestimmte
Haplotypen ohne Allel G vorzugsweise nicht auf Autisten übertragen
werden. Ein Beispiel ist der Haplotyp A-G-A für SNP3-SNP6-SNP22, p = 3,68 × 10–5.
Haplotypen, die Allel T anstatt Allel G bei SPN6 tragen, zeigen
eine signifikante Unterrepräsentanz
in autistischen Patienten. Ein Beispiel ist der Haplotyp A-T-A für SNP3-SNP6-SNP22, p = 0,000218.
-
Eine
bevorzugte Übertragung
bestimmter Haplotypen wurde ebenfalls durch die Berechnung des Chancenverhältnisses
gezeigt. Ein Chancenverhältnis
von größer als
1 bedeutet, dass das getestete Gen-Allel mit der Krankheit assoziiert
ist und deshalb das Allel die Anfälligkeit für die Krankheit erhöht. Es liegt
eine negative Assoziation vor, wenn das Chancenverhältnis kleiner
als 1 ist, was zeigt, dass das getestete Gen-Allel vor der Krankheit
zu schützen
hilft. Zum Beispiel ist für
die Übertragung
des Haplotyps A-G-G für SNP3-SNP6-SNP22
4,32, mit p = 3,62 × 10–5.
-
Beispiele
für Haplotypen
mit einer bevorzugten Übertragung
und Nichtübertragung
von SPN6 auf Autisten sind in Tabelle 4 angeführt. Tabelle 4
| Für die Konstruktion
des Haplotyps verwendeten SNPs | Haplotyp | Häufigkeit,
mit der der Haplotyp auf Autisten übertragen wird | Häufigkeit,
mit der der Haplotyp auf Autisten nicht übertragen wird | p-Wert |
| SNP3-SNP6 | A-G | 0,509 | 0,347 | 0,008032 |
| SNP3-SNP6 | A-T | 0,074 | 0,209 | 0,001418 |
| SNP4-SNP6-SNP7 | C-G-G | 0,339 | 0,1491 | 0,000739 |
| SNP4-SNP6-SNP7 | C-T-A | 0 | 0,0590 | 0,001157 |
| SNP3-SNP6-SNP22 | A-G-A | 0,433 | 0,1824 | 3,68E-05 |
| SNP3-SNP6-SNP22 | A-T-A | 0,050 | 0,2098 | 0,000218 |
| SNP3-SNP6-SNP21 | A-G-G | 0,418 | 0,1793 | 3,62E-05 |
| SNP3-SNP6-SNP21 | A-T-G | 0,068 | 0,1825 | 0,005894 |
| SNP 1-SNP6-SNP22 | C-G-A | 0,410 | 0,1998 | 0,000619 |
| SNP1-SNP6-SNP22 | C-T-A | 0,058 | 0,2095 | 0,000548 |
-
Um
den Informationsgehalt zu erhöhen
und das Assoziationsintervall einzuschränken, wurde die SNP-Dichte
in dem PITX1-Gen auf ungefähr
ein SNP je 2,5 kb erhöht.
Mehrere zusätzliche
Marker zeigten positive Einzelpunktergebnisse in dem PITX1-Gen.
Die stärkste
Assoziation wurde für
Marker SNP33 beobachtet, wobei Allel 1 häufiger auf Autisten übertragen
wurde als durch Zufall erwartet wurde, während Allel 2 bevorzugt nicht
auf Autisten übertragen
wurde (p = 0,001674). Interessanterweise ist dieser Marker mit SNP6 identisch,
welcher bereits in der vorherigen Analyse als assoziiert erkannt
wurde. Beispiele für
auf Autisten übertragene
und nichtübertragene
Allele sind in Tabelle 5 gezeigt. Tabelle 5
| Marker | Allel | N übertragen | N
nicht übertragen | p-Wert |
| SNP25 | 1 | 55 | 84 | 0,013903 |
| SNP25 | 2 | 84 | 55 | 0,013903 |
| SNP26 | 1 | 100 | 71 | 0,026576 |
| SNP26 | 2 | 71 | 100 | 0,026576 |
| SNP27 | 1 | 98 | 70 | 0,030754 |
| SNP27 | 2 | 70 | 98 | 0,030754 |
| SNP31 | 1 | 100 | 62 | 0,002831 |
| SNP31 | 2 | 62 | 100 | 0,002831 |
| SNP32 | 1 | 19 | 40 | 0,006258 |
| SNP32 | 2 | 40 | 19 | 0,006258 |
| SNP33 | 1 | 101 | 61 | 0,001674 |
| SNP33 | 2 | 61 | 101 | 0,001674 |
| SNP35 | 1 | 15 | 31 | 0,018321 |
| SNP35 | 2 | 31 | 15 | 0,018321 |
-
Haplotypen
wurden ebenfalls konstruiert, um die Phase zu bestimmen, und auf
eine Assoziation in dem vollständigen
Probensatz untersucht, der für
eine wie oben beschriebene Kopplungsanalyse eingesetzt wurde. Die
Ergebnisse dieser Analyse in der getesteten Population zeigten,
dass bestimmte Haplotypen fest mit Autismus assoziiert sind, die
alle durch das Vorhandensein von Allel 2 bei Marker SNP25, Allel
1 bei Marker SNP27, Allel 1 bei Marker SNP29, Allel 1 bei Marker
SNP31 oder beziehungsweise Allel 1 bei Marker SNP33 gekennzeichnet
sind. Das signifikanteste Ergebnis wurde für Haplotyp 1-2-1 für die Marker
SNP24, SNP25 und SNP40 mit einem p-Wert von 2,24 x 10403 erhalten.
Während
bestimmte Haplotypen, die durch Allel 1 bei Marker SNP25, Allel
2 bei Marker SNP27 oder beziehungsweise Allel 2 bei Marker SNP40
gekennzeichnet sind, vorzugsweise nicht auf Autisten übertragen
werden.
-
Beispiele
für Haplotypen
mit einer bevorzugten Übertragung
und Nichtübertragung
auf Autisten von dem vollständigen
Datensatz sind in Tabelle 6 gegeben.
N: Anzahl,
T: übertragene
Haplotypen, NT: nichtübertragene
Haplotypen
-
Dieser
Familiensatz umfasst Proben von verschiedenen ethnischen Gruppen,
die in der Bevölkerung der
USA vertreten sind. Um jegliche Populationsstratifikationseffekte
auszugleichen, wurde die Haplotyp-Analyse für jede ethnische Gruppe wiederholt.
Eine signifikante Assoziation wurde für mehrere Haplotypen in der kaukasischen
Population festgestellt. Ein Beispiel für einen Haplotyp, der häufiger auf
Autisten übertragen wird,
ist Haplotyp 1-2-1 für
Marker SNP23, SNP25 und SNP33 (p = 4,44 × 10–3),
während
Haplotyp 1-2-2 für Marker
SNP25, SNP29 und SNP31 bevorzugt auf Autisten nicht übertragen
wurde (p = 0,006).
-
Beispiele
für Haplotypen
mit einer bevorzugten Übertragung
und Nichtübertragung
auf Autisten des Kaukasier-Datensatzes sind in Tabelle 7 gegeben. Tabelle
7
N: Anzahl,
T: auf Autisten übertragene
Haplotypen; NT: auf Autisten nichtübertragene Haplotypen
-
Ein
zweiter unabhängiger
Satz von 167 Trio-Familien (Satz 2) wurde für die Replikation der Assoziation
untersucht, die in den Familien beobachtet wurde, die einen Anhaltspunkt
für eine
Kopplung (Satz 1), wie oben beschrieben, liefern.
-
Da
dieser zweiter Familiensatz (Satz 2) ebenfalls Proben von verschiedenen
ethnischen Gruppen, die in der Bevölkerung der USA vertreten sind,
wie Satz 1 umfasst, wurde die Haplotyp-Analyse für jede ethnische Gruppe getrennt
durchgeführt,
um mögliche
Populationsstratifikationseffekte auszugleichen. Eine signifikante Assoziation
wurde bei einigen Haplotypen in der kaukasischen Population festgestellt,
die durch das Vorhandensein der Allele 2, 1, 1, 1 oder 1 für die Marker
SNP25, SNP27, SNP29, SNP31 und SNP33 gekennzeichnet waren. Ein Beispiel
für einen
Haplotyp, der häufiger
auf Autisten übertragen
wird, ist der Haplotyp 2-1-2 für
die Marker SNP25, SNP27 und SNP32 (p = 5,93 × 10–3),
während
der Haplotyp 2-1-2 für
die Marker SNP25, SNP26 und SNP27 häufiger auf Autisten nicht übertragen
wurde (p = 0,04).
-
Beispiele
für Haplotypen
mit einer bevorzugten Übertragung
und Nichtübertragung
auf Autisten von dem Kaukasier-Datensatz im Familiensatz 2 sind
in Tabelle 8 gegeben.
N: Anzahl,
T: übertragene
Haplotypen, NT: nichtübertragene
Haplotypen
-
Zusammengefasst:
eine Haplotyp-Analyse bei Kaukasiern zeigte eine positive Replikation
von Haplotyp 2-1-1-1-1 für
die Marker SNP25, SNP27, SNP29, SNP31 und SNP33 in Satz 2 (p = 3,2 × 10
–3 in
Satz 1 und p = 6,85 × 10
–3 in
Satz 2), wie es in Tabelle 9 unten gezeigt ist. Tabelle 9: Haplotyp-Analyse in Kaukasiern
in Familien aus Satz 1 und Satz 2.
| Marker | SATZ 1 | SATZ 2 |
| SNP25 | SNP27 | SNP29 | SNP31 | SNP33 | p-Wert | T | NT | p-Wert | T | NT |
| 2 | 1 | 1 | 1 | 1 | 0,003213 | 69 | 50 | 0,006854 | 113 | 89 |
-
4. Identifizierung der Nukleotid-Austäusche
-
Bei
96 nichtverwandten affizierten Individuen wurde ein Mutation-Screen
durchgeführt.
Primer wurden konstruiert, um die codierende Region des PITX1-Gens
zu amplifizieren. Die Sequenzen der Primer sind der Tabelle 10 unten
zu entnehmen: Tabelle 10
| | Vorwärts-Primer | Rückwärts-Primer |
| Exon
1 | SEQ
ID NR. 27 | SEQ
ID NR. 28 |
| Exon
2 | SEQ
ID NR. 29 | SEQ
ID NR. 30 |
| Exon
3 | SEQ
ID NR. 31 | SEQ
ID NR. 32 |
| Exon
4a | SEQ
ID NR. 33 | SEQ
ID NR. 34 |
| Exon
4b | SEQ
ID NR. 35 | SEQ
ID NR. 36 |
-
Die
resultierenden Amplifikationprodukte wurden direkt in einer Richtung
mittels Dye-Terminator
Sequencing Chemistry sequenziert, um seltene Nukleotid-Austäusche (Mutationen)
und Polymorphismen (Allel-Frequenz > 1%) im Gen zu identifizieren.
-
Insgesamt
wurden 10 Nukleotid-Austäusche
in der codierenden Region des Gens, einschließlich der flankierenden Intron-Regionen
in großer
Nähe der
Spleißstellen
nachgewiesen (die Positionen siehe Tabelle 11). Zwei davon führten zu
Veränderungen
der Aminosäuren
in den jeweiligen Codons, wie es in Tabelle 11 erläutert ist.
-
Zwei
Deletionen, MUT1 und MUT9, wurden in der untranslatierten Region
identifiziert. MUT1 wurde in der 5'-UTR nachgewiesen. Zwei Punktmutationen,
MUT2 und MUT3, wurden ebenfalls in der 5'-UTR nachgewiesen. Diese Mutationen
könnten
einen Effekt auf die Transkriptionsebene der PITX1-RNA besitzen.
MUT9 wurde in der 3'-UTR
entdeckt und könnte
die Stabilität
der RNA beeinflussen.
-
Zwei
nicht-synonyme Mutationen, MUT6 und MUT7, wurden ebenfalls gefunden,
die einen Effekt auf die Funktion des Proteins besitzen könnten Tabelle 11
| ID | Nuldeotidposition
in SEQ ID NR. 37 | Allele | Art
der Veränderung | Variation
und Position in SEQ ID NR. 2 | Minor-Allel-Frequenz |
| MUT1 | 632–637 | 632_637del CCGGAG | 5'-UTR | | 25% |
| MUT2 | 696 | G/T | 5'-UTR | | 15% |
| MUT3 | 823 | A/T | 5'-UTR | | 2% |
| MUT4 | 5397 | A/G | intronisch | | 31% |
| MUT5 | 5492 | CIA | codierend | R140R | 2% |
| MUT6 | 5970 | G/C | codierend | G299A | 33% |
| MUT7 | 5973 | T/C | codierend | L300P | 2% |
| MUT8 | 6073 | C/T | 3'-UTR | | 9% |
| MUT9 | 6076 | 6076_6081del GCGCGG | 3'-UTR | | 30% |
| MUT10 | 6100 | C/T | 3'-UTR | | 3% |
-
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