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Die
Erfindung liegt auf dem Gebiet der Humangenetik und betrifft neue
Verfahren zur Diagnose und Therapie von Fettleibigkeit, insbesondere
krankhafter Fettleibigkeit, basierend auf der Identifizierung von
Polymorphismen in der 5'-Region des gad2-Gens.
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Krankhafte
Fettleibigkeit ist ein ernster Krankheitsprozess, bei welchem die
Anhäufung
von Fettgewebe am Körper übermäßig hoch
wird, mit den anderen Körperorganen
interferiert oder diese schädigt
und ernste und lebensbedrohende Gesundheitsprobleme, die als Comorbiditäten bezeichnet
werden, erzeugt (oder vorhersagbar erzeugen wird).
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Man
sagt, dass Menschen krankhaft fettleibig sind, wenn ihr Körpermasseindex
(BMI = Höhe (cm)/(Masse
(kg))2) gleich oder über 40 ist.
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Zahlreiche
wissenschaftliche Untersuchungen haben ermittelt, dass es eine genetische
Prädisposition für krankhafte
Fettleibigkeit gibt.
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Eine
Region des Chromosoms 10 ist mit Fettleibigkeit in Verbindung gebracht
worden (Hager et al., Nature Genetics 1998; 20:304-38), was unlängst in
einer Kohorte von jungen deutschen fettleibigen Subjekten (Hinney
et al., 2000, Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2000;
85(8):2962-5) wie auch bei weißen
Kaukasiern und bei Afro-Amerikanern (Price et al. 2001, Diabetologia
1999, 42:555-9) und bei den „Old Order
Amish" (Hsueh et
al. 2001, The Journal of Clinical Endocrinology and Metabolism 2001; 86(3):1199-1205)
bestätigt
worden ist.
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Im
Rahmen der Erfindung sind drei neue Einzelnucleotidpolymorphismen
(SNPs), die in dieser Region und spezieller in der 5'-Region des gad2-Gens
lokalisiert sind, identifiziert worden. Diese SNPs zeigen eine positive
Assoziation mit Fettleibigkeit bei krankhaft fettleibigen Subjekten,
während
andere SNPs in dieser Region diese Assoziation nicht zeigen.
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Im
Rahmen der Erfindung soll mit gad2-Gen ein Gen bezeichnet werden,
dessen codierende Sequenz durch SEQ ID Nr. 1 dargestellt wird.
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Die
5'-flankierende
Region des gad2-Gens soll die Region, welche die Nucleotide 1-2379
von SEQ ID Nr. 2 umfasst, und speziell die Region, welche aus den
Nucleotiden 1-2379 von SEQ ID Nr. 2 besteht, bezeichnen. Die Nucleotide
2380-2382 von SEQ ID Nr. 2 repräsentieren
das Startcodon des gad2-Gens (ATG).
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Dementsprechend
betrifft in einer ersten Ausführungsform
die Erfindung ein Verfahren zum Diagnostizieren einer Prädisposition
für Fettleibigkeit
und insbesondere krankhafte Fettleibigkeit bei einem menschlichen
Subjekt, welches das Bestimmen umfasst, ob eine Keimbahnänderung
in der Sequenz der 5'-flankierenden Region
des gad2-Gens vorliegt, wobei die Änderung die Anwesenheit mindestens
einer der folgenden Mutationen ist: -243 A>G am Nucleotid 2137 von SEQ ID Nr. 2,
-1,6kb G>A am Nucleotid
780 von SEQ ID Nr. 2, -2004 A>T
am Nucleotid 376 von SEQ ID Nr. 2, wobei die Änderung eine Prädisposition
für Fettleibigkeit
anzeigt.
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Die
5'-flankierende
Region des gad2-Gens wird durch die Nucleotide 1-2379 von SEQ ID Nr. 2 dargestellt und
die erfindungsgemäßen SNPs
befinden sich bei Nucleotid 376 (Anwesenheit eines T bei Patienten mit
Prädisposition
und eines A bei Patienten ohne Prädisposition), 780 (Anwesenheit
eines A bei Patienten mit Prädisposition
und eines G bei Patienten ohne Prädisposition) und 2137 (Anwesenheit
eines G bei Patienten mit Prädisposition
und eines A bei Patienten ohne Prädisposition) von SEQ ID Nr.
2.
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Die
Erfindung betrifft allgemeiner die Untersuchung der 5'-Promotorregion des
gad2-Gens. Tatsächlich haben
die Erfinder gezeigt, dass die Anwesenheit der speziellen SNPs,
die in der vorliegenden Anmeldung angegeben werden, zu einer erhöhten Bindung
von Kernfaktoren an die 5'-Region
des gad2-Gens führt,
was zu einer Zunahme der Transkription führt.
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Es
ist dementsprechend denkbar, zu spekulieren, dass andere Modifikationen
in der Promotorregion des gad2-Gens, welche zu einer höheren Expression
des GAD2-Proteins führen,
ebenfalls zu einer Prädisposition
für Fettleibigkeit
führen
werden aufgrund einer Zunahme bei dem GABA-Pool. Aufgrund der appetitanregenden
Wirkung von GABA könnte
dies das Verhalten bei der Nahrungsaufnahme verändern.
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Dementsprechend
betrifft die Erfindung in einer Ausführungsform ein Verfahren zum
Diagnostizieren einer Prädisposition
für Fettleibigkeit
bei einem menschlichen Subjekt, in dem die Konzentration eines Expressionsprodukts
des gad2-Gens in der Probe untersucht wird.
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Die
Expressionsprodukte sollen gemäß der Erfindung
RNA oder Protein oder das, was als „sekundäres" Expressionsprodukt bezeichnet werden
könnte,
wie GABA, umfassen. Die Letztgenannte ist tatsächlich nicht wirklich ein Expressionsprodukt
des gad2-Gens, aber eine Zunahme der Produktion von GAD2-Protein führt zu einer
Zunahme der GABA-Konzentration.
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Eine
Veränderung
der mRNA-Expression kann durch jegliche Techniken, die in diesem
Fachgebiet bekannt sind, detektiert werden. Diese umfassen eine
Northern-Blot-Analyse, PCR-Amplifizierung und RNase-Schutz.
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In
einer Ausführungsform
wird mRNA der Probe mit einer gad2-Gen-Sonde in Kontakt gebracht
unter Bedingungen, welche für
eine Hybridisierung der Sonde mit einer RNA, welche dem gad2-Gen
entspricht, geeignet sind, und die Hybridisierung der Sonde wird
bestimmt und das Niveau des Signals nach der Hybridisierung wird
mit einem Standard- (Referenz-) -signal (welches entweder von einem
nicht-fettleibigen Patienten oder einem fettleibigen Patienten erhalten
wird) verglichen.
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Der
Hybridisierungskomplex sendet ein Signal aus, welches auf die Markierung
der Sonde oder der mRNA zurückzuführen sein
kann. Die unterschiedlichen Markierungen, die verwendet werden können, sind den
Fachleuten auf diesem Gebiet wohlbekannt, und man kann 32P, 33P, 35S, 3H oder 125I aufführen. Nicht-radioaktive
Markierungen können
ausgewählt
werden aus Liganden, wie Biotin, Avidin, Streptavidin, Digoxigenin, Haptenen,
Farbstoffen, lumineszierenden Mitteln, wie radiolumineszierenden,
chemolumineszierenden, biolumineszierenden, fluoreszierenden oder
phosphoreszierenden Mitteln.
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Um
die in der Anmeldung erwähnten
SNPs zu identifizieren, ist es möglich,
eine Sonde für
die 5'-Region des
gad2-Gens mit genomischer DNA, welche aus der Probe isoliert worden
ist, unter Bedingungen, die für
eine Hybridisierung der Sonde mit dem Gen geeignet sind, in Kontakt
zu bringen, und die Hybridisierung der Sonde wird bestimmt.
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Die
Sonde für
die 5'-Region des
gad2-Gens ist entweder eine „Wildtyp"-DNA (d.h. der gesuchte SNP ist auf der
Sonde nicht vorhanden und eine Hybridisierung tritt auf, wenn kein
SNP gemäß der Erfindung
auf der DNA in der Probe vorhanden ist) oder eine „mutierte" (d.h. welche den
gesuchten SNP trägt,
und eine Hybridisierung tritt nur auf, wenn der SNP auf der DNA
in der Probe vorhanden ist).
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Der
Fachmann auf diesem Gebiet kennt die Techniken, um die allelspezifischen
Sonden für
eine Verwendung in dieser Ausführungsform,
deren Längen
oder die Hybridisierungsbedingungen zu bestimmen. Bedingungen hoher
Stringenz sind zu bevorzugen, um falsche positive Ergebnisse zu
verhindern, beispielsweise unter hochstringenten Bedingungen von
0,2 ×SSC
und 0,1% SDS bei 55-65°C
oder unter Bedingungen, wie sie nachfolgend beschrieben werden.
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Die
stringenten Hybridisierungsbedingungen können definiert werden, wie
in Sambrook et al. ((1989) Molecular cloning : a laboratory manual;
2. Aufl., Cold Spring Harbor Lab., Cold Spring Harbor, New York)
beschrieben, mit den folgenden Bedingungen: 5 × oder 6 × SSC, 50-65°C. Hochstringente
Bedingungen, die ebenfalls für
eine Hybridisierung verwendet werden können, werden mit den folgenden
Bedingungen definiert: 6 × SSC,
60-65°C.
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Die
DNA-DNA- oder DNA-RNA-Hybridisierung kann in zwei Schritten ausgeführt werden:
(1) Vorhybridisierung bei 42°C
während
3 h in Phosphatpuffer (20 mM, pH 7,5), enthaltend 5 oder 6 × SSC (wobei
1 × SSC
einer Lösung
von 0,15 M NaCl + 0,015 M Natriumcitrat entspricht), 50% Formamid,
7% Natriumdodecylsulfat (SDS), 10 × Denhardt's, 5% Dextransulfat und 1% Lachssperma-DNA;
(2) Hybridisierung während
bis zu 20 bei einer Temperatur von 50-65°C, mehr bevorzugt 60-65°C, gefolgt
von verschiedenen Wäschen
(ungefähr
20 min bei in 2 × SSC
+ 2% SDS, dann 0,1 × SSC
+ 0,1% SDS). Die letzte Wäsche
wird in 0,2 × SSC +
0,1% SDS für
ungefähr
30 min bei ungefähr
50-65°C und/oder
in 0,1 × SSC
+ 0,1% SDS bei der gleichen Temperatur ausgeführt. Diese hochstringenten
Hybridisierungsbedingungen können
durch einen Fachmann auf dem Gebiet angepasst werden. Tatsächlich ist
der Fachmann auf diesem Gebiet in der Lage, die besten Stringenzbedingungen
zu bestimmen, indem die SSC- und SDS-Konzentrationen und die Temperatur
der Hybridisierung und der Waschschritte variiert werden.
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In
einer anderen Ausführungsform
ist das Expressionsprodukt das Polypeptid, das durch das gad2-Gen
in der Probe codiert wird. Das Polypeptid kann insbesondere durch
Immunblotting oder Immunzytochemie detektiert werden.
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Es
können
für GAD2
spezifische Antikörper
verwendet werden, um eine erhöhte
GAD2-Expression zu detektieren. Immunologische Assays können in
jeglichen geeigneten Formaten, die in diesem Fachgebiet bekannt
sind, ausgeführt
werden. Diese umfassen Western-Blots, immunhistochemische Assays
und ELISA-Assays.
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Dementsprechend
sind Antikörper,
die mit dem GAD2-Polypeptid reagieren, wie auch reaktive Fragmente
von solchen Antikörpern,
ebenfalls im Umfang der Erfindung mit enthalten. Die Antikörper können polyklonal,
monoklonal, rekombinant, chimär,
einzelkettig und/oder bispezifisch sein. In einer bevorzugten Ausführungsform
wird der Antikörper
oder das Fragment davon entweder von humanem Ursprung sein oder
wird „humanisiert" sein, d.h. so hergestellt
worden sein, dass eine Immunreaktion gegen den Antikörper, wenn
er einem Patienten verabreicht wird, verhindert oder minimiert wird.
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Das
Antikörperfragment
kann ein jegliches Fragment sein, das mit den Polypeptiden der Erfindung
reagiert. Die Erfindung umfasst auch die Hybridome, die erzeugt
werden, indem das erfindungsgemäße Polypeptid
oder ein Fragment davon als Antigen einem ausgewählten Säugetier präsentiert wird, gefolgt von
einem Fusionieren von Zellen (z.B. Milzzellen) des Säugetiers
mit bestimmten Krebszellen, um immortalisierte Zelllinien durch
bekannte Techniken, wie die Technik von Köhler und Milstein (1975 Nature
256, 495), zu erzeugen.
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Die
erfindungsgemäßen Antikörper sind
beispielsweise chimäre
Antikörper,
humanisierte Antikörper, Fab-
oder F(ab')2-Fragmente. Sie können für Detektionszwecke Immunkonjugate
oder markierte Antikörper sein.
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In
einer anderen Ausführungsform
wird die Erfindung ausgeführt,
indem bestimmt wird, ob es eine Änderung
in der Keimbahnsequenz der 5'-Region
des gad2-Gens in der Probe gibt, indem Verschiebungen bei der elektrophoretischen
Mobilität
von einzelsträngiger
DNA aus der Probe auf denaturierenden oder nicht-denaturierenden Polyacrylamidgelen beobachtet
werden. Die einzelsträngigen
Nucleinsäuren
können
nach einer Amplifizierung der genomischen DNA unter Verwendung von
geeigneten Primern und Denaturierung erhalten werden (das Gel und
die Elektrophoresebedingungen sind für einen solchen Zweck üblicherweise
denaturierend).
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In
einer anderen Ausführungsform
wird die Erfindung ausgeführt
durch Amplifizierung der Gesamtheit oder eines Teils des 5'-Region des gad2-Gens
aus der Probe und Bestimmung der Sequenz der amplifizierten DNA,
beispielsweise durch die Sanger-Sequenzierungstechnik.
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In
einer anderen Ausführungsform
werden allelspezifische Oligonucleotid-Primer eingesetzt, um zu bestimmen,
ob ein spezielles mutiertes gad2-Allel in der Probe vorhanden ist,
wobei die Amplifizierung nur in diesem Falle stattfindet. Diese
Methode ist in diesem Fachgebiet wohlbekannt.
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In
einer anderen Ausführungsform
wird die Gesamtheit oder ein Teil der 5'-Region
des gad2-Gens aus der Probe kloniert, um eine klonierte Sequenz
herzustellen, und die Sequenz der klonierten Sequenz wird bestimmt.
Die Klonierung wird in Vektoren, die in diesem Fachgebiet bekannt
sind, wie pUC- oder
pBR-Vektoren, ausgeführt.
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Allgemein
betrifft die Erfindung ein Verfahren zur Bestimmung einer Prädisposition
für Fettleibigkeit, insbesondere
krankhafte Fettleibigkeit, in einem Subjekt aus einer Probe des
Subjekts, welches umfasst, zu bestimmen, ob es eine Fehlpaarung
zwischen (1) der 5'-Region
der genomischen DNA des gad2-Gens, welche aus der Probe isoliert
wird, und (2) einer Nucleinsäuresonde,
welche zu der humanen Wildtyp-5'-Region der
gad2-Gen-DNA, wie durch SEQ ID Nr. 2 dargestellt, komplementär ist, gibt,
wenn die Moleküle
(1) und (2) unter Bildung eines Doppelstrangs miteinander hybridisiert
werden, und wobei die Fehlpaarung auf die Anwesenheit von mindestens
einem der 3 identifizierten SNPs, welche bei den Nucleotiden 376,
780 oder 2137 von SEQ ID Nr. 2 vorhanden sind, zurückzuführen ist.
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In
einer anderen Ausführungsform
betrifft die Erfindung ein Verfahren, in welchem eine Amplifizierung der
Sequenzen der 5'-flankierenden
Region des gad2-Gens in der Probe ausgeführt und eine Hybridisierung der
amplifizierten Sequenzen mit einer oder mehreren Nucleinsäuresonden,
welche aus der Sequenz der 5'-flankierenden
Region des Wildtyp-gad2-Gens (wie in SEQ ID Nr. 2 dargestellt) oder
einer mutierten Sequenz der 5'-flankierenden
Region des gad2- Gens
(in welcher mindestens einer der drei bei den Nucleotiden 376, 780
oder 2137 von SEQ ID Nr. 2 lokalisierten SNPs vorhanden ist) stammen,
bestimmt wird.
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Die
Erfindung betrifft auch ein Verfahren, welches umfasst, die Hybridisierung
der 5'-flankierenden
Region des gad2-Gens in der Probe in situ zu bestimmen mit einer
oder mehreren Nucleinsäuresonden,
die aus einer Wildtyp- oder
einer mutierten Sequenz der 5'-flankierenden
Region des gad2-Gens stammen.
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Die
Erfindung eröffnet
ein neues Feld bei der Behandlung und/oder Verhütung von Fettleibigkeit, insbesondere
krankhafter Fettleibigkeit, speziell für Patienten in Familien, wo
eine genetisch-bedingte Anfälligkeit vermutet
wird.
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Tatsächlich machen
die Anwesenheit der SNPs in der 5'-Region des gad2-Gens und die Daten, welche eine erhöhte Bindung
von Kernfaktoren an diese Region, wenn die im Rahmen der Erfindung
identifizierten Polymorphismen vorhanden sind, zeigen, es wahrscheinlich
und glaubhaft, dass die Anwesenheit dieser Polymorphismen die Expression
von gad2 erhöht,
wahrscheinlich durch verstärkte
Transkription. Darüber
hinaus führt
eine erhöhte
Aktivität
des gad2-Gens zu
einer Zunahme des GABA-Pools, der appetitanregenden Wirkung von
GABA, welche das Verhalten bei der Nahrungsaufnahme verändern und
zu der Entwicklung von krankhafter Fettleibigkeit für die Träger der
identifizierten Mutationen beitragen können.
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Dementsprechend
betrifft die Erfindung auch ein Verfahren zur Durchmusterung potentieller
Fettleibigkeitsarzneistoffe, welches umfasst: Vereinigen (i) einer
Verbindung, von der vermutet wird, dass sie ein Fettleibigkeitsarzneistoff
ist, (ii) eines GAD2-Polypeptids und Bestimmen der Menge der Bindung
des GAD2-Polypeptids an die Verbindung. Tatsächlich werden Inhibitoren des
GAD2-Enzyms mit der Bildung von GABA interferieren und können als
nützliche
Arzneimittel für
die Behandlung von Fettleibigkeit, allein oder in Kombination mit
anderen Behandlungen, angesehen werden.
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Die
Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Durchmusterung potentieller
Fettleibigkeitstherapeutika, welches umfasst: Vereinigen (i) eines
GAD2-Bindungspartners,
(ii) eines GAD2-Polypeptids und (iii) einer Verbindung, von der vermutet
wird, dass sie ein Fettleibigkeitstherapeutikum ist, und Bestimmen
der Menge an Bindung des GAD2-Polypeptids an seinen Bindungspartner.
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In
einer besonderen Ausführungsform
ist der Bindungspartner L-Glutaminsäure.
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Die
Erfindung betrifft auch ein Verfahren zum Durchmustern von potentiellen
Fettleibigkeitstherapeutika, welches umfasst: Vereinigen (i) eines
gad2-Gen-Bindungspartners, (ii) eines gad2-Gens und (iii) einer Verbindung,
von der vermutet wird, dass sie ein Fettleibigkeitstherapeutikum
ist, und Bestimmen der Menge an Bindung des gad2-Gens an seinen
Bindungspartner. In dieser Ausführungsform
muss der Begriff „gad2-Gen" so verstanden werden,
dass er die 5'-flankierende
Region in dem gad2-Genort, welche die Polymorphismen der Erfindung,
insbesondere -243 A>G,
umfasst, mit umfasst.
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Insbesondere
ist der gad2-Gen-Bindungspartner IK2 (Ikaros 2), dessen Aminosäuresequenz
durch SEQ ID Nr. 3 dargestellt wird.
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Die
Verfahren zur Ermittlung der Bindung einer Verbindung an eine Nucleinsäure oder
ein Protein sind in diesem Fachgebiet wohlbekannt und werden vorzugsweise
in vitro ausgeführt.
Ein Verfahren, um ein solches Ziel zu erreichen, kann darin bestehen,
die Nucleinsäure
oder das Protein an einen festen Träger zu binden, auf welchem
man die zu testende Verbindung fließen lässt, und die Rückgewinnung
der Verbindung nach der Passage auf dem Träger zu überprüfen. Indem Parameter angepasst
werden, ist es auch möglich,
die Bindungsaffinität
zu bestimmen. Die Verbindungen können
auch durch andere Methoden, einschließlich FRET, SPA..., gefunden
werden, wenn die Verbindungen und die Nucleinsäure oder das Protein markiert
werden. Der Assay kann auch an Zellen, die die Nucleinsäure der
Erfindung, beispielsweise auf einem Vektor gemäß der Erfindung, enthalten
und/oder das erfindungsgemäße Protein
exprimieren, ausgeführt
werden. Dies liefert auch Informationen über die Fähigkeit der Verbindung, durch
die Membran hindurchzutreten und in Zellen einzudringen. Diese Zellen
können
Bakterienzellen oder Säugetierzellen
sein.
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Das
Verfahren der Erfindung erlaubt auch das Durchmustern, die Detektion
und/oder die Identifizierung von Verbindungen, welche in der Lage
sind, die biologische Aktivität
des GAD2-Proteins und insbesondere die Zunahme der Menge von produziertem
GABA zu hemmen.
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Die
Erfindung erlaubt dementsprechend die Detektion, Identifizierung
und/oder das Durchmustern von Verbindungen, die für die Behandlung
von Krankheiten, an welchen eine V(D)J-Rekombination und/oder DNA-Reparatur
beteiligt ist, nützlich
sein können.
Nichtsdestotrotz müssen
die durch das erfindungsgemäße Verfahren
identifizierten Verbindungen, um im Rahmen einer therapeutischen
Behandlung verwendet werden zu können,
möglicherweise
optimiert werden, um eine höhere
Aktivität
und/oder eine geringere Toxizität
aufzuweisen.
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Tatsächlich wird
die Entwicklung von neuen Arzneimitteln oftmals auf der folgenden
Grundlage ausgeführt:
- – Durchmustern
von Verbindungen mit der gesuchten Aktivität mittels eines relevanten
Modells durch ein geeignetes Verfahren,
- – Selektion
der Verbindungen, die die benötigten
Eigenschaften haben, aus dem ersten Durchmusterungstest (hier Modulation
der GAD2- oder GABA-Produktion),
- – Bestimmung
der Struktur (insbesondere der Sequenz (wenn möglich der Tertiärstruktur),
wenn sie Peptide, Proteine oder Nucleinsäuren sind, der Formel und des
Grundgerüsts,
wenn sie chemische Verbindungen sind) der selektierten Verbindungen,
- – Optimierung
der selektierten Verbindungen durch Modifikation der Struktur (beispielsweise
durch Änderung
der stereochemischen Konformation (beispielsweise Übergehen
der Aminosäuren
in einem Peptid von L zu D), Hinzufügen von Substituenten an dem
Peptid- oder chemischen Gerüst,
insbesondere durch Aufpfropfen von Gruppen oder Resten auf das Gerüst, Modifikation
der Peptide (siehe insbesondere Gante „Peptidomimetics", in Angewandte Chemie-International
Edition Engl. 1994, 33, 1699-1720),
- – Testen
und Durchmustern der „optimierten" Verbindungen mittels
geeigneter Modelle, die oftmals Modelle sind, die der untersuchten
Pathologie näher
kommen. In diesem Stadium würde
man oftmals Tiermodelle, insbesondere Nagetiere (Ratten oder Mäuse) oder
Hunde oder nicht-humane Primaten, die gute Modelle für Fettleibigkeit
sind, verwenden und nach den phänotypischen
Veränderungen
in den Modellen nach Verabreichung der Verbindung suchen.
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Die
Erfindung betrifft auch eine pharmazeutische Zusammensetzung, umfassend
einen pharmazeutisch annehmbaren Träger und eine Verbindung, wie
in Anspruch 10 definiert, und die Verwendung einer durch ein erfindungsgemäßes Verfahren
identifizierten Verbindung, wie in den Ansprüchen 11 oder 12 definiert,
für die
Herstellung eines Arzneimittels, welches dazu bestimmt ist, Fettleibigkeit,
insbesondere krankhafte Fettleibigkeit zu behandeln und/oder zu
verhüten.
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Die
Erfindung betrifft auch ein Verfahren zur Behandlung von Fettleibigkeit,
insbesondere krankhafter Fettleibigkeit, welches die Verabreichung
einer Verbindung oder einer pharmazeutischen Zusammensetzung der
Erfindung umfasst.
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Um
die Aktivität
des gad2-Gens und -Proteins zu verringern, ist es möglich, in
einer pharmazeutischen Zusammensetzung zum Behandeln von Fettleibigkeit
Antisense-Moleküle
zu verwenden, welche insbesondere zu der mRNA von gad2 komplementär sind.
Die Erfindung betrifft ein Verfahren zur Behandlung von Fettleibigkeit,
welches eine Verabreichung eines anti-gad2-Antisense-Moleküls oder
eines jeglichen Mittels, um die Menge von GAD2-Protein zu verringern,
umfasst. Der Fachmann auf diesem Gebiet kennt die Mittel und Maßnahmen,
um Antisense-Moleküle
zu gestalten, und die Modifikationen, die an den Gerüsten der
Moleküle
vorgenommen werden können
(Phosphorthioate, Methylphosphonate...).
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Antisinn-Polynucleotidsequenzen
sind nützlich,
um die Expression des gad2-Gens zu verhindern oder zu verringern,
wie sich für
die Fachleute auf diesem Gebiet versteht. Es können beispielsweise Polynucleotidvektoren,
welche die Gesamtheit oder einen Teil des gad2-Gens (oder andere
Sequenzen aus dem gad2-Genort, insbesondere der 5'-flankierenden Region)
unter die Kontrolle eines Promotors in einer Antisense-Orientierung
gestellt und in eine Zelle eingeführt werden. Die Expression
eines solchen Antisense-Konstrukts innerhalb einer Zelle wird mit
der gad2-Transkription und/oder -Translation interferieren.
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Alternativ
kann eine „Sense"-Strategie vorgesehen
werden, wo ein Nucleinsäure-Oligonucleotid
oder eine Nucleinsäure-Sonde,
welche(s) einen Teil der 5'-Region
des gad2-Gens (welcher insbesondere die -243 A>G-Variante bei Nukleotid 2137 von SEQ
ID Nr. 2 umfasst) umfasst, in die Zellen eingeführt wird, um einen Kompetitor
hinsichtlich der Bindung der Kernfaktoren, welche die Transkription
aktivieren, darzustellen. Die Größe des Fragments
der 5'- flankierenden Region
des gad2-Gens, das im Rahmen der Sense-Strategie verwendet werden
kann, beträgt
vorzugsweise ungefähr
50-150 Basen.
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Die
Erfindung betrifft auch die Verwendung von Tiermodellen zum Untersuchen
von Fettleibigkeit, wo die Expression des gad2-Gens erhöht ist.
Die Expression dieses Gens kann insbesondere nur konditional erhöht werden,
indem Promotoren, die entweder orts- oder zeitspezifisch sind, oder
induzierbare Promotoren verwendet werden. Es ist dementsprechend
möglich,
die gad2-Expression
nur im Pankreas der Tiere gemäß der Erfindung
oder im Gehirn zu erhöhen.
Die Verfahren, um Tiere gemäß der Erfindung
zu erhalten, sind den Fachleuten auf diesem Gebiet bekannt und sind
insbesondere nützlich
zum Testen von einigen Arzneimitteln, die gemäß den Verfahren der Erfindung
identifiziert werden können.
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Die
Insertion eines Konstrukts in das Genom eines Tiers, um ein transgenes
Tier zu erhalten, kann durch Methoden, die dem Fachmann auf diesem
Gebiet wohlbekannt sind, ausgeführt
werden und kann entweder zufallsgesteuert oder zielgerichtet erfolgen.
In wenigen Worten wird der Fachmann einen Vektor konstruieren, welcher
die in das Genom zu inserierende Sequenz mit einem geeigneten Promotor
und einem Selektionsmarker (beispielsweise das das Protein, welches
Resistenz gegen Neomycin verleiht, kodierende Gen) enthält, und
diesen in die embryonalen Stammzellen (ES-Zellen) eines Tiers eindringen
lassen. Die Zellen werden dann mittels des Selektionsmarkers selektiert
und in einem Embryo eingebracht, beispielsweise durch Mikroinjektion
in eine Blastozyste, die geerntet werden kann, indem der Uterus
von schwangeren Weibchen perfundiert wird. Eine Reimplantation des
Embryos und eine Selektion der transformierten Tiere, gefolgt von
einer potentiellen Rückkreuzung,
ermöglicht
es, ein solches transgenes Tier zu erhalten. Um ein „saubereres" Tier zu erhalten,
kann das Selektionsmarkergen durch die Verwendung einer ortsspezifischen
Rekombinase herausgeschnitten werden, wenn dieses durch die korrekten
Sequenzen flankiert wird.
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Gemäß einer
Ausführungsform
weist das transgene nicht-humane Säugetier in sein Genom integriert die
Nucleinsäuresequenz
des gad2-Gens oder die kodierende Sequenz davon auf, operativ verknüpft mit
regulatorischen Elemente, wobei die Expression der kodierenden Sequenz
die Konzentration des GAD2-Proteins und/oder den GABA-Pool in dem
Säugetier
bezogen auf ein nicht-transgenes
Säugetier
derselben Art erhöht.
Transgene Mäuse,
welche eine erhöhte
Expression von gad2 aufweisen, werden in WO-A-98/37224 oder Geng
et al., PNAS, Band 95, 1995, S. 10055-10060, beschrieben.
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Die
gad2-Sequenz, die für
die vorangegangene Ausführungsform
vorgesehen wird, kann eine humane gad2-Gensequenz, die in das Genom
des Tiers der Erfindung eingeführt
wird, oder die endogene gad2-Gensequenz, deren Promotor modifiziert
worden ist, um eine Überexpression
zu induzieren, sein. Beispielsweise ist die gad2 kodierende Sequenz
für die
Maus bekannt und kann in GenBank unter der Nummer NM_008078 gefunden
werden. Andere endogene gad2-Gene in anderen Tieren können unter
Ausnutzung der Homologien zwischen Sequenzen identifiziert werden.
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Alternativ
wird ein transgenes nicht-humanes Säugetier, dessen Genom eine
Zerstörung
des endogenen gad2-Gens umfasst, als ein Tiermodell zum Testen von
Verknüpfungen
zwischen GAD2 und Fettleibigkeit verwendet. Diese Zerstörung umfasst
insbesondere die Insertion einer selektierbaren Markersequenz, und
die Zerstörung
führt dazu,
dass das nicht-humane Säugetier
einen Defekt in der GABA-Konzentration verglichen mit einem nicht-humanen
Wildtyp-Säugetier
aufweist.
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Insbesondere
ist die Zerstörung
eine homozygote Zerstörung
und die homozygote Zerstörung
führt zu einer
Nullmutation des endogenen Gens, welches GAD2 kodiert.
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US 6,087,555 beschreibt
eine Weise, um eine Knock-out-Maus zu erhalten, und die allgemeine
Lehre dieses Patents wird in diese Unterlagen durch Bezugnahme aufgenommen
(Spalte 5, Zeile 54, bis Spalte 10, Zeile 13). In diesem Patent
wird eine OPG-Knock-out-Maus beschrieben, aber die gleiche Methode
ist für
eine GAD2-Knock-out-Maus anwendbar. Der Fachmann auf diesem Gebiet
wird auch in Hogan et al. (Manipulating the Mouse Embryo: a Laboratory
Manual, Cold Spring Harbor Laboratory Press, Cold Spring Harbor,
NY; 1986) Informationen finden.
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Das
Säugetier
der Erfindung ist vorzugsweise ein Nagetier, insbesondere eine Ratte
oder eine Maus. GAD65 (gad2)-Knock-out-Mäuse werden in Fagiolini und
Hensch, Nature, Band 404, 2000, S. 183-186, beschrieben.
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BESCHREIBUNG DER FIGUREN
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1:
schematische Darstellung des gad2-Gens und der Häufigkeit der SNPs, die im Rahmen
der Erfindung identifiziert worden sind.
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2:
Gel-Shift-Assay (Gel-Verschiebungs-Assay), welcher die Bindung von
Kernprotein in der 5'-Region
des gad2-Gens abhängig
von der Natur des Nucleotids an Position -243 testet. mt = mutiert
(G); wt = Wildtyp (A).
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3:
Wirkung der -243A>G-gad2-Variante
auf die Transkriptionsaktivität
in βTC3-Zellen.
Relative Luciferase-Einheiten sind als Mittelwerte ± Standardabweichung
ausgedrückt.
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BEISPIELE
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Beispiel 1: Assoziation
zwischen Fettleibigkeit und SNPs
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Das
Gad2-Gen kodiert eine Isoform der Glutaminsäuredecarboxylase (GAD65), welche
die Bildung von gamma-Aminobuttersäure (GABA) aus L-Glutaminsäure katalysiert,
und wird sowohl im Gehirn als auch in den Langerhans'-Inselzellen des
Pankreas exprimiert. GABA ist einer der stärksten inhibitorischen Neurotransmitter
des Zentralnervensystems (ZNS). GABA moduliert die Sekretion von
Gastrin und Somatostatin und stimuliert möglicherweise die Glucoseaufnahme
in mehreren Geweben (Erdo und Wolff, 1990, J. Neurochem.; 54(2):363-72).
-
Drei
SNPs (-243 A>G-Variante
(5'UTRI); -1,6kb
G>A (SNP 668); -2004
A>T SNP669)), die
in der 5'-flankierenden
Region des gad2-Gens lokalisiert sind, enthüllten eine positive Assoziation
mit Fettleibigkeit bei krankhaft fettleibigen Subjekten.
-
Die
DNA-Fragmente, die diese Polymorphismen tragen, können mit
den folgenden Primersätzen
amplifiziert werden.
-
Polymorphismen
des gad2-Gens wurden durch direkte Sequenzierung oder durch die
LightCycler
TM-Technologie (Roche, Mannheim,
Deutschland) genotypisiert. Der LightCycler-Assay basiert auf Hybridisierungssonden,
die mit fluoreszierenden Farbstoffen, die einen Fluoreszenzresonanzenergietransfer
erlauben, markiert sind (Blomeke et al., 1999, Anal. Biochem., 275,
93-7). Die SNP-Genotypisierung wurde unter Verwendung einer Schmelzkurvenanalyse
ausgeführt.
PCR werden in einem 9700-Gerät
(Applied Biosystems, Foster City, USA) vor der LightCycler-Analyse
ausgeführt.
Sequenzen von für
die PCR und für
die LightCycler-Assays verwendeten Primern sind in der folgenden
Tabelle beschrieben.
- (F
steht für
die Fluorescein-Markierung).
-
PCR-Amplifizierungen
wurden in einem Reaktionsendvolumen von 20 μl PCR-Puffer, welcher 50 ng humane
genomische DNA, 10 pmol von jedem Primer, 2,5 mmol/l MgCl2, 2,5
mmol/l dMTP und 0,2 E Taq Gold-Polymerase enthält, ausgeführt. Die Thermozyklus-Bedingungen
für das
PCR-Produkt waren: 1 Zyklus 95°C
12 min; 35 Zyklen, 95°C
15 s, 55°C
15 s, 72°C
30 s; 1 Zyklus 72°C
10 min; 1 Zyklus 15°C
15 min.
-
Zusätzlich wurden,
um das eingeschränkte
Essen und die „latente
Fettleibigkeit" zu
untersuchen, die kognitive Einschränkung des Essens, die Disinhibition
und der Hunger gemäß dem „Three
factor eating questionnaire or TFEQ„ (Stunkard, AJ, und Messick,
S., 1985, J. Psychosom Res.; 29(1):72-83) analysiert.
-
Assoziationsuntersuchungen
wurden bei 369 nicht-verwandten krankhaft fettleibigen Patienten
ausgeführt
(mittlerer BMI: 47,3 ± 7,4
kg/m2; mittleres Alter: 46 ± 12 Jahre;
Frauen/Männer,
294/75).
-
Eine
Gruppe von 381 nicht-verwandten nicht-fettleibigen, nicht-diabetischen
Subjekten (mittlerer BMI: 22,8 ± 2,44 kg/m2;
mittleres Alter: 58,3 ± 14,1
Jahre; Frauen/Männer,
228/152) wurde als Kontrollgruppe verwendet. Tabelle 1 zeigt die
Genotypverteilung und Allelhäufigkeiten
der 3 SMPs (-243 A>G-Variante
(5'UTRI); -1,6kb
G>A (SMP 668); -2004
A>T (SNP669)).
-
Tabelle
1. Genotypverteilung und Allelhäufigkeiten
von 242 A>G-, 1,6kb
G>A- und 1,7kb A>T-SNPs
-
Im
Rahmen des codominanten und des dominanten Modells wurden der -243
A>G- und der -1,6kb G>A-SNP mit krankhafter
Fettleibigkeit assoziiert (jeweilige p-Werte von 0,004 und 0,02
im Rahmen eines dominanten Modells). Ein Trend in Richtung einer
Assoziation wurde für
die -2004 A>T-Variante
beobachtet.
-
Das
relative Risiko von diesen 3 SNPs wurde abgeschätzt: O.R = 1,55 (95% Cl[1,14
2,12])(UTR5I; -243); O.R = 1,45 (95% Cl[1,06 2])(SNP668; -1,6kb];
O.R = 1,34 (95% Cl[0,97 1,84])(SNP669; -2004).
-
Um
diese Ergebnisse zu replizieren, wurden die 3 SNPs in einer anderen
Gruppe von 316 nicht-verwandten krankhaft fettleibigen Subjekten
genotypisiert. Für
den -243 A>G-SNP wurde
ein ähnliches
Ergebnis erhalten (im Rahmen des dominanten Modells, p = 0,009)
und für
den -1.6kb G>A-SNP
wurde ein Trend in diese Richtung erhalten (im Rahmen des dominanten
Modells, p = 0,06).
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Es
wurde eine Varianzanalyse für
mit Fettleibigkeit in Verbindung stehende Phänotypen ausgeführt (BMI,
Leptin, Prozent Fettmasse, Insulinämie...) und es wurde eine signifikante
Assoziation zwischen den 3 SNPs und den drei Faktoren des Essverhaltens
gefunden.
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Um
das menschliche Essverhalten zu testen, füllten die Subjekte den TFEQ
(Three Factor Eating Questionnaire)-Fragebogen, der von Stunkard
et al. (a.a.O.) erstellt worden ist, aus. In Tabelle 2 ist die Varianzanalyse
für drei
stabile Faktoren, die durch den TFEQ gemessen werden: kognitive
Einschränkung
des Essens (Qres), Disinhibition (Qdis) und Hunger (Qhun,) gezeigt.
Das Kopplungsungleichgewicht zwischen den 3 SNPs war signifikant
(χ2 = 174, p < 10–10).
-
Das
Kopplungsungleichgewicht zwischen jedem SNP wurde durch die Estimation
Haplotype (EH)-Software abgeschätzt.
D' = 0,84 (SNPs
-243 A>G und -1,6kb
G>T), D' = 0,84 (SNPs -243
A>G und -2004kb G>A), d' = 0,87 (SNPs -1,6kb
G>T und -2004kb G>A).
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Tabelle
2 zeigt die Ergebnisse, die für
die -243 A>G (5'UTR)-Variante erhalten
wurden. Ähnliche
Ergebnisse wurden für
die -1,6kb G>A (SNP
668)- und die -2004 A>T
(SNP 669)-Variante erhalten.
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Tabelle
2: Varianzanalysen mit gefundenen Aufnahmeverhaltensparametern
-
Unter
Verwendung eines codominanten Modells wurde festgestellt, dass die
GG-Träger
einen niedrigeren Restriktions-Score als heterozygote und Wildtyp-Subjekte aufwiesen
(p-Wert = 0,06). Sie zeigten auch einen höheren Disinhibitions- (p-Wert
= 0,03) und einen höheren
Hunger-Score (p-Wert = 0,001) als heterozygote und Wildtyp-Subjekte.
Darüber
hinaus wurde beobachtet, dass GG-Träger jünger sind (p-Wert = 0,04) und ein
Maximalgewicht in frühen
Jahren zu erreichen scheinen als AG- und AA-Träger (p-Wert = 0,03). Diese
Daten legen nahe, dass Änderungen
des Nahrungsaufnahmeverhaltens durch gad2-Varianten zu der Entwicklung
eines Ausbruchs von krankhafter Fettleibigkeit in jüngeren Jahren
beitragen können.
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Haplotyp-Untersuchungen
wurden mit der -243 A>G-,
-1,6kb G>A- und der
-2004 A>T-Variante
ausgeführt
(EHplus-Software). Es wurde ein signifikanter Haplotyphäufigkeitsunterschied
zwischen fettleibigen und nicht-fettleibigen Subjekten beobachtet
(p < 10–10).
Es wurde gezeigt, dass der ATG-Haplotyp verglichen mit Kontrollen
(8%) bei fettleibigen Subjekten häufiger war (16,9%) (1).
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Beispiel 2: Funktionale
Untersuchung einer Promotorvariante des gad2-Gens
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Um
nach potentiellen Bindungsstellen zu suchen, wurde die Sequenz der
5'-flankierenden
Region des gad2-Gens bei dem transfac server: http://transfac.gbf.de/cgi-bin/mat,
eingereicht.
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In
silico-Analysen zeigten, dass -243 A>G (lokalisiert bei Nucleotid 2137 von
SEQ ID Nr. 2) und -1,6kb G>A
(lokalisiert bei Nucleotid 780 von SEQ ID Nr. 2) nahe der vorhergesagten
Ikaros 2 (IK2)-Response-Element-Stelle lokalisiert waren. IK2 ist
ein Transkriptionsfaktor, der in humanen Lymphozyten stark exprimiert wird,
und seine Aminosäuresequenz
wird durch SEQ ID Nr. 3 dargestellt.
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Um
zu testen, ob die -243 A>G-Variante
die Bindung von Kernproteinen an die DNA verändert, wurde ein Gel-Shift-Assay
ausgeführt
unter Verwendung von Primern mit Sequenzen der Wildtyp- und der
mutierten Stelle und eines Zellkernextrakts aus MIN6-Zellen (2).
-
Die
Ergebnisse des Gel-Shift-Assays zeigten, dass es eine in vitro-Bindung
von Kernproteinen an die IK2-Response-Element-Stelle gibt. Offensichtlich
haben die Kernproteine eine höhere
Affinität
gegenüber
der Response-Element-G-Variante
(vgl. 6 gegenüber
1). Ein ähnliches
Ergebnis wurde mit einer Kompetition des A- und G-Allels erhalten
(vgl. 2 gegenüber
3; 6 gegenüber
8, 7 gegenüber
9).
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Um
zu untersuchen, ob die Allelvariante an Position -243 das GAD2-Transkriptionsniveau
beeinflusst, wurden vorübergehende
Cotransfektionen unter Verwendung des Leuchtkäfer-Luciferase-Reporter-Konstrukts
ausgeführt,
um die proximale Promotoraktivität
von Wildtyp-Promotoren und Promotorvarianten in βTC3-Zellen (Maus-Insulinom-Zelllinie)
zu messen. Es wurde der Renilla-Vektor verwendet, um die Transfektionseffizienz
zu normalisieren. Die Transkriptionsaktivität des mutierten -243A>G-Konstrukts war verglichen mit
dem Wildtyp-Konstrukt
8,61-mal höher
(n = 8, p < 0,0001)
(3).
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Die
beobachtete erhöhte
Transkriptionsaktivität,
die durch das G-Allel von -243 A>G
induziert wird, steht in Übereinstimmung
mit den genetischen Ergebnissen
- – die Assoziation
der -243 A>G-Variante
mit Fettleibigkeit (p = 0,004, O.R = 1,55 (95% Cl[1,14-2,12])
- – die
GG-Träger
haben einen niedrigeren Nahrungsrestriktions- bzw. Nahrungseinschränkungs-Score
(p = 0,06), einen höheren
Disinhibitions-Score (p = 0,03) und einen höheren Hunger-Score-Parameter
(p = 0,001).
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Diese
Ergebnisse zeigen, dass die Bindung von Kernproteinen (potentiell
des IK2-Transkriptionsfaktors) in Gegenwart der Allelvariante erhöht wurde
und möglicherweise
das Gad2-Gen transaktiviert und dementsprechend den GABA-Pool. Dementsprechend
könnte
die appetitanregende Wirkung von GABA erhöht werden und könnte das
Nahrungsaufnahmeverhalten verändern
und zu der Entwicklung von krankhafter Fettleibigkeit für G-Träger der
-243 A>G-Variante
beitragen.
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Das
Ergebnis könnte
auf die anderen SNPs, die ebenfalls nahe bei dem IK2-Response-Element
liegen, generalisiert werden.
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Die
in dieser Anmeldung präsentierten
Ergebnisse zeigen eine Beteiligung des GABA-Wegs an Fettleibigkeit
beim Menschen an. Dies ist ein wichtiger Schritt in Richtung eines
besseren Verständnisses
der molekularen Mechanismen, die zu üblichen Formen von Fettleibigkeit
führen.
Es scheint klar, dass die GABAergen Neuronen an der Integration
von Signalen, welche die Nahrungsaufnahme modulieren, beteiligt
sind. Die Identifizierung von SNPs in der 5'-Region des gad2-Gens und der Nachweis, dass deren Anwesenheit
die Expression eines Schlüsselenzyms
(GAD2) moduliert, was wiederum den GABA-Pool modulieren wird, eröffnet eine
neue Perspektive für
Arzneimittel gegen Fettleibigkeit.
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