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Fachgebiet
der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung betrifft Nicht-Labor-HSV-Stämme mit
verbesserten onkolytischen Fähigkeiten
im Vergleich zu Laborvirusstämmen.
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Hintergrund
der Erfindung
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Viren
wurden bei einer Vielfalt von Anwendungen in der Biotechnologie
und Medizin für
viele Gelegenheiten als nützlich
vorgeschlagen oder nachgewiesen. Dies liegt jeweils an der einzigartigen
Fähigkeit
von Viren, mit hoher Effizienz in Zellen einzudringen. Dem folgt
bei diesen Anwendungen entweder die Expression und Replikation eines
viralen Gens und/oder die Expression eines eingeführten heterologen
Gens. So können Viren
entweder Gene in Zellen transportieren und exprimieren (entweder
virale oder andere Gene), die zum Beispiel in der Gentherapie oder
der Entwicklung von Impfstoffen nützlich sein können, oder
sie können
zur selektiven Abtötung
von Zellen durch lytische Replikation oder die Aktivität eines übertragenen
Gens bei beispielsweise Krebs nützlich
sein.
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Herpes-simplex-Virus
(HSV) wurde als nützlich
sowohl als ein Genübertragungsvektor
in das Nervensystem und an anderen Stellen als auch für die onkolytische
Behandlung von Krebs vorgeschlagen. Bei beiden Anwendungen muss
das Virus jedoch unschädlich
gemacht werden, so dass es nicht mehr pathogen ist, doch nach wie
vor in Zellen eindringen und die gewünschte Funktion erfüllen kann.
Daher ist für
die nicht-toxische Genübertragung
an Zielzellen unter Verwendung von HSV erkannt worden, dass in den
meisten Fällen
die Immediate-Early-Gen-Expression vom Virus verhindert/minimiert
werden muss. Für
die onkolytische Behandlung von Krebs, was auch die Übertragung
von Gen(en) zur Erhöhung
der therapeutischen Wirkung um fassen kann, wurde eine Anzahl von
Mutationen an HSV identifiziert, die dem Virus nach wie vor das
Replizieren in Kultur oder in sich in vivo aktiv teilenden Zellen
(z.B. in Tumoren) erlauben, die aber eine signifikante Replikation
in gesundem Gewebe verhindern. Zu solchen Mutationen zählt die
Zerstörung
der ICP34.5-, ICP6- und Thymidinkinase-codierenden Gene. Von diesen
haben Viren mit Mutationen an ICP34.5, oder ICP34.5 in Verbindung
mit Mutationen z.B. von ICP6, bisher das günstigste Sicherheitsprofil
gezeigt. Von Viren, die lediglich für ICP34.5 deletiert sind, wurde
die Replikation in vielen Tumorzelltypen in vitro nachgewiesen und
eine selektive Replikation in künstlich
induzierten Hirntumoren in Mäusen
unter Aussparung des umgebenden Gewebes gezeigt. In klinischen Frühphasen-Studien
wurde außerdem
ihre Sicherheit für
den Menschen nachgewiesen.
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Obschon
sich allerdings verschiedene Viren einschließlich HSV für den Gentransfer/Therapie
oder für die
onkolytische Behandlung von Krebs als vielversprechend erwiesen
haben, wurden beim Großteil
dieser Arbeit Virusstämme
verwendet, die für
viele Jahre in Gewebekulturzellen aufbewahrt worden sind. Bei Anwendungen,
bei denen das Virus zur Übertragung
der Gene lediglich in Zellen einzudringen braucht, muss sich dies
nicht als problematisch erweisen, da die Aufbewahrung in Zellkultur
ebenfalls das Eindringen des Virus in Zellen erfordert, obschon
oftmals in Zellen eines unterschiedlichen Typs oder Spezies im Vergleich
zu den wahrscheinlichen Zielzellen für einen Vektor. Bei Anwendungen
jedoch, bei denen andere Eigenschaften erforderlich sind, bietet
die Verwendung von Laborvirusstämmen
möglicherweise
nicht das volle Potenzial eines bei einer speziellen Anwendung auszunützenden
Virus.
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HSV
weist unter den derzeit als Vektoren in Entwicklung befindlichen
Viren das einzigartige Merkmal auf, dass es sich natürlich dahin
entwickelt hat, Neuronen zu infizieren und darin latent zu bleiben.
HSV hat sich auch dahin entwickelt, bei hoher Effizienz entlang
der Nerven von der Infektionsstelle, die üblicherweise an der Peripherie
liegt, zum neuronalen Zellkörper,
der üblicherweise
in den Spinalganglien liegt, transportiert zu werden. Diese Fähigkeiten
sind in Zellkultur nicht erforderlich, und da diese Fähigkeiten
spezifisch entwickelte Eigenschaften des HSV erfordern, könnte eine
weitere Anpassung an das Wachstum in Kultur zum Verlust der optimal effizienten
axonalen Transportfähigkeiten
geführt
haben. HSV-Vektoren für
den Gentransfer zum zentralen oder peripheren Nervensystem zeigen
mit einiger Wahrscheinlichkeit eine maximale Wirksamkeit, wenn die
axonalen Transporteigenschaften bei maximaler Effizienz aufrecherhalten
geblieben sind. Hierbei würde
eine Einimpfung an einer peripheren Stelle dann einen maximal effizienten
Gentransfer zu peripheren Neuronenzellkörpern ermöglichen, und eine Einimpfung
in das Gehirn würde
einen maximal effizienten Gentransfer an vielfache damit verbundene
Stellen ermöglichen.
Die aktuellen, auf Laborstämmen
des HSV basierenden Vektoren, lassen dies möglicherweise nicht bei der
maximal möglichen
Effizienz eintreten. In der Tat liegt aufgrund der hohen Transportfähigkeit
des HSV entlang der Nerven potenziell eine besonders große Diskrepanz
zwischen den Eigenschaften vor, die es erwünschterweise konservieren soll
und jenen, die wahrscheinlich in Kultur erhalten bleiben.
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HSV
und andere Viren, wie z.B. Adeno- oder Rheovirus, weisen außerdem einen
potenziellen Nutzen in der onkolytischen Behandlung von Krebs auf.
Allerdings sind auch hier die für
diese Zwecke in Entwicklung befindlichen Viren zuvor umfangreich
in Kultur gehalten worden. Da die onkolytische Behandlung von Krebs eine
aktive Replikation in oftmals relativ langsam wachsenden humanen
Tumorzellen erfordert, wäre
anzunehmen, dass die Anpassung von Laborvirusstämmen an das Wachstum in speziellen
kultivierten Zellen die Effizienz möglicherweise herabgesetzt hat,
mit der diese lytische Replikation in humanen Tumorzellen, oder
die Infektion von humanen Tumorzellen, optimalerweise erfolgen könnte.
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Zusammenfassung
der Erfindung
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Die
vorliegende Erfindung stellt Viren mit verbesserten in vivo-Fähigkeiten
für eine
lytische Zerstörung von
Tumorzellen bereit. Für
diese Zwecke geeignete Virusstämme
werden auf der Basis jüngerer
klinischer Isolate des entsprechenden Virus anstelle der reihenweise
passagierten Laborstämme,
die zuvor verwendet worden sind, konstruiert. Die vorliegende Erfindung
stellt daher Viren mit verbesserten Fähigkeiten zum Infizieren humaner
Zellen in vivo und einer verbesserten replikativen/lytischen Fähigkeit
in diesen Zellen bereit.
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Wir
haben gezeigt, dass zwei klinische Isolate von HSV1 (Stämme JS1
und BL1) eine erhöhte
Replikation in einigen humanen Tumorzelllinien im Vergleich zum
HSV1-Stamm 17+ (einen standardmäßigen Laborstamm)
zeigen.
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Wir
haben ICP34.5 aus dem klinischen Isolat JS1-Stamm deletiert und
nochmals das replikative Potenzial in humanen Tumorzelltypen im
Vergleich zum HSV1-Stamm
17+ (einem standardmäßigen Laborstamm)
verglichen, in welchen ICP34.5 ebenfalls deletiert war. Dieser Stamm
(JS1/ICP34.5-) ist ein modifizierter Stamm, der von einem klinischen
Isolat abgeleitet ist, und stellt daher einen modifizierten Nicht-Laborstamm der Erfindung
dar.
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JS1
mit dem deletierten ICP34.5 zeigte ein erhöhtes Wachstum in einigen humanen
Tumorzellen, das im Vergleich zu HSV1-ICP34.5-deletiertem Stamm
17+, d.h. einem Laborvirusstamm mit derselben Modifikation, getestet
wurde. Im Vergleich zu dem von Stamm 17+ abgeleiteten Laborstamm
war jedoch das Zellabtötungsvermögen mit
dem Virus JS1/ICP34.5- bei allen getesteten Tumorzelllinien erhöht.
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In
der Folge ist bei Verwendung dieser Nicht-Laborvirusstämme eine
Steigerung der Antitumor-Kapazitäten
dieser Viren erkennbar und war bei allen bisher getesteten Tumorzelllinien
evident. Dies wird eine Anwendbarkeit für die Krebsbehandlung bei Humanpatienten
erbringen.
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Eine
weiter erhöhte
Aktivität
kann ebenfalls erwartet werden, wenn diese Viren dann zur Übertragung von
Genen mit Antitumor-Aktivität
verwendet werden. Zu solchen Genen zählen jene, die Prodrug-Aktivatoren, Tumorsuppressoren
oder proapoptotische Faktoren oder immunstimulatorische Proteine
codieren.
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Zu
diesem Zweck haben wir ein ICP34.5-deletiertes klinisches Isolat
von HSV1 erzeugt, welches humanen GMCSF exprimiert. Dieses Virus
ist daraufhin designed, Antitumor-Immunreaktionen auf die intratumorale
Injektion hin zu erhöhen.
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Die
Erfindung stellt auch Viren der Erfindung bereit, die ein heterologes
Gen/Gene tragen. Der Begriff heterologes Gen soll jegliches Gen
umfassen, das nicht im viralen Genom zu finden ist. Das heterologe
Gen kann jegliche allele Variante eines Wildtyp-Gens sein, oder
es kann ein mutiertes Gen sein. Heterologe Gene sind vorzugsweise
an einer Kontrollsequenz operativ geknüpft, die die Expression dieses
heterologen Gens in einer Zelle in vivo ermöglicht. Viren der Erfindung
können
daher zum Transfer eines heterologen Gens/Gene in eine Zelle in
vivo verwendet werden, in welcher es exprimiert werden wird. Für die onkolytische
Virustherapie codieren solche Gene typischerweise Proteine, die
zur Erhöhung
der Tumor-zerstörenden
Eigenschaften des Virus fähig
sind. Diese Gene können
Proteine codieren, die selbst cytotoxisch sind, die Prodrug-aktivierend sind
oder die zur Stimulierung/Verstärkung
einer Antitumor-Immunreaktion fähig
sind.
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In
allen Fällen
können
einzelne oder mehrfache heterologe Gene von einem einzigen Virus
getragen werden.
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Demgemäß stellt
die vorliegende Erfindung bereit:
HSV1-Stamm JS1, wie hinterlegt
bei der European Collection of Cell Cultures (ECACC) unter der Zugriffsnummer
V01010209, oder ein davon abgeleiteter HSV1-Stamm, eine pharmazeutische Zusammensetzung,
die solch ein Virus umfasst; dieses Virus zur Verwendung in der
Behandlung des menschlichen oder tierischen Körpers; die Verwendung dieses
Virus in der Herstellung eines Medikaments für die onkolytische Behandlung von
Krebs und ein Verfahren zur Bestimmung, ob ein Gen die Antitumor-Effekte
eines HSV-Stamms verstärkt, umfassend:
- (i) Bereitstellen eines HSV-Stamms, wie hierin
definiert;
- (ii) Einführen
dieses Gens in den HSV-Stamm; und
- (iii) Auswerten der Fähigkeit
dieses modifizierten, onkolytischen HSV-Stamms zum Replizieren in
oder Abtöten
von Tumorzellen im Vergleich zur Fähigkeit des Vorläufer-Stamms,
wie in Schritt (i) bereitgestellt.
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Kurze Beschreibung
der Zeichnungen
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1. Viren
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Von
oben nach unten zeigen die Diagramme: Labor-HSV1-Stamm 17+, klinischer
Stamm BL1, klinischer Stamm JS1, 17+/ICP34.5-, JS1/ICP34.5-, JS1/ICP34.5-/ICP47-/hGMCSF.
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2. Klinische
Isolate zeigen ein erhöhtes
Wachstum in Tumorzellen
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- (1) Wachstum von 17+, BL1 und JS1. Linkes Diagramm:
U87-Zellen. rechtes Diagramm: LNCaP-Zellen.
- (2) Wachstum von ICP34.5- 17+ und JS1 auf Tumorzellen. Linkes
Diagramm: LNCaP-Zellen. Rechtes Diagramm: MDA-MB-231-Zellen.
- (3) JS1/34.5- wächst
nicht auf Zellen, die für
HSV ICP34.5-Mutanten nicht-permissiv sind. Linkes Diagramm: 3T6-Zellen – 17+, JS1.
Rechtes Diagramm: 3T6-Zellen – 17+,
JS1 ICP34.5-.
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3. Ein ICP34.5-deletiertes
klinisches HSV-Isolat zeigt eine erhöhte Lyse in allen getesteten
Tumorzellen
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Die
Tumorzelllinien wurden entweder mock-infiziert, mit HSV1-Stamm 17+/34.5-
infiziert oder mit HSV1-Stamm JS1/34.5- bei der angegebenen MOI
infiziert und mit Kristallviolett zu bestimmten Zeitpunkten nach
der Infektion angefärbt,
um eine Sichtbarmachung der Zellen zu ermöglichen. Jeder Block der Fotographien
bezieht sich auf einen Zelltyp. Von oben nach unten sind dies HT29-kolorektales
Adenokarzinom, LNCaP.FGC-Prostataadenokarzinom, MDA-MB-231-Brustadenokarzinom,
SK-MEL-28-malignes Melanom und U-87-MG-Glioblastom-Astrozytom. Die
linken Blöcke
betreffen die Ergebnisse für
den HSV1-Stamm 17+/34.5-. Die rechten Blöcke betreffen die Ergebnisse
für den
HSV1-Stamm JS1/34.5-. Die zentralen Blöcke betreffen mock-infizierte
Zellen. Innerhalb jedes Blocks stellt die obere Reihe einen 24-Stunden-Zeitpunkt
dar, die zweite Reihe einen 48-Stunden-Zeitpunkt und die dritte
einen 72-Stunden-Zeitpunkt innerhalb jedes Blocks dar, die linke
Spalte steht für
MOI = 0,2, die mittlere Spalte für
MOI = 0,1 und die rechte Spalte für MOI = 5.
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Ausführliche
Beschreibung der Erfindung
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A. Viren
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Virusstämme der
Erfindung
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Ein
Virusstamm der Erfindung ist Herpes-simplex-Virus 1 (HSV1) Stamm
JS1 oder ein davon abgeleiteter Stamm.
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Die
Derivate weisen vorzugsweise mindestens 70% Sequenzhomologie zum
HSV1-Genom, bevorzugter
mindestens 80%, sogar noch bevorzugter mindestens 90% oder 95% auf.
Bevorzugter weist ein Derivat mindestens 70% Sequenzidentität zum HSV1-Genom,
bevorzugter mindestens 80% Identität, sogar noch bevorzugter mindestens
90%, 95% oder 98% Identität
auf.
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Zum
Beispiel stellt das UWGCG-Package das BESTFIT-Programm bereit, das
zur Berechnung der Homologie (zum Beispiel in seinen Standardeinstellungen)
angewendet werden kann (Devereux et al. (1984) Nucleic Acids Research
12, Seiten 387–395).
Die PILEUP und BLAST-Algorithmen können zur Berechnung der Homologie
oder zum Abgleich von Sequenzen (typischerweise in ihren Standardeinstellungen)
verwendet werden, zum Beispiel wie von Altschul (1993) J. Mol. Evol.
36: 290–300;
Altschul et al. (1990) J. Mol. Biol. 215: 403–10 beschrieben.
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Die
Software für
die Durchführung
der BLAST-Analysen ist über
das National Centre for Biotechnology Information (http://www.ncbi.nlm.nih.gov/) öffentlich
zugänglich.
Dieser Algorithmus beinhaltet erstens die Identifizierung von high-scoring-Sequenzpaaren
(HSPs) durch die Identifizierung kurzer Wörter der Länge W in der Abfragesequenz,
die entweder paaren oder einen gewissen positiv bewerteten Schwellenwert
T erfüllen, wenn
sie mit einem Wort der gleichen Länge in einer Datenbanksequenz
abgeglichen werden. T ist als eine nachbarliche Wort-Score-Schwelle
bezeichnet (Altschul et al., 1990). Diese ersten nachbarlichen Worttreffer dienen
als Ausgangsbasis für
erste Suchen nach HSPs, die sie enthalten. Die Worttreffer werden
in beide Richtungen über
jede Sequenz erweitert, sofern der kumulative Alignment-Score erhöht werden
kann. Erweiterungen für
die Worttreffer in jeder Richtung kommen zum Stillstand, wenn: der
kumulative Alignment-Score um die Größe X von seinem maximal erreichten
Wert abfällt;
der kumulative Score auf null oder darunter fällt, aufgrund der Akkumulation
eines oder mehrerer negativer Scoring-Residue-Alignments; oder das Ende einer
Sequenz erreicht ist. Die BLAST-Algorithmen-Parameter
W, T und X legen die Empfindlichkeit und die Geschwindigkeit des
Alignments fest. Das BLAST-Programm verwendet als Standardwerte
eine Wortlänge
(W) von 11, die BLOSUM62 Scoring-Matrix (siehe Henikoff und Henikoff
(1992) Proc. Natl. Acad. Sci, USA 89: 10915–10919) Alignments (B) von
50, Erwartung (E) von 10, M = 5, N = 4 und ein Vergleich beider
Stränge.
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Der
BLAST-Algorithmus führt
eine statistische Analyse der Ähnlichkeit
zwischen zwei Sequenzen durch; siehe Karlin und Altschul (1993)
Proc. Natl. Acad. Sci. USA 90: 5873–5787. Ein Maß für die von
dem BLAST-Algorithmus gelieferte Ähnlichkeit ist die kleinste
Summenwahrscheinlichkeit (P(N)), die einen Hinweis auf die Wahrscheinlichkeit
liefert, mit der eine Paarung zwischen zwei Nukleotid- oder Aminosäure-Sequenzen zufälligerweise
erfolgen würde.
Zum Beispiel wird eine Sequenz als ähnlich mit einer anderen Sequenz
erachtet, wenn die kleinste Summenwahrscheinlichkeit beim Vergleich
der ersten Sequenz mit der zweiten Sequenz kleiner als etwa 1, bevorzugt
kleiner als etwa 0,1, bevorzugter kleiner als etwa 0,01 und am bevorzugtesten kleiner
als etwa 0,001 ist.
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Ein
Derivat kann die Sequenz eines HSV1-Genoms aufweisen, das durch
Nukleotidsubstitutionen, bei beispielsweise 1, 2 oder 3 bis 10,
25, 50 oder 100 Substitutionen, modifiziert ist. Das HSV1- oder
HSV2-Genom kann alternativ oder zusätzlich durch ein oder mehrere
Insertionen und/oder Deletionen und/oder durch eine Extension an
einem oder beiden Enden modifiziert sein.
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Eigenschaften des Virusstamms
der Erfindung
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Die
HSV1-JS1-Stämme
der Erfindung sind "Nicht-Labor"-Stämme. Sie
können
auch als "klinische" Stämme bezeichnet
werden. Ein Fachmann des Gebiets wird ohne weiteres zur Unterscheidung
zwischen einem Laborstamm und einem Nicht-Laborstamm, oder einem
klinischen Stamm, in der Lage sein. Weitere Richtlinien zu den Eigenschaften,
die von den Virusstämmen
wahrscheinlich gezeigt werden, sind nachstehend angegeben.
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Der
grundlegende Unterschied zwischen einem Labor- und einem Nicht-Laborstamm
ist der, dass die derzeit allgemein gebräuchlichen Laborstämme für lange
Zeiträume,
in manchen Fällen
von einigen Jahren, in Kultur gehalten wurden. Die Kultur von Viren,
wie etwa HSV, beinhaltet eine als Serienpassage bekannte Technik.
Um die Viren zu züchten
und zu erhalten, werden geeignete Zellen mit dem Virus infiziert,
das Virus innerhalb der Zelle repliziert und das Virus dann geerntet;
daraufhin werden frische Zellen reinfiziert: dieser Prozess stellt
einen Zyklus der Serienpassage dar. Jeder dieser Zyklen kann zum
Beispiel einige Tage im Falle von HSV benötigen. Wie oben erörtert, kann
diese Serienpassage zu Veränderungen
in den Eigenschaften des Virusstamms führen, d.h. es kann eine Selektion
nach Eigenschaften erfolgen, die das Wachstum in Kultur begünstigen
(z.B. schnelle Replikation), im Gegensatz zu Eigenschaften, die
für praktische
Anwendungen nützlich sind.
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Die
Virusstämme
der Erfindung sind Nicht-Laborstämme,
da sie von Stämmen
abgeleitet sind, die erst kurz zuvor von infizierten Individuen
isoliert wurden. Die Stämme
der Erfindung sind im Vergleich zu den ursprünglichen klinischen Isolaten
modifiziert und können
eine gewisse Zeit in Kultur verbracht haben, doch wird jegliche
in Kultur verbrachte Zeit vergleichsweise kurz sein. Die Stämme der
Erfindung werden in solcher Weise präpariert, dass sie die gewünschten
Eigenschaften der ursprünglichen
klinischen Isolate, von denen sie abgeleitet sind, im Wesentlichen
beibehalten.
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Ein
Virus der Erfindung ist zum wirksamen Infizieren von humanen Zielzellen
fähig.
Solch ein Virus ist vor kurzem von einem infizierten Individuum
isoliert worden und wird dann auf die gewünschte erhöhte Replizierfähigkeit
in Tumor- und/oder anderen Zellen in vitro und/oder in vivo im Vergleich
zu standardmäßigen Laborstämmen, oder
(im Falle neurotropher Viren wie HSV) auf eine erhöhte Transportfähigkeit
entlang von Nerven im Vergleich zu standardmäßigen Laborstämmen unter
Verwendung eines in vivo-Modells gescreent. Diese Viren mit verbesserten
Eigenschaften im Vergleich zu Laborvirusstämmen stellen die Viren der
Erfindung dar. Identifizierte Viren mit diesen gewünschten
verbesserten Eigenschaften können
dann so gentechnisch verändert
werden, dass sie selektiv Tumorzellen durch die Mutation eines geeigneten
Gens/e abtöten
können. Diese
modifizierten Viren stellen ebenfalls Viren der Erfindung dar. Alternativ
können
Virusstämme
aus einem infizierten Individuum isoliert werden und für eine onkolytische
Therapie geeignete Mutationen vorgenommen werden. Diese modifizierten
Viren werden dann auf die gewünschten
verbesserten Eigenschaften im Vergleich zu Laborstämmen gescreent,
wobei Viren mit diesen verbesserten Eigenschaften ebenfalls Viren
der Erfindung darstellen.
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Weitere
Richtlinien zu den wahrscheinlichen Eigenschaften der Virusstämme der
Erfindung sind nachstehend angegeben.
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Vorzugsweise
hat ein Virusstamm der Erfindung seit der Isolierung seines unmodifizierten
klinischen Vorläufer-Stamms
aus seinem Wirt drei Jahre oder weniger in Kultur zugebracht. Bevorzugter
hat ein Stamm der Erfindung ein Jahr oder weniger in Kultur zugebracht,
zum Beispiel neun Monate oder weniger, sechs Monate oder weniger,
drei Monate oder weniger oder zwei Monate oder weniger, einen Monat
oder weniger, zwei Wochen oder weniger oder eine Woche oder weniger.
Mit diesen Definitionen der Zeit in Kultur ist die tatsächlich in
Kultur zugebrachte Zeit gemeint. Daher stellt es zum Beispiel eine
verbreitete Praxis dar, die Virusstämme zur Konservierung einzufrieren.
Einleuchtenderweise entspricht Konservieren durch Einfrieren oder
in entsprechender Weise nicht einer Aufbewahrung des Stamms in Kultur.
Daher ist die gefroren oder anderweitig konserviert verbrachte Zeit
nicht von den obigen Definitionen von in Kultur verbrachter Zeit
umfasst. Die in Kultur verbrachte Zeit ist typischerweise die Zeit,
die eigentlich unter Durchlaufung einer Serienpassage verbracht wird,
d.h. die Zeit, während
welcher eine Selektion auf nicht erwünschte Eigenschaften erfolgen
kann.
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Ein
Virusstamm der Erfindung hat vorzugsweise 10 oder weniger Zyklen
einer Serienpassage seit der Isolierung seines unmodifizierten klinischen
Vorläufer-Stamms
aus seinem Wirt vollzogen.
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Vorzugsweise
weist ein Virus der Erfindung eine höhere Fähigkeit auf, wie mittels standardmäßigen statistischen
Tests gemessen, als ein Referenz-Laborstamm mit den entsprechenden
Modifikationen, bestimmte bei der vorliegenden Anwendung nützliche
Funktionen zu erfüllen.
Zum Beispiel weist im Falle eines onkolytischen Virus für die Tumorbehandlung
ein Virusstamm der Erfindung vorzugsweise eine höhere Fähigkeit als ein Referenz-Laborstamm
mit entsprechenden Modifikationen auf, jegliche Tumorzelle zu infizieren oder
zu replizieren, Tumorzellen abzutöten oder sich zwischen Zellen
in Gewebe auszubreiten. Bevorzugter ist diese höhere Fähigkeit eine statistisch signifikante
höhere
Fähigkeit.
Zum Beispiel kann ein Virus der Erfindung das bis zu 1,1-fache,
1,2-fache, 1,5-fache, 2-fache, 5-fache, 10-fache, 20-fache, 50-fache oder
100-fache der Kapazität
des Referenz-Stamms bezüglich
der getesteten Eigenschaft aufweisen.
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Vorzugsweise
weist ein Virus der Erfindung im Wesentlichen die Fähigkeit
seines unmodifizierten klinischen Vorläufer-Stamms bezüglich einer
oder mehrerer der Eigenschaften auf, d.h. behält sie bei, die für die Nützlichkeit
bei der vorliegenden Anwendung charakteristisch ist. Zum Beispiel
weist im Falle eines onkolytischen Virus, das für die Behandlung von Tumoren
vorgesehen ist, ein Virusstamm der Erfindung vorzugsweise im Wesentlichen
die Fähigkeit
seines unmodifizierten klinischen Vorläufer-Stamms zum Infizieren
oder Replizieren einer Tumorzelle, Abtöten von Tumorzellen oder Ausbreiten
zwischen Zellen in Gewebe auf.
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Vorzugsweise
behält
ein Virus gemäß der Erfindung
im Wesentlichen die Eigenschaften seines unmodifizierten klinischen
Vorläufer-Stamms
bei, wenn es in einem quantitativen Test 75%, bevorzugter 80, 90,
95, 98, 99 oder 100% der Kapazität
des unmodifizierten klinischen Vorläufer-Stamms bezüglich der
zu testenden Eigenschaft beibehält.
Bevorzugter werden bezüglich
der zu testenden Eigenschaft jegliche Unterschiede zwischen dem
unmodifizierten klinischen Vorläufer-Stamm
und dem modifizierten Stamm der Erfindung statistisch nicht signifikant
sein.
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Eine
statistische Analyse der hierin beschriebenen Eigenschaften kann
mittels standardmäßiger Tests vorgenommen
werden, zum Beispiel t-Tests, ANOVA oder Chi-Squared-Tests. Typischerweise wird die
statistische Signifikanz bei einem Niveau von p = 0,05 (5%), bevorzugter
p = 0,01, p = 0,001, p = 0,0001, p = 0,000001 gemessen.
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Modifikationen
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Die
Viren der Erfindung sind im Vergleich zu ihren klinischen Vorläufer-Stämmen typischerweise
modifiziert. Insbesondere bestimmte Gene werden typischerweise nicht-funktionell
gemacht, und die Viren können
außerdem
ein heterologes Gen/e umfassen. Typischerweise sind die Viren der
Erfindung abgeschwächt.
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Die
für die
hierin beschriebenen Zwecke veränderten
viralen Regionen können
entweder eliminiert (vollständig
oder teilweise) oder nicht-funktionell gemacht werden, oder durch
andere Sequenzen, insbesondere durch eine heterologe Gensequenz,
substituiert werden. Ein oder mehrere Gene können nicht-funktionell gemacht
werden, und ein oder mehrere heterologe Gene können inseriert werden.
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Onkolytische Viren der
Erfindung
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Bei
einer Ausführungsform
sind die Viren der Erfindung modifizierte, onkolytische Nicht-Laborviren. Diese
werden für
der onkolytischen Behandlung von Krebs nützlich sein. Diese Viren infizieren
und replizieren in Tumorzellen, wodurch sie anschließend die
Tumorzellen abtöten.
Daher sind diese Viren replikationskompetent. Vorzugsweise sind
sie selektiv replikationskompetent in Tumorzellen. Dies bedeutet,
dass sie entweder in Tumorzellen replizieren und nicht in Nicht-Tumorzellen,
oder dass sie in Tumorzellen effizienter replizieren als in Nicht-Tumorzellen.
Die Messung der selektiven Replikationskompetenz kann mittels der
hierin zur Messung der Replikation und der Tumorzell-Abtötkapazität beschriebenen
Tests durchgeführt
und außerdem
mittels der hierin erwähnten
statistischen Techniken analysiert werden, sofern erwünscht.
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Ein
onkolytisches Virus der Erfindung weist vorzugsweise eine höhere Fähigkeit
als ein Referenz-Laborstamm mit denselben Modifikationen auf, eine
Tumorzelle zu infizieren und darin zu replizieren, Tumorzellen abzutöten oder
sich zwischen Zellen in Geweben auszubreiten. Vorzugsweise ist diese
Fähigkeit
eine statistisch signifikant höhere
Fähigkeit,
wie hierin beschrieben. Die Eigenschaften des Virusstamms bezüglich der Tumorzellen
können
in jeglicher im Fachgebiet bekannter Weise gemessen werden.
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Zum
Beispiel kann die Kapazität
eines Virus zum Infizieren einer Tumorzelle durch Messen der Dosis an
Virus quantifiziert werden, die zur Messung eines gegebenen Prozentsatzes
von Zellen, zum Beispiel 50% oder 80% der Zellen, erforderlich ist.
Die Kapazität
zum Replizieren in einer Tumorzelle kann durch Wachstumsmessungen
gemessen werden, wie etwa in den Beispielen durchgeführt (siehe 2),
z.B. durch Messen des Viruswachstums in Zellen über einen Zeitraum von 6, 12,
24, 36, 48 oder 72 Stunden oder länger.
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Die
Fähigkeit
eines Virus, Tumorzellen abzutöten,
lässt sich
grob mit dem bloßen
Auge quantifizieren (siehe 3) oder
exakter durch Zählen
der Anzahl lebender Zellen, die im Zeitverlauf für einen gegebenen Zeitpunkt
und MOI für
einen gegebenen Zelltyp verbleiben. Zum Beispiel können Vergleiche über 24,
48 oder 72 Stunden unter Verwendung irgendeines bekannten Tumorzelltyps
vorgenommen werden. Insbesondere können HT29-kolorektales Adenokarzinom,
LNCaP.FGC-Prostataadenokarzinom, MDA-MB-231-Brustadenokarzinom,
SK-MEL-28-malignes Melanom oder U-87-MG-Glioblastom-Astrozytomzellen
verwendet werden. Jeglicher dieser Zelltypen oder jegliche Kombination
dieser Zelltypen kann verwendet werden, ebenso wie andere Tumorzelltypen.
Die Konstruktion eines standardmäßigen Panels
von Tumorzelltypen mag für
diese Zwecke wünschenswert
sein. Zur Zählung
der Anzahl lebender Zellen, die zu einem gegebenen Zeitpunkt verblieben
sind, kann die Zahl der Trypanblau-ausschließenden Zellen (d.h. lebende
Zellen) gezählt
werden. Die Quantifizierung kann auch mittels Fluoreszenz-aktivierter
Zellsortierung (FACS) oder MTT-Assay erfolgen. Die Fähigkeit
zur Tumorzellabtötung
kann auch in vivo gemessen werden, z.B. durch eine Messung der Verminderung
des Tumorvolumens, wie durch ein bestimmtes Virus hervorgebracht.
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Die
Fähigkeit
eines Virus, sich in Gewebe, insbesondere festem Gewebe, auszubreiten,
kann durch Bestimmen der Anzahl von Zellen an Stellen bestimmt werden,
die mit der Stelle der ursprünglichen
Infektion in Verbindung stehen.
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Um
die Eigenschaften der Viren der Erfindung zu bestimmen, wird allgemein
die Verwendung eines standardmäßigen Referenz-Laborstamms
für Vergleichszwecke
wünschenswert
sein. Der standardmäßige Referenz-Laborstamm
ist einer oder meh rere vom HSV1-Stamm 17+, HSV1-Stamm F und HSV1-Stamm KOS.
Der Referenzstamm wird typischerweise äquivalente Modifikationen zum
zu testenden Stamm der Erfindung aufweisen. So wird der Referenzstamm
typischerweise äquivalente
Modifikationen aufweisen, wie z.B. Gendeletionen und/oder heterologe
Geninsertionen. Sind beispielsweise die ICP34.5- und IC47-codierenden Gene
im Virus der Erfindung nicht-funktionell gemacht worden, so werden
diese auch im Referenzstamm nicht-funktionell gemacht worden sein. Die
am Referenzstamm vorgenommenen Modifikationen können identisch mit denen am
Stamm der Erfindung vorgenommenen sein. Damit ist gemeint, dass
die Genzerstörungen im
Referenzstamm an exakt entsprechenden Positionen zu denen im Stamm
der Erfindung vorliegen werden, z.B. werden Deletionen von derselben
Größe und an
derselben Stelle sein. Ähnlich
werden bei diesen Ausführungsformen
heterologe Gene an derselben Stelle inseriert sein und von demselben
Promotoren gesteuert werden etc. Allerdings ist es nicht wesentlich,
dass identische Modifikationen erzeugt werden. Wichtig ist, dass das
Referenz-Gen funktionell äquivlente
Modifikationen aufweist, z.B. dass dieselben Gene nicht-funktionell gemacht
werden und/oder dasselbe heterologe Gen oder Gene inseriert wird.
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In
einem onkolytischen Virus der Erfindung werden geeignete Modifikationen
am Virus zur Verleihung einer onkolytischen Aktivität, sofern
diese nicht natürlicherweise
vorhanden ist, und vorzugsweise zur Verleihung einer selektiven
onkolytischen Aktivität,
vorgenommen werden.
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Zu
diesen Mutationen, die eine selektive onkolytische Aktivität ermöglichen,
zählt eine
Mutation an den Genen, die ICP34.5, ICP6 und/oder Thymidinkinase
(TK) codieren, vorzugsweise ICP34.5. Solche Mutationen am ICP34.5-codierenden
Gen in Laborstämmen
von HSV sind beschrieben bei Chou et al. 1990, Maclean et al. 1991,
obschon jegliche Mutation, bei der ICP34.5 nicht-funktionell ist,
angewendet werden kann.
-
Demgemäß ist der
HSV-Stamm vorzugsweise so modifiziert, dass ihm ein oder mehrere
von einem funktionellen ICP34.5-codierenden Gen, einem funktionellen
ICP6-codierenden
Gen, einem funktionellen Glykoprotein H-codierenden Gen, einem funk tionellen
Thymidinkinase-codierenden Gen fehlen.
-
Bevorzugter
fehlt dem Virus ein funktionelles IC34.5-codierendes Gen.
-
Weitere
Modifikationen können
ebenfalls vorgenommen werden. Insbesondere kann das Virus so modifiziert
werden, dass ihm ein funktionelles ICP47-Gen fehlt. Dies liegt daran,
dass ICP47 üblicherweise
darauf hinwirkt, die Antigen-Präsentation
in HSV-infizierten Zellen zu blockieren, so dass seine Zerstörung zu
einem Virus führt,
das infizierten Tumorzellen keine speziellen Eigenschaften verleiht,
die diese HSV-infizierten
Zellen vor dem Immunsystem des Wirts schützen würden.
-
Viren,
bei denen irgendwelche anderen Gene deletiert/mutiert sind, die
onkolytische Eigenschaften verleihen (d.h. selektive Replikation
in Tumoren gegenüber
dem umgebenden Gewebe), stellen ebenfalls Viren der Erfindung dar.
Fachleute des Gebiets werden ohnehin erkennen, dass die obige Liste
nicht erschöpfend
ist und dass die Identifizierung der Funktion weiterer Gene in jedem
der obigen Viren die Konstruktion neuer Viren nahe legen kann, die
ebenfalls Viren der Erfindung darstellen.
-
Heterologe/s
Gen(e) können
ebenfalls in solche Viren der Erfindung mittels im Fachgebiet bekannter und/oder
hierin beschriebener Techniken eingeführt werden. In einem onkolytischen
Virus wird das heterologe Gen typischerweise ein solches sein, das
die Kapazität
des Virus zum Wirken gegen Tumoren erhöht. Folglich kann jegliches
Gen, das dem Virus Antitumor-Eigenschaften verleiht, inseriert werden.
Insbesondere kann das heterologe Gen ein Gen sein, das zur Modifikation
der Immunreaktion gegen die Tumorzellen in einer günstigen
Weise fähig
ist, insbesondere ein immunstimulatorisches Polypeptid wie CD40L,
Granulozyten-Makrophagen-Koloniestimulierender Faktor (GMCSF), ein
anderes Zytokin oder Chemokin (z.B. RANTES), B7.1 oder B7.2 oder
IL 12. Alternativ kann das heterologe Gen einen Prodrug-Aktivator wie Nitroreduktase
oder Zytochrom P450 codieren. In diesem Zusammenhang wird die kombinierte
Behandlung von Tumoren mit der durch den Prodrug-Aktivator aktivierten Prodrug und einem
Virus der Erfindung ins Auge gefasst. Alternativ kann das heterologe
Gen einen Tumorsuppressor wie p53 codieren.
-
B. Komplementierende Zelllinien
-
Ist
das Virus der Erfindung ein Herpes-simplex-Virus, dem ein bestimmtes
funktionelles essentielles Gen fehlt, zum Beispiel ein Gen, das
ICP4 oder ICP27 codiert, so wird das Virus der Erfindung auf einer
Zelllinie vermehrt, die jenes essentielle Gen exprimiert. Fehlt
dem Virus beispielsweise ein funktionelles ICP27-Gen, so kann das
Virus auf V27-Zellen (Rice und Knipe, 1990), 2-2-Zellen (Smith et
al., 1992) oder B130/2-Zellen (Howard et al., 1998) vermehrt werden.
Fehlt dem Virus ein funktionelles ICP4-Gen, so kann das Virus auf
einer Zelllinie vermehrt werden, die ICP4 exprimiert, zum Beispiel
E5-Zellen (DeLuca et al., 1985). Fehlt dem Virus ein funktionelles
ICP4-Gen und ein funktionelles ICP27-Gen, so wird das Virus auf
einer Zelllinie vermehrt, die sowohl ICP4 als auch ICP27 exprimiert
(wie etwa E26-Zellen; Samaniego et al., 1995), und fehlt dem Virus
zusätzlich
ein funktionelles vmw65-Gen,
so kann das Virus auf einer Zelllinie vermehrt werden, die außerdem ein
Nicht-HSV-Homologon
von vmw65 enthält
(z.B. von equinem Herpes-Virus wie bei Thomas et al., 1999). Mutationen
von vmw65 können
auch durch Aufnahme von Hexamethylenbisacetamid (HMBA) in das für das Viruswachstum
verwendete Medium (MacFarlane et al., 1992) teilweise kompensiert
werden.
-
ICP27-exprimierende
Zelllinien können
durch Cotransfektion von Säugerzellen,
zum Beispiel den Vero- oder BHK-Zellen, mit einem Vektor, vorzugsweise
einem Plasmidvektor, der ein funktionelles HSV ICP27-Gen umfasst,
das in jenen Zellen exprimierbar ist, und einem Vektor, vorzugsweise
einem Plasmidvektor, der einen selektierbaren Marker, zum Beispiel
die Neomycin-Resistenz, codiert, produziert werden. Die Klone, die
den selektierbaren Marker besitzen, werden dann weiter gescreent,
um zu bestimmen, welche Klone auch funktionelles ICP27 exprimieren,
zum Beispiel auf der Grundlage ihrer Fähigkeit, das Wachstum von ICP27-HSV-Stämmen zu
unterstützen,
unter Anwendung von Methoden, wie sie den Fachleuten des Gebiets bekannt
sind (zum Beispiel wie beschrieben bei Rice und Knipe, 1990).
-
Zelllinien,
die keine Umkehrung eines ICP27-mutierten HSV-Stamms zu einem Stamm
mit einem funktionellen ICP27 erlauben, werden wie oben beschrieben
produziert, wobei sichergestellt wird, dass der ein funktionelles
ICP27-Gen umfassende Vektor keine Sequenzen enthält, die mit Sequenzen überlappen
(d.h. dazu homolog sind), die im ICP27-mutierten Virus verbleiben.
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Wo
HSV-Stämme
der Erfindung inaktivierende Modifikationen in weiteren essentiellen
Genen umfassen, zum Beispiel ICP4, werden komplementierende Zelllinien
ein funktionelles HSV-Gen umfassen, welches das modifizierte essentielle
Gen in derselben Weise wie für
ICP27 beschrieben komplementiert. Zum Beispiel wird im Falle von
HSV-Stämmen,
die Mutationen sowohl in ICP27 als auch ICP4 umfassen, eine Zelllinie,
die sowohl ICP27 als auch ICP4 exprimiert, verwendet (wie etwa beschrieben
bei Samaniego et al., 1995 oder bei Thomas et al., 1999). HSV-Stämme, die
weitere essentielle Gene exprimieren, können in ähnlicher Weise zu der für ICP27
beschriebenen konstruiert werden. Auch hierbei ist, wenn sichergestellt
ist, dass keine Sequenzüberlappung
zwischen der verbliebenen Virus-DNA und der in die Zelllinie für das Viruswachstum
inserierten DNA vorliegt, die Möglichkeit
einer Reversion des Virus zu einer weniger unschädlich gemachten Form während des
Wachstums minimiert.
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C. Methoden der Mutation
-
Die
verschiedenen genannten viralen Gene können mittels mehrerer im Fachgebiet
wohlbekannter Techniken funktionell inaktiv gemacht werden. Zum
Beispiel können
sie durch Deletion(en), Substitution(en) oder Insertion(en), vorzugsweise
durch Deletion, funktionell inaktiv gemacht werden. Eine Deletion
kann einen Abschnitt von Genen oder das gesamte Gen entfernen. Zum
Beispiel kann die Deletion von lediglich einem Nukleotid vorgenommen
werden, was zu einem Frame-Shift führt. Vorzugsweise wird jedoch
eine größere Deletion
vorgenommen von zum Beispiel mindestens 25%, bevorzugter mindestens
50% der gesamten codierenden und nicht-codierenden Sequenz (oder
alternativ, absolut ausgedrückt,
mindestens 10 Nukleotiden, bevorzugter mindestens 100 Nukleotiden,
am bevorzugtesten mindestens 1000 Nukleotiden). Besonders bevorzugt wird
das gesamte Gen und ein Teil der flankierenden Sequenzen entfernt.
Eine inserierte Sequenz kann ein oder mehrere der nachstehend beschriebenen
heterologen Gene enthalten. Im Falle des vmw65-Gens wird nicht das
gesamte Gen deletiert, da es ein essentielles Strukturprotein codiert,
doch wird eine kleine inaktivierende Mutation vorgenommen, durch
welche die Fähigkeit
von vmw65 zur Aktivierung transkriptioneller IE-Gene beseitigt wird
(z.B. wie bei Ace et al., 1989 oder Smiley et al., 1997).
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Die
Mutationen werden in den Herpes-Viren durch den Fachleuten des Gebiets
wohlbekannte homologe Rekombinationsmethoden vorgenommen. Zum Beispiel
wird HSV-genomische DNA zusammen mit einem Vektor, vorzugsweise
einem Plasmidvektor, der die mutierte Sequenz, flankiert durch homologe
HSV-Sequenzen, umfasst, transfiziert. Die mutierte Sequenz kann
eine Deletion(en), Insertion(en) oder Substitution(en) umfassen,
die alle mittels routinemäßiger Techniken
konstruiert werden können.
Zu Insertionen können selektierbare
Markergene zählen,
zum Beispiel lacZ oder GFP, um rekombinante Viren zum Beispiel anhand der β-Galactosidase-Aktivität oder Fluoreszenz
zu screenen.
-
D. Heterologe Gene und
Promotoren
-
Die
Viren der Erfindung können
so modifiziert werden, dass sie ein heterologes Gen/Gene tragen.
Der Begriff "heterologes
Gen" umfasst jegliches
Gen. Obschon ein heterologes Gen typischerweise ein Gen ist, das
nicht im Genom eines Herpesvirus vorhanden ist, können Herpes-Gen/Gene
verwendet werden, vorausgesetzt, dass die Codierungssequenz nicht
mit den viralen Kontrollsequenzen operativ verknüpft ist, mit denen sie natürlicherweise
verbunden ist. Das heterologe Gen kann jegliche allele Variante
eines Wildtyp-Gens sein oder kann ein mutiertes Gen sein. Der Begriff "Gen" soll Nukleinsäure-Sequenzen
abdecken, die zumindest transkribierbar sind. So sind Sequenzen,
die mRNA, tRNA und rRNA codieren, innerhalb dieser Definition enthalten.
Allerdings betrifft die vorliegende Erfindung die Expression von
Polypeptiden und nicht von tRNA und rRNA. mRNA-codierende Sequenzen
werden wahlweise einen Teil oder die gesamten 5'- und/oder 3'-transkribierten, doch untranslatierten
flankierenden Sequenzen umfassen, die natürlicherweise, oder anderweitig,
mit der translatierten Codierungssequenz assoziiert sind. Sie kann
wahlweise außerdem
die assoziierten transkriptionellen Kontrollsequenzen umfassen,
die normalerweise mit den tanskribierten Sequenzen assoziiert sind,
zum Beispiel Transkriptions-Stoppsignale, Polyadenylierungsstellen
und stromabwärts-Enhancerelemente.
-
Das
heterologe Gen/Gene kann in das virale Genom durch homologe Rekombination
von HSV-Stämmen
mit beispielsweise Plasmidvektoren eingeführt werden, die das heterologe
Gen/Gene, flankiert durch HSV-Sequenzen, tragen. Das heterologe
Gen/Gene kann in einem geeigneten Plasmidvektor, der Herpes-Virus-Sequenzen
umfasst, unter Anwendung von im Fachgebiet wohlbekannten Klonierungstechniken
eingeführt
werden. Das heterologe Gen/Gene kann in das virale Genom an jeglicher
Lokalisation eingeführt
werden, vorausgesetzt, dass das Virus nach wie vor vermehrt werden
kann. Vorzugsweise wird das heterologe Gen/Gene in ein essentielles
Gen inseriert. Heterologe Gene können
an vielfachen Stellen innerhalb des Virusgenoms eingeführt werden.
-
Die
transkribierte Sequenz des heterologen Gens/Gene ist vorzugsweise
an eine Kontrollsequenz operativ geknüpft, die die Expression des
heterologen Gens/Gene in Säugerzellen,
vorzugsweise einer Tumorzelle oder einer Zelle des Nervensystems,
erlaubt. Der Begriff "operativ
verknüpft" bezieht sich auf
eine Juxtaposition, worin die beschriebenen Komponenten in einer
Beziehung stehen, die ihnen die Funktion in ihrer vorgesehenen Weise
erlaubt. Eine an eine Codierungssequenz "operativ geknüpfte" Kontrollsequenz wird in solcher Weise
ligiert, dass die Expression der Codierungssequenz unter Bedingungen
erreicht wird, die mit der Kontrollsequenz kompatibel sind.
-
Die
Kontrollsequenz umfasst einen Promotor, der die Expression des heterologen
Gens/Gene erlaubt, und ein Signal für die Beendigung der Transkription.
Der Promotor wird aus Promotoren ausgewählt, die in Säugern, vorzugsweise
Menschen, Zellen des Nervensystems oder in Tumoren oder in Zellen
des Immunsystems funktionell sind. Der Promotor/Promotoren kann
von Promotorsequenzen von eukaryontischen Genen abgeleitet sein.
Zum Beispiel können
Promotoren vom Genom einer Zelle abgeleitet sein, in der die Expression des
heterologen Gens erfolgen soll, vorzugsweise einem Säuger, bevorzugt
einer menschlichen Zelle. Bezüglich
der eukaryontischen Promotoren können
dies Promotoren sein, die in einer generalisierten Weise funktionieren
(wie etwa Promotoren von β-Actin,
Tubulin), oder alternativ einer Gewebe-spezifischen Weise, wie etwa der
Neuronen-spezifische Enolase-(NSE)-Promotor. Es können auch Promotoren sein,
die auf spezifische Reize reagieren, zum Beispiel Promotoren, die
Steroidhormon-Rezeptoren binden. Virale Promotoren können ebenfalls
verwendet werden, zum Beispiel der murine Moloney-Leukämievirus-Long-Terminal-Repeat
(MMLV LTR)-Promotor oder andere retrovirale Promotoren, der humane
oder Maus-Zytomegalovirus-(CMV)-IE-Promotor, oder Promotoren von
Herpesvirus-Genen, einschließlich
derer, die die Expression von Latenz-assoziierten Transkripten steuern.
-
Expressionskassetten
und andere geeignete Konstrukte, die das heterologe Gen/Gene und
Kontrollsequenzen umfassen, können
unter Anwendung routinemäßiger Kloniertechniken,
wie sie den Fachleuten des Gebiets bekannt sind, hergestellt werden
(siehe zum Beispiel Sambrook et al., 1989, Molecular Cloning – A laboratory
manual: Cold Spring Harbor Press).
-
Es
mag auch von Vorteil sein, dass die Promotoren induzierbar sind,
so dass die Expressionshöhen des
heterologen Gens während
der Lebensdauer der Zelle reguliert werden können. Induzierbar bedeutet, dass
die unter Verwendung des Promotors erzielten Expressionshöhen reguliert
werden können.
Zum Bespiel würde
in einer bevorzugten Ausführungsform,
bei der mehr als ein heterologes Gen in das HSV-Genom eingeführt wird,
ein Promotor einen solchen umfassen, der für das tet-Repressor/VP16-Transkriptionsaktivator-Fusionsprotein,
das bereits zuvor berichtet wurde (Goosen und Bujard, 1992, Grossen
et al., 1995) verantwortlich ist und würde er das heterologe Gen steuern,
dessen Expression reguliert werden soll. Der zweite Promotor würde einen
starken Promotor umfassen (z.B. den CMV IE-Promotor) der die Expression
des tet-Repressor/VP16-Fusionsproteins steuert. Daher würde in diesem
Beispiel die Expression des ersten heterologen Gens von der Anwesenheit
oder Abwesenheit von Tetracyclin abhängen.
-
Heterologe
Gene werden typischerweise Polypeptide von therapeutischem Nutzen
codieren. Bei onkolytischen Anwendungen können heterologe Gene Proteine
codie ren, die selbst zytotoxisch sind, Prodrug-aktivierende Enzyme
oder solche, die zur Stimulierung oder Steigerung einer Antitumor-Immunreaktion
fähig sind,
codieren.
-
Heterologe
Gene können
auch Markergene (die zum Beispiel β-Galactosidase oder grünes Fluoreszenzprotein
oder andere Fluoreszenzproteine codieren) oder Gene, deren Produkte
die Expression weiterer Gene regulieren (zum Beispiel Transkriptions-regulierende
Faktoren einschließlich
des oben beschriebenen tet-Repressor/vmw65-Transkriptionsaktivator-Fusiosproteins)
umfassen.
-
Die
therapeutischen Anwendungen können
durchaus die Verabreichung vielfacher Gene erforderlich machen.
Die Expression multipler Gene kann für die Behandlung einer Vielzahl
von Zuständen
von Vorteil sein. Herpes-Viren sind in einzigartiger Weise geeignet,
da sie nicht die beschränkten
Verpackungskapazitäten
der anderen viralen Vektorsysteme aufweisen. So können vielfache
heterologe Gene innerhalb ihres Genoms untergebracht werden. Zum
Beispiel können
zwei bis fünf
Gene in das Genom eingeführt
werden.
-
Es
gibt beispielsweise mindestens zwei Wege, auf denen dies erreicht
werden könnte.
Zum Beispiel könnten
mehr als ein heterologes Gen und assoziierte Kontrollsequenzen in
einen bestimmten HSV-Stamm entweder an einer einzelnen Stelle oder
an vielfachen Stellen im Virusgenom eingeführt werden. Es wäre auch möglich, Paare
von Promotoren (dieselben oder unterschiedliche Promotoren) zu verwenden,
die in entgegengesetzte Orientierungen voneinander weg zeigen, wobei
diese Promotoren jeweils die Expression eines heterologen Gens (desselben
oder eines unterschiedlichen heterologen Gens) steuern, wie oben
beschrieben.
-
E. Therapeutische Anwendungen
-
Die
Viren der Erfindung können
bei therapeutischen Methoden verwendet werden. Insbesondere können die
onkolytischen Viren der Erfindung bei Anwendungen einschließlich der
onkolytischen Behandlung von Krebs, z.B. durch direkte Intra-Tumorinjektion, verwendet
werden. Wo das Virus ein heterologes Gen umfasst, das einen Prodrug-Aktivator
codiert, kann eine zusätzliche
Prodrug-Therapie durchge führt
werden. Außerdem kann
die Behandlung mit der Stimulierung einer Immunreaktion mittels
irgendeiner im Fachgebiet bekannten Methode kombiniert werden. Die
Viren der Erfindung können
bei der therapeutischen Behandlung irgendeines festen Tumors in
einem Säuger,
vorzugsweise in einem Menschen, verwendet werden. Zum Beispiel können die
Viren der Erfindung einem Patienten mit Prostata-, Brust-, Lungen-,
Leber-, Endometrium-, Blasen-, Darm- oder Gebärmuuterhalskarzinom; Adenokarzinom;
Melanom; Lymphom; Gliom; oder Sarkomen wie Weichteil- und Knochensarkomen,
verabreicht werden.
-
F. Verabreichung
-
Die
Viren der Erfindung können
daher bei einem Patienten, vorzugsweise einem menschlichen Patienten,
der behandlungsbedürftig
ist, verwendet werden. Die Viren der Erfindung können für die onkolytische Behandlung
von Krebs verwendet werden. Das Ziel der therapeutischen Behandlung
ist die Verbesserung des Zustands des Patienten. Eine typische therapeutische
Behandlung unter Verwendung eines Virus der Erfindung wird die Symptome
der Erkrankung oder des Zustands des zu behandelnden Patienten mildern.
Eine Behandlungsmethode gemäß der Erfindung
umfasst daher die Verabreichung einer therapeutisch wirksamen Menge
eines Virus der Erfindung an einen an Krebs leidenden Patienten.
-
Die
Verabreichung eines onkolytischen Virus der Erfindung an einen Patienten,
der an einem Tumor leidet, wird typischerweise die Zellen des Tumors
abtöten
und somit die Größe des Tumors
vermindern und/oder die Ausbreitung der malignen Zellen vom Tumor
verhindern.
-
Eine
Methode zur Verabreichung einer Therapie umfasst das Kombinieren
des Virus mit einem pharmazeutisch verträglichen Träger oder Verdünnungsmittel
zum Erhalt einer pharmazeutischen Zusammensetzung. Zu geeigneten
Trägern
und Verdünnungsmitteln
zählen
isotonische Salinelösungen,
zum Beispiel Phosphat-gepufferte Saline.
-
Die
onkolytische Behandlung und/oder der Gentransfer zu Zellen für therapeutische
Zwecke kann dann im Anschluss an eine Direktinjektion der Vektorzusammensetzung
in das Zielgewebe erfolgen. Die Menge an verabreichtem Virus liegt
im Falle von HSV im Bereich von 104 bis
1010 pfu, vorzugsweise von 105 bis 108 pfu, bevorzugter etwa 106 bis
108 pfu. Bei Injektion für eine onkolytische Behandlung
werden typischerweise bis zu 500 μl,
typischerweise von 1 bis 200 μl,
bevorzugt von 1 bis 10 μl
einer pharmazeutischen Zusammensetzung, die im Wesentlichen aus
dem Virus und einem pharmazeutisch verträglichen geeigneten Träger oder
Verdünnungsmittel
besteht, für
die Injektion verwendet. Allerdings können für einige onkolytische Therapieanwendungen
auch größere Volumina
von bis zu 10 ml in Abhängigkeit
von dem Tumor oder der Beimpfungsstelle verwendet werden.
-
Die
beschriebenen Verabreichungswege und Dosierungen sollen lediglich
als eine Richtlinie dienen, da ein geübter Fachmann ohne weiteres
zur Bestimmung des optimalen Verabreichungswegs und der Dosierung
in der Lage sein wird. Die Dosierung kann entsprechend verschiedener
Parameter bestimmt werden, insbesondere entsprechend dem Alter,
Gewicht und Zustand des zu behandelnden Patienten, dem Schweregrad der
Erkrankung oder des Zustands und dem Verabreichungsweg.
-
Der
bevorzugte Verabreichungsweg für
einen an Krebs leidenden Patienten besteht in der Direktinjektion
in den Tumor. Das Virus kann auch systemisch oder durch Injektion
in ein den Tumor versorgendes Blutgefäß verabreicht werden. Der optimale
Verabreichungsweg hängt
von der Lokalisation und der Größe des Tumors
ab. Die Dosierung kann entsprechend verschiedener Parameter bestimmt
werden, insbesondere entsprechend der Lokalisation des Tumors, der
Größe des Tumors,
dem Alter, Gewicht und Zustand des zu behandelnden Patienten und
dem Verabreichungsweg.
-
G. Nicht-therapeutische
Aspekte
-
Ebenfalls
bereitgestellt werden Methoden zum Identifizieren geeigneter klinischer
Stämme
für die
Modifikation gemäß der Erfindung.
Außerdem
werden Methoden zur Zielvalidierung bereitgestellt. Dies betrifft
die Identifizierung von Genen, die zur Ver wendung beiden therapeutischen
Anwendungen der Erfindung geeignet sind, wie oben beschrieben.
-
Methoden
zur Produktion der Viren der Erfindung werden ebenfalls bereitgestellt.
-
Die folgenden
Beispiele veranschaulichen die Erfindung
-
Herpes-simplex-Typ-1-Virus
(HSV1), in welchem der Neurovirulenz-Faktor ICP34.5 inaktiviert
ist, ist bereits zuvor als die Tumor-spezifische Zelllyse lenkend
in Tumormodellen sowohl in vitro als auch in vivo nachgewiesen worden.
Diese Viren wurden auch in Phase I-klinischen Studien durch direkte
intracerebrale Injektion bei Gliompatienten im Spätstadium
als sicher nachgewiesen.
-
In
einer früheren
Arbeit sind serienpassagierte Laborisolate von HSV1 (von HSV1-Stamm 17+ oder HSV1-Stamm
F abgeleitete Viren) verwendet worden, die als in ihrer lytischen
Fähigkeit
in humanen Tumorzellen im Vergleich zu jüngeren klinischen Isolaten
als abgeschwächt
erwartet werden könnten.
-
In
einer auf die Produktion von IC34.5-deletiertem HSV mit erhöhtem onkolytischem
und Antitumor-Potenzial gerichteten Arbeit haben wir ICP34.5 aus
einem klinischen HSV1-Isolat deletiert und das replikative und lytische
Potenzial in einer Anzahl von humanen Tumorzelltypen im Vergleich
zum HSV1-Stamm 17+ (einem standardmäßigen Laborstamm) verglichen.
-
Viruskonstruktion (siehe 1)
-
Die
verwendeten Viren basierten entweder auf dem HSV1-Stamm 17+ (einem
standardmäßigen Laborstamm)
oder zwei klinischen Isolaten, die von Lippenbläschen von häufigen Reaktivatoren von HSV1
abgeleitet waren. Diese Stämme
wurden als BL1 und JS1 bezeichnet. ICP34.5 wurde vollständig aus
Stamm 17+ und JS1 deletiert, zusammen mit der Insertion einer CMV-GFP-Kassette.
JS1 wurde ebenfalls durch die Insertion von humanem oder Maus-GM-CSF
weiter gentechnisch verändert,
um das ICP34.5-Gen zu ersetzen. BL1 und JS1 sind daher klinische
Isolate oder "Nicht-Labor"-Stämme. Die
hierin erörterten
Derivate von JS1 sind ebenfalls Nicht-Laborstämme, d.h. modifizierte Nicht-Laborstämme der
Erfindung.
-
Viruswachstum in Tumorzellen
(siehe 2)
-
JS1
und BL1 zeigten ein erhöhtes
Wachstum in einigen getesteten humanen Tumorzellen im Vergleich zu
HSV1 IC34.5-deletiertem Stamm 17+, wenn über einen Zeitraum von 72 Stunden
getestet (2). JS1 wurde für eine weitere
Studie ausgewählt,
und die oben beschriebenen Modifikationen (siehe 1 und
oben) wurden daran vorgenommen.
-
Lytische Fähigkeiten
der Viren (siehe 3)
-
Die
lytischen (zellabtötenden)
Fähigkeiten
waren mit dem Virus, das von JS1-abgeleiteten
Nicht-Laborstämmen
abgeleitet war, in allen getesteten Tumorzelllinien erhöht. Genauer
gesagt und bezugnehmend auf 3 zeigte
das Virus JS1/34.5-, d.h. JS1 mit durch Deletion entferntem ICP34.5,
erhöhte
lytische Fähigkeiten
in HT29-kolorektalem Adenokarzinom, LNCaP.FGC-Prostataadenokarzinom,
MDA-MB-231-Brustadenokarzinom,
SK-MEL-28-maglinem Melanom und U-87-MG-Glioblastom-Astrozytomzellen.
-
Die
lytischen Fähigkeiten
wurden auch in SK-MEL-28-, MDA-MB-231- und HT29-Zellen durch Trypanblau-Ausschluss-Assay
der infizierten Zellen bei verschiedenen Dosen und Zeiten nach Infektion
mit BL1, JS1 im Vergleich zum Stamm 17+ ausgewertet. Trypanblau
wird von lebenden Zellen ausgeschlossen, wodurch die Anzahlen der
in einer Kultur verbliebenen lebenden Zellen in dieser Weise ausgewertet
werden können. Die
Duplikat-Wells von Sechs-Well-Schalen kultivierte Tumorzelllinien
wurden für
24, 48 oder 72 Stunden bei einem MOI von 0,1 oder 1 mit entweder
17+, BL1 oder JS1 infiziert, und die Zahlen an lebenden Zellen wurden gezählt. Die
prozentualen Anzahlen der lebenden Zellen in den äquivalenten
uninfizierten Kontroll-Wells
sind in Tabelle 1 gezeigt.
-
So
werden wie in allen Fällen
mehr Tumorzellen mit den Viren der klinischen Isolate BL1 und JS1
als mit dem Laborisolat 17+ abgetötet, was eine erhöhte onkolytische
Aktivität
ergibt. Die Verwendung der jüngeren
klinischen Virusstämme
neigt zur Erhöhung
der Antitumor-Kapazitäten
dieser Viren, die zum Erhalt einer Tumorselektiven Replikation (z.B.
durch die Deletion von ICP34.5) modifiziert sind, wenn bei menschlichen
Patienten für
die Krebsbehandlung angewendet.
-
-
Weiter erhöhte Antitumor-Aktivität
-
Eine
weiter erhöhte
Aktivität
kann auch erwartet werden, wenn diese Viren dann zum Transfer von
Genen mit Antitumor-Aktivität
verwendet werden. Zu diesen Genen zählen solche, die Prodrug-Aktivatoren
oder immunstimulatorische Proteine codieren.
-
Zu
diesem Zweck haben wir aus JS1 ein ICP34.5-deletiertes klinisches
Isolat von HSV1 erzeugt, welches humanes oder Maus-GM-CSF exprimiert.
GM-CSF ist ein potenter Immunstimulator. Dieses Virus ist zur Erhöhung der
Antitumor-Immunreaktionen
auf die intratumorale Injektion hin designed.
-
Literaturnachweise
-
- Chou et al, 1990, Science 250: 1262–1266
- Maclean et al, 1991, J. Gen. Virol. 72: 631–639
- Samaniego et al, 1998, J. Virol. 72: 3307–3320
- Krisky et al, 1998, Gene Therapy 5: 1593–1603
- Thomas et al, 1999, J. Virol. 73: 7399–7409
- MacFarlane et al, 1992, J. Gen. Virol. 73: 285–292
- Howard et al, 1998, Gene Therapy 5: 1137–1147
- Samaniego LA et al, 1995, J. Virol. 69: 5705–5715
- Ace CI et al, 1989, J. Virol. 63: 2260–2269
- Smith IL et al, 1992, Virol. 186: 74–86
- Rice SA and Knipe DM, 1990, J. Virol. 64: 1704–1715
- DeLuca NA et al, 1985, J. Virol. 56: 558–570
- Gossen M & Bujard
H, 1992, PNAS 89: 5547–5551
- Gossen M et al, 1995, Science 268: 1766–1769
- Smiley, J. R. & Duncan
J., 1997, J. Virol. 71: 6191–6193
- Thompson et al 1998, Virus Genes 1(3): 275–286
- Meignier et al 1998, J. Infect. Dis. 159: 602-614
-
Hinterlegungsinformation
-
HSV1-Stamm
JS1 ist bei der European Collection of Cell Cultures (ECACC), CAMR,
Salisbury, Wiltshire SP4 0JG, United Kingdom, am 02. Januar 2001
unter der Zugriffsnummer V01010209 hinterlegt worden.